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Diskutiere im Thema ADHS zusammen durchstehen - aber wie? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Hallo ihr Lieben,

    nachdem ich nun doch sehr oft bei euch im Forum als stiller Leser unterwegs war, habe ich mich heute dazu entschlossen, mich auch mal aktiv einzubringen. Vorstellen kann ich mich leider noch nicht, daher erzähle ich euch kurz etwas über mich und wieso ich hier bin.

    Wer direkt zum Problem will: Überlest den persönlichen Teil

    Ich bin 23 und seit einem halben Jahr mit meinem Freund - ADHS Betroffener, zusammen. Wir haben uns über die Arbeit kennen gelernt. Anfangs mochte ich ihn gar nicht. Ich musste mich immer wieder fragen was diesen Menschen dazu antreibt so viel zu reden, so viel zu hinterfragen und vor allem so hibbelig zu sein. Aber komischerweise haben wir uns sehr schnell angefreundet. Wir waren dann beste Freunde. Ich kam gut mit seinen Macken klar und er mit meinen (jaja, Frauen sind auch nicht so einfach ). Jeden Abend haben wir telefoniert. Teilweise bis tief in die Nacht hinein. Aber eine Beziehung wollte ich nie. Er ist knapp 2 Jahre jünger als ich und er erschien mir immer ein bisschen zu kindisch und zu anstrengend. Gefunkt hat es am Ende doch. Und jetzt will ich auch keinen anderen mehr, er ist mein Traummann. Auch mit seinen Macken

    Ich komme aus einer ziemlich kaputten Familie, meine Eltern sind geschieden. Meine Mutter ist seit Jahren schwerst depressiv, hat mehrfach versucht sich umzubringen. Meine Kindheit war nie wirklich unbefangen, weil schon früh verlangt wurde selbstständig zu sein. In meiner Jugend 13-20 herrschte ständig Angst, dass meine Mutter sich wieder umbringen könnte (3x habe ich sie gefunden als sie es probiert hat), oder dass sie wieder nur am trinken ist. Mit 18 bin ich schließlich ausgezogen weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Heute habe ich kein sonderlich gutes Verhältnis zu ihr, es ist sehr oberflächlich, was mich auf der einen Seite sehr traurig macht, aber es ist reiner Selbstschutz.
    Meine Beziehung zu meinem Ex Freund war ein ständiges hin und her, weil ich zwar Nähe wollte, aber dann doch nicht und es mir auch - im Nachhinein betrachtet , psychisch nicht sehr gut ging. Die Trennung von ihm kam für mich sehr plötzlich. Seinetwegen hatte ich schließlich eine Ausbildungsstelle angenommen in seiner Studienstadt. Und nun stand ich alleine da, er hatte wieder eine neue mit der er zusammen zog und ich musste alleine in seine Stadt ziehen in der ich niemanden kannte. Ich glaube ich habe bis heute noch einen Knack weg von der Trennung.

    Soviel zu mir, jetzt aber zu meinem eigentlichen Anliegen
    Seit etwa 2-3 Monaten weiß ich, dass mein Freund ADHS hat. Richtig ernsthaft mit dem Thema beschäftige ich mich eigentlich erst seit knapp einem Monat und bin teilweise wirklich schockiert, was für Ausmaße diese Krankheit annehmen kann und wie sehr Betroffene und Angehörige darunter leiden Zuerst hat es mir Angst gemacht, eben weil die Reaktionen und Verhaltensweisen nicht immer verständlich, akzeptabel oder nachvollziehbar sind.

    Ein Beispiel: Mein Freund und ich wollten heute spazieren gehen und noch ins Autokino. Hatten wir schon vor ein paar Tagen geplant, weil er meinte dass ihm eine Struktur helfen würde. Eben in der Pause berichtet er mir nur knapp dass wir heute zum Grillen bei seinen Eltern eingeladen sind. Für mich war klar, dass wir das natürlich nicht ablehnen können, kommt ja auch doof. Habe dann erst einmal ein bisschen verhalten reagiert, da ich mich erst einmal sortieren musste. Wenn ich mich auf etwas eingestellt habe, kann ich mich nur schwer damit abfinden wenn dann noch was dazwischen kommt. Er hat meine verhaltene Reaktion wieder so aufgenommen, dass ich es total blöd finde und da keine Lust drauf habe ( obwohl ich mehrfach betont habe dass es in Ordnung ist und wir da hin können) und zack - innerhalb von 1 Sekunde ist er explodiert, vom Tisch aufgesprungen und wollte seine Mutter anrufen um ihr zu sagen, dass ich ja keine Lust hätte und wir nicht kommen.

    Ich also hinter ihm her um ihn wieder runter zu holen, aber er war so in seinen Gefühlen drin, dass er nicht mehr aus seiner Haut konnte. Nach einer halben Stunde schrieb er mir dann eine Mail, ob wir uns auf einen Kaffee treffen. Habe ihn dann auch direkt umarmt und das ist dann immer der Zeitpunkt bei ihm, wo er oft wieder "normal" wird, also wieder runter fährt und in der Lage ist angemessen zu schildern was sein Problem ist.

    Diese Situationen haben wir öfter. Vor allem wenn er wegen einer Sache, die ich als Kleinigkeit betrachte, enttäuscht ist, kommt es oft zu handfesten Diskussionen, die dann in Grundsatzdiskussionen enden die eigentlich nie enden könnten wenn nicht einer sagt "jetzt reicht es". Vielleicht bin ich da noch zu impulsiv, dass ich in dem Augenblick nicht direkt begreife, dass er eben nicht anders kann. Es ist manchmal so furchtbar schwierig damit umzugehen

    Wie "handelt" ihr das wenn ihr/euer Partner so syndromtypisch an die Decke geht und so impulsiv ist? Oder wenn es eine Diskussion gibt in der ihr/euer Partner nur seine eigene Meinung sieht? Es gibt so viele Sachen zu denen ich noch soooo viele Fragen hätte. Ein wirklich schwieriges Thema.

    Ich möchte vor allem meinen Freund verstehen lernen und lernen, wie ich den Situationen besser mit ihm umgehen kann, ihm helfen kann und seinen Fokus vielleicht wieder auf etwas anderen richten kann. Natürlich gibt es keine Anleitung für Menschen mit ADHS, aber ich möchte trotzdem als Nicht-ADHSler seine Welt verstehen. Ich denke nur so werden wir wirklich eine Chance haben, eine gute und stabile Partnerschaft zu führen

    Vielen lieben Dank schon einmal, dass ihr euch Zeit genommen habt meinen Roman zu lesen!

    Lieben Gruß,
    Die Maus

  2. #2
    Allesistgut

    Gast

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Liebe Maus,

    auch ich war bisher stille Leserin und versuche eine Antwort aus der Sicht einer ADHSlerin.


    Maus204 schreibt:
    Nach einer halben Stunde
    Dieses Phänomen ist mir auch bei mir aufgefallen und wird auch in der Literatur bestätigt. Wenn ich mich über etwas oder jemanden fürchterlich aufrege, dann ist es das Beste (für mich und andere), wenn ich mich aus der Situation heraus bewege, gut 20min (in einer geschützten Umgebung) einfach abwarte und mich zwinge, in dieser Zeit nicht zu handeln. Danach bin ich meistens wieder auf einem relativ normalen Niveau ansprechbar.

    Beruflich entspricht das ziemlich genau einer Zigarettenpause.

    Privat habe ich meinem Partner erklärt, dass er es nicht missverstehen soll, wenn ich mitten im hitzigen Gespräch wutschnaubend den Raum verlasse. Es hilft mir ungemein, wenn er mich dann kurz in Ruhe lässt, um dann vorsichtig nachzufühlen, wie meine Stimmung nach dieser halben Stunde denn so ist ... meisten bin ich dann schon wieder wesentlich gelassener. Sollte ich kein Ende in einem Gespräch finden, haben wir vereinbart, dass er es unterbricht - und in einem möglichst ruhigen Ton z.B. sagt, dass wir das jetzt mal so stehen lassen und uns am Abend noch einmal darüber unterhalten. Funktioniert ganz gut bei uns.

    Wie oben geschrieben, habe ich mühsam gelernt, innerhalb einer Wutphase bzw. innerhalb der Phase des Ausklingens möglichst nicht mit meiner Umwelt zu interagieren: keine Gespräche, Telefonate, Mails, Messages, Forenbeiträge etc., denn da schieße ich eigentlich immer weit über das Ziel hinaus mit umkalkulierbaren Folgen. Falls ich doch in die Versuchung kommen würde, wäre es für mich wahrscheinlich in Ordnung, wenn mein Partner mich darauf aufmerksam machen würde, dass ich doch bitte eine halbe Stunde warten soll, bevor ich anrufe, schreibe, maile ...

  3. #3
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Hallo liebe Maus204,

    schön dass du hier aufgetaucht bist.
    Ich war grad im Urlaub und möchte noch nachlesen, was sich hier alles getan hat seit Anfang August.

    Ich bin sicher, es wird dir hier um Forum gefallen, auch wenn du in den anderen Bereichen nicht
    schreiben kannst, lesen geht immer und wenn du dich vorgestellt hast - hier gilt seit einigen Monaten
    die Regel, dass man erst 10 Beiträge verfasst haben muss - wirst du feststellen, dass Chaoten
    ein ganz toller Haufen sein können.

    Dir alles Gute mit deinen Freund. Ich bin meinem Mann sehr früh in meinem Leben begegnet,
    aber wir hatten das Glück (manchmal war's auch nicht schön), sehr weit von unseren Eltern entfernt
    zu leben und konnten dadurch ungestört reifen. Na ja, so richtig reif sind wir auch noch nicht.

    Liebe Grüße
    Gretchen
    (mit drei ADHS-betroffenen Angehörigen)

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Danke Allesistgut und Gretchen für eure Antworten!

    So wie Allesistgut es beschreibt trifft es auch auf meinen Freund zu. Manchmal rennt er wutentbrannt aus dem Zimmer um dann ein paar Minuten später wieder deutlich gelassener zu mir zu kommen und mit mir über alles zu reden. Am Anfang habe ich mich immer ziemlich stark erschrocken wenn er auf einmal von der einen auf die andere Sekunde völlig explodierte, um dann nach ein bisschen Zeit wieder normal zu mir zu kommen. Aber langsam macht sein Verhalten immer mehr Sinn für mich.

    Wie oben geschrieben, habe ich mühsam gelernt, innerhalb einer Wutphase bzw. innerhalb der Phase des Ausklingens möglichst nicht mit meiner Umwelt zu interagieren: keine Gespräche, Telefonate, Mails, Messages, Forenbeiträge etc., denn da schieße ich eigentlich immer weit über das Ziel hinaus mit umkalkulierbaren Folgen.
    Ich gehe mal davon aus, dass du dir also immer und immer wieder ganz bewusst dein Verhalten vor Augen geführt hast um daraus die Konsequenzen zu ziehen?

    Gestern Abend gab es bei uns wieder so einen typischen Moment, in dem ich ihn einfach nicht verstehen konnte. Wir wollte miteinander schlafen, aber ich bekam Schmerzen (habe erst vor kurzem die Spirale einsetzen lassen) und sagte ihm das auch. Er frug mehrfach nach ob ich es mir nicht nur einbilde etc, er war also sehr darum bemüht dass wir auch zum "Ende" kommen sollte damit er dann auch zufrieden war. Nach 5 Minuten habe ich dann aber abgebrochen und mich an ihn gekuschelt und hätte eigentlich ein paar tröstende Worte gebraucht, weil es mir auch nicht gut damit ging dass wir abbrechen mussten. Er ließ jedoch raus hängen, dass er ziemlich angenervt davon war und verschwand dann kurzerhand auf die Toilette um es eben alleine zu Ende zu führen.

    Das hat mich in dem Moment so verletzt, dass ich angefangen habe zu weinen und nicht verstehen konnte wie er so egoistisch handeln kann, wenn ICH doch eigentlich Schmerzen habe. Als er wieder kam verstand er natürlich nicht wieso ich weine und auf einmal ist alles aus mir raus geplatzt. Ich saß also nackig, wie ein kleines Kind vor ihm, habe Rotz und Wasser geweint und ihm erklärt dass ich mich in dem Moment furchtbar allein gelassen gefühlt habe und mich ständig so sehr bemühe ihn zu verstehen und alles richtig zu machen und dass ich mir manchmal von ihm auch dafür Rücksicht oder zumindest etwas Anerkennung wünschen würde.

    Letztendlich glaube ich, dass dieser Heulausbruch eh früher oder später gekommen wäre und so konnten wir wirklich mal über alles reden. Und er hat mir auch erklärt, dass er zur Toilette gehen musste weil er in so einer Situation nicht einfach aufhören kann, egal wie sehr er sich bemüht und dass er auch lieber bei mir geblieben wäre, aber er sonst zur patzig zu mir geworden wäre, was mich nur noch mehr verletzt hätte. Und dann geht er eben lieber 2 Minuten auf Toilette um dann entspannt wieder zu kommen.

    Man man man...sowas muss man erstmal verstehen

    Was ich mich frage: Als ihr die Diagnose ADHS bekommen habt, habt ihr dann einfach weiter gelebt ohne euch zu überlegen wie ihr damit umgehen könnt oder wie ihr bestimmte Situationen besser in Griff bekommt?
    Manchmal kommt es mir so vor, als würde mein Freund zwar schon recht gut seine Situation und sein Verhalten reflektieren können, aber nur wenn eben wieder ein Streit daraus entbrannt ist und wir im Nachhinein darüber reden. Er scheint nicht zu überlegen was wir machen könnten, damit es erst gar nicht zu einem Streit kommt und ich will ihn auch nicht bedrängen und sagen "Komm wir machen jetzt ein Signal aus wenn du dein ADHS mal wieder mit dir durch geht", dann fühlt er sich bestimmt erst Recht wie jemand der sie nicht mehr alle hat

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Hallo liebe Maus,

    ja, das ist schon krass. Ich kenne das auch. Irgendwie steht mein Mann für sich auch an erster Stelle. Es geht wohl nicht anders. Und das die Antennen für des Partners Gefühle recht kurz sind, das ist hier genauso. Kuscheln oder schmusen ist ihm ein Graus. Das geht garnicht. Wir haben das auch komplett aus unserer sexuellen Beziehung ausgeklammert. Für uns beide ist das die beste Lösung. Hier gibt es nur "körperliche Zuwendung". Allerdings muss er dabei auch akzeptieren, dass ich dann nicht ganz so aus mir heraus kann, wie wenn die Gefühle mitmachen dürfen. So verzichtet jeder auf ein bißchen was und das klappt dann. Aber da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

    Mit den Wutausbrüchen habe ich mir jahrelang schwer getan. Ich bin ein absoluter Harmoniebolzen und Krach macht mich krank. Aber ich habe gelernt, dass Annäherungsversuche, wenn er noch sauer ist alles nur verschlimmern. Nach 30 Jahren weiss ich endlich, anhand welcher Anzeichen ich erkenne, wann er wieder zugänglich ist. Meist guckt er mich dann an und lächelt, wenn ich den Raum betrete. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass solche Wutausbrüche nicht nachhaltig sind. Also lasse ich sie meistens einfach vorbeigehen, wie einen Platzregen. Auch mein Mann handelt nicht während so eines Wutausbruchs. Er weiss wohl, dass er dann Entscheidungen trifft, die er später evtl. bereut.

    Ansonsten weiss er sehr zu schätzen, dass ich mir Mühe gebe ihn zu verstehen und ihn unterstütze. Allerdings bin meistens ich diejenige, die sich anpasst oder nachgibt, ganz einfach, weil ich das besser KANN. Aber in Bereichen, die mir ganz doll wichtig sind, kommt mein Mann mir auch entgegen, obwohl es ihm manchmal super schwer fällt. Und dafür liebe ich ihn.

  6. #6
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Maus204 schreibt:
    Letztendlich glaube ich, dass dieser Heulausbruch eh früher oder später gekommen wäre und so konnten wir wirklich mal über alles reden. Und er hat mir auch erklärt, dass er zur Toilette gehen musste weil er in so einer Situation nicht einfach aufhören kann, egal wie sehr er sich bemüht und dass er auch lieber bei mir geblieben wäre, aber er sonst zur patzig zu mir geworden wäre, was mich nur noch mehr verletzt hätte. Und dann geht er eben lieber 2 Minuten auf Toilette um dann entspannt wieder zu kommen.

    Was ich mich frage: Als ihr die Diagnose ADHS bekommen habt, habt ihr dann einfach weiter gelebt ohne euch zu überlegen wie ihr damit umgehen könnt oder wie ihr bestimmte Situationen besser in Griff bekommt?
    Manchmal kommt es mir so vor, als würde mein Freund zwar schon recht gut seine Situation und sein Verhalten reflektieren können, aber nur wenn eben wieder ein Streit daraus entbrannt ist und wir im Nachhinein darüber reden. Er scheint nicht zu überlegen was wir machen könnten, damit es erst gar nicht zu einem Streit kommt und ich will ihn auch nicht bedrängen und sagen "Komm wir machen jetzt ein Signal aus wenn du dein ADHS mal wieder mit dir durch geht", dann fühlt er sich bestimmt erst Recht wie jemand der sie nicht mehr alle hat
    Hallo liebe Maus ,

    als Betroffener kann ich hierzu sagen,dass ich es tatsächlich so halte,wie Du es andenkst.

    Ein Stoppsignal ist hilfreich-auch wenn ich davon nicht unbedingt begeistert bin in dem Moment.

    Mir hilft es,die Ansage kurz und präzise zu halten.
    Also z.B. "Achtung,Tonfall",oder "Missverständnis".
    Und dann,wie auch Allesistgut schreibt,Distanz für den Moment zulassen.

    Ich finde eine Sache erwähnenswert,nämlich,dass er ja nicht aus rein egoistischen Beweggründen gehandelt hat,sondern sich "rausgenommen" hat,weil er Dich nicht weiter verletzen wollte.
    Dies ist etwas anderes als das hier erwähnte Verhalten...

    Gela schreibt:
    Ich kenne das auch. Irgendwie steht mein Mann für sich auch an erster Stelle. Es geht wohl nicht anders. Und das die Antennen für des Partners Gefühle recht kurz sind, das ist hier genauso.
    Das soll absolut keine Wertung sein,es ist lediglich der Gegenüberstellung wert.

    Die Antennen sind nur im Moment des impulsiven Ausbruchs quasi "eingezogen"-aber offenbar auch nicht vollständig. Und nicht generell.

    Und hier liegt auch eine große Chance für Euch,liebe Maus,auch wenn es wohl nicht einfach sein wird.

    Ich glaube schon,dass Ihr da zusammen dran arbeiten könnt. Auch wenn unsereins oft wirklich erst nach einem "Knall" so richtig das Gewusste umsetzen kann.

    Ich wünsche Euch auf jeden Fall alles Gute und noch viele schöne gemeinsame Zeiten.

    LG v. Luftkopf

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Ja, sicher, Luftkopf, da muss ich dir recht geben. Hier hat sich Maus' Partner aus der Situation geholt, um sie zu schonen. Auch das kommt bei uns manchmal vor. Mein Mann geht dann richtig "aus", wenn er merkt, dass gleich eine Situation kommt, die uns beide überfordert. Das respektiere ich dann auch und lass ihn dann in Ruhe, wenn ich das merke. So haben wir es auch schon oft geschafft, großen Krach zu vermeiden.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Danke für eure Antworten! Ich finde es wirklich toll, dass hier im Forum versucht wird jedem zu helfen

    Kuscheln oder schmusen ist ihm ein Graus. Das geht garnicht.
    Mein Freund braucht zum Beispiel sehr viel Schmuse Einheiten und Berührungen. Für ihn sind Berührungen immer ein Zeichen, dass alles gut ist. Da muss dann auch schon einmal eine halbe Stunde gekuschelt werden, damit er weiß, dass alles im Lot ist. Am Anfang etwas nervig für mich, aber mittlerweile finde ich es schön und akzeptiere es auch.

    Also lasse ich sie meistens einfach vorbeigehen, wie einen Platzregen
    Mir fehlt bei so einem "Platzregen" leider manchmal noch die Gelassenheit, da ich mir doch noch sehr oft vor den Kopf gestossen vorkomme, weil ich nicht gleich schalte was in ihm vorgeht. Aber es klappt immer besser, dass ich einfach ruhig bleibe und mit ruhiger Stimme spreche und mich nicht in seinen Ausbruch rein ziehen lasse.
    Aber du bist mir ja auch ein paar Jährchen voraus liebe Gela Und an dir kann ich ja gut sehen, dass so eine Beziehung auch lange halten kann, das gibt mir Mut

    Mir hilft es,die Ansage kurz und präzise zu halten.
    Also z.B. "Achtung,Tonfall",oder "Missverständnis".
    Und dann,wie auch Allesistgut schreibt,Distanz für den Moment zulassen.
    Danke dass du mir schreibst was dir in so einer Situation hilft lieber Luftkopf Ich denke das ist wahrscheinlich auch der richtige Weg um angemessen und ohne großes Drama eine Streitsituation gut zu meistern. Ich werde es mal im Hinterkopf behalten für meinen Freund.

    Ich finde eine Sache erwähnenswert,nämlich,dass er ja nicht aus rein egoistischen Beweggründen gehandelt hat,sondern sich "rausgenommen" hat,weil er Dich nicht weiter verletzen wollte.
    Da hast du absolut Recht! Das habe ich noch gar nicht so betrachtet. Ich glaube mir fehlt einfach wirklich noch die Fähigkeit diese kleinen aber feinen Dinge in seinem Verhalten zu sehen, zu deuten und zu schätzen. Da sollte ich mir mehr Mühe geben Aber wenn ich so viel Glück habe wie Gela, habe ich ja noch 29 1/2 Jahre um zu lernen

    Vielen lieben Dank für die aufmunternden Worte, das bedeutet mir wirklich viel!

    Euch noch ein schönes Wochenende,

    die Maus

  9. #9
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Maus204 schreibt:
    Danke für eure Antworten! Ich finde es wirklich toll, dass hier im Forum versucht wird jedem zu helfen


    Mein Freund braucht zum Beispiel sehr viel Schmuse Einheiten und Berührungen. Für ihn sind Berührungen immer ein Zeichen, dass alles gut ist. Da muss dann auch schon einmal eine halbe Stunde gekuschelt werden, damit er weiß, dass alles im Lot ist. Am Anfang etwas nervig für mich, aber mittlerweile finde ich es schön und akzeptiere es auch.


    Mir fehlt bei so einem "Platzregen" leider manchmal noch die Gelassenheit, da ich mir doch noch sehr oft vor den Kopf gestossen vorkomme, weil ich nicht gleich schalte was in ihm vorgeht. Aber es klappt immer besser, dass ich einfach ruhig bleibe und mit ruhiger Stimme spreche und mich nicht in seinen Ausbruch rein ziehen lasse.


    Danke dass du mir schreibst was dir in so einer Situation hilft lieber Luftkopf Ich denke das ist wahrscheinlich auch der richtige Weg um angemessen und ohne großes Drama eine Streitsituation gut zu meistern. Ich werde es mal im Hinterkopf behalten für meinen Freund.


    Da hast du absolut Recht! Das habe ich noch gar nicht so betrachtet. Ich glaube mir fehlt einfach wirklich noch die Fähigkeit diese kleinen aber feinen Dinge in seinem Verhalten zu sehen, zu deuten und zu schätzen. Da sollte ich mir mehr Mühe geben Aber wenn ich so viel Glück habe wie Gela, habe ich ja noch 29 1/2 Jahre um zu lernen

    Vielen lieben Dank für die aufmunternden Worte, das bedeutet mir wirklich viel!

    Euch noch ein schönes Wochenende,

    die Maus
    Liebe Maus,

    ich gebe zu,auch ich bin bekennender Kuschler.

    Ich habe zwar öfter auch mit sensorischen Überempfindlichkeiten zu tun,und das kann dann durchaus unberechenbar wirken,wenn ich plötzlich "aua"schreie,wenn mensch mir an den Arm fasst,aber allgemein brauche ich Kontakt als "alles ok"-Signal.

    Das Du noch unsicher bist,ist völlig verständlich,ich kann mir vorstellen,es dauert eine Weile,bis man so richtig begreift "der geht jetzt nicht,weil er mich nicht respektiert und ich ihm egal bin,sondern er geht,eben weil er Respekt vor mir hat und genug Einsicht hat zu wissen,dass er mir mehr wehtun würde,wenn er bleibt".

    Auch wenn ihm in dem Augenblick die Fähigkeit fehlt,Deine Seite zu sehen,hat er sie durchaus und das wird genau hier deutlich.

    Mach Dir bloß nicht zu viele Gedanken,Du könntest irgendwie nicht schnell genug lernen,oder Dich nicht passend genug verhalten. Auch er hat eine Verantwortung für sich und das Gelingen Eurer Beziehung und versucht offenbar,dieser auch nachzukommen.

    Es hilft natürlich sehr,dass er(hab ich das jetzt richtig im Köpfchen behalten? )schon früh diagnostiziert wurde und Zeit hatte,zu üben.

    Ja,bevor ich nun endgültig anfange zu labern,auch Dir ein schönes Wochenende.


  10. #10
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: ADHS zusammen durchstehen - aber wie?

    Maus, ich find's einfach süß, wie du dich für euch einsetzt.
    Und ja, unsere Chaoten sind jede Mühe wert. Ich jedenfalls würde meinen um nix auf der Welt tauschen.

    Ich fühlte mich die ersten zig Jahre nicht sehr sicher in unserer Beziehung. Schuld waren seine heftigen Ausbrüche. Denn ich übertrug sie immer auf mich selbst. Sollte ich jemals so ausrasten, dann kann er nämlich seine Koffer packen. Deshalb hab' ich lange nicht geschnallt, dass er bei all diesen Wutausbrüchen niemals, auch nicht einmal, unsere Partnerschaft in Frage stellte. Seit ich das weiss, fühle ich mich absolut sicher und geborgen bei ihm und kann gut mit den "Platzregen" umgehen.

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