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Diskutiere im Thema Wieso, weshalb, warum? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    Wieso, weshalb, warum?

    Hallo zusammen,

    ich fange mal von vorne an (soll am einfachsten sein). Also, ich lebe mit meinem Mann seit 9 Jahren zusammen, wir haben eine gemeinsame Tochter (7). Mein Mann hat in seiner Jugend die Diagnose AD(H)S bekommen und wurde damals mit Ritalin (oder so ähnlich) behandelt. Nach einiger Zeit hat er dies jedoch abgesetzt wegen Wahnvorstellungen. Seit etwa 11 Jahren wird er nicht behandelt, das Thema ADS ist mit der Zeit untergegangen und vor einigen Tagen wieder aufgetaucht. Wir haben so die letzten Jahre unseres Lebens mal durchdacht und mir ist dabei aufgefallen das er sehr oft seinen Job gewechselt hat, sei es wegen Krankheit gewesen oder dass er einfach nicht mit seinen Vorgesetzten klar kam, da er diese Oftmals nicht ernst genommen hat. Bis heute kommt er auch nur sehr schwer mit unserer Tochter klar. Bis vor ein paar Tagen habe ich mir da nichts bei gedacht bis das Thema ADS auf den Tisch kam. Daraufhin habe ich mir im Internet einiges durchgelesen und mir sind eine menge parallelen zu meinem Mann aufgefallen. Ich muss dazu sagen das ich bisher nie daran "geglaubt" habe das es bei Erwachsenen auch auftritt, was vielleicht mein Fehler war.

    Oft habe ich das Gefühl mit einem Kind zu sprechen, ich fühle mich von ihm unverstanden und habe immer das Gefühl das es für Ihn nur sich gibt und nichts drumherum ausser es passt ihm gerade, bisher dachte ich immer er sei Egoistisch und einfach nur Faul. Nun habe ich mir diverse Informationen im Internet zusammengesammelt und habe mir dieses Krankheitsbild mal genauer angesehen und festgestellt das er "vielleicht" nicht immer etwas dafür kann wie er sich verhält.

    Bevor wir uns kennenlernten lebte er noch bei seiner Mutter und es war das normalste der Welt das sie sich um alles gekümmert hat und ich habe schon am Anfang unserer Beziehung unbewusst diese Rolle weiter übernommen. Er hatte nie die Chance verantwortung für sich selbst zu übernehmen da es immer andere für ihn gemacht haben. Ich glaube das es ein riesen Fehler war das ich ihm alles abgenommen habe, aber desto mehr Verantwortung ich von ihm fordere desto mehr igelt er sich ein, nun kann ich das ein Stück weit verstehen aber ich habe schwierigkeiten damit umzugehen. Es gibt ein Paar kleine Beispiele bei denen ich mir unverstanden vorkam, aber er hat es wahrscheinlich nicht mit absicht gemacht, denn er hat nie wirklich nie in der ganzen Beziehung etwas auf seine Krankheit geschoben, ich glaube sogar er denkt es sei normal wie er sich verhählt.

    1. Nach der Geburt unserer Tochter hat er sich die erste Zeit sehr von ihr ferngehalten und war überfordert wenn ich nur alleine einmal zum Einkaufen gegangen bin. Ich habe gedacht das er einfach nur unfähig ist sich um sein Kind zu kümmern und die verantwortung zu übernehmen.
    2. Vor ein paar Jahren hat mein Vater einen Herzinfarkt gehabt und ich musste zu ihm fahren und da ich nicht wusste in welcher Verfassung er war habe ich unsere Tochter zu hause gelassen. Da mein Vater jedoch in einer anderen Stadt wohnt habe ich sie übers Wochenende bei meinem Mann lassen müssen (womit ich mich von vornherein unwohl fühlte) und als ich wiederkam sah die Wohnung aus wie sau und meine Tochter meinte nur Papa hätte die meiste Zeit geschlafen. Ich war ausser mir vor Wut darüber das ich mich scheinbar ganz und garnicht auf ihn verlassen kann.
    3. Seit Anfang des Jahres hat er einen neuen Job der ihm meistens gefällt, sobald jedoch Stresssituationen auftreten fällt er in ein Muster, er wird antriebslos, hat keine Lust zu garnichts, fühlt sich unverstanden und denkt immer sofort er würde gekündigt sobald er sich nur einen Fehler erlaubt. An dieser Stelle dachte ich schon daran das er depressiv sei. Im nächsten Moment jedoch blüht er vollkommen wieder auf (ist auch sehr von seinem Umfeld abhängig). Dadurch entstehen Stresssituoationen zu Hause da er alles aus seinem Job die ganze Zeit mit sich herumträgt, er fühlt sich oft überfordert mit der ganzen Situation und dann komme ich auch noch und verlange das er dies macht das er jenes macht usw. und dabei bekomme ich garnicht mit wie ihn das vielleicht Stresst und denke wieder einmal das er einfach nur ein Egoist ist.
    4. Am vorletzten Wochenende wollte ich mit ein paar Freundinnen etwas trinken gehen und er musste deshalb auf unsere Tochter aufpassen, als ich ihm das sagte war er sofort genervt und "zickig". Es war nicht so als hätte er was vorgehabt, er lag im Bett und hat noch fern gesehen. Als unsere Tochter sich dann zu ihm legen wollte fing er an sie anzumeckern sie solle gehen, er wolle seine ruhe. Die Situation hatte sich schnell geklärt aber ich muss sagen ich fühlte mich unwohl als ich ging, jedoch wusste ich das unsere Tochter eh in ein paar Minuten schlafen würde.
    Dies sind nur wenige Situationen die ich aufzähle, jedoch passiert soetwas sehr oft im Alltag.
    Ein anderes Problem was er hat, er denkt nicht, er redet sofort drauf los und löst damit Situationen aus die teilweise eine Lawine mit sich ziehen. Oft ist sein Problem das er unbedingt überall mitreden muss, er will von allen gemocht werden. Meistens weiss er das die anderen (auf der Arbeit) alles gegen ihn verwenden jedoch erzählt er denen trotzdem immer wieder viel zu viel. Mitarbeiter die er nicht leiden kann und die ihn hintergehen denen versucht er trotz dessen alles recht zu machen und gibt hier mal ein Mittagessen aus oder da mal eine Schachtel Zigaretten, bis er wieder in den allerwertesten getreten wird. Drei Wochen später das gleiche Spiel.

    Immer öfter fällt mir auf das er sich von mir sogar vernachlässig fühlt, er stellt sich in solchen Situationen oft auf eine Stufe mit unserer Tochter und es heisst "aber sie hat". Sogar Streitereien unter meinem Mann und unserer Tochter entwickeln sich mit der Zeit zu einem Kinderstreit, ich versuche zu schlichten und ich höre von meiner Tochter "Papa hat...." (was ich verstehen kann) und von meinem Mann "Aber sie hat zuerst...." Ich komme mir hier teilweise vor wie eine Mutter von zwei Kindern, was ich teilweise auch selbst zu verschulden habe da ich diese Rolle ohne darüber nachzudenken übernommen habe damals.
    Oft ist er sehr impulsiv, bei Stereits mit mir wird er erst sehr aufbrausend und beleidigend und später fängt er an mich zu ignorieren. Konfrontiere ich ihn mit seinem Verhalten erklärt er mich für "bescheuert", er beschönigt alles und tut alles ab was man zu ihm sagt. Er hat ein sehr starkes Selbstbewusstsein nach aussen hin jedoch ist er oft sehr verunsichert. Oft ist er laut, er redet sehr laut "schreit" geradezu und er ist oft sehr albern und nimmt mich nicht ernst wenn ich versuche ihm zu erklären wie ich mich fühle, mal abgesehen davon redet er nie über seine Gefühle, z.B. als seine Mutter verstorben ist hat er es versucht mit sich alleine auszumachen und mich kaum an ihn rangelassen. Dann gab es Situationen in denen er mir erklärt hat das er es unfair findet das seine Mutter gestorben ist und das ihm das zu schaffen macht, ich darf nur niemals anfangen mit ihm darüber reden zu wollen, dann macht er dicht.
    Es gibt aber auch wieder viele Situationen in denen ich mich vollkommen auf ihn verlassen kann und er auf einmal Verantwortung übernimmt, unternehmungslustig ist usw.

    Falls nun jemand denkt ich möchte sein Verhalten mit seiner Krankheit erklären, der liegt gaaaaanz falsch, ich möchte nur verstehen warum er diese Dinge tut und wie ich damit umgehen kann. Er selbst tut sich schwer damit Hilfe zu suchen, denn es ist ihm unangenehm. Seit ein paar Tagen spreche ich ihn zwischendurch an ob er nicht mal schauen will ob wir hier etwas in der Nähe haben wo er hingehen kann, er zeigt sich meist desinteressiert und sagt "Ja mache ich die Tage mal" oder "Schauen wir mal". Ich will ihn dazu nicht drängen, deswegen versuche ich es jetzt damit das ich es immer öfter erwähne.

    Ich habe ehrlich gesagt probleme mit ihm umzugehen und habe auch oft an Scheidung gedacht, nur so blöd das auch klingen mag, ich Liebe ihn und sehe es nicht ein unsere Beziehung einfach aufzugeben und als ich mich über ADS imfomiert habe und mir klar geworden ist das vieles auf ihn zutrifft möchte ich versuchen ihn besser zu verstehen und ihm beiseite zu stehen, bis er sich überwinden kann Hilfe zu suchen.

    Haltet mich für bescheuert oder nicht, ich würde mich aber über Tipps und Hilfe freuen.

  2. #2
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hi Jacky,

    erstmal finde ich es klasse, dass du dich informierst und Lösungen suchst.

    Ich kann jetzt nicht auf alles eingehen, was du geschrieben hast. Es ist spät und meine Konzentration als ADSler reicht nicht mehr, hab mich schon schwer genug mit deinem Text getan ;-)

    Also: es klingt SEHR so, dass ein Großteil der Probleme bei euch ihre Ursachen im ADS deines Mannes haben. Problem: Wenn dein Mann nicht bereit ist, sich mit der Sache auseinander zu setzen, gibt es auch keine Chance auf große Änderungen. Deine Strategie, das Thema immer wieder hochzubringen, halte ich für zum Scheitern verurteilt. Denn entweder, er akzeptiert das nichts, dann nervst du ihn nur. Oder er akzeptiert das, aber kriegt den A**** nicht hoch, dann nervt ihn deine permanente Erinnerung nur noch mehr. Denn "Mach ich die Tage mal" heißt bei nem ADSler in der Regel irgendwas zwischen "lass mich in Ruhe" und LMAA. Ich weiß nicht, ob du eine Chance hast, mit ihm Unemotional darüber zu reden. Und wenn er offen ist, biete ihm an, dass du dich um einen Termin beim Arzt etc kümmerst. Ich gebe dir zwar recht, dass du aus der Mutter-Rolle rausmusst. Aber wenn er offen für eine Diagnose ist, würde das die Chance auf Medikamente eröffnen und damit würde die ganze Entwicklung viel einfacher und schneller gehen.

    Wie sieht das denn mit deiner Tochter und ADS aus? ADS ist ja hochgradig vererbbar, die Chance, das sie es auch hat, ist also eher hoch.

    Mehr kann ich dir gerade nicht schreiben, das sind so meine ersten Ideen. Wenn du konkrete Fragen hast, frag einfach, ich tu mein möglichstes, zu antworten. Immerhin bin ich als ADSlerin mit nem ADSler verheiratet und wir kommen beide aus massiv ADS-belasteten Familien, das ein oder andere kann ich also sicher erklären.

    Viele Grüße
    Cam

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Guten morgen cam,

    ersteinmal vielen Dank für deine Antwort.
    Das Problem mit meinem Mann ist, an dem einen Tag findet er das eine gute Idee einen Arzt aufzusuchen, weil er merkt das er Probleme auf der Arbeit und zu hause hat. Am nächsten Tag ist alles wie weggewischt, entweder läuft alles wieder super für ihn oder ihn interessiert es dann nicht was andere denken. Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich bei ihm. Hat er interesse sagt er ja mach das, hat er keines sucht er ausreden warum er dort nicht hinkönnte (Arbeitszeiten). Ich habe mich natürlich informiert wo wir hier Hilfe finden können nur habe ich noch nicht den "Mut" gehabt dort anzurufen da ich nicht weiss ob er diesen Termin auch wahrnehmen würde. Aber ich werde es mal versuchen ihm das vorzuschlagen das ich mich darum kümmere, mal abgesehen davon, wenn er einen Zahnarzttermin braucht wartet er darauf das ich ihm einen mache und er nimmt ihn auch ohne diskussion wahr.

    Ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht darüber informiert wie es sich bei Kindern äussert und habe mich dementsprechend auch noch nicht weiter damit auseinander gesetzt, das wird aber der nächste Schritt sein. Ich habe oft gehört das Kinder aggresiv sein sollen wenn sie unter ADS/ADHS leiden und das ist bei unserer Tochter ganz und garnicht der Fall. Sie redet viel und ist teilweise "ungeduldig" jedoch konzentriert sie sich sehr oft auch Stundenlang auf eine Sache. Sie ist sehr aktiv und kaum müde zu kriegen.
    VIelleicht ist es ja ein erster Schritt zu sehen ob sie daran erkrankt ist und sollte das der Fall sein erklärt er sich vielleicht auch dazu bereit etwas gegen seine erkrankung zu unternehmen und sie könnten gemeinsam damit umgehen und ich würde es lernen.

    Eine Frage brennt mir jedoch auf den Lippen, wie soll ich ihm etwas näher bringen? Also wie kann ich ihm etwas klar machen ohne ihn damit zu überfordern? Damit er mir auch mal zu hört.

    LG Jacky2330

  4. #4
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hallo Jacky,

    die Idee, das Ganze von hinten über deine Tochter aufzurollen ist gut, finde ich. Kinder mit ADS sind nicht immer agressiv, von Jungs wird das manchmal berichtet aber gerade bei Mädchen ist das ein schlechter Wegweiser. Ein Tipp von mir: kauf dir "das hyperaktive Kind und seine Probleme" von Cordula Neuhaus. Finde ich ein wirklich gutes, kurzweiliges Buch, was entgegen seinem Titel auch immer wieder über Erwachsene spricht. Und dann betrachte einfach mal ganz unvoreingenommen, ob das, was da besprochen wird, auf deine Tochter eher zutrifft oder eher nicht. Natürlich sind in diesem Buch alle Merkmale dargestellt, die so kaum in Mensch in der Fülle hat und natürlich sind eher die massiven, auffälligen Extreme jedes Merkmals dargestellt, weil man es da halt am schönsten sieht, also nicht alle Probleme, die das Buch beschreibt, werden bei deiner Tochter auftauchen (falls sies hat). Davon abgesehen glaube ich, dass du oft schmunzeln wirst, wenn du das Buch ließt.

    Das kann auch ein Weg sein, deinen Mann zu interessieren. Wenn du zB Abends auf der Couch ließt, wenn er Fernsehen guckt oder sonst dabei sitzt und dabei immer wieder lachst oder schmunzelst (natürlich nur, wenn du das auch so empfindest, immer echt bleiben!!!) wird ein "normaler" ADSler über kurz oder lang neugierig, was du da so faszinierendes hast. Dann kannst du ihm vielleicht kleine (aber wirklich kleine!!!) Passagen vorlesen - natürlich immer ohne Wertung a la "das ist ja genau wie bei dir". Höchstens "erkennst du da auch unsere Tochter wieder?" - falls das denn stimmt.

    Die Alternative ist tatsächlich, ihm einfach einen Termin zu machen. Du solltest nur sehr genau auswählen, wo du ihn hinschickst, denn nicht überall machen ADSler gute Erfahrungen und wer einmal so richtig nicht verstanden worden ist, das wird schwierig den noch mal zu motivieren. Aber da findest du auch hier im Forum eigentlich gute Ratschläge.

    Aber insgesamt hilft bei einem ADSler nur neugierig machen. Wenn er etwas spannend findet, wird er sich damit auch länger beschäftigen, sobald etwas langweilig wird oder einem gar aufgedrängt, wirds schwierig.

    Und was dir klar sein muss: Wenn dein Mann tatsächlich irgendwann Medis kriegt, kann es sein, dass er sich plötzlich von dir bis zu einem gewissen Grad löst, unabhängig macht. Im Moment managst du ja wenn ich das richtig verstehe sein Leben. Das wird er dann vielleicht zu einem großen Teil nicht mehr brauchen und auch nicht wollen. Da darfst du nicht verletzt sein, falls er sich da auch plötzlich ganz abrupt unabhängig von deinem Management macht. Oder aber er sagt sich, ist ja so bequem, lass die mal weiter rödeln. Bei ADSlern kann beides sein, da solltest du dich innerlich drauf vorbereiten, sonst bist du nachher verletzt.

    Hilft dir das weiter?

    lg
    Cam

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hi Cam,

    deine Antwort hilft mir aufjedenfall ein Stück weiter. Ich werde mir nächste Woche dieses Buch einmal kaufen und mir das durchlesen und auch mal sehen dass ich für meine Tochter einen Termin bekomme um sie einmal testen zu lassen.
    In unserer näheren Umgebung bin ich leider noch nicht fündig geworden was Erwachsene anbetrifft, das wäre dann ne Stunde Autofahrt entfernt, aber wenn er sich dazu bereit erklärt wäre auch das nicht das Problem. Ich werde ihn natürlich überall hin begleiten, sofern er das will, es liegt mir fern ihn einfach irgendwo hinzuschicken und zu sagen "Nun mach mal".

    Mich würde allerdings noch Interessieren wie sich die Medikamenten einnahme auf den Menschen im speziellen auswirken kann. Wird er aufeinmal völlig unabhängig oder braucht er trotzdessen noch Hilfe? Kann ich mit ihm plötzlich über meine Gefühle sprechen und er versteht mich oder ist das immer noch spanisch für ihn? Wird er über seine Gefühle sprechen können ohne das es ihm peinlich ist? Wird er eine bessere Bindung zu unserer Tochter entwickeln? Wird er sich als Mensch verändern? Was kann im schlimmsten Fall auf mich zu kommen? All das, und noch viel mehr, sind fragen die mir durch den Kopf schiessen. Mal abgesehen davon weiss ich nicht einmal ob er Medikamente nehmen würde, er hasst es welche zu nehmen und hat durch die Ritalin-geschichte auch schlechte erfahrungen mit Medikamenten bei ADS gemacht.

    Lg Jacky

  6. #6
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hi Jacky,

    als allererstes musste ich ein bisschen grinsen, als du meintest du würdest ihn natürlich begleiten zu so einer Testung. Ich weiß nicht, wie die Situation ist, vielleicht hilft ihm das tatsächlich, aber es klingt ein bisschen nach überbeschützender Mutter. Nimms mir nicht übel, aber überleg genau, ob er sich dabei wirklich unterstützt fühlen würde oder vielleicht nur kontrolliert, so nach dem Motto "die traut mir noch nicht mal zu da alleine hinzufahren". Nur so als Denkanstoß.

    Zu den Medis: Nein, kein Mensch ändert sich durch die Medis von heute auf morgen. Was du von außen als allererstes merken wirst ist das die Unruhe verschwindet. Die Medis bewirken, dass man sich konzentrieren kann, dass man Reize, die eigentlich nur stören, ausfiltern kann. Außerdem kann man sich plötzlich aufraffen, die anzugehen, und die "Vergesslichkeit", die ADSler oft haben, wird besser. An einigen Stellen reagiert man dadurch weniger massiv, kann Dinge besser einordnen und unemotionaler betrachten. Die Medis ermöglichen einem, an sich zu arbeiten, Dinge zu verändern und Strukturen aufzubauen. ZB Arzttermine machen. Ohne Medis schiebt man das vielleicht ewig hin "ach ja, ich müsste auch mal" aber nichts passiert, mit Medis ist plötzlich diese Lähmung weg und man macht einfach. Ich merks ganz massiv beim Lernen von Dingen, die ich jetzt nicht so spannend, aber recht schwierig finde. Ohne Medis kann ich mich noch so sehr bemühen, die Konzentration schweift ab, ich werde sofort körperlich müde, muss aufstehen und rumlaufen. Mit Medis hebt sich plötzlich der Schleier, ich kann tatsächlich an der Aufgabe dranbleiben, mich kann sogar jemand unterbrechen und ich kann wieder zurück zur Aufgabe. Bei ADSlern sagt man oft "er kann doch wenn er will" und das stimmt, aber das Wollen kann ich nicht beeinflussen. Es reicht also nicht, zu verstehen, dass das wichtig ist, damit ich "Will". Mit Medis kann ich diesen Schritt plötzlich machen.

    Also, du brauchst dir keine Sorgen machen, dass er plötzlich ein anderer Mensch ist. Er hat mit Medis die Chance sich zu ändern, aber auch dann muss man das angehen. Das schlimmste, was aus deiner Sicht passieren kann ist, dass er plötzlich deine "Bemutterung" nicht mehr will. Und das möglicherweise auch sehr plötzlich sehr deutlich ausdrückt, obwohl du vielleicht glaubst, so weit ist er noch nicht.

    Was die anderen Themen angeht, Gefühle etc, ob sich da etwas tut? Ja, möglicherweise. Aber garantieren kann das niemand.

    Auf jeden Fall, die schlechten Erfahrungen mit den Medis klingen nach einer falschen Einstellung bei ihm als Kind. Das ist halt kein System wie ich nehm mal ne Aspirin sondern man muss da sehr sorgfältig sein und nicht jeder reagiert auf alle Medikamente und schon gar nicht bei den gleichen Dosen. Da muss man bei der Einstellung eine Menge Geduld aufbringen. Hat bei mir mehr als ein halbes Jahr gedauert, bis ich happy mit meinen Medis war.

    Viele Grüße
    Cam

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hallöchen,

    das ich mit ihm mitfahren würde war nicht so gemeint das ich ihm das nicht alleine zutraue, eher so dass ich ihn damit nicht alleine lasse, natürlich nur wenn er das möchte.
    Mit den Medikamenten (sollte es dazu kommen) müssen wir schauen wie sich das ergibt, es wird dann bestimmt ungewohnt für mich aber es geht um ihn und darum es ihm einfacher zu machen.
    Ich werde in den nächsten Tagen ersteinmal einen Termin für unsere Tochter holen, mal sehen wie sich das dann entwickelt wenn wir bei ihr gewissheit haben. Zur Zeit ist er noch recht reserviert wenn es darum geht ihm einen Termin zu besorgen.

    Ich danke dir vielmals für deine Meinung, Tipps und Antworten. Es hat mir schon weitergeholfen mal mit jemand aussenstehenden darüber zu schreiben der auch noch selbst betroffen ist und mich da etwas beraten kann. Wenn es nicht stört werde ich gegebenenfalls hier weiterposten, mir persönlich Hilft es sehr und ich finde Antworten auf Fragen die, die meisten mir nicht wirklich beantworten können.

    Lg Jacky

  8. #8
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Wieso, weshalb, warum?

    Hallo Jacky,

    dass du es nur gut meinst, ist völlig klar, sonst wärst du nicht hier. Ich meinte halt in Bezug auf das Begleiten nur, dass du sicher stellen solltest, dass es auch bei ihm richtig ankommt und nicht als Bevormundung verstanden wird. Nicht falsch verstehen.

    Ansonsten drück ich dir die Daumen, dass sich alles so entwickelt, wie du es dir wünscht. Klar kannst du jederzeit hier schreiben! Wir sind ja hier alle dafür da, einander zu helfen :-)

    Liebe Grüße
    Cam

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