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Diskutiere im Thema Habt Ihr Lösungsansätze für mich? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Hallo allerseits,

    nach langem Stöbern in Eurem Forum habe ich mich dazu entschieden, Euch um Rat zu fragen.

    Seit 4 Jahren bin ich mit meinem Mann verheiratet und wir erwarten gerade unser erstes gemeinsames Baby. Mein Mann teilte mir mit, dass in seiner Kindheit bei ihm ADHS diagnostiziert wurde und er Ritalin einnehmen musste. Er selber glaubt, dass die Diagnose ein Fake und bloß eine bequeme Lösung für seine überforderten Eltern war und regt sich tierisch darüber auf. Er hat sowieso permanent das Gefühl, ihm geschehe Unrecht.

    Nachdem ich mich eingehend mit dem Thema ADHS befasst habe, bin ich jedoch der Überzeugung, dass die großen Probleme, welche sich in unserer Beziehung eingeschlichen haben und sie ungemein belasten, absolut FÜR eine ADHS Erkrankung bei ihm sprechen, die man dringend anschauen müsste.

    Einige Symptome sind hierbei, dass er ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat, alles tut um im Mittelpunkt zu stehen, permanent lügt (vor allem wegen Kleinigkeiten, um sich besser darzustellen etc.), sich oft vernachlässigt fühlt (selbst auf mich ist er eifersüchtig, wenn ich z.B. in der Schwangerschaft einen Keks mehr gegessen habe - dabei wurde er richtig verletzend und ich dachte "Hallo, ich bin deine Frau und wir kriegen ein Baby"). Zudem ist er extrem vergesslich und unorganisiert. Er kann nicht mit Geld umgehen, nicht planen und stürzt uns regelmäßig in finanziell unangenehme Situationen.

    Wir haben mehrmals versucht, gute Lösungen zu finden und ich habe mich stets bemüht, die Themen ruhig und sachlich anzugehen, ihn z.B. bei der Finanzplanung zu unterstützen. Nur leider stößt das bei ihm zunehmend auf Ablehnung und er hält sich vielleicht einen Tag an eine Abmachung, danach ist Sense. Wir können kaum mehr ein konstruktives Gespräch führen, da er sich sofort kritisiert und angegriffen fühlt. Auch ich gebe Fehler meinerseits zu, um nicht nörglerisch zu wirken. Doch es hilft alles nichts mehr - er fasst alles nur noch als Angriff auf. Wir drehen uns ständig im Kreis.

    Ich möchte ihn gerne auf das Thema ADHS ansprechen und ihm eine gezielte Therapie vorschlagen, doch ich weiß nicht mehr wie ich an ihn rankomme. Ich mache mir große Sorgen wegen unseres Kindes, dass er mit der Erziehung überfordert sein wird und auch dort "gegen mich kämpfen" wird. Ich möchte nicht, dass unser Kind so aufwächst. Und ich möchte mit ihm ein erfülltes Leben führen, doch ich bin langsam am Ende meiner Kräfte (und manchmal am Rande der Toleranzgrenze. Klingt gemein, aber ich bin auch nur ein Mensch).

    Habt Ihr vielleicht Tipps, wie ich ihn schonend auf das Thema ansprechen kann? Was würde Euch als Betroffene helfen und euch nicht das Gefühl geben, dass ihr minderwertig seid?

    Ich wäre um Antworten sehr dankbar.

    Liebe Grüße, Miranda

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 25
    Forum-Beiträge: 289

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Hallo :-)

    Das ist ein sehr komplexes Problem wie mir scheint und ich finde es ganz schwierig, dir hier einen Rat zu geben, da sehr viel daran hängt. Was wenn es dann das falsche ist?
    Was natürlich nicht geht ist, dass du dich als Mensch schlecht behandeln lässt und wie du schreibst, am Ende deiner Kräfte bist. Auch das mit der Toleranzgrenze finde ich gut, denn es schützt dich und auch den kleinen Knirps und das sollte dir auch im Moment wichtig sein!
    Um zu deiner Frage zu kommen, wie angehen... Wie gesagt, ich tu mich etwas schwer damit, da sehr viel daran hängt, aber ich will dir auch gerne antworten, deswegen möchte ich dich bitten, zu überlegen, was du aus meiner Antwort gebrauchen kannst und was nicht, denn ich kenne deinen Mann nicht und ADHS ist bei jedem ein wenig anders

    Ich studiere momentan Heil- und Sonderpädagogik und dort ist ADHS auch immer ein Brennpunkt, bei dem sich die Geister scheiden. Manche finden, dass man ADHS nicht behandeln müsse, denn das wäre diskriminierend und es geht darum, dass man als Lehrer oder Eltern mit den Kindern umgehen können muss und sie nehmen wie sie sind. Die anderen finden, dass man es behandeln muss. Ich denke, dass man für jeden den richtigen Weg finden muss. Manche kann man so nehmen und andere sollte man behandeln und zwar immer so, wie es für das Kind am besten ist. Und egal wie man sich entscheidet, in beiden Formen, sollte man dem Kind dringend erklären, warum etwas so ist und auch zeigen, dass man das Kind bedingungslos liebt und akzeptiert, gerade als Eltern. Und das scheinen die Eltern von deinem Mann nicht hinbekommen zu haben. Das Problem scheint ja in einem schlechten Umgang mit der Problematik als Kind zu liegen, wie damals damit umgegangen worden ist. Ich denke, das wäre ein möglicher Ansatz, wo du auch betonst, dass du nicht gut findest, dass die Eltern ihm dieses Gefühl vermittelt haben.

    Wichtig wäre mir aber als Betroffene sicher auch zuerst einmal, dass ich mich nicht angegriffen fühle, denn ich gerate für meinen Teil schnell in eine Verteidigungshaltung, bei welcher ich gar nicht mehr merke, dass es nicht um Kritik geht sondern um Beobachtungen ohne Wertung. Dieses Unrechtgefühl kenne ich sehr gut, dann beginne ich mich zu verteidigen und alles andere ist dann nicht mehr wichtig.
    Ich denke wichtig ist auch, dass du nicht die Liste runter ratterst, was für dich für ADHS spricht.
    Oftmals wächst ADHS sich ja auch aus, sprich, wenn man es in der Kindheit hatte, muss man es nicht ins Erwachsenenalter mitbringen oder auch umgekehrt, bei manchen fängt es erst dann an. Von daher kannst du auch sagen, dass er es als Kind vielleicht nicht hatte und somit im Recht ist. Ich denke, einige der erwähnten Punkte, zum Beispiel mit dem schlechten Selbstwertgefühl, könnten natürlich auch Resultate aus der Art und Weise, wie er sich von den Eltern behandelt gefühlt hat sein.

    Ich würde mir wünschen, dass man mir sagen würde, dass man mich auch mit und vielleicht auch gerade manchmal wegen diesen Dingen, liebt. Vielleicht, dass du es liebst, dass er alles sehr leidenschaftlich angeht, wenn er das denn tut und dem auch so ist. Vielleicht kannst du dir auch vorstellen, mit ihm in eine Ehetherapie zu gehen, aber ob er dafür offen ist, weiss ich natürlich nicht.

    Vielleicht reicht es auch schon, wenn du sagst, du machst dir Sorgen, wie das wird, wenn das Kind da ist, diese Streitereien, dass du das so nicht möchtest, dass du ihn willst, dass du mit ihm diese Familie willst, aber dass du Angst hast, es auf dich beziehen wie zum Beispiel "Ich habe Angst, das ist mein erstes Kind, ich habe Angst, Fehler zu machen und ich habe Angst, dass wir uns vor dem Kind streiten, kannst du mir helfen?" Ihm das Gefühl geben, dass er gebraucht wird. Ich würde das auch tun, wenn ihr vorher was zusammen gemacht habt, etwas Zukunftorientiertes vielleicht, wie eben etwas für das Kinderzimmer.

    Aber das sind alles Ratschläge, die würden bei mir eventuell funktionieren, wenn ich in der richtigen Stimmung bin. Was ich dir anbieten kann ist, dass du mir jederzeit eine PN schreiben darfst, nachfragen, Frust abladen... Ich hoffe einfach, dass es für dich einen Weg geben wird. Ich würde mich auch freuen, auf dem Laufenden zu bleiben, denn das hat mich jetzt doch auch sehr berührt, welche Gedanken du dir machst und auch deine Mühe, eine Lösung zu finden, aber das ist natürlich dir überlassen :-)

    Alles Liebe

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.750

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Liebe Miranda,

    das hört sich ja sehr danach an, dass du mit deinen Vermutungen richtig liegst!

    Allerdings- nicht nur die von dir aufgezählten Symptome gehören zur ADHS, sondern auch die verzerrte Wahrnehmung! Seine Abwehr ist also keine böse Absicht und um dich zu ärgern, er empfindet sich wirklich als zu Unrecht angegriffen.

    Der Druck muss soweit steigen, dass es für ihn Sinn macht, seine ADHS behandeln zu lassen! Es hört sich herzlos an, aber kein Mann wird anfangen Ritalin zu nehmen, damit es seiner Frau und seinen Kindern besser geht. Denn der Betroffene erlebt sich gar nicht als impulsiver, unzuverlässiger und ruppiger Choleriker, sondern als geduldig und verständnisvoll. Nur die Anderen, die nerven immer!

    Ich habe die Diagnose und Behandlung angestrebt, weil ich etwas gegen das Chaos im Beruf machen wollte. Dass ich zu Hause immer völlig unberechtigt Streit anfing und unbeherrscht war, nahm ich erst zur Kenntnis als sich das durch die medikamentöse Behandlung (und zwar überraschend gut) änderte! Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau das bis zu diesem Zeitpunkt aushielt.

    Ich vermute mal, im Umgang mit seinem kleinen Kind wird er sich am ehesten zusammen nehmen auch ohne Behandlung. Aber für euch beide wird das schwer.

    Viele Grüße
    4. Klavierkonzert
    Geändert von 4.Kl.konzert ( 8.02.2017 um 10:09 Uhr)

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    @Bücherwurm @4. Klavierkonzert
    erstmal danke ich Euch von Herzen für die ausführlichen Beiträge, die mich schon ein Stück weiter bringen!

    Die Tipps von Bücherwurm werde ich auf jeden Fall versuchen umzusetzen - gerade das mit dem "Herunterrattern der Symptome" hätte ich wahrscheinlich glatt gemacht, denn man möchte ja auch das Beste für den Partner und ihn irgendwie "überzeugen". Deine einfühlsamen Beschreibungen haben mir eine andere Sichtweise geöffnet und Ansätze gegeben, die ich nun ausprobieren kann. Ob das richtig oder falsch ist, kann man so oder so nie wissen (also keine Sorge), aber einen Versuch ist es wert. Und du hast es geschafft, mir eine andere Perspektive zu geben - was auch das ist, was ich anstrebe. Ich versuche auf jeden Fall, im nächsten Gespräch mehr von MIR aus zu gehen, damit es nicht als Vorwurf rüberkommt.

    4. Klavierkonzert ich bin beeindruckt von deiner Ehrlichkeit und dein Kommentar wegen der verzerrten Wahrnehmung hilft auch das Verhalten meines Mannes besser zu verstehen. Es fällt mir an manchen Tagen nur sehr schwer, das Ganze nicht persönlich zu nehmen. Aber wie du schreibst - vielleicht ändert auch er seine Perspektive fürs Kind. Ich selber komme eher damit klar und kann Strategien entwickeln, um mir etwas Gutes zu tun - das Kleine hängt völlig von uns, also seinem Umfeld, ab.

    Ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, wieder besser an meinen Mann ranzukommen und eine gute Lösung zu finden.

    Nochmals herzlichen Dank!

  5. #5
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 4

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Liebe Miranda, ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und möchte dir gerne antworten.
    Seit fast zwanzig Jahren bin ich nun mit meinem Adhs Mann verheiratet und habe zwei liebe Kinder, die nun beide mitten in der Pubertät sind. Ich kann die gleichen Symptome, die du beschrieben hast, bestätigen. Ich bin selber Pädagogin und habe auch Psychiatrie studiert und meinte alles in Griff zu haben. Doch Adhs kann nicht pauschalisiert werden. Bei jeder Person tritt es in unterschiedlicher Art und Weise auf. Bei einigen verschwinden sogar die Symptome im Erwachsenenalter.
    Um das familiäre Zusammenleben zu erleichtern und damit du lernst deinen Partner zu verstehen, rate ich dir viel Fachliteratur über diese Thema zu lesen. Das Thema ist so vielseitig, dass man es nicht in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen kann. Es gibt auch viele Beratungsstellen, in denen ausgebildete Psychologen und Ärzte zur Verfügung stehen. Bitte nimm diese Hilfe unbedingt an, sonst wird der Weg für dich sehr steinig werden. Wenn dein Mann eine Therapie ablehnt, dann gehe allein zur Beratungsstelle.
    Ansonsten wünsche ich dir und deiner Familie viel Gelassenheit, Humor und Durchhaltevermögen. Adhs Menschen sind etwas ganz besonderes und auch einzigartig. Obwohl auch meine Familie nach wie vor Höhen und Tiefen durchwandert, möchte ich keinen davon missen und bin sehr stolz auf alle. Wie langweilig wäre das Leben, wenn alle Individuen gleich wären. Stell dich der Herausforderung und du wirst irgendwann stolz sein sie gemeistert zu haben.
    Viel Glück!

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.750

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Miranda schreibt:
    4. Klavierkonzert ich bin beeindruckt von deiner Ehrlichkeit und dein Kommentar wegen der verzerrten Wahrnehmung hilft auch das Verhalten meines Mannes besser zu verstehen. Es fällt mir an manchen Tagen nur sehr schwer, das Ganze nicht persönlich zu nehmen. Aber wie du schreibst - vielleicht ändert auch er seine Perspektive fürs Kind. Ich selber komme eher damit klar und kann Strategien entwickeln, um mir etwas Gutes zu tun - das Kleine hängt völlig von uns, also seinem Umfeld, ab.
    Ja, aber nur weil du eher damit klar kommst, solltest du den Gedanken an eine Behandlung natürlich nicht aufgeben. Und die Impulsivität kann sich auch auf euer Kleines negativ auswirken, insbesondere dann wenn es selbst ADHS-betroffen sein sollte, und das ist ja leider nicht unwahrscheinlich.

    Wie ich schon sagte, da er sehr wahrscheinlich die sozialen Probleme seiner Störung gar nicht sieht und auch nicht zugeben mag, muss der Nutzen für ihn persönlich groß genug sein. Also Bereich Ordnung, Zeiteinteilung, Finanzen beispielsweise. Eigentlich ziemlich attraktiv, die Aussicht sich dort zu verbessern.

    Er wird durch die zusätzliche Belastung mit dem Kind noch mehr an seine Grenzen kommen als bisher. Vorher kann frau viele Macken kompensieren, danach geht das Kind vor.

    Warum hat dein Mann denn an die Behandlung während seiner Kindheit negative Erinnerungen? War die Dosierung eventuell zu hoch und es gab als Folge unangenehme Nebenwirkungen? Wurde seine Störung bzw. die Medikamenteneinnahme öffentlich und die Mitschüler haben sich über ihn lustig gemacht?

    Die Gefahr, wenn man nicht selbst überzeugt ist und trotzdem (vielleicht vom Ehepartner überredet) zum Arzt geht, ist sehr leicht eine Bestätigung für die eigene Sicht zu bekommen, denn die Meinung dass ADHS nur eine Mode sei, haben ja leider auch einige Ärzte. Da muss man ein dickes Fell haben und notfalls auch noch mal woanders hingehen, aber das macht jemand der das eigentlich gar nicht will natürlich nicht.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 2.097

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Hallo Miranda

    ADHS ist kein Grund für ein egoistisches Verhalten, es ist auch nicht die Ursache fürs Lügen. Jemand lügt nicht, weil er eine ADHS hat, er lügt, weil er lügen will !!!

    Egal ob dein Mann eine ADHS hat oder nicht. Sein Verhalten belastet dich und als erstes mußt du für dich sorgen.
    Klar ist es besser, das du verstehst "warum" dein Mann sich so oder so verhält, bloß ändert das nicht deine Situation.

    Wir haben mehrmals versucht, gute Lösungen zu finden und ich habe mich stets bemüht, die Themen ruhig und sachlich anzugehen, ihn z.B. bei der Finanzplanung zu unterstützen. Nur leider stößt das bei ihm zunehmend auf Ablehnung und er hält sich vielleicht einen Tag an eine Abmachung, danach ist Sense. Wir können kaum mehr ein konstruktives Gespräch führen, da er sich sofort kritisiert und angegriffen fühlt. Auch ich gebe Fehler meinerseits zu, um nicht nörglerisch zu wirken. Doch es hilft alles nichts mehr - er fasst alles nur noch als Angriff auf. Wir drehen uns ständig im Kreis.


    Solange er nicht bereit ist an seinem Verhalten zu arbeiten wird sich Nichts ändern. Leider ist das so! Zu einer gelungenen Kommunikation gehören immer 2, wenn einer nicht will oder kann, ist es egal wie sich der andere abstrampelt.



    Und ich möchte mit ihm ein erfülltes Leben führen, doch ich bin langsam am Ende meiner Kräfte (und manchmal am Rande der Toleranzgrenze. Klingt gemein, aber ich bin auch nur ein Mensch).
    Nein, das klingt nicht gemein, das ist absolut richtig!!! Dein Mann ist in erster Linie für sich und sein Verhalten verantwortlich, nicht du!!! Du bist nur für dich verantwortlich und für dein ungeborenes Kind.

    Ich persönlich halte nix von einen besonders schonenden Ansprechen. Wen willst du denn schonen? Ihn? Schont er mit seinem Verhalten etwa dich?
    Den einzigen, den du mit dem "schonenden Ansprechen" nicht schonst bist du selber, du leidest weiter unter seinem Verhalten.

    Ich persönlich bin für ein ganz klares Ansprechen und dem Ankündigen von Konsequenzen, so nach dem Motto:

    "ich leide unter der Situation und unter deinem Verhalten in den bekannten Bereichen. Ich erwarte von dir, dass du dich diesen Punken stellst und dich in eine entsprechende Therapie begibst. Hier sind entsprechende Adressen."

    Eine Konsequenz könnte z.B. sein, dass du ihm ganz klare Grenzen setzt und ggf. ausziehst.

    Ich weiß ich bin sehr radikal in meiner Herangehensweise. Sie ist das Ergebnis von 61 Lebensjahren, 2 Kindern (mit und ohne ADHS) 2 Ehen (eine mit einem Narzissten), 30 Berufsjahren als Sozialarbeiterin, davon 10 Jahre Sozialarbeit mit obdachlosen Männern (viele davon hatten eine ADHS).

    Sorge dich um dich - du musst dir die wichtigste Person in deinem Leben sein, du und dein Kind. Dein Mann ist erwachsen.
    Geh Achtsam mit dir um.


    alles liebe
    Elwirrwarr

  8. #8
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Hallo allerseits,
    Da ich dieses Thema damals gestartet habe, möchte ich gerne ein Update zur Situation geben.
    Unser Kleiner ist mittlerweile 4 Monate alt und ein richtiger Schatz.
    Zwischen meinem Mann und mir ist es "gezwungenermassen harmonischer", nennen wir es mal so.
    Ich bin, wie nicht anders zu erwarten war, quasi alleinerziehend.
    Mein Mann arbeitet den ganzen Tag und ich gebe mir Mühe Baby und Riesenhaus unter einen Hut zu bringen.
    Kommt mein Mann nach Hause klagt er immer nur wieviel er zu tun hat. Dem Kleinen gibt er kurz einen Kuss, aber das wars auch schon. Wenn ich ihn nicht darum bitte, z.B. um kurz was erledigen zu können, würde er den Kleinen nie nehmen. Wäre das nicht eine Herzensangelegenheit? Eine Vorfreude aufs Kind? Wissen wollen, welche Fortschritte er gemacht hat? Das tut mir für den Kleinen weh.
    Ganz anders ist es natürlich wenn wir auswärts sind. Da habe ich kaum die Chance mal den Kinderwagen zu schieben. Da mimt er den tollen Papa.
    In der Nacht steht er nicht einmal auf. Erwacht nicht mal, wenn der Kleine weint. Hat er ihn am Abend für ne Stunde, weil ich ihn darum bitte, wird er sofort ungeduldig mit dem Kleinen, kann sich nicht in Ruhe mit ihm beschäftigen. Trägt ihn rum wie ein Bündel und erledigt andere Sachen dabei.
    Von gemeinsamem Abendessen keine Spur, er ernährt sich von Fast Food. Er habe es zuhause nie gelernt.
    Er ist sehr gut darin anderen Eltern Vorwürfe zu machen, aber selber macht er alles perfekt in seinen Augen. Und jede Kleinigkeit, die er tut, jubelt er unglaublich hoch (z.B. 1x die Woche Pizza machen, Müll rausbringen).

    Ja, so ist es hier. Ich werde alles geben, um eine gute Mutter zu sein und hoffe mein Sohn wird sich behütet und geborgen fühlen. Ob ich ewig mit meinem Mann zusammen sein kann weiss ich nicht. Ich muss mich erst unabhängig machen, dann schau ich weiter.
    Das Thema ADHS ist zwischen uns gegessen. Mein Mann hat es nicht, behauptet er. Punkt. Aus.
    Er hat uns nicht verdient, so denke ich mittlerweile.

  9. #9
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 96

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Ich will es mal kurz formulieren:

    **** - das klingt wie meine Geschichte. Allerdings bin ich darin der ADHSler....

    Meine Einschätzung aus meiner Erfahrung:

    Mein Mann arbeitet den ganzen Tag und ich gebe mir Mühe Baby und Riesenhaus unter einen Hut zu bringen.
    Kommt mein Mann nach Hause klagt er immer nur wieviel er zu tun hat. Dem Kleinen gibt er kurz einen Kuss, aber das wars auch schon. Wenn ich ihn nicht darum bitte, z.B. um kurz was erledigen zu können, würde er den Kleinen nie nehmen. Wäre das nicht eine Herzensangelegenheit? Eine Vorfreude aufs Kind? Wissen wollen, welche Fortschritte er gemacht hat? Das tut mir für den Kleinen weh.
    Das merkt der gar nicht. Ein Kind sorgt für Unruhe in der Beziehung und jeder sucht nach einem neuen Platz. Einer bleibt zu Hause und hütet Haus & Kind, der andere zieht in die Welt um Bisons zu jagen und die Familie zu ernähren. Soweit so normal - das liegt auch an den Möglichkeiten die einem die Elternzeit gibt. Das zwingt einen quasi zu dieser Aufteilung. Bei euch (wie auch bei mir damals) ist auf die klassische Mann/Frau Verteilung rausgelaufen. Er Jagd, Du Höhle.

    Seine Position "Ernährer". Darin sieht er sich, da macht er sich evtl. auch einen Mordsdruck... aber er fokussiert (ganz ADHS-typisch) nur darauf und merkt nicht was um ihn rum los ist. Er erledigt "seinen Teil" und bemerkt nicht was er verpasst. Das ist vergleichbar, mit einem Hyperfokus auf Videospiel, bei dem wir gerne mal vergessen was zu Essen oder nicht merken, dass wir auf die Toilette müssen.

    Ganz anders ist es natürlich wenn wir auswärts sind. Da habe ich kaum die Chance mal den Kinderwagen zu schieben. Da mimt er den tollen Papa.
    Das steht auch dafür. Er hält sich für einen tollen Papa, weil er den Ernährer gibt. Dass da mehr dazu gehört, checkt er nicht.

    In der Nacht steht er nicht einmal auf. Erwacht nicht mal, wenn der Kleine weint. Hat er ihn am Abend für ne Stunde, weil ich ihn darum bitte, wird er sofort ungeduldig mit dem Kleinen, kann sich nicht in Ruhe mit ihm beschäftigen. Trägt ihn rum wie ein Bündel und erledigt andere Sachen dabei.
    Nachts nicht aufwachen => ist ja auch Deine Aufgabe. Der Rest ist auch klassisch - nicht bei der aktuellen Aufgabe bleiben, getrieben sein etc. Das entlädt sich ganz gut beim Junior weil der sich noch nicht wehren kann.

    Er ist sehr gut darin anderen Eltern Vorwürfe zu machen, aber selber macht er alles perfekt in seinen Augen. Und jede Kleinigkeit, die er tut, jubelt er unglaublich hoch (z.B. 1x die Woche Pizza machen, Müll rausbringen).
    Auch hier: verzerrte Wahrnehmung - er sieht die Fehler anderer, aber eigene nicht (bzw. er will sie nicht sehen, oder kann sie nicht sehen. Bei mir war das reiner Selbstschutz um mein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein nicht noch mehr zu schädigen.). Er jubelt alles hoch, weil er sich von Dir nicht beachtet fühlt. Er geht auf die Jagd und ZUSÄTZLICH bringt er noch den Müll raus. Diese Leistung musst Du (seiner Meinung nach) honorieren. Er sieht da nur sich - auch das ist klassisch ADHS.


    Soviel zu den Erklärungen, die ich mir basierend auf meinen Erfahrungen zusammen häkeln kann. Im Endeffekt sind das genau die Geschichten, die bei mir zur Diagnose geführt haben. Ich wusste vorher nichts von ADHS, habe aber durch mein erstes Kind und die Veränderungen die so etwas mit sich bringt gemerkt, dass ich anders funktioniere als andere.

    Und zum Kasus Knacktus: Was tun?

    Meiner Meinung nach nicht viel:

    1. Pass auf Dich auf. Der Junior ist abhängig von Dir, geht´s Dir gut, geht's auch dem Kind gut. Achte auf Dich, Deinen Körper und vor allem Deine Seele.
    2. Wenn Du kannst und wenn Du noch willst: Suche das Gespräch mit Deinem Mann. Lass das ADHS weg, da wird er nur bocken, aber gehe auf Deine Bedürfnisse und die des Kindes ein. Fordere ihn als Vater. Zeige ihm die Fehler der anderen bei sich selbst. Auch wenn es weh tut - er hat sich in seiner Welt eingerichtet, da bekommt man ihn nur mit einem Incentive raus. Also, wenn ihm seine WElt mehr Leiden verschafft, als die richtige Welt aussen herum.
    3. Geh Deinen Weg mit eurem Kind. D.h. Kinder brauchen Struktur. Der ADHSler auch, lehnt sie aber erst mal grundsätzlich ab. Richte Dir daher eine Struktur für Dich und das Kind ein, die euch passt. Lasst ihn außen vor. Er ist nur Gast - wenn er da sein will, muss er sich an die Struktur anpassen. Wenn nicht, dann wird vieles ohne ihn gemacht. Als Beispiel: Kinder brauchen regelmäßige Schlafenszeiten, also auch regelmäßige Essenszeiten. Wenn er lieber Fast Food frisst und zur Abendessenzeit nicht/selten da ist, oder nicht mit isst, weil er erst 3 Burger weggehauen hat - dann koch für ihn nicht mit, deck ihm keinen Teller ein, frag noch nicht mal ob er was essen will.

    Wenn Du nur einen Punkt beherzigen willst, dann den ersten. Der Rest ist optional und (für ihn) der Beginn der schweren Reise zu verstehen, dass man anders ist als andere. Ich bin diesen Weg (mit allen 3 Punkten oben) selbst mit meiner Frau zusammen gegangen (eigentlich müsste das heißen: von meiner Frau gegen meinen Willen entlang geprügelt worden) . Ich weiß bis heute nicht wo meine Frau die Kraft hergenommen hat, das so durchzuziehen. Bei uns war es echt hässlich zu dieser Zeit (und ist auch manchmal immer noch). Wir haben uns angeschrien und geheult, uns Vorwürfe gemacht und was weiß ich. Ich musste erst viel Geld bei einem Coach lassen, bis ich begriffen habe was los ist. Immer wieder waren wir uns sicher, daß jetzt der Durchbruch geklappt hat, immer wieder wurden wir beide enttäuscht. Wie gesagt, es war lang und steinig bis hier hin zu kommen. Mich hat letztlich mein Sohn abgeholt, der mir mit zunehmendem Alter immer schneller und direkter Feedback gegeben hat, ob ich gerade "da bin" oder ob ich wieder durch meine Ich-fokussierte-Welt flippe. Wenn ein 1-Jähriger nicht mal mehr mit seinem Papa Ball spielen mag, dann rüttelt das ganz schön an der Fassade...

    Ob es Dir das Wert ist oder ob Du es durch halten kannst, musst Du wissen.

    Ich hoffe das war jetzt nicht zu wirr...

    Chili

  10. #10
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.342

    AW: Habt Ihr Lösungsansätze für mich?

    Hallo Miranda,
    Ich habe deinen Beitrag unterwegs gelesen und mir als Mutter und Großmutter natürlich ordentlich gedanken darüber gemacht.

    Ich freue mich, Chilli, dass du schon so ausführlich aus Vatersicht geantwortet hast.

    Deshalb brauche ich eigentlich meinen Senf nicht mehr dazu geben. Aber heute mittag habe ich eine Freundin aus der Zeit getroffen, als wir für unsere Kinder in den 80-er Jahren etwas organisieren mussten, weil es noch nicht die aushäusigen betreuungsangebote gibt wie heute und wir wollten, dass die Kinder andere kennen lernen und die Mütter sich ausstauschen konnten. Berufstätigkeit war damals nur möglich, wenn man eine Tagesmutter gefunden hat oder eine willige Großmutter. Nun, sie hatte ihren Enkel an der Hand und wir stellten beide fest, dass unsere Ehemänner, inzwischen in Ruhestand, tolle Opas sind und bei den Kleinen an erster Stelle stehen, wir kommen viel später. Das ist doch schön.

    Mein Mann war immer von unseren Kindern begeistert, nur er war eben wenig zu Hause, und darüber, dass Männer Kinderschreien nachts nicht hören, da wurde auch schon viel drüber geforscht.

    Wie du mit deinem Mann umgehst, da kann ich wenig sagen. Ich kenne ja nur ein paar Beiträge von dir hier im Forum. Ich war vor der Geburt unseres ersten Kindes bereits über zehn Jahre mit meinem Mann zusammen und kannte schon seine Eigenheiten (¨Routinearbeit hasse ich und auf Befehl mache ich gar nichts¨). Da er aber viele gute Seiten hat und mich wie verrückt liebt, sind wir immer noch zusammen.

    Wahrscheinlich wurde es dir schon empfohlen, ich bin immer für Bücherlesen, also ich mag Walter Beerwerth sehr gerne, und auch das, was seine Frau geschrieben und Cordula Neuhaus.

    Alles Gute
    Gretchen

    P.S. Vielleicht kommt es jetzt etwas zerfasert, ich hatte am Nachmittag eine sehr ernste Sache durchzustehen und habe zwischendurch ein bisschen den Faden verloren.

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