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Diskutiere im Thema Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Hallo,

    ich habe seit etwa 2,5 Jahren eine Beziehung. Am Anfang lief alles mehr als super. Seit etwa 1,5 Jahren wohnen wir zusammen und seitdem häufen sich die Probleme.

    Ich möchte meinen Freund hier nicht durch den Kakao ziehen, deshalb schreibe ich erstmal nicht so viel dazu, aber es sind vor allem massive Probleme im Umgang mit Finanzen und Behördenschreiben etc.

    Außerdem kommen immer öfter ziemlich heftige Wutausbrüche vor, die in meinen Augen durch Kleinigkeiten ausgelöst werden. Er ist dann nicht mehr zugänglich für irgendein vernünftiges Gespräch und braucht immer zwischen 3-24 Stunden, um wieder 'klar zu kommen'. Danach tut es ihm immer sehr leid. Teilweise kann er sich nicht mehr an das erinnern, was er in seiner Wut von sich gegeben hat, was mir schon Angst einjagt. Es sind wirklich zwei völlig verschiedene Menschen, die einem da begegnen, ein sehr liebevoller Mensch und ein richtiges A****loch.

    Ich bin in letzter Zeit auch oft gestresst von seinem ziemlich aktiven Verhalten (quatschen, kitzeln, zb wenn ich telefoniere) und manchmal habe ich das Gefühl, er sieht gar nicht, dass ich in Ruhe gelassen werde. Wenn ich ihm das dann sage, reagiert er schnell sehr verletzt und wütend.

    Heute gab es wieder einen großen Krach wegen irgendwas. In meiner Verzweiflung habe ich nach Erfahrungen mit Cholerikern in Beziehungen gesucht und bin dabei auf die ADHS-Thematik gestoßen. Viele Beschreibungen scheinen auf meinen Freund zu passen wie die Faust aufs Auge. Ich weiß auch, dass er als Kind schon immer ziemlich aktiv und 'unangepasst' war.

    Jetzt habe ich die Vermutung, dass es VIELLEICHT bei meinem Freund ADHS sein könnte. Ich würde gerne mal mit ihm darüber sprechen, vielleicht wäre es ja für ihn auf lange Sicht auch eine Erleichterung, das mal abzuklären. Auf der anderen Seite habe ich die Ahnung, dass er nicht begeistert sein wird, wahrscheinlich sogar total abblockt, wenn ich mit dem Thema anfange.

    Deshalb wollte ich euch mal fragen, ob ihr irgendwelche Tipps habt, wie ich ein solches Gespräch führen könnte? Was ist hilfreich, was geht gar nicht? Oder ist es eh total unangebracht, seinem Partner so etwas zu servieren? Ich bin langsam einigermaßen verzweifelt, deshalb würde ich gerne mit ihm reden, damit wir eine Möglichkeit haben, zusammen die Beziehung in den Griff zu bekommen.

    Vielen Dank euch!

  2. #2
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 750

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    meine erfahrung ist: ehrlichkeit währt am längsten.

    sag ihm offen und ehrlich wie du empfindest, dass er dir sehr wichtig ist und
    worauf du gestossen bist.

    er soll sich doch bitte selbst eine meinung bilden dürfen und wie er reagiert, das weißt du dann wenns soweit ist!

    viel erfolg!
    lg,
    A.

  3. #3
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    vielleicht kannst du ja "gezielt" verschiedene Symptome bei ihm abfragen - also wie es IN ihm aussieht. uns wenn das dann alles passt, ihn fragen, ob er eigentlich denkt, dass das von einem adhs kommen könnte?

    ansonsten führst du ihm am ende in seinen augen nur "seine Unfähigkeit" vor, das kann sehr schnell als Vorwurf aufgefasst werden. also alles äußere.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    zb: frag ihn doch mal, wie er sich FÜHLT, was in ihm vorgeht, wenn er irgendwas behördliches vor sich herschiebt. und GLAUB ihm seine antworten

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    so kannst du seine "eigenen" Ansichten aufführen und er fühlt sich nicht, als wäret du einfach nur "unzufrieden mit ihm"

  4. #4
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.445

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Ich würde es auch mal mit ihm reden, einfach vorsichtig... Du wirst rasch merken, ob er dafür bereit ist und wenn er sich dagegen wehrt, dann lieber warten bis er sich abkühlt oder länger noch...

    Mein weg bist zu diagnose war lange obwohl ich jahren im Voraus davon schon gelesen hatte und gedacht hatte, es könnte was sein... Dann konnte ich auch total auf Abwehr kommen, je nach dem es mich gesagt war... Also, wie empfindlich wir sein können, weisst du ja schon...

    Was du sicher auch selber machen kannst, ist dich selber zu informieren. Du machst es schon. So kannst du ihm auch besser verstehen und vielleicht eine Umgang finden damit es auch in der Beziehung besser geht. Da ich selber vermute dass mein Freund es auch hat, hatte ich angefangen mit ihm so zu umgehen wie er ADSler wäre und es hat gut geholfen.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Hallo,

    vielen Dank für all eure Antworten. Es hat tatsächlich geklappt, kurz mit ihm zu reden. Eingeleitet habe ich das Gespräch mit einem Artikel zum Thema, und einem kurzen Brief von mir dazu, der zurückhaltend war.

    Er hat den Artikel gelesen und an vielen Stellen haben wir zusammen gelacht, weil vieles sehr gut zu ihm passt und der Artikel das auf eine ganz sympathische Weise darstellt. Das hat sich für mich gut angefühlt, weil es ein bisschen die Dramatik aus der Situation genommen hat. Explodiert ist er zum Glück gar nicht. Er hat sogar gesagt, dass er selber schon öfter darüber nachgedacht hat, ob es ADHS sein könnte. Das hat mich ziemlich erstaunt. Vielleicht war es in dem Moment sogar eine Erleichterung für ihn, dass es mal jemand ausspricht, was er schön öfter vermutet hat?

    Jetzt, zwei Tage später, sieht er die Sache allerdings schon wieder anders und ich glaube im Moment ist ihm das Thema unangenehm. Nach allem, was ich bisher so herausgefunden habe, werde ich versuchen (was mir wirklich nicht leicht fällt), ihn mit dem Thema in Ruhe zu lassen. Vielleicht kommt er ja selbst irgendwann darauf zurück. Spätestens beim nächsten Wutanfall wird es für mich aber wieder 'akut' werden.

    Auch wenn natürlich überhaupt nicht sicher ist, ob es ADHS ist oder nicht, hat mir die Auseinandersetzung mit dem Thema schon sehr geholfen, ihn, mich und unsere Beziehungsdynamik besser zu verstehen. Z.B. habe ich bisher immer versucht, weiter mit ihm zu diskutieren, wenn es wieder anfing zu 'brodeln' und bin ihm dann auch noch hinterher gelaufen, wenn er sich in ein anderes Zimmer verzogen hat. Das werde ich in Zukunft versuchen, anders zu machen und ihn so lange in Ruhe zu lassen, bis er wieder abgekühlt ist.

    Ich habe aber auch ein bisschen Angst, mich selbst dabei aus dem Blick zu verlieren und ihm 'alles durchgehen zu lassen' wegen 'zuviel' Verständnis - vor allem, weil es ja gar keine gesicherte Diagnose ist, sondern nur meine Vermutung.

    Und auf Dauer werden bestimmte Sachen auf jeden Fall ein Problem bleiben, sowohl die Wutanfälle als auch das Ignorieren / Aufschieben wichtiger Post. Ich glaube, da gibt es für mich schon gewisse Grenzen des Erträglichen oder des Machbaren, weil es einfach auch harte und reale finanzielle Folgen hat. Habt ihr da vielleicht noch einen Rat, wie ich ihn unterstützen kann, ohne ihn zu bevormunden? Oder ist das einfach nicht meine Baustelle, eine zu große Aufgabe ohne professionelle Hilfe?

    Vielen Dank euch!

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.956

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Schön, dass das erste Gespräch doch gut gelaufen ist. Vermutlich braucht er jetzt ein bisschen Zeit um das zu verdauen. Vielleicht kannst du das ja indirekt wieder ansprechen, wenn ihr wieder über etwas zusammen Lachen könnt.

    Verständnis gut und schön. Du musst aber für dich festlegen, wo deine Grenzen sind. Sicher weisst du inzwischen besser, was er, wenn sich euer Verdacht bestätigt und er wirklich AD(H)S haben sollte, einfach nicht leisten kann und was man vielleicht selbst oder mit einer Therapie in den Griff kriegen könnte. Ich finde es klasse, dass du ihn unterstützen willst und in einigen Punkten ist es bestimmt angebracht - zumindest so lange er das nicht leisten kannst. Aber dennoch bist du seine Freundin und nicht seine Therapeutin. Achte auf dich, nur so als kleiner Tipp am Rande.

    Gut finde ich auch, dass du versuchst von dir aus die Situation zu entschärfen und ihm z. B. versuchst erst einmal in Ruhe zu lassen und nicht hinterher zu laufen. Manches ist mit etwas Abstand auch nicht mehr ganz so schlimm - für beide.

    Und so lange das so mit der Post ist, solltest du vielleicht versuchen noch einmal ein Gespräch mit ihm zu führen, ob du das nicht übernehmen kannst. Unwichtige Schreiben kannst du ihm ja liegen lassen, aber alles was unmittelbar "Gefahr" bedeutet, solltest du - nach seinem Einverständnis - vielleicht öffnen und in die Hand nehmen, so weit es geht. Er scheint damit momentan zumindest überfordert zu sein. Was in Anbetracht der möglichen Folgen auch verständlich ist, nur ist Kopf in den Sand stecken halt keine Lösung. Daher kann ich wirklich nur wiederholen: Sprich mit ihm möglichst ruhig und ohne Vorwürfe und biete ihm - so weit du kannst - einfach Hilfe an. (Muss ja nicht unbedingt nach "Du kannst das nicht, also mach ich das!" klingen. )

    Ich wünsche euch alles Gute!

  7. #7
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.445

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Hallo natascha,

    Schön dass du mit ihm darüber geredet hast und einiges neues probiert.

    Ich finde gut, dass du ihm auch etwa im Ruhe làsst, so ein Thema kann schon auch aufwühlen und er braucht auch zeit um seine Gefühlen mal zu sortieren.

    Ich finde auch gut dass du ihm nicht mehr nachläuft wenn ein Gespräch gereizt wird... Aber es heisst auch nicht dass du nichts mehr sagen darfst! Einfach mehr später oder mal auch schriftlich...

    Wegen ihm helfen: Da würde ich schon schauen wo deine Grenzen sind... Optimal finde ich wenn es ein Tausch ist: Du hilfst ihm wo er Mühe hat und dann tut er etwas für dich, was seine Stärken entspricht. Dann ist wirklich auch wichtig mit ihm abmachen und ihm fragen wie er geholfen werden möchte... Er muss selber bestimmen was er braucht, sonst wirkt wirklich als Bevormundung. Oft reicht wirklich eine Kleinigkeit, wie ihm kurz an etwas errinern...

    lg

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Hat mein Freund AD(H)S? Wie kann ich mit ihm darüber sprechen?

    Hey,

    vielen Dank für eure tollen Ratschläge - das waren gute Anregungen, gerade auch was mich/ meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse angeht.

    Ich versuche jetzt mal, mich in Geduld zu üben (nicht gerade meine Stärke...) und werde abwarten, wie sich die Situation entwickelt und dann vielleicht, wenn es sich ergibt, Unterstützung anbieten, ohne sie aufzuzwingen. Und dabei trotzdem nicht aus dem Blick verlieren, was ich aushalten kann und was nicht. Puh, das wird eine ganz schöne Gratwanderung..

    Herzlichsten Dank euch nochmals!!!

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