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Diskutiere im Thema Wie können wir unserem Freund helfen? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo Ihr,

    mein Name ist Linda. Mein Freund und ich wissen leider keinen Rat mehr. Wir denken, dass unser bester Freund ADS/ADHS hat. Wir haben uns im Internet ein wenig belesen und viele Symptome sprechen dafür.

    Er ist sehr intelligent und man kann ihn zu jedem beliebigen Thema um Rat bitten. Man konnte soviel Spaß mit ihm haben. Mittlerweile kann er nicht mehr lachen, er betrachtet alles kritisch und ernst. Seit einiger Zeit wird er immer verletzender Freunden gegenüber (wenn wir etwas sagen, fällt er uns in Wort oder stellt uns für "dumm" hin. Er handelt sehr egoistisch und wenn wir ihn darauf ansprechen ist er wütend und weisst jegliche Kritik von sich. Wenn er zu Feiern eingeladen wird und dann keine Zeit hat, sagt er niemanden bescheid, dass er nicht kann und wenn man ihn darauf anspricht, sucht er die Schuld immer bei anderen.

    Er macht neben der Arbeit noch ein Abendstudium - verschiebt ständig die Prüfungen, weil er nicht die Konzentration hat zu lernen. In der Beziehung gibt es auch ganz viel Stress, aber wenn wir ihm versuchen Ratschläge zugeben, merken wir, dass er mit den Gedanken schon wieder ganz wo anders ist.

    Viele Freunde haben sich schon von ihm abgewendet. Wir merken, dass uns langsam auch die Kraft verlässt. Doch es tut uns so leid, denn wenn er wirklich unter ADS/ADHS leidet, kann er doch nichts dafür und man muss ihm doch helfen können.

    Leider wissen wir auch nicht, wie wir ihm unseren Verdacht gegenüber bringen sollen, denn er wird uns nicht für ernst nehmen und die Schuld wieder bei uns suchen.

    Was können wir machen um ihm zu helfen? Oder muss er selbst erkennen, dass irgend etwas nicht stimmt. Wir sind ratlos.

    Vielen Dank fürs Zuhören.
    Liebe Grüße

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo ihr beiden,
    es ist lieb, wenn ihr euch so sehr um euern Freund sorgt. Er kann dann ja wohl
    auch nicht schon immer so egoistisch und aggressiv gewesen sein, sonst würdet
    ihr euch nicht derart intensiv um ihn bemühen. Eure Geschichte erinnert mich sehr
    an meinen großen Sohn. Erst durch ihn, besser gesagt durch die Schwierigkeiten
    mit ihm, bin ich in dieses Forum gekommen. Auch ich bin mir ziemlich sicher, dass
    sowohl er wie auch ich selber unter ADHS (bei ihm) und ADS (trifft wohl eher auf
    mich zu) leidet. Und ich habe, wie ihr auch, bis heute nicht mit ihm über meinen Verdacht
    geredet. Zum einen weiss ich, dass er auf "solchen Blödsinn" wütend reagieren wird,
    zum anderen bin ich noch viel zu sehr mit der Aufarbeitung meiner eigenen Blockaden
    und Schwierigkeiten beschäftigt. Ich glaube, dass sich Euer Freund, wie auch mein Sohn,
    selbst permanent überfordert. Da ADHS'ler von sich selbst oftmals ein völlig falsches
    Bild haben und ihre eigenen Fähigkeiten nur sehr schwer einschätzen können,
    (zu hoch genauso wie zu niedrig) reagieren sie in ihrer Hilfslosigkeit mit Wut auf andere.
    Mein Sohn hat von uns einen kleinen Teil unserer Firma bekommen - er hätte damals
    mit 23 Jahren gut davon leben allmählich wachsen können. Kein Mensch hat ihn ge-
    zwungen, vier Leute einzustellen, deutschlandweit in Größenordnungen zu arbeiten,
    bei denen ein Auftrag unseren früheren Jahresumsatz übersteigt. Leider hat er dabei
    gänzlich die Übersicht über seine Buchhaltung verloren (ich übrigens auch) und das
    schlimme ist, er sieht es nicht einmal ein. Eurern Freund hat auch niemand gezwungen,
    zusätzlich ein Abendstudium zu beginnen, was weisgott nicht einfach ist. In manchen
    Dingen brillant und lebenserfahren, hakt es in vermeintlich kleinen Dingen regelrecht
    aus. Die Preisverhandlung für einen 240.000 Euro Auftrag ist kein Problem - das
    Auto rechtzeitig zum TÜV - unmöglich. Ihr seht, ich kann euch nicht helfen. Ich habe dich
    gleichen Probleme - wenn euch das hilft. Aber ich finde es toll, dass ihr Euern Freund
    nicht abschreibt - wie die meisten es tun.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo Selma,

    danke für deine liebe Antwort.

    Das was du über deinen Sohn geschrieben hast, klingt echt nach unserem Freund. Wir haben mitbekommen, dass er bestimmte Dinge völlig quer analysiert. Wenn wir ihm etwas sagen, was uns nicht gefällt oder wo wir uns auch verletzt fühlen - denkt er zwar darüber nach (und wir denken, schön jetzt hat er uns verstanden, jetzt wird wieder alles besser) aber letztendlich kommt er doch zu völlig falschen Entschlüssen.

    Am Ende kommt er immer zu dem Entschluss, das sein Verhalten doch völlig normal ist und wir oder die anderen alles falsch sehen. Das verletzt einen und raubt Kraft. Ich selbst bin schon echt am verzweifeln und frag mich manchmal wirklich ob ich vielleicht alles falsch sehe, mache und falsch interpretiere. Ich hole mir dann von anderen Rat und fange mich wieder.
    Wir verstehen auch nicht, da er doch so ein intelligenter Mensch ist - über ein so umfangreiches Wissen verfügt - dass er letztendlich dann in seinem eigenen Verhalten anderen gegenüber so völlig quer ist.

    Sicherlich waren Anzeichen vorher da (aber diese haben uns nicht gestört - wir haben garnicht darüber nachgedacht). Seid ca. 2 Jahren gibt es in seinem Leben eine neue Frau (schreckliche Beziehung, da sie ihn schon am Anfang mehrmals betrogen hat - ich denke das ist auch der Auslöser für den krassen Wandel).
    Nun kann man eigentlich zusehen, wie er sich von Tag zu Tag immer mehr verändert und ungerecht anderen gegenüber wird. Auch zu seiner "Freundin" (die es mittlerweile so hin nimmt). Fast jeden Tag bricht wegen Kleinigkeiten bei den beiden ein Streit aus (wo auch fast immer von Trennung die Rede ist - nächsten Tag wieder alles beim alten).

    Hab auch schon überlegt ob wir uns mal an seine Familie wenden und dort das Thema mal ansprechen. Aber wir wissen, dass seine Mum leider auch keinen Einfluss auf ihn hat (haben schon oft mitbekommen, wie er sie rumkommandiert und von oben herab behandelt).
    Am Ende ist er dann völlig sauer, wenn wir es über diesen Weg versuchen würden.

    Wie bist du eigentlich darauf gekommen nachzuforschen, ob du ADS hast? Nur durch euren Sohn? Oder konntest du selbst anzeichen bei dir feststellen?

    Mich macht das so alle, einfach nur zuzusehen. Ich bin ein Mensch, der für alles immer eine Lösung will und auch denke, dass es sie gibt. (Aber hier echt ratlos). Und wenn man sich vorstellt, dass man nur einmal die Chance hat sein Leben auf der Erde zu leben, dann sollte dies doch harmonisch und schön ablaufen und vorallem in der Familie und Freundschaft!!

    Ganz liebe Grüße

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo Linda,
    als ich deine Nachricht las, musste ich mir direkt eine Träne aus dem
    rechten Augenwinkel drücken. Zum einen deshalb, weil du dich so sehr
    für deinen Freund einsetzt, zum anderen, weil du auch meine Probleme
    genau auf den Nagel triffst.

    Das Rätsel meines Lebens war eigentlich meine Mutter. Launisch und
    ewig depressiv, vergesslich und unstrukturiert wurde ihr Wesen von meiner
    Verwandtschaft auf eine kindliche Hirnhautentzündung geschoben. Auch
    durch diese Forum weiss ich, dass eine Hirnhautentzündung ADHS verstärkt
    und begünstigt. Ich selber war als Kind eher das Träumerle - mit einem durch
    schwierige Famillienverhältnisse total unterentwickeltem Selbstbewusstsein.
    ADS wurde damals noch nicht diagnostiziert - im nachhinein gab es sicher
    Hinweise darauf. Ich habe meine kleinen "Blockaden" aber einigermaßen in
    Griff. Mein ältester Sohn entwickelte sich bis zum 16. Lebensjahr normal - von
    einer gewissen Überheblichkeit Erwachsenen und Lehrern gegenüber abgesehen.
    Dann blieben seine Freunde weg. Der Freundeskreis änderte sich. Die neuen
    Freunde waren anders - einer ein total überdrehter, nervöser Typ - offensichtlich
    auch ADHS - ein anderer ein sehr ruhiger, eher trotteliger - der ständig einen
    Anstoß brauchte. Auch Freundinnen kamen. Die erste war eine 18jährige
    Abiturientin, die nach dem Schulabschluss fast zwei Jahre bei uns wohnte und
    den größten Teil ihrer Zeit damit verbrachte, lesend im Bett zu liegen und auf die
    Rückkehr meines Sohnes zu warten. Die jetzige Freundin ist 11 Jahre älter als
    mein Sohn, hat einen 12jährigen Jungen, den sie von Freitags bis Sonntags un-
    beaufsichtigt zu Hause lässt, um es am Wochenende "mal richtig krachen zu lassen".
    Wie ich dir bereits geschrieben habe, ist mein Sohn beruflich sehr erfolgreich und
    außerordentlich kompetent. (Von dem Chaos in seinem Schriftkram und der Buchhaltung
    abgesehen.) Aber er ist auch egoistisch und unsozial. Vor allem dem Kind seiner
    Partnerin gegenüber. Das Problem ist die gestörte Selbsteinschätzung. Kritik perlt
    entweder ab wie Wasser von einer Ente oder führt zu Stimmungsabfall und Aggressivität.
    Ein Leben auf der Überholspur - in der Woche Stress und am Wochenende Party ohne
    Ende. Mittlerweile Anfänge gesundheitllicher Probleme - ständige Erkältungen,
    Schwitzen in der Nacht. Koffein und Nikotin. Alkohol nicht immer, aber oft heftig.
    Mittlerweile bin ich ratlos. Es hat keinen Zweck, ihn auf eine mögliche ADHS hinzu-
    weisen. Er empfindet sich nicht als krank oder gestört. Andere schon. Nachdem eine
    Nachbarin behauptete, er wäre verrückt, habe ich mich intensiv damit beschäftigt.

    Dann sah ich einen Fernsehbeitrag und habe im Internet recherchiert.
    Das Buch von Corinna Neuhaus: "Lass mich, doch verlass mich nicht ." ist wirklich gut.
    Es hilft Angehörigen und bringt vieles auf den Punkt. Aber eine "Gebrauchanweisung" oder
    "Lösung" für unser Problem steht auch nicht drin. Die Grundvoraussetzung für eine Hilfe
    ist immer, zu erkennen, dass ADHS vorliegt oder vorliegen könnte.

    Sei lieb gegrüßt von Selma

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo Selma,

    es tut mir schon wahnsinnig gut mit jemanden zu reden, der genau versteht, welche Gedanken und Probleme einen plagen. Vielen Dank auch für den Buchtipp, werde mal darin stöbern.

    Mir tut es auch so wahnsinnig leid, von dir und deinem Sohn zu hören. Ich selbst bin 27 Jahre und liebe meine Mutti über alles, ich könnte ihr niemals weh tun. (Aber das dein Sohn dir mit seinem Verhalten weh tut, merkt er ja bewusst gar nicht). Und der kleine Junge von deiner "Schwiegertochter" ist wahrscheinlich auch arm dran. Ich könnte mir vorstellen, dass von dem Kleinen für sein Alter auch viel zu viel abverlangt wird. Man betrachtet ihn wahrscheinlich schon als erwachsen - und so hat er sich dann auch zu verhalten. Aber wieso unternimmt deine "Schwiegertochter" nichts dagegen. Existiert für sie kein Problem? Oder erlebt sie ihre Jugend grad neu, da sie damals mit dem Kind zu tun hatte und die Zeit nicht geniessen konnte?

    Mir fällt es auch so wahnsinnig schwer mich in die Gedankengänge von unserem Freund hineinzuversetzen (ich verstehs einfach nicht).
    Ich frage mich auch, ob die ADS/ADHS_ler, welche in die Richtung Selbstüberschätzung gehen, jemals überhaupt mitbekommen können, dass mit ihnen etwas nicht stimmt oder das sie vielleicht jetzt "just in diesem Moment" jemanden verletzen.

    Ich habe auch schon überlegt, selbst zu einen Therapeuten zu gehen und zu fragen, wie man damit umgehen soll und wie man dem Menschen helfen kann. Hast du sowas schon mal probiert?
    Oder muss man es einfach akzeptieren und gar nix ändern. Doch auf Dauer kann das doch für ihn nicht gut sein. Ich denke auch, dass er wenn sein Arbeitsvertrag ausgelaufen ist keine Verlängerung erhalten wird. Und er kann sich so schwer unterordnen, ich denke er wird es schwer haben wieder eine neue Arbeit zu finden. Und wenn das dann erstmal eingetroffen ist, wird er am Boden zerstört sein. Ich weiss nicht wie weit so etwas dann geht, wir wissen nur, dass sich seine Oma in jungen Jahren das Leben genommen hat.

    Oder müssen die Menschen mit einer Selbstüberschätzung erstmal am Boden sein um überhaupt zu verstehen was los ist?

    Ganz liebe Grüße

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 76

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hi Linda,

    in der Verfassung, in der euer Freund zu sein scheint, würde ich an euerer Stelle nichts tun, außer zu signalisieren, dass ihr "einfach da" seid und bleibt. Du kannst niemanden zur Selbsterkenntnis bringen, dazu muss der Leidensdruck bei ihm selbst so hoch sein, dass er sich Hilfe holt. Obwohl ich sagen muss, dass viele ADHSler - auch in der Selbsthilfegruppe - einfach glücklich waren, als sie endlich ihre Diagnose oder aber auch nur den Verdacht hatten. Das erklärte auf einmal so vieles; man/frau hatte einen dermaßenen Aha-Effekt, das war einfach unglaublich. Mir ging es seinerzeit genau so. Hilfe kann man nur gewähren, wenn der andere sie auch annehmen möchte; das Aufzwingen von Hilfe würde hier einfach das Gegenteil bewirken. Empathie und Echtheit sind hier glaub ich die Stichworte. Wäre ich an deiner Stelle, würde ich ihn sicherlich mit meinem "Verdacht" konfrontieren, man muss als FreundIn das Recht haben, seine Meinung zu sagen und trotz aller Freundschaft auch Grenzen setzen. In Behandlung muss sich jeder selbst begeben, den Weg kann man niemandem abnehmen. Toll, dass ihr in trotz allem so unterstützt. Viel Erfolg!

    LG

    Zauberfee

  7. #7
    Sunshine

    Gast

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo

    was ich jetzt schreibe wird dich Linda vielleicht nicht so glücklich machen, aber ich meine es gut

    Ich lese ja immer wieder hier, das Menschen kommen und schreiben, dass irgend etwas bei jemandem schief läuft, sie dann sich im Netz schlau machen, was es sein könnte und letzten Endes auf ADHS kommen.

    So einfach ist es leider nicht. Vieles was Linda schreibt, kann auch auf eine schwierige persönliche Situation von ihrem Freund hindeuten, d.h. das er vielleicht unzufrieden ist mit seinem Leben. Es gibt viele Symptome, die auf ADHS hindeuten, es aber letztendlich nicht sind. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung.

    Ich überlege jetzt, wie ihr ihm vielleicht helfen könntet... Da einige Symptome von ADHS ähnlich sind wie bei einer Schilddrüsenerkrankung (wird bei einer Diagnosestellung auch immer als erstes überprüft) könntet ihr doch einmal überlegen, ihn zu fragen, ob er nicht mal seine Schilddrüse untersuchen lassen möchte, denn erstens klingt das nicht so schlimm wie ADHS und zweitens könnte es ja auch vielleicht sogar der Grund sein. Das gibt es ja auch bei Männern.

    Des weiteren, kann es wirklich auch eigene Unzufriedenheit sein, die zu Stimmungschwankungen führt, oder auch Depressionen und anderes, das aber genau festzustellen, ist Aufgabe eines Arztes und nur er kann letzendlich herausfinden, was mit ihm los ist. Das muss euer Freund aber auch von selbst wollen.

    Am Ende kommt er immer zu dem Entschluss, das sein Verhalten doch völlig normal ist und wir oder die anderen alles falsch sehen. Das verletzt einen und raubt Kraft.
    Das kann ich verstehen, aber was ist, wenn er das gar nicht böse meint, sondern für ihn der Zustand "normal" ist? Wenn ihr immer wieder auf ihn einredet, welche Fehler er macht und das er ständig andere verletzt, macht er natürlich komplett dicht, denn Vorwürfe helfen ihm ja nicht weiter. Ich will jetzt sein Verhalten nicht verteidigen, ich versuche nur damit zu sagen, dass man mit Druck oft sehr wenig erreicht.

    Was ich auch aus deinen Beiträgen Linda herauslese ist, das er ja schon in jungen Jahren einiges erlebt hat, wie den Suizid seiner Oma, das könnte bei ihm auch Spuren hinterlassen haben. Alles in allem, denke ich, dass es ihm im Moment nicht gut geht.

    Zum Schluß noch etwas: IHR seid auch wichtig, und auch wenn ihr euren Freund noch so gern habt, ihn zu etwas zu zwingen wird nicht klappen und euer eigenes Leben wegen ihm umstellen ist auch nicht die Lösung, denn wenn es euch nicht gut geht, dann habt ihr irgendwann auch keine Kraft mehr.


    Ich wünsche euch sehr, das ihr einen gemeinsamen Weg findet, der gut für euch alle ist



    Liebe Grüße
    Sunshine

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Also Sunshine,
    ich muss jetzt mal eine Lanze für alle Angehörigen und Freunde
    von ADS/ADHSlern brechen. Als ich in dieses Forum kam, wollte
    ich genau das, was hier nicht gerade gern gesehen wird. Ich wollte
    wissen, wie ADSler ticken. Schnell merkte ich, dass ich eigentlich
    im gleichen Boot sitze. Viel zu viele Dinge kamen mit allzu bekannt
    vor. Das Drama der ersten Schuljahre und die vielen kleinen Handi-
    caps im Alltag ließen sich plötzlich erklären. Auch mit meiner alten
    Mutter konnte ich plötzlich Frieden schließen.

    In vielem, was ich hier gelesen habe, erkannte ich mich, meine Mutter
    und meinen Sohn wieder - obwohl wir drei vom Charaker her völlig
    unterschiedlich sind und ADS/ADHS dadurch bei jedem von uns anders
    zum Ausdruck kommt. Während meine Mutter längst im Heim oder in
    der Psychatrie sitzen würde, wenn sie meinen Vater nicht hätte, würde
    kein Arzt bei mir oder meinem Sohn ADS/ADHS diagnostizieren, wenn
    wir das nicht von uns aus beführworten würden. Wir haben uns im Laufe
    unseres Lebens unbewußt hundert Techniken angeeignet, unsere kleinen
    Macken zu überspielen.

    Oder anders gesehen: die Struktur, die wir als ADS'ler nicht haben und
    die viele von uns auch im Elternhaus nicht erfahren konnten, holen wir uns
    von unseren Partnern, Angehörigen und Freunden. Wir sind auf sie ange-
    wiesen - sie aber nicht unbedingt auf uns!

    Deshalb finde ich es gut, dass Linda sich um ihren Freund bemüht und ihn
    nicht fallenlässt wie es in den meisten Fällen passiert. Ob ihre Bemühungen
    Erfolg haben werden oder ob es ihr gedankt wird, ist zu bezweifeln und steht
    erst einmal nicht zur Debatte. Das Problem der gestörten Selbstwahrnehmung
    wird hier im Forum nur selten angesprochen - wenn, dann durch Angehörige -
    weil die Betroffenen ja nicht wahrnehmen oder wahrnehmen können, dass sie
    dieses Problem haben.

    Also ich wäre froh, wenn mein Sohn Freunde wie Linda und ihren Freund hätte.
    Leider ist das nicht der Fall. Ich wünsche dem Mädel alles Gute, möchte ihr aber
    lieber keine Ratschläge mit auf den Weg geben - weil ich keine habe.

    Gruß Selma

  9. #9
    Sunshine

    Gast

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo selma,

    danke für deinen Beitrag, aber so hatte ich das nicht gemeint, vielleicht habe ich mich ein wenig falsch ausgedrückt Selbstverständlich ist es von Linda super, dass sie sich Gedanken macht und ihrem Freund helfen möchte, aber es wäre nicht das erste Mal, dass jemand hier ist und glaubt durch lesen von Beiträgen im Internet zu wissen, dass es sich um ADHS handelt und letzten Endes ist es nicht so.

    Was ich auf keinen Fall will ist, dass man Ferndiagnosen macht, das können wir nicht, werden wir auch nicht, denn das kann ganz allein nur eine Fachperson.

    Mit der Selbstwahrnehmung hast Du natürlich Recht, aber wir kennen den Freund von Linda ja nicht und können somit nicht einschätzen, denn wir haben "nur" die Sicht ihrer Dinge und nichts weiter

    Natürlich kann es sein, das ihr Freund ADHS hat, aber um das herauszufinden, muss dieser Mensch auch zu einem Arzt gehen wollen, wenn er das nicht möchte, kann man nichts tun. Ich weiß wie sich Angehörige von Betroffenen fühlen, nämlich hilflos und aus diesem Grund habe ich der Linda ja geschrieben, das sie auch auf sich selbst acht geben soll.

    Als ich in dieses Forum kam, wollte
    ich genau das, was hier nicht gerade gern gesehen wird. Ich wollte
    wissen, wie ADSler ticken.
    Das stimmt überhaupt nicht, denn gerade das ist hier gern gesehen, nämlich wenn man fragt, wie ADHSler sind/ticken, nur schon von vornherein eine Diagnose zu behaupten, die noch nicht da ist, nur weil man mal etwas gelesen hat, was dazu passt, ist hier nicht gern gesehen.

    Ich schreibe aus meiner Erfahrung und die Erfahrungen, die ich täglich hier im Forum mache, denn oftmals sind die Dinge nicht so einfach und meine Warnung geht dahin, das man oft im Nachhinein eine Enttäuschung erlebt, weil es letzten Endes anders ist.

    Das wir hier immer wieder auf eine Diagnose seitens eines Facharztes hinweisen ist absolut notwendig, denn nur so kann man herausfinden, ob eine Person ADHS hat oder nicht.

    Seht also meine (und auch die Beiträge anderer) nicht als Angriff gegen jeden Angehörigen, sondern als Hilfestellung, das nicht jeder der gewisse Symptome hat, auch gleich ADHS hat, es kann durchaus auch etwas anderes sein


    Liebe Grüße
    Sunshine

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wie können wir unserem Freund helfen?

    Hallo an alle,

    wir danken euch allen sehr für eure Antworten.

    Wir haben uns für den Chat entschlossen, da wir uns hilflos fühlten und wir einfach nicht mehr weiter wussten - insofern, was wir machen sollen. Irgendwo auch hilflos in der Findung des richtigen Weges im Umgang mit unserem Problem (was WIR ja als Problem in diesem Moment empfinden - für unseren Freund ist ja alles normal). Irgendwo waren wir auch blockiert in unseren Denkansätzen. Durch euch hier im Chat haben wir jetzt einen Ansatz / eine Idee für uns gefunden.

    Wir haben vorher nicht gewusst, dass auch eine Schilddrüsenerkrankung ähnliche Symptome hervorrufen kann und danken dir Sunshine für den Hinweis.

    Ich habe mir jetzt auch zwei Bücher bestellt - danke nochmal an Selma für den Buchtipp - die ich lesen werde, um einfach einen tieferen Einblick in die Problematik zu bekommen.

    Ich denke, egal ob unser Freund nun ADS/ADHS, ein Schilddrüsenproblem oder sonst irgend etwas anderes haben könnte, sollten wir das Gespräch suchen. Wir werden uns noch überlegen wie man dies am besten angehen sollte, aber alles stillschweigend hinnehmen verfrustet uns und wird dafür sorgen, dass über kurz oder lang die Freundschaft zerbrechen wird.

    Ich danke euch nochmal vielmals für eure Antworten und ich wünsche dir Selma alles alles Gute.
    Liebe Grüße

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