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Diskutiere im Thema Waldorfschule im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.871

    Waldorfschule

    Hallo,

    beschäftige mich gerade mit der Überlegung, ob ich meine Tochter von einer 'normalen' Grundschule nehme und statt dessen eine Waldorfschule besuchen lasse.

    Dies wurde von ihrer Hausaufgabenbetreuerin in der Schule angeregt. Sie hat selber ADS und findet meine Tochter auffällig unkonzentriert und verträumt und vermutet, dass auch bei ihr ADS die Ursache sein könnte.

    Hat hier jemand gute Erfahrungen mit der Waldorfschule gemacht? Ich kenne diese Schule überhaupt nicht und frage mich daher u.a. ob das Konzept dort genug Struktur für jemanden mit ADS bietet.

    Außerdem ist ein Schulwechsel im 3. oder 4. Schuljahr bestimmt nicht einfach, zumal sie sich an ein komplett anderes System umgewöhnen müsste und zudem aus ihrem gewohnten Umfeld (vor allem Schulfreunde) heraus gerissen würde.

    Nur, wenn sie in der Waldorfschule gut aufgehoben wäre und sie so wesentlich besser durch ihre Schulzeit käme, sollten wir diesen Schritt vielleicht doch wagen.

    Ich hoffe, es kann mir jemand von Euch von eigenen Erfahrungen erzählen und so ein bißchen Licht ins Dunkle bringen. Danke.



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  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Waldorfschule

    Hallo Jacinda,

    ich habe leider selber keine Erfahrungen mit der Waldorfschule, aber meine Freundin hat ab der 5. Klasse eine besucht und ist in der 11. Klasse abgegangen, das nur vorweg.

    Das Schulsystem hatten ihre Eltern ausgesucht, weil sie damals in einer "sehr" schwierigen Phase war und weil sie dachten sie sei dort besser aufgehoben, leider war die Waldorfschule, die sie besuchte eine der schlechteren Sorte, da der Lehrkörper dort "leicht nachlässig" war, das verhielt sich wie folgt:

    In der 5 - 8 Klasse lief alles super und sie fand sich gut in der Schule ein und auch das Lernen dort gefiel ihr besser, die eigentlichen Probleme begannen mit der Mittel bzw Oberstufe, als es auf die ersten Abschlüsse zuging.
    Dort wurde bemerkbar, dass sie vom gelernten her in der 8. Klasse dem Stoff, den "normale" 8-Klässler an einer staatlichen Schule SEHR weit hinterher war, d.h. bis dahin lief alles locker, aber es wurde einfach zu wenig gelehrt. Das bedeutete, dass von da an riesen Schritte gemacht wurden und sie (und auch andere) nicht mehr richtig mitkamen, was in Frust und depressiven Verhalten endete.
    Sie hielt das ganze durch bis zur 11. Klasse, wo man den "Realschulabschluss" machte an dieser Schule (an staatlichen in der 9.), dann verließ sie die Waldorfschule, weil die Schritte immer größer und auch der Schulalltag immer stressiger wurde, so musste sie z.B. täglich von 8 - 17 Uhr die Schule besuchen, wobei sich der eigentliche Unterricht nur bis 13/14 Uhr erstreckte und ab dann künstlerische und Handwerkliche Fächer angesagt waren. Das ist sicherlich als "sinnvoll" anzusehen, da man dabei auch eine Menge lernte, jedoch war bei ihr der Schulweg zeitlich etwa 45 Min lang, was bedeutete, dass sie frühstens um 18 Uhr zu Hause war und dann noch Aufgaben machen musste und lernen musste. Schlussendlich haben wir Ihr mit Aufgaben und Lernen und Nachhilfe geholfen bis sie den ersten Abschluss hatte und sie verließ die Schule. Sie hält weiterhin Kontakt zu ihrer Klasse und hat uns vor kurzem mitgeteilt, dass von 24 Leuten die das Abitur anstrebten leider nur 6 bestanden haben und das auch nicht wirklich rosig.

    Mir ist völlig klar dass dies kein Musterbeispiel ist, aber was ich damit sagen will ist, dass es wichtig ist dass du dich vl auch mal bei anderen Eltern von Kindern dieser Schule informierst, am besten auch in den verschiedenen Klassenstufen, je nachdem was deine Tochter später als Abschluss haben will. Außerdem informiere dich über die Lehrer, evt kannst du rausfinden wie lange diese schon dort beschäftigt sind etc. bei meiner Freundin an der Schule wechselten die Lehrer sehr oft und es waren auch einige Chaoten dabei, die zum Lehren aus meiner Sicht ungeeignet waren.

    Als Gegenargument kann ich sagen, dass auch mein Cousin eine Waldorfschule besucht hat, aber eine andere, dort war es genau anders herum, er zog nur Vorteile aus der Waldorfschule, schloss sie mit Abitur ab und ist gerade mit seinem Medizinstudium fertig geworden. Über "seine" Waldorfschule hört man jedoch auch sonst nur gutes, der Lehrkörper ist dort sehr gut organisiert und es wird genau das umgesetzt was umgesetzt werden soll/muss. Es kann also so und so laufen, in meinen Augen ist Information in diesem Fall alles.

    Es ist am Ende immer noch deine Entscheidung, ich wünsche dir jedoch viel Glück und hoffe dass es alles so funktioniert wie du es dir vorstellst :-)

    LG

    Shine

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.871
    Hallo Shine,

    Vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort! Damit hast Du mir schon ein ganzes Stück weiter geholfen.
    Ich hätte mir zwar die Schule selbst angeguckt, aber die zusätzlichen Infos, die Du empfohlen hast, sind sicherlich gold wert. Das ist ja auch unabhängig von ADS wichtig.

    Lg Jacinda



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  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.871
    ... aber vielleicht war ja auch einer von Euch AD(H)S-Chaoten selbst auf einer Waldorfschule und mag berichten ob er/sie sich dort gut aufgehoben gefühlt hat. Gern auch über PN. Danke!


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