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Diskutiere im Thema Selbstmordversuch im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    Selbstmordversuch

    Hallo Gemeinde,

    einleitend möchte ich gleich ankündigen, dass ich hier über meinen minderjährigen Sohn berichten werde und überlasse den Herren und Damen Moderator(in)en und Administrator(in)en mich deswegen des Forums zu verweisen.

    Ich gehe das Risiko ein, weil ich verzweifelt bin und sonst niemand habe, mit dem ich vertrauensvoll reden könnte.

    Es haben sich zwar nach den letzten Ereignissen viele Leute angeboten, aber es sind Profis, für die Wir genau eine Stunde Arbeit sind, zwischen 7 anderen, die abgerechnet werden müssen.
    Es sind auch genau die Leute, die uns vor dem Ereignis einfach mit Hausaufgaben weggeschickt haben.

    Hoffentlich lässt man doch bei mir Gnade walten, als das ich vielleicht bei Euch Hilfe bekomme.

    So viel zur Einleitung.

    Um Mitternacht in der Nacht vom letzten Sonntag zum Montag hat mich mein Sohn geweckt, mir erzählt dass Rettungswagen und Polizei zu uns unterwegs sind, weil er x Gramm Equasym (Fast 2 Packungen) geschluckt hat. Er hat sich umbringen wollen. Seine Freundin, mit der er über SMS in Kontakt war hat den Rettungsdienst alarmiert.

    Darauf folgten eine schlaflose Nacht unser beiderseits (bei Ihm wegen dem Mittel, bei mir wegen der Sorgen), Überweisung in die Psychiatrie, in der die Notaufnahme ein lustiges und erschrekendes Schauspiel mit uns veranstaltet hat um festzustellen, ob mein Sohn noch denn gefährdet wär oder nicht. Und schliesslich 3 Tage zu Hause ausruhen für uns beide.

    Das Gute: Das Kind (eher der Jugendliche), dass immer felsenfest behauptet hat, keine Probleme zu haben, ausreichend Freunde, dem sein Übergewicht völlig egal sei... hat nun endlich eingestanden das es Probleme hat. Er sprach von seinen Behinderungen ADHS und möglicherweise Asperger, von seinem Übergewicht und dass er in der Schule nur als Clown gesehen wird, von seiner Angst von der Schule zu fliegen und seine Freundin nicht mehr sehen zu können. Gut, weil jetzt endlich das Eingeständnis da ist und er seine Probleme nicht mehr leugnen kann.

    Nun das erschreckende, mit den ich so wenig klar komme. Keine 3 Tage nach dem "Verbrechen" ist für ihn wieder alles in Ordnung. Er ist gut gelaunt. Es hätte nur an der Pubertät gelegen und er sei neben der Spur gewesen. Er versucht wieder in die alte Schiene zu fallen und seine Probleme für sich zu behalten, alles selbst lösen zu wollen, obwohl er erwiesenermaßen mit seiner jetzigen Situation doch überfordert ist.

    Ich glaube auch eine gewisse Gefühlslosigkeit gegenüber der Sache und gegenüber seiner Mitmenschen beobachtet zu haben. Eine Gefühlslosigkeit, die ihn zu einem unverschämt gelangweilten "tut mir leid" brachten und die ich erschreckenderweise auch bei mir festgestellt habe. Obwohl ich durchaus, in der Notaufnahme und auch später in der Psychiatrie in Tränen ausgebrochen bin, habe ich mich später beobachet, wie ich dachte dass er selbst für sein Handeln verantwortlich ist. Ich bin hin und her gerissen zwischen Versagens- und Fatalitätsgedanken, die ich nicht zulassen möchte.

    Ich habe bereits eine sehr nahstehende Person durch Selbstmord verloren. Ich dachte "Du dummes Schwein, aber ich gönne es Dir." Sie hatte sehr lange gelitten und sich irgendwann entschieden. Ich liebe sie so sehr, dass ich ihr trotz der Schmerzen, die sie uns dadurch bereitet hat, verziehen habe.

    Meinem Sohn darf ich das nicht gestatten.

    Es werden nun wohl viele Gespräche mit ganz vielen Profis folgen, die uns etwas erzählen möchten. Ich hoffe ich kann das heben.
    Geändert von Gerome (18.01.2014 um 00:31 Uhr)

  2. #2
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: Selbstmordversuch

    Zunächst darfst Du Dir erlauben, eine gewisse Freude zu empfinden, dass nichts weiter passiert ist. Ad hoc und in einem Forum kann ich dazu wenig sagen, da ich Dich und Deinen Sohn nicht kenne. Dich als Vater trifft aber keine Schuld. Nun hast Du die Chance, die Nähe zu Deinem Kind zu suchen. Und, Du liebst es, das ist gut.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 162

    AW: Selbstmordversuch

    Darf ich zunächst mal nach dem ALter deines Sohnes fragen?

    Ich erzähle mal von mir, ich wollte mich mit 17 nämlich auch aumbringen: Und zwar wollte ich mich rächen an meinen Eltern für die Schrecklichkeiten, die sie mir angetan haben. Ich dachte, damit zeige ich es ihnen. Dann hab ich gedacht: Ach, die sind so mit sich selbst beschäftigt, die würden sich nur gegenseitig die Schuld geben und ich hätte nicht erreicht, was ich wollte, also habe ich es gelassen.

    Wie siehts denn bei euch mit Liebe, Wärme, Wahrnehmung und Respekt aus? Warum öffnet sich dein Sohn nicht? Kann er es nicht, weil er sich nicht sicher fühlt oder bist du vllt. die falsche Person dafür. Wie wäre es mit einer Therapie?!

    LG und ich wünsch dir viel Kraft dafür. Du musst jetzt in dich reinhören, was das Richtige für dein Kind ist und dich fragen, woher es kommt. Hattest du auch solche Gedanken?

  4. #4
    AlteEiche

    Gast

    AW: Selbstmordversuch

    Das sieht schwierig aus. ADS Kinder sind nicht unbedingt so berechnbar.

    Theorist
    Warum öffnet sich dein Sohn nicht?
    Ich war auch mal Sohn. ADSler haben schlicht nicht dieselben Bindungserfahrungen und man kann das nicht vergleichen meiner Auffassung nach.

    Geromeobwohl er erwiesenermaßen mit seiner jetzigen Situation doch überfordert ist.
    Sind ziemlich alle Jugendlichen. Der Leistungsdruck nicht nur in der Schule, sondern der soziale Leistungsdruck z.b. beim Thema Gewicht und dem Geltungsdruck bzw. Anerkennung in der Schule wird das deutlich.

    Die Schule ist für viele ADSler die Hölle. Daran hat eigentlich niemand konkret Schuld und am Ende doch wieder alle ein bischen. Andersartigkeit wird halt bestraft. Genauso ist Leistungsversagen oder Übergewicht und nicht das Top-Aussehen ein Verbrechen für das Menschen gemobbt werden. Alle möglichen Symbole für Leistung und selbstdarstellerische Größe werden überbewertet und in hohem Maße ist das halt bei den Jugendlichen auch ablesbar, die diese Dinge viel offener zur Schau tragen und noch nicht ganz so subtil agieren wie Erwachsene.

    Therapeuten sollten der letzte Ausweg sein. Ich denke das ist wie Manfred Lütz sagt: Die Therapeuten haben ihr Handwerkszeug an dem sie ausgebildet sind. Das heißt aber nicht das sie die besseren Gesprächspartner sein müssen.

    Eine Bindungsperson ist da oft viel besser. Wenn es sich aber um einen ADS Jungen handelt der womöglich dann auch noch Asperger Züge haben soll, dann ist die In-Sich-Verkapselung keine Bindungsstörung sondern warscheinlich syndromtypisches Verhalten.

    Differenzieren können das aber nicht IRGENDWELCHE Therapeuten, schon gar keine Pädagogen. Dafür sind fachlich versierte spezialisierte Psychologen oder Psychiater die richtigen Ansprechpartner.

    Eine bessere Hilfe als in die Intimsphäre eines ADSler einzudringen, kann es sein mit ihm zusammen Dinge zu unternehmen, ihn einzuladen etwas zu tun was er gerne möchte und das regelmäßig zu tun. Dann können sich! können sich Gespräche persönlicher Natur ergeben.

    Ein anderer Gedanke den ich habe im Zusammenhang mit den Sorgen verschlossener Jugendlicher: Vielleicht hilft es über Briefe zu kommunizieren?

    Um den Weg zur Reflektion kommt aber keiner herum. Schon gar nicht Sohnemann. ADS, Asperger hin oder her. Da muss man gar nicht lange motzen oder zetern oder über die komische Haltung und Vergesslichkeit des Jungen diskutieren. Das ist einfach eine Tatsache: Ein Selbstmordversuch ist kein Jux, darum wird das Konsequenzen für das künftige Zusammenleben haben. Die sind unabänderlich schon eingetroffen. Auf dieser Schiene ist für ihn gar keine Entscheidung mehr frei: Die hat er nämlich schon getroffen. Das ist glaube ich die einzige Argumentation die bei mir je Einsicht erzeugt hätte. Das wird er möglicherweise auch verstehen. Eher jedenfalls als eine Kritik an seiner Vorgehensweise.

    Ich hoffe meine kleinen Überlegungen bringen dir etwas!

    Viel Erfolg euch

  5. #5
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.210

    AW: Selbstmordversuch

    Hallo Gerome,

    ich hätte dir gerne eine PN geschickt, aber du bist noch nicht freigeschaltet.

    Hier im öffentlichen Raum möchte ich mich nicht so gerne auslassen, aber aus Erfahrung weiß
    ich, dass ein missglückter Suizidversuch bei ADHS-Betroffenen oftmals das positive Denken
    "ich will doch gar nicht sterben, ich will leben" auslöst.

    Diese Diskussion hier ist natürlich nicht forumskonform.
    Ich wünsch dir alles Gute für deine Kinder und gute Gesprächspartner,
    wie es weitergehen kann.

    LG Gretchen

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Selbstmordversuch

    Gerome, Vorsicht.

    Hier ist professionelle Hilfe nötig und zwar ganz schnell.

    Es ist leider typisch dass die Suizidgefahr nach ein paar Tagen scheinbar verschwunden ist.

    Ist sie nicht
    .

    Wenn der Suizid als Ausweg mal im Kopf ist dann verschwindet der Gedanke nicht.

    Bitte bitte: Ab zum Arzt oder in die Klinik mit dem Jungen. Der Versuch sich mit Equasym umzubringen war zum Glück ungeeignet aber das wusste der Junge ... diese Medikamenten-Suizidversuche sind immer ein ganz laugter Hilfeschrei.

    Ansonsten ist es tatsächlich kein Thema für dieses Forum und schon garnicht für den öffentlichen Bereich.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 4.770

    AW: Selbstmordversuch

    Wildfang schreibt:
    Gerome, Vorsicht.

    Hier ist professionelle Hilfe nötig und zwar ganz schnell.

    Es ist leider typisch dass die Suizidgefahr nach ein paar Tagen scheinbar verschwunden ist.

    Ist sie nicht
    .

    Wenn der Suizid als Ausweg mal im Kopf ist dann verschwindet der Gedanke nicht.

    Bitte bitte: Ab zum Arzt oder in die Klinik mit dem Jungen. Der Versuch sich mit Equasym umzubringen war zum Glück ungeeignet aber das wusste der Junge ... diese Medikamenten-Suizidversuche sind immer ein ganz laugter Hilfeschrei.

    Ansonsten ist es tatsächlich kein Thema für dieses Forum und schon garnicht für den öffentlichen Bereich.
    Dem ist absolut nichts hinzu zu fügen

    Da beide Kinder erst 13 & 14 Jahre alt sind kann ich das Thema leider auch nicht im Angehörigen Bereich offen lassen und muß es daher schließen.


    Sunsihne hat Dir hier schon was dazu geschrieben.


    Gruß Matze
    Geändert von Atze (18.01.2014 um 18:30 Uhr)

  8. #8


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.803
    Blog-Einträge: 40

    AW: Selbstmordversuch

    Wildfang schreibt:
    ... diese Medikamenten-Suizidversuche sind immer ein ganz laugter Hilfeschrei.
    Naja, nicht immer.

    Die meisten Menschen haben nicht sehr viel Wissen über Medikamente und halten eine zigfache Überdosierung tatsächlich für ein probates Mittel.

    Was ja auch bei vielen - in der Regel verschreibungspflichtigen - Präparaten der Wirklichkeit entspricht.

    Und dummerweise gehen als solche gemeinte Hilfeschreie nach einem Griff in die Hausapotheke auch oft schief und es bringen sich dann Menschen um, die das eigentlich im Kern der Sache gar nicht wollten.

    Das wohl beste Beispiel dafür ist das in fast jeder Hausapotheke vorhandene Paracetamol, bei dem man nach einer ausreichend dosierten Vergiftung noch etliche Tage bei vollem Bewusstsein aber absterbender Leber dahinsiecht.

    Ich habe solche Patienten kennengelernt (auch sehr junge Menschen) und die Erinnerungen daran zählen zu der Art, die man wirklich nicht in seinem Kopf haben will.

    Und auch ein "Hilfeschrei" mit Methylphenidat kann schief gehen, vor allem, wenn ungünstige Umstände (z. B. - ggf. unerkannte - körperliche Erkrankungen) dazukommen.

    Pauschalisierungen sind hier also eher nicht angebracht, sondern es bedarf der genauen Differenzierung.

    In der Tat ist es aber so, dass dieses Forum und die Mitglieder mit derartigen Situationen 1. überfordert sind und 2. wir dafür absolut nicht zuständig sind.

    Zudem ist es auch ein Thema, das einen Jugendlichen betrifft und derartige Themen sind zum besonderen Schutze der Persönlichkeit dieses Personenkreises bei uns nur im entsprechenden geschützten Bereich gestattet.

    Hier ist - wie schon erwähnt wurde - ausschließlich die fachliche Hilfe vor Ort zuständig und die Kompetenz und Zuständigkeit dieses Forums beschränkt sich tatsächlich auch ausschließlich darauf, auf dies hinzuweisen.

    und überlasse den Herren und Damen Moderator(in)en und Administrator(in)en mich deswegen des Forums zu verweisen.
    Nicht deshalb.

    Aber aus den genannten Gründen entzieht sich das Thema vollständig dem, was wir hier besprechen und wofür wir in irgend einer Art - auch für eventuelle Folgen - eine Verantwortung übernehmen können.



    LG,
    Alex

Stichworte

Thema: Selbstmordversuch im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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