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Diskutiere im Thema Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    Unglücklich Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    Liebe Leute,

    ich weiß, dass ich ne Menge geschrieben habe, sorry dafür ! Dafür habe ich versucht, es so gut wie möglich zu gliedern!

    Ich hab im Vorstellungsthread schon ein bisschen zu meiner schwierigen Situation mit meinem ADHS-„Freund“ geschrieben. Wir kennen uns seit einem Jahr, er war 29, ich 28. (Die Anführungszeichen deshalb, weil wir nie offiziell zusammen waren, es sich aber trotzdem (meistens) so angefühlt hat.)

    Wenn ich diesen folgenden Beitrag in einem normalen Forum schreiben würde, würde mir wahrscheinlich jeder antworten: „Der verarscht dich nur, du bist ihm total egal. Wie oft muss er dir noch sein Desinteresse zeigen, bevor du‘s checkst?“ Hier fällt das Urteil vielleicht etwas anders aus. Auf jeden Fall vielschichtiger. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Einblicke, die mir sein Verhalten erklären.

    Sein Umgang mit der Diagnose: Von seinem ADHS hat er mir erst nach 6 Monaten ganz beiläufig erzählt, als ich das Thema angeschnitten habe. Er nimmt keine Medikamente, weil die früher seine Persönlichkeit verändert haben. Ich weiß nicht, ob er mal in Therapie war. Danach haben wir nie wieder darüber geredet. Mir kam gar nicht in den Sinn, dass das ADHS mit ein Grund für sein seltsames Verhalten sein könnte.

    Der Grund für meinen Beitrag:
    Nach vielen Krisen und Problemen habe ich nach 11 Monaten unsere Beziehung beendet, weil meiner Meinung nach all seine Taten und sein Verhalten dafürsprachen, dass ihm alles andere wichtiger war als ich.

    Aber erst jetzt setzt sich für mich das Puzzle ein wenig besser zusammen und ich sehe viele Parallelen in den Erzählungen von ADHS-Betroffenen. Nun denke ich, wäre mir das nur schon viel früher bewusst gewesen, dann wäre ich anders damit umgegangen und hätte nicht aus jeder seiner Verfehlungen geschlossen „ich bin ihm wohl egal und nicht wichtig genug.“ Er bedeutet mir immer noch sehr viel, deshalb möchte ich ihn besser verstehen und damit auch diese zermürbenden Gedanken über seine Beweggründe relativieren.

    Seine guten Seiten: Ich hab mich mit ihm einfach immer sehr wohl gefühlt und habe schnell Vertrauen aufgebaut (was beides bei mir vorher noch nie passiert ist). Ich hatte das Gefühl, dass ich ihm Dinge erzählen konnte, die ich bisher keinem Menschen vorher gesagt habe. Ich hab mich sehr schnell in ihn verliebt und er wurde somit schnell zur Nummer 1 in meinem Leben. (Das ist vielleicht auch ein wichtiger Grund, warum es nie bei uns klappen wollte. Ich war niemals seine Nummer 1.) In den ersten zwei Monaten habe ich das gleiche große Interesse auch von ihm zurückbekommen, er hat es mich sogar deutlicher wissen lassen als umgekehrt.

    Positiv an ihm ist: er ist liebevoll, kreativ, musikalisch, denkt immer positiv, setzt sich hohe Ziele und kann Dinge durchziehen, wenn er das wirklich will.

    Die negativen Seiten: er ist unzuverlässig, unpünktlich, ich-bezogen, kann sich schwer in mich hineinversetzen, schusselig, kann nicht planen, verzettelt sich, schiebt Dinge auf, fängt gleichzeitig x-Sachen an und schafft dann nichts.

    Sich selbst hat er oft so beschrieben: er kann es nicht leiden, wenn er weiß, dass etwas von ihm erwartet wird, also Druck aufgebaut wird, dann kann er trotzig reagieren oder blockieren. Er ist den ganzen Tag unter Strom und kann sich schwer entspannen. Er braucht seine Freiheit am allermeisten von allen Dingen. Für ihn ist Treue selbstverständlich. Er fasst nicht schnell Vertrauen. Er lässt sich in der Liebe gerne Zeit, will nichts erzwingen und sieht alles entspannt. Wenn er dann einen besonderen Menschen gefunden hat, möchte er sein ganzes Leben mit ihm verbringen.

    Seine vorherigen Beziehungen: Insgesamt hatte er 7. Er hatte bis ein Jahr vor unserem Kennenlernen eine zweijährige Beziehung. Diese Frau wollte er auch heiraten, aber es ging dann in die Brüche, was ihn komplett in die Krise gestürzt hat. Er hat immer noch viel über sie geredet und ich glaube, er hat sie noch nicht ganz überwunden, auch wenn er das verneint hat.Eine neue Beziehung (also mir mir) will er nicht übereilen und nur eingehen, wenn er sich ganz sicher ist, dass es (am besten) für immer hält. Inklusive Heirat, Kinder usw. Das war unser nächster Punkt, an dem unsere Vorstellungen clashten, weil ich weder heiraten, noch Kinder möchte.

    Zu mir: Ich hatte vorher noch nie eine Beziehung. Ich fand zwar oft Typen toll, aber das beruhte leider nie auf Gegenseitigkeit. Ich hatte nur schlechte Erfahrungen. Dass es nie jemand mit mir Ernst meint. Zudem war ich sehr kritisch mit mir und meinem Körper, war schüchtern und hatte Minderwertigkeitskomplexe. Er war der erste, zu dem ich eine große Verbundenheit gespürt habe.

    Dementsprechend habe ich viele Aspekte der Liebe zum ersten Mal mit ihm erlebt. Ich wusste vorher nie, ob ich genauso wie „normale“ Menschen in Sachen Liebe sein konnte. Vieles hat mich überfordert, mir Angst gemacht. Mit ihm habe ich mich an vieles herantasten können und erleichtert festgestellt, dass ich doch nicht unnormal bin, es mir nur an der richtigen Person und Übung fehlte. Mit jedem Treffen hab ich ein Stück meiner aufgebauten Schutzmauer abbauen können. Er hat mir Selbstvertrauen gegeben. Nachdem ich Gefallen an der ganzen Liebes-Sache gefunden habe, konnte es nicht schnell genug für mich gehen. Ich wollte nach einem Monat das ganze Paket und alles, was andere Paare auch haben. Ich wollte alles mit ihm entdecken. Doch das ging ihm dann wohl zu schnell. Meine Gefühle und die daran geknüpften Erwartungen haben eine regenrechte Panik in ihm ausgelöst.

    ***
    Unser Grundproblem: Der Punkt, bei denen es bei uns immer gescheppert hat, ist die wenige Zeit, die er mit mir verbringen konnte/wollte und mein logisch daraus gefolgerter Schluss, dass ich ihm egal bin (damals waren mir ADHS-Verhaltensweisen noch fremd).

    Zum Zeitproblem sagte er: Er hat eben wegen Uni und Arbeit nicht mehr Zeit. Er kann nichts daran ändern und folglich auch nichts machen, dass wir uns öfter sehen.
    Wir haben uns manchmal 4-6 Wochen nicht gesehen. Ich hatte dann immer das Gefühl, dass ihn das wenig stört, er mich nicht wirklich sehen will, ich ihm also egal bin und er seine superwichtigen Termine nur als Ausrede verwendet. Wenn man jemanden wirklich sehen will, schafft man das auch trotz anderer Verpflichtungen, so ist meine Haltung.

    Seine Reaktion auf meine Vorwürfe hat mich noch mehr verwirrt: Er entweder abgestritten, dass ich ihm egal sei, was dann wiederum für schlechte Laune seinerseits gesorgt, weil er sich dann unter Druck gesetzt gefühlt hat, mir das Gegenteil von meiner Annahme zu beweisen. Was sich für ihn nämlich "unschön" anfühlt und er dann aus Trotz genau das Gegenteil von dem macht, was ich erwarte. Oder er hat auf diese Vorwürfe gar nicht reagiert, weshalb meine Befürchtungen noch bestärkt wurden...ein Teufelskreis

    Problematische Planung: Wir wohnten zwischenzeitlich 60km entfernt, nun sind es 110km. Am Anfang, als wir uns kennenlernten, haben wir uns öfter gesehen, so alle 1-2 Wochen für einen halben bis dreiviertel Tag (viel zu wenig für mich). Zeitlich mehr ging nie bei ihm, weil schon wieder irgendwelche total wichtigen Sachen anstanden. In 11 Monaten, die das mit uns ging, haben wir uns 17x gesehen. Oft nur für wenige Stunden. Am Anfang ging auch noch mehr von seiner Seite aus, dass er nach Treffen gefragt hat. Später kamen dann eigentlich immer alle Vorschläge von mir.

    Auf diese Vorschläge hat er dann so reagiert, dass er sie erst mal tagelang ignoriert hat und ich somit sauer/enttäuscht/traurig, weil ihm das anscheinend egal war. Ich wusste aber aus vorherigen Konflikten, dass er es hasst, gedrängt zu werden. Deshalb wollte ich ungern nachfragen. Wenn der angedachte Tag dann schon fast da war, brannte es mir natürlich unter den Nägeln, weil ich nie wusste: Treffen wir uns heute? Schlafe ich dort? Wie lege ich meine Verpflichtungen davor und danach? Ich musste also immer komplett flexibel bleiben, obwohl ich eigentlich ein „Planer“ bin, habe mir immer Zeit freigehalten und alles andere um ihn drum rum geplant, für den Fall, dass er da Zeit hat.

    Ich war dann immer sauer, dass ich erst nachfragen musste, ob es mit dem Treffen jetzt klappt und er sich nicht einfach von selbst gemeldet hat. Allein schon aus Rücksicht auf mich, weil ja mein einziger Lebensinhalt auch nicht daraus besteht, darauf zu warten, ob und wann denn endlich mal eine konkrete Ansage seinerseits kommt um dann sofort zu springen und alles andere stehen und liegen zu lassen. (Ehrlich gesagt, war ich leider phasenweise schon sehr nah an diesem ungesunden Verhalten dran )

    Was mich immer besonders getroffen hat, war, wenn ich ihm schon Tage oder Wochen vorher gesagt habe, dass ich von X-Y für ein paar Tage in seiner Stadt auf Besuch bin (habe dort Familie). Natürlich wollte ich ihn dann sehen. Und der gesunde Menschenverstand sagt einem ja, dass es möglich sein muss, jemanden zumindest für eine Stunde zwischendrin mal zu sehen, auch wenns gerade mal wieder stressig ist – vorausgesetzt, man möchte das wirklich. Aber ich wurde oft dementsprechend enttäuscht. Er hatte z.B. innerhalb von 4 Tagen keine Minute Zeit für mich. Und war verwundert, als ich fix und fertig deswegen war und unsere ganze Beziehung in Frage gestellt habe. Immerhin hatte er mir ja schon gesagt, dass er viel zu tun hätte.

    Sein Leben: Er geht gerade ziemlich baden mit seiner Teilzeit-Uni (2 Tage die Woche), weil er sich sehr auf seine freiberufliche Nebenarbeit (Videoproduktion) fokussiert. Das hat er alles schon nicht bewerkstelligen können, dann hat er sich zeitglich zusätzlich noch die Gründung eines eigenen Ein-Mann-Unternehmens und die Verpflichtung in einer Band aufgeladen (obwohl er mir immer gesagt hat, er hätte wirklich keine Zeit, mich öfter zu sehen – für die Band war diese Zeit dann aber seltsamerweise plötzlich da - warum?)

    Reaktion meiner Freunde:Alle meine Freunde haben das nie verstanden, warum ich ihn trotzdem nicht aufgeben wollte. Die hielten mich für komplett bescheuert, weil er mich ja so offensichtlich immer wieder weggedrückt hat. Aber WENN wir uns dann mal gesehen haben, war es immer sehr schön, vertraut und innig. Es hat sich „echt“ angefühlt. Deswegen war und bin ich immer so hin und hergerissen zwischen „er hat kein wirkliches Interesse an mir und hält mich mit dem nötigsten bei der Stange“ und „er hat tiefe Gefühle für mich, für die er, nach eigener Aussage, nur Zeit, Vertrauen und Freiheit braucht, um sie mir zu offenbaren.“

    Unkonkrete Aussagen und Krise: Und auch obwohl er immer viel über Gefühle generell und seine Ansichten in Sachen Liebe geredet/geschrieben ha, hat er nie von selbst darüber gesprochen, wie er konkret zu mir steht. Einmal nach 2 Monaten habe ich die Ungewissheit nicht mehr ausgehalten und ihn direkt gefragt. Das hat er als schlimme Beleidigung aufgefasst, weil man ja niemals den anderen so etwas fragen darf. Trotzdem hat mir dann aber unter diesem "Druck" gesagt hat, dass ich ihm wichtig bin, ich ein besonderer Mensch für ihn bin und er in mich verliebt ist/war. Dass wegen diesem Druck seine Gefühle aber erst mal weg sind und er Zeit braucht.

    Insgesamt gab es zwei große Krisen mit längerer Funkstille, viele kleine und jetzt das Ende. Mir ging es oft richtig mies. Habe jeden Tag stundenlang geheult, weil ich seine widersprüchlichen Taten und Worte nicht verstehen konnte. Vor allem nicht diese Distanz, die auf Nähe folgte. Ich hätte nur eine klare Ansage gebraucht…“das mit uns wird nichts“ – damit hätte er mir so viel Zeit, Energie und Kummer erspart!

    Konfliktlösung: Persönlich haben wir nie Konflikte gelöst, immer nur auf Whatsapp. Gegen das Anrufen hat sich immer was in ihm gestäubt. Treffen waren ja immer schwierig, und wenn es dazu kam, wollte ich auch lieber eine schöne Zeit verbringen und hab Probleme runtergeschluckt. Also blieb nur das schriftliche streiten. Das war natürlich die schlechteste aller Lösungen. Er hat mir dann immer unendlich lange Nachrichten geschrieben, die mich erschlagen haben (so wie euch wahrscheinlich gerade mein Text hier )

    Das Ende: ….kam, nachdem er sich plötzlich 1,5 Wochen nicht mehr gemeldet hat, obwohl wir gerade eigentlich keine Krise hatten (früher hatten wir jeden Tag Kontakt, wenn auch nur kurz). Dann ist mein Vater nach längerem Leiden verstorben. Die akute Phase hat er sozusagen in diesen Wochen „verpasst“, aber er wusste vorher, dass es ihm schlecht ging. Ich hatte mir da nichts mehr als seine Unterstützung gewünscht, wollte aber seine Rückzugsphase nicht „stören“. Als er dann wirklich gestorben ist, hab ich ihm davon berichtet und geschrieben, dass ich ihn jetzt brauche. Er hat dann auch 1x anteilnehmend geantwortet aber größtenteils nur von seinem super wichtigen Projekt geredet, dass seine Aufmerksamkeit der letzten 1,5 Wochen vereinnahmt (weshalb er sich nicht gemeldet hat. Kann man ja auch nicht mal von selbst bescheid geben, klar.) Ich wollte weiter abwarten, ob er meiner Bitte nach Unterstützung irgendwie nachkommt.

    Aber in der kommenden Woche nach dem Tod hat er wieder nichts von sich hören lassen. Dann war bei mir das Fass voll. Das war für mich der letzte große Beweis, dass ich ihm scheiß egal war. Hab ihm geschrieben, dass ich sein Verhalten schwach finde. Er meinte, er hätte mir doch gesagt, er hat gerade dieses super wichtige Projekt gehabt. Und ich hätte ja nichts weiter geschrieben, also hat er angenommen, dass es soweit bei mir passt. Ich versteh das nicht…nicht mal zu einem „wie geht’s dir?“ hat er sich erbarmt.

    Frage an die Betroffenen hier im Forum: Könnt ihr dieses Verhalten nach dem Tod meines Vaters nachvollziehen? Nicht mal mit der wohlwollenden Erklärung „ADHS“ kann ich das irgendwie entschuldigen. Außer, ich bin ihm total gleichgültig. Das ist die einzige Erklärung, die für mich Sinn macht.

    Mein Fazit: Ich hab mich immer so gefühlt, als steht auf seiner Prioritätenliste nur „ER“ auf Nummer 1-10. Er hat mir nach jedem Streit eine Art Anleitung gegeben, wie ich mit ihm umgehen soll, damit er „funktioniert“ (kein Druck, Freiheit gewähren, keine Erwartungen haben). Er hat mir sozusagen die Verantwortung dafür gegeben, ob es mit uns hinhaut oder nicht…überspitzt formuliert: “halte dich brav an meine Regeln, dann will ich vielleicht irgendwann eine richtige Beziehung mit dir“. Anfangs konnte ich das nicht, bzw. es lief komplett entgegen meiner Bedürfnisse. Er wollte Freiheit, ich wollte Stabilität und Klarheit über unseren Status, dass er sich zu mir bekennt und endlich der „tolle Freund“ ist, von dem er vorgeschwärmt hat, für mich sein zu können.

    Er ist mir nie einen Schritt entgegen gekommen. Ich hab ihn so oft gesagt, dass ich das nicht mehr aushalte, in der Luft zu hängen, weil ich mir keine Illusionen über unsere Zukunft machen will. Er hat darauf nie so reagiert, wie erhofft. Er hat aber immer über tausend andere Dinge geschrieben, die mir keine Antwort darauf gegeben haben. Jedenfalls nicht dann, wenn ich es wirklich gebraucht habe. Obwohl er wusste, dass mich das buchstäblich quält.

    Für seine Regeln musste ich mich so verbiegen, dass das nicht mehr ich war. Ich wollte das gegen Ende ihm zuliebe doch noch machen, weil ich nichts unversucht lassen wollte, dass es doch noch bei uns klappt. Ich hab versucht, ihm alles recht zu machen, damit er sich wohl fühlt und seine geliebte Freiheit hat. Aber er hat nie registriert, wie sehr ich mich für ihn bemüht habe. Nachdem ich nicht mehr investiert habe, sind wir noch weiter auseinander gedriftet. Er selbst hat wenig bis nichts für unsere Beziehung getan. War wahrscheinlich seine Philosophie: „entweder es läuft von alleine, oder halt nicht.“

    Gekämpft hat er 1x ein kleines bisschen nach unserer ersten großen Krise. Da hatte ich während seiner Funkstille, in der ich durch die Hölle gegangen bin, ihn irgendwann gehen lassen können. Nach unserer Wiederannäherung sagte ich ihm, ich kann mir jetzt sowieso keine Beziehung mehr mit ihm vorstellen, weil ich ihm nicht mehr so wie vorher vertrauen kann. Ich will nur was Lockeres. Dann hat er plötzlich gesagt, "gerade jetzt hab ich den Weg eingeschlagen, dass ich doch eine Beziehung mit dir will." (Dazu kam es nur nie.) Für mich hat das wieder nur nach einfacher Ausrede geklungen...dass er mir vordergründig vorspielt, gewollt zu haben, was aber dann leider durch mein Handeln wieder nicht klappt..."Ach, du willst das nicht mehr? Zu blöd, jetzt hätte ich gerade mal gewollt! Naja, dann klappts wohl doch nicht, war ja deine Entscheidung."

    ***
    Ich weiß schon, dass diese Sache ohne jegliche Aussicht auf ein positives Ende ist. Das haben mir Dutzend Leute schon gesagt. Aber die hatten nicht dieses Wissen über ADHS wie ihr. Mein Herz kann sich halt trotzdem noch nicht von ihm verabschieden

    Eigentlich will ich nur wissen, ob sein abweisendes Verhalten seinem ADHS zuzuschreiben ist, oder nichts damit zu tun hat und ich ihm wahrscheinlich nichts bedeutet habe…?

    Es hat mich fertig gemacht zu wissen, dass er vorher 7x eine Beziehung eigegangen ist, doch ich scheine ihm nicht "gut genug" dafür zu sein. Dieser Gedanke bringt meine Komplexe und Ängste immer wieder zum Vorschein.

    Natürlich könnte er mit dieses Rätsel am besten lösen, doch das wird nicht passieren. Wenn er es nicht mal in 11 Monaten konnte, mit dem Hintergrund, mir den Schmerz der Ungewissheit zu ersparen und damit das Scheitern unserer Beziehung zu verhindern.

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 52

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    Puuuhhh, das ist echt schwierig (für mich)... Ich hatte dir in deinem anderen Thread ja schon geschrieben und versuche jetzt lediglich auf deine "eigentliche" Frage einzugehen.

    Ich finde das schwierig zu beurteilen, ob das ausschließlich an ADHS festzumachen ist (sein Verhalten) und würde das eher verneinen. Wenn ich mal von mir ausgehe (und von ADHS generell), dann habe ich ein ausgeprägtes Helfer-Syndrom und das würde ja gerade in diesem Fall höchstwahrscheinlich zum Vorschein kommen, da du ja in dieser Situation Hilfe brauchen kannst. Allerdings wäre ich wohl etwas überfordert mit der Situation, da ich gar nicht genau wüsste, wie ich dir da helfen könnte (an seiner Stelle jetzt) und zudem liegt ja auch eine gewisse Entfernung zwischen euch und er kann ja nicht sein ganzes Leben "unterbrechen" und rund um die Uhr für dich da sein. Wenn er tatsächlich überfordert ist, fällt es ihm vielleicht schwer das zuzugeben (würde zumindest mir so gehen, da ich nur schwer "Schwäche" zeigen kann). Allerdings finde ich es schon bedenklich, dass so fast gar nichts von ihm kommt und das würde ich jetzt eben nicht auf ADHS zurückführen. Klar ist es für dich schwierig nachzuvollziehen, warum er nicht einmal fragt, wie es dir geht - aber: das wird er sich doch denken können und wie würde diese Frage denn bei dir ankommen?! Wie soll es dir in der Situation schon gehen?!

    Wie gesagt: ich würde sein abweisendes Verhalten definitiv nicht alleine an ADHS festmachen, aber was ich dir bereits geschrieben habe, ist, dass du nichts machen kannst außer auf dich zu schauen, wenn er nicht bereit ist, sich mit seinem ADHS auseinanderzusetzen. Und in deinem Fall würde ich sagen "zieh dich zurück" und kümmere dich ausschließlich um dich jetzt! Wenn du ihm wichtig bist, dann wird etwas von ihm kommen und wenn nicht, dann bist du immerhin schon etwas weiter, da du dich nicht an den Gedanken klammerst, dass da noch etwas draus werden könnte.

    Das ist lediglich meine Meinung und wenn ich in seiner Situation wäre und du mir etwas bedeuten würdest, dann wäre ich wahrscheinlich überfordert und hätte ein Problem, dir das gegenüber zu kommunizieren. Aber ich würde es nicht auf "irgendein superwichtiges Projekt" schieben und würde wohl dennoch versuchen, irgendwie für dich da zu sein und dir irgendwie helfen zu können.

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    HunkyDory schreibt:


    Der Grund für meinen Beitrag:
    Nach vielen Krisen und Problemen habe ich nach 11 Monaten unsere Beziehung beendet, weil meiner Meinung nach all seine Taten und sein Verhalten dafürsprachen, dass ihm alles andere wichtiger war als ich.


    [...]

    Seine guten Seiten: Ich hab mich mit ihm einfach immer sehr wohl gefühlt und habe schnell Vertrauen aufgebaut (was beides bei mir vorher noch nie passiert ist). Ich hatte das Gefühl, dass ich ihm Dinge erzählen konnte, die ich bisher keinem Menschen vorher gesagt habe. Ich hab mich sehr schnell in ihn verliebt und er wurde somit schnell zur Nummer 1 in meinem Leben. (Das ist vielleicht auch ein wichtiger Grund, warum es nie bei uns klappen wollte. Ich war niemals seine Nummer 1.) In den ersten zwei Monaten habe ich das gleiche große Interesse auch von ihm zurückbekommen, er hat es mich sogar deutlicher wissen lassen als umgekehrt.

    Positiv an ihm ist: er ist liebevoll, kreativ, musikalisch, denkt immer positiv, setzt sich hohe Ziele und kann Dinge durchziehen, wenn er das wirklich will.

    Die negativen Seiten: er ist unzuverlässig, unpünktlich, ich-bezogen, kann sich schwer in mich hineinversetzen, schusselig, kann nicht planen, verzettelt sich, schiebt Dinge auf, fängt gleichzeitig x-Sachen an und schafft dann nichts.

    Sich selbst hat er oft so beschrieben: er kann es nicht leiden, wenn er weiß, dass etwas von ihm erwartet wird, also Druck aufgebaut wird, dann kann er trotzig reagieren oder blockieren. Er ist den ganzen Tag unter Strom und kann sich schwer entspannen. Er braucht seine Freiheit am allermeisten von allen Dingen. Für ihn ist Treue selbstverständlich. Er fasst nicht schnell Vertrauen. Er lässt sich in der Liebe gerne Zeit, will nichts erzwingen und sieht alles entspannt. Wenn er dann einen besonderen Menschen gefunden hat, möchte er sein ganzes Leben mit ihm verbringen.

    Seine vorherigen Beziehungen: Insgesamt hatte er 7. Er hatte bis ein Jahr vor unserem Kennenlernen eine zweijährige Beziehung. Diese Frau wollte er auch heiraten, aber es ging dann in die Brüche, was ihn komplett in die Krise gestürzt hat.

    Bei meiner Amour Fou ähnlich.

    1. Trennung noch nicht verarbeitet und panische Angst vor Nähe, weil sie vorher emotional so tief drin war, dass sie kaum mehr rauskam und jetzt einfach ebenso panisch (rational nicht nachvollziehbar) die heftig erkämpfte emotionale Autonomie verteidigt. Überforderung kann sein, aber gut maskiert. Weiß nicht, aber ich kann mich ganz schlecht maskieren, sie schon - und zwar so, dass nicht mal ich - trotz hypersensibel - eine Ahnung hab, wie's ihr geht. Zuwendung bei ihr z.B. haptisch und nicht rhetorisch: Sie nimmt meine Hand z.B. usw., aber im Gespräch: "Nein, wir haben keine Beziehung". In Reallife aber permanent zusammen mit allem drum und dran... Worte kannst da vergessen, nur sehen, was getan wird da ein Schlüssel. Aber schwer - erst recht für (über?-)kognitiv-veranlagte Leute... Körperliche Seite nicht unterschätzen, attraktiv und stark sein wichtiger als alles Gerede da.

    2. Geborgenheit schätzt sie so sehr wie sie den Verlust der Unabhängigkeit fürchtet und das heißt praktisch: jede Begegnung ist einer Gratwanderung auf Messers Schneide, Zuwendung ja - aber ja nicht zuviel, sonst Funkstille und heftige Attacken, aber 3 Tage später dann Anruf: "Tut mir leid, ich grenze mich grad gegenüber allen ab" und ein superschönes Gespräch, das sie in dem Moment genauso ehrlich meint, wie das heftige vorher. Logisch krieg ich die völlige Verschiedenheit im Verhalten schwer zusammen und das kostet dann (viel zu)viel Gedanken, die alle nix bringen, außer den eignen Tag zu versauen. Ob das allein ADHS ist oder komorbid Borderline? Was auch immer, mir egal: Will nicht in Therapeutenschiene gehen.

    3. Probleme bei mir
    sind halt, dass dieses "irrationale" Verhalten einfach meinen Kopf strapaziert und ich mir viel Gedanken mach, wo da die "Logik" ist und komme zum Schluss, dass es keine gibt und man nur warten kann und falls es die große Liebe ist, was das scheiß-verfluchte-saudumme Herz meint, eine Eselsgeduld an den Tag zu legen und nicht drüber zu verzweifeln, ohnmächtig zu sein. Man selber hat da wenig Einfluss auf den Andern. Wichtig selbst emotional stabil zu bleiben, sich nicht zu verlieren und vielleicht Wärme und Offenheit anzubieten. Rational irgendwas bereden, bringt rein-ganz-und-gar-nichts-und-wieder-nichts und ist wohl schlicht nicht die Zeit dafür: Alte Beziehungen verdauen - dauert gut 9 Monate, wenn nicht länger und da hat man wenig Einfluss drauf und das Hormonkino bringts nicht im Blick auf echte tiefere Beziehung. Sich selber entlasten und "Selbstliebe" pflegen, damit man selber nicht Co-Krank wird und selber vor die Hunde geht. Schwierig, geht nicht von heut auf morgen, aber Richtung wichtig. Keine leichte Sache. Wichtig fände ich, selber nicht an Würde zu verlieren und die "Geduld" zu nutzen, die eigenen Attraktivität auch zu pflegen und unter Leute zu gehen usw. Dann noch sehen, was einen überhaupt so anzieht und das selber lernen und wenn das einem klar ist, kanns gut sein, dass sie stinklangweilig wird. Das dauert auch und wenn's dann trotzdem noch die wahre Liebe ist und bißchen Gegenseitigkeit kommt: Bingo! Und wenn nicht, dann keine Perlen vor die Säue geschmissen, die fressen wollen und im Trog das Futter nicht von Diamanten unterscheiden - Schweine halt. Aber gut zu wissen, dass ich auch ein Schwein in mir hab, das Hunger hat und viel Futter ist auch was. Keiner wird von Diamanten satt, hm?


    Außerdem: Liebe braucht und kann man auch nicht erleisten, erzwingen, begünstigen usw. Nicht in Deiner Hand, wenn Du alles getan hast.

    Lg
    Geändert von Loyola (30.10.2017 um 12:38 Uhr)

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    @mucki0985
    Danke für deine Einschätzung! Und dass dich mein endloser Text nicht abgeschreckt hat
    Ist wirklich hilfreich, wenn man gewisse Handlungsweisen von anderen Betroffenen erklärt bekommt.

  5. #5
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    Loyola schreibt:

    Außerdem: Liebe braucht und kann man auch nicht erleisten, erzwingen, begünstigen usw. Nicht in Deiner Hand, wenn Du alles getan hast.
    Wie wahr. Manchmal tut man so viel um unbewusst die fehlenden Investitionen des anderen auszugleichen. Merkt man natürlich erst dann, wenn man mal objektiv und mit Abstand darauf blickt.

    Deine Situation klingt auch sehr schwierig. Dafür muss man wahrscheinlich selbst sehr ausgeglichen und mit sich im Reinen sein, um das an sich abprallen zu lassen. Ich hätte damit wahrscheinlich Schwierigkeiten, weil ich schnell von solchen abweisenden Handlungen verunsichert wäre und dann an allem zweifeln würde. Naja, hab ich jedenfalls gemacht, bevor ich über ADHS und die Hintergründe bescheid wusste. Jetzt würde ich zumindest versuchen, es nicht sehr auf mich zu beziehen.

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.718

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    HunkyDory schreibt:
    Eine neue Beziehung (also mir mir) will er nicht übereilen und nur eingehen, wenn er sich ganz sicher ist, dass es (am besten) für immer hält. Inklusive Heirat, Kinder usw. Das war unser nächster Punkt, an dem unsere Vorstellungen clashten, weil ich weder heiraten, noch Kinder möchte.

    (...)

    Nachdem ich Gefallen an der ganzen Liebes-Sache gefunden habe, konnte es nicht schnell genug für mich gehen. Ich wollte nach einem Monat das ganze Paket und alles, was andere Paare auch haben. Ich wollte alles mit ihm entdecken. Doch das ging ihm dann wohl zu schnell. Meine Gefühle und die daran geknüpften Erwartungen haben eine regenrechte Panik in ihm ausgelöst.

    (...)
    Es hat mich fertig gemacht zu wissen, dass er vorher 7x eine Beziehung eigegangen ist, doch ich scheine ihm nicht "gut genug" dafür zu sein. Dieser Gedanke bringt meine Komplexe und Ängste immer wieder zum Vorschein.
    Eine Sache hat jedenfalls nichts mit ADHS zu tun: Er will eine Beziehung für immer, mit Heirat und Kindern, du nicht. Das war aber offenbar seine Bedingung für eine Beziehung. Also warum macht es dich fertig, dass er keine Beziehung wollte?

    Nicht du warst nicht gut genug, du wolltest gar nicht das was er wollte. Das muss dir keine Komplexe machen, du warst als Frau sicher sein Geschmack und das nicht weniger als die sieben vorher. Aber was erwartest du denn? Soll er mit dir seine Zeit (was Familiengründung betrifft) verlieren, um dann in zehn Jahren oder später dann die Richtige dafür zu bekommen? Ihr seid Ende 20, in zehn Jahren seid ihr Ende 30, irgendwann ist es auch für Männer zu spät, wenn man nicht eine absurd jüngere Partnerin haben möchte.

    Sonst sind es die Männer, und gerade die ADHS-Männer, die lange vor der Verbindlichkeit davonlaufen. Hier hast du einen Untypischen, der mit unter 30 sagt, ich will auf jeden Fall Ehe und Kinder.

    Ich denke, weil die Erwartungen so unterschiedlich sind, konnte er sich gar nicht auf dich einlassen und ließ die Sache deswegen in der Schwebe. Dass er ein Egozentriker ist, kommt nicht unerheblich dazu. Dafür ist ADHS eine teilweise Erklärung, aber keine Entschuldigung. Von daher wirst du hier nichts Anderes lesen als du von deinen Bekannten hörst. Auch ein ADHS-betroffener Blödmann ist ein Blödmann.

    Ich sage nicht: Wenn du jetzt auch Ehe und Kinder gewollt hättest, dann hätte es mit euch funktioniert. Nein, vermutlich hat dich deine Zurückhaltung in dieser Frage vor einer Havarie bewahrt.
    Geändert von 4.Kl.konzert ( 5.11.2017 um 02:29 Uhr)

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.718

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    Er nimmt keine Medikamente, weil die früher seine Persönlichkeit verändert haben. Ich weiß nicht, ob er mal in Therapie war. Danach haben wir nie wieder darüber geredet. Mir kam gar nicht in den Sinn, dass das ADHS mit ein Grund für sein seltsames Verhalten sein könnte.
    Dann war vermutlich die Dosis zu hoch. Man kann auch eine angemessene (medikamentöse und nichtmedikamentöse) ADHS-Behandlung bekommen, ohne sich wie ein Roboter zu fühlen. Das kann er in diesem oder ähnlichen Foren ohne Probleme nachlesen. Aber es interessiert ihn vermutlich gar nicht, weil er so bleiben möchte wie er ist.

    Und deswegen werden zu den siebeneinhalb Beziehungen vielleicht noch so einige dazu kommen, auch wenn er es sich anders wünscht. Schade für alle Beteiligten.

    Für dich ist die Sache wohl doch nicht so sinnlos, wie du jetzt denkst. Denn du hast ja gelernt, dass du doch eine Frau bist, die lieben kann und auch geliebt werden kann. Ich wünsche dir, dass du das auch bald wieder erlebst.
    Geändert von 4.Kl.konzert ( 5.11.2017 um 02:25 Uhr)

  8. #8
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    4.Kl.konzert schreibt:
    Eine Sache hat jedenfalls nichts mit ADHS zu tun: Er will eine Beziehung für immer, mit Heirat und Kindern, du nicht. Das war aber offenbar seine Bedingung für eine Beziehung. Also warum macht es dich fertig, dass er keine Beziehung wollte?
    Diesen Grund hab ich immer ein bisschen verdrängt. Wir hatten da schon mal darüber gesprochen, sind aber zu keiner Lösung gekommen, wie wir mit diesen unterschiedlichen Lebensplänen umgehen.

    Ich hab das wahrscheinlich so gesehen, dass man ja die Zeit zusammen genießen kann, bis eine Trennung dann irgendwann unumgänglich wäre. Ich hab ihn ja jetzt von nichts abgehalten. Ohne meine Existenz hätte er ja in dieser Zeit dann auch nicht "die Eine" gefunden, mit der das alles möglich ist.
    (Und insgeheim hab ich wahrscheinlich gedacht, dass er niemals eine Frau findet, die bis an ihr Lebensende mit ihm und seinen Macken zusammen sein möchte, geschweige denn Kinder mit einer Person haben will, die selbst noch so unerwachsen ist. Also hab ich seinen Wunsch wohl unfairerweise immer für mich abgetan.)

    Und es hat mich schon fertig gemacht, dass es jetzt plötzlich diese Ansprüche hat, die bei den sieben vorherigen Beziehungen aber keine Rolle gespielt haben. Ich hab mich wohl immer etwas benachteiligt gefühlt im Vergleich zu den Vorgängerinnen. Mit denen sind Dinge schneller ernst geworden, er hat mehr investiert usw. Deswegen hab ich diese Heirat/Kinder-Kiste auch oft als Ausrede seinerseits gesehen, damit er einen plausiblen Grund vorweisen kann, mich abzulehnen.

  9. #9
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    4.Kl.konzert schreibt:
    Für dich ist die Sache wohl doch nicht so sinnlos, wie du jetzt denkst. Denn du hast ja gelernt, dass du doch eine Frau bist, die lieben kann und auch geliebt werden kann. Ich wünsche dir, dass du das auch bald wieder erlebst.
    Das stimmt. Und gerade weil er eine so wichtige Rolle in meinem Liebesleben gespielt hat, kann ich ihn nur schwer loslassen. Und immer wenns ichs tu, will ich ihn irgendwann doch wieder zurück, weil ich mich an die schönen Momente erinnere. Das ist ihm gegenüber auch nicht fair, ich weiß schon.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.631

    AW: Beziehungschaos ADHS + Normalo - war ich ihm einfach nicht wichtig genug?

    Nach 7 Frauen ist der Mann verbrannt. Das heisst er möchte weitere Verletzungen dadurch vermeiden, dass er künftig die Frauen auf Distanz hält. Er will zwar eine Beziehung, weiß aber, dass Beziehungen bei ihm in die Hose gehen; deshalb möchte er es diesmal möglichst so hinkriegen, dass es nicht wieder in die Hose geht, und zwar eben dadurch, dass er sich so verhält, dass es auf jeden Fall in die Hosen geht.

    Ich weiß, was Du sagen willst, das klingt doch völlig antilogisch. Richtig. Es ist ADHS-Logik.

    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie man das einem "normalen" Menschen erklären kann.

    Er will also eigentlich eine Beziehung, weiß aber dass Beziehungen bei ihm immer in die Hose gehen. Da er also im Prinzip eine Beziehung will, die ausnahmsweise nicht in die Hosen geht, will er das Gebilde, das eine Beziehung sein könnte, möglichst lange vertagen, sodass es gerade noch so nicht als Beziehung bezeichnet werden kann. Denn die Beziehung, die immer in die Hosen geht, ist ja zu vermeiden. Eine Beziehung, die aber noch gar keine richtige Beziehung ist, kann auch nicht in die Hosen gehen, während sie auf jeden Fall in die Hosen gehen wird, wenn sie sich zu einer Beziehung entwickelt. Da er in diesem Fall aber in der konkreten Gefahr steht, dass sich hier etwas entwickeln kann, was auch beim besten Willen nicht mehr als Nicht-Beziehung, sondern eben als Beziehung benannt werden muss, es aber nun so ist, dass Beziehungen ja immer in die Hosen gehen, muss der ADHSler eine Rückversicherung einbauen, dergestalt, dass, wenn die Beziehung in die Hosen geht, er sich für dieses Scheitern am wenigsten Selbstvorwürfe/Schuldgefühle machen muss, und dies geht nur, wenn er zuvor möglichst wenig in diese Beziehung investiert hat, was natürlich an sich schon verhindert, dass eine Beziehung überhaupt gelingen kann, bzw. der Hauptgarant dafür ist, dass sie in die Hosen geht.

    So könnte man es erklären. Ich bin mir aber sicher, dass Du damit auch wenig anfangen kannst.

    Ich schlage vor, Du liest erstmal das Buch "Lass mich, doch verlass mich nicht" von Cordula Neuhaus durch. Vielleicht erhellt sich die ADHS-Logik, die in diesem Titel programmatisch schon ausgedrückt ist, dann ein bißchen mehr.

    Deine Festellung "eigentlich bin ich ihm egal", taugt leider auch nichts. Da er darauf angewiesen ist, je mehr er in Dich verknallt ist, dieses umso weniger zu zeigen, oder anders ausgedrückt, je mehr er emotional bereits von dir abhängig geworden ist, desto mehr seine Eigenständigkeit von Dir herauskehren muss, um vor sich selbst sein Gesicht wahren zu können. Er darf auf jeden Fall nicht, in seine Kleinkindrolle zurückfallen, von jemandem unmittelbar emotional abhängig zu sein.

    (Alle ADHSler fallen, wenn sie mit zu viel emotionaler Nähe konfrontiert werden, in eine trotzige Kleinkindrolle zurück. Du hast es dann verhaltenstechnisch betrachtet nicht mehr mit einem Erwachsenen zu tun...)

    Letztlich musst Du wissen, ob er`s wert ist.
    Geändert von Eiselein (13.11.2017 um 08:20 Uhr)

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