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Diskutiere im Thema Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Hallo,

    wie in meiner Vorstellung erwähnt bin ich mit einem ADHSler verheiratet. Ich bin 20, er 9 Jahre älter. Wie es dazu kam...Nun er schien der perfekte Mann zu sein. Wir haben viel geredet und geschrieben. Keiner dachte an den nächsten Schritt, man fühlte sich wohl beim anderen. Bis er den ersten Schritt machte und mir verriet, da ist mehr. Ich vertrete die Meinung, man kann nur einmal richtig lieben und warum eine Beziehung eingehen, wenn man sich nicht sicher ist. Ich gebe zu, mittlerweile finde ich meine Einstellung die ich da hatte auch naiv. Aber ich stehe dazu und bereue es nicht.

    Seine Mutter verriet mir, dass er ADHS hat, aber das interessierte mich da wenig. Erst als Probleme auftraten fing ich an mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Obwohl ich mich viel informiert habe und mittlerweile auch weiß, wie ich mich in manchen Situationen zu verhalten habe gibt es immer häufiger Situationen in denen ich nicht mehr kann. Ich würde ihn da am liebsten ins Gesicht schlagen und ihn rausschmeißen. Es ist so schwer immer geduldig und ruhig zu bleiben, obwohl ich viel Geduld habe, da ich mit Tieren, Pferden arbeite.

    Er verhält sich z.B. wie ein kleines Kind, blödelt Rum und ist albern. Verlang ich dann aber mal was wichtiges von ihm, wie der Gang zum Rathaus schmollt er und ist eingeschnappt weil er keine Lust darauf hat. Kleinigkeiten wie Plastik sofort in den gelben Sack zu schmeißen der hinter ihm steht ist unmöglich. Und ich darf mir nach jeder Kleinigkeit um die ich ihn bitte anhören, dass er nichts darf und nur Regeln bekommt. Dabei bitte ich ihn freundlich und befehle es nicht.

    Das schlimmste ist, dass er oft völlig grundlos eingeschnappt ist und mich ignoriert, als wäre ich an allem Schuld. Am nächsten Tag ist dann alles vergessen. Stelle ich ihn vorsichtig zur Rede blockt er alles ab. Aber ich hab ja auch meine Gefühle und kann verletzt werden. Es ist hart, sich 24h um jemanden zu kümmern und keine Dankbarkeit zu erhalten.

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Hi ich bin heute zu müde. Ich schreib dir morgen was. Gute Nacht!

  3. #3
    DaveR

    Gast

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Hallo LaBruja,

    das klingt ja interessant. Ich versuch mal,Dir rückzumelden,was mir zu Deiner Geschichte so spontan in den Sinn kommt bzw.welche Fragen mir dazu einfallen.
    Ok?
    Ok!

    LaBruja schreibt:
    es immer häufiger Situationen in denen ich nicht mehr kann.
    das ist an und für sich nicht ungewöhnlich nur Mut....


    LaBruja schreibt:
    Ich würde ihn da am liebsten ins Gesicht schlagen und ihn rausschmeißen.
    NEIN!

    LaBruja schreibt:
    Es ist so schwer immer geduldig und ruhig zu bleiben,
    Geht ihm vielleicht mit Dir genauso....?

    LaBruja schreibt:
    obwohl ich viel Geduld habe, da ich mit Tieren, Pferden arbeite.
    Das kann man nicht 1:1 übertragen, weder auf ADHS´ler noch auf Ehemänner im allgemeinen

    LaBruja schreibt:
    Er verhält sich z.B. wie ein kleines Kind, blödelt Rum und ist albern.
    War er früher ganz anders und hat sich völlig verändert?


    LaBruja schreibt:
    Verlang ich dann aber mal was wichtiges von ihm, wie der Gang zum Rathaus schmollt er und ist eingeschnappt weil er keine Lust darauf hat.
    Echt, immer? Wie verlangst Du es von ihm?


    LaBruja schreibt:
    Kleinigkeiten wie Plastik sofort in den gelben Sack zu schmeißen der hinter ihm steht ist unmöglich.
    Ja, machen ADHSL´er eher nicht, aber wo is das Problem?

    LaBruja schreibt:
    Und ich darf mir nach jeder Kleinigkeit um die ich ihn bitte anhören, dass er nichts darf und nur Regeln bekommt. Dabei bitte ich ihn freundlich und befehle es nicht.
    Schon wieder Kleinigkeiten?
    Wenn man sich ständig wegen jeder Kleinigkeit gemassregelt fühlt ist es kein wirklicher Trost wenn der Tonfall dabei freundlich ist.Aber es ist ziemlich nervig wegen jeder Kleinigkeit kritisiert zu werden.

    LaBruja schreibt:
    Das schlimmste ist, dass er oft völlig grundlos eingeschnappt ist und mich ignoriert, als wäre ich an allem Schuld. Am nächsten Tag ist dann alles vergessen.
    Vielleicht gibt es seiner Sicht einen Grund??....(zuviele Kleinigkeiten??)


    LaBruja schreibt:
    Stelle ich ihn vorsichtig zur Rede blockt er alles ab.
    Vielleicht weil er denkt, dass sonst der Streit wieder losgeht?


    LaBruja schreibt:
    Aber ich hab ja auch meine Gefühle und kann verletzt werden.
    Genau - Du und er haben beide Gefühle und können verletzt werden

    LaBruja schreibt:
    Es ist hart, sich 24h um jemanden zu kümmern und keine Dankbarkeit zu erhalten.
    1. Wer hat sich um ihn gekümmert bevor Du in sein Leben getreten bist?

    2. Kam er überhaupt gar nicht klar? Warum muss man sich um einen 29-jährigen Mann 24h am Tag kümmern.

    3. Hat er Dich darum gebeten Dich ständig um ihn zu kümmern?

    Ich mein das nicht ironisch, sonder ganz ernst. Es ist nämlich sehr ausschlaggebend ob Dein Mann wirklich völlig verloren wäre wenn er nicht betreut würde, oder ob Deine Sichtweise diesbezüglich vielleicht täuscht.

    Du scheinst recht engagiert darin, die ganze Verantwortung für Euch zu übernehmen und offensichtlich erkennst Du vieles, was es scheinbar zu verbessern gibt und es ist nachvollziehbar, wenn Du Dir aus dieser Sicht wünscht, dass Deine Bemühungen mehr anerkannt werden.

    Aus meiner Erfahrung kann - aber das musst Du für Dich selbst beantworten - hinter so einer Geschichte auch die (eigene) Sorge stecken,dass man/frau selbst nicht gut genug ist und deswegen umso mehr für den Partner sorgen muss um sich den Platz in der Partnerschaft zu "verdienen".

    Was sich aber für Dich so darstellt : Du liebst ihn->Du willst das alles gut ist-> Du sagst ihm,was es zu verbessern gibt...

    kommt bei ihm vielleicht so an:

    Nichts kann er Dir Recht machen-> immer siehst Du bloß was es zu kritisieren gibt-> alles weißt Du besser-> Du hältst nicht besonders viel von ihm und seinen Fähigkeiten....

    dafür is Dir keiner dankbar, oder?

    Kennst Du "Die Simpsons"?(wenn nein, is ne Bildungslücke)

    In einer Folge sagt Marge:"Das Geheimnis unserer erfolgreichen Ehe ist mein ständiges Nörgeln"
    Das funktioniert aber nur,wenn man mit Homer Simpson verheiratet ist,oder der Ehemann gewillt ist,sich zum Homer Simpson zu entwickeln.

    Es ist übrigens gar nicht gesund, wenn man ständig kritisiert wird aber man kann,wenn man es sich erstmal angewöhnt hat, ständig was zum kritisieren finden. Daraus kann sich eine Spirale entwickeln, bei der es passieren kann, dass eines Tages ein Tropfen das Faß zum Überlaufen bringt...

    schau doch lieber mal hier:

    http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article149429484/Wie-staendiges-Noergeln-jede-Beziehung-zerstoert.html


    Hab ich eigentlich erwähnt,dass der Thread-Titel eine relativ abwertende Sicht von Dir auf Deinen Mann widerspiegelt?
    Was denkst Du dazu?
    Geändert von DaveR ( 4.02.2016 um 02:01 Uhr)

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 770

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    LaBruja schreibt:

    Er verhält sich z.B. wie ein kleines Kind, blödelt Rum und ist albern. Verlang ich dann aber mal was wichtiges von ihm, wie der Gang zum Rathaus schmollt er und ist eingeschnappt weil er keine Lust darauf hat. Kleinigkeiten wie Plastik sofort in den gelben Sack zu schmeißen der hinter ihm steht ist unmöglich. Und ich darf mir nach jeder Kleinigkeit um die ich ihn bitte anhören, dass er nichts darf und nur Regeln bekommt. Dabei bitte ich ihn freundlich und befehle es nicht.
    Ob sich das Rumblödeln und Albernsein legen werden, wage ich zu bezweifeln.. ich versuche das schon 26 Jahre und es klappt nicht Das bringt mir einfach ein bisschen Farbe in das triste Alltagsgrau

    So Organisatorisches oder "zusätzliche" Verpflichtungen zum Alltag fallen mir auch schwer. Nicht, weil ich nicht will, oder weil ich es nicht besser wüsste. Meine Tage sind einfach oft im Alltag schon so anstrengend, dass ich danach einfach geschafft bin. Auch bei Sachen, die dir vielleicht als Kleinigkeiten erscheinen.

    Hilft natürlich nicht, machen muss man es trotzdem. Ist halt ein gefühlter 100m-Lauf statt ein Spaziergang.

    LaBruja schreibt:
    Das schlimmste ist, dass er oft völlig grundlos eingeschnappt ist und mich ignoriert, als wäre ich an allem Schuld. Am nächsten Tag ist dann alles vergessen. Stelle ich ihn vorsichtig zur Rede blockt er alles ab. Aber ich hab ja auch meine Gefühle und kann verletzt werden. Es ist hart, sich 24h um jemanden zu kümmern und keine Dankbarkeit zu erhalten.
    Kleiner Tipp, was mich immer weich werden lässt: Sprech einfach davon, wie es dir geht. Was du jetzt gerade fühlst. Solche Aussagen holen mich meist sofort aus einer sturen Haltung raus.

    Recht geben muss ich DaveR, dass dein Thementitel sehr abwertend ist. Nicht gerade fair deinem Freund gegenüber, auch wenn ich deinen Ärger verstehen kann.

    Wo er auch recht hat: Dein Freund ist allein für sein Leben verantwortlich. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Lass ihn in manchen Sachen einfach selbst auf den Hosenboden fallen, du musst und kannst ihn nicht vor allem "beschützen".
    Sowas kann übrigens, bei allem guten Hintergrund als "Entmündigung" aufgefasst werden. Und da reagieren wir besonders sensibel. Dann kommt mein Sturschädel sofort raus

  5. #5
    DaveR

    Gast

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    oracle.kid schreibt:
    Dein Freund ist allein für sein Leben verantwortlich. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Lass ihn in manchen Sachen einfach selbst auf den Hosenboden fallen, du musst und kannst ihn nicht vor allem "beschützen"
    Nicht nur das, es ist ja auch davon auszugehen,dass der Mann sich in seinen 29 Jahren auch eigene Strategien für sein Leben entwickelt hat - die für ihn gut funktionieren damit er eben nicht "auf den Hosenboden" fällt.

    Sowas muss man seinem Partner schon zugestehen. LaBruja würde wahrscheinlich auch nicht wollen, dass man ihr den ganzen Tag sagt was sie alles schlecht macht.

    Man muss schon erkennen,dass ein Beziehungspartner nicht "Etwas" ist, das man dressieren kann, so wie man es möchte.

    Mir fehlt in dem ganzen Ansatz wirklich der Respekt vor dem Gegenüber. Und ich glaube -sags nochmal-das LaBruja damit auch eigene Unsicherheiten kompensiert die daraus entstehen, dass ihr Mann ihr schon fast 10 Jahre an Lebenserfahrung voraus ist.

    Aber LaBruja, mach doch mal gedanklich die Gegenprobe:

    Stell Dir vor:
    Du hast ihn rausgeschmissen,er hat wenn anderes geheiratet, ist ausgewandert und kommt nie wieder...
    ..jetzt sitzt Du bei Dir zu Hause, kein Socken liegt rum, alles herrlich aufgeräumt..sogar der Plastikmüll ist schön im gelben Sack...
    ..nur Er .....ist weg...

    vermisst Du dann irgendwas?

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Wie lange seid ihr denn nun zusammen? Ab wann wurde es problematisch?

  7. #7
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Hallo LaBruja,

    ich hatte ja geschrieben, dass ich dir noch was schreibe.

    Jetzt sind mir einige Mitglieder zuvor gekommen.

    Eigentlich wollte ich dir was von meinen Erfahrungen was abgeben:

    Ich habe meinen Mann mit knapp 16 kennengelernt, er war grad 20.

    Obwohl ich selbst ADHS-betroffen bin, war ich schon sehr gereift,
    als Kind mit fünf Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof aufzuwachsen,
    das ist eine gute Sache für ADHS-ler.

    Mein Mann hatte nichts anderes im Sinn, als mich zum Lachen zu bringen,
    und war auch noch handwerklich begabt, mochte die gleiche Musik wie ich und
    hatte noch mehr Geschwister. Deshalb habe ich schließlich ja gesagt.

    Wir sind schon bald zusammen gezogen und mir fiel auf, dass mein Mann eine
    absolute Abscheu vor Hausarbeiten hatte, und obwohl Anfang der 70-er Jahre
    Emanzipation und gerechte Verteilung der Pflichten im Haushalt sehr groß geschrieben
    wurde, habe ich mir damals gedacht, dass die positiven Eigenschaften meines Mannes
    überwiegen und es mir nichts ausmacht, für die Abfallwirtschaft zuständig zu sein.

    Mein Mann hat ein Studium auf dem 2. Bildungsweg gemacht und immer fantasievoll
    dazu beigetragen, die Kinder großzuziehen.

    "Routinearbeit hasse ich und auf Befehl mache ich gar nichts", das brach einmal
    aus seinem Inneren heraus.

    Man kann einen Menschen nicht ändern, nur sich selbst, das wurde mir auch früh
    im Leben klar.



    Da ich neben der Abfallwirtschaft, dem Finanzwesen und der allgemeinen Ordnung
    auch noch sehr schöne Tätigkeiten im Leben habe - das Kultusministerium sowie das
    Amt für Internationale Beziehungen sind z. B. mein Ressort - konnten wir die fast 45 Jahre
    gut miteinander aushalten.

    Wenn du Literatur brauchst, wie man mit einem ADHS-ler gut zurecht kommt, sag Bescheid.

    Mein Mann, ebenso wie seine fünf Brüder, sind auch im fortgeschritten Alter noch von einer
    kindlichen Fröhlichkeit, sie wollen eben "spielen". Das hat auch was Gutes!

    Vielleicht kannst du Manches in Zukunft auch ein bisschen mit Humor sehen!
    Das wünsche ich dir.

    Liebe Grüße
    Gretchen

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.726

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Meine Frau hat mich auch früh (aber nicht so früh) geheiratet, und ich habe auch ADHS.

    Es scheinst ja auch nicht du die unreifere zu sein, sondern er.

    Nun er schien der perfekte Mann zu sein. Wir haben viel geredet und geschrieben. Keiner dachte an den nächsten Schritt, man fühlte sich wohl beim anderen.
    (...)
    Seine Mutter verriet mir, dass er ADHS hat, aber das interessierte mich da wenig.
    Ja, ADHS-ler können anfangs sehr faszinierend sein. Was mir fehlt bei deiner Geschichte, deine Schwiegermutter sagt er habe ADHS, aber wie verhält er sich dazu? Wenn er es dir selbst nicht verraten hat, hat er aus seiner Sicht keine Störung (mehr)?

    Meine ADHS wurde erst festgestellt als ich 38 war, da waren wir 12 Jahre verheiratet (und 13 Jahre zusammen). Die darauf folgende (und andauernde) Behandlung hat sich sehr positiv auf unsere Beziehung ausgewirkt. Wobei nicht alle Probleme beseitigt sind. Auf dein Beispiel bezogen: Ich werfe den Plastikmüll immer noch nicht (immer) in den gelben Sack, aber wir zoffen darüber nicht mehr.

    Für mich war insbesondere heftig, zu erkennen, dass ich die Streitigkeiten fast immer selbst verursacht habe und das meist völlig lächerlich war. ADHS ist (auch) ein Problem der verzerrten Selbstwahrnehmung.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Hallo und erstmal vielen Dank für die Antworten!

    Ich muss zugeben ich war sauer auf ihn als ich den Text geschrieben habe. Dennoch ist vieles was drin steht wirklich wahr. Er hat tatsächlich nie alleine gelebt in seinem Leben. Immer im Hotel Mama wo er nichts tun musste wenn er nicht wollte. Ich bin seine erste Freundin. Erst durch mich ist er raus aus dem Elternhaus gekommen. Sein ADHS wurde zwar im Kindesalter entdeckt, aber zu spät. Er wurde als Kind viel (auch durch Schläge) für ein verhalten bestraft für das er nichts konnte. Dadurch, dass er in einer großes Familie aufgewachsen ist hatte er viele Geschwister, die auch Ihre Aufmerksamkeit brauchten.

    In seiner Familie hat man nie über Probleme gesprochen, weshalb er mittlerweile eine tickende Zeitbombe ist, die nach wie vor nicht über Probleme reden kann. Das hat dazu geführt, dass er extrem Depressiv geworden ist. Aber auch das wollte keiner in seiner Familie am Anfang so richtig sehen bzw. er konnte es gut vertuschen. Ich wusste, dass er Depressiv ist, aber das war nicht so extrem und schien auch eher nur durch die äußeren Umstände zu sein. Er hatte Schulden zu dem Zeitpunkt und keine Arbeit.

    Wir leben mittlerweile in einer schönen Wohnung und haben beide Arbeit. Aber er arbeitet 6 Tage die Woche und seine Depression scheint schlimmer zu werden. Obwohl er seit 3 Monaten Antidepressiva nimmt kommt die "Traurigkeit" und macht ihn regelrecht fertig.

    DaveR, ja die Simpsons kenne ich und Homer ist wirklich sein Vorbild. Verrückt, aber das sagt er mir jedes Mal wenn wir die Simpsons sehen. Ich sage ihm immer wieder, dass ich ihn liebe, stolz auf ihn bin und für ihn da bin wenn er mich braucht. Die Kleinigkeiten sind wirklich Kleinigkeiten. Die er eigentlich auch kann und gemacht hat. Aber seit er so Depressiv ist wird er sofort Aggressiv wenn ich was sage. Wir haben kaum Geld momentan und er hat leider keine gutes Verhältnis zu Geld. Spreche ich das ernste Thema an blockt er immer ab. Nicht jetzt. Aber irgendwann muss man ja mal reden. Ich habe oft wirklich das Gefühl, er kann einfach nicht anders, aber das macht es für mich ja nicht leichter.

    Nun ich liebe seine kindliche Seite. Die ist so einzigartig und er schafft es trotzdem oft mich zum lachen zu bringen. Aber das sind sehr kurze Augenblicke in denen er mal lustig ist. Leider passt die Beschreibung zu 100% auf ihn. Wenn seine kindliche Seite mal unangebracht ist und ich ihm das klar machen weil es auch mal nerven kann ist er schlichtweg eingeschnappt.

    Ich denke oft, dass ich seine Ersatzmutter bin, obwohl wir es beide nicht wollen. Ich versuche auch schon oft anders zu handeln. Aber irgendwann muss gespült werden oder die Wäsche gewaschen etc..

    Er weiß das er ADHS hat, blendet es aber gerne mal aus. Das es in einer Beziehung auch mal komplizierter werden kann scheint ihn nicht zu interessieren. Auch das er Depressiv ist hat er erst vor einem halben Jahr wirklich eingestanden.

    Ich merke einfach, dass es mir an Kraft fehlt. Er verletzt mich sehr oft. Entschuldigungen fallen ihm extrem schwer. Durch die Depression ist er von jetzt auf gleich unglücklich. Man kann nichts mehr planen.

    Es tut mir weh ihn so zu sehen. Zu sehen wie er leidet. Aber er scheint sich damit abgefunden zu haben. Ich merke nur, wie ich alles auf dauer nicht mehr alleine stemmen kann. Jedesmal wenn er abstürzt zieht er mich mit runter. Es ist so schwer weiter zu machen. Aber er redet nicht. Sagt nicht, was ich machen kann. Als wenn er aufgibt. Am nächsten morgen ist eigentlich immer wieder alles oke und er verdrängt es. Aber ich kann es nicht mehr verdrängen. Nur ansprechen kann ich ihn auch nicht, sonst blockt er wieder.

    Ich liebe ihn wirklich sehr, aber ich weiß nicht was ich machen soll.

  10. #10
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Vom Kleinkind zum eingeschnappten Ehemann

    Schön, dass du dich wieder gemeldet hast.

    Ich denke, der Arzt, bei dem er wegen den Depressionen in Behandlung ist, könnte ihn auch auf ADHS testen.

    Was ein bisschen fremd ist, dass er dich verletzt und sich nicht entschuldigt.

    Zumindest Kinder kommen dann und sagen, "es tut mir so leid".

    Wann ist er denn einmal entspannt und halbwegs zufrieden?

    Ich gebe dir hier mal einen link

    DAS BUCH LESEN - myadhs.com

    Ist zwar für Jugendliche geschrieben, aber ADHS-Betroffene reifen langsamer,
    vielleicht kannst du da drin irgendwas finden, was euch weiterbringt.
    Und ADHS-Betroffene sind meist in der Reifung ein Drittel zurück, also
    er ist grad mal auf dem Stand wie ein gut 20-jähriger.

    Vielleicht versuchst du auch mal die "Pinguin-Strategie".

    Wenn was nicht klappt, nicht weiter beachten, wenn was gut geht, viel Lob.
    Versuche, dich nicht an Haushaltsdingen aufzureiben.
    Während seines Studium war mein Mann öfter zu Hause als ich,
    natürlich musste er lernen, aber ich kam fast jeden Tag nach Hause, kein Essen
    gekocht, kein Geschirr gespült. Wir haben dann mal angefangen, dass man für
    einen Tag spülen eine Mark bekommt. Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen,
    welches Töpfchen sehr schnell voll war. (Man kann natürlich auch gemeinsam spülen, aber
    das klappte bei uns gar nicht, auch heute noch nicht, er räumt immer den Geschirrspüler um ....)

    Mensch, ich glaube, ich muss auch mal die Simpsons gucken, habe schon über 20 Jahre verpasst.
    Ich bin einfach nicht so ein "Trickfilm-Mensch", sogar eine Anleitung, wie man einen Ikea-Schrank
    zusammenbaut, hätte ich lieber schriftlich als mit diesen Zeichnungen.

    Ich hoffe, du kannst gut für dich sorgen, dass du dich nicht an ihm aufreibst.
    Gibt es bei dir irgendwelche Angebote, wo man sich mal ausschütten kann?

    Beim ADHS-Deutschland e. V. gibt es eine Telefonberatung, da kann man
    mal anrufen, wenn man was los werden muss. Findest du auf der Homepage.

    Alles Gute
    Gretchen

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