Wenn ich mich zurückdenke in die Beziehungen mit Männern vor der mit meinem heutigen Mann, dann erinnere ich mich vor allem an Langweile. Das kann mir

heute nicht mehr passieren, ob es sich um seine immerwährende Bereitschaft zum quatschen handelt, seine Emotionalität (sowohl in die positive, als auch in

die negative oder gar um die Beseitigung des Chaos in seinem Leben. Mir war in den letzten anderthalb Jahren sicherlich nicht langweilig. Leider werden

hier bisher häufig Probleme besprochen, die ADS nun mal mit sich bringt. Aber mal im Ernst, wäret ihr mit einem Menschen verheiratet, der nur noch einen

Lungenflügel hat, würdet ihr hier doch nicht kritisieren, dass er nicht mit euch Höhenwanderungen macht. Ich denke bei ADS gestaltet sich das ähnlich:

ich muss meinen Mann nicht Situationen aussetzen, die ihm Schwierigkeiten bereiten (z.B. muss ich als wissender Angehöriger die Wochenplanung in einer

völlig überfüllten Straßenbahn besprechen? Klar, kann ich mich dann die Woche über herrlich über die Unzuverlässigkeit meines Mannes aufregen...)bzw. er

nicht bestehen kann. Ich weiß um die Hilfe solcher Foren Bescheid, und ich weiß auch wie verzweifelt man oftmals ist, aber wäre es nicht schön, wenn wir

versuchen könnten positive Eigenschaften herauszuarbeiten? Vielleicht gibt es kleine, liebevolle Anekdoten, die ihr beschreiben könntet...denn nichts

tröstet besser als die Liebe!

An dieser Stelle vielleicht eine knappe Episode aus meiner Wirklichkeit:


Ich liebe Geschichten, ich liebe Bücher und ich liebe es vor allem, wenn man mir Geschichten vorliest. Schon in meiner Kindheit konnte ich davon kaum

genug bekommen. Daher bat ich meinen Mann eines Abends mir doch bitte ein Märchen aus dem Märchenbuch unserer Tochter vor zu lesen. Doch er

druckste rum und wehrte sich vehement. Nach einer ordentlichen Portion Druck und schlechtem Gewissen begann er zögerlich zu lesen...es endete in

einem Desaster. Er war durch seine ADS so "abgelenkt", dass das ganze weder ihm noch mir Spaß machte. So, nun hätte ich meine abendliche

Märchenstunde abschreiben können und ehrlich gesagt, ich hatte sie abgeschrieben. Nicht so mein Mann. Am nächsten Abend lagen wir im Bett und ich

hatte noch deutliche Erinnerungen an den verpatzten Vorabend. Als mein Mann plötzlich, völlig frei und vor allem ungehemmt begann eine frei erfundene,

bildreiche Geschichte zu erzählen. Ich sags euch, die war besser als jedes Märchen hätte sein können.