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Diskutiere im Thema Gemeinsame Entscheidungen im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 54

    Gemeinsame Entscheidungen

    Ihr Lieben,

    wie handhabt ihr das mit Entscheidungen in einer Partnerschaft? Ich meine Entscheidungen, die beide betreffen und die für beide wichtig sind. Also nicht, was es zum Abendessen gibt oder welche Socken man morgens anzieht.

    Wie schaffst man es, dass solche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und nicht der ADHS-Betroffene schon längst alles zementiert hat, bevor man überhaupt mitbekommt, dass etwas zu entscheiden war?

    Vielleicht ein Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich meine. Mein Mann ist ja nach wie vor selbständig und momentan kann er auch arbeiten. Wenn es nun so bleibt, kommen wir wohl aus der Schuldenfalle raus, das ist ja wirklich sehr gut. Allerdings ist es so, dass er nun wieder auf einer Million Umdrehungen läuft, also arbeiten bis in die Nacht usw. Wir hatten eigentlich geplant, im Urlaub (das ist jetzt 8 ! Wochen her) in unserem Haus die Holztreppe zu renovieren. Das ganze war bzw. ist immer noch bitter nötig, da der alte Teppich der da drauf war wirklich hinüber war. Dazwischen kam ein neuer beruflicher Auftrag, der sich nun als Großprojekt herausgestellt hat. Also blieb unsere Treppen-Renovierung in einem Anfangs-Stadium stecken und geht nur in Minimal-Schritten voran. Seit 8 Wochen stehen die Schuhschränke in unserem Wohnzimmer und im Treppenhaus steigen wir über die diversen Maschinen die dort zum Abschleifen deponiert wurden.

    Meinen Urlaub habe ich alleine verbracht, aber okay. Geld verdienen geht momentan vor. Zu dem Groß-Projekt kommen noch diverse weitere Kunden-Projekte, alle begonnen und in einem Zwischen-Stadium. Mit diesen ganzen Aufträgen jongliert er irgendwie mit Mühe und Not.

    Nun ruft ein weiterer früherer Kunde an, der ein Problem hat. Dieser Kunde ist weiter entfernt und er hatte sich seit Monaten nicht gemeldet. Eigentlich war auch vereinbart, dass er sich einen Dienstleister vor Ort sucht, weil der Weg zu weit ist. Aber nun schreit dieser Kunde um Hilfe und was macht mein Mann? Statt zu sagen, "Sorry ich kann momentan wirklich nicht kommen, ich habe einfach zu viel zu tun", sagt er zu dass er diese Woche kommt. Natürlich ohne vorher mit mir zu reden. Ich habe überhaupt nur durch Zufall davon erfahren.

    Dieser Auftrag dort wird auf jeden Fall mit mindestens einer Übernachtung verbunden sein und das Ganze wird dafür sorgen dass die Treppe noch später fertig wird.

    Mir selbst würde es nicht im Traum einfallen, über mehrere Tage weg zu fahren, ohne das vorher zu besprechen. Ich frage mich dann immer, kann ich das wirklich nicht erwarten, dass so etwas vorher beredet wird? Schließlich bin ich eigentlich immer erreichbar, kurzer Anruf hätte genügt.

    Nachdem ich also zufällig erfahren habe, dass er diese Woche wegfahren wird, gab es eine Riesen-Diskussion. Seine Aussage war quasi: ich entscheide das alleine. Ich sehe das anders, für mich ist das keine Partnerschaft. Diese Geschichte ist auch nur eine von vielen wo es ähnlich gelaufen ist. Es ist nicht so, als würde ich mich über jeden Quatsch aufregen. Mir ist schon klar, dass er einen gewissen Freiraum braucht und in die Planung der Arbeitswoche mische ich mich überhaupt nicht ein. Ich finde nur, alles was mit Übernachtung oder Verplanung des Sonntages verbunden ist, sollte man absprechen.

    Ich denke häufig, wenn man zu keiner gemeinsamen Absprache bereit ist, braucht man auch eigentlich keine Partnerschaft. Mir fehlt momentan die Gelassenheit, das alles einfach so hinzunehmen nach dem Motto "wenn er da ist, ist gut. Wenn nicht, ist auch gut". Wenn z. B. mal wieder ein Bekannter anruft und ich dadurch zufällig erfahre, dass er sonntags zum Fahrrad-Fahren verabredet ist (wovon ich bisher nichts gehört hatte) regt mich das auf.

    Und zwar so, dass ich mich gerade schon wieder aufregen könnte.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    Ich glaube ihr solltet da eine generelle Regelung treffen. Mal ganz praktisch ist es wirklich nicht vertretbar, das dein Mann einen Kunden erstmal abwimmelt um sich rückzuversichern ob er fahren "darf". Das ist Job, und die Entscheidungen müssen da oft von jetzt auf Gleich getroffen werden.
    Man darf natürlich auch nicht vergessen, das jeder Kunde dem man absagt für immer weg ist. Selbstständigkeit ist leider ein 24h Job. Genau dieses Problem habe fast alle Partner von Selbstständigen.

    Es wäre wohl eine generelle Vereinbarung, welche Zeiten oder Tage absolutes No-Go sind, am Besten. Ich glaube das ist im Endeffekt auch überschaubarer für beide Seiten und schützt ihn vor "ach nur die eine Ausnahme" "dafür vielleicht dann und dann" etc etc. Da kann ja auch 1 WE alle 3 Monate für solche außerplanmäßigen Aufträge offen gehalten werden.


    Planst du denn mit ihm auch feste Zeiten für euch? Vielleicht hilft das auch ihn verbindlich in gemeinsame Aktivitäten einzubinden.

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    Vielen Dank für deine Antwort, creatrice.

    Ich weiß natürlich, dass ein Selbständiger keine Arbeitstag von Acht bis Fünf hat. Er ist ja schon zwölf Jahre selbständig. Gestern konnte das Problem dieses Kunden dann doch anders gelöst werden und es ist momentan nicht nötig, dass er hinfährt. Es war also schon so, dass seine Anwesenheit dort nicht unbedingt nötig war. Das ist ja das, was mich ärgert oder man könnte auch sagen, verzweifeln lässt.

    Er hat einfach bei dem Anruf dem spontanen Umpuls nachgegeben. So nach dem Motto, auch ja , da wollte ich schon lange mal wieder hin, da ist die Landschaft schön, wäre auch nett die Leute mal wieder zu sehen usw. Und dann hat er sofort ohne Nachdenken zugesagt. Obwohl es mit einer weiten Fahrt und mindestens einer Übernachtung verbunden ist. Er weiß ganz genau, dass solche Sachen wie die lange Fahrt ein Problem für mich sind, weil ich eine generalisierte Angststörung habe.

    Mir ist natürlich klar, dass das ADS-bedingt ist. Mit vielen Auswirkungen von ADS wie dem Chaos in der Wohnung komme ich ganz gut klar, aber bei diesen Sachen ist für mich die Grenze. Ich habe irgendwie das Gefühl, ich bin zu alt und zu angeschlagen dafür, mit diesem (ich nenne es jetzt einfach mal so) Egoismus zu leben. Letztendlich ist es doch Egoismus, wenn man einzig nach seiner eigenen Meinung entscheidet ohne den Partner einzubinden oder zumindest zu informieren.

    Deinen Vorschlag mit den Tagen, die absolut No-Go sind, finde ich grundsätzlich sehr gut. Wenn ein Betroffener das selbst vorschlägt, gehe ich davon aus, dass es grundsätzlich schon möglich wäre, auch mit ADS. Als die Kinder noch klein waren, habe ich genau das versucht zu installieren. Dass z.B. samstags am Nachmittag zu einer bestimmten Uhrzeit Feierabend ist und dann bis Montag früh Familienzeit ist. Hat so gut wie nie funktioniert.

    Ähnlich ist es, wenn wir uns zu gemeinsamen Aktivitäten verabreden. Typische Situation ist, dass wir samstags morgens darüber reden, wir könnten abends z.B. zum Essen gehen. Wir machen da gar keine feste Zeit aus, das würde ja nur für unnötigen Druck sorgen. Dann ist es aber zu 95 % so, dass er so spät nach Hause kommt, dass Essen gehen ausfällt, weil nur noch Mc Donalds zu der Zeit noch warmes Essen macht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich auf der Couch sowieso schon längst eingeschlafen bin.

    Was ich mich die ganze Zeit frage, wie schafft man es, dass bestimmte Sachen gemeinsam entschieden werden und dann auch eingehalten werden? Geht das womöglich gar nicht, wenn einer so stark von ADS betroffen ist und ich muss mich damit abfinden, dass jeder sein eigenes Ding macht.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    Also wenn diese Impulshandlungen am ADHS liegen, dann ist es wirklich kein Egoismus. Ich sag es mal ganz plump, das Hirn denkt WIRKLICH über nichts weiter als eine Antwort in dem Moment nach. So blöd das auch klingen mag, da ist Vakuum in Sachen weiter denken. Das Weiterdenken kommt dann erst , wenn man Zeit hat/te.

    Deswegen ist da Training angesagt. Ein ADHSler hat ja kaum Routine, und eine neue einzuführen ist wie eine Fremdsprache lernen. Das geht bei manchen schneller, bei manchen dauert es. Ohne Routine, also mit spontaner Organisation funktionieren eben leider ADHSler selten. Sprich das mit den Zeiten für euch solltest du nicht über Organisation versuchen, sondern über Routine. Also vielleicht wirklich mit ein paar Stunden am Sonntag oder so anfangen und das ganze Wiederholen bis es eingefleischt ist. Dann kann man ja eventuell hoch gehen oder neues einbauen. Und Erinnerungsstützen an das Vereinbarte einbauen, damit er immer mehr selbst in den Momenten an abgesprochene Dinge denken kann.


    Das wäre so das, was bei mir (in Sachen Routine=Härtefall) nur funktionieren würde.


    Möglich ist so einiges, nur ist es oft lange und harte Arbeit das auch möglich machen zu können.


    Ich sage dir mal mein Beispiel von mir, vllt. wird es dir dann etwas zugänglicher:

    Ich habe arge Probleme meine Tabletten regelmäßig zu nehmen, ich vergesse es immer wieder, da ist seit fast 20 Jahren keine Routine drin. Ich habe mit meiner Therapeutin über 1/2 Jahr gebraucht um endlich eine Lösung zu finden. Ich habe sie ans Bett gelegt, mir Wecker gestellt, sie mir auf den Wasserkocher gelegt, in den Badschrank, auf den Badschrank, ins Wohnzimmer. Nichts hat so geholfen das ich es nicht doch vergessen habe. Geklappt hat es dann mit dem Spülkasten. Auf Klo muss ich nun mal immer, und wenn ich es beim 1. Mal aufschiebe oder vergesse, dann sehe ich sie ja wieder beim 2. oder 3. Mal. So habe ich es geschafft sie dann doch irgendwann in der Küche platzieren zu können. Ich habe den Spülkasten gesehen und automatisch an Tabletten gedacht.
    Nun bin ich fast immer bei meinem Freund. Und ich vergesse sie wieder ständig. Muss also hier auch alles neu lernen.

    Du siehst es ist für manche wirklich nicht einfach eine Routine zu kriegen, und wenn sie irgendwo sitzt, heisst das nicht, das es auch bei einer kleinen Änderung weiter da ist. Es wird also immer schwer sein, spontane Dinge gemeinsam zu entscheiden.

    Für mich z.B. sind spontane Dinge oft wie ein spontaner (von jetzt auf gleich) Umzug in ein fremdes Land. Katastrophenähnlicher Riesenaufwand, der nicht logistisch zu lösen ist.
    Wenn dann noch andere Bedürfnisse und Gegebenheiten mit eingeplant werden müssen, wäre das, als wenn mich jemand ad hoc fragt, ob ich dann dort in einem Haus oder Wohnung leben möchte, wie die einzelnen Zimmer eingerichtet sein sollen, wo welche Pflanze steht. Alles Sachen die in der Katastrophensituation zu viel sind, die ich nicht sagen kann, für die ich keinen Kopf habe und die nur noch mehr Stress bringen. Wäre aber mein Wohnzimmer immer gelb, und das Bad immer blau, und ich würde immer den Ficus im Schlafzimmer haben, wären die Antworten einfach, weil Routine.

    Ich hoffe das war irgendwie verständlich.


    ist übrigens nur so wie es bei mir wäre, vllt ist es ja bei deinem mann wirklich anders.

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    creatrice schreibt:
    Ich hoffe das war irgendwie verständlich.
    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ja, war verständlich und öffnete mir gerade einen anderen Blick auf diese spezielle Situation.

  6. #6


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 9.020

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    Sammi schreibt:
    Was ich mich die ganze Zeit frage, wie schafft man es, dass bestimmte Sachen gemeinsam entschieden werden und dann auch eingehalten werden? Geht das womöglich gar nicht, wenn einer so stark von ADS betroffen ist und ich muss mich damit abfinden, dass jeder sein eigenes Ding macht.
    Ich kenne da auch jemanden, der das dauernd macht und ich finde das ist ein absolutes Nogo, ob mit oder ohne ADHS.
    Angeblich sind wir doch auch alle so empathisch. Ein empathischer Mensch ist in der Lage mit anderen Entscheidungen
    zu treffen und sie auch einzuhalten. Oder es wenigstens zu versuchen. Es gibt Dinge, die man nur gemeinsam entscheiden
    kann und sollte und wenn der/die PartnerIn immer das eigene Süppchen kocht, ist das keine Partnerschaft.
    Ich weiß inzwischen, in welchen Situationen ich
    aufpassen muss und verhindere zu große Enttäuschungen, indem ich ihm sage, dass mir das und das jetzt besonders wichtig
    ist und erinnere ihn auch öfter dran (was ihn extrem nervt manchmal und manchmal macht er dann mit Absicht das Gegenteil).
    Also muss ich auch auf die Dosierung achten. Nicht leicht, wenn man selber betroffen ist.

    Feste Termine/Verabredungen müssen sein bei ADHS´lern denke ich, weil locker lose getroffene Verabredungen werden als
    nicht so wichtig eingestuft oder behandelt wie: ...... hat ja noch Zeit....... Feste Termine machen zwar Druck, aber es geht nicht
    ohne, denke ich. Wenn man mir sagt, etwas sei nicht so dringend oder so, mache ich es gar nicht. Gibt ja Wichtigeres,
    was man nicht tun kann Da steckt aber kein böser Wille hinter. Das macht das Hirn von ganz alleine

    Manchmal hilft vielleicht auch eine Erinnerung zu schicken, 1 Stunde oder/und halbe Stunde vor dem Termin.
    So was wie, ich mache mich jetzt fertig für´s Restaurant, habe schon den Schlüpper an

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.953

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    Sammi schreibt:
    ... Dass z.B. samstags am Nachmittag zu einer bestimmten Uhrzeit Feierabend ist und dann bis Montag früh Familienzeit ist. Hat so gut wie nie funktioniert.
    Nein, das ist der falsche Ansatz. Eine bestimmte Uhrzeit ist für so etwas immer schlecht, da viele AD(H)Sler auch zeitblind sind. Abgesehen davon, dass - wenn sie wirklich in einer Sache stecken - locker neben ihnen die Welt untergehen kann und sie wären anschliessend sehr überrascht, weil sie davon nichts mitbekommen haben.

    Entweder ist der Samstag möglichst ohne Ausnahme ein Familientag oder er ist Arbeitstag ... - Gehe besser davon aus, dass es oft nur Schwarz oder Weiss gibt und Grautöne nur sehr selten vorhanden sind, dass schont vermutlich auf Dauer deine Nerven.

    Wenn momentan so viel bei ihm zu tun ist, dann wäre vielleicht erst einmal "nur" Samstag oder Sonntag als Familentag möglich. Sollte es ihn überkommen, hat entweder sein Handy eine Diktierfunktion, wo er sich eine kurze Notiz drauf sprechen kann oder er bekommt dafür einen festen Block, wo er ggf. Ideen möglichst kurz festhalten kann, dass die erst einmal auch aus dem Kopf purzeln können und ihn so nicht ständig beschäftigen. Schon alleine die Angst, das zu vergessen, was leider häufig vorkommt, kann einen nämlich dazu bringen, eine Idee nicht loslassen zu können. Das kann er dann am nächsten Arbeitstag abarbeiten, wenn es noch aktuell ist. (Stichwort: Impulse )


    Ebenso wie Minzi denke ich auch, dass wage getroffene Verabredungen u. U. verschiebbar sind. "Heute Abend würde ich gerne ... (z. B. mit dir Essen gehen)!", wäre für mich z. B. sehr vage und da sind die Positionen verhandelbar. Bis zum Nachmittag weiss ich für gewöhnlich nicht, was Abends ist. Ist der Tag so stressig, dass ich Abends überhaupt noch kann und will? Bekomme ich das zeitlich hin (wobei ich mich immer noch gerne mal verschätze, aber es wird besser ... - Das war aber hartes Training - siehe auch Post von creatrice.)? Steht heute Abend noch etwas Anderes an? Und nicht zuletzt: Wo stehe ich heute Abend stimmungsmässig?

    Das ganze ist kein böser Wille! Ich erkenne den Wunsch durchaus an und habe auch fest vor ihn in die Realität umzusetzen, aber u. U. eben nicht gleich. Was auch nicht bedeuten würde, dass du mir nicht wichtig wärst ... Das hätte nämlich gar nichts damit zu tun!

    Viel besser ist es dann wohl zu sagen: "Heute Abend sind wir beide um 19 Uhr zum Essen im Resstaurant xy verabredet! Mach dir eine Notiz in deinen Kalender!" (und siehe dann Vorschläge von Minzi) Alternativ geht bestimmt auch: "Heute Abend um 19 Uhr ist ein Tisch bei xy für uns reserviert!" Wenn du weisst, dass dein Mann dabei gewöhnlich eine halbe Stunde länger braucht, dann brauchst du ihm ja nicht sagen, dass der Tisch erst für 19:30 bestellt ist. (auch hier siehe dann die Vorschläge von Minzi)

    Wenn ihr gemeinsame Verabredungen z. B. in der Woche habt und wirklich etwas dazwischen kommen sollte, dann versuche, dass er dir - ebenso wie einem Kunden - den Termin zumindest möglichst rechtzeitig absagt. Eventuell klappt es besser, wenn er sich das auch in seinen Arbeitskalender mit einträgt. Erwarte aber gerade am Anfang nicht zu viel. Bedenke, dass es deine Nerven sind und blöderweise hast du nur das eine Paar! Es ist wirklich hartes Training und es wird sicherlich immer wieder passieren, dass es nicht klappt. Denke immer daran, dass es kein böser Wille ist. Da hat einfach das kleine Männchen, das den Knopf für die Impulskontrolle bedient wirklich verflixt oft Urlaub. Oft genug wünscht man sich selbst, dass es nicht so wäre ...

    Und letztlich versucht es vielleicht mit einer Vereinbarung, die alles, was mindestens eine Übernachtung ausserhalb betrifft, mit dir Rücksprache zu halten ist - wenn dies beruflich machbar ist. Darüber solltest ihr aber in Ruhe reden, ob das geht und er oder besser ihr euch ggf. diesen Kundenverlust leisten könnt.

    Bedenke dabei, dass es nicht um Schuld geht, sondern darum, dass ihr möglichst gemeinsam einen Weg finden wollt. Eine gute Kommunikation mit ausgesuchten, also gewählten Worten kann da helfen. Es bringt dir nichts, wenn er sich angegriffen fühlt ... Das läuft dann in eine Richtung, wo ihr beide aus dieser Situation vermutlich verletzt und wütend rausgeht oder euch gar Sachen an den Kopf schmeisst, die euch hinterher leid tun. - Also ganz tief durchatmen und immer das Ziel im Auge behalten: Eine Lösung für das Problem finden (!) und die heisst erst einmal: Könnt ihr euch den Kundenverlust überhaupt leisten? Und dann weiter: Ist die Sache so ertragreich, dass sie den Aufwand lohnt? Dann wahlweise die Übernachtung und Zeit, die er für die Lösung des dortigen Problems braucht (die muss ja auch da sein).

    Und so lässt sich vielleicht auch eine Vereinbarung für die Treppe finden, damit zumindest nach und nach die Maschinen wieder rauskommen. Momentan hört sich das ja gefährlicher an als der alte Teppich ...


    Und last but not least: Versuche ihn zu loben, wenn etwas klappt! Gehe davon aus, dass AD(H)Sler gerade für ihre "Kampffronten" nicht viel Lob ernten. Da kann diese Art der Bestätigung durchaus dienlich sein den Prozess zu unterstützen, aber erwarte bitte keine Wunder. - Was dir so leicht erscheint ist leider so verflixt schwer ... Alleine schon bereit zu sein daran zu arbeiten und vielleicht nach und nach Fortschritte zu machen ist wirklich schon eine ganze Menge und eine ganze Menge Arbeit, von der gewöhnlich andere Menschen nur einen kleinen Teil zu sehen bekommen.

    Das war jetzt ziemlich lang ....

  8. #8
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.985

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    ChaosQueeny schreibt:
    Nein, das ist der falsche Ansatz. Eine bestimmte Uhrzeit ist für so etwas immer schlecht, da viele AD(H)Sler auch zeitblind sind. Abgesehen davon, dass - wenn sie wirklich in einer Sache stecken - locker neben ihnen die Welt untergehen kann und sie wären anschliessend sehr überrascht, weil sie davon nichts mitbekommen haben.
    Guten Abend,
    erstmal würde ich das doch etwas entschärfen wollen.

    Feste Uhrzeiten sind für sehr viele ADHS'ler nicht nur sinnvoll,sondern auch nötig-gerade wg.des fehlenden eigenen Zeitgefühls. Notfalls muss halt doch die gute alte Armbanduhr mit Piepton herhalten.

    Ein großes Problem könnte bei einer so formulierten Absprache(bis dann ist Arbeits-dann Familienzeit) tatsächlich die schlechte Impulskontrolle sein und u.U.die Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Tätigkeiten.

    Hier würde ich auch entweder ganz klein-z.B.mit einer Stunde am Sonntagabend,oder eben wirklich mit einem kompletten Tag anfangen.

    Etwas anderes, das auch je nach individuellem Subtyp nochmal eine Rolle spielen kann,ist eine gewisse "oppositionelle Ader" Routinen betreffend.

    Bei mir ist es so,dass ich nur entweder total spontane,oder nicht verhandelbare Verabredungen(Stichwort Routine,die muss dann aber auch so richtig aufgebaut werden;d.h.es muss klar sein,dass diese Zeit ab sofort fest und unverrückbar verplant ist!)) so wirklich "kann"-alles andere geht schnell mal ordentlich in die Hose.

    Um eine "Nein-Haltung" zu vermeiden,oder soweit kontrollierbar zu halten,sollte mensch innerhalb vernünftiger,sprich v.a.machbarer Grenzen,offen für kleine spontane Veränderungen sein und bei Krankheit nicht auf Einhaltung pochen.

    Alles andere Sinnvolle haben meine Vorschreiberinnen,glaub' ich,schon erwähnt.

    LG v. Luftkopf

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.953

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    luftkopf33 schreibt:
    Guten Abend,

    Feste Uhrzeiten sind für sehr viele ADHS'ler nicht nur sinnvoll,sondern auch nötig-gerade wg.des fehlenden eigenen Zeitgefühls. Notfalls muss halt doch die gute alte Armbanduhr mit Piepton herhalten.

    Ein großes Problem könnte bei einer so formulierten Absprache(bis dann ist Arbeits-dann Familienzeit) tatsächlich die schlechte Impulskontrolle sein und u.U.die Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Tätigkeiten.

    Hier würde ich auch entweder ganz klein-z.B.mit einer Stunde am Sonntagabend,oder eben wirklich mit einem kompletten Tag anfangen.
    Ich musste ja breit grinsen.

    Du hast natürlich vollkommen recht! Ich wollte nur nicht einen noch längeren Post fabrizieren und den Wechsel der Tätigkeit zwischen Arbeit und Familienzeit genauer mit einbeziehen.

    Dabei geht das nämlich wirklich für gewöhnlich schief, wenn das so mitten im Tage ist und die Person überwiegend oder auch nur einen Teil daheim arbeitet. "Man könnte ja eben noch ....." oder auch "Nur noch das ..:" (Sei es Anfangen oder zu Ende machen ...) solche oder ähnliche Sachen sind da wohl häufig benutzte Formulierungen. Da schlägt vermutlich trotz Piepton die Zeitblindheit und auch die mangelnde Impulskontrolle gerne zu.

    Dazu kommt, dass man oft schon als Nichtbetroffener nach der Arbeit erst einmal möglichst etwas Abstand braucht, damit man sich einer neuen Tätigkeit widmen kann. Also gleich von dem Einen in das Andere zu rutschen wird vermutlich ohne eine "Zwischenzeit" schwer werden. U. U. könnte da vielleicht eine "Tagesunterbrechung" wie das Mittagessen nützlich sein, wenn du deinem Mann vorher noch eine kleine Auszeit vielleicht bei einer Tasse Kaffee o.ä. gönnen könntest.

    Allerdings halte ich selber es für wesentlich einfacher gleich morgens in einen Familientag zu starten als erst mitten am Tag dann die Arbeit ggf. abzubrechen. - Aber dies ist - wie eigentlich alles bisher in diesem Thread aus meiner Tastatur - halt auch nur meine bescheidene Meinung, die weder Anspruch auf allgemeine Gültigkeit noch auf die absolute Wahrheit hat. Pick dir raus, wenn etwas Nützliches dabei ist und verwerfe getrost den Rest. Immerhin ist die ja nur ein Rat aus der Ferne und nur du kannst dann entscheiden, was wirklich hilfreich sein kann und was nicht.

    Aber generell ist es natürlich wichtig möglichst eine Strucktur zu errichten, die aber auch nicht zu einengend sein sollte und das geht eben oft auch über die Zeit. (siehe auch den Teil mit Verabredungen)

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Gemeinsame Entscheidungen

    minzi schreibt:
    Ein empathischer Mensch ist in der Lage mit anderen Entscheidungen
    zu treffen und sie auch einzuhalten. Oder es wenigstens zu versuchen. Es gibt Dinge, die man nur gemeinsam entscheiden
    kann und sollte und wenn der/die PartnerIn immer das eigene Süppchen kocht, ist das keine Partnerschaft.
    Sehe ich anders.
    Meines erachtens nach hat dieses Verhalten nichts mit mangelnder Empathie oder "immer das eigene Süppchen kochen" zu tun, sondern viel mehr mit Impulsivität, Vergesslichkeit etc. - also Eigenschaften, die ADHSler vielleicht bekannt vorkommen.

    Mein Expartner hat mich mit solchen Aktionen auch regelmäßig zur Weißglut gebracht. Dabei war/ist er ein sehr empathischer Mensch.
    Aber es passierte trotzdem andauernd, dass er z.B. mit nem Kumpel telefonierte und den spontan zu uns nach Hause einlud, ohne es mit mir abzusprechen.
    Es hat mich einfach jedesmal völlig aus der Bahn geworfen, wenn für mich ungeplanter Besuch vorbeikam. Die Wohnung war mein Rückzugsraum und wenn Besuch da war, dann gab es für mich (aufgrund der Größe und dem Aufbau der Wohnung) keinen Rückzug.

    Es gab noch andere Aktionen dieser Art, gegen die ich einfach nicht ankam.
    So war er z.B. für mehrere Monate im Ausland und sollte im Juni wiederkommen, hatte seine Wohnung aber erst ab August wieder.
    Also hat er mit mir vereinbart, dass er diese 2 Monate bei mir wohnt.
    Wir waren dann bei seinen Eltern zu Besuch (wohnten ca. 100km entfernt) und seine Mutter fragte ihn, ob er für die 2 Monate bei seinen Eltern einziehen möchte und er sofort: "Ja, werde ich!"
    Seine Mutter, die sehr an ihm hing, war voller Freude, noch am selben Tag wurde alles geplant.

    Darauf angesprochen meinte er, seine Mutter hätte ihn halt spontan gefragt und er wollte sie nicht verletzen, indem er ihr Angebot ablehnt. Er wusste, dass sie sich freuen wird, wenn er zusagt. Also eher zu viel Empathie ;-)
    Dass er jedoch nicht an zwei Orten gleichzeitig wohnen kann, das war ihm überhaupt nicht bewusst, soweit dachte er in dem Moment nicht.

    "Versprechen" dieser Art hat er andauernd gebracht.
    Mit mangelnder Empathie hatte das alles gar nicht zu tun. Da fragt jemand spontan und es wird spontan geantwortet.
    Nachgedacht wird er später. Wenn man feststellt, dass man am Abend für 3 verschiedene Termine an 3 verschiedenen Orten zugesagt hat oder so.

    Ein Terminplaner hilft vielleicht, aber da muss man eben reingucken, BEVOR man zusagt. Und diesen Planer auch nicht vergessen. Oder, wenns das Smartphone ist, nicht vergessen, dass man da einen Terminplaner auf dem Smartphone hat und diesen benutzen sollte. Stichwort Impulsivität.
    Im Endeffekt hilft nur Übung, Übung, Geduld, Übung, Geduld und sehr gute Nerven. Und immer wieder erinnern. Erinnerungs-SMS, Wecker stellen u.s.w.

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