Nix bringt es ihm, gar nix! Außer dass er eben weitermacht wie bisher.
Ich bin ja selber bipolar und hab nie eine psychotherapeutische Behandlung gemacht, ich war immer nur beim Psychiater. Warum? Weil ich die Nase voll hab von Ärzten und Psychologen, die entweder erstmal gar nicht erreichbar sind, dann keine Termine frei haben und schlussendlich nicht zuhören.

Ein Besipiel aus meinem Leben: ich hab meine bipolare Störung mit einem Notfall-Medikament ziemlich gut im Griff, ich bin remittiert. Nur bei außergewöhnlichen Belastungen oder wenn andere mich mit ihren Emotionen überschütten (Borderliner!), kann es schwierig werden und ich nehme meine Pillen.

Da dachte ich, ich könnte mich ja mal in der Bipolarambulanz beraten lassen, was man da so machen kann, damit ich lerne, mich besser abzugrenzen. Der Termin war toll. Es waren noch fünf Studenten mit im Zimmer und die haben mich mit dem Arzt zusammen eine ganze Stunde lang befragt. Ich hab denen ganz klar gesagt, was ich will und was ich nicht brauche.

Das Ende vom Lied war: der Arzt sagt mir, ich solle Seroquel nehmen. Seroquel wird inzwischen fast jedem Bipolaren empfohlen.
Es kam kein Vorschlag von wegen Therapie, soziales Kompetenztraining oder dergleichen. Nix. Und dafür habe ich Wochen auf den Termin gewartet, eine Stunde im Wartezimmer verbracht und eine Stunde lang den Studenten Rede und Antwort gestanden. Jeder Wald- und Wiesen-Arzt hätte nach einem kurzen Blick ins Internet Seroquel vorschlagen können.

Von daher kann ich sehr gut verstehen, dass mein Kumpel diesen Schritt nicht hinkriegt.
Dazu kommt wahrscheinlich das Eingeständnis. Wer will sich dann schon anhören müssen "siehste, ich hab's dir doch gesagt", "hast also doch ne Macke", "na, jetzt haste nicht mehr so ne große Fresse..."

Ich hab da vollstes Verständnis dafür, weshalb ich ihn auch nicht drängen werde oder sonstwie weiter belästigen mit dem Thema. Er weiss ja jetzt, dass ich jetzt weiss... und vielleicht behält er das im Hinterkopf und es arbeitet.

In den letzten Tagen musste ich mal mein Neuroleptikum nehmen, vielleicht sollte ich ihm vorschwärmen, wie toll das ist, dass ich ein Medikament nehmen kann, was mich wieder einnordet und was für eine Erleichterung das ist und wie froh ich darüber bin...

Hirnsuppe