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Diskutiere im Thema Ich brauche Tipps im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 11

    Ich brauche Tipps

    Hallo zusammen!

    Ich fühle mich im Moment sehr im Stich gelassen und allein. Ich weiss nicht mehr was ich machen soll.
    Aber vielleicht könnt Ihr mir hier weiter helfen.

    Mein Mann hat ADS und nimmt auch Medikamente. Nur habe ich das Gefühl er benutzt es sehr oft als Druckmittel
    und setzt es sehr als Entschuldigung ein.

    Situationsbeschreibung: Bei uns ist in der ganzen Beziehung von 19 Jahren einiges schiefgelaufen, wo ich jetzt nicht
    näher drauf einsteigen möchte. Schwerpunkt ist einfach :er fühlt sich nicht geliebt weil von meiner Seite wenig bis gar keine Umarmungen
    kommen, liebe Gesten, einfach Liebe durch Körperkontakt ist nicht vorhanden, von meiner Seite aus, was aber aus Vorgeschichten zu tun hat, s. alte Beiträge von mir.
    Ich sehne mich mehr nach normaler Kommunikation, Mit Wärme, Mitgefühl, das Gefühl, das Gesagte wird gehört und es interessiert dem Gegenüber auch.
    Stattdessen habe ich eher das Gefühl, "hätte ich lieber mein Mund gehalten, wäre jetzt kein Streit da"
    Fange ich an, weil es mir psychisch nicht gut geht, über das zu reden was in mir vorgeht, wird von seiner Seite Augen gerollt, die Augen wenden sich ab, ich werde angeschrien, es wird getobt. Es hilft nicht zu sagen, bitte schrei mich nicht so an, oder ich hätte mir ganz was anderes gewünscht, ein liebes Wort, ein Mitgefühl, irgendwas. Nein, stattdessen kommt dann, das kann ich nicht, oder, ich habe mein Medikament nicht genommen, oder, es ist schon so spät, die Wirkung ist nicht mehr da, oder, die Schuld wird bei mir gesucht, oder, der andere Extremfall, man macht auf, oh man ich bin ja ein niemand.
    Ich kann in denen Momenten tun was ich will. Mache ich ihn auf etwas aufmerksam, wird es schlimmer, sag ich was positives, überhört man, bleib ich ruhig, verändert sich auch nichts. Ich fühle mich in denen Momenten so dermassen ausgeliefert und denke mir dann, ok, für ihn sollste du jetzt schon da sein, probierst und machst. Dann kommt er und erklärt mir groß und breit, warum er das so macht, dass er dann von mir Ruhe braucht. Er kommt zwar irgendwann zu mir. Jedoch kurz mal ne Entschuldigung und in den Arm nehmen. sobald ich mein Mund auf mache, weil die Situation noch nicht geklärt ist gehts wieder an. Kurz Zusammenfassung:
    Also 1. eingänglich habe ich ein scheiss Gefühl, wünsche mir ein offenes Ohr, und dass jemand da ist
    2. er explodiert ich fühle mich in dem Moment egal
    3. kann nichts tun fühle mich ausgeliefert
    4. Punkt 1 bleibt auf der Strecke ich muss mal wieder schlucken mich selbst trösten

    Er ist auch hier im Forum. Ich selbst habe mich eingeloggt um mehr zu Erfahren, wie ich ihm eine Unterstützung sein kann, oder vielleicht mehr zu verstehen, Antworten zu finden. Ich habe ihm gestern am Kopf geworfen,vielleicht war das nicht richtig, Ich habe mich wegen Dir hier angemeldet, weil ich für Dich was tun möchte, doch schaust Du mal die Kehrtseite an und schaust du unter den Button Angehörgige wies denen geht?? Seine Antwort: Tut mir leid dass ich da nicht drauf gekommen bin.
    Ich fühle mich so selbstverständlich. Ich soll nur ihn verstehen, nur für ihn da sein, aber das mal kommt Du Schatz wie gehts Dir eigentlich wenn ich so bin? Oder, Schatz was brauchst Du da? Nee, das kommt nicht, denn auf so was kommt man nicht, das fällt einem selbst nicht ein.

    Ist das wirklich so?? Kennt Ihr das?? Was macht ihr dann? was hilft dann? wie gehts euch dann wieder gut?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 12

    AW: Ich brauche Tipps

    Hallo
    dein Text könnte glatt von mir stammen.
    Mein Mann entschuldigt auch alles mit seinem ADHS. Und wenn es nicht das ADHS ist, ist es meine Schuld.
    Oft bin ich auch sogar an seinem ADHS schuld .

    Lange lange Zeit habe ich versucht, mit ihm nach seinen Ausrastern das Gespräch zu suchen. Eben weil ich ein Mensch bin, der eine Aussprache benötigt. Und seine Worte während dieser Ausraster sind wirklich sehr verletzend.
    Aber er bestimmt wie und ob überhaupt nochmal gesprochen wird. Weil er ja ADHS hat. Und nicht anders kann.
    So denkt er zumindest.

    In den letzten Jahren - seit seiner Diagnose und seiner Medikamenteneinstellung - ist bei uns so einiges vorgefallen.
    Ich sag dir, ich bin durch die Hölle gegangen.
    Aber ich bin auch daran gewachsen!

    Du musst lernen, seine Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen. Klar, das fällt sehr schwer.
    Aber was noch viel wichtiger ist: Vergesse dich selbst nicht! Gehe deinen Hobbys nach. Tu DIR Gutes!

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ich brauche Tipps

    Hallo Ihr Beiden

    das wird jetzt ein bisschen schwierig, aber ich möchte gerne versuchen, zumindest den einen oder anderen Punkt etwas näher zu erklären, sofern Ihr mir das gestattet und es Ok für Euch ist, und dafür gerne zwei Beispiele anführen.

    mama1212 schreibt:
    Nur habe ich das Gefühl er benutzt es sehr oft als Druckmittel
    und setzt es sehr als Entschuldigung ein.
    lavendel schreibt:
    Mein Mann entschuldigt auch alles mit seinem ADHS. Und wenn es nicht das ADHS ist, ist es meine Schuld.
    Hier gibt es ein kleines Grundproblem.

    Stellt Euch vor, Ihr seid Farbenblind, könnt also keine Farben sehen oder erkennen.
    Lange Zeit Eures Lebens wusstet Ihr das nicht, wie auch?
    Ihr konntet ja immer nur durch Eure eigenen Augen und nie durch die anderer schauen.

    Trotzdem ist immer irgendwie alles mögliche schief gelaufen, warum auch immer, keiner wusste warum man immer die falschen Sachen herausgesucht hat usw.
    Irgendwann kam es dann raus und nun wisst Ihr um das Problem.
    Wenn also jetzt jemand sagt "Hol doch mal die grünen Gläser aus dem Schrank".
    Logischerweise sagt Ihr darauf hin, dass Ihr das wohl nicht könnt, da Ihr die Farbe der Gläser nicht erkennt, denn Ihr seid farbenblind.

    Als Antwort erhaltet Ihr dann, dass Ihr Euch doch mal wieder nur auf Eure Farbenblindheit herausredet, bzw. Euch dahinter versteckt ...
    Und damit nicht genug, dann gibt es auch noch Menschen, die Euch sagen "Na hör mal auf Dich da immer drauf rauszureden, jetzt wo du das weißt, kannst Du doch auch was daran ändern, streng Dich mal ein bischen an"

    Klingt das logisch für Euch?

    Die Tatsache, dass Ihr von Eurer Farbenblindheit wisst, ändert ja nichts an ihr.
    Wohl aber könnt Ihr von nun an diese Problemstellen erkennen und anders als bisher damit umgehen.
    Aber ändern kann man sie nicht.

    Würde man einen querschnittsgelähmten Rollstuhlfahrer fragen, ob er mal schnell eine Kiste Cola aus dem Keller holen kann?
    Und wenn, und er das verneint, würde man ihm seine Lähmung als Ausrede vorhalten?

    Ganz sicher nicht.

    Nun höre ich schon das tiefe Einatmen, denn üblicherweise kommt jetzt die Antwort "Na das kann man aber doch gar nicht miteinander vergleichen, das ist doch was völlig anderes, bei dem Rollstuhlfahrer sind ja die Nervenverbindungen zu den Muskeln unterbrochen" ....
    AHA

    Und bei dem Farbenblinden werden ebenfalls Reize nicht übertragen oder nicht gebildet.

    Und genau das passiert auch bei einer ADHS.
    Auch das ist eine neurologische Störung in der Reizübermittlung, auf die der Betroffene keinen Einfluss hat.

    Nur sieht man ihm das nicht an und es ist die typische Erwartungshaltung nahezu aller Nichtbetroffenen, dass man nun, wo man das doch weiß und Medikamente bekommt, das doch auch ändern kann.

    Die Folge daraus ist, dass man dem Betroffenen damit noch mehr von seinem ohnehin meist angeschlagenen Selbstwertgefühl nimmt, denn er will das ja gerne ändern, kann es aber nach wie vor nicht.
    Er wird hilfloser und hilfloser und reagiert nicht selten mit Gegenangriff.

    So sehr er sich das auch wünscht und so sehr er sich auch bemüht, er wird einiges nicht ändern können und er versucht nicht, sich mit der ADHS zu entschuldigen, rauszureden oder sich dahinter zu verstecken, er versucht zu erklären.

    Ein ADHS- Betroffener hat u.a. auch eine Störung der Wahrnehmung.
    Sie wirken oftmals egozentrisch und egoistisch, und so kommt es, dass andere das Gefühl haben, von ihnen ignoriert zu werden, so wie Ihr es beschreibt und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen mag.
    Und das Schlimme für einen Menschen mit ADHS ist, dass er das sehr wohl weiß und das macht es ihm oftmals noch unerträglicher, aber nicht möglicher.
    Sie sind nicht so, wirken aber nach außen hin so und wenn man es den Menschen zu erklären versucht, dann kommt genau diese Reaktion, man würde sich dahinter verstecken.
    Durchaus verständlich aus der Sicht eines Nichtbetroffenen heraus und ganz bestimmt kein Vorwurf!





    ADHS zu behandeln bedeutet leider nicht, sie wegzubekommen, auch nicht mit Medikamenten.
    Man muss sie managen.

    Das ist eine Herausforderung, die ich mir nicht vorstellen kann.
    ADS-Betroffene brauchen klare Strukturen, Hilfestellungen.
    Man soll und darf ihnen aber auch nicht alles abnehmen und sie in Watte packen und ihnen alles durchgehen lassen.
    Nur muss man sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht in der Lage sind, Dinge so zu managen, wie man selber es ohne Probleme hinbekommt und man es auch von einem Menschen in diesem Alter üblicherweise erwarten kann.

    Meine Frau sagt mir oft, dass sie manchmal das Gefühl hat, für mich wie für ein Kind mitdenken zu müssen.
    Und damit hat sie auch recht.
    Für mich ist das eine große Belastung und etwas, das man als erwachsener Mensch nicht gerne hört, denn das geht schon auch auf's Selbstwertgefühl

    Ein Mensch mit ADHS lebt im Moment, ADS'ler sind zeitblind.
    Sie können nur schwer im Voraus planen und Handlungsabläufe etc. organisieren.
    Das heißt aber nicht, dass sie gar nichts können.
    Es sollten nur kleinere Häppchen sein, die sie abarbeiten können.

    Das Belohnungssytem eines ADHS-Betroffenen ist von der Störung stark betroffen.
    Nichtbetroffene können sich selbst stimulieren und motivieren, auch wenn das, was man jetzt macht erst weit später seine Früchte trägt.
    Einem ADS-Betroffenen macht das Angst.
    Diese ferne Zukunft ist für ihn nicht greifbar, er kann das nicht visualisieren und das produziert Angst.
    Dazu kommt erschwerend, dass bei ADS vieles über die Amygdala läuft, obwohl es das nicht sollte, und da sitzt das Angstzentrum.
    Belohnungsaufschub macht Menschen mit ADHS Angst.
    Zudem können sie sich nicht selbst loben, das funktioniert bei ihnen nicht oder nur ganz schlecht.
    Sie sind also auf Gedeih und Verderb auf Rückmeldung von außen angewiesen, aber unsere Gesellschaft lobt nicht ... wenn etwas gut funktioniert, dann ist das normal, wenn etwas nicht funktioniert, dann gibt es Kritik, auch wenn die konstruktiv ist.
    Und schon sind wir beim nächsten Problem .... Kritik.
    ADS zu haben, bedeutet in emotionalen Extremen zu leben, Mittelwerte sind uns nahezu unbekannt.
    Das führt dazu, dass wir uns selbst bei eigentlich konstruktiver Kritik extrem angegriffen fühlen, auch wenn wir vom Verstand her wissen, dass das nicht so ist, aber wir können diese Gefühle nicht steuern, so wie der Rollstuhlfahrer seine Beine nicht steuern kann und der Farbenblinde seine Farbsehfähigkeit nicht steuern kann.

    Wenn ich als Farbsehgestörter (und das ist bei mir neben ADS der Fall9 eine Farbe nicht korrekt erkennen kann, dann muss ich fragen oder andere Hilfsmittel heranziehen.
    Ähnlich ist es auch bei ADHS.

    Manchmal sind das schon ganz einfache Sachen.
    Mitunter reicht es, eine Kritik einfach nur anders zu formulieren.
    Sätze wie "Du hast ..." setzen bei fast allen Betroffenen einen Automatismus in Gang, der nicht zu stoppen ist und es fühlt sich immer wie ein Angriff an.
    Und da dann auch noch eine mangelnde Impulskontrolle zu der Störung gehört, kann man sich denken, was dann als Reaktion kommt....

    ADHS'ler sind manchmal wie kleine Kinder ...
    Aber auch denen lässt man ja nicht alles durchgehen, nur weil es Kinder sind .
    Es ist nur die Frage, wie ich darauf eingehe.

    ADHS ist echt kompliziert, wirklich sehr kompliziert.





    lavendel schreibt:
    Oft bin ich auch sogar an seinem ADHS schuld .
    Sorry, so ernst das ist, aber da musste ich jetzt richtig ein bisschen schmunzeln ... das ist fast süß .... für Dich natürlich nicht und das ist auch vollkommen unmöglich und zwar komplett unmöglich, .... und ich kann mir denken, dass Dich das sehr trifft, aber wenn man das so liest, könnt man das fast ein wenig niedlich finden.

    Vielleicht ist das auch eine der besten Strategien im Umgang mit einem ADHS-Menschen, es so gut wie möglich mit Humor sehen und darüber schmunzeln und lächeln.

    Ich glaube, das Leben an der Seite eines ADHS-Betroffenen kann sehr anstrengend sein.

    Das Dilemma ist, dass ich Euch sehr gut verstehen kann und Ihr sollt wissen und Euch sicher sein dürfen, dass Euch keine Schuld trifft.
    So wie auch den ADHS-Betroffenen keine Schuld trifft.

    Das ist echt Kacke, aber keiner kann was dafür.
    Geändert von Fliegerlein (22.01.2015 um 22:24 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 279

    AW: Ich brauche Tipps

    mama1212 schreibt:
    Er ist auch hier im Forum.
    Bitte sag mir/uns nicht, wer er ist. Ich empfinde deine Äußerung, dass er hier im Forum ist, als eine Vorführung seiner Person.

    Zwar kann ich verstehen, dass es dir schlecht geht und du wahrgenommen werden möchtest. Wir ADHS'ler sind schon oft problematisch für Partner, Freunde und Familie. Du möchtest Verständnis und auch Antworten von anderen Usern, ok, kann ich akzeptieren.

    Aber du möchtest ihn durch die Aktion auch sozusagen "zwingen", dich wahrzunehmen und zu beginnen, dich zu verstehen. Wenn dein Partner im alltäglichen Leben nicht auf dich schaut, wird er es jetzt noch weniger tun. Mit Zwang erreicht man GAR NICHTS.

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