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Diskutiere im Thema Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 17

    Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Hallo

    Mein Freund (Ende 30) hat ADHS. Unsere Beziehung ist deshalb sehr schwierig und kompliziert. Wir steiten sehr viel und meistens völlig unnötig.

    Er rastet wegen jedem Pipifax aus, jede Kleinigkeit kann ihm "den Tag verderben". Oft wird er aggressiv, nicht handgreiflich, aber psychisch aggressiv, was mich auch sehr schmerzt.

    Einfachste Alltagstätigkeiten wie "Papierkram" überfordern ihn, führen bei ihm schon zum schlimmsten "Stress", oft hat er einfach keine Nerven dafür. !

    Akribisch versucht er, seinen Tagesablauf zu planen, jedoch bürdet er sich immer viel zu viel auf. Dass er das alles nicht schafft, liegt dann auf der Hand und täglich bekomme ich seine schlechte Laune und seine Aggressionen deswegen ab.

    Er kann sich sehr schlecht auf eine Aufgabe konzentrieren, bewegt ein Bein beim Sitzen ständig schnell auf- und ab. Geduld = Null. Wenn etwas nicht sofort so funktioniert, wie er es will, rastet er total aus! Er schreit, brüllt, flucht, fuchtelt verzweifelt mit den Armen, ruft dann mich um Hilfe, wenn ich das Problem nicht innerhalb weniger Sekunden lösen kann, flippt er aus und brüllt mich an.

    Er redet auch um 99 Ecken fünfmal um den Brei herum! Es ist so schwer, heraus zu finden, was er denn jetzt will?

    Er erwartet von mir, dass ich ihm "seine Wünsche von den Augen ablesen kann". Tue ich dann das "Falsche", gibt es Schelte und wohl das, was man "psychische Gewalt" nennt. Er überschüttet mich mit Kritik und Vorwürfen, bis ich mich heulend und mit den Nerven völlig am Ende in eine Ecke zurück ziehe. Wenn ich ihn bitte, aufzuhören, es sei jetzt genug, ich könne nicht mehr, setzt er meist noch "einen drauf". Er weiß einfach wohl nicht, wann es reicht!

    Er ist hypersensibel, nimmt alles persönlich, mit Kritik kann er gar nicht umgehen und reagiert fürchterlich beleidigt. Dann ist er tagelang sauer und "bestraft" mich mit Ignorieren.

    Selbst Dinge, die schon lange zurück liegen und ich dachte, das sei jetzt endlich "gegessen", wirft er mir im Streit immer wieder vor.

    Er kann auch überahaupt nicht mit Geld umgehen. Zwar ist er sehr kreativ und war damit auch beruflich erfolgreich, verdiente gut, doch all das Geld ist weg. Er hat es für sinnloses Zeug verjubelt. Derzeit ist er gar nicht mehr arbeitsfähig.

    Alles lastet auf meinen Schultern. Das Verdienen unseres täglichen Brotes, die Hausarbeit, der Bürokram. Er zeigt Anzeichen des Messie-Verhaltens, er wirft so gut wie nichts weg. Räume ich auf und mache sauber, brüllt er rum, dass ich Dinge wegwerfe, die er schließlich noch brauchen könne!

    Er schreit alle seine Angehörigen an, die es wagen, seinen Tagesplan durcheinander zu bringen. Er selbst kriegt es nicht gebacken, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und sich an Termine zu halten!

    Wenn er sich etwas entschieden hat wie etwas mit mir unternehmen, dann zickt und schreit er vorher oder hinterher, dass er doch eigentlich ...dies oder jenes ..machen wollte! Die Wut: kriege natürlich ich wieder ab, weil ich ihn "dazu gebracht habe", dass wir was unternehmen, statt dass er am Pc etwas hätte machen können. Aber Mensch! Entweder- Oder!

    Er kann einfach keine klaren Entscheidungen treffen.

    Dabei muss ich erwähnen, dass keiner seiner Angehörigen wirklich weiß, was er nun will?

    Er kann sich nicht klar ausdrücken, ist nicht fähig, Entscheidungen zu treffen.

    Wird um die "falsche" Uhrzeit etwas gemacht, das ihm nicht in den Kram passt, brüllt er wie am Spieß, wir Angehörigen sind natürlich die "Dummen" und kriegen seine Wut mit voller Wucht ab.

    Dabei nimmt er keine Rücksicht darauf, dass ich am nächsten Tag früh auf und zur Arbeit muss, es gab Nächte, da hat er mich bis morgens um drei oder vier wach gehalten und zusammen gestaucht: wegen Sachen, die in einigen Sätzen vernünftig geklärt hätten werden können!

    Obwohl er nicht mehr arbeiten kann, behauptet er, ständig "im Stress" zu sein.

    Er ist zudem sehr chaotisch, verlegt auch wichtige Sachen und dann sind natürlich alle anderen, nur nicht er Schuld und wieder Geschrei, Gebrüll, Zorn!!!!

    Hinzu gekommen ist kürzlich eine Suchterkrankung! Ein Rückfall, er ist sehr stark suchtgefährdet und war auch schon straffällig.

    Jegliche Hilfe und Therapie lehnt er strikt ab, er ist vollends überzeugt, genau zu wissen, was er tut und dabei vollkommen richtig zu liegen.

    Ich kann nicht mehr! Wieviel soll ich denn noch ertragen?

    Ich kann nicht immer stark sein.

    Leider denke ich je länger je mehr an eine Trennung.

    Übrigens bin ich bislang seine längste Beziehung. Wir sind seit gut 1,5 Jahren zusammen, wohnen auch zusammen. Keine seiner Beziehung hat bislang länger als ein Jahr gehalten und ich bezweifle, ob diese hier halten wird?

    So kann ich doch nicht weiter leben.

    Was soll ich nur tun? Besonders schlimm finde ich die Sucht und die psychische Gewalt. Ich muss doch irgendwann auch mal an mich denken, oder nicht?

    Wer hat schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Ich suche Hilfe und Austausch mit Gleichgesinnten.

    Bleibt letztendlich wirklich nur die Trennung? Mit sich reden lässt der werte Herr nämlich nicht.

    Wage ich es, zu kritisieren, will er mich aus der Wohnung werfen und brüllt, dass ich doch mein Zeug packen, verschwinden und die Beziehung beenden soll!

    Langsam denke ich, er weiß selbst nicht, was er nun will?
    Geändert von Maggie_S ( 9.08.2012 um 12:23 Uhr)

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Liebe Maggie S.,

    deine Worte und deine Verzweifelung berühren mich sehr !!
    Ich lebe seit 11 Jahre in einer solchen Partnerschaft und kann daher sehr gut verstehen was du fühlst und durchmachen musst.
    Für mich ist es schrecklich zu sehen wie mein Partner selbst unter seiner Situation leidet und sich quält.
    Leider habe ich auch nach so vielen Jahren oft nicht die Möglichkeit an ihn ranzukommen oder mit ihm zu reden.
    Wir sprechen scheinbar "unterschiedliche" Sprachen und der enorme Hass und die Kälte die mir entgegenkommen lassen mich häufig verzweifeln.
    Mein Selbstbewusstsein schwindet, weil ich einfach nicht weiß ob ich an allem Schuld bin und er wegen mir so leidet...
    Dennoch habe ich es bis heute nicht geschafft einfach zu gehen, obwohl ich mir es so oft vorgenommen habe es mir nicht mehr bieten zu lassen.
    Auf der anderen Seite aber ist er wirklich ein liebenswerter Mensch, der von seinen eigenen Verzweiflung und den Ängsten aufgefressen wird.
    Es tut mir leid, das ich dir nicht wirklich helfen kann !! Aber bitte fange niemals an an dir selbst zu zweifeln...

    Liebe Grüße und alles Gute !

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Liebe MissDia

    Ja, so geht es mir auch, jedoch spiele ich derzeit mit dem Gedanken zu gehen und wiege (so sachlich) wie es geht Pro und Contra ab.

    Es gibt Zeiten in der Partnerschaft, die sind das Paradies auf Erden: wunderschön. Hingegen gibt es wiederum Zeiten, die sind die Hölle auf Erden! Nichts kann man diesem Mann recht machen!

    Ich verzweifle oft! Er hat auch 1000 Mauern um sich aufgebaut, lässt oft keinen noch so nahen Angehörigen an sich ran!

    Dieses Geschrei! Dieses Wutgebrüll in der Nacht! Einmal sogar in der Nacht vor einer sehr wichtigen Sitzung, an der ich am nächsten Morgen früh teilnahm und mich mit viel Espresso und Selbstbeherrschung durchquälte, weil der werte Herr wegen irgend nem Pipifax angewurmt war.

    Vermutlich habe ich ihm wieder mal zu wenig Beachtung geschenkt?!

    Sein Ego kann es nämlich nicht leiden, dass selbstständig und unabhängig bin, meine Freiräume brauche und auch eigene Hobbys pflege. Das krieg ich dann regelmäßig ab! Psychische "Dresche" bis ich .............

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    dein freund hat nicht kapiert, dass er DEINE grenzen überschreitet. so lange du
    es ihm erlaubst deine grenzen zu überschreiten - wird er es nicht verstehen.

    es scheint, dass alle um ihn herum als prellbock, für seine schwierigkeiten
    herhalten müssen. solange man hin hält, wird er keinen grund sehen - etwas zu ändern.

    versuche ihn nicht zu ändern - er muss es selbst wollen, er muss selbst herausfinden was für ihn
    das richtige ist - von aussen kann man nur zu sehen.

    doch..... verlange nicht von dir, dich aufzuopfern - weil er eine adhs diagnose hat?..... hallo?
    das ist keine entschuldigung um andere immer wieder zu verletzen.... es mag wohl sein, dass man schneller
    ausrastet - da man ständig unter strom ist..... doch dies würde bedeuten, dass man wege sucht - im umgang damit -
    und nicht die schuld im umfeld sucht - helfen kann man nur sich selbst.

    stark sein / bedeutet auch, erstmal gut für sich sorgen - gib DIR acht.

    gruss

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Smile schreibt:
    es scheint, dass alle um ihn herum als prellbock, für seine schwierigkeiten
    herhalten müssen. solange man hin hält, wird er keinen grund sehen - etwas zu ändern.
    Es scheint nicht nur so, es ist leider so!

    Für alles, was er verbockt, sind wir, die Angehörigen, Schuld. Erinnert mich an die "Prügelknaben" anno dazumal.

    Er übernimmt für sein Handeln keinerlei Verantwortung, ist dazu um nichts in der Welt bereit.

    versuche ihn nicht zu ändern - er muss es selbst wollen, er muss selbst herausfinden was für ihn
    das richtige ist - von aussen kann man nur zu sehen.
    Leider ja. Er muss selbst etwas gegen seine Erkrankung, plus Folgeerkrankungen (Komorbiditäten) tun wollen.

    Wäre er gesund, dann wäre ich längst gegangen! Sowas lasse ich mir normalerweise nicht bieten. Ich denke halt immer "aber er hat doch ADHS".

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    ach ja, was mir noch zu wutanfall einfällt:

    ich habe es mal so meinem sohn versucht zu erklären, da sein lehrer auch dazu tendiert
    immer wieder mal auszurasten..... es ist nie persönlich.

    der hat keine nerven..... jeder mensch hat nerven, dass sind so behälter und bei jeder "strapaze" kommt ein
    schluck wasser in die behälter rein..... diese werden von zeit zu zeit auch das wasser wieder ablassen.... doch
    es kann vorkommen, dass immer wieder wasser rein kommt, mehr als raus geht.... und wenn die gläser über laufen -
    ist es wie ein vulkanausbruch.... ist nicht zu stoppen.... und der letzte tropfen mag es zum überlaufen gebracht haben....
    .... doch da waren schon viele tropfen drinn...

    adhs - so glaube ich, macht es schwerer.... da man ständig unter strom ist.... ständig kommt wasser rein...
    man findet das ventil nicht... um wasser korrekt ablaufen zu lassen.... so dienen wutausbrüche als ventil....

    ohne filterung - ständig den reizen ausgesetzt:
    wenn man ständig mit einer nadel gepisackt wird - das 1x1 auswendig lernen müsste - das radio auf voller
    lautstärke läuft - an hundert dinge gleichzeitig denkt - druck verspührt...... würde jeder schneller mal ausrasten.

    gruss

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

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    Forum-Beiträge: 17

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Ja, genau! Sowas in der Art sagt er sogar selbst!

    Er spricht davon, dass "Tausend Dinge auf ihn einprasseln" und "jeder was von ihm will" und er "nie Zeit, nie Ruhe findet", er "ständig unter Stress sei".

    Kann ich ja gut verstehen.

    Weniger gut verstehe ich, warum er eine Therapie strikt ablehnt und stattdessen zu Suchtmitteln greift, um seine Nerven zu beruhigen!

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    sucht ? - eine art selbstmedikation?
    warum, dann nicht gleich die richtige medikation? - ohne sucht, ohne abhängigkeit?

    was er will?..... ruhe...?

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    Smile schreibt:
    sucht ? - eine art selbstmedikation?
    warum, dann nicht gleich die richtige medikation? - ohne sucht, ohne abhängigkeit?

    was er will?..... ruhe...?
    Ja, er will seine Nerven beruhigen, Ruhe. Ja, die Suchtmittel dienen als Selbstmedikation (machen aber natürlich alles schlimmer, da ja nun eine Sucht dazu gekommen ist).

    Die Sucht und das Suchtgedächtnis sind so stark (er war schon mal süchtig), dass die richtige Medikation nehmen für ihn aber bedeuten müsste, seine Suchtmittel aufzugeben.

    Er müsste also zuerst clean werden, damit die richtigen Medikamente überhaupt wirken können. Ein schwerer Schritt!

    Er traut auch Ärzten nicht über den Weg, hat auch panische Angst vor Ärzten.

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Hilfe! So kann es doch nicht weiter gehen ... Was tun?

    ehrlich, ich bewundere deine stärke.

    p.s. bin kein arzt, doch er muss doch sein suchtmittel nicht aufgeben.... sondern es wird unnötig
    es zu missbrauchen.... sich zu missbrauchen.... er missbraucht sich selbst... das muss er alles nicht mehr
    mit sich machen.... um zur ruhe zu kommen....

    aber eben.... was ist mit dir?..... du steckst ja auch irgendwie drinn.... wo bist du. schau, dass SEINE sucht
    nicht zu viel platz in deinem leben einnimmt.
    du kannst mit-fühlen..... doch leide nicht mit, es ist nicht DEIN leid - da du nichts verändern kannst, an
    diesem leid.... es ist sein leid und nur er weiss/kann es mindern. - sonst gehst DU kaputt, und kannst ihn auch
    nicht mehr stützen.

    lg

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