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Diskutiere im Thema Dem Bruder helfen...aber wie? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 98

    Dem Bruder helfen...aber wie?

    Hallo Zusammen

    ich melde mich hier mal aus der Position einer Angehörigen. Das Thema ist allerdings sehr schwierig, ich versuche, mich kurz zu fassen und ergänzende Infos bei Fragen anzufügen.

    Mein Bruder und ich haben ADHS. Wir stammen aus einer mittelgrossen Familie (4 Kinder) und ich habe (auch bedingt durch den Wohnort) mit ihm am meisten Kontakt.

    Das Problem:
    - er ist bald 30, arbeitslos, keine wirklich abgeschlossene Ausbildung und in finanziellen Schwierigkeiten
    - künstlerisch begabt (v.a. musikalisch), hat auch eine halbwegs abgeschlossene Tontechnikerausbildung
    - typischer ADHS-ler mit aller Impulsivität, Vorwürfen, Stimmungsschwankungen, Frust rauslassen etc.
    - meine Mutter leidet extrem darunter, sie versucht ihm zu helfen (Stelleninserate, Ideen, ...) und eckt natürlich mit allem an, was zu noch mehr Streit führt
    - ...dessen frust er dann bei mir rauslässt. (Ich versteh ihn ja etc. und obwohl ich auch ein bisschen Angst vor ihm habe seit wir kinder sind (unberechenbar) glaube ich, dass ich zumindest eine halbwegs beruhigende Wirkung auf ihn habe.

    Aber nun bin ich mit meinem Latein am Ende. Er klagt nur noch, dass sein Leben ein einziger Kampf sei und er nie mal eine Pause hätte, immer wenn es an einer Ecke klappe, müsse er an einer anderen auf etwas verzichten, er bewegt sich wirklich in den zwei Extremen die ja für ADS Typisch sind. Ihm fehlt das Mass und er hat dieses extreme Schwarz-Weiss denken.

    Er ist bei einer Psychiaterin aber sieht den Sinn darin nicht...etc.

    Und eigentlich habe ich schon längst erkannt, dass ich ihm auch nicht helfen kann, solange er keinen Job hat, der ihm auch gefällt... aber er findet nicht mal das zurzeit... un ihm scheint irgendwie nicht klar zu sein, dass ein leben nicht nur aus Schokolade bestehen kann. Dass fast jeder Mensch, der es zu etwas gebracht hat, auch unten durch musste. (ausnahmen gibts ja immer...)

    Das Problem ist aber, dass ich mir dauernd gedanken mache. Ich selbst bin psychisch schon sehr labil, bilde mir aber ein, dass ich mir etwas gutes tue, indem ich anderen helfe (dieses warme erfolgsgefühl)... und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als endlich nach all diesen langen jahren den berühmten "stein der weisen" zu finden, der das Problem löst. Nicht nur meinetwegen, vor allem auch meiner Mutter zuliebe, die auch seit dem Tod meines Vaters vor bald 10 Jahren fast nonstop mit meinem Bruder kämpft... Aber die beiden sprechen eine verschiedene Sprache... :-(

    Was kann ein Mensch noch tun?

    Danke für eure Inputs...
    Lg
    Kit

    P.S. was zeitweise gut klappt, ist wenn ich die "Coach-Funktion" einnehmen kann und ihm einen kurzfristigen Plan für die nächsten Tage zurechtlege. Zurzeit fällt mir aber nichts solches ein, weil er selbst schon behauptet, ständig Stelleninserate abzuklappern etc. ...und ich habe keine Ansätze...

  2. #2
    Sunshine

    Gast

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Hallo Kityara

    oh man, das ist ja wirklich eine schwierige Lage in der Du dich befindest (und natürlich dein Bruder auch), aber ich bewundere deinen Mut, dein Engagement und deine Geduld!

    Kityara schreibt:

    P.S. was zeitweise gut klappt, ist wenn ich die "Coach-Funktion" einnehmen kann und ihm einen kurzfristigen Plan für die nächsten Tage zurechtlege. Zurzeit fällt mir aber nichts solches ein, weil er selbst schon behauptet, ständig Stelleninserate abzuklappern etc. ...und ich habe keine Ansätze...
    Das mit dem Coach war auch das erste was mir eingefallen ist, jedoch, wenn dein Bruder eh schon kein Geld hat, dann ist es eh nicht möglich.

    Bevor ich mal näher auf deinen Beitrag eingehe, möchte ich noch sagen, dass es toll ist was Du machst, aber auch gefährlich, denn wenn Du dich so aufopferst, dann bleibt dir nachher keine Luft mehr zum atmen.

    Ich verstehe vollkommen, dass Du deiner Familie helfen möchtest, ich hätte es nicht anders gemacht, aber man muss aufpassen, das es einen nicht runter reißt.

    Jetzt mal zu deinem Bruder: ich weiß selbst was Arbeitslosigkeit bedeutet und kenne daher das Gefühl, zu nichts mehr gut zu sein. Das löst dann irgendwann Frustration aus und da wieder raus zukommen ist sehr schwierig, eine Bekannte von mir ist dadurch sogar depressiv geworden.. Ich kann also euch beide verstehen, ihn, der verzweifelt ist, weil er keine Zukunft zu sehen scheint und dich, der es in der Seele weh tut, weil sie nichts ändern kann.

    Mal überlegen, wie ich an deiner Stelle vorgehen würde...

    erst einmal ist es ganz wichtig zu wissen, was dein Bruder denn möchte. Du sagst er ist künstlerisch begabt und hat auch eine Tontechniker Ausbildung, ist es denn auch das was er machen möchte?

    Nach was sucht er denn genau oder was wäre denn so seine berufliche Richtung, die er gern machen möchte?

    Huch, weißt Du was mir jetzt gerade auffällt? Du bist ja aus der Schweiz... jetzt wollte ich dir Möglichkeiten aufzeigen, welche dein Bruder hat, um vielleicht sogar eine Ausbildung finanziert zu bekommen, aber das ist für Deutschland, ich kenne leider die Gesetze von der Schweiz nicht. Aber weißt du was? Ich werde unsere Pucki mal fragen, vielleicht hat sie ja eine Idee

    Okay, da müssen wir später noch mal drauf zurück kommen Zu dem anderen:

    Er ist also schon in Therapie? Weißt Du vielleicht, warum er zu der Fachärztin zu gehen für sinnlos hält? Hat er das Gefühl, er steht auf der Stelle oder anderes? Und ist diese Ärztin auch spezialisiert auf ADHS?

    Was Du noch tun kannst? Ich finde Du tust schon genug, mehr geht bald nicht. Du bist da für ihn, tust alles was in deiner Macht steht um ihn zu unterstützen, auch wenn es dir schlecht dabei geht.

    Du hast geschrieben, dass es ganz gut klappt, wenn Du die Rolle eines Coach übernimmst, gibt es denn noch andere im Freundes oder Bekanntenkreis, die auch solch eine Rolle übernehmen könnten? Das er vielleicht auch noch Unterstützung von anderen hat, vielleicht tut ihm das ja gut und zeigt ihm, dass er noch "da" ist? Oder bist Du seine einzige Vertraute?

    Das es mit deiner Mama nicht so funktioniert, kann ich mir vorstellen, weil man lässt sich ja als Erwachsener lieber von der Schwester oder anderen helfen als von der Mutter, bedeutet ja auch ein klein wenig eine Art Kapitulation (zumindest ist es bei mir so ).

    Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen und wünsche dir ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen!



    Liebe Grüße
    Sunshine

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 728

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Hi Kytiara,

    zunächst stimme ich sun in fast allen Punkten zu!

    Zu dem Verhältnis deines Bruders zu eurer Mutter habe ich ein paar Fragen:

    Wie ist dein Verhältnis zu deiner Mutter? Ist eure Mutter schon mal in die Therapiestunden mit einbezogen worden? Weiß sie überhaupt, wie belastend ihre Ratschläge und ihre Fürsorge für deinen Bruder sind? Und ist es möglich, dass eure Mutter ihre (eventuell sehr ausgeprägten) Mutterinstinke bei deinem Bruder auslebt?

    Irgendwie scheint mir das eine große Rolle zu spielen. Vielleicht erwartet er ja ständig Schokolade, weil er das Gefühl hat, sonst den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Und vielleicht kannst du ihm ja klar machen, dass Schokolade aus Kakaobohnen und Milch besteht: Unterbezahlte Bohnenpflücker und unterbezahlte Milchbauern! Auch Schokolade muss erst erarbeitet werden!

    Oder such doch mal im Internet nach den Lebensläufen großer Komponisten. Da gibt es bestimmt einige, die mit Bohnen pflücken angefangen haben!

    Und tu dir selbst einen Gefallen: mach dich nicht kaputt dabei, deinem Bruder helfen zu wollen, denn dann hat er niemanden mehr!

    LG

    Snagila

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Ich glaube auch, dass es für deine Mutter und für deinen Bruder besser
    wäre, sie würden etwas Abstand zueinander gewinnen. Das ist zwar
    nicht einfach, weil sicher finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, aber
    auch für deine Mutter, die es nach dem Tod von Eurem Vater sicher
    auch nicht leicht hat, die beste Lösung. Sie ist ja jetzt nicht automatisch
    mit deinem Bruder verheiratet und irgendwann muss er ja auch erwachsen
    werden. Ihr solltet für ihn da sein, wenn er euch braucht, aber nicht mehr
    so selbstverständlich wie bisher. Die Erfahrung, einen Job machen zu
    müssen, der ihm vielleicht nicht gefällt, dafür aber die Miete zahlen zu
    können und den Kühlschrank wieder voll zu haben solltest du ihm nicht
    vorenthalten.

    Gruß Selma

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 98

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    erst mal danke euch allen für die lieben und aufmunternden worte! Ich bin froh, es mal von dieser seite zu hören, weil ich irgendwie trotzdem immer das gefühl habe, nicht genug zu tun...

    Zurzeit bin ich wieder mal kurz vor 12 und versuche alle verpflichtungen irgendwie zu kappen, um luft zu bekommen, was aber andererseits auch nicht gut ist, weil ich dann mit dem motorengefühl zuhause rumsitze und doch nicht rumsitzen kann und am ende wieder esse bis mir schlecht ist, weil es in den abendmomenten das einzige scheint, was ich tun kann und möchte... anyway...zurück zum thema.

    Snagila schreibt:
    Wie ist dein Verhältnis zu deiner Mutter?
    Das verhältnis ist sehr schwierig. Als kleiner junge war er immer eifersüchtig, er hatte das gefühl gegenüber uns jüngeren mädchen benachteiligt zu werden, "tyrannisierte" uns zumteil auch ein bisschen...und meine mutter war sehr aufopferungsvoll...sie hat sich alle mühe gegeben, einerseits sehr gerecht zu sein, andererseits auch das "manko" dass wir durch die häufige abwesenheit und strenge meines vaters hatten, auszubügeln... nun ja, vermutlich hatte sie ihm - bedingt durch sein wesen und seine vielen Probleme, die er als Kind schon hatte, sehr viel aufmerksamkeit geschenkt.

    (Ich kann das schlecht beurteilen, ich war "leider" eigentlich die, die etwas im Abseits stand...3. Kind und alles lief mehr oder weniger wie geschmiert...da musste man ja nicht gross aufpassen - (das hat meine mum sogar selbst mal gesagt, im sinne einer entschuldigung dass sie sich nicht genügend zeit nimmt, ist also nicht bloss eine empfindung)...und hab mich auch mit meinen beiden schwestern nur mässig verstanden, daher hab ich mich auch etwas zurückgezogen...)

    Ist eure Mutter schon mal in die Therapiestunden mit einbezogen worden?
    Ja, sie ist selbst Ärztin (internistin, arbeite aber seit der geburt meines bruders nicht mehr) und hat glaube ich auch massgeblich zur diagnosestellung beigetragen; das war anfang diesen jahres, zeitgleich mit meiner diagnose. zurzeit möchte mein bruder nicht, dass sie weiterhin kontakt mit der psychiaterin hat.

    Weiß sie überhaupt, wie belastend ihre Ratschläge und ihre Fürsorge für deinen Bruder sind? Und ist es möglich, dass eure Mutter ihre (eventuell sehr ausgeprägten) Mutterinstinke bei deinem Bruder auslebt?
    Das ist eben der schwierige teil. Mein Bruder schreit um Hilfe, aber er kann nicht sagen, was er will. Lange wusste ich, dass das einzige, was er wollte, mal "in den arm genommen zu werden" und zu hören, dass er es gut gemacht hat... nur kann er sich nicht entsprechend ausdrücken. und wer nur HILFE schreit, muss natürlich den andern überlassen, wie sie das wort interpretieren. Er selbst hat es mal so beschrieben:
    "Es ist, als würdest du jemandem sagen "sag Apfel" und er sagt "Birne" und dies zieht sich ewig hin!"
    darauf hab ich geantwortet
    "Du kannst nicht von jemandem verlagen, der "Birnisch" spricht, dass er dir auf "Apflisch" antowrtet. ihr denkt zu unterschiedlich. etc.."
    aber es scheint als wolle er mit dem kopf durch die wand und meiner mutter sein denkmuster aufzwingen. Sie tut alles was in ihrer macht steht, aber sie kann nicht die denkweise eines ADHS'lers übernehmen, ganz einfach weil sie anders funktioniert... und was daraus entsteht sind zwei zahnräder in einer maschine, die in die entgegengesetzte richtung drehen. geht nicht.

    Was die Mutterinstinkte betrifft: Ja und nein. Sie macht sich kaputt für ihn, aber ich glaube das Problem liegt eher auf seiner seite. An einem Tag kappt er die verbindung und sagt, er wolle nichts mehr mit der familie zu tun haben (mich natürlich ausgeschlossen, irgendwo muss er ja noch weinen können) und nicht mal 24h später klingelt schon wieder das telefon bei ihr... nicht immer weil er hilfe braucht, manchmal auch nur, um irgendwo seinen frust raus zu lassen... :-S

    naja. so siehts im moment aus...

    Liebe Grüsse
    Kit

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 98

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Sunshine schreibt:

    erst einmal ist es ganz wichtig zu wissen, was dein Bruder denn möchte. Du sagst er ist künstlerisch begabt und hat auch eine Tontechniker Ausbildung, ist es denn auch das was er machen möchte?
    Ich denke, sein Problem ist auch, dass er immer das tun möchte, worauf er lust hat. Oft hat er lust, zu musizieren oder rumzubasteln, ihm gefällt auch sein job als tontechniker, wenn er denn mal wieder die gelegenheit für einen einsatz hat. aber er ist wirklich extrem lustgesteuert...

    Sunshine schreibt:
    Er ist also schon in Therapie? Weißt Du vielleicht, warum er zu der Fachärztin zu gehen für sinnlos hält? Hat er das Gefühl, er steht auf der Stelle oder anderes? Und ist diese Ärztin auch spezialisiert auf ADHS?
    Sie ist auf jedenfall als fachärztin ausgewiesen... aber ich kenne sie natürlich nicht, wir gehen ja nicht zur selben... ich habe ihn mal gefragt, ob er mit ihr denna uch praktische sachen angehe...und darauf hat er rumgeschrien dass er dieses scheiss praktische zeug nicht mehr hören kann, dass alle tips geben wollen mach dies mach das... und alles habe nichts geholfen, er habe alles probiert. ich meinte dann, dass ich von strategien spreche und nicht von konkretem. als er wissen wollte, was denn genau, konnte ich ihm nicht antworten, weil das ja immer sehr auf das problem und die persönlichkeit zugeschnitten ist...bei mir ist es konkret die suche nach interessen für einen jobwechsel oder techniken, um den hunger am abend in den griff zu kriegen etc...


    Sunshine schreibt:
    Du hast geschrieben, dass es ganz gut klappt, wenn Du die Rolle eines Coach übernimmst, gibt es denn noch andere im Freundes oder Bekanntenkreis, die auch solch eine Rolle übernehmen könnten? Das er vielleicht auch noch Unterstützung von anderen hat, vielleicht tut ihm das ja gut und zeigt ihm, dass er noch "da" ist? Oder bist Du seine einzige Vertraute?
    Gute Frage. Ich glaube, er stützt sich auf zu viele pfeiler und natürlich sagen alle etwas anderes und doch das selbe... aber das weiss ich wirklich nicht, ich kenne zwar seine freunde beim namen aber mehr als hallo / tschüss hab ich mit kaum einem geredet...

  7. #7


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 6.172

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    LIebe Kit

    Ich stimme auch dem was sun geschrieben hat zu.

    Aber ich sehe noch etwas anderes. Ich denke es ist jetzt erst einmal wichtig, dass du wieder Boden unter den Füssen bekommst und zu dir schaust.
    Es ist nicht einfach,wenn man die Verantwortung für sein Umfeld so verinnertlich hat wieder bei sich selber zu schauen. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es irgend einmal nicht mehr weitergeht, wenn man selber nicht mehr kann. Und dann kann man auch seinem Umfeld nicht mehr helfen. Die Berge werden immer höher und Lösungen scheinen weiter weg als je.

    Mir hat es geholfen erst mal zusammen mit meiner Psychiaterin die eigene Situation wieder zu klären. Danach konnte ich mich wieder abgrenzen und habe so die richitge Distanz gefunden um wieder handlungsfähig zu werden. Ich habe drum gemerkt, wenn ich mich zu nah an die Probleme der andern heranlasse, habe ich keinen Platz mehr die Lösungen zu finden.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen die Kraft die du nun brauchst.

    Herzliche Grüsse
    Pucki

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Ich glaube, dass die Abnabelung von der Familie für junge Männer mit
    ADS/ADHS der alles entscheidende Schritt für das gesamte weitere
    Leben ist. Jungen Frauen scheint das eigenartigerweise nicht schwer
    zu fallen. Dein Bruder ist doch bereits in einer Therapie - ihm wird von
    allen Seiten geholfen. Ihr könnt eigentlich nichts anderes tun, als ihm
    klarmachen, dass er sich jetzt selbst helfen muss. Das mag für dich
    jetzt ziemlich hart klingen - aber ich mache diese Erfahrung gerade selbst.
    Im Gegensatz zu deinem Bruder hat mein ältester Sohn einen Job, in dem
    er voll aufgeht - eine eigene Wohnung bei uns im Haus - ein schickes Auto
    alles, was sich ein junger Mann mit 25 wünschen kann. Trotzdem ist das
    Zusammenleben mit ihm alles andere als einfach und nach Jahren Dauer-
    stress für uns als Familie nicht mehr zu ertragen. Seine ständigen Stimmungs-
    schwankungen und eine uns unverständliche Maßlosigkeit machen gerade
    mir als Mutter mit eigenen ADS-Problemen schwer zu schaffen. Ich bin nicht
    so stark wie deine Mutter. Ich habe aufgegeben. Im nächsten Monat ziehen
    wir weg. Vielleicht kann ich meinen Sohn eines Tages wieder in den Arm
    nehmen, wenn ich ihn besuche.

    Gruß Selma

  9. #9
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 767

    AW: Dem Bruder helfen...aber wie?

    Hallo Kit
    nach unseren Gesprächen gestern würde ich wirklich dazu raten, dass dir dein Bruder nicht mehr während deiner Arbeitszeit anrufen darf.
    So gibst du ihm zwar Sturuktur, aber reichst ihm trotzdem die Hand, weil ja noch genügend Zeit übrig ist um mit dir zu telefonieren.
    Und es soll deiner Familie ruhig klar werden, dass du auch eine Person bist, die eine wertvolle Arbeit hat und sich einsetzt. Du steigerst so deinen Wert, was dich sicher bei deiner Mutter besser dastehen lässt.

    Deinem Bruder solltest du auch weitere Strukturen vorschlagen: ev. regelmässige Therapie, ganz sicher regelmässige Einnahme von Ritalin - sollte er das nicht durchziehen, dann arbeitest du dich nur krank mit ihm. Du kannst ihn so etwas "erpressen", also strukturieren. Eine minimale Struktur braucht er wirklich. Und die wird er erst unter Zwang einhalten.

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