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Diskutiere im Thema Umgang mit ADHS-Listen/Pläne im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    Hallo,
    Mein Freund hat ADHS.

    Wie gehe ich damit um? Wie gehen Betroffene damit um?
    Das ist wohl die zentrale Frage, und es ist super, daß es dieses Forum gibt.

    Es gibt viele Hilfestellungen hier. Und das sind vor allem erst mal Denkanstöße, wie gemeinsame Wochenpläne, gemeinsame Listen.
    Freundlich bitten gehört wohl auch dazu. Mich abgrenzen vor "übergriffiger" Eifersucht.

    Ich habe selbst eine schwere Depression, die hoffentlich gerade ein mittlere wird, und darf hoffen, daß sie sich irgendwann aus dem Staub machen wird.
    Im Rahmen dieser Erkrankung haben mein Freund und ich uns kennengelernt. Zu dem Zeitpunkt ging es mir so, daß ich fast nur im Jetzt lebte, mein Erinnerungsvermögen eingeschränkt war (vor allem die zeitlich Zuordnung). Ich versank in den jeweils aktuellen Geschehnissen, und konnte mich auf nur sehr wenige Dinge konzentrieren. Alles was nicht direkt vor mir lag "rutschte mir weg", irgendwie. Meine Fähigkeit mich zu strukturieren war depressions-bedingt sehr schwach. Alles drehte sich bei mir darum zu versuchen mir selbst Gutes zu tun, um aus dem Tief herauszukommen. Und mich nicht von den Widrigkeiten meines Lebens wieder aus der Bahn werfen zu lassen. Eigentlich war das, wie es mir ging teilweise ähnlich dem, wie es ADHS-lern immer geht, vermute ich.
    Mein Freund und ich lebten nur im Moment, und das war gut so. Es hat mir sehr geholfen, daß es mir heute teilweise besser geht.

    Was mir auch geholfen hat, waren Wochenpläne-und zwar für mich. Das war echt schwer, bis ich soweit war diese dämlich-banalen Pläne zu erstellen!
    Inzwischen lebe ich wieder mehr ohne (geschriebenen) Plan, dabei bin ich nicht sicher ob das eine Verbesserung oder Verschlechterung darstellt.

    Mein Freund stellte kürzlich fest, daß er gar nicht wußte, daß ich eigentlich sehr strukturiert bin. Das äußert sich z.B. auch darin, daß ich manchmal die Neigung habe mich nur noch um meine Pflichten zu drehen, und die schönen Momente zu kurz kommen.
    Eigentlich ist das gar nicht gut, es ist auch typisch Depression, und die Fahrkarte zurück ins Tief.
    Er beschwert sich dann zurecht bei mir. Und es ist gut daß er einfordert, daß wir auch was Nettes zusammen machen.

    Jedenfalls sehe ich ein, daß es hilfreich ist für meine Freund und mich, wenn wir z.B. gemeinsame Listen und Pläne erstellen.
    Es ist eigentlich logisch, und leuchtet mir voll ein.
    Trotzdem haben wir es erst 1-2mal geschafft. Wiso ist das so schwer?
    Geht das anderen auch so?
    Ist das weil es "Arbeit" ist sich hinzusetzen und einen Plan zu machen? -Büro und Schreibkram liegt mir zugegebenermaßen auch nicht.(Das ist gelinde formuliert-ich hasse es).

    Wie schafft ihr es euch dafür zu motivieren, und das umzusetzen?


  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    ich bin echt irritiert.
    bei der vorstellung krieg ich voll viele rückmeldungen, und den rat im angehörigenteil zu schreiben, weil da auch mehr leute lesen.
    dann mach ich das, und jetzt antwortet gar keiner.
    hab ich was falsch gemacht? hab ich es blöd ausgedrückt?

    oder ist das einfach kein thema, bei anderen paaren, mit den listen/plänen?
    regelt ihr das anders?
    was ist mit den "Realfelsen" im Beziehungsmeer: spülen, putzen, kochen, einkaufen, waschen?
    ich frag mal nicht weiter..

  3. #3


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.199

    AW: Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    Hallo Canastawoman,

    bitte mache dir keine Sorgen, du hast dich nicht blöd ausgedrückt, sondern ehrlich und offen dein Problem dargestellt. Wieso es so schwer ist Listen und Pläne zu schreiben/umzusetzen?

    Ganz einfach, weil wir große Probleme damit haben, uns selbst zu strukturieren, zu ermutigen und das dann auch alles umzusetzen. Das ist meistens der Hauptknackpunkt (wenn wir es denn endlich auch geschafft haben, unsere Komorbiditäten auszumerzen) bei uns.

    Jetzt bist du selbst nicht in der Lage dir Strukturen zu schaffen, denn mit einer schweren Depression, ist man einfach nicht in der Lage, Dinge zu meistern die alltäglich sind. Wie soll das also funktionieren können, wenn auch du Schwierigkeiten damit hast dich selber zu strukturieren? Während einer Depression ist es unmöglich sich zu motivieren, zumindest habe ich es nicht ohne fachliche Hilfe in Form einer Thera geschafft.

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob du gerade in Therapie bist, aber wenn ja, dann solltest du einmal mit deine/r/m Therapeuten sprechen, wie du das wenigstens für dich regeln kannst und vielleicht ist es dir dann auch möglich, deinen Freund zu motivieren.

    Alles in allem bist du in einer ganz verzwickten Situation und ich kann nur sagen, was ich machen würde... mir Hilfe suchen, es gibt Beratungsstellen und Möglichkeiten einer Haushaltshilfe etc. Wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr euch ja anscheind auch in einem therapeutischen oder Betroffenenrahmen kennengelernt, wie in einer Klinik oder einer SHG oder so. Vielleicht ist es in diesem Rahmen möglich das man euch unterstützt und euch ein wenig Schützenhilfe leistet.

    Fakt ist, dass ADHSler sehr viel Ermutigung brauchen, durch die vielen Selbstzweifel, die sich im Laufe unseres Lebens, durch viele negative Erfahrungen angesammelt haben und das kannst du ja aufgrund deiner eigenen Erkrankung momentan nicht leisten, deshalb solltest du auch auf dich schauen damit es dir bald wieder gut geht.

    Ich hoffe das ich jetzt alles so richtig verstanden habe, wenn nicht, dann bitte Bescheid sagen Und nicht schlecht denken, wenn es dauert bis mal jemand antwortet. Denn da du ja selbst weißt was Depressionen sind, noch kurz eine Anmerkung, es ist gerade wieder die Zeit (Jahreszeit) bei dir viele von uns in ein Loch rutschen und da es auch keinen echten und vor allen Dingen längere Sonnenschein/Sommer dieses Jahr gab, befürchte ich, dass sich das bei ganz vielen Menschen auswirkt. Ich merke das selber auch an mir und muss gerade wieder versuchen, aus verschiedenen Stimmungstiefs wieder herauszukommen, damit ich nicht wieder in ein depressives Loch stürze.



    Liebe Grüße
    Sunshine

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    Hallo sunshine, danke für deine schnelle 1antwort, das ist echt lieb.
    du hast recht, ich sollte nicht so viel mich hinterfragen, und so schnell verunsichert sein.
    ich bin am wochenende umgezogen, recht spontan, zu meinem freund. und das war ganz schön viel, und ist eigentlich zu viel für mich im moment. wenn auch von^uns beiden gewollt.

    ich merke es auch recht deutlich, daß meine fähigkeit mich zu strukturieren darunter leidet, ich habe eher wieder das gefühl in den ereignissen zu schwimmen. "es ereignet mich", sozusagen.
    auch meine stimmung ist herabgesetzt-das ist eigentlich zu wenig gesagt. ich kämpfe grade eher mit verzweiflungsgefühlen, und schwarzen sichtweisen.

    du hast recht, das mit der hilfe ist notwendig. ich hab ne "gute" (schlaue, nette, engagierte...) psychologin.
    wenn es aber so dicke kommt wie grade dann habe ich angst ich schaffe es nicht mehr.

    du hast auch recht damit, daß man dann den alltag nicht mehr gut hinkriegt. ich sehe es mit schrecken. weil es mich schon zweimal zum "aus" geführt hat, wo gar nichts mehr ging.

    umso größer ist der druck: ich will das aber nicht! ich will das schaffen!
    das gibt es doch nicht, daß man immer wieder auf den gleichen miesen punkt zurückrutscht?!


    jetzt wo wir zusammen wohnen gibt es erst recht die notwendigkeit die "täglichen pflichten" zu regeln.
    sonst entsteht da auch noch druck. wer ist wann wofür zuständig?

    dazu kommt, daß ich dann auch noch mit schlechtem gewissen zu kämpfen habe, wenn ich verärgert bin zum beispiel über geschirr, das an mir hängen bleibt, weil: er hat ja adhs.
    daß ich nicht kann, weil ich ja eine depression habe, gilt irgendwie nicht, auch oft nicht vor mir selbst.

    eine haushaltshilfe-mein gott, ich habe echt keine lust immer etwas nicht hinzukriegen, und immer auf die hilfe anderer angwiesen zu sein!
    "immer" ist in dem fall gefühlt, nicht real. ich war im letzten jahr schwer körperlich krank, und da konnte ich schon nicht alles mögliche.
    immer wieder hilflos dazustehen macht mich wahnsinnig.

    sunshine, ich hoffe, daß du deine stimmungstiefs gut umschiffen kannst!

    cw

  5. #5


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.199

    AW: Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    Liebe cw,

    nein ich kann meine Stimmungstiefs leider auch nicht immer gut umschiffen, aber ich habe gelernt, dass ich mir dann sofort Hilfe suche, wenn es mal wieder brennt. Das schlimme ist immer, dass man erst mal ganz tief am Boden liegen muss, um dann wieder neu anfangen zu können. Heute ist Hlfe annehmen für mich kein Problem mehr, früher war es das schon. Es war für mich immer wie eine Art Kapitulation. Ich wollte immer alles selber machen und schaffen, habe nur funktioniert und versucht es dabei allen recht zu machen, bis ich nicht mehr konnte.

    Wenn du mir vor 2 Jahren gesagt hättest, dass es lohnt zu leben, hätte ich dich verprügelt so schlimm war es. Deshalb weiß ich, dass es dir auch beschissen geht in deiner Situation.

    Ein zusammen ziehen ist immer schwierig, insbesondere dann, wenn beide einen Sack voller ernsthafter Probleme haben. Es geht ja beim zusammenleben auch darum, dass man nicht nur auf seine Bedürfnisse und Gefühle achten muss, sondern auch auf die des anderen. Das ist ein schmaler Grad, weil man aufeinander sitzt und nicht weg kann.

    Hilfe annehmen ist schwer aber manchmal notwendig und du musst dir immer sagen, dass es ja nicht für die Ewigkeit ist, sondern nur für eine gewisse Zeit, damit ihr endlich mal wieder Strukturen in euer Leben bekommt. Strukturen sind für eines ADHSler lebenswichtig! Deshalb versucht euch jede mögliche Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen, damit ihr so schnell wie möglich aus diesem Chaos kommt. Und du bist nur im Moment hilflos und ich weiß es fühlt sich schrecklich an, aber wenn du aus deiner Depression raus bist, dann siehst du die Welt mit anderen Augen und kannst wieder nach vorne blicken.

    Hah das liebe schlechte Gewissen, das ist hier auch ein großes Thema, davon kann der ADHSLer ein Lied singen in den höchsten Tönen. Das ist etwas, was sich auch durch unser ganzs Leben zieht und somit hast du auch einen kleinen Einblick, wie das bei uns so ist und kannst natürlich dann nachvollziehen, dass es für uns nicht einfach ist. So was kann man aber auch in einer Therapie be-und dann endlich verarbeiten, das dauert aber es funktioniert.

    Ist denn dein Freund auch in Therapie?

    Übrigens, ich habe mir gestern deinen Beitrag zu Herzen genommen und mal einen als kleine Hilfestellung geschrieben, weiß nicht, ob du ihn schon entdeckt hast: https://adhs-chaoten.net/treffpunkt-...enen-adhs.html

    Vielleicht kannst du ja daraus etwas entnehmen, was dir hilft

    Alles Gute für dich und deinen Freund



    Liebe Grüße
    Sunshine

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Umgang mit ADHS-Listen/Pläne

    hi sunny.

    danke, ich hatte es nicht entdeckt, aber jetzt mittels link gelesen.
    sieht überschaubar aus, und bringt sicher manches auf den punkt.
    das einzige was mir nicht einleuchtet ist der vorschlag zum probleme besprechen in die öffentlichkeit zu gehen-denn da wird es genauso impulsiv sein.
    und wenn leute dabei zusehen ist das doch eher öl aufs feuer, oder?

    ich kenne was du beschreibst: erst mußtest du ganz am boden liegen, bevor du hilfe angenommen hast. es war bei mir auch so.
    hilfe annehmen und kapitulation-wiso ist das eigentlich so schmerzhaft?
    woher kommt das bedürfnis nach kontrolle? ist doch eigentlich total blöd, und macht so oft beschwerden...

    danke nochmal für den hinweis, daß wir raus müssen aus dem chaos, und dafür jede hilfe annehmen sollen.
    es ist bei mir zur zeit noch zur hälfte einfach nur theoretische idee von "wie könnte man damit umgehen".
    Richtig begriffen habe ich es nicht, also vor allem die dringlichkeit.
    es ist mehr so ein oberflächliches begreifen.

    meine therapeutin hat mir sogar angeboten daß wir eine therapiestunde nur für einen wochenplan mit meinem freund machen können!
    das zeigt mir deutlich, daß sie darin ein echtes problem und eine echte chance sieht.
    dein nachhaken schubst in die gleiche richtung.
    ich registriere das, wenn es mir auch noch nicht richtig klar ist.


    struktur-oh mann.
    ok, ich setze mich dafür ein.

    ...daß es sich lohnt zu leben...
    da bin ich aber froh, wenn es dir heute niemand mehr sagen muß!


    leben ist ganz schön anstrengend.

    lieben gruß!
    canastawoman

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