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Diskutiere im Thema Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 22

    Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Nicht-ADHSler ne Frage, die mich wirklich beschäftigt.

    Es gab ja, glaube ich, schon ein paar Threads mit Erklärungsversuchen wie sich das Leben ADHS anfühlt. Nun gut. Es gab da auch ein paar richtig gute Erklärungen.

    Aber wenn man das Ganze mal umdreht, denn es gibt da ja wie bei fast allem mindestens ZWEI Seiten:
    Wiiiiiieeeee zum geier fühlt sich das Leben an wenn man KEIN ADHS hat??

  2. #2
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Ganz normal. Du gehst zur Arbeit..jeden Tag.
    Streitest mit deinem Partner übers Geld und die Kinder..
    und den Hund..und über eigentlich alles, was du dem Gegenüber in die Schuhe schieben willst.
    Gehst wieder in die Arbeit. Verliebst dich in den Postboten oder den Milchmann oder die Kassiererin vom Müller-Markt.
    Bekommst nach der Arbeit einen Strafzettel von einer wirklich häßlichen Politesse.
    Ok, der Strafzettel juckt dich nicht, aber diese Politesse..mein Gott, war die häßlich.
    Dann bekommst du von deiner Holden einen Brief vom Finanzamt an den Abendbrot-Tisch gepfeffert,
    den du natürlich nicht öffnest.
    Der nächste Streit ist fällig und du hockst dich ins Auto und überfährst das Huhn des Nachbarn.
    Du kümmerst dich nicht darum. Ist ja nur ein scheiß Huhn.
    In der nächsten Kneipe triffst du niemanden außer dir. Aus lauter Frust kippst du ein paar Tröster hinunter.
    Da niemand außer dir hier ist, setzt du dich ins Auto und fährt rückwärts an ein Strassenschild.
    Es rummst.
    Du kommst aber nicht mehr weit, weil der Nachbar mit dem scheiß Huhn dich wegen Fahrerflucht angezeigt hat.
    Die Polizei ist schon da.
    Jetzt gehts dir an den Kragen. Denkste!
    Du beschimpft die netten Polizisten als schwule Pisser und sie sollen sich gegenseitig an den Hintern fassen.
    Das nehmen sie dir übel...und wie.
    Naja. Das ganze endet in einer echt netten, verpissten Zelle.
    Jaja. Ein Tag, wie jeder andere. Und es ist egal.

    Nur halt, ohne ADHS...

    LG --hirnbeiß--

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Ich finde es echt schwierig deine Frage zu beantworten... Auf welchen Bezug möchtest es denn wissen? Das Leben ist so vielfältig, da ist es schwierig über jedes kleine Detail zu schreiben...

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Habe mir nochmals Gedanken darüber gemacht.. Wie fühle ich mich momentan?

    Also finde ich es sehr schade, dass das Wochenende vorbei, würde gerade am liebsten in den Armen meines Freundes liegen und einfach die Zweisamkeit geniessen. Bin ein wenig genervt, dass ich morgen für total blöden Unterricht zur Schule muss. Bin total verliebt, etc... Ein riesiger Emotionencocktail.

    Nun, ich hab mir nun überlegt, was ist der Unterschied des Fühlens von einem AD(H)S'lers und mir? Ich bin zum Punkt gekommen, dass die Gefühlswelt gleich sein muss. Jeder hat seine Hochs und Tiefs.. Jeder reagiert anders auf gewisse Dinge... Jeder ist mal verliebt, fühlt sich nicht so gut, ist wütend etc. Ich denke nicht, dass sich das Fühlen unterscheidet, sondern nur, wie man die Gefühle zeigt.

    Im Vergleich zu meinem Freund musste ich feststellen, dass er seine Gefühle einfach mehr zeigt, in Situationen in denen ich sie in mich hineinfressen würde. Wenn er wütend ist zum Beispiel... Er zeigt die Wut... Ich kann die Wut nur sehr schlecht zeigen. Wenn er enttäuscht oder verletzt ist, sagt er es meistens.. Ich in meinem Fall fresse relativ viel in mich hinein... Bis ich dann platze und mir den Boden unter den Füssen weggezogen wird...
    Fazit für mich: Negative Gefühle zeigt er viel mehr als ich... Ich halte mich sehr zurück, er nicht...

    Ich habe jetzt bewusst geschrieben, dass es bei den negativen Gefühlen so ist... Bei den Positiven finde ich dies nur bedingt. Im privaten, geschützten Rahmen zeigt er sehr viele Gefühle... Gerade Liebe und Vertrauen, etc. In der Öffentlichkeit ist dies jedoch nicht so ganz der Fall... Da habe ich sogar das Gefühl, dass er zurückhaltender ist als ich.. Und ich bin eine wirklich ruhige Person, die nur sehr ungern in der Öffentichkeit Gefühle zeigt... Ich öffne mich nur sehr wenigen Leuten. Hat auch seine Gründe... Ich lebe nach dem Motto, wenn die Leute nicht wissen, wie viel sie mir bedeuten, können sie mich nicht so sehr verletzen...

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Hm. Man könnte es wahrscheinlich beschreiben, stellte man sich eine Welt vor, in der die Mehrheit der Menschen ADHS hätte und die Gesellschaft auf Grundlage dieser Gehirnstruktur aufgebaut wäre.
    Denn zu großen Teilen, denke ich, ist ADHS auch ein gesellschaftliches / kommunikationstechnisches Problem.

    In dieser Welt gäbe es eine 'Krankheit' (bittebittenichtpersönlichneh men) Namens Neurotypisches Syndrom.
    Und jetzt müsste man eine Beschreibung dieser 'Krankheit' erstellen.

    Ich habe nur nicht die Spur eines Plans, wie diese Beschreibung aussehen würde.

    Wäre aber 'mal echt hilfreich, um die Denkweise von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft nachvollziehen zu können.
    Danke für das Thema.

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 10.928

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    ich bin mit einem nicht adhsler zusammen und wir hatten das thema auch schon,
    da ich eben immer wieder merke, er kann meine welt nicht verstehen
    aber ich ja seine auch nicht.....


    und so frag ich ihn immer wieder (zb wenn ich was erzähle oder wenn mich was bewegt)
    wie er meine gedanken welt im vergleich sieht


    und wir kommen immer wieder drauf,
    dass seine welt weniger emotional ist
    (gut bei frauen ist das dann vermutlich auch nochmal anders),
    er kann schneller mit situationen abschließen,
    er regt sich schnell auf und dann ist es wieder vorbei (er schleppt das nicht den ganzen tag mit sich rum)

    er kennt dieses gedankenchaos nicht,
    er kann nicht verstehen dass ich mir um alles soviele gedanken mache
    er entscheidet etwas und gut ist.....


    so mehr beispiele fallen mir nicht ein


    ich hab für mich inzwischen verstanden dass er mich nie ganz verstehen wird
    und ich ihn auch nicht aber das muss auch nicht sein,
    hauptsache man redet immer wieder darüber und stempelt den anderen nicht einfach ab

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Naja, aber was ist die Mehrheitsgesellschaft?

    Ich denke die meisten sind mal in einer Mehrheit bzw Minderheit...

    Ihr habt AD(H)S... ich nicht
    Ich habe eine Lactoseintoleranz - Ihr nicht
    Andere sind Epileptiker - Wir nicht
    Viele haben Asthma - Die Mehrheit nicht...
    Das Selbe mit den Allergiker etc...

    Schlussendlich gehören wir alle in eine Minderheit... Also gibt es überhaupt eine Mehrheitsgesellschaft?

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    Die Grenzen sind auf jeden Fall fließend.

    Aber ein wichtiger Unterschied zu ADS-lern:

    Wenn ich etwas Unangenehmes tun muss
    –z.B. ein blöder Brief liegt im Briefkasten, sagen wir mal von der Krankenkasse, ich muss ihn beantworten, dazu in Ordnern kramen, lauter so bürokratisches Zeug, das absolut keinen Spaß macht–
    dann erledige ich das so schnell wie möglich, am besten sofort.

    Danach bin ich froh, dass ich diese Aufgabe aus dem Kopf habe, dass ich sie nicht weiter mit mir rumschleppe.

    Früher habe ich so Sachen auch mal verschoben und verdrängt.
    Aber das Verdrängen kostet auch Kraft, irgendwo nagt das schlechte Gewissen.

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    @freundin02:
    Wenn ich etwas Unangenehmes tun muss
    –z.B. ein blöder Brief liegt im Briefkasten, sagen wir mal von der Krankenkasse, ich muss ihn beantworten, dazu in Ordnern kramen, lauter so bürokratisches Zeug, das absolut keinen Spaß macht–
    dann erledige ich das so schnell wie möglich, am besten sofort.

    Danach bin ich froh, dass ich diese Aufgabe aus dem Kopf habe, dass ich sie nicht weiter mit mir rumschleppe.
    Es stimmt, viele AD(H)Sler machen das nicht, aber ich habe AD(H)S und trotzdem schon immer alles Unangenehme zuerst erledigt, weil ich den Druck sonst nicht ertrage und den Überblick verlieren würde.
    Manche ohne ein AD(H)S lassen so etwas ebenfalls manchmal liegen, was du früher ja wohl auch gemacht hattest.

    Das stimmt wohl sehr oft, aber nicht immer und es ist etwas, was wohl alle lernen sollten, weil es das Leben vereinfacht.

    @shadow
    Schlussendlich gehören wir alle in eine Minderheit... Also gibt es überhaupt eine Mehrheitsgesellschaft?
    Das ist eine sehr gute Frage.
    Geändert von Celine (26.04.2012 um 00:06 Uhr)

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 83

    AW: Wie fühlt sich das Leben der Mehrheitsgesellschaft an?

    statt zu sagen was man denkt, behält man die sachen für sich. kein bewegungszwang, man bestimmt selber was man wann wieso bewegt. statt 1001 gedanken, nur 1, danach ein anderer, kein gedankenchaos, keine gedankensprünge, auch sprachlich nicht. ein nicht adsler springt nicht mitten im gesprächen zwischen computern und vulkanausbrüchen. man regt sich "normal" auf, kein geschreie weil das klopapier nicht nachgelegt wurde und man mit heruntergelassener hose aufm pot sitzt und plötzlich merkt, scheise nix da.

    ich bin inerlich oftmals sehr agressiv, nicht offensiv nach außen. (ich hab adhs, ich beschreibe hier gerade die welt meines freundes) ich kneife ihn, piek ihn in die rippen, knete ihm die kopfhaut durch das er meint in ein paar jahren sind die haare futsch. er hat solche bedürfnisse nicht, er schreit mich nie an, er ist nicht von 0 auf 100 agressiv, er sagt wenn ihm etwas nicht gefällt, aber er rastet deswegen nicht aus.
    bei mir kommt auchnoch asperger dazu. ich bin nicht sehr emotional, ich bin kuschelig, aber nicht immer. wenn ich emotionen habe rede ich drüber, er auch aber er will oftmals sehr viel mehr als ich gerade ertrage. nicht adhs/asperger zu haben bedeutet für mich im rückschluss also auch das wenn man gerade nicht kuscheln mag das einen tatsächlichen grund hat, das man deswegen nicht schreit oder knurrt, das man keine 10 minuten braucht um zu erklären was gerade mit einem los ist. nicht ads zu haben bedeutet für mich, wenn ich an diese andere welt denke aber auch das die welt nicht so interessant ist.
    für mich kann ein blatt an irgendeinem strauch total faszinierend sein, die strucktur, wie es sich anfühlt, nicht adsler haben diese dinge als kleinkind groß interessiert, heute nicht mehr, es ist abgeharkt, nicht mehr wichtig.
    für mich hört sich der schnee der durch eine mit braunen blättern besetzte hecke rieselt wunderschön an, für meinen nicht adhsler freund passiert es einfach.
    in vielen dingen bin ich sehr kindlich und werde es wohl auch immer sein, analytisch aber gleichzeitig spiel ich mit lego, habe bibi blocksberg auf meinem pc und LTBs im regal. mein gehirn ist nicht altersentsprechend entwickelt, wird es möglicherweise nie sein.
    für ihn passiert wetter einfach, ich flip aus wenn es schneit.

    nicht adhsler zu sein bedeutet für mich, das die substanz der welt als selbstverständlich wahrgenommen wird, nicht so emotional.
    ich finde meine welt an sich schön, sie wäre nur noch schöner wenn die nicht-adhsler-welt andersartigkeit akzeptieren würden.

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