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Diskutiere im Thema Kann das funktionieren mit meinen Ängsten? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 2

    Frage Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Hallo liebe Community,

    ich hätte nie gedacht, dass ich auch einmal hier schreiben würde aber leider geht’s nun nicht mehr anders. Leider etwas länger geworden.

    Ich bin M26 und habe eine Freundin W22(mit ADS) seit mittlerweile 2 Jahren.(weiß es erst seit ca. 2 – 3 Monaten)

    Wir haben uns damals bei einem Freund kennen gelernt und haben uns auch recht schnell gut verstanden. Wir trafen uns öfter, redeten zusammen und kamen schnell auf einen Nenner.

    Wir trafen uns am Anfang wirklich sehr oft und die Zeit war sehr schön. Nach paar Monaten, merkte ich dann so langsam, das nun diese Anfangsverliebtheit bisschen vergangen war, dass diverse Dinge in meinen Augen „sehr komisch“ waren. Sprich die ersten Auffälligkeiten an ihrer Person.
    Sie war sehr unordentlich, sehr vergesslich, unpünktlich und hatte teilweise Dinge getan die ich nicht verstehen konnte. Zu diesem Zeitpunkt störte es mich nicht so. Ich dachte einfach nur, dass es wahrscheinlich nur eine blöde Angewohnheit sei bzw. auch am Elternhaus liegen würde. Also wurde die Sache auch schnell wieder vergessen.

    Paar Monate später, sah ich das ganze dann schon etwas dramatischer. Als ich Sie damals kennen gelernt hatte, war sie arbeitslos, da Sie von Ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurde(Bürokauffrau). Dabei hatte ich mir natürlich auch nichts gedacht, da dies immer von Betrieb abhängig ist. Mittlerweile wurde Sie aber innerhalb von 1,5 Jahren wieder 2 mal gekündigt.

    Im ersten Betrieb wurde Sie innerhalb der Probezeit gekündigt. Dabei fiel mir jeden Tag auf, dass sie ständig im Internet am surfen war. Oftmals im Faceb**k. Ich hatte Sie dabei mehrmals gefragt, ob Sie denn auf der Arbeit nichts zu tun hätte. Anscheinend war dies selten der Fall bzw. waren alle Arbeiten erledigt. Kurz vor Ende der Probezeit kam dann die Kündigung.

    Nach einem halben Jahr, erhielt Sie dann einen neuen Job als Bürokauffrau. Das gleiche Schema wie in der ersten Firma ereignete sich. Allerdings wurde Ihre Probezeit hier zuerst von 3 auf 6 Monate verlängert. Für mich war die Sache klar. Es stimmt was nicht. Ich redete mit Ihr und habe Ihr versucht zu erklären, das Sie an ihrer Arbeitsleistung und an ihrer Konzentration was tun müsse. Sie wollte es nicht verstehen, anscheinend wäre es schon öfter vorgekommen bei Angestellten in dieser Firma, dass diese verlängert wurden. Für mich als normaldenker ergab das alles keinen Sinn. Ich hatte schon geahnt was kommt. Und es kam. Die Kündigung!

    Zu dieser Zeit hatten wir sehr viel Stress. Ich war frustriert. Wusste selbst nicht was ich tun konnte außer mit ihr zu reden.
    Ich selbst bin kein Perfektionist, aber bin ein sehr zukunftsorientierter Mensch. Ich probiere vieles für meine Zukunft zu tun, Beruflich aufzusteigen etc. damit ich es irgendwann leichter habe und auch eine gesunde Familie haben kann. Bei ihr habe ich aufgrund ihres Verhaltens nicht das Gefühl. Sie hat zwar die selbe Meinung in Bezug auf Zukunft, und sieht das mit der Familienplanung genauso, tut aber in meinen Augen aber nichts dafür.

    Irgendwann aber hatte Sie ein Gespräch mit ihren Eltern und dann kam die Sache mit ADS ans Tageslicht. Die Eltern wollten mir Ihr den Arzt aufsuchen, da ihr Verhalten Anlass dazu gegeben hat. (wegen den Jobs etc)
    Sie erzählte es mir. Ich war geschockt und verwirrt. Wusste nicht, was ich in dem Moment denken sollte. Die Tage und Woche darauf informierte ich mich sehr viel über diese Krankheit. Mittlerweile hat sie die Diagnose bekommen vom Arzt, dass sie ADS hat und bekommt seit 2 Wochen Medikinet Tabletten sowie einen Selbsthilfekurs. Zusätzlich hat Sie ein Begleitbuch sowie eine DVD dazu bekommen.

    Seitdem ich mir diese DVD angesehen habe, bin ich total außer mir. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Für mich stehen 2 Gegensprüche in sich. Zuerst lieb ich diese Frau, sie gibt sich auch merklich Mühe mit der Situation, da sie nun sieht, dass es mir schlecht dabei geht. Zweitens, weiß ich nicht, ob ich mit ihr meine Zukunft verbringen kann. Wie ich bereits schrieb, bin ich ein zukunftsorientierter Mensch. Ich habe Angst vor dem was kommt. Sie ist schon ein besonderes Mensch, der viel Verständnis und Aufmerksamkeit braucht. Dies ist für mich auch eine Herausforderung in manchen Situationen die Nerven zu bewahren, aber trotzdem hab ich Sie total gerne und würde Sie ungerne bzw. nur gegen meinen Willen gehen lassen. Sie ist ein total liebevoller Mensch, schreibt jeden Tag wie gern Sie mich hat und mich nie verlieren möchte. Kann mir kaum vorstellen, dass ich jemals noch mal so einen liebevollen Menschen begegne. Gleichzeitig weiß ich auch, dass sie kaputt gehen würde bei einer Trennung. Und grade jetzt, hat Sie auch noch einen neuen Job gekriegt, wo Sie nächste Woche anfangen kann.

    Mein Problem lässt sich vielleicht schon raus lesen. Wenn ich mit Ihr zusammen bleibe, kommen mir ständig die Gedanken in den Kopf, ob unsere Beziehung eine Basis/Zukunft hat. Was passiert wenn wir Kinder kriegen? Die „Krankheit“ ist hochgradig vererbbar. Was passiert wenn das Kind ebenfalls ADS hat, wenn nicht sogar ADHS? Komme ich dann mit 2 solchen Menschen in einem Haushalt klar als „normaler Mensch“? Ich glaube nicht bzw. kanns mir nicht vorstellen. Ist es das Risiko Wert irgendwann allein dazustehen, wenn es doch nicht für mich zu schaffen ist? Die Gedanken verfolgen mich jetzt schon jeden Tag, in denen ich Sie sehe. Verlassen will ich Sie allerdings auch nicht. Ich weiß nicht mal, ob ich es übers Herz bringen würde Sie zu verlassen. Ist es überhaupt möglich jemanden zu verlassen, für den man noch etwas empfindet?

    Es ist ein Teufelskreis. Egal wie ich mich entscheide. Soll ich aufs Herz oder auf meinen Kopf hören? Schaff ich es meinen Kopf zu unterdrücken oder gehe ich daran kaputt? Die Gedanken sind jetzt schon eine Qual, und ich vermute leider die werden nie verschwinden.

    Was sagt ihr dazu?

    Ein trauriger / leidender Mensch.

  2. #2
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Hallo Gehi!

    Letztendlich kann dir bei deiner Entscheidung keiner helfen. Vielleicht kann ich dir aber ein paar Argumente geben.

    Jetzt nimmt deine Freundin also seit 2 Wochen Medikinet. Vermutlich ist sie da noch nicht bei einer endgültigen Dosis sondern noch beim Einschleichen, oder? Also hat sie auch noch keine 100%ige Wirkung, vermute ich. Aber hast du denn den Eindruck, sie kommt damit gut zurecht? Ändert sich was bei ihr? Ich denke, du solltest auf jeden Fall mal abwarten, wie das mit den Medis funktioniert. Denn mit den Medis kann man plötzlich Dinge in seinem Leben ändern, die man vorher einfach nicht ändern konnte. So was wie Konzentration bei der Arbeit zB.

    Interessant finde ich, dass du nicht über ihre Unordnung schimpfst, über ihre Impulsivität und das sie ständig Dinge vergisst. Das erwähnst du zwar, aber ich habe den Eindruck, das ist nicht das, was dich hauptsächlich stört, sondern eher ihre Unfähigkeit, sich eine Zukunft aufzubauen. Ist das richtig? Gerade da hast du eine gute Chance, dass sich das mit den Medis ändert - vor allem, wenn sie bereit ist, an sich zu arbeiten, was ich jetzt so verstanden habe. Allerdings muss ich ehrlich sagen, sie muss ernsthaft drüber nachdenken, ob ihr Job der richtige ist. Ich hab 2 Jahre etwas ähnliches gemacht und bin daran fast kaputt gegangen (allerdings noch vor der Diagnose). Es gibt nun mal Jobs die sind für ADSler geeigneter als Andere. Und diese ganzen Bürojobs sind das meist eher nicht so...

    Wo ich dich nicht beruhigen kann ist deine Angst vor einem Kind mit ADS. Ja, ADS ist hochgradig vererbbar. Bei einem nicht betroffenen Elternteil und einem betroffenen sind die für mich aktuell glaubwürdigsten Daten eine Wahrscheinlichkeit von etwa 70%. Das entspricht auch meinen persönlichen Erfahrungen, hab im Bekanntenkreis zwei solcher Paare mit je 3 Kindern, von denen je 2 betroffen sind. Wenn du also partout kein Kind mit ADS akzeptieren kannst, musst du dir eine andere Partnerin aussuchen (das klingt jetzt brutal aber ich meine das wirklich ganz Wertungsfrei).

    Auf der anderen Seite bin ich gerade schwanger und mein Mann und ich sind ja beide ADSler Mischtyp. Ich gehe also fest von einem betroffenen Kind aus. Ist das so schlimm? Ich persönlich denke, ADS gekoppelt mit einem stabilen, liebevollen Zuhause, guter Intelligenz und vor allem eine rechtzeitigen Diagnose mit evtl. Medis ist nicht nur eine Belastung sondern solche Menschen sind an vielen Stellen auch sehr leistungsfähig. Und als Kinder mögen sie manchmal anstrengend sein, aber sie haben auch ganz wunderbare Eigenschaften, man kann sie zB sehr leicht von allem möglichen begeistern und für vieles interessieren. Sie können zwar ziemlich bocken, aber genauso schnell ist auch wieder "Gutwetter". Meine Mutter sagt zb bis heute, ich sei ein sehr einfaches, folgsames Kind gewesen und ich war auch gut in der Schule, hatte viele Freunde etc. Also nicht jedes ADS-Kind ist ein Problemkind. (Außer, was das Zimmer aufräumen angeht ;-)

    Was dir allerdings auch klar sein muss ist, das deine Freundin nie die Modell-Hausfrau und -Mutter sein wird. Sie kann, wenn sie an sich arbeitet, (Medis nimmt) und sich gut über ADS informiert, eine sehr liebevolle und für ein Kind eine sehr unterstützende Mutter sein. Meine Mutter zB ist auch ADSler, aber bis heute nicht diagnostiziert, und sie war eine fantastische Mutter, wenn auch manchmal unkonventionell. Aber eine gute Hausfrau wird eine ADSlerin nicht. Es sei denn, sie ist eine der wenigen, die da eine extreme Überkompensation haben, aber das klingt bei dem was du schreibst nicht so. Wenn ihr tatsächlich eine Familie gründet, müsst ihr intensiv überlegen, wie das funktionieren kann, denn das ADS-Kind braucht dringend ein verlässliches Umfeld. Mein Mann und ich haben zB deswegen eine Haushälterin, die zwei mal die Woche kommt und dafür sorgt, dass wir saubere Wäsche im Schrank haben und die Wohnung nicht zum Messie-Chaos verkommt. Das ist zwar finanziell schwierig, aber für die Ruhe, die das in unsere Beziehung bringt, verzichte ich auch gerne an anderen Stellen auf das ein oder andere.

    Also unterm Strich würde ich sagen, warte erst mal, wie die Situation sich mit den Medis darstellt. Das man sich Gedanken macht, wenn es an die Zukunftsplanung geht, ist glaube ich normal. Aber am Ende musst du dir sicher sein, dass deine Freundin die richtige ist. Und ja, man kann sich von einem Menschen trennen, auch wenn man denjenigen noch liebt. NUR Liebe reicht halt nicht. Auch ob sie extrem darunter leiden würde oder nicht, ist am Ende nicht dein Problem. Was du entscheiden muss ist, ob die Beziehung für DICH richtig ist oder nicht.

    War das Ganze jetzt etwas chaotisch geschrieben und ausufernd? Ich glaub ja. Vielleicht hilft es dir trotzdem.

  3. #3
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Ach ja, nein, du kannst auf Dauer deinen Kopf NICHT ausschalten. Wenn dein Kopf wirklich mit der Situation nicht klarkommt, wird das auf Dauer meiner Ansicht nach nicht.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Hallo Cam,

    ich danke dir für deine Antwort und das du dir Zeit genommen hast für meinen Beitrag

    .
    Es ist wirklich schwierig eine solche Entscheidung zu treffen.
    Für mich ist es, als würden Feuer und Wasser aufeinander treffen.

    Und genau so geht es auch in meinem Kopf vor.
    Einerseits denke ich, dass die Situation zu bewältigen ist, wie du auch geschrieben hast. Andererseits denke ich, dass mir das Risiko nicht klar zu kommen doch zu hoch ist.
    Eine frühzeitige Diagnose und der korrekte Umgang mit dem Kind mit evtl. frühzeitiger Einnahme von Tabletten könnte die Situation sicherlich entschärfen. Aber ob das die Lösung ist? Es ist anscheinend total unsicher in welchem Grad das Kind die Krankheit erhält und ob die Medikamente im gewünschten Grad helfen würden. Habe auch gelesen, dass die Medikamente manchmal nur in geringen Prozentpunkten anschlagen. Trotzdem müsste ich auch hier meine innerliche Ruhe finden und die Situation akzeptieren und unterstützen und könnte dann erst meine Gedanken ausschalten um eine neue Motivation zu finden. Sie ist so ein lieber Mensch,
    dass ich mich morgens auf dem Weg zur Arbeit dazu entschieden habe, bei ihr zu bleiben, weil ich glaube, dass ich einen solchen Menschen in meinem Leben nie wieder kennen lernen würde. Auf dem Heimweg stelle ich mir im Gegenzug wieder die Frage, ob ich die Situation verarbeiten kann, und sehne mich nach einer Beziehung, in der ich auch das kriege was ich möchte. Eine sichere Zukunft. Eine Beziehung ohne sich ständig Gedanken zu machen. Aber auch dies ist natürlich kein Garantie, dass ich nach Ihr jemals eine solche Person finden würde und deswegen habe ich auch Angst, gerade mit einer Trennung einen unkorrigierbaren Fehler zu begehen.

    Ja, sie nimmt seit 2 – 3 Wochen Medikinet. Sie hatte am Anfang eine Tablette genommen und nimmt nun zwei Tabletten ein seit ein paar Tagen. Da wir uns aber hauptsächlich nur am Wochenende sehen(weil ich in der Woche beruflich viel zu tun habe), konnte ich die Veränderungen noch nicht so genau beobachten. Es kann schon sein, dass die Wirkung noch stärker eintritt. Aber um ehrlich zu sein, geht’s mir weniger darum, dass Sie ADS hat.
    Es geht mir mehr darum, was passiert, sollten wir eine Familie gründen. Selbstverständlich würde ich Sie bis dahin unterstützen, wäre auch bereit in diversen Dingen Abstriche zu machen. Allerdings kann und möchte ich auch nicht auf mein Leben verzichten(zu viele Abstriche akzeptieren müssen). Besonders dann, wenn noch ein Kind da wäre, würde sich diese Situation verschlechtern. Ich müsste mich wohlmöglich um beide kpmmern. Wenn jemand mit seinem Leben nicht zufrieden ist, wird er ständig in Unzufriedenheit wohnen bis irgendwann der große Knall kommt. Und das ist der springende Punkt.

    Wenn ich mir meinen eigenen Text durchlese, könnte man fast meinen, dass die Entscheidung fest steht. Leider aber nicht.

    Ich bin selbst ein sehr sensibler Mensch und bin der erste der ein schlechtes Gewissen hat.
    Ich verstehe mich trotz ihrer Negativen Eigenschaften zur Zeit so gut mit ihr, dass es für mich quasi ein Super-GAU wäre, mich von ihr zu trennen. Wir haben so viele schöne Sachen erlebt und hatten auch noch schöne Dinge geplant, wie auf einen Tanzkurs zu gehen. Deswegen das Feuer und Wasser Beispiel. Ich versuche verzweifelt Argumente zu finden, die mich überzeugen, an die Sache noch mal ranzugehen. Auf jeden Fall werde ich nicht von heute auf morgen entscheiden, sondern werde noch paar externe Einflüsse auf mich wirken lassen.

    Heute werde ich mich mit einem guten Freund treffen, um seine Meinung zu hören und Samstag hat mir ein guter Freund angeboten mit einer Person zu sprechen, die in dieser Richtung studiert hat, und auch mit solchen Menschen zusammengearbeitet hat.

    Du hast ja geschrieben, dass du noch 2 Pärchen kennst, die ebenfalls ADS-Kinder bekommen haben. Kannst du vielleicht kurz beschreiben(wenn du magst und nichts dagegen hast) wie die mit der Situation klarkommen? Vorallem würde mich interessieren, wie der NICHT-ADSler in der Beziehung dazu steht bzw. sich verhält oder die Sache angeht.

    Hier im Forum gibt’s sicherlich auch genug Lesestoff aber dies macht mich nun trotzdem neugierig.

    Liebe Grüße
    Gehi

  5. #5
    Immer eingeloggt

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 464

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Mir ist deine Sicht bezüglich AD(H)S zu negativ.

    Bitte lese doch einmal dies: Was ist ADHS | ADHS - Krankheit oder Gabe | Muellers-Seiten!

    oder ADHS und Strken (Stärken)

  6. #6
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Hi Gehi,

    ich kann dir deine Frage über das umgehen mit ADS-Kindern nur für das eine Paar beantworten, bei dem anderen die Situation zu erklären müsste ich zu viele sehr persönliche Details über die beiden preis geben.

    Bei dem anderen Pärchen ist das älteste Kind nicht betroffen, das zweite definitiv (ein Mädel, kommt gerade in die Schule) und das jüngste vermutlich. Ich schreibe jetzt also mal nur über das Mädel. Die Kleine ist eine sehr pfiffige und eigentlich ganz liebe. Manchmal kann sie wohl sehr bockig sein, aber das habe ich nie erlebt, auch nicht, wenn sie bei uns ist. Wäre aber typisch, denn bei uns kriegt sie ja sehr viel mehr Aufmerksamkeit, als die Mutter im Alltag geben kann. Was ich schon erlebt habe sind Heulanfälle, wo sie in ihr Zimmer rennt, da sollte man sie am Besten erst mal lassen und nach ein paar Minuten mal gucken gehen, obs wieder gut ist. Also alles nichts, was man nicht gehändelt kriegt. Auch die Mutter (der nicht betroffene Teil) erzählt eigentlich nie, dass sie Probleme mit dem Kind selber hat. Was allerdings ein Riesen-Problem ist und auch die Mutter sehr belastet ist die Situation im Kindergarten. Dort hat man offensichtlich große Probleme mit der Kleinen oder macht sich große Probleme, damit sie auf dem Förderplatz bleiben muss, auf den sie ursprünglich mal wegen Sprachproblemen kam, denn das bringt ja Geld. Wie immer liegt die Wahrheit da wohl irgendwo in der Mitte. Auf jeden Fall hat es jetzt tatsächlich eine der Erzieherinnen gebracht, der Mutter nahezulegen, das Kind doch auf die Sonderschule einzuschulen! Weil sie sei ja so verhaltensauffällig. Das wir hier über ein wirklich intelligentes Kind reden, ist ihr offensichtlich egal, die Kleine passt nicht in das Modell vom perfekten Kind, also wird sie aussortiert. Ich weiß auch nicht, was die da im Kindergarten mit dem Kind angestellt haben, denn am Ende ist sie richtig psychosomatisch krank geworden, um da nicht mehr hin zu müssen. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass die Mutter da nicht genug mit der Faust auf den Tisch haut. Mit meinem Kind würde so keiner umgehen, ohne mich am Hals zu haben.

    Das Problem ist in dieser Familie aber auch, dass keiner von ADS weiß. Auch der Vater ist nicht diagnostiziert und bei der Kleinen hat auch niemand die Diagnose gestellt (obwohl sie ja im KiGa auf einem speziellen Förderplatz war - komisch, das das da keiner erkannt hat, oder?). Warum ich da nicht einschreite ist eine lange Geschichte aber im Moment kann ich nicht viel tun. Aber das heißt halt, dass es auch in der Beziehung massive Probleme zwischen den Eltern gibt, unter denen alle Kinder leiden, auch das nicht betroffene Älteste.

    Tja, hilft dir mein Geschreibsel jetzt weiter? Ich weiß es nicht. Ich habe aber den Eindruck, du hast ein bisschen Angst, nachher mit zwei mehr oder weniger behinderten Menschen dazustehen, um die du dich "kümmern" musst, wie du schreibst. Ich glaube, so schlimm wird es nicht. Deine Freundin sollte mit den Tabletten deutlich selbstständiger ihr Leben in den Griff kriegen können. Und um ein Kind musst du dich bis zu einem gewissen Grad ja immer kümmern. Wie viel Arbeit und Stress also ist ein ADS-Kind mehr? Das kommt drauf an. Erstens wie stark es betroffen ist, obwohl sich da zeigt, dass die schlimmen Fälle meist auch aus zerrüttelten Familien stammen, ist die Familie sehr stabil, können die meisten Betroffenen das besser ausgleichen. Dann, wie viel Glück man hat mit Erziehern und Grundschullehrern, ganz klar. Und dann darauf, wie sehr du dich von vielen Eigenheiten, die nun mal so sind, stressen lässt. Ein solches Kind wird zB immer überproportional viel Handschuhe, Mützen etc verlieren - also am besten gleich billige im Angebot bei Aldi kaufen und sich nicht ärgern, solche Sachen meine ich. Man wird immer ein Kind haben, dem man ganz ganz viel Liebe und Selbstbewusstsein mitgeben muss, sonst wirds für das Kind echt hart. Man braucht viel Verständnis und muss sich sicher darauf einrichten, auch von Lehrern und anderen Eltern mal angefeindet zu werden, da sollte man sich von Anfang an eine dicke Schale zulegen.

    Ich habe den Eindruck, dass du eigentlich sehr viel Liebe zu geben hast und das ist etwas, was bei ADS ganz wichtig ist. Das Kind, aber auch deine Freundin, muss sich immer darauf verlassen können, dass du sie liebst, selbst wenn du über ihr verhalten gerade wütend bist (es gibt einen so großen Unterschied zwischen "das, was du gerade getan hast, ist nicht OK" und "du bist nicht OK"!!!). Ich kann wirklich verstehen und finde es auch gut, dass du dir Gedanken machst, ob du damit klar kommst, was da auf dich zu käme, aber ich habe schon den Eindruck, du bist vielleicht auch ein bisschen zu besorgt. Denk dran, wenn du Bücher etc über ADS ließt, dort sind immer eher die Extreme dargestellt. Bei den meisten ADSlern ist die Situation bei weitem nicht so krass oder nur in einigen Bereichen. Es bringt natürlich nicht viel, dir zu sagen, dass ADSler ja auch viele tolle Eigenschaften haben, das hast du ja selber schon gemerkt, wenn du trotzdem Angst hast, mit den negativen Seiten nicht klar zu kommen. Aber ich würde wirklich mal abwarten, wie es sich denn mit deiner Freundin mit den Medis entwickelt. Übrigens, weil du schreibst, bei einigen wirkt MPH nicht - ja, das stimmt, ich bin auch so jemand, der damit nicht klar kommt. Aber es gibt ja noch einiges anderes, ich nehme zB Amphetaminsaft, oder man probiert es mit Strattera etc. Am Ende findet sich für die meisten ein gutes Medikament. Und viel macht auch das Wissen über ADS schon aus. Seit ich weiß, was mit mir los ist, gehe ich manche Dinge anders an, nehme mir bestimmte Dinge so schon nicht mehr vor weil ich weiß das geht schief sondern plane die Sachen anders.

    Auf der anderen Seite, du kannst in einer Beziehung auf Dauer nur glücklich sein, wenn du nicht zu viele Komnpromisse machen musst, wenn du nicht immer zurückstecken musst. Ob euer Modell da tragfähig ist kannst am Ende nur du entscheiden. Aber gib dir auf jeden Fall noch ein halbes Jahr oder so Zeit, denn bis man die Effekte der Medis voll umsetzen kann, also sich wirklich ändert, dauert es ein bisschen. Und denk dran: Auch mit einer anderen Frau hast du keine Garantie auf ein glückliches Familienleben und ein gesundes Kind...

    Schreib ruhig, wenn du noch weitere Fragen hast, ich werd mich bemühen, halbwegs zu helfen ;-)

    Viele Grüße
    Cam

  7. #7
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: Kann das funktionieren mit meinen Ängsten?

    Ich lebe im Hier und Jetzt......was morgen, übermorgen oder in 10 Jahren ist, interessiert mich gerade nicht. Ich habe das auch lernen müssen, durch all meine schmerzhaften Erfahrungen.

    Ich habe es mir abgewöhnt, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie ich das und das morgen schaffen werde oder auch nicht. Morgen passiert es sowieso wieder ganz ganz anders.

    Also ganz ehrlich Gehi: meiner Meinung nach übertreibst du, was ADS betrifft. Ich kenne viele "Normalos" bzw. viele, die sich dafür halten, ABER jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, ob normal oder nicht normal. Ausserdem, wer sagt, wer normal ist und wer ist unnormal??? Das ist doch alles subjektiv zu betrachten.

    Versuche dich über die tollen Dinge zu freuen, die ADS mit sich bringt. Die Liebenswürdigkeit, das Lachen in den Augen, die Ehrlichkeit, die Dankbarkeit für deine Liebe....und so vieles mehr.
    Und deine Freundin ist 22, meine Güte sie hat noch so viel vor sich in ihrem Leben. Ich finde es absolut klasse, dass sie das Glück hatte, jetzt diagnostiziert worden zu sein und Medis zu erhalten. Viele von uns hier haben dieses Glück nicht. Viele von uns hier laufen Jahrzehnte mit ihrem Kummer herum, erleben viel Leid und ja, werden auch gekündigt von ihrem Chef und und und....
    sind dann 50 Jahre und dann stellt erst ein Arzt oder wer auch immer fest "Oh Sie haben AD(H)S". Uuuupsss. Na und dann? Meinst du, die 50 jährigen denken dann nicht, was denn alles anders gelaufen wäre in ihrem Leben, wenn es bereits mit 22 so wie bei deiner Freundin entdeckt wurde? DAS finde ich teilweise sehr schlimm, erlebe ich es doch am eigenen Leib.

    AD(H)S Menschen haben keine ansteckende, ekelige, übel riechende oder was auch immer an Symptomen. Sie haben eine andere Wahrnehmung. Sie sehen die Welt anders, viel intensiver,
    mit vielen Emotionen, mit wahnsinnig viel Gefühl.

    Ihr habt den grössten Vorteil, den man nur haben kann: Ihr wisst beide von dieser Wahrnehmungsstörung und kann dementsprechend reagieren. Wichtig finde ich, dass auch SIE versteht, was bei ihr abläuft und passiert. Und wie CAM es bereits sagte.....als ADS-ler ist es sehr wichtig, dass sie das "fühlt", dass du sie so liebst und nimmst, wie sie ist. Alles andere wird sie spüren.

    Und dass man einen Menschen in der Partnerschaft so lieben soll wie er/sie halt ist, das gilt nicht nur für ADS-ler, sondern für jeden Menschen. Keinen Menschen kann und sollte man verbiegen oder ändern, nur das wollen die meisten. Was ich dir ja jetzt nicht unterstellen möchte.

    Sieh die Vorteile....ihr könnt euch wunderbar unterhalten, mit Sinn und Tiefe im Gespräch, sie ist mit Sicherheit ein lustiger Mensch mit verdammt viel Humor, wenn sie lacht dann lacht sie ehrlich, wenn sie weint dann weint sie ehrlich (und nicht wie die "normalen" Frauen, die mit ihren Tränen den Partner erpressen wollen.....sorry gibt natürlich auch Ausnahmen, falls sich hier eine Frau angegriffen fühlt). Sie ist nicht der aggressive Typ, wie ich aus deiner Schilderung heraus höre, sondern eher liebevoll und verträumt. Das ist doch so WUNDERBAR.

    Ich sag dir eins: mein Freund hat mir dieser Tage das schönste Kompliment gemacht, was ich jemals erhalten habe, nämlich dass er meine "heikische" Art, die es sonst nirgendwo so gibt, so sehr liebt und er hat sogar Angst davor, dass sich das ändern könnte, wenn ich eines Tages Medis nehme. Ich musste so sehr weinen bei seinen Worten. Das war so schön.

    ich drücke euch so fest die Daumen, wie ich nur kann und eine Sicherheit in Beziehungen gibt es niemals. Ansonsten geh und such die eine Frau, die einen Putzwahn hat, dich jeden Tag
    anpfeift, dass du die Schuhe ausziehen sollst beim Eintreten, eine Frau die dich nur als Geldverdiener sieht, die dir keine Gefühle und auch kein Weinen zugesteht.....ich sach dir, du wirst noch nach ihr suchen in der Zeitung, wenn du Schluss machst lach grins. So eine Frau bekommst du nie wieder, die dich so ehrlich liebt.

    Ähem und Tschüss......
    Geändert von Heike ( 2.10.2012 um 22:15 Uhr)

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