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Diskutiere im Thema Mein Kind! im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 8

    Mein Kind!

    Hallo zusammen,

    ich werde mal versuchen die situation mit meiner tochter zu schildern. Meine Tochter ist 17 Jahre alt, mit 6 Jahre wurde bei ihr ADHS festgestellt. Sie wurde auf Ritalin eingestellt, was ihr in der schule unheimlich geholfen hat. Sie wurde von einen 4er kind zu einem 2 er kind. Mit dem Wechsel der schule nach der grundschulzeit wurde es schwieriger. Sie bekam eine neue Klasse, neue lehrer. Naima ist ein sehr wahrheitsliebender Mensch, sie ist ein Perfektionist und mag es garnicht, wenn man sie ignoriert. In ihrer neuen Klasse gab es ein Mädchen, was Ihr das leben schwer gemacht hat. am ende des 5. schuljahrs wollte sie sich aus dem fenster in der schule stürtzen, weil sie mit den beleidigungen nicht mehr klar kam. es war ein schock für mich, einfach grausam! gott sei dank wurde die klasse geteilt und naima kam nicht in die klasse rein wo sich das mädchen aufhielt. einige zeit lang ging es wieder. Dann kam der umzug von hessen nach nrw. sie war 14 jahre damals. hier hatte sie die ersten kontakte mit alkehol, drogen und jungen menschen, die ihr nicht gut tate. es begann ein kampf, ein kampf aus angst sie an den alkehol zu verlieren. dann haute sie immer öfters ab, sie brügelte sich mit jungen erwachsenen, nachts fuhr ich ins kh um mein kind mit 1,8 promille dort abzuholen. für mich brach eine welt zusammen. mit viel liebe, gespräche und ablenkung habe ich sie dann wieder auf den richtigen weg bringen können. Nun aber ist es so, dass sie ohne jeglichen grund von der einen minute zur anderen völlig ausrastet. sie schreit mich an, ihren freund und haut auf tote gegenstände. dann weint sie plötzlich entschuldigt sich bei mir und sagt mir immer wieder, dass sie das nicht wollte und das es ihr so leid tut.... ...... sie sagt mir, dass sie das nicht will aber sie sich nicht dagegen wehren kann.... es passiert einfach und sie schafft es nicht zu kontrollieren. selbst ihr freund ,leidet darunter. wenn ich versuche mit ihr darüber zu reden oder ich ihr vorschlage, dass wir gemeinsam einen arzt aufsuchen sollten blockt sie sofort wieder ab. sie meint, sie wäre ja nicht behindert.... ich weiß einfach nicht mehr weiter! Ich weiß, dass sie ein wirklich liebenswürdiger mensch ist mit ganz viel gefühl und emotionen und das wir uns lieben. nur habe ich auch angst, dass ich es nicht mehr lange aushaltene werde, wenn sie mich weiter so anschreit, beschimpft und mich ablehnt. ich schaffe es ja nichtmal mehr, meine tochter in die arme zu nehmen um sie mal zu drücken und ihr zu zeigen, dass ich sie liebe.... sie stösst mich weg! Ist es wieder das ADHS, kann sich ADHS so auswirken?

    Lieben Gruß
    Blackrain

  2. #2


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.807
    Blog-Einträge: 40

    AW: Mein Kind!

    Hallo, Blackrain

    Darf ich an dieser Stelle mal fragen, ob du denn deine Tochter, wie hier im Thementitel, noch als "Kind" siehst, oder schon als einen Erwachsenen, also sozusagen auf gleicher Augenhöhe mit dir?

    17 ist ja so ein "Schwellenalter", aber dieses Forum hier macht nur dann einen Sinn, wenn du dich mit den spezifischen Problematiken beschäftigen willst, die wir Erwachsene mit AD(H)S haben und in dem Fall kommt es sehr stark auf deine Einstellung deiner Tochter gegenüber und auf deine volle Akzeptanz ihr gegenüber als erwachsenen Menschen an.





    LG,
    Alex

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Mein Kind!

    Hallo Alex,

    ich sehe meine Tochter als junge Erwachsene...... aber als Titel habe ich mein Kind gewählt, weil sie mein Kind ist und das wird sie ja auch ewig bleiben. wie wir kinder unserer Eltern sind.

    Lg Blackrain

  4. #4


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.807
    Blog-Einträge: 40

    AW: Mein Kind!

    Hallo

    Das klingt schonmal nicht schlecht, hört sich für mich allerdings insgesamt anders an.

    Hmm, klingt auf jeden Fall ganz danach, als würde deine Tochter derzeit in einer ziemlichen Krise stecken.

    Die Beziehung Erwachsener mit AD(H)S zu ihren Eltern habe ich bislang noch nicht einmal als unkompliziert erlebt. In aller Regel wurden wir als Kinder entweder abgelehnt oder überbehütet (könnte das bei euch so sein?) was beides auf Dauer nicht ohne (vor allem innere) Konflikte bleibt.

    Spontan fällt mir jedenfalls ein, dass ich mit 17 Jahren mit Anlauf Reissaus genommen hätte, hätte meine Mutter sich mir mehr als einen recht angemessenen Sicherheitsabstand genähert.

    Andererseits halte ich das persönlich auch für absolut Alters-angemessen und analog zu dem, wie ich das auch von allen meinen damaligen Altersgenossen gekannt hab.

    Eure Lebensumstände in den letzten vielen Jahren waren allem Anschein nach auch alles andere als stabil (wo war denn der Vater in der Zeit?).

    Schonmal überlegt, ob es deiner Tochter vielleicht gut tun könnte, wenn du sie mal etwas an einer "längeren Leine" halten könntest?

    Letztendlich muss man mit 17 seinen Weg langsam auch selbst finden, zu was auch negative Erfahrungen gehören, denn aus denen lernt man letztendlich, wenn auch mit AD(H)S oft etwas langsamer.

    Ist mal so mein Gesamt-Gefühl bei der ganzen Sache, aber ich denk mal, dass sich da noch andere zu äussern werden ... mal schaun.



    LG,
    Alex

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Mein Kind!

    Hallo Blackrain,

    ich kann Dir nicht beantworten, was der Auslöser ist für das verhalten Deiner Tochter, ob es ADHS ist oder was auch immer.

    Ich hatte Dir ja schon in Deinem Vorstellungsthread geschrieben, dass ich mit meiner Tochter eine ähnlich schlimme Zeit durchlebt habe. Ich muß dazu sagen, dass es bei ihr sein könnte, dass ADS dahinter steckt, aber ebenso groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es das nicht ist. Sie ist nie diagnostiziert worden.

    Ich kann nicht sagen, wann es bei ihr begann. Sie ist lange bevor ich es mitbekam schon nicht mehr zur Schule gegangen und hat auch massive Probleme mit Klassenkameraden gehabt. Sie hat geklaut bei mir, bei Familienangehörigen, bei Klassenkameraden zu Hause und sie lebte in ihrer eigenen Welt. Irgendwann landete sie in der Straßenpunkszene, ihr Außeres veränderte sich und auch ihr Verhalten mir gegenüber. Sie kapselte sich immer mehr ab, ich kam nicht mehr an sie ran, wir konnten uns auch nur noch anschreien, wenn ich versucht habe, im ruhigen mit ihr zu reden, hat sie mich ignoriert, die Schule interessierte sie nicht mehr und Alkohol, Zigaretten und evtl auch Drogen( was ich nicht weiß) wurden ihre ständigen Begleiter. Jeglicher Versuch, Ihr klar zu machen, dass sie sich ihre Zukunft verbaut, scheiterte kläglich. Sie mal in den Arm zu nehmen, um zu signalisieren, ich hab Dich lieb, war auch mir nicht möglich. Auch ich habe nachts erleben müssen, ins Krankenhaus zu fahren, weil meine Tochter so betrunken war, dass sie das Bewußtsein verloren hat. Ich habe mehr als einmal die Polizei gerufen, weil sie nachts nicht nach Hause kam.

    Deine Ängste, Deine Selbstzweifel, ich habe das auch alles durchlebt und was dazu kam, die "Ratschläge" aus dem Umfeld, die Leute, die meinen, alles besser zu wissen, die aber alle nicht in Deiner Haut stecken, lass Dich von denen (sollte es solche Leute geben) nicht verunsichern, Du hast nichts falsch gemacht. Kann schon sein, dass man nicht alles 100% ig perfekt macht und hinterher ist man immer schlauer, aber wer bitteschön ist perfekt? Kann sein, ich habe Fehler gemacht, aber ich habe immer versucht, meinen Kindern eine gute Mutter zu sein.

    Ich habe auch versucht, sie psychologisch behandeln zu lassen und musste auch feststellen, das funktioniert nur, wenn sie es selbst auch möchte, ansonsten geht es schief. Sie hat mir auch vorgeworfen, dass sie doch nicht blöd ist. Das einzige, was sie gemacht hat, wenn sie keine Lust hatte zur Schule zu gehen, hat sie sich von der Psychologin ein Attest geholt und das sozusagen als Alibi genutzt. Hilfe von Behörden habe ich nicht wirklich bekommen, weil auch die mir sagten, sie könnten nur helfen, wenn meine Tochter es will. Was ich wollte oder wie es mir dabei ging, interessierte dabei niemanden. Letztendlich ist alles so eskaliert, dass ich auch nicht mehr konnte, ich war nervlich so am Ende, dass ich schwerenherzens den Entschluß gefasst habe, sie ins betreute Wohnen zu geben und das nicht, um mich aus der Verantwortung zu stehlen, sondern um meinen damals 7-8 Jahre alten Sohn zu schützen. Das war als sie 16,17 war und natürlich hatte in ihren Augen ich Schuld an dieser ganzen Entwicklung. Sie hat dann erst mal jeglichen Kontakt zu mir abgelehnt und das zu akzeptieren hat mich nochmal sehr runtergezogen, ich konnte es kaum aushalten und die Selbstvorwürfe, ich habe jede nacht mich in den Schlaf geheult. Dort war sie 1,5 jahre und nach etwa einem jahr hat sie dann mal ab und zu unter Beisein ihrer Betreuer mit mir geredet, aber auch nur, weil sie von den Betreuern dazu angehalten wurde oder wenn wir gemeinsame Termine beim Jugendamt hatten.

    Sie ist im letzten jahr 18 geworden und hat seit Anfang dieses Jahres eine eigene Wohnung, sie hat es auch endlich trotz einem nicht berauschenden Schulabschluß (sie hätte eigentlich Abi haben können) endlich eine Ausbildungsstelle und die macht ihr sogar richtig Spaß und sie kümmert sich um alles selbst. Sie hat sich von ihrem Freundeskreis losgesagt und wir haben endliuch wieder langsam Kontakt und ich hoffe, dass sie das alles auch durchzieht und es dabei bleibt. Ich bin durch all das skeptisch geworden und habe noch nicht so ganz Vertrauen, weil ich zu viele Enttäuschungen erlebt habe, immer wenn ich dachte, jetzt hat sie sich gefangen, ging es wieder drei Schritte zurück.

    Aber ich musste mir auch sagen lassen, ich kann nichts machen und wenn sie diesen Weg wählt und wenn es mir noch so schrecklich erscheint, sie ist zwar Dein Kind, aber sie ist alt genug, um zu wissen, welche Konsequenzen ihr Verhalten hat und das ist schwer, weil Du als Mutter willst nicht zusehen, wie es immer mehr bergab geht mit Deinem Kind. Ab einem gewissen Alter kannst Du ihnen aber nicht mehr alles abnehmen, sie müssen auch mal hinfallen und sie müssen eigene Erfahrungen machen, das kannst Du ihnen nicht abnehmen. Du kannst Deiner Tochter nur immer wieder signalisieren und das habe ich auch gemacht, auch wenn ich nicht wusste, ob es bei ihr ankommt, dass Du da bist und dass egal was sie macht, Du immer noch ihre Mutter bist und wenn sie wissen lassen, wenn sie Hilfe braucht, bist Du auch bereit, ihr zu helfen. Du hast aber auch ein eigenes Leben und Du hast auch ein Recht, Dein Leben zu leben und Du kannst Dich nicht kaputt machen. Irgendwann wird es Klick machen in ihrem Kopf und diese Hoffnung und den Glauben an diesen Zeitpunkt habe ich nie aufgegeben.

    Sei für sie da, aber sei nicht der "Prellbock" für sie, mach ihr klar, dass Du nicht bereit bist, Dich ihren Launen auszusetzen. Die Regeln für Dein Leben stellt nicht Deine Tochter auf, die stellst Du auf und wenn sie ihr Leben leben will, dann muß sie aber auch für die Konsequenzen selber gerade stehen.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen.

    Lieben Gruß
    Marvinkind

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 114

    Daumen hoch AW: Mein Kind!

    Hallo Blackrain

    Du schilderst hier den Fall Deiner Tochter ( und selbstverständlich Deinen ) genau so, wie er sich täglich in unserem Institut darstellt.

    Die Menschen, die sich zu uns bewegen, haben natürlich einen Vorteil:

    Sie wollen und suchen Hilfe!!!

    Dies scheint mir, wie auch schon Alex und Marvinkind andeuteten, bei Deiner Tochter noch nicht der Fall, oder aber, sie hat aus Negativerfahrungen heraus kein Vertrauen in irgendwelche Hilfestellungen.

    Wir machen täglich immer wieder die Erfahrung, dass gerade heranwachsende Erwachsene schon seit Jahren ( oft bereits als Kind ) in Therapien waren, die kaum Erfolg gezeigt haben, kann man an dieser Stelle nicht verstehen, dass sie das Vertrauen verlieren, impulsiv und negativ auf Hilfevorschläge ( egal ob Arzt, Psychologe o.a. ) reagieren und explodieren?

    Der persönliche Leidensdruck ist ein immenser Faktor, der Menschen dazu bringt, sich helfen zu lassen, bleibt nur zu hoffen, dass derjenige dann auch die richtigen Menschen trifft, dem ist leider oft nicht so.

    Sei weiterhin der Ansprechpartner Deiner Tochter, signalisiere ihr, ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst, aber ( wie Marvinkind schon sagte ) Du brauchst Dich nicht anschreien und beleidigen zu lassen, vermittele das Deiner Tochter ganz klar, Du bist nicht ihr Fussabtreter.

    Klare Grenzen erscheinen mir hier ( wie überall anders auch ) enorm wichtig, auch als Halteseile und Orientierungshilfe für Deine Tochter.

    Für weitere Fragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung, Du schaffst es ( und Deine Tochter auch )

    LG

    Frank

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