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Diskutiere im Thema Mit der Kindheit kamen die Tränen im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 68

    Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Hallo liebe Leute,

    aus seit 44 Jahren aktuellem Anlass werde ich euch nun eine weitere Geschichte aus meinem an-gefüllten Leben schreiben. (Er-füllt wird es erst sein, wenn es mir wirklich gut geht, und ich länger als 3 Tage stabil bin.)

    Es soll um Kindheit gehen, wie der Titel schon sagt. Um das Erleben, das man mit seinen Eltern so hat; Eltern, die im Krieg Teenager waren aber nicht sein konnten. Um Eltern, die ihr Kind lieben und alles für es tun. Selbstverständlich das was sie für richtig halten. Alles andere existiert ja nicht.

    Angefangen hat alles mit meiner Geburt. Nach heutigem wissenschaftlichen Stand zumindest.
    Da gings noch, als ich 2 war, merkte ich, dass irgendwas komisch ist. Wirklich ich kann mich daran erinnern!
    Papa war ja in der Arbeit, Mama hat für mich gesorgt. Aber Mama war komisch. Sie hat mich wie eine Schwachsinnige behandelt. Nadukleineskindleinguzziguzzi (hä?).

    Später dann fand ich es immer merkwürdig, dass meine Mutter so "unorientierbar" war. Ich sollte mein Zimmer aufräumen, sie hat aber Chaos in der restlichen Wohnung veranstaltet. Fragte ich, warum, war das Geschrei groß. Räum du erstmal bei dir auf!!!!!!!! Kam dann.

    Gut - diskussionsunwürdig. Abgehakt. Fand ich blöd!


    Als Teen habe ich sie dann endgültig für komplett irrsinnig gehalten. Fängt alles an, macht nur einen Bruchteil davon fertig, hetzt von einer Stelle in der Wohnung zur anderen, ist gnadenlos überfordert. Und schreit und zetert rum.
    Wenn sie was will, dann muss das geschehen und zwar am Besten vorgestern.

    Ein Beispiel einer völlig schwachsinnigen Diskussion:
    Ich sitze an meinem Schreibtisch und mache KONZENTRIERT Hausaufgaben. Muttern stürzt in mein Zimmer mit einem Müllbeutel in der Hand:
    Bring mir mal eben den Müll runter.
    Ja mach ich, stell hin, ich mach die Übersetzung noch fertig, sonst verliere ich den Faden.

    Sie: du kannst ruhig mal was machen wenn ich dich um was bitte, das ist doch wirklich nicht zuviel verlangt, nie hilfst du mir, alles muss ich alleine machen, du lebst in einer Gemeinschaft, da muss jeder was tun.......

    Ich: wasn etz des? was hab ich nu scho wieder falsch gemacht.
    Herausgerissen aus meiner Übersetzung hab ich dann den Müll gleich heruntergebracht.
    Als ich wieder hochkam fragte sie schnippisch und triumphierend:
    Na, was des jetzt so schlimm?

    Da hielt ich sie nicht mehr für irrsinnig sondern für bösartig. Täglich Blödsinn, Beleidigungen, Geschrei, Vorwürfe. Ich war schuld, ich war falsch und zu langsam und ungenügend und überhaupt hatte sie sich das ganz anders vorgestellt, andere Kinder sind doch auch normal..........

    Bis etwa vor einer Woche. Bis ich hier ins Forum kam. Da kam ich auf die Idee, dass sie möglicherweise ADHS hat. Sie ist 80. Darüber mit ihr zu reden wäre sinnlos und eigentlich gemein.
    Ich bin erwachsen (vom Alter her zumindest) und werde das alleine verarbeiten müssen.

    Wie geht es euch? Kennt ihr ähnliches aus eurer Kinderzeit?

    Liebe Grüße
    Schattentanz

  2. #2
    Ehemaliges Mitglied

    Gast

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Hast Du nu von Deiner Mutter oder meiner erzählt??? War zwar nicht so lange bei meiner Mutter aber lang genug um zu leiden. Aber auch ich kann nicht mehr mit ihr reden, sie hat es vorgezogen sich bis zu ihrem Tode dem Alkohol zu widmen. Er hat gesiegt. Sie ist Tod.. Aber ob ich mit ihr reden würd wer sie noch am Leben, ich wess nicht, eher nicht.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 68

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Hallo Tammy,

    das mit deiner Mutter tut mir sehr leid!!!!! Vielleicht war der Alkohol die einzige Möglichkeit für sie klar zu kommen. Ich kenne solche Phasen auch, saufen, damit der Kopf endlich ruhig ist.
    Es ist schade! So sehr schade.
    Aber es ist keine Entschuldigung für unseren Leidensweg, sondern ein Schubser in Richtung Verarbeitung.
    Und das schaffen wir auch, egal ob unsere Mütter noch auf der Welt sind oder leider nicht mehr.

    Alles Liebe
    Schattentanz

  4. #4
    Ehemaliges Mitglied

    Gast

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Bin nur frohdas ich aus ihren Fehlern lernen konnte, da ich weiß wie sich das alles anfühl. Mach ich das nicht.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 68

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Tammy, da tust du gut daran!!!! Warum sollte man sich selber quälen, nur weil man es nicht anders gelernt hat?

    lg
    Schattentanz

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 239

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Oh je das muss für dich die Hölle gewesen sein . Das tut mir sehr sehr leid

  7. #7
    Ehemaliges Mitglied

    Gast

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Vor allen lass ich meine Glücklich aufwachsen, zumindest den Teil den ich übernehmen kann.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    hab nur kurz ne frage wie verfasst man hier selbst beiträge sorry das ich das hier hin schreibe aber blicke da noch nicht ganz durch würde auch gerne mal was schreiben oder fragen

  9. #9
    Ehemaliges Mitglied

    Gast

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Wenn Du in einen berich gehst, dann ganz nach unten gehen, da ist ein grünes Plus links , da steht neues Thema, einfach draufklikken und los gehts.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Mit der Kindheit kamen die Tränen

    Ja, wie war denn meine Kindheit? Eine Mutter, die mich wahrscheinlich nicht woolte, weil mein Vater sie nicht wollte. Allein mit drei Kinder war sie stets darauf bedacht, nach aussen das Bild der perfekten Familie zu wahren, damit ja niemand über sie redet,war ja eh schon schlimm genug, keinen Mann zu haben (was für eine Schande). Sie hatte als Kind gelernt, zu funktionieren und ebenso setzte sie es fort, auch wir hatten zu funktionieren. Bei chronischer Geldknappheit musste sie immer viel arbeiten und wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, warteten noch Schweine, Hühner, Enten und Grarten darauf, versorgt zu werden. Also blieb es nicht aus, dass wir im Haushalt schon sehr früh mit anpacken mussten. Waren die aufgetragenen Aufgaben nicht korrekt erledigt, gab es Sanktionen, harte Strafen, Schläge, Moralpredigten. Für all zu viel Gefühlsdusellei war keine Zeit, alles hatte zu funktionieren. Wenn man z.B. hingefallen war, wurde die Wunde versorgt und gut, trösten, in den Arm nehmen, Quatsch, warum? Ich war als Kind ein schlechter Esser und musste stundenlang am Tisch sitzen und aufessen, egal ob es schon kalt war oder ich mich fast übergab. Es wurde gegessen, was auf den Tisch kam.
    Ich war als Kind ein Sammler, wie mein Sohn, ich konnte alles gebrauchen, für mich war alles wertvoll und schon. Was für meine Mutter schnickschnack war, flog gnadenlos in den Müll. Sie öffnete die Türen meines Schrankes, kippte ihn nach vorn, so dass alles heraus flog und gab mir ein Zeitlimit, wann alles aufgeräumt sein musste. Nach Ablauf der zeit wanderte alles, was dann noch auf dem Boden lag, in die Tonne.

    Ich wurde ständig verglichen mit meinen Schwestern, bis heute und ich war immer schlechter, auch bis heute.

    Meine Therapeutin hat mal einen guten Vergleich gesagt: Wir haben als Kinder immer nur Suppe bekommen und dachten, es sei normal, weil wir keinen anderen Geschmack kannten. Wenn wir dann plötzlich Fleisch und Gemüse kennenlernen, ist der Geschmack so ungewohnt, dass wir es nicht essen wollen und werden erst nach und nach erkennen, wie gut es schmeckt. Manchmal ist die Erkenntnis so schmerzhaft, dass wir daran fast zerbrechen, dass wir so lange Suppe bekommen haben und uns Fleisch vorenthalten wurde, dass wir in tiefe Trauer fallen.Ich möchte meiner Mutter nicht vorwerfen, dass sie mir Suppe gegeben hat, sie hat mir aber vorgemacht, die Suppe ist das einzige und das Beste. Ich möchte Fleisch, Gemüse und ich möchte meinen Kindern einen Speiseplan mit Abwechslung bieten und sie sollen ihre Kindheit auskosten.

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