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Diskutiere im Thema Einmischen oder sich raushalten? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    Einmischen oder sich raushalten?

    Hallo ihr Lieben,
    als Mutter eines erwachsenen Sohnes (24) mit ADS wüsste ich gern mal, wie ihr anderen Mütter mit euren erwachsenen ADS-Kindern so umgeht.
    Einerseits will man ja, dass die Kinder selbstständig sind und ihr eigenes Leben führen, andererseits merke ich bei meinem Sohn ständig, dass ihn das total überfordert.
    Er wehrt sich dagegen, dass ich mich in sein Leben einmische, aber es fällt mir immer schwerer mitanzusehen, wie seine Wohnung vermüllt, sich die Inkasso-Briefe auf seiner Ablage stapeln, sein Auto langsam vor sich hin rottet -- und er liegt die meiste Zeit nur auf dem Sofa und schläft (er leidet trotz Medikinet unter extremer Antriebslosigkeit) und sein Selbstbewusstsein geht aufgrund seiner anhaltenden Erfolglosigkeit total den Bach runter (eben fängt er zum Beispiel zum vierten Mal an zu studieren, seine Freunde aus der Abi-Klasse haben alle schon ihren Master gemacht).

    Deshalb meine Frage an euch: Wie schafft ihr den Spagat zwischen Bevormunden und Freiraum lassen? Und wie motiviert ihr eure Kids weiter durchzuhalten, obwohl euch ihr waidwunder Blick schon seit langem sagt, dass sie die Nase vollhaben von dieser Art zu leben? Ich kann ihn ja kaum darauf vertrösten, dass irgendwann mal alles besser wird.

    Liebe Grüße
    Lilly

  2. #2
    Comicus Divinius

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.200

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    Also ich bin zwar kein Elternteil, aber in dem Alter von dem Sohn.
    Also bei mir war es so, meine Mutter hat es innerlich sehr weh getan, aber sie hat mich raus geschmissen, rückwirkend bin ich ihr dankbar, das sie mich hat durch die Scherben gehen lassen, durch die ich gegangen bin. Jetzt weiß ich, das sie es nur aus Liebe gemacht hat, das sie mich auch mal in Scheiße hat treten lassen. Und doch, du kannst ihn vertrösten, ich habe immer weiter gemacht, denn ich hatte keine andere Wahl.
    Vielleicht redest du mal mit deinem Sohn, er soll die Wohnung in Ordnung bringen, das mit Ikasso in Ordnung bringen und dann ihn langsam aber sicher in die Unabhänigkeit entlassen, nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt, dein Sohn muss halt auch wollen.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    Danke lieber Tetrian, dass Du mir geantwortet hast. Es ist toll, mal die Sichtweise eines Sohnes zu erfahren! Und der schöne Spruch von Kant hat mich auch wieder an meine Pflichten als Mutter erinnert.
    Geredet haben mein Sohn und ich schon viel über seine Probleme und meistens wird es danach auch zeitweise etwas besser, aber nach wenigen Wochen ist dann alles wieder beim Alten. Leider wirkt das Medikinet bei ihm nicht wirklich gut und er würde gern mal diesen Amphetaminsulfatsaft ausprobieren, aber die beiden sogenannten ADS-Spezialisten in unserer Nähe (Nürnberg) weigern sich, das zu verschreiben. Der eine meinte neulich zu ihm, das kriegt man nur, wenn man es schon als Kind verschrieben bekam. Hä??

  4. #4
    Comicus Divinius

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.200

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    Ja, das ist typisch Ad(h)s, da man sehr leicht wieder in den alten Trott kommt. Also mein Tipp für ihn ist, das er sich feste Tage schafft, wo er aufräumt. Ich habe mir die Regel erschaffen, das ich jeden Sonntag aufräume. In der Zeit telefoniere ich via Lautsprecher dann mit Leuten, wie bsp meiner Mutter, so kann ich Kontakt halten und aufräumen. Schlag ihm doch mal so etwas vor.

    Nun was dein spezial meinte ist, das er es als erwachsener nur bekommt, wenn er bereit als Kind Amphetaminsulfasaft Dings, bekam, was er nicht bekam oder ? Wenn nicht, frag zur Sicherheit vielleicht bei den Adhs Zentrale in Nürnberg an, ich weiß das die Leiterin sehr nett ist, sie gibt dir sicher Kontakte.

  5. #5
    Lil


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 1

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    Hallo Lilly,
    ich bin hier neu und eine Mutter von einem ADHS Sohn (22), die auch jeden Ratschlag brauchen kann, weil ich für mich irgendwas brauche, um aufzutanken, Luft zu holen.
    Mein Sohn nimmt keine Medikamente und erkennt seine besondere Lebenswirklichkeit bis heute nicht an.
    Wir haben ihn schon zweimal ausziehen lassen, zum FSJ und zur ersten Lehre, und ich hatte nach den Gespräch mit einem Psychologen die Hoffnung, dass er es schaffen kann.
    Leider hat es nicht funktioniert. Nun steht der dritte Auszug an, wenn er diese Lehre wirklich zum Abschluss bringt, und er und ich wissen noch nicht, ob das wirklich gut geht.
    Wirklich funktionieren tut nur was, wenn er es will - Bier und Zigaretten kaufen. Alles andere geschieht nur unter Druck.
    Aber in einem Punkt habe ich es wohl besser - ich nutze, was er gut kann - zum Beispiel seine Computerkenntnisse und konnte ihm nach langen Jahren nachhaltig vermitteln, dass wir alle nicht perfekt sind und hier und da Hilfe brauchen und ich nur kein Verständnis dafür habe, wenn er Hilfe haben könnte und sie nicht nutzt.
    Damit haben wir in der Familie jetzt gute Erfahrungen gemacht. Da er noch bei uns wohnt, geht auch die Post erstmal zu mir und ich frage nach, wenn er sie geöffnet hat, was gekommen ist, was er sich gefallen läßt und ich erinnere und mahne auch manchmal mit Nachdruck an die Erledigung, tue aber nur etwas selbst, wenn er mich darum bittet.
    Nachdem wir für ihm allerhand Finanzen haben vorschießen müssen, habem wir mit seinem Einverständnis die Checkkarte eingehalten. Er bekommt jetzt wieder wöchentlich einen Teil seines Einkommens, so dass er damit über die Runden kommen kann und nicht mehr in den ersten beiden Tagen nach der Zahlung alles nieder ist.
    Das klappt gut, wobei er natürlich immer über sein ganzes Geld verfügen kann, aber er muss es vorher begründen. Das ist ausreichend, um plötzlichen unüberlegten Einkäufen zu entgehen.
    Aber das Chaos in seinem Zimmer und der Umgang mit allen anderen Dingen bleibt ganz schwierig.
    Ich nehme ihm das Aufräumen nicht ab, biete ihm aber immer wieder Hilfe an, die er nicht annimmt.
    Da er jetzt endlich die Lehre fast fertig hat, gibt es momentan nicht so das Problem mit der Erfolglosigkeit. Er ist auch keine Kind von Traurigkeit. Wo er auftritt, weis er die Leute zu unterhalten und kann sie alle mit einem überwältigenden Lächeln um den Finger wickeln, was es mir in all den Jahren sehr schwer gemacht hat, Verständnis und Hilfe für mich selbst im Familien- und Freundeskreis zu erfahren.
    Wie ist es dir damit ergangen? Und was schätzt du an deinem Sohn? ...und sagst du es ihm auch?

    Alles Liebe
    Lil

  6. #6
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 902

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    hm es gibt ja nicht nur Medikinet und Amphetaminsaft ....
    denke es sollte schon mal über ein Wechsel des Medikaments nachgedacht werden...sollte das nicht normal schon der Arzt entscheiden hm? vielleicht ein Wechsel zu einem anderem ADS-Arzt ?es hilf ja nicht Medikamente nehmen ,wenn sie nicht wirken

    mein Sohn hatte damals Medikinet die super wirkten,aber nach so 8 Monaten halt nicht mehr,und dann wurde er auf Ritalin umgestellt und es lief wieder

    wegen meiner Antriebsschwäche (u Depressionen) nehme ich Antidepressiva und zwar Sertralin (MpH nehme ich nicht,bzw nur in absoluten Notfällen)

    leider ist es ja nicht bei allen gleich ...deshalb braucht man einen guten Arzt


    leider kann ich dir zum anderen Thema keine Tipps geben ,aber denke wenn er die richtige Medikamentation hat kann er sich wenigstens auf einige Dinge wieder aufraffen,bestimmte Probleme hat man leider ja immer

    kann es auch sein das das schöne im Leben fehlt? unternimmt er denn etwas mit freunden ...geht Hobbys oder Sportarten nach .

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

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    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    Hallo Lilly

    Ich bin gerade in einer vergleichbaren Situation zu ihrem Sohn, ich habe gerade mein zweites Studium kurz vor dem Abschluss abgebrochen, Wohnung müllt sich zu, Auto...naja...Leide unter Antriebslosigkeit und würde selbst am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen und lesen oder fernsehen. Dementsprechend ist mein Selbstbewusstsein auch sehr angekratzt. Die akuten Probleme halten jetzt schon ca. ein halbes Jahr an, wobei meine Eltern erst seit ca. 4 Monaten überhaupt wissen dass es Probleme gibt und seit etwas über einem Monat von der Schwere der Probleme.

    In diesem letzten Monat fühle ich mich auch oft von meinen Eltern, insbesondere meiner Mutter unter Druck gesetzt. Sie versucht oft mich zu Dingen zu bewegen, die ich einfach nicht machen möchte, oder von denen ich der Meinung bin, dass sie kontraproduktiv sind. Mir kommt es dann oft vor, als würde sie versuchen meine Freiheit zu beschneiden und sperre mich einfach. Natürlich bin ich mir bewusst, dass sie sich Sorgen macht und mir nur helfen möchte, aber in den entsprechenden Situationen spüre ich nur den Druck und das Bedürfnis vor diesem Druck zu flüchten. Meine Eltern mischen sich ein, und bis zu einem gewissen Grad ist das für mich auch gut so, nur fällt es besonders meiner Mutter schwer die Grenzen zwischen dem was noch hilft und dem was kontraproduktiv ist zu erkennen. Das ist aber zugegebenermaßen auch nicht gerade einfach und kann von der Tagesform abhängen und wird zudem von mir selbst nicht immer richtig eingeschätzt.

    Einen Kompromiss den ich mit meinen Eltern getroffen habe ist, dass ich mindestens 3 Tage in der Woche bei meinen Eltern verbringe. Dort habe ich mich gewissen Regeln zu unterwerfen, etwa zeitiges Aufstehen (da meine Eltern nur ein Stockwerk tiefer arbeiten ist das auch durchsetzbar), regelmäßige Mahlzeiten (von denen ich mindestens eine selbst koche) und generell kleine Sachen im Haushalt zu erledigen (Spülmaschine ausräumen, Tisch decken, Müll runter bringen, etc.). Im Gegenzug erhalte ich Unterstützung beim Vereinbaren und Einhalten von Terminen, etwa beim Arbeitsamt oder beim Arzt, sowie innerhalb eines gewissen Rahmens auch zweckgebundene finanzielle Unterstützung, etwa für VHS Kurse oder für Kleider sowie die Möglichkeit die Hilfe meiner Mutter beim Putzen meiner Wohnung in Anspruch zu nehmen. Potentiell wäre da sicher auch noch mehr Unterstützung möglich, aber ich bin nur bis zu einem gewissen Maß bereit Hilfe anzunehmen, insbesondere wenn ich nicht danach gefragt habe.

    Bei manchen Sachen geht meine Mutter auf Konfrontationskurs, ob das in dem Moment angebracht ist oder nicht sei mal dahin gestellt. Das führt über kurz oder lang auf jeden Fall zu einem Streit, aber das muss nicht immer etwas schlechtes sein. In etwa der Hälfte der Fälle führt bei uns ein solcher Streit zu einem besseren gegenseitigen Verständnis oder zumindest zu einem Kompromiss mit dem wir beide leben können. In anderen Fällen führt es allerdings zu einer Verschlechterung des Verhältnisses.

    Versuchen sie zu verstehen wie ihr Sohn sich fühlt und wie er denkt, suchen Sie das Gespräch mit ihm aber versuchen Sie ihn nicht zu überfordern oder zu sehr unter Druck zu setzen. In den absolut dringenden Anliegen, wie etwa den Inkasso-Briefen könnte es vielleicht sogar Sinn machen so lange Druck zu machen bis er nach gibt, aber das ist Spekulation auf Grund meiner Selbsteinschätzung. Ich wäre vermutlich zunächst stink sauer, aber im Nachhinein dankbar.

    Liebe Grüße
    Drowe

  8. #8
    Neues vorgestelltes Mitglied

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    Forum-Beiträge: 902

    AW: Einmischen oder sich raushalten?

    grad noch eingefallen (beim rauchen)

    bei mir ist es so wenn meine Mutter kommt und sie mich "erwischt" hat ,also mein Chaos in der Wohnung dann bin ich erst mal wütend (eigentlich auf mich selbst,andrerseits auch auf sie weil sie einfach so gekommen ist) .Meine Mutter hilft dann auch gleich bei aufräumen und so ,einerseits bin ich danach froh weil es wieder säubriger ist ,aber vorallem ist es mir peinlich das ich es allein nicht gebacken krieg .
    (zur Zeit aber läufts mit dem Haushalt ,falls es dich interessiert wie und warum ,unter :Raus aus dem Chaos -Tipps )

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