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Diskutiere im Thema Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    Idee Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Hallo liebe ADHS-Chaoten

    Wer bin ich?
    Weiblich, 43 Jahre alt und Mutter.
    Wahrscheinlich habe ich ebenfalls eine abgeschwächte Form von ad(hs). Wenn dem so ist, kann ich relativ gut damit umgehen.
    Das ist nicht der Grund warum ich hier bin.

    Es geht um meinen Sohn: 24 Jahre alt.
    Ich suche den Austausch mit Betroffenen (auch Angehörige) die mit den gleichen oder ähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. Zum einen, weil ich endlich verstehen will, was in ihm vorgeht, seine Art zu denken und zu handeln usw
    Zum Anderen, weil ich ihm ganz konkret Hilfe, zur Selbsthilfe anbieten will. (Coaching)
    Das Endziel ist natürlich, dass er von sich aus zum Arzt geht.

    Meine Fragen an euch sind:

    -Wie habt ihr erkannt, dass es so nicht weiter geht?

    -Welche Techniken wendet ihr an?

    -Was würdet ihr empfehlen?

    -Wie müsste ich mit ihm sprechen, was müsste ich sagen oder machen, damit er von sich aus erkennt: Ich habe eine Krankheit und die kann man behandeln./ oder: diese Technik probier ich mal aus usw

    - Was "geht" und was "geht" gar nicht? (Verhalten, Sprache, Ausdruck usw)



    Mein Sohn selbst hat ein qualvolle Schulzeit hinter sich:
    -Zwei Mal Klasse wiederholt und insgesamt war er auf fünf verschiedenen Schulen. Grundschule( Klasse wiederholt), Gymnasium, anderes Gymnasium, Internat, fragwürdiges Internat (Realschule), Hauptschulprüfung bestanden, Realschulprüfung durchgerasselt.
    -Die Ausbildung (drei verschieden Ausbildungsstellen) war der reinste Terror und die hat er insgesamt vier Jahre durchgehalten und zwei Monate vor Schluss hingeschmissen. Jetzt schlägt er sich mit Jobs durch und wohnt bei seiner Freundin.

    Symptome (ich schreib es jetzt mal so aus meiner Sicht):

    - akzeptiert keine Autoritätspersonen.
    Das bedeutet, dass er spätestens nach drei Monaten einen Kleinkrieg mit ausgerechnet immer den Personen anfängt, von denen er abhängig ist: Lehrer, Ausbilder, Chef usw.

    - kann sich nicht selbst organisieren.
    Das bedeutet, dass er es z.B. nicht schafft Krankmeldungen zur Krankenkasse (Schule, Arbeitgeber usw) zu schicken, obwohl er weiß, dass er danach kein Geld bekommt, gekündigt wird oder was auch immer. Selbst wenn die allerschlimmsten Konsequenzen drohen, ist er handlungsunfähig. Brief schreiben, Ausweis beantragen, sich an Regeln halten usw. geht fast gar nicht oder nur mit übermäßigem Druck.

    - mit 15 Jahren hat er Cannabis entdeckt und ist seit dem dem Kraut verfallen. (War gaaanz schlimm, ist heute sehr viel besser)
    O-Ton: “Wenn ich das Zeug rauche, fühle ich mich normal. / Alkohol vertrage ich nicht./ Ich bin nicht süchtig.“

    -Sein Selbstbild stimmt nicht mit der Realität überein. Die Anderen sind alle Schuld und er sieht sich als Opfer.

    -er hat Vermeidungsstrategien entwicklet: z.B. lügt unter Stress, dass sich buchstäblich die „Balken“ biegen.

    -er lernt nicht aus Erfahrungen, wie das normal wäre. (Verbrenne ich mir die Finger an der heissen Herdplatte, bin ich beim nächsten Mal vorsichtiger.) und macht immer wieder die gleichen „Fehler“.

    -Seine Gedanken beschreibt er folgendermaßen:
    In meinem Kopf ist eine achtspurige Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung/
    Ich weiß was die Menschen denken, bevor sie es denken und weiß lange bevor sie aussprechen oder handeln, was sie damit bezwecken.

    - er hat eine hohe soziale Intelligenz und scharrt sehr viele “Anhänger„ um sich, die dann aber aus oben genannten Gründen wieder wegbrechen.

    -er hat immer jemanden dem er hilft, den er unterstützt und den er coacht.

    - er selbst hat einen unglaublichen Wissensspeicher im Kopf und weiß zu jedem Thema fundiert Bescheid. Egal ob Politisch, Geschichte usw.

    - er hat eine Matheschwäche. Kleinste Rechenaufgaben fallen ihm schwer.

    -er hat absolut keinen Bereich, wo man sagen könnte: Das liegt ihm jetzt, oder das interessiert ihn und auch keine Ziele oder Ehrgeiz.

    - als Kind war er ein “Träumer„ und kein “Zappelphilipp„„ Er kann auch stundenlang ein Buch lesen oder sich mit sich selbst beschäftigen. (Vielleicht ist deshalb kein Arzt je auf ad(h)s gekommen??)

    -heute wippt er mit dem Fuß oder spielt mit dem Feuerzeug beim sitzen.

    -in der Uniklinik hat man aufgrund eines Testes bei ihm vor zwei Jahren ad(h)s diagnostiziert. Er selbst lehnt diese Diagnose rundheraus ab und hat sich noch einmal testen lassen und bei den Antworten manipuliert. (“Mama, ich habe kein adhs!!„) und auch Ritalin, da er nicht “abhängig„ werden will.


    Ich selbst bin eine “junge„ Mutter und habe schon in der Grundschule auf seine Defizite zuerst mit Lerndruck, Nachhilfe, Förderkurs, persönliches Coaching usw, dann mit Klassenwiederholungen, am Schluss mit einem Gehirntest und sonstwas geschleppt, mit null Ergebnis.
    Je mehr er in der “Erwachsenenwelt„ bestehen musste, desto schlimmer wurde es.
    Irgendwann habe ich gedacht:
    Er ist so! und damit überhaupt etwas ging, habe ich angefangen, alles für ihn zu machen, um ihn vor Schaden zu bewahren, weil ich wusste: Er kann es einfach nicht. (Was man mir vorwirft)
    Heute lehnt er jede Einmischung ab und ich jede finanzielle Unterstützung. Da ich der Meinung bin: Wenn jemand Verträge eingeht und sie nicht erfüllt, kann ein Dritter nicht dafür bestraft werden und wenn man nicht bereit ist zu arbeiten, hat man auch kein Geld usw.

    So, wenn ihr bis jetzt durchgehalten habt, gibt es ein ganz großes Dankeschön fürs Lesen und fürs Antworten.


    Euch wünsche ich von Herzen nur das Beste, was die Welt bereit hält.
    An jedem Tag, zu jeder Stunde und in jeder Sekunde.

    Nobbi

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 259

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Erstmal


    Hmmm irgendwie hab ich das Gefühl, du könntest meine Mutter sein, die das gerade über mich geschrieben hat. Habe so ziemlich die ganze Leidensgeschichte incl. "selbstmedikation" durch Cannabis durch.

    Ich hätte genau so weitergemacht, wie es dein Sohn auch tut, wenn mir nicht im Alter von 29 Jahren ein Sohn geschenkt worden wäre. Die ersten 3 Jahre seines Lebens konnte ich trotzdem so weitermachen, doch dann begann seine Kindergartenzeit.

    Seit dem musste ich ständig zusehen wie es ihm täglich schlechter ging und mich meine schmerzhaft verdrängte Vergangenheit einholte, in dem ich täglich sah wie er mit den gleichen Problemen wie ich sie hatte, anfing sein Leben zu zerstören.

    Das war der Punkt an dem es bei mir klick machte und ich anfing mich zu informieren, was mit mir eigentlich nicht stimmte. So dauerte es dann noch einmal 1,5 Jahre bis meine ADHS diagnostiziert wurde.

    Wäre es um mich gegangen, hätte ich das ganze vermutlich nicht auf mich genommen, aber da mein Kind bzw. Frau extrem unter der Situation leiden, habe ich es geschafft und erhoffe mir dadurch für die Zukunft eine verbesserung für die beiden.

    Sämtliche Bemühungen meiner Eltern bzw. Frau waren bis dahin genauso im Sande verlaufen, wie es bei dir der Fall zu sein scheint. Ich denke so lange er "selbst" nicht merkt das es so nicht mehr weitergehen kann, bist du machtlos etwas zu verändern.

    LG Bengatzu

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Hmmm irgendwie hab ich das Gefühl, du könntest meine Mutter sein, die das gerade über mich geschrieben hat.
    Oh jeh, du Armer. (wegen dem, was du erlebt haben musst)
    Danke, dass du mir schreibst.

    Hast du denn nie gelitten? Wegen dir selber, meine ich.

    Wäre es um mich gegangen, hätte ich das ganze vermutlich nicht auf mich genommen,
    Das hört sich an, als ob die Therapie eher eine Belastung für dich ist?
    Wie geht es dir heute?
    Bist du medikamentös eingestellt?

    Ich denke so lange er "selbst" nicht merkt das es so nicht mehr weitergehen kann, bist du machtlos etwas zu verändern.
    Ja, das habe ich tatsächlich auch eine Zeit lang gedacht. Aber als Mutter sagt man sich eben: Wo soll das enden? Wie tief kann man fallen?
    Deshalb will ich versuchen ihm Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dazu muss ich mich aber erst informieren und nicht wild darauf los den Diktator spielen.Mach dies! tu das! usw

    Ich denke so lange er "selbst" nicht merkt das es so nicht mehr weitergehen kann, bist du machtlos etwas zu verändern.
    Seltsam. Mein Mann sagt das auch immer. JEDER sagt das. Nur, da kann man bis zum Sankt Nimmerleins Tag warten und bis dahin ist das Leben und die Psyche quasi verpfuscht.

    Jedenfalls freue ich mich echt für dich und deine Familie. Glaub mir eines: Dein Sohn, auch wenn er nicht weiß was du für ihn getan hast, wird es dir danken. Einfach, indem du ihm die gleiche Lebensqual ersparst, die du erleiden musstest.
    Gaaanz lieben Gruß
    Nobbi

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Huhu Nobbi,
    du beschreibst mit jeder Silbe meinen Sohn und seine "Art". Bis auf die Cannabis-Erfahrung.
    Du hast eine gute Beobachtungsgabe und siehst deinen Sohn sehr genau. Du musst ihn sehr lieb haben.

    Bei uns hat es sich schon im Kindergarten abgezeichnet. Er wollte die anderen nicht kennen lernen, störte den Stuhlkreis, dass er jedes Mal rausflog und meinte draußen alleine wäre es schöner. Er kannte mit 3 1/2 Jahren schon die Uhr, weil er wissen wollte, wann ich komme, um ihn wieder abzuholen.
    Grundschule reinster Horror. Rechtschreibprobleme. Er akzeptierte die Lehrer nicht, war der Pausenclown, konnte sich nicht konzentrieren. Und die inkompetenten desinteressierten Lehrerinnen machten alles noch schlimmer, anstatt mich zu unterstützen. Ach ich hör auf, da kriege ich heute noch Agressionen, wenn ich nur dran denke.
    Die Notbremse habe ich gezogen, als wir für 20 Minuten Mathehausaufgaben schreiend über 4 Stunden am Schreibtisch verbrachten. Mein Sohn ist so intelligent und hätte in diesem Zustand nicht einmal die Hauptschule geschafft. Wir gingen zu einer guten Ärztin, die Diagnose ADHS wurde gestellt und nach einem guten Horrorjahr mit Strattera bekam er dann Medikinet. Von da an ging es ihm viel besser. Er beendete die Grundschule, kam aufs Gymnasium, Abitur mit 2,3 und studiert nun als einer der Besten im Semester.
    Das Gute am Medikinet ist für ihn (ich spreche jetzt nur für uns, bei jedem ist das anders), dass er es nehmen kann, wenn er es braucht. Zur Uni und zum Lernen. Dann kann er sich konzentrieren und kontrollieren. Daheim, am WE und im Urlaub nimmt er nichts. Dann ist er so wie er ist, etwas anstrengend halt, aber auch sehr liebenswert.
    Geändert von Gela (18.08.2015 um 22:13 Uhr)

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 259

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Nobbi schreibt:
    Hast du denn nie gelitten? Wegen dir selber, meine ich.
    Nur in meinem Schul/Berufsleben, Privat hatte ich 17 Jahre lang alles durch meine selbstmedikation im Griff.

    Nobbi schreibt:
    Das hört sich an, als ob die Therapie eher eine Belastung für dich ist?
    Wie geht es dir heute?
    Bist du medikamentös eingestellt?
    Hab erst seit kurzem meine Diagnose und musste erst meine selbstmedikation einstellen bzw. Blut/Urin sauber bekommen um die vorraussetzungen einer medikamentösen Behandlung zu haben.

    Meinte eher das ganze Diagnostig Prozedere, was ich als extrem anstregend empfand, da ich 17 Jahre auf vergessen gepolt war und nun alles aufarbeiten muss.

    Nobbi schreibt:
    Ja, das habe ich tatsächlich auch eine Zeit lang gedacht. Aber als Mutter sagt man sich eben: Wo soll das enden? Wie tief kann man fallen?
    Deshalb will ich versuchen ihm Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dazu muss ich mich aber erst informieren und nicht wild darauf los den Diktator spielen.Mach dies! tu das! usw
    Das wird auch gar nichts bringen. Sobald du etwas versuchst, ist sein Kopf auf negativ gepolt und du kommst an ihn bzw. seinen Kopf nicht mehr heran.

    Nobbi schreibt:
    Seltsam. Mein Mann sagt das auch immer. JEDER sagt das. Nur, da kann man bis zum Sankt Nimmerleins Tag warten und bis dahin ist das Leben und die Psyche quasi verpfuscht.
    Bis zum Sankt Nimmerleins Tag hoffentlich nicht, allerdings so lange bis es bei ihm selbst klick macht und erkennt, das er ganz unten angekommen ist.

    Nobbi schreibt:
    Jedenfalls freue ich mich echt für dich und deine Familie. Glaub mir eines: Dein Sohn, auch wenn er nicht weiß was du für ihn getan hast, wird es dir danken. Einfach, indem du ihm die gleiche Lebensqual ersparst, die du erleiden musstest.
    Gaaanz lieben Gruß
    Nobbi
    Das hoffe ich. Sind recht bald dran bei ihm. Haben nächsten Mittwoch das Erstgespräch der Diagnose für ihn (wird Ende des Jahres 5). Zudem bekommt er seit er 4 Jahre alt ist Ergotherapie.

    LG Bengatzu

  6. #6
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Die Notbremse habe ich gezogen, als wir für 20 Minuten Mathehausaufgaben schreiend über 4 Stunden am Schreibtisch verbrachten.
    Huhu Gela

    Wahnsinn, genau das Gleiche habe ich auch erlebt!!1Und noch sehr viel schlimmer. Ich kriege auch die Krise und eine Wut, wenn ich DARAN denke.
    Mensch, toll, dass du das hinbekommen hast. Vor allem für deinen Sohn.

    Du hast ihm damit so unendlich viel erspart.

    Auch Cannabis. Was für die Betroffenen, die nicht diagnostiziert sind, anscheinend wie ein Befreiungsschlag sich anfühlt.
    In meinem Bekanntenkreis gibt es mindestens drei ähnliche Fälle. Und überall heißt es: Naja die Familie, verzogene Gören, ein schwarzes Schaf gibt es immer in der Familie usw

    Ich war auch bei Ärzten, sogar in der Hirnforschungsabteilung.
    Kein Mensch hat nur im Ansatz irgendwas von ad(h)s erwähnt. Ich kann dir nicht sagen, warum und ich war nicht so selbstbewusst wie du. Wenn ich hier im Forum lese, scheint alles so klar und einfach. Das war es damals nicht. Adhs galt nur das Kind, welches extrem hyperaktiv, (Zappelhilipp eben) ist.

    Was ist denn das für ein Medikament? Medikinet.
    Ich habe jetzt öfter darüber gelesen und es scheint, als ob das wirklich gut ist? Ist das neu oder Ritalin?

    Lieben Gruß zurück
    Nobbi

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Der Wirkstoff, um den es hauptsächlich geht ist Methylphenidat. Mir sind zwei Medikamente mit diesem Wirkstoff bekannt, die für Erwachsene zugelassen sind Ritalin und Medikinet. Bei Medikinet weiss ich, dass es zwei Darreichungsformen in unterschiedlichen Dosierungen gibt. Einmal normale Tabletten und dann Retard-Kapseln, bei denen der Wirkstoff langsam über einen gewissen Zeitraum freigesetzt wird.
    Es ist offenbar so, dass obwohl beide Medikamente den gleichen Wirkstoff haben, die Wirkungsweise unterschiedlich sein kann. Letzten Endes muss man wohl schauen, welches Medikament in welcher Dosierung gut ist.
    Mein Sohn hat problemlos herausgefunden, wie er Medikinet für sich einsetzen kann und will.

    Ich hoffe, ich hab das halbwegs richtig erklärt. Sicher gibt es hier Leute, die sich da noch besser auskennen.

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.833

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Ich danke dir für deine Beschreibung, deinen Mut und deinen Willen!


    Und ich meine es echt nicht böse, aber wenn er keine Einmischung duldet, was meinst du, kannst du bewirken? - Siehst du überhaupt eine Möglichkeit, an ihn wirklich heranzukommen?


    Ich finde es aber toll, dass du dich informieren möchtest und ich würde dir gerne mehr dazu schreiben, allerdings muss ich endlich ins Bett, sonst gibt es irgendwann den Supergau für mich. Ich hoffe jedoch, dass dir jemand aus dem Forum deine Fragen beantworten kann. Die Leute hier sind wirklich toll und gute Ansprechpartner. - Ich selbst versuche in den nächsten Tagen sonst auch noch einmal darauf zurückzukommen, muss aber gestehen, dass ich eine Menge zu tun habe und ich muss diese verflixten Prioritäten einhalten, nachdem ich endlich einigermassen gelernt habe, was das ist.


    Da ich selbst Mama und auch Kind bin, möchte ich dir an dieser Stelle einfach noch einen lieben Gruss da lassen, denn deine Schilderung hat mich doch sehr bewegt!

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Richtig, für Erwachsene sind nur die Retardpräparate Medikinet adult und Ritalin adult zugelassen. Die unretardierten Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat (MPH) sind nicht für Erwachsene zugelassen, die heissen z.B. Medikinet oder Ritalin (ohne adult) oder MethyPheniDAT.

    Der Unterschied zwischen Medikinet adult und Ritalin adult ist die Art der Retardierung (verlängerte Werkstofffreisetzung) und damit auch die Länge der Wirkdauer. Wo die unretardierten z.B. 3-4h wirken, wirkt Medikinet adult meist 5-6h, und Ritalin adult 6-8h.

    Bei Medikinet adult ist die Retardierung ph-Wert abhängig. Der Wirkstoff befindet sich in kleinen Kügelchen, die auf 2 verschiedene Arten ummantelt sind. Die einen geben ihren Wirkstoff in saurem Milieu ab, da sich da der Mantel auflöst, die anderen in eher basischem Milieu. Da der Magen sauer ist, wird so die erste Hälfte des Wirkstoffes freigesetzt. Der wirkt ja unretardiert, also ohne Mantel optimalerweise 3-4h. Wenn man etwas mit festen Bestandteilen zu sich genommen hat (was bei Med. Adult wichtig ist), dann verdaut der Magen und gibt nach ca 3-4h das Signal an den Pylorus (Schliessmuskel vom Magen zum Darm) sich zu öffnen. Nun rutscht der Brei weiter in den Darm, wo die Ummantelung der noch verblieben Kügelchen sich in dem basischen Milieu des Darmes auflöst und der Wirkstoff frei wird.

    Ritalin adult ist unabhängig vom ph-Wert und somit unabhängig vom Essen. Die Retardierung benötigt hier nur Flüssigkeit, die ja in Magen und Darm genug vorhanden ist. Die einen Kügelchen sind nicht beschichtet und setzen ihren Wirkstoff sofort frei, die anderen Kügelchen sind hier so beschichtet, das der Wirkstoff sich unter einer Schicht befindet. Die Flüssigkeit bildet nun mit der Zeit ( optimaler Weise so nach 3-4h) kleine Poren in der Schicht, da sie sich anlöst, wodurch der drunterliegende Wirkstoff freigesetzt werden kann.


    Ich hoffe das war verständlich.
    Geändert von creatrice (18.08.2015 um 23:27 Uhr) Grund: Fehlerbehebung

  10. #10
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.792

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Guten Morgen Nobbi(verzeih',aber ich muss jedes mal schmunzeln ),

    um auf Deine Frage zurückzukommen:

    Ja,meine Biographie liest sich sehr ähnlich.
    Bis auf das Rauchen bestimmter Kräuter habe ich das alles ebenfalls durch.

    Zum Thema mütterliche Einmischung:

    Ja,ich habe es oft gehasst,und manchmal tue ich das auch heute noch,wenn sich irgendwer einmischt.

    Auch und vor Allem aus Scham darüber,es nicht alleine zu packen.

    Dann kamen sehr negative Erfahrungen mit "Hilfe" einer bestimmten Art hinzu und ich saß fest.

    Wären nicht einige wenige Menschen an mir dran geblieben,hätten auch durchaus mal eingegriffen(selbst im Angesicht eines erbost schimpfenden Lufti )-weiß ich nicht,ob es heute noch einen Lufti gäbe,der auch mal schimpfen kann.

    Ich glaube,viel hängt da am individuellen "Schweregrad" der ADHS-bei mir hat z.B.die Tatsache,dass ich theoretisch klug genug bin,zu erkennen,was getan werden muss und sogar,wie das geht,rein gar nichts gebracht.

    Nur die Balance zu finden stelle ich mir ganz allgemein schwer vor-wann ist es genug? Wann muss gehandelt werden?

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