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Diskutiere im Thema Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Erstmal vorweg, mir geht es nicht um eine Auflistung negativer Eigenschaften oder Ähnlichem und mir ist auch bewusst das ADHS nicht die Antwort für alle Probleme ist...

    Ich möchte euch "meine/unsere Geschichte" erzählen damit ihr im Vornherein wisst wo die Problematik liegt und mir vielleicht ein paar Tipps geben könnt, genauso freue ich mich auch über einen Erfahrungsaustausch...

    Ich bin seit einem Jahr und neun Monaten mit meinem Partner zusammen. Als wir uns kennenlernten war er total euphorisch und er war sich sofort 100%ig sicher das ich die Frau seines Lebens bin, was mich auch total gefreut aber gleichzeitig auch ein wenig verunsichert hat aber ich beschloss, es einfach zu genießen da ich ähnlich fühlte und es für mich auch wie "Liebe auf den ersten Blick" war.

    Nach ein paar Tagen kam er auf die Idee das er zu mir ziehen will weil wir sonst, beruflich- und entfernungsbedingt, kaum Zeit füreinander hätten. Genau genommen hatte er damit auch Recht... ich arbeitete tagsüber und er nachts und uns trennten 80 km voneinander. Deshalb ließ ich mich auf dieses "Wagnis" ein denn schließlich wollte ich mit ihm zusammen sein und so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen. Also zog er ein paar Tage später bei mir ein. Wozu ich aber auch heute sagen muss, dass es absolut kein Fehler war.

    Schon nach ein paar Tagen fiehl mir auf das schon Kleinigkeiten ausreichten um ihn völlig aus der Fassung zu bringen. Ich entschuldigte das mit dem Stress den er zu der Zeit an seiner Arbeit hatte. Jedoch wurde das mit der Zeit immer schlimmer... schon ein falscher Ton, ein falsches Wort oder ein falscher Blick von mir reichte für ihn aus um vollkommen auszurasten und mich wie von Sinnen anzuschreien. Ich verstand die Welt nicht mehr... eine Zeit lang habe ich mich kaum noch getraut ihn anzuschauen oder anzusprechen, hatte vollkommen mein Lachen verloren und war am verzweifeln weil ich einfach nicht wusste was ich falsch mache.

    Seine Messlatte lag so dermaßen hoch das ich ihm nichts rechtmachen konnte, egal was ich sagte oder machte war in seinen Augen absolut falsch.
    Dazu kam dann noch seine fast schon grenzenlose Eifersucht... mich durfte noch nicht mal jemand auf der Straße im Vorbeigehen unbewusst ansehen
    ohne das er ausflippte. Aber nicht der Person gegenüber sondern mir gegenüber. Mich durfte kein Mann anschauen, ich durfte mit niemandem schreiben oder sonst irgendwie in Kontakt treten da er jedes männliche Wesen als potenzielle Gefahr ansah.

    Irgendwann hatte das Ganze seinen absoluten Höhepunkt erreicht sodass ich allen Mut zusammen nahm und ihn in einem ruhigen Moment mit diesen ganzen Dingen konfrontierte und ihm klar machte das ich das nicht mehr länger ertrage und das sich was ändern muss da ich die Beziehung sonst beende.
    Er ging nicht großartig darauf ein und rettete sich aus dieser Situation.

    Mit der Zeit wurde es dann besser aber eine Erklärung warum er so war hatte ich immer noch nicht und seine Ausraster aus heiterem Himmel nahmen auch nicht ab und nach und nach bekam ich Angst vor ihm... zumindest in diesen Situationen.
    Seine krassen Stimmungsschwankungen machten mir sehr zu schaffen und ich hatte langsam die Vermutung das das doch keine Phase oder so etwas war sondern das da mehr dahinter stecken musste. Er sagte jedoch immer nur "ich bin halt so".

    Irgendwann erklärte er mir das er mit seinen Ex-Freundinnen viele negative Erfahrungen gemacht hat, das er für andere immer der Schuldige für alles war und immer gemobbt wurde und er deshalb mit dem "Der lautere und aggressivere gewinnt"-Prinzip aufgewachsen ist. Und auch das er nicht glauben kann das ihn jemand wirklich liebt und akzeptiert.

    Er fühlt sich grundsätzlich von allem und jedem angegriffen und glaubt ständig das ich ihm Vorwürfe mache sobald ich irgendetwas sage. Das macht die Kommunikation natürlich recht schwierig... er kann auch nichts positives von mir annehmen...

    Ein Beispiel:
    Ich wollte ihm eine Freude machen und habe bei einer Fotografin schöne Bilder von mir machen lassen. Als ich sie ihm zeigen wollte flippte er vollkommen aus und warf mir vor das ich die Fotos für einen anderen Mann hätte machen lassen und nicht für ihn, denn für ihn würde eine Frau sowas nicht tun. Er hat da auch gar nicht weiter mit sich reden lassen.

    Das Ganze ging immer so weiter... aber da ich ihn nach wie vor mehr liebe als alles andere auf der Welt, hielt/halte ich durch...

    Nach seinem letzten richtig schlimmen Ausraster vor 2 Wochen (wieder wegen einer kleinen Lapalie... er hatte bei einem Versandhaus etwas bestellt und die Lieferzeit verlängerte sich um ein paar Tage) bei dem ich wirklich dachte "gleich schlägt er zu" fing ich wie so oft wieder an an mir zu zweifeln ("bin ich vielleicht einfach nicht die Richtige für ihn?", "was mache ich falsch?" usw.) aber ich überlegte auch noch weiter... durch Zufall unterhielt ich mich mit seiner Oma darüber und erzählte ihr von seinem letzten Ausraster, worauf sie nur meinte "Heilige Welt, das ist ja wieder wie früher als er noch ein Kind war, als er mit seinem ADHS zu kämpfen hatte!"
    Ich wusste nur vom Hören-Sagen das es das gibt, wusste aber nicht was das genau ist also fing ich an zu googlen...

    Es war erschreckend diese ganzen "Symptome" zu lesen die absolut 1:1 auf ihn zutrafen, das war als würde ihn jemand beschreiben.
    Danach habe ich versucht das Thema anzusprechen... ganz vorsichtig natürlich... zuerst reagierte er recht gelassen und meinte nur das es stimmt, dass bei ihm als Kind ADHS diagnostiziert wurde. Auf die Frage hin ob er deswegen damals in Behandlung war sagte er "wegen sowas muss man nicht behandelt werden, damit muss man einfach leben und ich habe auch in Zukunft nicht vor irgendwas dagegen zu tun... das bringt doch eh alles nichts".

    Und nun stehe ich an dem Punkt an dem ich sagen muss, ich verstehe ihn jetzt zwar ein kleines bißchen besser aber ich weiß nicht ob ich das auf die nächsten Jahre gesehen weiter durchhalte... die Aggressivität, die Uneinsichtigkeit, die krassen Stimmungsschwankungen usw...
    vorallem da ich nun seit einigen Monaten selbst an Depressionen leide...

    Habt ihr vielleicht ein paar Tipps wie ich mit dem Ganzen umgehen kann/sollte/muss? Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Ach herje, das sind ziemlich heftige Schilderungen.
    Mich erinert das sehr an meinen Exfreund, der hatte allerdings kein AD(H)S - zumindest war das nicht bekannt aber er verhielt sich zu 100% wie du beschreibst.
    Seine Eltern und ich dachten damals eher an Psychosen (er war stark Drogenabhängig - kiffen und seine Mutter war Psychologin).

    Damals ging das so weit, bis die Gewalt gegen mich ging und ich stellte ihm mit seiner Mutter das Ultimatium, dass er sich sofort helfen lassen muss oder ich müsste mich trennen (zum Selbstschutz).
    Ich finde sowas kannst du durchaus auch von deinem Freund verlangen.
    Nun habe ich selbst schon gemerkt (mein aktueller Freund hat ADS), dass es nicht immer einfach ist solche Dinge klar zu fordern oder zu formulieren weil vieles einfach immer falsch ankommt.
    Aber ich würde dir dringend dazu raten mit ihm über Hilfe zu reden.
    Mein aktueller Freund geht zum Psychater und bekommt Medikamente - die Diagnose hat er noch nicht lange (er ist jetzt Mitte 20) und er arbeitet sehr viel an sich und reflektiert sein Verhalten.
    Ich weiß, dass er das vor der Diagnose nicht tat.
    Vielleicht tut es deinem Freund ja auch gut mit einem Arzt darübe rzu sprechen und gesagt zu bekommen, dass das alles normal ist was er hat und wie er sich verhält.
    Aber eben auch, dass er sich überlegen muss wie er damit umgeht.

    Erzähle ihm doch einfach von einer fiktiven ehemaligen Schulfreundin die das auch hatte und sich helfen lassen hat.
    Das wäre zwar nicht ganz die Wahrheit aber über so eine kleine Notlüge bringst du ihn vielleicht nicht in eine doofe Situation.

    Ich habe immer das Gefühl, dass die Unsicherheit dann gewinnt. Wenn man mit Problemem o.Ä. konfrontiert wird mein Freund immer wahnsinnig unsicher und stellt aufeinmal alles in Frage - nur weil ich ggf. mal was angesprochen habe.
    So hat man ein Gerüst.

    Du musst definitiv mit ihm sprechen!!
    Ich habe damals in dieser anderen Beziehung auf Depressionen bekommen und das war definitiv seinem Verhalten und meinem Umgang damit geschuldet!

    Du solltest deine Bedürfnisse nicht vergessen!

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.955

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    broken_wings schreibt:
    ... durch Zufall unterhielt ich mich mit seiner Oma darüber und erzählte ihr von seinem letzten Ausraster, worauf sie nur meinte "Heilige Welt, das ist ja wieder wie früher als er noch ein Kind war, als er mit seinem ADHS zu kämpfen hatte!"
    ....
    Auf die Frage hin ob er deswegen damals in Behandlung war sagte er "wegen sowas muss man nicht behandelt werden, damit muss man einfach leben und ich habe auch in Zukunft nicht vor irgendwas dagegen zu tun... das bringt doch eh alles nichts".
    Eigentlich hast du da schon deine Antwort. Wenn er sich nicht wirklich helfen lassen will und nicht zumindest alleine an sich arbeitet, dann wird sich auch nichts ändern. Erfahrungsgemäss kommen beim Älterwerden eher noch weitere Probleme und Begleiterkrankungen dazu bei unbehandeltem AD(H)S. - Ist die Frage, ob du das wirklich weiter aushalten willst und wenn ja, wie lange du das schaffst und wie lange es dann dauert, bis zu zusammen brichst?

    Ich kann auch nur dringend raten darüber noch einmal das Gespräch zu suchen. Vielleicht haben andere hier auch noch weitere Ansatz-Ideen (mir fällt da im Moment nichts weiter zu ein - tut mir leid), aber den o. g. fand ich schon nicht schlecht. Sollte sich daraus wirklich nichts ergeben, dann kann ich dir nur raten, deine Haut zu retten, so lange du noch kannst.

    Ich habe jetzt leider keine Zeit mehr, weil ich los muss. Aber wenn du möchtest, dann gerne später mehr ...

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Natürlich kann man behandelt werden, das hast du ja sicher inzwischen bei deinen Recherchen nachgelesen. Bei uns war es so, dass gerade die Aggression unter den Medikamenten abgenommen hat.

    Ich kenne aber eine "Therapie-Müdigkeit" auch von meinem Mann. Nach der Diagnose (ist schon einige Jahre her) hat er sehr intensiv an dem Thema gearbeitet mit Verhaltenstherapie und auch einem Coach. Aber das ist alles sehr, sehr mühsam, kostet Kraft und die Erfolge kamen nur in sehr kleinen Schritten. Die Medikamente haben Nebenwirkungen und hatten für die Konzentrationsfähigkeit fast gar keinen Effekt. Die Ärztin und der Coach haben im Rahmen der Therapie von viel ihm gefordert und irgendwann hatte er die Nase voll.

    Wenn du merkst, dass er wütend wird, am besten aus der Situation raus gehen. Du kommst dann mit Argumenten überhaupt nicht mehr weiter. Ich schaffe das auch nicht immer und steige auch oft genug in eine Diskussion ein, leider. Es ist aber wirklich besser zu sagen: lass uns das später noch einmal besprechen. In einer ruhigen Minute kannst du das fest mit ihm vereinbaren, dass jeder das Recht hat, einen Streit sofort zu unterbrechen und dafür vielleicht einen bestimmten "neutralen" Satz zu vereinbaren. Also ein Satz ohne Vorwürfe wie: immer machst du das und das usw. Das hat uns der Coach damals geraten.

    Du wirst viel Verständnis brauchen. Ich persönlich würde allerdings eine ganz klare Grenze da ziehen, wo du Angst vor körperlicher Gewalt hast. Gerade wenn du selbst psychisch angeschlagen bist, da musst du dich selbst schützen und auf deine mentale Gesundheit aufpassen.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Ich als Kerl mit ADHS, der auch schon in schwierigen Beziehungen gesteckt habe, kann dazu nur eins sagen:

    Dieser Umschwung von total begeistert zu völlig frustriert ist typisch. Menschen mit ADHS erleben Gefühlsschwankungen meist sehr stark.

    Wenn er nicht an sich arbeiten will, obwohl er seinen Frust auf dir ablädt und nicht auf deine Bedürfnisse eingeht, dann solltest du dich auch nicht abmühen, es bringt nichts.
    Wenn du mit ihm zusammenbleibst, in der Hoffnung, dass er sich ändert oder von selbst in den Griff kriegt, dann wirst du nicht glücklich, denn er wird sich nicht ändern, solange er durchkommt.
    Nur wenn er begreift, dass es nicht an den Frauen liegt, sondern an ihm, kann er an sich arbeiten. Du solltest ihm eher ein Ultimatum stellen, als ihn zu erdulden.
    Manch ein Mensch muss erst auf die Schnauze fallen (ich eingeschlossen), damit ein Umdenken einsetzen kann und sich neue Perspektiven öffnen.

    Ganz wichtig ist, dass du für deine eigenen Bedürfnisse eintrittst. Ihm diese deutlich machst und dich dabei nicht aus der Ruhe bringen lässt.
    Nicht auf Diskussionen einlassen. Wenn er streitlustig ist, dann geh bis er sich abgekühlt hat! Zeig ihm die kalte Schulter.
    Wenn er sich aufregt, ist er wahrscheinlich genauso zugänglich wie ein Kleinkind, dann wirst du ihn nicht erreichen können.
    Da kann ich die Sätze von Sammi nur unterstreichen.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Danke für eure Anteilnahme und Tipps.

    Mir ist durchaus bewusst das es Behandlungsmöglichkeiten gibt doch er will das nicht sehen. Er glaubt das das alles nichts mit ADHS zutun hat sondern das er einfach so ist.
    Ich glaube das er selber gar nicht wirklich weiß was ADHS ist und sich nie damit auseinandergesetzt hat, alleine schon weil es seine Eltern damals auch nicht interessiert hat.
    Das Einzige was er mit ADHS in Verbindung bringt ist seine Unruhe, dass er immer irgendwas in den Fingern haben muss...

    Und ja, ich und mein Arzt denken auch das meine Depressionen das Resultat seines Verhaltens sind.

    Gestern hatten wir wieder so eine Situation... er kam mit guter Laune von der Arbeit nachhause, war am lachen und Scherze machen, doch plötzlich flippte er wieder aus heiterem Himmel aus,
    weil... und jetzt haltet euch fest, das ist kein Witz... weil die Spiegeleier die ich ihm servierte, nicht rund genug waren... ich wusste echt nicht mehr was ich dazu sagen sollte...
    Da weiß man wirklich nicht ob man darüber lachen oder deshalb weinen soll.

    Was das "aus der Situation fliehen wenn er ausflippt" angeht, das geht gar nicht... dann flippt er noch mehr aus... er hasst es wenn ich plötzlich einfach weggehe.
    Das Einzige was ihn von einer Sekunde auf die Nächste wieder auf den Boden kommen lässt ist wenn er sieht das ich anfange zu weinen. Dann ist er plötzlich wie ausgewechselt, nimmt mich in den Arm und macht sich Vorwürfe weil er so ein ********* war. Tränen kommen bei mir aber wirklich nur wenn ich absolut nicht mehr kann und kurz vorm Zusammenbrechen bin. Ich versuche sie dann aber meistens trotzdem noch zurück zu halten weil ich Angst habe das er sich irgendwann daran sozusagen gewöhnt und dann gar nicht mehr darauf reagiert.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.955

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Kannst du anschliessend mit ihm über so was reden? Und wenn ja, was sagst du und wie reagiert, bzw. was sagt er dann darauf?

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Während er mich im Arm hat sagt er dann immer das er das Thema jetzt abbrechen möchte... dann darf ich auch nichts mehr dazu sagen sonst fängt der Streit wieder von vorne an.

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Das wird jetzt ziemlich viel und nicht alles ist sauber geordnet...

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Hört sich wirklich schwierig an. Ich kann dir trotzdem nur dazu raten, für dich einzustehen.
    Auch wenn einige meienr folgenden Worte hart klingen werden, meine ich es gut und hoffe, dass es mit euch noch klappt.

    ADHS hat eine sehr starke emotionale Komponente. Viele neigen zu cholerischen Anfällen.
    Was du von ihm schilderst hört sich 100%ig danach an, vor allem weil er als Kind die Diagnose schon hatte.
    In Gesprächen mit ihm solltest du sehr aufpassen, dich nicht provozieren zu lassen. Du bist die Erwachsene in dieser Beziehung.

    Du kannst es natürlich erstmal sanft versuchen und ihm Literatur geben, bitte ihn darum, es zu lesen bzw bestehe darauf.
    Unbedingt gemeinsam lesen und durchsprechen! Sonst legt er es ganzs schnell wieder weg oder nimmt es nicht in die Hand.

    Gute Quellen für den Einstieg:
    Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstöru ng im Erwachsenenalter - ADHSpedia
    ADHS-Deutschland - Informationen zum Krankheitsbild ADHS
    http://www.adhs-deutschland.de/Home/...toerungen.aspx

    Überhaupt fast die ganze Seite von ADHS-Deutschland! Die ist das allerbeste! Such dir passende Artikel raus, druck sie aus!

    Auf YouTube gibt es außerdem Berichte von Betroffenen, die machen das oft noch viel eindringlicher. Da hats mich erst richtig wie der Schlag getroffen.

    Streiten ist bis zu einem gewissen Level normal, aber nicht den Partner einschüchtern und zum weinen bringen.
    Sag ihm ruhig, in einem passenden Moment, dass du in solchen Situationen Angst vor ihm hast.
    Und ja, geh! Wenn du Angst hast oder weinst, dann lass dich nicht von ihm trösten. Stoß ihn weg. Geh! Ich meine es ernst.
    Und dann bleib wirklich mal einen Tag weg. Übernachte bei einer Freundin oder Familie. Schalt dein Handy aus.
    Soll er doch ausrasten und sich alleine austoben. Möbel kann man ersetzen. Geh auf Distanz.


    Setz ihm ein Ultimatum. Er darf nicht so ausflippen, dazu hat er kein Recht. Punkt. Aus.
    Ich kann dir natürlich nicht sagen, wie du es genau formulieren kannst, dafür weiß ich wieder nicht genug über ihn.

    Es sollte aber diese Punkte enthalten:
    Er muss mit dir zusammen zu deinem Therapeuten gehen und darüber reden und er soll sich testen lassen.
    Wenn er es nicht tut, bist du weg, denn so darf man nicht mit seinem Partner umgehen.
    Und man muss für seinen Partner an sich arbeiten! Das solltest du ihm klar machen. Sanft aber Resolut.

    Noch eine Frage: Steht ihr gemeinsam im Mietvertrag? Kannst du ihn im schlimmsten Fall rauswerfen? Schlösser auswechseln?
    Ich will nicht das schlimmste heraufbeschwören und ich fände es schön, wenn ihr es schafft, aber mach dir deine Optionen klar.

    Ein wenig aus meiner Geschichte, vielleicht hilft dir das, zu verstehen:

    Ich habe mit meiner Freundin damals zusammengewohnt und mir sehr große Mühe wegen ihr gegeben.
    Sie hat sich aber sehr zurückgezogen weil sie auf die Nähe nicht klarkam und irgendwann habe ich auch mit Rückzug darauf reagiert, weil ich sie nicht erreichen konnte.
    Ich habe sie nie angeschrien und sie hatte auch ihren Teil an unseren Problemen, weil sie völlig verständnislos war und nie über ihre Probleme reden konnte.
    Sie wollte einfach nur einen großen starken und einfachen Mann der sie beschützt, ich brauchte aber selber jemanden der mir hilft und mir zuhört, was sie nicht konnte.

    Vor gut einem Jahr dann war ich völlig verzweifelt. Hin und her gerissen. Wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte.
    War unglücklich in Arbeit, Beziehung, Familie, Freundeskreis und Studium.
    Als es aufgrund meiner Depressionen immer schlimmer wurde, hatte ich heftigste Suizidgedanken und hab auch ziemlich Scheiße gebaut.

    Aber ich brauchte den Moment, als sie einfach gegangen ist, sich von ihrer Mutter hat abholen lassen, weil sie so verunsichert war und einfach dicht gemacht hat.
    Am nächsten Morgen habe ich mich einweisen lassen, weil ich nicht mehr konnte. Acht Wochen stationäre Therapie und erstmals festigte sich mein Eigenverdacht auf ADHS.

    Der Beziehung hats nichts genützt, sie ist dann direkt mit einem anderen ins Bett gehüpft. Hab ich sofort beim nächsten Gespräch am Telefon rausgekriegt, weil ich sie zu gut kannte.
    Hab sie dann auch noch getröstet, weil ich ja in Therapie bin und mir alle helfen und sie alleine ist. Hab ihr verziehen, wollte mich versöhnen, an mir arbeiten.

    Aber ich war ihr zu instabil, sie hielt mich wegen dem ADHS-Verdacht für verrückt und hat einen Monat nach der Therapie endgültig Schluss gemacht.
    Sie hatte vorher sogar schon wieder einen Account auf einer Dating-Seite und ja da waren wir noch zusammen, obwohl sie das im nachhinein abgestritten hat, genauso wie den Account.

    Ich bin wegen ihr auch nicht wütend oder verbittert. Sie hat einige sehr tiefe seelische Narben aus ihrer Vergangenheit und nie gelernt wirklich zu lieben und zu vertrauen.

    Trotzdem ist das der Wendepunkt in meinem Leben gewesen.
    Wäre sie damals nicht gegangen, säße ich jetzt vermutlich nicht hier.
    Es war richtig, genau so wie es passiert ist.


    Ich habe im vergangenen Jahr extrem an mir gearbeitet. Bin wie ausgewechselt.
    Auf der Arbeit bin ich endlich wieder zuverlässig, mein Studium fluppt, ich blühe in meinem Hobby auf, komme unter Leute, bin weitgehend ausgeglichen und glücklich.
    So langsam denke ich auch wieder über eine ernsthafte Beziehung nach, aber das hat Zeit.
    Heißt nicht, dass ich zwischendurch keine Frauengeschichte hatte, aber das ist ein anderes Thema ;-)

    ---------------------------------------------

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig Mut machen, auch wenn meine Worte teils hart sind.
    Aber wenn du nicht härter als das Leben bist, dann wird es zu nichts führen.
    Er entschuldigt sich, ärgert sich über sich selbst, wird noch frustrierter - ein Teufelskreis nach unten.
    Entweder du ziehst jetzt die Bremse, oder ihr rauscht irgendwann gegen eine Betonwand.

    Ich wünsche dir, dass es mit euch klappt.

    Liebe Grüße,

    Synthon

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Meine/Unsere "Geschichte" und Erfahrungen

    Erstmal vielen Dank für die Links und Tipps.
    Ich werde mir die Seiten erstmal selbst durchlesen bevor ich damit an ihn herantrete.
    Ich habe zwar die Befürchtung das er dann zuerst mal dicht machen wird aber ich krieg das schon hin.

    Das er an sich arbeiten muss hat er selbst schon öfter gesagt. Das Problem ist nur das er es zwar macht und es dann auch besser wird aber sobald wieder etwas aus den Fugen gerät
    (extremer Stress an der Arbeit, Ärger in der Familie, finanzielle Sorgen usw.), verfällt er wieder in sein altes Muster und was es auch nicht unbedingt besser macht, ist sein Denken "Psychologen/Psychiater sind nur was für Verrückte"...

    Ich habe schon öfter darüber nachgedacht einfach meine Sachen zu packen und zu gehen weil ich diesen Psychoterror einfach nicht mehr ertrage aber die Liebe hält mich davon ab und vielleicht auch insgeheim ein bißchen die Angst das er mich einfach so gehen lässt... ich weiß nicht ob du das verstehen kannst!?

    Im Mietvertrag stehen wir beide als gleichberechtigte Mieter sowie auch seine Oma mit der wir seit neustem zusammen wohnen. Ich würde hier dann aber auch nicht bleiben wollen denn es würde mich alles an ihn erinnern und mich kaputt machen.

    Was mich oft irritiert ist sein Denken mich erziehen zu müssen, so als wäre er der Erwachsene von uns beiden. So richtig mir Vorschriften/Regeln und bei Verstoß bestrafen.
    Da frage ich mich dann manchmal auch was bei ihm im Kopf nicht ganz richtig tickt!? Ist das auch normal für ADHS oder ist das nur eine merkwürdige Macke von ihm???

    Ich muss sagen, deine Geschichte/Erfahrung hat mich irgendwie echt berührt und ich kann nur sagen "Hut ab" das du dich von selbst so gewandelt und vorallem gefangen hast.

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