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Diskutiere im Thema ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis? im Forum Hilfe durch Behörden/Institutionen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.212

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Fliegerlein schreibt:
    Da muss ich nochmal nachhaken, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe.

    Soweit ich weiß, geht es bei der Bestimmung eines Grades der Behinderung nicht nur um das berufliche Leben, sondern um generelle Beeinträchtigungen.

    Man kann ja durchaus auch als Schwerbehinderter auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten, hat aber aufgrund der Beeinträchtigungen entsprechende Sonderstellungen, eben um in diesem 1. Arbeitsmarkt bestehen zu können, z.B. gesonderten Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage etc.


    Ich habe z.B. eine anerkannte Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von 50
    (das wird übrigens nicht in Prozent angegeben, sondern als GdB)

    Trotzdem kann ich theoretisch im 1.Arbeitsmarkt tätig sein.
    In meinem fall ist das nicht so, weil ich derzeit noch voll erwerbsgemindert bin.

    Erwerbsminderung und GdB sind voneinander unabhängig.
    Man kann schwerbehindert sein, ohne ganz oder teilweise erwerbsgemindert zu sein und umgekehrt kann man auch voll erwerbsgemindert sein, ohne dass eine anzuerkennende Behinderung vorliegt.

    In meinem Fall wurde die Schwerbehinderung übrigens auch nicht über die ADHS festgestellt, die ist nicht mal erwähnt, obwohl sie die ja Basis der Beeinträchtigungen ist.
    Auch bei mir sind es die Komorbiditäten, welche zu dem GdB geführt haben.
    Die ADHS hat man allerdings sozusagen "indirekt" mit einbezogen, indem man immerhin verstanden hat, dass diese Störung lebenslang besteht.
    Daher ist mein SBA unbefristet ausgestellt worden.

    Das meinte ich in einem anderen Zusammenhang, natürlich ist man nicht nur schwerbehindert wenn man im beruflichen leben eingeschränkt ist, es gibt ja diese 3 oder 4 Bereiche, das meinte ich, den beruflichen, das Sozialleben, die Selbstständigkeit und ich glaube noch irgendwas.... woran die eine Behinderung feststellen. Je nachdem wie stark und auch wie viele Bereiche betroffen sind, ist der GdB.

    Ich habe dort nur den beruflichen Bereich gemeint.


    (Mit % weiss ich, ist immer noch ein altes Relikt von mir )
    Geändert von creatrice (27.11.2015 um 14:06 Uhr)

  2. #12
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Fliegerlein schreibt:

    Ich habe z.B. eine anerkannte Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von 50
    (das wird übrigens nicht in Prozent angegeben, sondern als GdB)

    Trotzdem kann ich theoretisch im 1.Arbeitsmarkt tätig sein.
    In meinem fall ist das nicht so, weil ich derzeit noch voll erwerbsgemindert bin.

    Erwerbsminderung und GdB sind voneinander unabhängig.
    Man kann schwerbehindert sein, ohne ganz oder teilweise erwerbsgemindert zu sein und umgekehrt kann man auch voll erwerbsgemindert sein, ohne dass eine anzuerkennende Behinderung vorliegt.
    Hallo Fliegerlein,

    ich habe hierzu einige Fragen, denn ich möchte meine Berufsunfähigkeitsversicherung (private) in Anspruch nehmen. Mein GdB liegt bei 90, wobei ich hier nur ADHS (30) und an Taubheit grenzende Hörminderung (80) bds. angegeben habe; alle anderen Diagnosen und Gesundheitsstörungen würden höchstwahrscheinlich ohnehin keine Änderung am GdB bewirken.

    Rein körperlich, kognitiv und von der psychischen Leistungsfähigkeit her betrachtet, bin ich nicht erwerbsunfähig, könnte unter entsprechenden Bedingungen (reizarm, keine körperlich schwere Arbeiten, kein hoher kommunikativer Anspruch, wenig Kundenumgang, etc.) schon normale Arbeitszeiten ableisten, und das auch auf Dauer.

    So, nun kommt das Problem:
    Mein Beruf ist Ärztin. Durch meine Schwerhörigkeit ist mir der Zugang zu den typischen ärztlichen Tätigkeitsfeldern (Arzt im Klinikum und in der Praxis) nur eingeschränkt möglich. Aber er ist mir nicht unmöglich durch die Schwerhörigkeit, denn es gibt zum einen sogar gehörlose Ärzte, und zum anderen kann ich in der 1:1 Situation fast unauffällig mit dem Patienten reden; Hörprobleme gibt es nur, wenn der Patient einen Dialekt spricht, Ausländer ist oder die Stimme leise ist wie z.B. bei Depressionen. Abhören mit dem Stethoskop als eine der wichtigsten ärztlichen Techniken ist mir nicht möglich, könnte aber wohl durch einen Assistenten, der mir über das persönliche Budget gestellt werden könnte, übernommen werden. Hörtechnisch garnicht möglich sind: Teambesprechungen (könnte aber auch durch einen Mitschreibeassistenten abgefedert werden), die Situation in der Notaufnahme, im OP (Mundschutz, schnelle Gespräche, schnelles Handeln erforderlich, daher auch keine Zeit, Nichtgehörtes zu erraten, bzw. nachzufragen), die schnelle Kommunikation mit den Krankenschwestern in einer Notsituation, das Telefonieren, der Pieper (kann aber durch einen Lichtsignal"pieper" ersetzt werden).
    Also, auch als "nur hörgeschädigter" Arzt könnte ich in vielen Bereichen, auch im Patientenkontakt gut arbeiten.

    Jetzt kommt aber noch meine psychische Komponente hinzu, die mir die Berufstätigkeit in Wirklichkeit viel mehr verbaut als die rein hörtechnische Seite:
    Aufgrund des immer wieder erlebten Andersseins und des Gefühls, nicht dazu zu gehören, der mangelnden Fähigkeit, das Verhalten der Menschen um mich herum zu verstehen, Prosopagnosie, Orientierungsstörungen (ja, ich verlaufe mich in großen Krankenhäusern immer wieder), ein häufig unbedarft-kindliches Erscheinen gepaart mit extremer Ungeduld und Störung der Merkfähigkeit bei Dingen, die mich nicht massiv interessieren, habe ich es nicht geschafft, mich im Klinikalltag zu integrieren und die erforderliche klinische Praxis zu sammeln, um eine Facharztausbildung abschließen zu können oder überhaupt als Arzt in einer Praxis selbständig mitarbeiten zu können.
    Bei den Teambesprechungen habe ich oft "abgeschaltet", zum einen, weil ich nicht gehört habe und zum anderen, weil ich diese ganzen Informationen dort auch nicht aufnehmen konnte. Ich konnte auch Patienten, deren Namen und Zimmer nicht zuordnen und habe auch die Kollegen nicht wiedererkannt. In der Chirurgie wurde ich ausgelacht und ausgeschimpft, weil ich es als einzige immer wieder schaffte, unsteril zu werden und meine Finger zu "verknoten"; wußte auch nicht, was ich machen sollte, wurde dann angeschrien und hatte schließlich nur noch Angst. Wegen meiner erfahrenen "Blödheit" hatte ich mich nur noch zurückgezogen und habe auch niemanden mehr gefragt - und so konnte ich natürlich nichts lernen - und jedesmal, wenn ich mir vorstelle, dass ich selbsttätig in einer Station als Ärztin arbeiten sollte, kriege ich Panik. In der Praxis ging es noch, wenn diese sehr strukturiert war, da konnte ich sogar sehr gute Leistungen abliefern, aber leider gibt es kaum Praxen, wo es strukturiert ist und die Patienten genau nach Terminen kommen (also, wo es nicht überlaufen ist und man von Zimmer zu Zimmer huschen muß), und es gäbe kaum einen geduldigen Arzt, der mich so einweist, wie es für mich nötig ist. Mir fehlt wegen meines mangelnden Selbstwertgefühls eben auch das Durchsetzungsvermögen, und meine Angst vor Kritik ist sehr groß.

    Mit dem direkten Patientenumgang und dem Untersuchen habe ich übrigens nie Probleme gehabt, eher im Gegenteil (außer dieses Problems, die Leute nicht wiederzuerkennen, aber mir half es, wenn ich die Diagnosen der Patienten hatte - dann wußte ich, welche Diagnose in welchem Zimmer war und am Fenster, Mitte oder Tür lag).

    Nur, wer mich jetzt so oberflächlich kennt, würde nie auf die Idee kommen, dass ich solche Defizite habe. Wenn ich in meinem Thema bin und über irgendwas doziere, hält man mich für extrem intelligent, ich wirke auch selbstbewußt und weiß auch, was ich will (bzw. was ich nicht will).

    Aber Forschung ist nichts für mich, ist mir zu langweilig. Ich kann da nicht dranbleiben und möchte lieber schnell und viele neue Informationen sammeln, als irgendein klitzekleines Thema lang und breit zu erforschen und v.a. Literaturarbeit dazu zu machen. Außerdem hatte ich auch hier mehrmals Probleme mit den Professoren, die waren immer ganz schnell froh, wenn sie mich los waren. Wahrscheinlich hatte ich auch hier wieder Ängste.

    Man könnte mich auch auf die Pharmakologie verweisen, aber im Labor stehen, das paßt nicht wirklich zu mir.

    1) Ist es jetzt so, dass ich argumentieren kann, dass meine psychische Situation primär für eine weitgehende Berufsunfähigkeit im Berufsspektrum eines Mediziners verantwortlich ist, obwohl dafür keine große Behinderung durch das "Versorgungsamt" (heißt ja jetzt Amt für Soziales, etc.) attestiert wurde? Also sollte ich mir meine Probleme durch meine Psychiaterin dokumentieren lassen (die kennt mich ja nun inzwischen sehr gut und auch meine schräge Familie)?

    2) Oder soll ich argumentieren, dass meine Schwerhörigkeit für meine Probleme primär verantwortlich ist, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht ist? Und dass ich dadurch eben psychische Folgeprobleme hätte, die ja sehr ähnlich aussehen können wie meine tatsächlichen psychischen Probleme? Da fürchte ich, dass dann solche Verweise kommen, dass ich ja in die Forschung, Pharmaindustrie gehen soll, dass es Hilfen wie Arbeitsassistenz gibt, etc. und dass ich eine Psychotherapie machen soll.

    3) Und das Wichtigste: Ich habe ja ein Berufsfeld gefunden, das mich ausfüllt und genau zu mir paßt: Das Unterrichten von ärztlichen Fächern an einer Gesundheitsschule. Und hier entstehen die akuten Probleme leider genau wegen dieser Hörschwäche - ich bin immer mehr erschöpft, weil ich die Schüler schlecht verstehen kann und auch Sprachstörungen habe, die ich mit viel Anstrengung kompensiere. Soll ich mit diesem Beruf argumentieren? Oder muß ich da auch wieder mit Verweisen auf andere Arbeitsfelder des Mediziners rechnen?

    Ich favorisiere die Variante 3 mit dem Hinweis auf meine psychischen Besonderheiten, die mir die anderen Arbeitsfelder in der Medizin verschließen. Wie aussichtsreich schätzt Du das ein?

    Ist bei Dir die Erwerbsunfähigkeit durch körperliche oder durch psychische Belange anerkannt worden? Ist diese möglicherweise auch auf Dauer anzuerkennen?

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 342

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Hermine1977 schreibt:
    denn ich möchte meine Berufsunfähigkeitsversicherung (private) in Anspruch nehmen.
    Einen guten Rechtsanwalt konsultieren,wäre wahrscheinlich am aussichtsreichsten,oder?
    Es kommt doch v.a.darauf an,was in dem Vertrag mit der Versicherung steht.

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 342

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Nishtha schreibt:
    Ich habe nächste Woche ein Gespräch mit dem Sozialen Dienst bei uns
    Vielleicht sprichst Du schnell mit dem IFD. Die Gleichstellung (und damit z.B.auch der besondere Kündigungsschutz) gilt,so sie durchgeht,rückwirkend ab demTag der Antragstellung.

    Je nachdem, müsstest Du also eventuell schnell beantragen (das ist aber auch schnell gemacht, Du kannst bei der Arbeitsagentur anrufen und Dein Anliegen vorbringen,dann nehmen sie das auf und schicken Dir die Unterlagen,als Tag der Antragstellung gilt dann der Tag des Anrufs)

    Aber zur Sicherheit wäre halt -zumindest -ein kurzes Telefonat mit dem IFD ratsam,damit man eine vernünftige Beurteilung aller Umstände hinbekommt

  5. #15
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 3.793

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Hallo Hermine,

    ich kann Dir im Moment nur kurz und oberflächlich antworten.


    Hermine1977 schreibt:
    1) Ist es jetzt so, dass ich argumentieren kann, dass meine psychische Situation primär für eine weitgehende Berufsunfähigkeit im Berufsspektrum eines Mediziners verantwortlich ist, obwohl dafür keine große Behinderung durch das "Versorgungsamt" (heißt ja jetzt Amt für Soziales, etc.) attestiert wurde? Also sollte ich mir meine Probleme durch meine Psychiaterin dokumentieren lassen (die kennt mich ja nun inzwischen sehr gut und auch meine schräge Familie)?
    Meiner spontanen und nicht ausreichend verifizeirten Ansicht nach: Ja.
    Zunächst mal ist ja wie gesagt, eine Schwerbehinderung unabhängig von einer erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit.

    Wobei der Begriff "Berufsunfähigkeit" bei den Versicherungen ohnehin immer gerne recht schwammig ist.
    Das kann zum Einen bedeuten, dass der Begriff gleichgesetzt dem der Erwerbsminderung verwendet wird, oder eben nur für den derzeit ausgeübten und versicherten Beruf.

    Was das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung betrifft, kann ich leider nicht mit eigenen Erfahrungen oder besodnerem Wissen dienen, denn da hatte ich schlicht eine Riesenarschkarte.
    Als ich mich damals selbständig gemacht habe, wurden natürlich meine Versicherungen auch dementsprechend geändert und keiner hat mir gesagt, dass meine BU-Versicherung dann verfällt und nachdem ich wieder ein Angestelltenverhältnis hatte, war sie nicht mehr vorhanden und jetzt, nachdem der Leistungsfall eigentlich eingetreten ist, haben die mir gesagt, dass das doch bei den Änderungen damals zur Selbstständigkeit rausgefallen sei ....
    Naja, anderes Thema, aber so sind sie.

    Ich würde da auf jeden Fall mal den Versicherungsfritzen Deines Vertrauens befragen, wie genau das bei deiner Bu ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Leistungsfall eintritt.
    Da werden garantiert ärztliche Atteste und Gutachten etc. erforderlich sein ...

    Hermine1977 schreibt:
    2) Oder soll ich argumentieren, dass meine Schwerhörigkeit für meine Probleme primär verantwortlich ist, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht ist? Und dass ich dadurch eben psychische Folgeprobleme hätte, die ja sehr ähnlich aussehen können wie meine tatsächlichen psychischen Probleme? Da fürchte ich, dass dann solche Verweise kommen, dass ich ja in die Forschung, Pharmaindustrie gehen soll, dass es Hilfen wie Arbeitsassistenz gibt, etc. und dass ich eine Psychotherapie machen soll.
    Naja ... so wie Du es beschreibst, ist es ja durchaus ein Mix aus Beidem.
    Es muss ja nicht bedeuten, dass alle Beeinträchtigungen Dich in allen Bereichen gleichermaßen belasten.
    Im einen bereich ist es die psychische Belastung und im anderen die körperliche.
    Dass ist ja dann schon fast eine Arschkarte ...

    Wenn jemand z.B. einen Farbsehfehler hat und gleichzeitig eine andere Störung, kann es ja auch gut sein, dass in einigen Tätigkeitsfeldern die andere Störung keine Beeinträchtigungen verursacht, aber man halt Farben sehen können muss und umgekehrt genauso.

    Ds beschreibst Du ja auch sehr gut mit Deinem aktuellen Tätigkeitsfeld, es passt zu Dir und füllt Dich aus, stellt aber eine große Belastung dar.
    Auf Dauer kann sowas natürlich dann zu Folgeerkrankungen wie Erschöpfungsdepression etc. führen.

    Hermine1977 schreibt:
    Ich favorisiere die Variante 3 mit dem Hinweis auf meine psychischen Besonderheiten, die mir die anderen Arbeitsfelder in der Medizin verschließen. Wie aussichtsreich schätzt Du das ein?
    Das kann ich wirklich gar nicht einschätzen, in dem Bereich fehlt es mir leider an jeglicher Erfahrung.
    Generell würde ich sicherlich auch so argumentieren, dass beide Beeinträchtigungen letztlich zu einer Minderung der Erwerbs-/ Berufsunfähigkeit führen.

    Wobei man den Begriff "Erwerbsunfähigkeit" auch ein wenig genauer betrachten muss.
    Denn das bedeutet nicht, wie ich vorher immer dachte, dass man damit auch nicht mehr arbeitsfähig ist.
    Eine Erwerbsminderung (so wird es heute bezeichnet), egal ob voll oder teilweise, bedeutet lediglich zunächst mal, dass man aufgrund seiner Beeinträchtigungen "permanent gegen seine eigene Gesundheit arbeitet"
    Das ist die Formulierung, die ich gerade von einem Richter gelesen habe (ich befinde mich im Rrechtsstreit mit der DRV)

    Generell erlaubt auch eine anerkannte Erwerbsminderung, dass man weiter arbeitet, allerdings mirt Einschränkungen.
    Wie die bei einer privaten BU sind, weiß ich nicht, die staatliche ist da sehr restriktiv, da darf man dann nur max 450 euro dazuverdienen und nur eine gewisse Anzahl an Stunden arbeiten, die Zahlen habe ich aber nicht genau im Kopf.
    Das ist auch in Tabellen unterteilt, wird aber Dich hier wohl nicht betreffen, da es ja um eine private BU geht und die können sich da zsuammenstricken, was immer sie wollen.

    Hermine1977 schreibt:
    Ist bei Dir die Erwerbsunfähigkeit durch körperliche oder durch psychische Belange anerkannt worden? Ist diese möglicherweise auch auf Dauer anzuerkennen?
    In meinem Fall basiert die EM ausschließlich auf den psychischen Beeinträchtigungen.
    Basierend auf der lebenslang vorhandenen und nicht erkannten ADHS kam es zu weiteren Komorbiditäten wie schwere Depression, zwanghafte PS, Angststörung.
    Besonders letzere ist ein schwerer Klotz am Bein, da meine Angst davor, dass es wieder genauso kommt wie es immer kam und es immer und immer wieder zu diesem Versagen kommt, mich einfach immer noch die Überhand hat.
    Das ist das Problem bei Angststörungen, wenn sie auf tatsächlichem Erleben und gemachten Erfahrungen basieren.

    Eine Erwerbsminderung wird zumindest bei der DRV (wie gesagt, bei den privaten weiß ich es nicht) erstmal nur zeitlich begrenzt bescheinigt/ bzw. eine EM-Rente bewilligt.
    Das sind, glaube ich, 5 Jahre.
    Danach wird neu geprüft und ggf. verlängert.

    Irgendwann wird die aber in eine dauerhafte EM gewandelt, ich weiß aber nicht mehr, welcher Zeitraum das war.

    Tut mir leid, wenn ich Dir da keine große Hilfe bin, aber das ist nicht gerade mein Fachgebiet und ich kann da nur meine eigenen Erfahrungen einbringen.
    Die allerdings haben sich schon ein wenig aufsummiert, da ich mit der DRV schon seit zwei oder drei Jahren im Clinch liege und auch den anderen Institutionen zunächst mal daran gelegen ist, Kosten und Leistungen abzuwehren ....

    Ich hab aber auch schon gehört, dass es bei den Privaten da deutlich besser zugeht.
    Ob das heutzutage immer noch so ist ....

    Letztlich würde ich auch auf jeden Fall erstmal eine anwaltliche Erstberatung in Anspruch nehmen.
    Der muss ja nicht gleich tätig werden, kann das aber schon mal auseinanderklambüsern...

  6. #16
    Ist hier zuhause

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    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Die erste Bewilligung bei der DRV sind fast immer nur 2 Jahre.

  7. #17
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 176

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    @Fliegerlein

    Danke für Deine Antwort, sie hat mir trotzdem ein wenig geholfen.

    Die Tatsache, dass Angststörungen bei Dir zum Teil zu der Erwerbsminderung beigetragen haben, ist ein wichtiger Aspekt. Auch ich habe aufgrund meiner Erfahrungen große Ängste vor dem Versagen, ausgelacht werden, nicht erwünscht zu sein, nicht für vollgenommen zu werden, lästig zu sein, nichts zu kapieren und als faul und unwillig betrachtet zu werden; und eine Angststörung ist mir auch diagnostiziert worden. Dann werde ich diese im Gutachten durch meine Psychiaterin auch anführen lassen und an meinem Lebenslauf belegen.

    Auch in meiner jetztigen Tätigkeit ist die Angst sehr stark präsent gewesen. Nur durch die gute Begleitung und Betreuung der beiden Schulleiter, die mich mit meinen Macken und Fähigkeiten seit Kindesbeinen an kennen, habe ich in viel Übung und Leid diese Ängste in fest definierten Situationen in den Hintergrund drängen können. Aber ich weiß hier eben auch, dass ich mich auf die beiden verlassen kann und damit Rückhalt habe. Selbst ein Arbeitsplatzwechsel in diesem Job wäre nicht möglich, da ich niemals soviel Verständnis für meine Ängste und Schusseligkeit bekommen würde wie hier. Ich bin schließlich auch nicht auf dem freien Arbeitsmarkt tätig...

  8. #18
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Fliegerlein schreibt:
    Als ich mich damals selbständig gemacht habe, wurden natürlich meine Versicherungen auch dementsprechend geändert und keiner hat mir gesagt, dass meine BU-Versicherung dann verfällt und nachdem ich wieder ein Angestelltenverhältnis hatte, war sie nicht mehr vorhanden und jetzt, nachdem der Leistungsfall eigentlich eingetreten ist, haben die mir gesagt, dass das doch bei den Änderungen damals zur Selbstständigkeit rausgefallen sei ....
    Naja, anderes Thema, aber so sind sie.

    Ich würde da auf jeden Fall mal den Versicherungsfritzen Deines Vertrauens befragen, wie genau das bei deiner Bu ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Leistungsfall eintritt.
    Da werden garantiert ärztliche Atteste und Gutachten etc. erforderlich sein ...

    So, neuer Beitrag, denn ich möchte hier mit Zitat antworten, und als ich das eben machte, war alles wech, was ich schon geschrieben hatte.

    Einen Termin mit dem Versicherungsheini habe ich am Dienstag um 15 Uhr. Ich hatte aber schon mit dem befreundeten Verkäufer gesprochen, der den Vertrag seinerzeit meinem Vater verkauft hatte (Vertrag zugunsten Dritter), der aber schon ca. 5 Jahre in Rente ist. Er hatte leider auch nicht viel Ahnung, konnte mir nicht weiterhelfen. Aber richtig erschrocken hatte mich, wiewenig er sich vorstellen konnte, was eine Hörbeeinträchtigung bedeutet. Er sagte sogar, ich sei ja garnicht schwerhörig, weil ich mit ihm mit Hörgeräten in ruhiger Umgebung normal reden könne, und das obwohl er mich auch von Kind an kennt. Also, wenn die Vertreter sowenig Ahnung von Behinderungen haben, kann ich mich schon auf einen zermürbenden Kampf einstellen. Dass die Ahnung von Psyche haben, erwarte ich da schon dreimal nicht...
    Und der andere Heini hat meinem Vater gesagt, dass ich ja bei dem Termin nicht dabei sein bräuchte; er würde ja alles mit ihm klären...also, wo soll das hinführen - es geht hier schließlich um mich, und auch um meine Fragen... Natürlich werde ich dabei sein, und das habe ich auch angekündigt, und ich werde Fragen stellen!

    Also, das was Dir passiert ist finde ich nicht nur heftig, sondern auch fragwürdig seitens der Versicherung. Hast Du weiterhin Deine Beiträge bezahlt, obwohl Du garnicht mehr versichert warst? Also, nach meinem Rechtsempfinden müßten sie Dir ja die Beiträge ab dem Zeitpunkt zurückzahlen, wo Du selbständig wurdest.

    Versichert ist bei mir übrigens die Tätigkeit "als Akademikerin", die Beitragssatzhöhe ist in dieser Kategorie die niedrigste, weil der körperliche Aspekt hier ja gering ist. Kann das dann heißen, dass ich in meinem Falle auf einen anderen akademischen Beruf ausweichen müßte? Könnten die bestimmt auch so auslegen. Naja, werde ich am Dienstag ja auch erfahren.

    Auch dass ich weiterarbeiten möchte und darf, ist für mich wichtig. Der Beruf ist für mich sinnstiftend, 1/3 der normalen Tätigkeit kann ich ja hoffentlich noch für ein paar Jahre ausüben. Die Rente bei dieser Versicherung ist auf 1000 Euro festgelegt und würde mein jetztiges Einkommen somit nicht erreichen; also müßte ich mir die Differenz doch auch erarbeiten dürfen (sobald ich das kann)?

    Nach dem Termin mit dem Vertreter werde ich mich auch um einen Anwalt bemühen, wenn sich Schwierigkeiten abzeichnen.

  9. #19
    Ist hier zuhause

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    Forum-Beiträge: 6.212

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    Ich weiss nicht, ob es so gut ist das genaue was und wie gleich mit dem Vertreter der Versicherung zu besprechen.
    Also zu wessen Gunsten der agiert müsste ja eigentlich klar sein.
    Ich würde vorher mit einem Anwalt oder irgend einer objektiven Beratungsstelle sprechen (weiss aber auch nicht ob es das gibt), nur wenn du eben da schlafende Hunde weckst..... dann wird's schwierig. Zumal das Auftreten was denn alles gelten könnte und was man da angeben muss um Rente zu bekommen auch ein falsches Licht auf dich werfen kann.

    Du brauchst dir doch nichts zusammenklauben, ich würde ganz ehrlich die Beeinträchtigungen aufschreiben und deine Ärztin wird sowieso alle Diagnosen aufschreiben die du bei ihr hast, muss sie ja auch alles angeben. Zusätzlich würde ich halt alle anderen "Gewerke" mit angeben, also HNO oder Hausarzt für die Schwerhörigkeit etc.

    Wenn deine Schwerhörigkeit seit Kindheit besteht, wird die mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso als BU-Grund rausfallen, denn die wird dann bestimmt nicht als Grund mitversichert sein. Solltet ihr das nie angegeben haben, kann es sein, das die ganze Versicherung hinfällig ist.

    Du hast es da im Versicherungsfall mit hinterlistigen Hyänen zu tun, nie gut an die ohne Strategie und doppelten Boden ranzutreten.
    Geändert von creatrice (27.11.2015 um 17:29 Uhr)

  10. #20
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 176

    AW: ADHS als Gesundheitsstörung im Schwerbehindertenausweis?

    creatrice schreibt:

    Du brauchst dir doch nichts zusammenklauben, ich würde ganz ehrlich die Beeinträchtigungen aufschreiben und deine Ärztin wird sowieso alle Diagnosen aufschreiben die du bei ihr hast, muss sie ja auch alles angeben. Zusätzlich würde ich halt alle anderen "Gewerke" mit angeben, also HNO oder Hausarzt für die Schwerhörigkeit etc.

    Wenn deine Schwerhörigkeit seit Kindheit besteht, wird die mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso als BU-Grund rausfallen, denn die wird dann bestimmt nicht als Grund mitversichert sein. Solltet ihr das nie angegeben haben, kann es sein, das die ganze Versicherung hinfällig ist.
    Danke für den Hinweis, dass ich da nicht allzuviel erzähle! Ich werde dann wohl bei dem Termin (da wird ein Fragebogen durchgegangen) wirklich nur die einzelnen Diagnosen nennen und den Rest anwaltlich beraten lassen. Dann halte ich mich mit den Fragen erstmal zurück.

    Wegen der Mitversicherung der Schwerhörigkeit, die seit Kindheit besteht, sollen laut des einen Versicherungsvertreters keine Probleme bestehen, es sei nur der Fakt Berufsunfähigkeit versichert. Ich konnte es auch nicht glauben. Es heißt, dass ich sonst erst garnicht in die Versicherung aufgenommen worden wäre, aber "Teilverträge" soll es da nicht geben. Die Schwerhörigkeit war dem damaligen Verkäufer ja auch bekannt und ist auch nicht im Gesundheitsfragebogen abgefragt worden.

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