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Diskutiere im Thema Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #21
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    Es gibt doch Hilfen auch für Selbstständige Schwerbehinderte. Es gibt die Arbeitsassistenz. Trotzdem sollte man aber nicht vergessen, das mit Therapie und anderen Maßnahmen in vielen Fällen auch ein Leben als Selbstständiger ADHSler möglich ist.

    Wenige hier haben diese starken Defizite, das man davon sprechen kann, das sie die Organisation etc. wirklich nicht hinbekommen, auch nicht mit den derzeitigen medizinischen Hilfen. Diese haben dann aber auch ganz andere Lebensläufe. Und diejenigen haben auch den Anspruch auf staatliche Hilfen.

  2. #22
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    creatrice schreibt:
    Es gibt doch Hilfen auch für Selbstständige Schwerbehinderte. Es gibt die Arbeitsassistenz.
    Das stimmt natürlich.
    Ich verfalle gerne in die Schwarz-Weiß-Schilderung, aber ich gehe auch immer davon aus, dass die Leser wissen, dass wir hier von einer Spektrumsstörung schreiben, und die geht ja "von-bis".

    Wobei ich da einschränken muss, dass es schwer ist, mit "nur" einer ADHS ("nur" im Sinne von auschließlich) eine Schwerbehinderung anerkannt zu bekommen, zumindest in einigen Bundesländern.

    creatrice schreibt:
    Trotzdem sollte man aber nicht vergessen, das mit Therapie und anderen Maßnahmen in vielen Fällen auch ein Leben als Selbstständiger ADHSler möglich ist.

    Wenige hier haben diese starken Defizite, das man davon sprechen kann, das sie die Organisation etc. wirklich nicht hinbekommen, auch nicht mit den derzeitigen medizinischen Hilfen.
    Da stimme ich na klar auch zu .
    Wir müssen immer die Schweregrade bedenken und eben, dass wir es mit einem Spektrum zu tun haben.

    Dennoch würde ich auch hier ein wenig einschränken, denn leicht oder schwer betroffen, die Grundlage ist die gleiche und die wirksamste Therapie, bzw. das wirksamste Coaching nimmt auf die vorhandenen Beeinträchtigungen Rücksicht, auch darauf, dass einige Dinge einfach nicht erlernt werden können.

    Da mag ich gern mal ein Beispiel von "meinem" Coach geben.

    Ich sag ja, dass ich den besten ADHS-Coach habe, der mir überhaupt je hätte passieren können .
    Und das ist meine Frau .

    Und das war sie schon, bevor wir überhaupt wussten, womit wir es zu tun haben.

    Zunächst mal war sie der erste und einzige Mensch überhaupt, der mich einfach so genommen hat, wie ich bin und mir keine Vorhaltungen gemacht hat und auch nie gedacht hat, dass ich mich nur immer rausreden will, faul wäre und und und ... die ganze typische Pallette der Sprüche, die ich bis dahin mein Leben lang gehört habe, kamen niemals von ihrer Seite.
    Und ich kann echt anstrengend sein mit meiner Zerstreutheit und Vergesslichkeit und alldem anderen ADHS-(und ASS-) Kram ...

    Aber sie hat zwei wichtige Dinge von Anfang nie gemacht:
    1.: Sie hat mir das nie vorgeworfen, sondern irgendwie erkannt, dass ich das schon will, auch wusste, aber einfach nicht hinbekommen habe, ich war und bin halt der zerstreute Professor...Nicht ändern oder "abgewöhnen" etc, ... mit dem vorhandenen arbeiten und es managen.

    2.: Sie hat mich nicht aus der Verantwortung genommen.

    Was unter 2. so banal klingt, ist elementar wichtig und, wie ich finde, ein Kernstück eines guten ADHS-Coachings/ -Managements.

    Man könnt ja auch sagen, "Komm lass es, das kriegste eh' nicht hin, wenns klappen soll und ich mich drauf verlassen muss, dann mach ich das lieber selber und Du lässt die Finger davon"
    In meinen Augen ein ganz übler Fehler, denn was zurück bleibt ist ein Mensch, der sich absolut unfähig und wertlos fühlt.

    Und man könnte mit den üblichen Sprüchen und "Hilfestellungen" kommen, die letztlich doch wieder im Frust enden, denn spätestens wenn ich es alleine machen sollte, gehts wieder schief.

    Das Beispiel:
    Auch ich war mal selbständig.
    Womit ich aber überhaupt nicht zurechtkam, na klar, war der ganze Bürokram.
    Meine Frau ist gelernte Bürokauffrau, aber sie hatte einen Vollzeitjob und konnte das nicht alles mit übernehmen, was ich auch nicht wollte.
    Sie hat zwar viel gemacht, aber sie wollte auch mich nicht aus der Verantwortung/ Pflicht/ Mitwirkung nehmen.

    Ich war und bin aber schlicht nicht in der Lage, z.B. Unterlagen jeglicher Art richtig abzuheften.
    Ich kann machen was ich will, am Ende habe ich irgendwas falsch abgeheftet, und wenn ich es 20 mal kontrolliert habe.
    Wenn ich diese Aufgabe übernehme, bedeutet das auf jeden Fall doppelte Arbeit, denn sie müsste es kontrollieren.

    Was ich aber kann ist, eine Art "Vorablage" zu managen.

    Meine Exekutiven Funktionen reichen nicht weit genug, um eine "komplexe" Struktur zu überschauen und in ihr zurecht zu kommen.
    Das ist typisch für ADHS.
    Sehr wohl aber kann ich in einfacheren Strukturen etwas bewirken.

    So hat meine Frau also einige spezielle Ablagen eingerichtet, in denen der tägliche Papierkram abgelegt und vorsortiert werden konnte, ohne dass ich die einzelnen Dokumente in den verschiedenen Ordnern, den Unterkategorien und der alphabetischen Reihenfolge einsortieren musste.

    So konnte ich meinen Teil dazu beitragen, fühlte mich wenigstens ein bisschen hilfreich und habe ihr auch etwas an Arbeit und Zeit abnehmen können.

    Das sind diese kleinen Krücken, die ich meine.
    Wenn etwas zu komplex ist, dass man es mit seinen Beeinträchtigungen nicht überblicken kann, wird es aufgespalten, sofern möglich.

    Und wenn es wegsortiert wird, dann macht sie das nicht einfach, sondern sie macht es mit mir zusammen, fragt mich, wo ich etwas und wie und warum abheften soll usw.

    Letztenendes war die Selbständigkeit aber dennoch nichts für mich, denn am Ende war ich gnadenlos überfordert, aber das ist eine andere Geschichte.
    Eine externe Hilfe wäre gewiss gut gewesen, aber die muss man auch bezahlen und das muss man erwirtschaften und das funktionierte eben alles nicht.

    Wie schon gesagt, das ist vom Schweregrad abhängig.
    Aber andererseits müssen wir auch erkennen, dass allein schon die Diagnose als solche erst gestellt wird/ werden darf, wenn auch ausreichend schwerwiegende Beeinträchtigungen vorhanden sind, die sie rechtfertigen.



    Das Planen und Ausführen von mehreren, auf ein Ziel ausgerichteten Arbeitsschritten gehört zu den EF und zu den Bereichen, die bei uns beeinträchtigt sind.
    Während wir in einfacheren Strukturen noch zurecht kommen, gehen uns schnell die Lampen aus, wenn es komplexer wird.

    Wenn ich Geld zur Bank bringen muss, dann bedarf es dazu mehrerer Arbeitschritte.
    Ich muss die Geldkassettenehmen, sie öffnen, das Geld reinlegen, sie schließen und abschließen, sie nehmen und zur bak bringen, sie abgeben etc.
    Dazu muss ich alle Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge ausführen.
    Es bedarf also einer Struktur und einer Planung und eines funktionierenden Arbeitsgedächtnisses.
    Je komplexer das ist, desto schwieriger wird es für uns, das zu überblicken (während andere noch lächelnm, weil sie das problemlos hinbekommen).

    Ein Coach hilft uns dabei, indem er die einzelnen Arbeitsabläufe zerlegt, aufteilt, so dass wir sie abarbeiten können.
    Uns wird die Arbeit nicht abgenommen, sie wird in für uns realisier- und überschaubare Teilstücke zerlegt .


    So, ... das war jetzt wohl wieder viel zu viel Text ... Fliegerlein'sches Monsterposting
    Geändert von Fliegerlein (16.05.2015 um 09:38 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  3. #23


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 6.154

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    Das hast du sehr gut beschrieben Fliegerlein.
    Fliegerlein schreibt:
    Zunächst mal war sie der erste und einzige Mensch überhaupt, der mich einfach so genommen hat, wie ich bin und mir eine Vorhaltungen gemacht hat und auch nie gedacht hat, dass ich mich nur immer rausreden will, faul wäre und und und ... die ganze typische Pallette der Sprüche, die ich bis dahin mein Leben lang gehört habe, kamen niemals von ihrer Seite.
    Und ich kann echt anstrengend sein mit meiner Zerstreutheit und Vergesslichkeit .....

    Aber sie hat zwei wichtige Dinge von Anfang nie gemacht:
    1.: Sie hat mir das nie vorgeworfen, sondern irgendwie erkannt, dass ich das schon will, auch wusste, aber einfach nicht hinbekommen habe, ich war und bin halt der zerstreute Professor...

    2.: Sie hat mich nicht aus der Verantwortung genommen.

    Was unter 2. so banal klingt, ist elementar wichtig und, wie ich finde, ein Kernstück eines guten ADHS-Coachings/ -Managements.
    Genau so ist mein Mann auch.
    In so fern hat er mich auch passiv gecoacht.
    Aber später als ich die Diagnose bekommen habe, und Strategien erarbeitet habe, brauchte ich doch jemand extern.
    Bei uns in der Schweiz gibt es einen abulanten Pflegedienst für spitalexterne psychiatrische Pflege (Spitex).
    Da ich eine Erschöpfungsdepression bekommen habe, verschrieb mir meine Ärztin diese Spitex-Pflege
    Mir ihr habe ich dann an den Strategien gearbeitet, zusätzlich zur Therapie bei meiner Psychiaterin.
    Mein Mann hat mich dann weiterhin unterstützt und war froh, nun auch eine Erklärung für meine "besondere Art" zu haben.

  4. #24
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    Fliegerlein schreibt:

    Warum nicht für Selbständige?
    Ist mir ein Rätsel.
    Da wir auch einfach nur vorausgesetzt, dass man ja bitteschön ein erwachsene Mensch sei, der seine Bücher führen können muss, sonst at er sich gefälligst nicht selbständig zu machen.
    Find ich ganz schön fies und eine vorsätzliche Benachteilung von Menschen mit Beeinträchtigungen.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Ich weiß es nicht genau, aber ich schätze mal, weil es noch niemand geschafft oder versucht hat, entsprechende Gesetze auf den Weg zu bringen. Ich habe mal im Netz gesucht und scheinbar gibt es auch Verbände für erwachsene Betroffene, aber ich habe wenig über konkrete Forderungen an die Politik gefunden.

    Es ist auch sehr schade, weil damit unserem Land viel Kreativität und Innovation verloren geht. Wenn ca. 4 % der Erwachsenen betroffen sind, müsste es ja eigentlich eine sehr hohe Zahl von betroffenen Menschen im Alter zwischen Schule und Rente geben, also quasi im "berufsfähigen" Alter. Vermutlich könnte mit entsprechender Förderung oder einem Nachteilsausgleich ein hoher volkswirtschafticher Vorteil entstehen.

  5. #25
    hästkrake

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 766

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    Hi Sammy,
    liest du das noch? Was ist aus deiner Coaching-Ausbildung geworden? Schon angefangen?
    mich treibt gerade dieselbe Idee um. Aus der Not heraus, dass es in meiner Umgebung nichts für mich in der Richtung gibt. Da liegt für mich der Gedanke "mach ichs halt selber" nahe.

    Eigentlich hätte ich gerne ein Berufscoaching, wie bei Chr. Beerwerth beschrieben. Tja, woher nehmen, wenns nicht mal zu stehlen ist?

    Coaching bedeutet für mich übrigens, dass mir jemand hilft, meine Strukturen so einzurichten, dass sie für mich passen. Eine durchschnittliche Bürostruktur kann ich nicht bedienen. Wie muss sie für mich persönlich aussehen? Dass will ich herausfinden.
    einen Arbeitsplatz zu finden, an dem ich gut und zufrieden arbeiten kann, der meinem Energiehaushalt entspricht.
    dass ich meine Stärken entwickeln kann. Ich erwarte mir von einem Coaching mehr Selbständigkeit, nicht weniger Verantwortung.

    Ob ob ich eine Coaching-Ausbildung in dieser Weise für mich nutzbar machen kann?

    @ Fliegenpilzie Zitate von Barkley... genial!!!

  6. #26
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 43

    AW: Tipps für Ausbildung zum ADHS-Coach

    Der satz, den Pucki als triggernd hervorgehoben hat, lässt mich auch wachsam werden:


    dass man sich zurechtfindet.




    genau das hat mich auch sofort irritiert, weil ich auch wenn ich etwas ordentlich machen, zurechtfinden ist wieder was anderes,mich hat dieser Absatz
    irritiert, und macht es immer wieder wenn ich ihn lese, das hat vielleicht auch damit zu tun, das ich alles perfekt machen will, was ja nie klappt, glaube bin nicht
    der einzige dem es so geht...
    jemand der NICHT ADS hat tut sich damit schwer es zu verstehen... glaube ich halt

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