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Diskutiere im Thema Fluch oder Hilfe? MPH und Co im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 7

    Böse Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Salü miteinander,

    nun möchte auch ich mal mein Problem loswerden, in der Hoffnung, hier eine kleine Hilfe oder Hinweise zu erhalten, die mir einen Weg zur Lösung aufzeigen, bevor alles zerbricht......

    Vorab, JA, ich liebe meine chaotische, vergessliche, unordentliche und auch kranke Frau über alles........

    Meine Frau hat sich vor ca. 4 Jahren bei einem Berliner Spezialisten im MV auf ADS untersuchen lassen mit dem Ergebniss, sie muss behandelt werden.

    Daraufhin wurden Ihr verschieden Mengen und Arten von Medikinet, Concerta und Ritalin verschrieben und ausgetestet, welche Einstellung passt. Ich bekommen jetzt bestimmt haue von den Betroffenen, ich sage aber ehrlich und offen, eine Verbesserung des imaginären Krankheitsstatus oder eine Veränderung meiner Frau konnte ich nicht feststellen. Dazu muss ich sagen, ich kenne meine Frau sehr sehr gut und erkenne auch, wenn sie nur neue Socken hat und nicht nur, wenns ein neuer Slip ist..
    Sie ist wunderbar chaotisch, mit und ohne Medis, sie ist wunderbar vergesslich, mit und ohne Tabs und sie kann wunderbar verdrängen, auch mit und ohne Tabs.

    Nach ca 2 Jahren Behandlung kam der erste Crash, da sie sich nicht an die Medikation gehalten hat sondern auf eigene Faust mehr und mehr Tabs genommen hat und von 62 kg auf 49 kg abmagerte. Nur durch eine Eheberatung, neue Einstellung und Kontrolle der Einnahme ränkte sich das ganze wieder ein. Wir fanden unsere Beziehung wieder, die irgendwo zwischen der Behandlung auf der Strecke geblieben war und versuchten einen Neustart mit MPH, ADS und co

    Nun sind wir in der Schweiz und uns könnte es wunderbar gehen. Die Arbeit ist perfekt, die Wohnung nicht zu gross, die Sorgen sind in Berlin geblieben und das Leben ist wieder lebenswert.
    ABER
    Vor ca 3 Wochen fingen erste Alarmglocken an zu schrillen, dass Verhalten meiner Frau änderte sich langsam wieder in Richtung ALARMSTIMMUNG. Erste Verfolgungsängste kamen auf, die Ordnung (dabei war sie nie sehr ordnungsliebend, was ja auch okay ist) liess zu wünschen und die Nächte wurden zu Tage, wobei die Tage Tage blieben. Sie schlief einfach über 2 / 3 Tage nicht mehr. Meine Angst bewahrheitete sich, nach einer Hochphase der Liebe zueinander und völligem fallenlassen kam am Montag der erste Dämpfer. Die Verfolgungsangst und die Furcht vor Kontrolle und Überwachung wie zu Zeiten der Stasi nahmen überhand. All diese Ideen von ihr sind Nebensache und ich will sie gar nicht aufzählen. Nachdem die Verfolgungsangst und Verschwörungsangst sich zuerst auf Personen ausserhalb der Familie konzentrierten, wurde ich seid Mittwoch zum Feindbild und zum Angriffspunkt.

    Ohne Rücksicht auf den Rest der Familie und OHNE Grund werde ich zum Ehetester, Verschwörer, Spion, Verfolger, Planer des Zusammenbruchs und bösen Menschen abgestempelt und entsprechend behandelt. Zwischen den wirren Gedanken werde ich genötigt, meinen Kinder zu erzählen,was jemals in unserer 11 jährigen Beziehung vor 9 Jahren für Fehler meinerseits (Alkoholsucht) passiert sind, unsere Pflegetochter soll erfahren, wer ihr wahrer Vater ist und und und...........Dinge, die Kinder sicher wissen sollen, doch zu gewählten passsenden Umständen.

    Nun ist Samstag und der Scherbenhaufen ist komplett. Wir waren gestern Abend beim behandeldem Arzt (Lösung1, Medieinnahme. Lösung2, freiwillige Einweisung Psychatrie. Lösung 3 Zwangseinweisung Psychatrie) und nun sind MPHs abgesetzt und dafür gibts Lösung1, Haldol . SUPER! . Aber sie schläft sich erstmal aus.

    Ehrliche Frage:
    Mit ADS lässt es sich auch ohne MPH glücklich leben, oder?
    Welche Änderungen im Denken und Handeln sind mit und ohne MPH zu erleben?
    Ist die Einnahme von MPH es wert, eine ganze Familie aufs Spiel zu setzen?

    Bevor die Frage kommt!!!!!!!!!
    Sicher haben wir diese Dinge gemeinsam auch schon besprochen und ich kenne jedes Argument für MPH von IHR, mich würde aber Euer erfahren / erleben interessieren......Von Betroffenen und auch Angehörigen.

    Zum Schlusswort. Ich liebe meine Frau über alles und ich gehe jeden weg MIT ihr. Ohne WENN UND ABER. Mein Wunsch ist es, diesen Weg aber in Frieden und Zweisamkeit zu gehen und nicht in Momenten der puren Glücks und dann in Momenten der Selbstzerstörung.

    Vielen vielen Dank vorab

    CoWo
    Geändert von Cowo (31.10.2009 um 08:41 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Des hört sich aber gar ned guad an.

    Dennoch kann es unter Stimulanzien zu den von Dir beschriebenen Auswirkungen kommen.

    Erster Faktor ist die mangelhafte Compliance. Aus irgendeinem Grund futtern einige ADSler Mph wie Smarties, verstärken dadurch aber ihre Symptome. Besonders Depressive tappen regelmässig in diese Falle, weil sie Mph als antriebssteigerndes Medikament missverstehen/missbrauchen, was die Depression aber erhöht. Bei einer gleichzeitig vorhandenen Angststörung, kann es zu paranoiden Reaktionen kommen.

    Zweiter Faktor, durch Mph nimmt die Klarheit des Denkens zu, was sich manchmal bis zur Unerbittlichkeit steigern kann. Die jahrzehntelang eingeübten Mechansismen der Selbstverleugnung und Gefühlsverdrängung versagen vollständig. Hieraus kann sich eine Fremd- und/oder Eigenaggression entwickeln. Es kann sich auch ein Gefühl einstellen von "Alle sind gegen mich", wovon es dann nicht mehr weit zur Paranoia ist. Aus diesem Grund sollte eine Behandlung mit Stimulanzien psychotherapeutisch begleitet werden.

    Dritter Faktor, wenn sich das so krass auswirkt wie bei Deiner Frau, muss ärztlicherseits die Frage gestellt werden, ob und welche Komorbiditäten sich hinter dem ADS noch verbergen könnten, autistische, paranoide, zwangsgestörte oder psychotische Züge können durch den Einsatz von Stimulanzien verstärkt und/oder hervorgerufen werden.

    Viertens, etwa 10 bis 20 Prozent der ADSler vertragen keine Stimulanzien. Für sie gibt es mehrere Alternativen. Zu den verbreitesten gehören die Antidepressiva Strattera und Elontril.


    "Mit ADS lässt es sich auch ohne MPH glücklich leben, oder?"

    Japp. Ist theoretisch auch ohne Medis denkbar.

    Allerdings müssen die Sterne da sehr günstig stehen, feste Strukturen in Arbeit und Beruf, verständnisvolles Umfeld, Menschen, die organisatorische Aufgaben übernehmen, ein liebevoller Umgang mit sich selbst, der einem auch das weit unter seinen Möglichkeiten Bleiben verzeiht und eine ausreichende Balance zwischen Leistungsanreiz und Leistungsdruck.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Eiselein schreibt:


    "Mit ADS lässt es sich auch ohne MPH glücklich leben, oder?"

    Japp. Ist theoretisch auch ohne Medis denkbar.

    Allerdings müssen die Sterne da sehr günstig stehen, feste Strukturen in Arbeit und Beruf, verständnisvolles Umfeld, Menschen, die organisatorische Aufgaben übernehmen, ein liebevoller Umgang mit sich selbst, der einem auch das weit unter seinen Möglichkeiten Bleiben verzeiht und eine ausreichende Balance zwischen Leistungsanreiz und Leistungsdruck.

    Vielen Dank für Deine rasche und interessante Antwort,

    zu dem zitierten Punkt, meine Frau ist nicht berufstätig, heisst sie brauch sich nur um den Haushalt und die Kids kümmern. Wobei sie jeden Freiraum hat, was Verantwortung betrifft. Nicht das ich sie bevormunde, sondern Sachen wie Bank, Geld, Zahlungen etc sind in meiner Obhut, da aus bekannten Gründen schonmal das ein oder andere untergegangen ist und die Mahnungen zu teuer wurden...

    Sicher ist der Faktor Kids und Haushalt nicht zu unterschätzen, doch auch da wird sie aber von der ganzen Familie unterstützt.

    Ich denke, in dieser Sicht stehen die Sterne gut und ale Hilfe der Familie ist vorhanden......sie hat ja 36 Jahre auch ohne MPH leben und lieben können.

    Merci erstmal
    CoWo

  4. #4
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 902

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    mit ADS + Depressionen konnte ich nicht mehr leben ,jetzt mit Antidepressiva (ohne mph) schon. Ich habe Sertralin und finde hilft bei meinen ADS-Symptomen schon auch .Ich denke auch weniger u kann schlechte Gedanken schnell verwerfen .

    Wegen der Angsstörung/Verfolgungswahn kenn ich mich nicht aus ,aber wie auch immer ,aber es muß unbedingt behandelt werden. Ob dies durch mph besser wird weiß ich leider nicht.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Der 2te Tag mit Haldol..................

    Nun ist meine Frau den 2ten Tag mit Haldol, dafür ohne MPH.

    Der gestrige Tag war sehr harmonisch. Unsere Kids haben ihre lange geplante Party feiern dürfen und wir als Eltern haben uns bemüht, die Unstimmigkeiten zwischen uns für den Tag zu verdrängen und nicht zu zeigen. Dazu muss ich sagen, dass wir in einem kleinen Dorf wohnen und eine Absage der Aktion in ALLER Munde gewesen wäre und die Kids dafür in der Schule und im Freundeskreis darunter hätten sehr leiden müßen......

    Nun ist Sonntag morgen und die Gespräche über das sein und werden beginnen wieder. Es kann ja nicht sein, dass wir einfach den Black Friday vergessen und einfach weiter leben, ohne Verarbeitung des Geschehen und des Erfahrens.

    Was aber zur Sprache kommt sind Dinge aus der Vergangenheit, bald ein Jahrzehnt und mehr vorbei, anscheinend immer noch aktuell. Dinge, die in der Zeit vor der Beziehung passierten, Jugendsünden wie die sogenannte Abwesenheit von der Truppe, fahren unter Alkohol und Flucht vor der Polizei. Das sind Dinge, die in meiner Jugend passierten und ich ehrlich gesagt mit 47 nicht nochmal für bestraft werden möchte.

    Ja, dafür gab es damals Arrest, ja, dass war ein Fehler. Doch denke ich, dass sind Dinge die man nicht zum angeben nimmt oder nach so langer Zeit erzählt. Ja, ich habe es meiner Frau auch nie erzählt, weil es weit weit vor unserer Beziehung geschah und ich nicht gerade stolz drauf war ist die Sprache darauf erst nach der Hochzeit gekommen (obwohl sie es Dank meiner Schwester es schon lange vorher wusste). Doch sind das Gründe, mir HEUTE noch Vorwürfe zu machen, nach 11 Jahren Beziehung?

    Dinge, die solange her sind, Fehltritte von mir vor 25 Jahren, von mir und Ihr vor 9 Jahren und meine Reaktion darauf. Wie kann so etwas heute noch Grund für Misstrauen und Vorwürfe sein. Was ist so wichtig, wenn ich das unseren Kindern erzähle. Das einzige was ich damit erreiche, ist die Zerstörung meines Vatervorbildes.

    Ich bin jemand, der nach vorne schaut. Ich kann nicht immer auf Fehler von vor Jahren schauen, ich kann nur aus meinen Fehlern lernen und dafür Sorge tragen, diese nicht zu wiederholen. Hätte ich gewusst, dass ihr diese Vergangenheit so wichtig ist, ich hätte sofort davon erzählt.

    JA; ICH HABE FEHLER GEMACHT. FEHLER, DIE BALD 10 JAHRE UND MEHR HER SIND!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! IN DIESEN 10 JAHREN BIN ICH EIN FÜRSORGLICHER, LIEBEVOLLER, TREUER EHEMANN UND VATER GEWESEN.


    Wie auch immer, dass ganze endet mal wieder damit, dass es nur einen schuldigen gibt. Mich. Solangsam seht ihr einen Angehörigen, der keinen Weg mehr weiss, wie er mit dieser Krankheit und den MPH Folgeerscheinung umgehen soll.
    Geändert von Cowo ( 1.11.2009 um 11:54 Uhr)

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Hallo Cowo,

    habe bisher mal so mitgelesen, ist bestimmt keine einfache Situation - für euch beide.

    Was ich bisher nicht gelesen habe, macht deine Frau auch eine Therapie? So wie ich es verstanden habe, nimmt sie nur Medikamente, mit deren Wirkung du nicht so zufrieden bist. Medikamente sind jedoch immer nur ein Teil einer Therapie, selten sind sie ausreichend.

    Zu deinem Problem mit längst vergangenen Dingen... kennst du das Buch von Cordula Neuhaus? Sie schildert gerade in ihrem Buch "Lass mich, doch verlass mich nicht" viele dieser Situationen und wie es dazu kommt. Vielleicht kann es dir helfen, manches zu verstehen oder auch anders einzuordnen....

    LG
    Erika

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 7

    Blinzeln AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Da bin ich wieder

    Nun ist die erste Woche überstanden und es schaut so aus, als wenn sich MPH und Co verabschieden. Meine Frau ist ausgeglichen und wieder wie ganz früher, vor der ADS Diagnose.

    Eine Frage hab ich aber noch und vllt bekomme ich ja eine Antwort:
    "Wie lange ist die Nachwirkzeit von Ritalin und so, wenn die Tabletten abgesetzt werden?" Heisst, hat es eine Nachwirkzeit?

    Lieben Dank an A L L E

    Cowo

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 168

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Hallo, lieber Cowo!

    Hört sich echt stressig (für Dich) an !! Als ich das alles gelesen habe, ist mir natürlich mein Mann eingefallen. Nicht ganz so extrem, aber so ähnliche Phasen hatten wir auch.......Mir wird mehr und mehr bewußt, das "ihr" die Angehörigen es nicht immer leicht habt mit uns....Bei uns ist unser Sohn und ich als Mama betroffen. Mein Mann ist von seiner Persönlichkeit her, das Gegenteil, sehr ruhig, gelassen,nicht hektisch.....Ich kann dazu sagen: Ich bin mir dessen bewußt, ABER (und das ist echt keine AUsrede) ICH und unser Sohn "können nichts dafür", ich meine es liegt keine Bösartigkeit dahinter! Aber das muß ich DIr ja nicht sagen, denke ich. Habe auch oft ein schlechtes Gewissen, weil ich mir natürlich blöd und "schuldig" vorkomme. Ich finde es für DIch lebenswichtig, das DU MIT DEINER FRAU eine Lösung suchen solltest. Ob es nun eine Therapie FÜR EUCH BEIDE ist oder Literatur oder eine Selbsthilfegruppe........Je mehr Du "über uns weißt, desto leichter kann es vielleicht werden" Versteh mich bitte nicht falsch" Natürlich möchte ich DIr nichts vorschreiben......Ich denke ich kann mir vorstellen, wie es für DIch ist.... Ich habe in der Stadt, wo ich wohne, die 1. Selbsthilfegruppe für Eltern von betroffenen Kindern gegründet. Und, glaube mir, es TUT UNS SO GUT! Natürlich haben wir keine Lösungen parat, natürlich sind wir keine Therapeuten, ABER das Miteinander Reden ist wie "Balsam für die Seele!" Verstehst Du was ich meine....??? Die Mamas und Papas müssen mir nicht viel erklären, was sie meinen, ich weiß ganz genau, von was sie reden.

    Wünsche Dir viel Energie und eine Gute Zeit !!!

    Lieben Gruß

    Hypi

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Sali Hypi,

    vielen Dank für Deine Zeilen und Deine Ratschläge. Auch wenn sie in unserer Gegend was Selbsthilfe betrifft nicht leicht zu verfolgen sind.

    Dazu möchte ich gerne einige Infos nachschieben. Ja, meine Frau, mein Stiefkind, mein leibliches Kind sind ADS / ADHS erkrankt. Sprich 60 % meines nahen Umfelds. Dazu noch nichtmal Blutsverwandte. Sprich schon mal sehr irritierend.........

    Ja, ich weiß das Krankheiten nicht gewollt kommen und gehen.Meine Heroinsucht vor mehr als einem Jahrzent war auch nicht gewollt, aber sie war da. Ich habe den Weg aus dem Sumpf gefunden und bin clean. Daher vielleicht auch meine Abneigung gegen alles was Kopfkino veranstaltet.

    Nach der DIagnose habe ich das Internet und entsprechende Foren förmlich in meinen Kopf gemeisselt um ja alles zu wissen, auch die (wenn wir ehrlich sind) negativen bzw. die gewollten ungewollten Nebenwirkungen. Bei 3 Millionen Einträgen bei google zu Ritalin ist einiges dabei gewesen. Und ja, jeder Arztbesuch zu diesem Thema habe ich mitgemacht um über jeden Stand der Dinge wissen zu haben. Natürlich nur, wenn es gewollt war.

    Eiseleins hinweis " Zweiter Faktor, durch Mph nimmt die Klarheit des Denkens zu, was sich manchmal bis zur Unerbittlichkeit steigern kann" ist genau das, was meine Frau mir auch berichtet. Wenn allerdings Uhren aus Ikea 1995 Zahlencodes generieren und Teletext Infos über Abhöraktionen im Haus liefern, läuft bei den Medis etwas falsch. Oder im entsprechenden Körper......

    Nachdem ersten Supergau durch Übermedikation haben wir wochenlange die Eheberatung besucht und haben ewig gebraucht,um das Geschehen aufzuarbeiten. Wir haben tage Nächte Wochen geredet geredet und geredet. Allerdings wieder mit MPH und wieder unter "Stoff" (bitte nicht falsch verstehen), was zu dem nur einen schuldigen zuliess, MICH.

    Nun ist die erste Woche ohne Medis (mit Haldol) vorbei. Meine Frau ist wie ich sie kennen und lieben gelernt habe. Vergesslich, zu spät, unorganisiert und eben so wie sie ist. NUR, das ist sie auch MIT Medikinet und so.........aber eben müde durch das nächste Medie...............

    Wie dem auch sei macht es mehr und mehr den Anschein, dass die Drops wirklich bei manchen wie Smarties ankommen und der Effekt der Leistungsfähigkeit und der Anspruch an sich selbst, seinen Mann (FRAU) zu stehen überhand nimmt und das eigene ich hinten an gestellt wird.

    Fakt ist, ich habe den geschworen, in guten wie in schlechten Zeiten zu ihr zu stehen. Das mache ich, tag täglich......................

    Bitte bitte, nicht falsch verstehen, ich nehme das Thema sehr sehr ernst.

    Gruß aus dem Schnee
    Cowo

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 24

    AW: Fluch oder Hilfe? MPH und Co

    Hallo Cowo,

    ich habe auch ADS und Depressionen und ich habe die Erfahrung gemacht, dass durch Mph, in meinem Fall Medikinet, sich meine Situation deutlich verschlechtert hat !!

    Ich habe an einer Studie teilgenommen, durch die ich kostenlos das Medikinet bekommen habe. Als ich mit der wöchentlichen Medikamentensteigerung selbst gemerkt habe, dass sich nichts verbessert und meine Depressionen sich aber immer mehr verstärkt haben, habe ich mit der Tagesdosis von 50 mg Mph, die Studie abgebrochen und nehme nun wieder Antidepressiva ( Edronax wird auch zur Behandlung von ADS eingesetzt, greift also in beiden Bereichen, der ADS UND der Depression )
    Ich bin jetzt bei Tag 8 NACH dem Absetzen von Mph und es geht mir wieder vieeeeel besser.
    Ich glaube, bei ADS und Depression kann Mph höchsten als Kombitherapie mit Antidepressiva helfen, aber nur in geringerer Dosis.

    Was ich auch wichtig finde ist auf jeden Fall eine Psychotherapie !!!!!

    Wenn die ADS erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird, haben sich meistens schon andere Störungen manifestiert und um die auch zu erkennen und behandeln zu können, ist eine regelmäßige Psychotherapie NOTWENDIG.
    Die Medis sind zur Unterstützung der Therapie gedacht und eben nicht als universelles Heilmittel. Ich kann dich nur ermuntern, deiner Frau den Rücken zu stärken, damit sie erkennt, dass es eben nicht mit viel und hohen Dosierungen der Medikamente getan ist.

    Ich spreche da aus Erfahrung. Ich habe mir Hilfe gesucht, gehe regelmäßig zur Psychologin und habe auch eine Familienhelferin bekommen, die mir hilft, neue Strategien für mich und mein Chaos (innerlich und auch mit der Ordnung in der Wohnung oder den Papieren o.ä.) zu finden und vor allen Dingen auch UMZUSETZEN, auch wenn mir das nicht immer gelingt, aber ich habe eben 40 Jahre, mehr oder weniger gut kompensiert und es braucht auch seine Zeit um eingefahrene Verhaltensmuster zu überwinden.

    Ich wünsche dir viel Kraft beim Unterstützen und deiner Frau und ihr selbst, die Erkenntnis vor allem nach vorne zu schauen ( die alten Kamellen nicht mehr aufzuwärem ) und die Einsicht, dass sie mehr braucht als nur Medikamente !!
    Lg Petra

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