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Diskutiere im Thema Wie soll ich reagieren? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 50

    Wie soll ich reagieren?

    Hallo Ihr Lieben, ich bin's mal wieder!

    Vermutlich muss ich trotzdem noch einmal die Situation in der ich mich befinde beschreiben:

    Ich bin 25 und mein Freund 26 und wir sind ca. seit 1,5 Jahren zusammen. Generell läuft eigentlich alles gut wir streiten uns sehr wenig und wenn ist es direkt wieder vergessen. Also nichts weltbewegendes Mein Freund hat seit Kindesalter ADHS oder ADS. Genaueres weiß ich leider nicht, er aber genau so wenig da er sich dahingehend keine Hilfe sucht. Mein Freund hat irgendwie beides.. Im Alltag ADS und wenn er was getrunken hat ADHS. So kommt es mir als Laie zumindest vor

    Ich stoße in letzter Zeit auf ein Paar Problemchen wie ich in manchen Situationen reagieren sollte. Ich hoffe ihr könnt mir da helfen, welche Reaktion Menschen mit ADS/ADHS in folgenden Situationen gerne hätten.

    Situation 1:

    Ich erzähle meinem Freund mindestens 10 Mal von einem bevorstehenden Geburtstag. Er einen Tag vor dem Geburtstag "Wir müssen morgen das und das machen" Ich "Du weißt, dass wir morgen schon was vorhaben?" Er "Was denn?" Ich reagiere darauf eher genervt weil ich keine Lust habe alles 11 Mal zu sagen und sage ihm dann, dass er bitte mal überlegen soll. Darauf reagiert er dann meistens wütend und sagt ich soll mich doch nicht so anstellen und einfach sagen was ansteht. Ich weigere mich dann und dann kommt es zum Streit.. Klar wäre es in der Situation das leichteste einfach zu sagen was bevorsteht aber ich fühle mich einfach gekränkt, da er sich so viele unwichtige Sachen merkt aber komischerweise nie das, was ich zu ihm sage.

    Situation 2 (hatten wir gestern erst):

    Mein Freund ist manchmal eine richtige Prinzessin. "Streichel mich da, Kannst du das und das holen?, Kannst du das und das mitbringen?" etc. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bringe meinem Freund gerne etwas mit oder tue ihm etwas Gutes. Nur für mich ist es in letzter Zeit etwas sehr unausgeglichen, da ich meiner Meinung nach nichts zurück bekomme. Er möchte am liebsten, dass ich ihn 24/7 den Rücken kraule, wenn ich ihn dann mal darum bitte hält er es höchstens 10 Sekunden durch und dann ist was anderes wichtiger. Kurz bevor ich zu ihm fahre fragt er mich ob ich ihm bitte dieses und jenes mitbringen kann OBWOHL er schon seit mindestens 3 Stunden Zuhause ist und sich das locker hätte selbst holen können. Manchmal wenn ich gerade beim Einkaufen bin und sehe etwas, dass ihm schmecken könnte bringe ich es ihm natürlich mit. Wenn er mal einkaufen ist, bekomme ich nie was. Wenn ich ihn dann darauf anspreche reagiert er dann genervt und sagt nur, dass ich doch sagen soll wenn ich was brauche. Gut, das ist vielleicht jetzt mehr ein Männerproblem als ein ADHS/ADS Problem . Aber wenn ich ihm dann auch mal sage was ich brauche oder möchte (z.B. das streicheln) wird es nicht lange durch gehalten oder vergessen.

    Situation 3:

    Wenn wir unterwegs sind ist es eigentlich jedes Mal so, dass ich gerne um 3 Uhr Nachts langsam nach Hause gehen würde und er eben nicht. Es ist ja kein Problem für mich, soll er halt da bleiben. Was mich dann wahnsinnig macht ist Folgendes: Ich "Ich würde dann gerne langsam gehen aber du kannst gerne noch da bleiben wenn du möchtest" Er "Ja nein warte, ich trink noch aus und dann gehen wir zusammen nach Hause" Gut, dann warte ich 1 Stunde, dann wird sich das nächste Bier aufgemacht, ich warte 2 Stunden. Ich dann wieder "Ich gehe dann jetzt" Er "Ja nein warte halt wir gehen gleich". Ich warte also wieder 1 Stunde obwohl ich schon längst hatte im Bett sein können Er meint halt immer, er denkt ich wäre dann sauer wenn ich alleine nach Hause gehen müsste. Stimmt eigentlich nur minimal, was mich mehr aufregt ist dieses "Warte! Gleich!" was dann aber nicht der Fall ist.

    Situation 4:

    Hängt ein wenig mit Situation 3 zusammen. Er hält so gut wie nie ein was er sagt. Er vergisst es halt wohl einfach oder hat keine Lust. Ein Beispiel ähnlich wie Situation 3: Ich bin bereit nach Hause zu gehen und er würde gerne noch zu einem Kumpel mitgehen. Alles schön und gut, kann er ja. Er sagt zu mir er bringt mich noch schnell nach Hause und läuft dann wieder runter. Wir gehen vor die Tür, ein paar andere kommen mit raus und laufen in Richtung des Kumpels und erzählen ihm was. Er läuft einfach bei Ihnen mit.. Ich "Hallo?" Er "Was denn?" Ich "Du wolltest mich noch nach Hause bringen?" Er "Achso ja stimmt sorry." Ich dann genervt "Ja mein Gott dann geh halt gleich mit" Er "Okay bis dann" Gibt mir einen Kuss und geht. Lauf ich halt wieder angepisst, allein im dunkeln nach Hause Ist ja nicht so, dass man in der heutigen Zeit als Frau etwas vorsichtiger sein sollte und nicht unbedingt allein nach Hause laufen sollte. Oder ein anderes Beispiel: Ich bin bei ihm Zuhause und er in der Kneipe unten. Er schreibt mir selbstständig "Ich gehe so in einer halben Stunde nach Hause" Die halbe Stunde verstreicht, eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden und dann kommt er irgendwann betrunken ins Zimmer gestolpert. Daran stört mich nicht die Situation, dass er betrunken ist oder so lange weg war sondern, dass er mal wieder was gesagt hat und was anderes gemacht hat. Danach bin ich halt auch immer genervt. Wenn er wenigstens von Anfang an sagen würde "Ich weiß nicht wann ich nach Hause komme, du musst also nicht auf mich warten" Dann wäre ja alles gut

    Würde mich mega freuen wenn ihr mir hier helfen könnt, wie ich richtig in den Situationen reagieren kann ohne ihn zu verletzen.

    Ich komme jetzt noch zu etwas ganz Anderem. Seit kurzem haben wir ab und an mal übers zusammen ziehen gesprochen. Derzeit wohne ich noch Zuhause und eine eigene Wohnung würde sich ja auch nicht lohnen weil ich jeden Tag bei ihm bin. Er wohnt in einer WG mit 3 Mann, wo ich aber definitiv nicht einziehen möchte -> Männer WG

    Oben drüber ist noch eine Wohnung, wo ein gemeinsamer Freund mit seiner Freundin wohnt, da kriselt es aber gewaltig.

    Generell ist er dem zusammen ziehen wohl nicht abgeneigt und er meinte dann auch "Wenn die oben mal Schluss machen und ausziehen, gehen wir da rein. Kann auch nicht mehr lange dauern bei denen" Da bin ich jetzt nicht weiter drauf eingegangen weil ich 1. niemandem ein Beziehungs-Aus wünsche und 2. aus Erfahrung ja eh nicht auf das hören kann was er sagt. So gestern war dann folgendes: Sein Nachbar ist weggezogen mit seiner Freundin und seitdem streiten die sich wohl nur noch. Er meinte dann gestern zu mir "Ja sowas geht nie gut aus. Zusammen wohnen ist schon eine ganz andere Sache als nur jeden Tag aufeinander zu sitzen" Das habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden weil ob ich jetzt jeden Tag bei ihm bin oder wir zusammen wohnen? Da ist für mich kein großer Unterschied ehrlich gesagt. Ich habe ihn dann gefragt warum und er meinte "Ja wenn ich mal meine Ruhe haben will oder so geht das ja auch nicht etc." Da war ich dann ein bisschen perplex, weil ich ihn oft frage ob er denn gerne mal einen Tag für sich hätte und ich dann Zuhause bleibe usw. Er verneint das jedes Mal und sagt er will mich immer sehen. Okaaaaay....

    Problem ist hier auch, dass er mit seiner ersten Freundin dann irgendwann zusammen gezogen ist und sie dann Schluss gemacht hat und dass er nicht möchte, dass das bei uns auch so abläuft. Ende vom Lied ist: Er will eigentlich zusammen ziehen aber irgendwie auch nicht weil er Angst hat und das ja sowieso schief gehen muss aus Erfahrung und weil er es bei anderen mitbekommt. Okay, was ich damit anfangen soll ist mir jetzt auch unklar..

    Sooo vielen Dank für's durchlesen und ich hoffe auf ein paar Antworten

    Schönen Tag noch und liebe Grüße!
    Geändert von smayli (25.10.2017 um 14:44 Uhr)

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 87

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Um es kurz zu machen:

    Er braucht Hilfe für sein ADHS. Die Situationen sind (fast) alles ganz klassische Fälle...

    Situation 1:
    Schlechtes Arbeits/Kurzzeitgedächtnis. Er merkt sich jeden Mist, aber keine Termine. Da hilft nur (Krankheits-)Einsicht und die Entwicklung von Kompensationsstrategien. Ich kriege mittlerweile feuchte Hände, wenn mein Bulletjournal nicht in meiner Nähe ist. Das Buch ist mein tragbares Hirn...

    Situation 2
    Kann am Mann sein liegen. Ich kann meiner Frau auch die Wünsche nicht von den Lippen ablesen - auch wenn sie das gerne so hätte :-) Aber auch hier kommt das ADHS in Form von "hört gleich wieder auf" zum tragen. Die Aufgabe wird (im Vergleich) als langweilig empfunden, etwas anderes wirkt interessanter und ab geht's...

    Situation 3:
    Fehlendes Zeitgefühl. Der merkt gar nicht wie lange er hockt. Zudem gehört hier auch die Impulskontrolle mit rein: Der Impuls bzw. die gefühlte Belohnung bei "Bier" ist für ihn stärker als bei "Nach Hause gehen". Einzige Lösung: Wenn Du heim willst, dann geh auch.

    Situation 4:
    Ist eine Kombination aus Situation 1-3 :-). Er vergisst seine Zusage an Dich, weil der Impuls mit den anderen weiter zu ziehen größer ist...

    Soweit, so wenig hilfreich... Du kannst an sich recht wenig machen, außer zu gucken, daß Du nicht unter die Räder kommst. So lange er nicht glaubt das er ADHs hat, sich Hilfe holt und lernt damit umzugehen, wird es schwierig. Wenn ich bedenke wie ich mich vor Diagnose, Medikamenten und Therapie benommen habe... weia. Da hing der Haussegen oft schief und immer schiefer je mehr meine Frau versucht hat mir meine Probleme klar zu machen...

    Es bleibt daher wohl beim einzig wahren Tipp für Angehörige: Pass auf Dich auf, mach was für Dich gut ist. Dein Vorteil: Selbst wenn er sauer auf Dich ist, vergisst er das schnell wieder :-)

    Chili_666

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 50

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Hey, danke für die Antwort

    Er weiß ja, dass er ADHS hat, ihm ist es halt Wurst auf gut deutsch Er hat eine Zeit lang mal Ritalin genommen, hat nichts gebracht, dann hat er sie halt nem Freund geschenkt

    1. So einen mobilen Kalender bräuchte er echt. Habe ich ihm glaube ich schon mal vorgeschlagen. Er "Ist doch Schwachsinn!"

    2. Was mich da aber richtig richtig "ankotzt".. Wenn er denkt, dass ich schlafe streichelt er mich ewig. Was soll das? Heute früh zum Beispiel. Mein Wecker klingelt und ich bin eh so n Morgenmuffel und steh nicht auf. Er dachte ich schlaf noch und krault mir den Nacken und den Rücken. Als er gemerkt hat, dass ich wach bin hat er aufgehört.

    3. Ja merke ich ja auch immer. Er "Was es ist schon halb 5?!" Ich "Ja und ich will seit 3 Stunden gehen". Problem hier ist, er lässt mich ja teilweise nicht gehen. "Ach bleib doch noch." etc. Wenn ich dann wirklich darauf bestehe, dass ich jetzt gehe geht er dann auch mit aber setzt so einen Hundeblick auf weil er eigentlich noch da bleiben will, dass ich dann ein schlechtes Gewissen bekomme

    Ja da hast du Recht mit dem sauer sein Kann er nicht, weil er ja innerhalb einer Minute schon wieder vergessen hat, dass wir uns überhaupt gestritten haben.

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 52

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Hallo Smayli,

    ich habe deinen Beitrag heute Mittag bereits gelesen, aber ich konnte leider nicht direkt antworten und auch jetzt fällt mir das nicht so einfach.

    In vielem, was du schreibst, erkenne ich mich wieder und ich kann eigentlich nur wiederholen, was chili_666 bereits geschrieben hat: ER braucht Hilfe bzgl. seines ADHS und DU musst einzig und alleine auf dich achten (wenn er sich nicht helfen lässt) und schauen, dass du in den Situationen das für dich Beste machst!

    Wie gesagt: ich erkenne mich in vielem wieder und bei mir ist es aber wohl leider zu spät - meine Beziehung ist seit gut drei Wochen beendet und ich wusste vorher auch schon (sehr, sehr lange), dass ich ADHS habe, aber jetzt, wo die Beziehung beendet ist und es mich "so richtig erwischt hat", ist mir erst sehr viel diesbezüglich klargeworden und vor allem, wie sehr ADHS die Beziehung kaputtgemacht hat. Versteh mich nicht falsch: die Tatsache, dass ich ADHS habe, hat nicht dafür gesorgt, dass die Beziehung in die Brüche gegangen ist, aber sehr wohl die Tatsache, dass ich nicht erkannt habe, dass ich mich ganz bewusst mit meinem ADHD auseinandersetzen muss (in welcher Form auch immer) und an den Dingen, die ADHS betreffen und in der Beziehung zu Schwierigkeiten geführt haben, arbeiten muss. Leider habe ich diesen "Schlag in die Fresse" (Ende der Beziehung) gebraucht, da ich das sonst wahrscheinlich selber nicht erkannt hätte - bei uns war es auch so, dass meine Freundin sich deutlich mehr mit dem Thema (ADHS) auseinandergesetzt hat als ich und ich eben einfach nicht gesehen habe (oder nicht sehen wollte), dass es sehr wohl (in manchen Dingen eben vor allem negativ) die Beziehung beeinflusst und eben - auf kurz oder lang - zur Trennung führt, wenn man nicht daran arbeitet. Er hat das Glück, dass er dich an deiner Seite hat und du (noch) bereit bist, mit ihm zusammen daran zu arbeiten, aber er MUSS definitiv sich damit auseinandersetzen und ich hoffe für euch, dass er das auch tut!

    Ansonsten musst du auf dich schauen und darauf achten, dass du daran nicht "kaputt gehst" (so war es bei meiner Freundin) und irgendwann an den Punkt kommst, wo du einfach nicht mehr kannst und die Beziehung deswegen in die Brüche geht. Egal, wie er in den jeweiligen Situationen (auf deine Reaktionen) reagieren sollte: er will sich nicht helfen lassen - also MUSST du schauen, dass es dir gut geht, wenn gewisse Situationen auftreten und du eben "nichts abbekommst".

    Ich hoffe, dass ich es einigermaßen verständlich "erklären" konnte?! Aber ich bin ja noch eine Weile hier im Forum und werde den Thread (alleine schon aus persönlichen Gründen) "im Auge behalten"

  5. #5
    Mei


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 64

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Ich erzähle meinem Freund mindestens 10 Mal von einem bevorstehenden Geburtstag. Er einen Tag vor dem Geburtstag "Wir müssen morgen das und das machen" Ich "Du weißt, dass wir morgen schon was vorhaben?" Er "Was denn?" Ich reagiere darauf eher genervt weil ich keine Lust habe alles 11 Mal zu sagen und sage ihm dann, dass er bitte mal überlegen soll. Darauf reagiert er dann meistens wütend und sagt ich soll mich doch nicht so anstellen und einfach sagen was ansteht. Ich weigere mich dann und dann kommt es zum Streit.. Klar wäre es in der Situation das leichteste einfach zu sagen was bevorsteht aber ich fühle mich einfach gekränkt, da er sich so viele unwichtige Sachen merkt aber komischerweise nie das, was ich zu ihm sage.
    Mag kurz mal eine Sache dazu sagen:
    Hör auf damit. ^^' Dieses "Ich sag dem jetzt nicht, was er vergessen hat, weil ich hab keinen Bock es 10x zu sagen" führt zu gar nix. Ich wundere mich immer darüber, dass Frauen immer einen Hang haben sowas zu haben, aber ich selbst als Frau finde sowas unerträglich.

    Zur Not macht euch was aus, womit er sich besser erinnern kann an sowas. Häng einen Kalender an den Kühlschrank, mach ein dickes Kreuz an den Tagen wo du fest was vor hast mit ihm und schreib hin was da ist. Dann hat er wenigstens eine Chance sich zu erinnern. Dann kannst auch sagen: "Schau auf den Kalender, dann weißt was morgen ist."
    So Dinge wie Geburtstage von anderen vergesse ich auch immer. Und wenn man mit so einer Tour kommt, bin ich auch wahnsinnig genervt.

    Wenn wir unterwegs sind ist es eigentlich jedes Mal so, dass ich gerne um 3 Uhr Nachts langsam nach Hause gehen würde und er eben nicht. Es ist ja kein Problem für mich, soll er halt da bleiben. Was mich dann wahnsinnig macht ist Folgendes: Ich "Ich würde dann gerne langsam gehen aber du kannst gerne noch da bleiben wenn du möchtest" Er "Ja nein warte, ich trink noch aus und dann gehen wir zusammen nach Hause" Gut, dann warte ich 1 Stunde, dann wird sich das nächste Bier aufgemacht, ich warte 2 Stunden. Ich dann wieder "Ich gehe dann jetzt" Er "Ja nein warte halt wir gehen gleich". Ich warte also wieder 1 Stunde obwohl ich schon längst hatte im Bett sein können https://adhs-chaoten.net/images/smilies/026.gif Er meint halt immer, er denkt ich wäre dann sauer wenn ich alleine nach Hause gehen müsste. Stimmt eigentlich nur minimal, was mich mehr aufregt ist dieses "Warte! Gleich!" was dann aber nicht der Fall ist.
    Und bei sowas würde ich einfach gehen. Fertig.
    3. Ja merke ich ja auch immer. Er "Was es ist schon halb 5?!" Ich "Ja und ich will seit 3 Stunden gehen". Problem hier ist, er lässt mich ja teilweise nicht gehen. "Ach bleib doch noch." etc. Wenn ich dann wirklich darauf bestehe, dass ich jetzt gehe geht er dann auch mit aber setzt so einen Hundeblick auf weil er eigentlich noch da bleiben will, dass ich dann ein schlechtes Gewissen bekomme https://adhs-chaoten.net/images/smilies/025.gif
    Du bist in der Sache einfach zu Inkonsequent.
    Wenn er immer wieder damit durchkommt, ändert sich daran halt nix.

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 306

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Hallo!

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Vieles sind typische Probleme bei ADHS. Hoffst du, dass er von selbst etwas daran ändert? Vergiss es!

    Bitte werde selbst aktiv und mach dir klar, womit du leben kannst und womit nicht - und ziehe deine Schlüsse daraus.

    Hast du schon mal was über ADHS bei Erwachsenen gelesen, z.B. "Lass mich, doch verlass mich nicht" von Cordula Neuhaus? Die Empfehlung kommt an dieser Stelle ständig (sorry!), aber es lohnt sich, wenn du verstehen möchtest, warum dein Freund so ist und wie du damit umgehen kannst.

    Mir kommt es so vor, als erwartest du einfach ein "erwachseneres", weniger egozentrisches Verhalten von deinem Freund und möchtest auch mit ihm in die Zukunft schauen, zusammenziehen und so. Er ist zwar ein Jahr älter als du, aber in seiner Persönlichkeitsentwicklung möglicherweise zehn Jahre zurück - das klingt heftig, ist bei ADHS aber normal und passt auch zu dem, was du du berichtest.

    Du schreibst zwar, dass es dir nichts ausmachen würde, wenn er sich mit Kumpels und Alkohol die Nächte um die Ohren schlägt. Bist du da ehrlich zu dir selbst? Er scheint davon nicht so überzeugt zu sein, sonst würde er dich ja einfach nach Hause fahren lassen und ohne schlechtes Gewissen noch dableiben.

    Das mit dem Alkohol solltest du mMn genau beobachten: Viele unbehandelte ADHSler nutzen Alkohol (neben Kaffee und Zigaretten) zur "Selbstmedikation". Würde er wieder Ritalin oder ein anderes Produkt mit dem Wirkstoff Methylphenidat nehmen, hätte er darauf vielleicht gat keine Lust mehr.

    Und dass Ritalin bei ihm nicht gewirkt hat, ist nachvollziehbar: Es unterstützt, aber es löst die Probleme nicht in Luft auf. Wer aber subjektiv gar kein Problem hat, der merkt möglicherweise gar nichts.

    Viele Grüße

    Addy

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 50

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Hallo Ihr Lieben, danke für eure Antworten

    Um eines vorweg klar zu stellen... NEIN ich hoffe und denke nicht, dass sich an der Situation einfach aus dem Nichts etwas ändert.

    Ich wollte durch diesen Beitrag ein paar Antworten von EUCH direkt "Betroffenen" sage ich mal haben, um zu wissen wie ich in den Situationen richtig reagiere, dass er 1. Nicht gekränkt ist und 2. Ich ihm vielleicht helfe, dass diese Sachen in Zukunft "besser" werden KÖNNTEN sozusagen.

    "Lass mich, doch verlass mich nicht" von Cordula Neuhaus habe ich schon gelesen, fand ich sehr gut Muss es mir vielleicht noch mal durchlesen

    Das mit dem Alkohol und dem weggehen ist schon so eine Sache. Er ist da halt anders als ich, was jetzt aber eigentlich nichts mit dem ADHS zu tun hat. Er ist halt sehr offen, kontaktfreudig und geht einfach gerne weg. So war ich früher auch aber mittlerweile habe ich halt irgendwie keine Lust mehr am Wochenende jeden Tag bis in die Morgenstunden zu feiern Ich bin auch nicht so, dass ich auf wildfremde Menschen offen zugehe, so war ich aber noch nie.

    Klar weiß er, dass ich schon gekränkt wäre wenn ich mal wieder alleine nach Hause müsste deswegen geht er halt dann notgedrungen mit. Das will ich ja aber nicht! Dass ich wegen sowas gekränkt bin ist im Endeffekt mein Problem und nicht seins und ich möchte nicht, dass es zu seinem wird. Bin ich halt gekränkt, davon kriegt er aber dann am nächsten Morgen schon nichts mehr mit davon weil es verflogen ist. Ich möchte wirklich, dass er da bleibt weil ich ja weiß dass er da bleiben möchte. Wenn ich merke er würde auch gerne gehen und geht dann mit, freue ich mich natürlich. Aber ich will ihn nicht zum nach Hause gehen zwingen. Ich hoffe man versteht mein Geplapper hier


    Das ich mit dem Alkohol aufpassen soll haben mir schon sehr viele hier gesagt... Das schlimme ist, dass eigentlich in jedem meiner Beiträge der Alkohol vorkommt. Er ist aber um Gottes Willen kein Säufer! Wenn jetzt 2 Monate keine Feier wäre, dann trinkt er auch 2 Monate nichts ABER wenn er dann trinkt, übertreibt er es halt meiner Meinung nach. Aber generell übertreiben fast alle Männer gerne wenn sie trinken. Kriege ich ja selbst immer mit, die wissen halt nicht wann Schluss ist Gut ich kann dazu recht wenig sagen weil ich nach 3 Bier eigentlich schon nach Hause gehen könnte

    @mucki0985

    Das tut mir wirklich sehr leid für dich und deine Beziehung.. Man muss halt wirklich oft zurück stecken wenn man jemanden mit ADHS liebt ^^

    Bei mir kommt halt aber noch dazu, dass ich wirklich sehr leicht gekränkt bin, was dann mit einem Partner mit ADHS eigentlich garnicht zusammen passt. Ich nehme gern alles persönlich das ist Problem. Eigentlich müsste ich mir eine "Mir doch egal" Haltung zulegen..

    Manchmal habe ich Tage, da macht mir das alles nichts aus und ich finde es teilweise süß und witzig. Aber wenn man eh schon einen schlechten Tag hatte und dann wird einem nicht mal richtig zugehört wenn man davon erzählt oder man wird dauernd unterbrochen, dann ist das halt wirklich sehr verletzend für mich.

    Ich wünsche euch trotzdem allen ein wunderschönes Wochenende!

    Liebe Grüße!
    Geändert von smayli (27.10.2017 um 17:00 Uhr)

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 329

    AW: Wie soll ich reagieren?

    Liebe Smayli,

    mein Aspie und ich hatten zu Anfang auch die Vorstellung,
    als Paar ist man irgendwo hingegangen, dann geht man auch als Paar,
    gemeinsam, nach Hause.
    Das hat aber mir den 60. Geburtstag meiner allerbesten Freundin ruiniert,
    weil er sehr sehr früh gehen wollte (vor 22.00) und mit mir auch noch
    sauer war, weil er sich von den vielen ihm unbekannten Gästen
    in Panik versetzt fühlte.
    Das hat zu einer erheblichen Beziehungskrise geführt.
    Inzwischen (knapp 4 Jahre später) können wir uns darauf einigen,
    dass er sich nett bei mir verabschiedet, wenn er gern nach Hause möchte,
    und mich später g.g.f. wieder abholt, falls ich keine Mitfahrgelegenheit finde.
    Seit wir unsere unterschiedlichen Bedürfnisse nach Gesellschaft
    annehmen, uns so sein lassen können,
    wie wir sind, ist dieser Punkt nun viel harmonischer gelöst.
    Er kann entspannt gehen, wann immer ihm danach ist
    und ich darf so lange bleiben, wie ich gerne möchte.
    Anschliessend sehen wir uns und können einander mitteilen,
    wie unser Abend verlaufen ist.

    Sobald wir, als Paar, unsere eigenen Vorstellungen entwickeln,
    wie UNSERE Beziehung sein soll, haben wir viel mehr Möglichkeiten
    und freier zu entfalten...

    sei nett zu dir selbst
    Liebe Grüße
    finckla

  9. #9
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 306

    AW: Wie soll ich reagieren?

    smayli schreibt:
    Um eines vorweg klar zu stellen... NEIN ich hoffe und denke nicht, dass sich an der Situation einfach aus dem Nichts etwas ändert.

    Ich wollte durch diesen Beitrag ein paar Antworten von EUCH direkt "Betroffenen" sage ich mal haben, um zu wissen wie ich in den Situationen richtig reagiere, dass er 1. Nicht gekränkt ist und 2. Ich ihm vielleicht helfe, dass diese Sachen in Zukunft "besser" werden KÖNNTEN sozusagen.
    Hallo smayli,

    ok, ich versuche es jetzt mal mehr aus meiner individuellen Sicht des Betroffenen und weniger theoretisch. Andere User mögen mir verzeihen, wenn es bei ihnen anders ist. Also:

    1. Gekränkt sein ist bei ADHS symptomtypisch, Kränkungen vorzubeugen ist schwierig bis unmöglich. Gerne ist der ADHSler selbst dann gekränkt, wenn es gar keinen Anlass dazu gibt. Daher: Antennen immer auf Empfang, ob sich seine Stimmung plötzlich verändert und versuchen, die Situation gar nicht erst eskalieren zu lassen. Das ist bei ADHS das Mittel der ersten Wahl. Falls es schon zu spät ist: Warten, bis sich die Wogen wieder einigermaßen geglättet haben, die Sache sachlich nachbesprechen, ggf. entschuldigen. Dann ist die Sache ruckzuck vergessen. Denn genauso schnell, wie er sich hineinsteigern kann, ist die Sache auch wieder aus der Welt. Es erübrigt sich, festzustellen, dass er selbst seine Antennen für diese Situationen ebenfalls auf Empfang stellen sollte, um diesen Situationen selbst begegnen zu können. Aber dazu gehört natürlich eine gewisse Einsicht, die nicht seine Stärke ist.

    2. Sich helfen lassen, ist nicht die Sache des ADHSlers. Der Spruch "Wer nicht hören kann, muss fühlen" passt wohl ideal auf diese Spezies. Man kann erklären, Tipps geben, Unterstützung anbieten - alles vergebens. Das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, ist für den ADHSler unerträglich. Da fällt er lieber täglich auf die Nase und sammelt seine Erfahrungen selbst. Aber auch das ist ein Problem, denn aus Erfahrungen lernen ist ebenfalls nicht des ADHSlers Ding und das Ändern gewohnter Gewohnheiten ebenfalls nicht. Mit anderen Worten: Wenn du ihm helfen willst, musst du es so geschickt einfädeln, dass er nichts davon merkt - und du musst einen langen Atem mitbringen.

    Und jetzt mal ein praktisches Beispiel: Termine

    Der Umgang mit einem herkömmlichen Taschenkalender ist bei ADHS traditionell erschwert: Wo ist der Kalender gerade, wenn man sich einen Termin eintragen muss? Mist, kein Stift zum Eintragen da! "Oh, Termin vergessen, sorry, ja, ich hatte irgendwo einen Kalender, habe den aber seit Wochen nicht mehr gesehen" usw. usf.

    Insofern ist die Erfindungen des Handys mit Kalenderfunktion eine hervorragende Erfindung für ADHSler. Man hat den Kalender immer bei sich, braucht keinen Stift, kurz: Eintragen von Terminen ist jederzeit möglich und in den Kalender gucken ebenfalls. Noch besser wird es, wenn man einen gemeinsamen Kalender hat (bei Google z.B.), so dass beide ihn verwalten können. Ganz ehrlich: Das Vergessen von Terminen war jahrzenhtelang mein Problem, seit meine Partnerin und ich diesen gemeinsamen Handy-Kalender haben, ist dieses Problem gelöst. Noch ein Tipp: Sich einmal die Woche kurz zusammensetzen und gemeinsam planen. Finde ich sehr effektiv, aber in deiner Situation wohl schwierig umzusetzen.

    Und schließlich nochmal zum Thema Alkohol:

    Ich wollte deinem Freund nichts unterstellen, deshalb habe ich ja auch gesagt, du solltest es beobachten.

    Deine Aussage, dass fast alle Männer übertreiben, wenn sie trinken, stelle ich allerdings mal ganz ausdrücklich in Frage. Spätestens ab einem gewissen Alter, wenn gearbeitet und Verantwortung für Familie übernommen werden muss, wird das zwangsläufig weniger, und zwar deutlich.

    Bei ADHS kann es aber so bleiben. Das Übertreiben und "nicht Wissen wann Schluss" ist schließlich ein klassisches ADHS-Symptom (fehlende Impulskontrolle). Zum Thema Selbstmedikation habe ich ja oben schon was gesagt. Möglicherweise sitzen in zehn, fünfzehn Jahren also alle seine Kumpels nach einer so einer Feier brav bei ihren Familen, während dein Freund immer noch die Nacht zum Tag macht. Damit will ich kein Schreckensgemälde zeichnen, aber bei ADHS ist es einfach so, dass die Entwicklung anders verläuft, und sich Dinge, die sich bei anderen mit zunehmenden Alter von selbst geben, bei ADHS später oder gar nicht ändern.

    Zu deinem Anliegen insgesamt:

    Tipps von Betroffenen allein werden dich nicht weiterbringen, wohl aber die Einsicht in das "Anders-sein" eines Menschen mit ADHS - worauf du hoffen darfst oder eben auch nicht.

    Ich wünsche Dir und deinem Freund wirklich alles erdenklich Gute für die Zukunft!

    Beste Grüße

    Addy
    Geändert von Addy Haller (28.10.2017 um 13:34 Uhr)

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