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Diskutiere im Thema Eine völlig andere Art der Diagnostik im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #41
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Hallo Nachtweide,

    mit einer Nacht dazwischen von meiner Seite aus ein neuer Versuch.

    Es war und ist nicht meine Absicht,Dein Suchen,Dein Leid oder Dein Recht auf Zweifel infragezustellen. Ich hoffe,das war auch bisher ersichtlich.

    Bis heute kann niemand mit absoluter Autorität sagen: Das ist ADHS!

    Klar ist,dass es einen Symptomkomplex gibt,der in einer bestimmten Kombination und Ausprägung von frühester Kindheit an in Erscheinung tritt und dadurch von Persönlichkeitsstörungen mit ganz ähnlichen Symptomen abgegrenzt werden kann. Diese Kombination trägt momentan die Bezeichnung ADHS.

    Es ist natürlich möglich,die Symptome umzubenennen-also das zu tun,was Du u.a.vorschlägst-und dann viele einzelne "Diagnosen" zu stellen,statt der einen "Sammeldiagnose" ADHS. Praktisch ist das mMn.aber eher nicht und führt oft-wie bereits erwähnt-zu recht merkwürdigen Sammelsurien einander eigentlich ausschließender Pseudodiagnosen.

    Ich finde es nichtsdestotrotz sehr wichtig,einzeln an bestimmten Bereichen zu arbeiten-z.B. der Frustrationstoleranz-das geht jedoch auch mit ADHS Diagnose und ein Medikament allein reicht als "Allheilmittel" nicht aus,ersetzt also keinesfalls die eigene Bemühung.

    Wenn es jemandem-wie (eventuell) beispielsweise Deinem Sohn-an sich recht gut geht,er Einsicht zeigt und seinen Alltag meistert,ist eine Medikation nicht zwingend erforderlich und wird auch nicht erzwungen. Letzten Endes ist die Entscheidung für oder gegen Medikamente immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung,die Dir keiner abnehmen kann. Dasselbe gilt für eine "offizielle" Diagnosestellung.

  2. #42
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Dankeschön

  3. #43
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Gern geschehen.

  4. #44
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Hach, hier ist ja wieder offen.

    Nachtweide deine Zweifel sind berechtigt (finde ich) und ich als jemand der die Diagnose auch hat, hatte und habe sie auch. Ich bin mir sicher, das es Fälle gibt, die diese Symptome haben, und völlig schlüssig durch soziale Gefüge erklärbar sind. Ich bin mir auch sicher, das es Fälle gibt, bei denen diese Rückschlüsse nicht stimmen, und Fälle wo beides vorhanden ist oder nicht klar abgrenzbar ist. Genau die Fragen die du uns hier stellst, habe ich auch mir selbst gestellt, habe sie mit meinen Eltern und Arzt und Therapeut zusammen abgeklärt. Um wirklich ernsthaft an seiner Erkrankung zu arbeiten, muss man sich auch damit identifizieren können, das finde ich ganz wichtig. Ich brauche auch gaaanz genaues Hinterfragen und Durchleuchten, um einigermaßen sicher zu sein.

    Meine ganz persönliche Meinung ist, das egal was nun der Grund dafür ist, eine Therapie und/oder Medikamente helfen können. Welche Form der Therapie oder Medikamente oder welches davon dann hilft, das muss man leider ausprobieren. Selbst bei Depressionen, die ja recht gut und eindeutig zu diagnostizieren sind, gibt es mehrere Therapieformen, und mehrere Stoffklassen von Medikamenten mit jeweils dann nochmal mehreren Vertretern. Was da hilft weiss am Anfang weder der Arzt noch der Patient zu 100%.
    Das ist echt manchmal für den Betroffenen, die ANgehörigen, aber auch den Arzt frustrierend, aber keiner kann das ändern, leider.

    Und von Arzt zu Arzt bekommt man dann meist auch noch mal andere Diagnosen oder selbst bei der gleichen andere Empfehlungen. Überall finde ich aber am Wichtigsten wie der Patient sich fühlt. Wenn er sich bei dem Arzt aufgehoben fühlt, richtig erkannt, und wenn er das Gefühl hat die Hilfe ist die richtige, dann ist das schonmal ganz viel Wert. Genauso mit Therapie und Medikamenten. Man muss sich damit sicher fühlen.

    Gerade bei Impulsivität kann ich dir aus eigener Erfahrung das Neurofeedback sehr empfehlen. Bei mir zumindest hat das in Sachen Ruhe und Ausgeglichenheit sehr viel gebracht, mehr als Medikamente oder Psychotherapie. Aber auch da ist ja jeder verschieden.
    Geändert von creatrice ( 3.05.2016 um 01:02 Uhr)

  5. #45
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.119

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Ich denke gerade bei AD(H)S ist es, unabhängig vom Alter, wichtig nicht jedes einzelne Symptom zu untersuchen ob es nun genetisch vererbt, erlernt oder einfach nur ein Charakterzug ist. Damit ver(w)irrt man sich und die anderen im Dschungel der Möglichkeiten.
    Meine Meinung ist dahingehend dass man durch das Zusammenspiel mehrerer Beeinträchtigungen eher zu einem Resultat kommt.
    Beispiel: Wenn ich Konzentrationsschwierigkeiten habe, bin ich leicht ablenkbar. Die Ablenkbarkeit hat zur Folge dass ich unruhig werde und uU. vergesslich bin usw. Damit kann ich mit einiger Sicherheit von einer ADS ausgehen.
    Wie du @Nachtweide zu Anfang schreibst. Die Medizin übersieht oft den gesamten Menschen.
    ME. geschieht das auch durch das aufbröseln einzelner Symptome.

  6. #46
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Das Kernproblem in der heutigen Medizin ist die Einstufung in ein Krankheitsbild durch Wertung von erkennbaren Symptomen. Viele Falschbefunde beruhen auf dieser Art der Schlußfolgerung. In der Praxis bekommst du z.B. eine Diagnose: Karpaltunnelsyndrom. Diagnostiziert wurde anhand der angegebenen Symptome: Kribbeln in 3 Fingern, eingeschlafenes Gefühl. Dies ist die für den Patient objektive Bewertung. Der Arzt nimmt die Symptomatik war, fragt nach Beruf etc. und leitet aus seinen Informationen dieses Krankheitsbild ab. Und was passiert ? Die Diagnose ist eindeutig in diesem Fall falsch. Weshalb ? Man hat im Grunde nur Einzelteile genommen und die erste logische Erkrankung festgestellt. Was hatte der Patient ? Einen Bandscheibenvorfall C5/C6.
    Nun muss man sich fragen, weshalb solche Fehler passieren.
    Ungenügende Kenntnis, sofortiger Ausschluß von Krankheitsbildern, die völlig gleiche Symptomatik besitzen, schlußfolgerndes Denken.....
    Und wo liegt der Fehler in der Diagnostik ?
    Indem man Symptome nicht wertfrei gesehen hat. In dem Moment, wo ein Symptom eine Bedeutung /Wert/ Sinn/ Richtung für den Diagnostiker erhält, ist er nicht mehr in der Lage, vorurteilsfrei zu diagnostizieren.
    Ein Symptom ist ein Hinweis auf eine Ursache. Im obigen Fall ein Hinweis auf verschiedene Krankheiten. Indem der Diagnostiker alles in einen Topf geworfen hat und eine Verbindung hergestellt hat, wurde eine Krankheit. Im obigen Fall die falsche.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass jedes Symptom genau zu untersuchen ist und zwar wertfrei. Das Zusammenspiel von Symptomen in einen Topf um daraus ein Krankheitsbild zu kreieren ist sehr fehlerbehaftet, da die Symptome sehr vielen Bildern zuzuordnen sind.
    Offene Wut z.B.ist eine Eigenschaft, die bei ungeduldigen Menschen anzutreffen ist. Gleichzeitig bei Menschen, die überfordert sind. Oder exzentrischen Menschen, die gewohnt sind, dass alles so läuft wie sie wollen.Oder die ein sehr schwaches Selbstwertgefühl haben.
    Wut kann auch ein Hinweis auf eine neurologische Erkrankung haben, z.B. Frontalhirnsyndrom
    Konzentrationsstörung oder Aufmerksamskeitsdefizit kann die Folge von Ungeduld sein oder "schnell gelangweilt" oder "mich interessiert nur das, was ich will - also starkes EGO".....
    Daraus resultieren wieder andere Dinge.
    Ich geb dir dahingehend recht, dass eines zum anderen kommt. Und genau das ist auch mein Problem. Stelle ich nur fest, dass jemand so oder so ist und gebe ihm dann den Stempel: ADHS oder sonstwas, habe ich den Blick auf das erste Symptom verloren.
    Wie würde denn eine Therapie aussehen, die sich dann sozusagen "rund um die Wut" beschäftigt ? Wäre es nicht sehr gut möglich, dass der Rattenschwanz an Folgesymptomen sich als Folge schon verbessert ?
    Nützt es etwas, wenn man sagt: Ich habe alle Symptome und deshalb habe ich ADHS oder wäre es relativ einfacher zu sagen: Mit Wut begann es und dort beginne ich zu therapieren ? Kann man in der Therapie überhaupt Erfolg haben, wenn wir an Folgesymptomen therapieren, dem auslösenden Fakt jedoch nicht am meisten Zeit in der Therapie zukommen lasse?
    Wie erfolgreich ist eine Therapie, wenn ich nicht beachte, ob der Betroffene von Geburt eher exzentisch oder introvertiert ist ?

    Was ich auch nicht verstehe, dass man sagt: Ein ADHSler hat Konzentrationsstörungen. Die Frage ist: Wenn man ein Symptom hat, dann müßte es in jeder Situation vorhanden sein.
    Ich kenne ein Kind, dass alle Symptome überall und zu jeder Zeit hatte, egal was es tat und wo es war. Mit Ritalin hat sich das Kind komplett verändert und es war gottseidank möglich, dass es normal leben konnte.
    Aber wie erklärt man, dass Symptome nur in bestimmten Situationen auftreten. Das macht mich stutzig. Mein Sohn ist z.B. komplett konzentriert, wenn er an seinem Handy sitzt. Ich habe zu Hause ein Neurofeedback, auch dort ist er vollkommen konzentriert. Sieht er aber nur eine Zahl und er hat den leisesten Verdacht, dass jetzt das kommt, was er am meisten hasst - dann hat er alle Symptome von ADHS. Ich denke, sein Problem ist Wut auf Dinge, die er nicht kann und ihn überfordern, auf die er überhaupt keine Lust hat. Aber ist dies dann ADHS ?

    So, ich hoffe dass ich mich verständlich machen konnte. Ich weiß, dass es ADHS gibt und weiß, dass es eine sehr große Belastung für Betroffene ist. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr vielleicht euer Feedback gibt in Bezug auf meine Fragen.
    Danke
    Geändert von Nachtweide ( 5.05.2016 um 22:05 Uhr)

  7. #47
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Wenn man ein Symptom hat, dann müßte es in jeder Situation vorhanden sein.
    Nein, muss es nicht. Wieso auch? Ein Symptom "Schlaflosigkeit" muss ja auch nicht in jeder Situation vorhanden sein, sondern nur dann, wenn die Absicht/ zum Schlafen vorliegt und das (Ein)schlafen nicht gelingt.

    Mein Sohn ist z.B. komplett konzentriert, wenn er an seinem Handy sitzt.
    Kennen recht viele ADHSler durchaus. Bei einigen Tätigkeiten, die das Belohnungssystem aktivieren, *flutscht* es mit der Konzentration.
    Bei Unterstimulation (chronisch) des präfrontalen Cortex fällt es schwer, die Aufmerksamkeit / Konzentrtion gerichtet zu halten. So "springt" die Aufmerksamkeit wie ein Flummi auf Kopfsteinpflaster mal hierhin, mal dorthin - was als Unkonzentriertheit manchmal bezeichnet wird.

    auf die er überhaupt keine Lust hat. Aber ist dies dann ADHS ?
    ADHS hat wenig mit Lust/Unlust zu tun. Viel mit Anstrengung, Verzweiflung, Überkompensation, Erschöpfung, Aufgeben (wollen).

    Ob dein Sohn ADHS hat oder nicht hat, weiß ich nicht.

    Wie die meisten psychisch begründeten Diagnosen ist auch ADHS eine klinische Diagnose - das heißt, es sind keine objektivierbaren Befunde wie man sie oft in der körperblichen Medizin finden kann, zu erwarten.

    Und nicht jeder, der die Diagnosekriterien einer ADHS erfüllen würde, fühlt sich krankheitswertig beeinträchtigt. Wer sich aber so fühlt, hat das recht, entsprechend behandelt zu werden. Wer die Symptome hat, sich aber gut fühlt, muss nicht behandelt werden.

    Und nahezu alle psychischen Krankheitssymptome kommen auch bei psychisch "Gesunden" vor - dann aber entweder nicht so häufig wie bei Erkrankten oder nicht in dem Ausmaß (Schwere) wie bei Erkrankten.

    Es gibt kein festes cut-off, ab wann jemand erkrankt ist und wo er noch gesund ist. Die Grenze verläuft fließend, ist also als ein Kontinuum zu verstehen.



    Und es ist ja auch nicht verkehrt, jede Diagnose als "vorläufig" zu handhaben, so dass man nicht betriebsblind wird.

    An anderer Stelle schreibst du oder jemand anders etwas über Schubladen, in die jemand mit einer Diagnose hineingesteckt werden könnte. Das kann man natürlich so empfinden und darüber wird auch gerade unter Therapeuten viel diskutiert (zum Glück).
    So eine Stigmatisierung lässt sich vermeiden. Wie, würde jetzt hier vielleicht das Thema verfehlen.

    Andererseits empfinden viele ADHSler (aber nicht nur die) eine Diagnose als Erleichterung: Endlich wissen sie, was sie haben/was ihnen fehlt - das entlastet manchmal ganz ungemein von dem ewigen Versagens- und Unzulänglichkeitsgefühl und kann enormen Auftrieb und Hoffnung geben.

    Hat eben alles mindestens zwei Seiten (meistens ja noch mehr Seiten... )

  8. #48
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.119

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Nachtweide schreibt:
    Das Kernproblem in der heutigen Medizin ist die Einstufung in ein Krankheitsbild durch Wertung von erkennbaren Symptomen. Viele Falschbefunde beruhen auf dieser Art der Schlußfolgerung. In der Praxis bekommst du z.B. eine Diagnose: Karpaltunnelsyndrom. Diagnostiziert wurde anhand der angegebenen Symptome: Kribbeln in 3 Fingern, eingeschlafenes Gefühl. Dies ist die für den Patient objektive Bewertung. Der Arzt nimmt die Symptomatik war, fragt nach Beruf etc. und leitet aus seinen Informationen dieses Krankheitsbild ab. Und was passiert ? Die Diagnose ist eindeutig in diesem Fall falsch. Weshalb ? Man hat im Grunde nur Einzelteile genommen und die erste logische Erkrankung festgestellt. Was hatte der Patient ? Einen Bandscheibenvorfall C5/C6.
    Nun muss man sich fragen, weshalb solche Fehler passieren.
    Ungenügende Kenntnis, sofortiger Ausschluß von Krankheitsbildern, die völlig gleiche Symptomatik besitzen, schlußfolgerndes Denken.....
    Und wo liegt der Fehler in der Diagnostik ?
    Indem man Symptome nicht wertfrei gesehen hat. In dem Moment, wo ein Symptom eine Bedeutung /Wert/ Sinn/ Richtung für den Diagnostiker erhält, ist er nicht mehr in der Lage, vorurteilsfrei zu diagnostizieren.
    Ein Symptom ist ein Hinweis auf eine Ursache. Im obigen Fall ein Hinweis auf verschiedene Krankheiten. Indem der Diagnostiker alles in einen Topf geworfen hat und eine Verbindung hergestellt hat, wurde eine Krankheit. Im obigen Fall die falsche.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass jedes Symptom genau zu untersuchen ist und zwar wertfrei. Das Zusammenspiel von Symptomen in einen Topf um daraus ein Krankheitsbild zu kreieren ist sehr fehlerbehaftet, da die Symptome sehr vielen Bildern zuzuordnen sind.
    Offene Wut z.B.ist eine Eigenschaft, die bei ungeduldigen Menschen anzutreffen ist. Gleichzeitig bei Menschen, die überfordert sind. Oder exzentrischen Menschen, die gewohnt sind, dass alles so läuft wie sie wollen.Oder die ein sehr schwaches Selbstwertgefühl haben.
    Wut kann auch ein Hinweis auf eine neurologische Erkrankung haben, z.B. Frontalhirnsyndrom
    Konzentrationsstörung oder Aufmerksamskeitsdefizit kann die Folge von Ungeduld sein oder "schnell gelangweilt" oder "mich interessiert nur das, was ich will - also starkes EGO".....
    Daraus resultieren wieder andere Dinge.
    Ich geb dir dahingehend recht, dass eines zum anderen kommt. Und genau das ist auch mein Problem. Stelle ich nur fest, dass jemand so oder so ist und gebe ihm dann den Stempel: ADHS oder sonstwas, habe ich den Blick auf das erste Symptom verloren.
    Wie würde denn eine Therapie aussehen, die sich dann sozusagen "rund um die Wut" beschäftigt ? Wäre es nicht sehr gut möglich, dass der Rattenschwanz an Folgesymptomen sich als Folge schon verbessert ?
    Nützt es etwas, wenn man sagt: Ich habe alle Symptome und deshalb habe ich ADHS oder wäre es relativ einfacher zu sagen: Mit Wut begann es und dort beginne ich zu therapieren ? Kann man in der Therapie überhaupt Erfolg haben, wenn wir an Folgesymptomen therapieren, dem auslösenden Fakt jedoch nicht am meisten Zeit in der Therapie zukommen lasse?
    Wie erfolgreich ist eine Therapie, wenn ich nicht beachte, ob der Betroffene von Geburt eher exzentisch oder introvertiert ist ?

    Was ich auch nicht verstehe, dass man sagt: Ein ADHSler hat Konzentrationsstörungen. Die Frage ist: Wenn man ein Symptom hat, dann müßte es in jeder Situation vorhanden sein.
    Ich kenne ein Kind, dass alle Symptome überall und zu jeder Zeit hatte, egal was es tat und wo es war. Mit Ritalin hat sich das Kind komplett verändert und es war gottseidank möglich, dass es normal leben konnte.
    Aber wie erklärt man, dass Symptome nur in bestimmten Situationen auftreten. Das macht mich stutzig. Mein Sohn ist z.B. komplett konzentriert, wenn er an seinem Handy sitzt. Ich habe zu Hause ein Neurofeedback, auch dort ist er vollkommen konzentriert. Sieht er aber nur eine Zahl und er hat den leisesten Verdacht, dass jetzt das kommt, was er am meisten hasst - dann hat er alle Symptome von ADHS. Ich denke, sein Problem ist Wut auf Dinge, die er nicht kann und ihn überfordern, auf die er überhaupt keine Lust hat. Aber ist dies dann ADHS ?

    So, ich hoffe dass ich mich verständlich machen konnte. Ich weiß, dass es ADHS gibt und weiß, dass es eine sehr große Belastung für Betroffene ist. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr vielleicht euer Feedback gibt in Bezug auf meine Fragen.
    Danke
    Damit eine Diagnose erstellt werden kann muss der Mediziner sich ein Bild machen, egal ob er nun jedes Merkmal für sich untersucht oder die gesamte Symptomatik betrachtet. Das geht aber nicht wertfrei, da es kein Ausschlussverfahren geben würde. Dadurch wäre zwar der Anteil der Fehldiagnosen geringer, aber nur weil es zu keiner käme
    Wenn du dich durch das Forum liest wirst du sehr schnell bemerken dass Symptome wie die mangelnde Konzentration und/oder Aufmerksamkeit GERADE bei ADSlern nicht immer vorhanden ist. Es gibt bestimmte Momente die hier Hyperfokus genannt werden in denen
    wir uns sogar so extrem auf eine Sache konzentrieren dass wir Alles um uns herum vergessen. Auch das ist ADS.

  9. #49


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 6.171

    AW: Eine völlig andere Art der Diagnostik

    Nachtweide schreibt:
    Wie würde denn eine Therapie aussehen, die sich dann sozusagen "rund um die Wut" beschäftigt ? Wäre es nicht sehr gut möglich, dass der Rattenschwanz an Folgesymptomen sich als Folge schon verbessert ?
    Nützt es etwas, wenn man sagt: Ich habe alle Symptome und deshalb habe ich ADHS oder wäre es relativ einfacher zu sagen: Mit Wut begann es und dort beginne ich zu therapieren ? Kann man in der Therapie überhaupt Erfolg haben, wenn wir an Folgesymptomen therapieren, dem auslösenden Fakt jedoch nicht am meisten Zeit in der Therapie zukommen lasse?
    Wie erfolgreich ist eine Therapie, wenn ich nicht beachte, ob der Betroffene von Geburt eher exzentisch oder introvertiert ist ?
    Bei der ADHS-Therapie, beginnt man in der Regel mit den Problemen oder Situationen, die den grössten Leidensdruck verursachen. Daher ist es auch so wichtig, dass der / die Therapeutin sich mit den Auswirkungen der ADHS auf den Alltag gut auskennt und gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden wie vorgegangen werden soll. Dabei gibt es viele "Zwischentöne" die nur eine gute ADHS-Fachperson wahrnehmen kann.

    Vielleicht hast du ja mal Lust, das Buch "Suche dir Menschen die dir guttun" zu lesen. Dort kannst du für viele deiner Fragen beantwortet bekommen. Die Autorin, Frau Beerwerth ist die Ehefrau eines Arztes, der auch ADHS hat.

    Gerade die Stärken sollen auch berücksichtig werden, weil diese helfen können die Therapie zu unterstützen.

    Die Zusammensetzung der Symptome können sehr vielfältig sein, was für die Fachpersonen, die die Abklärung machen, auch nicht einfach ist.
    Nun gibt es aber die Diagnose bereits seit über 30 Jahren, auch wenn unter verschiedenen Namen.

    Es ist wirklich nicht einfach, wenn man sieht, dass der Sohn zwar stundenlang mit den Lego spielen kann, aber es nur schwer schaft 5 Minuten bei den Schulaufgaben zu bleiben. ( so war es bei uns). Auch ich habe dinge an denen ich stundenlang dranbleiben kann, aber wenn ich einen Brief schreibe, schaffe ich es ihn zu schreiben, in eine Kuvert zu tun, aber bis ich dann noch die Briefmarke raufgeklebt habe, können gut und gerne 2-3 Tage vergehen.

    solche situationen machen das Verständnis für diese Diagnose sicher noch schwieriger.

    Aber ich kann dir sagen, dass es für mich vor 16 Jahren eine grosse Erleichterung war, endlich einen Namen dafür zu haben, warum ich so anders funktioniere. Wenn ich danach auch 3 jahre gebraucht habe, bis ich mich wirklich damit versöhnt habe, dass ich anders verdrahtet bin und die ADHS ein Teil von mir ist.

    LG Pucki

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