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Diskutiere im Thema Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Hey Nobbi,

    wie glücklich ist er denn selbst mit seinem Leben? Wenn er selbst glücklich ist - dann ist doch alles in Ordnung...
    Wenn er selbst merkt dass er so wie es im Moment läuft nicht glücklich ist - dann wird er selbst etwas unternehmen.

    Immer mal dezente Denkanreize bieten und Unterstützung geben falls er sich entscheidet etwas zu unternehmen. Wenn meine Mutter mich zu sehr auf das Thema gedrängt hätte, hätte ich wohl "zu" gemacht... Er muss es alleine erkennen.

    lg,

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Hallo, Nobbi und herzlich willkommen im Forum.
    Ich bin selbst erst seit kurzem hier und eigentlich wegen meiner eigenen Problematik, aber dein Beitrag ging mir so zu Herzen, daß ich dazu was schreiben will. Ob meine Ratschläge was taugen, weiß ich nicht, bin ja selbst nicht sicher, ob ich das Richtige tu für meinen Sohn.
    Mein Sohn ist inzwischen 20, ich bin 11 Jahre älter als du. Bei uns gab es die Diagnose schon im Kindesalter, vom 10. bis 15. Lebensjahr war er auch mediziert mit Medikinet. Schule war trotzdem eine Qual und am Ende stand er ohne Abschluß da.

    Nobbi schreibt:
    Er ist so! und damit überhaupt etwas ging, habe ich angefangen, alles für ihn zu machen, um ihn vor Schaden zu bewahren, weil ich wusste: Er kann es einfach nicht. (Was man mir vorwirft)
    Irgendwann hab ich aufgehört, mit Leuten drüber zu reden, die ADS nicht verstehen. Das Kind hat Geschwister, dann kümmerst du dich wohl nicht genug - oder es ist Einzelkind, dann ist ja sonnenklar, daß es verhätschelt wird, u.s.w.u.s.f. Als Mutter bist du immer schuld. Pfeif drauf.

    Von den Schwierigkeiten kenn ich natürlich auch viel: den Cannabiskonsum, die Unorganisiertheit, ein Leiden an aller Ungerechtigkeit der Welt, und vor allem null Stresstoleranz. Bei den kleinsten Anforderungen dreht er am Rad. Lügen, natürlich, aber vor allem hat er mich über Jahre hinweg permanent bestohlen. Das war eine harte Nummer und brauchte viel Energie und viele Gespräche, bis er kapiert hatte, daß auch ich unter dem daraus entstandenen Mißtrauen leide und es überwinden will.

    Als er dann nach der Schule so "rumgammelte" und keine Lehrstelle fand, hab ich mich irgendwann dazu entschlossen, den Druck rauszunehmen, auch von Seiten der Familie. Vor allem dieses diffuse "der Junge muß doch irgendwas tun". Wer hätte ihn auch einstellen sollen, ich hätte es ja selbst nicht getan. Und sein Selbstwertgefühl war eh schon am Boden. Ich hatte wirklich Angst um ihn. Ich hab versucht, ihm zu vermitteln, daß ich an ihn glaube und daß er seinen Weg schon irgendwann gehen wird (tu ich wirklich). Unsere Beziehung hat es auf jeden Fall entspannt. Zur Zeit schaut er fast täglich bei mir vorbei, fragt, ob er was helfen kann. Und er kam von sich aus, daß er einen Schulabschluß machen will auf einer Fernschule. Innerlich zittere ich zwar, ob er die Kohle, die mich das kostet, in den Sand setzt, aber ich halt mich zurück.

    Jegliche Form von "Fremdbestimmung" setzt ihn noch immer enorm unter Stress. Wenn ich eine Anforderung an ihn habe, versuch ich das möglichst punktgenau einzugrenzen und zu formulieren. So funktioniert's. Gelegentlich.

    Ich wünsch dir noch viel Kraft und Geduld! Aber achte auch auf dich selbst, du darfst dich nicht bis zur Erschöpfung aufreiben, er braucht dich noch.

    Alles Liebe, Blaubeere


    Edit: und hab ich total vergessen: loben nicht vergessen!
    Geändert von Blaubeere (19.08.2015 um 14:04 Uhr)

  3. #13
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Nur in meinem Schul/Berufsleben, Privat hatte ich 17 Jahre lang alles durch meine selbstmedikation im Griff.
    Hallo Bengatzu
    Da ich weiß, wie es meinem Sohn geht, kann ich nachfühlen wie es dir gehen muss!!! und gegangen ist. Danke, dass du mir schreibst.
    Hab erst seit kurzem meine Diagnose und musste erst meine selbstmedikation einstellen bzw. Blut/Urin sauber bekommen um die vorraussetzungen einer medikamentösen Behandlung zu haben.
    hui, das ist aber schwer. Kriegst du nur eine Behandlung wenn du "sauber" bist? Warum dass denn?

    Das wird auch gar nichts bringen. Sobald du etwas versuchst, ist sein Kopf auf negativ gepolt und du kommst an ihn bzw. seinen Kopf nicht mehr heran.
    Ja, ich weiß. Aber mein zweiter Vorname ist: Stur. Nein, nein Spaß beiseite.

    Das ist mir alles sehr bewusst, sonst wäre ich nicht hier im Forum. Ich will eben wirklich verstehen lernen, was in euren Köpfen vorgeht. In deinem zum Beispiel. Das mit dieser "Selbstmedikation" hätte man dir echt ersparen können. Jetzt hast du nämlich nicht nur ein Problem, sondern zwei. Ich weiß nicht, woher du die Kraft dafür nimmst. Ängste spielen doch sicher auch eine große Rolle, oder nicht? Jedenfalls freu dich auf die Medikamente, dieses eine (Name fällt mir nicht ein) ist anscheinend echt super.

    Lieben Gruß
    Nobbi

  4. #14
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Siehst du überhaupt eine Möglichkeit, an ihn wirklich heranzukommen?
    Hallo liebe Mama ChaosQueeny

    Herzlichen Dank für das welcome
    Ich freu darauf, wenn und du mal wieder Zeit hast, schreib. Es eilt aber nicht.

    Je, ich denke, dass es Möglichkeiten gibt.
    Wenn man über ein Thema Bescheid weiß, versteht, wie die Krankheit funktioniert, was sie im Gehirn und in der Seele auslöst, dann geht man von vorne herein schon mal ganz anders mit dem Betreffenden um.
    Darum bin ich hier. Ich will verstehen lernen und vielleicht auch die ein oder andere Technik anbieten und langfristig (über fünfzig Ecken in ihm die Erkenntnis wecken, dass er noch einmal eine Diagnose macht und eventuell eine Behandlung eingeht.
    Denn der Punkt ist: Ein Mensch der von sich glaubt, dass er Gesund ist, obwohl er es nicht ist, kann auf Dauer nicht "gesund" überleben. Die Rückschläge sind einfach zu gewaltig. Das verkraftet keiner.

    Bis zum nächsten Mal alles Liebe
    Nobbi

  5. #15
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Der Wirkstoff, um den es hauptsächlich geht ist Methylphenidat.
    Der Unterschied zwischen Medikinet adult und Ritalin adult ist die Art der Retardierung (verlängerte Werkstofffreisetzung) und damit auch die Länge der Wirkdauer. Wo die unretardierten z.B. 3-4h wirken, wirkt Medikinet adult meist 5-6h, und Ritalin adult 6-8h.
    Hallo ihr zwei
    Dieses Medikinet adult muss echt super sein, so wie Gela dass beschreibt und auch viele, viele andere hier im Forum. Du hast ja schon beschrieben, wie dein Sohn sich quälen musste mit dem anderen und dass es nicht funktioniert hat. Was ist mit deinem zweiten Sohn, ist da alles gut?
    Danke für die Info.
    Liebe Grüße
    Nobbi

  6. #16
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Immer mal dezente Denkanreize bieten und Unterstützung geben falls er sich entscheidet etwas zu unternehmen.
    Hallo Gonzo83

    Ja, genau das ist der Plan und zusätzlich will ich ihm auch eine Art "Coach" sein. Vorher will ich aber erst ad(h)s und seine Auswirkungen verstehen lernen.

    Wenn er selbst glücklich ist - dann ist doch alles in Ordnung...
    Glück ist etwas anderes. Er ist ja noch nicht soweit wie du und rennt immer noch mit dem Kopf gegen die Betonmauer des Lebens.

    Wie geht es dir denn? Macht dir ad(h)s schlimme Probleme?

    Lieben Gruß
    Nobbi

  7. #17
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Von den Schwierigkeiten kenn ich natürlich auch viel
    Hallo liebe Blaubeere

    Herzlichen Dank für deine liebenswerte Begrüßung.
    Oh jeh, was du schreibst.

    Wie geht es dir denn?
    Wo wohnt er denn, dein Sohn?
    Am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen. Mache ich auch - gedanklich.

    Danke für deine Tipps. Ich nehm sie mir zu Herzen. Bei uns ist es auch besser geworden nachdem er alle!! Zelte abgebrochen hat, ein Jahr untergetaucht ist (ich war natürlich trotzdem informiert
    Mittlerweile geht es wieder. Aber seitdem habe ich mir vorgenommen: Da muss eine andere Ebene her und das funktioniert ganz gut. Ich lehne jede Art von Verantwortung ab, zeige aber, dass ich ihn gern hab und da bin und ihm helfe, aber nur wenn das von ihm aus kommt.
    Ähnlich, wie du das schreibst.
    Jegliche Form von "Fremdbestimmung" setzt ihn noch immer enorm unter Stress. Wenn ich eine Anforderung an ihn habe, versuch ich das möglichst punktgenau einzugrenzen und zu formulieren. So funktioniert's. Gelegentlich.
    Wir bleiben in Kontakt, ja?
    Lieben Gruß
    Nobbi

  8. #18
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 63

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Nobbi schreibt:
    Hallo ihr zwei
    Dieses Medikinet adult muss echt super sein, so wie Gela dass beschreibt und auch viele, viele andere hier im Forum. Du hast ja schon beschrieben, wie dein Sohn sich quälen musste mit dem anderen und dass es nicht funktioniert hat. Was ist mit deinem zweiten Sohn, ist da alles gut?
    Danke für die Info.
    Liebe Grüße
    Nobbi
    Für mein Sohn ist das Medikinet retard (jetzt adult) genau das Richtige. Aber es funktioniert auch jeder anders. Es muss nicht sein, dass es auch bei deinem Sohn damit klappt. Das muss ich leider ehrlich sagen. Aber ein Versuch ist es allemale Wert. Für meinen Sohn hat es Türen zum Leben geöffnet, die ihm vorher verschlossen waren. Und was mir persönlich am besten gefällt ist, dass er im Gegensatz zu Strattera damals, sein Wesen durch die Einnahme nicht ändert.

    Mein zweiter jüngerer Sohn ist ganz normal. Er ist sogar extrem sozial. Er musste auch schon viel zurückstecken und viel Verständnis für seinen Papa und Bruder aufbringen. Er macht das ganz toll. Ich versuche auch da immer einen Ausgleich für ihn zu schaffen. Das kriegen wir auch gut hin.

  9. #19
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.956

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Die Backwaren sind im Ofen, also nutz ich jetzt immer die paar Minuten, die ich dazwischen Zeit habe. So bleiben die Muffins hoffentlich auch ausserhalb meines Magens.


    Also ein Sache ist, dass man AD(H)Sler leichter über Lob "bekommt" als über Kritik. Wenn du dir mal vorstellst, wieviel Kritik schon ein Nichtbetroffener bekommt, dann kannst du dir in etwa vorstellen, wie viel das ist, wenn man dann noch - ich sag mal - "anders funktioniert". Bedenke dabei, dass Sachen, die Nichtbetroffen u. U. leicht fallen für einen AD(H)Sler schon eine echte Herausforderung sein können. - Aber das Lob sollte echt sein und von Herzen kommen, normalerweise haben AD(H)Sler dafür ziemlich feine Antennen und oft fällt ihnen es auch schwer das anzunehmen. Also nicht wundern, wenn die Reaktion darauf vielleicht gerade anfangs ... "komisch" ist.

    Kritik kann man sich eigentlich fast gänzlich sparen, denn die Wahrnehmung gleicht sich leider erst später der Realität an. Es ist in diesem Fall wirklich oft kein Nicht-Wollen, sondern ein Nicht-Können. Sachen werden wirklich anders wahrgenommen, das hast du ja selbst schon gemerkt. Das ist weder bosheit noch sonst ein schlechter Zug, das ist einfach ein auf AD(H)S begründetes Unvermögen, was sich lt. Barkley ungefähr mit dem 30. Jahr (wenn ich mich recht entsinne) der Realität angenähert hat und dann ungefähr übereinstimmen sollte. Auch aus diesm Grund wird einfache Kritik nicht wirklich etwas bringen, denn die Fähigkeit von Aktion und Reaktion setzt eben auch die entsprechende Wahrnehmung voraus. Und viele AD(H)Sler zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben oft wesentlich länger brauchen, damit sie aus Fehlern lernen.

    Dazu kommt - und das ist oft ein grosses Problem - das die exekutiven Fähigkeiten eingeschränkt sind. Man kann durchaus planen und erkennt auch die Folgen des Nicht-Handelns und es kann trotzdem das ganze nicht umsetzen. Offenbar - salopp gesprochen - fehlt da eine Verbindung im Gehirn, die diese Handlungsfähigkeit herstellt. Lt. Barkley ist das der Punkt, der sich auch nicht wegtherapieren lässt und bei dem dann die Medikamente ansetzen.

    Die ganzen netten Sachen bezüglich Konzentration, Ausdauer und Impulsivität, das hast du ja selbst mitbekommen. Ich glaube, dazu muss ich nicht mehr so wirklich viel sagen, oder?

    Bei den Tipps kann ich generell schon mal sagen, dass viele Sachen, die AD(H)Slern helfen auch Nichtbetroffenen helfen können, es andersherum aber nicht unbedingt funktioniert. Also hilft es nicht einem AD(H)Sler einfach ein Schema X überstülpen zu wollen, das hast du ja selbst erlebt. Oft sind diese Lösungswege recht kreativ und nicht unbedingt der übliche Weg. - Ich sammelte z. B. meine gesammten Unterlagen die so über das Jahr anfallen in einem Einkaufskorb. Das war praktisch, da da 2 A4 Seiten nebeneinander passten und das Ding konnte man bei Bedarf transportieren. Erst mit den jährlichen Steuerunterlagen wurde da dann "klar Schiff" gemacht und dann 1-2 Wochen sortiert und geheftet, was das Zeug hielt. Andere Ordnungssysteme hatten vorher hemmungslos versagt und mich ins totale Chaos gestürzt.

    Manche Sachen sind eben nicht oder nur eingeschränkt leistbar und dies zu akzeptieren steht - so fürchte ich - an erster Stelle ... ganz unabhängig von einer Diagnose. Sicherlich wäre es einfacher, wenn - plumb gesprochen - ein Arm oder Bein fehlen würde, weil dann die Einschränkung sichtbar wäre. So aber meint jeder Aussenstehende, man müsse es doch auf die Reihe bekommen ... Nein, muss man nicht, wenn man nicht kann! - Ist aber schwer, weil man von allen Seiten immer wieder sehr negativ bestürmt wird und AD(H)S immer noch nicht wirklich anerkannt ist, also geht man damit auch nicht wirklich hausieren.

    Damit kommen wir zu einigen der "Don'ts"! Keinesfalls möchte man hören, dass man das eben doch kann, wenn man sich nur genug anstrengt, nicht faul wäre oder nur den Willen dazu aufbringen würde! - Das alles sind Sachen, die man NIEMALS sagen sollte! Ich sage das so explizit deutlich, weil das unzählige Mitchaoten hier unzählige Male gehört haben. So erspare dies deinem Sohn von deiner Seite, er wird es noch von anderen Seiten oft genug hören. Die Reaktion darauf ist nur Trotz, Wut oder Aggression und keine dieser Reaktionen ist die von dir gewünschte, würde ich denken. Auch aus solchen Sachen - neben den zumeist oft erfahrenen Misserfolgen - resultiert oft ein schlechtes Selbstvertrauen. - Wo wir wieder beim Lob wären.

    Richtig ist allerdings, wenn sich ein AD(H)Sler in etwas richtig verbeisst, dann kann das ungeahnte Folgen für ihn haben. In kürzester Zeit kann er durchaus auf diesem Gebiet sehr viel Wissen oder auch Fähig- und Fertigkeiten erwerben. Ich sage aber ausdrücklich kann und nicht muss. Interessen gestützte Gebiete sind aber doch deutlich im Vorteil. Einzeln nennt man so was gerne auch Hyperfokus. Dennoch besteht dabei auch immer die grosse Gefahr, dass halt alles andere hinten ab fällt und deutlich zu kurz kommt, denn für gewöhnlich gibt es oft nur schwarz oder weiss und keine Grauzonen. Dies ist auch durchaus im Gefühlsleben oft merkbar.

    Da AD(H)Sler für gewöhnlich ein Problem mit der Selbstmotivierung haben, fallen ungeliebte Sachen ebenfalls oft hinten runter. Der Schweinehund wächst oft rasend schnell in ungeahnte Höhen. Die Problematik sitzt aber oft tiefer. Manchmal weiss man nicht, wie man die Sache am besten angeht, manchmal ist es einfach zu viel oder manchmal ist die Sache auch schlicht nicht leistbar - auch wenn sie für einen Nichtbetroffenen eher "Pillepalle" ist. Die Gründe können vielschichtig sein, aber niemals ist es einfach nur Faulheit. Ein fauler Mensch würde sich darüber freuen, sich vor einer Aufgabe gedrück zu haben, rein um der Arbeit willen - das tut der AD(H)Sler für gewöhnlich nicht. Viel öfter hadert der Betroffene mit sich selbst und (wenn die Wahrnehmung noch nicht so weit ist) auch mit der Umwelt und den Umständen. Nicht immer ist das sichtbar, das sollte man dabei bedenken, denn die Gedankenwelt spielt sich ja oft im Verborgenen ab, aber auch Reaktionen wie (ungerechtfertigte) Wut oder Aggression ist durchaus denkbar.

    Wie sollte also der Mensch sein, der sich in die Nähe eines AD(H)Slers begibt? Hört sich an, als wären wir Unmenschen, sind wir aber gar nicht. Zumeist sind wir durchaus nette, höfliche, intelligente, liebenswerte und auch humorige Menschen ... Aber wer so nahe dran ist, ist normalerweise auch leichter verletzbar und das sollte man berücksichtigen - beiderseits.

    Aber dennoch sollte der Nichtbetroffene, der so nah dran ist, sicherlich ein dickeres Fell haben und sich bitte nicht jeden Schuh anziehen. Humor kann eine Menge abbiegen, wenn man nicht genau auf die Schwachstellen zielt oder Sachen ins Lächerliche zieht. Aber Lachen entspannt und reduziert den Stress, von daher ist es immer eine gute Wahl. Dennoch sollte auch deutlich gemacht werden, wo die Grenze ist, die nicht überschritten werden soll und dieser Respekt sollte auch eingefordert werden.

    Ich könnte jetzt noch was über Struktur usw. usf. ... aber ich glaube, das ist jetzt schon ziemlich lang geworden und auch wenn es eher allgemeingültig ist, trifft natürlich nicht alles auf jeden AD(H)Sler zu, denn jeder Mensch ist ein Individuum und das ist gut so. Und auch wenn es sich teilweise doch schimm(er) anhört, so hat jeder Mensch Schwächen, aber auch Stärken - manchmal braucht man nur länger, bis man sie entdeckt hat und ich bin mir sicher, dass dein Sohn auch seine Stärken hat!

    Da ich nun wieder hier gebraucht werde jetzt also nur noch kurz eine Bitte an dich:
    Pass auf dich auf und reib dich bitte nicht auf! Ich glaube, ich weiss, wie das ist, wenn man für sein Kind nur das Beste möchte ... Aber vergiss darüber dich nicht, denn wenn es dir nicht gut geht, dann hat keiner was davon!



    Und nur mal so nebenbei ... Ich halte dich für eine s..starke Nichtbetroffene!

  10. #20
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Nobbi: Eine Mutter auf der Suche nach Anregungen, Austausch und Tipps

    Liebe ChaosQueeny

    Heeeeerzlichen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.
    Wow, du backst Muffins?
    hmhm lecker.

    Manche Sachen sind eben nicht oder nur eingeschränkt leistbar und dies zu akzeptieren steht - so fürchte ich - an erster Stelle ... ganz unabhängig von einer Diagnose. Sicherlich wäre es einfacher, wenn - plumb gesprochen - ein Arm oder Bein fehlen würde, weil dann die Einschränkung sichtbar wäre. So aber meint jeder Aussenstehende, man müsse es doch auf die Reihe bekommen .
    Ja, bei manchen kann man reden wie man will. Selbst wenn sie es schwarz auf weiß sehen, glauben sie die Diagnose nicht und das Verhalten tatsächlich als "faul" ab.
    Ich denken, dass mein Sohn auch ein "Mann" sein will und deshalb vielleicht nicht offen ist. Wer weiß, ob das nicht in seinen Augen ein Schwäche ist, die er vor sich und gegenüber anderen nicht eingestehen will.

    Du hast eine Verdachtsdiagnose, bist aber noch nicht medikamentös eingestellt?

    Das mit dem Loben stimmt total. Ich mach das auch, bei allen Sachen die man ernsthaft loben kann - also ehrlich gemeint ist.

    Ich frage mich nur, wenn so gar nichts möglich ist, also "lebenstechnisch", zum Beispiel (Termine, Schreibkram usw) und man sich selbst etwas vormacht, aber trotzdem immer wieder diese Misserfolge erlebt.

    Was würdest du dann raten?
    Einen fremden unabhängigen Coach? Jemand mit dem der Betroffene einmal in der Woche gemeinsam den Schreibkram erledigt?
    Öfter wurde mir geraten, man soll abwarten, bis es in seinem Kopf "klick" macht. Aber das wird nicht passieren. Denn er hat den Bodensatz kennen gelernt und da hat gar nichts "klick" gemacht. Ich denke, dass da tatsächlich ein paar Ampeln auf rot stehen und ohne Medikamente wird sich wahrscheinlich nichts ändern.

    Lieben Gruß
    Nobbi

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