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Diskutiere im Thema Verzwickt - ADHS und Elternrolle im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hallo Ihr lieben Forenmitglieder,

    der Vater meines Kindes leidet unter ADHS, was leider zumindest in unserer Situation schwerwiegende Probleme hinsichtlich der "Elternrolle" mit sich bringt. Als Resultat aus seiner Schwierigkeit Dinge durchzuhalten, sind wir seit geraumer Zeit getrennt. Jedoch zieht sich eine Art Unstetigkeit eben durch sein gesamtes Leben und wirkt sich massiv auf die Vaterrolle aus. Zeitweise ist das Interesse, die Aufmerksamkeit und sein Wunsch nach Beteiligung enorm hoch, doch zu anderen Zeiten verlagern sich die Interessen anderweitig, und er ist kaum präsent - leider aber auch nicht Gesprächsbereit oder gar Einsichtig. Ein dauerhaftes "Ihn-Einbinden" ist mir schon allein aufgrund der phasischen Unzuverlässigkeit, aber auch der damit einhergehenden Launenhaftigkeit unmöglich.

    Kurzum, es ist einfach keine gerade Linie hineinzubekommen, was aber gerade für ein Kind eben wichtig ist. Zusätzlich wird die Situation dadurch erschwert, dass er sich zeitweise von meinen Versuchen der Unterstützung (um die er zuvor gebeten hat) kontrolliert fühlt und mich als "Böse" sieht. Wir treffen gemeinsame Vereinbarungen, aber zu einem späteren Zeitpunkt kann er sich daran oft nicht mehr erinnern, oder hat sich einfach (meist still und heimlich im Alleingang) umentschieden. Irgendetwas dreht sich dann in seiner Welt, und ich habe das Gefühl, seine Wahrnehmung ist dann völlig irrational.

    Auch habe ich bereits versucht, einfach eine minimale Schnittmenge zu finden, in der eben Kontakt zwischen den beiden stattfindet, aber keine darüber hinausgehende Einbindung. Auch dieser Versuch ist kläglich gescheitert. Er ist dann unzufrieden mit der Situation, wird wütend, weil er ja eigentlich maximal am Leben unseres Kindes teilhaben möchte und weil er so offensichtlich seiner eigenen Vorstellung bezüglich der Vaterrolle nicht gerecht wird.

    Da das alles doch sehr an den Nerven zehrt, hoffe ich sehr, vielleicht von Euch Tipps und Ratschläge zu bekommen oder vielleicht auch Menschen zu treffen, die sich in einer ähnlichen Lebenslage befinden.

    Ich freue mich auf Rückmeldungen von Euch.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257
    Hi Tinker Bell (ist das nicht diese etwas gemeine Fee? . )

    Du beschreibst recht präzise einen typischen ADHSler.

    Dazu zwei Dinge:

    1. ADHS ist keine Entschuldigung sondern eher ein Auftrag etwas zu lernen - lass ihm die Unzuverlässigkeit also nicht durchgehen. Letztlich wird er es dem Kind zuliebe sogar danken. Du merkst ja selber dass er unzufrieden mit sich ist.

    2. Ich hoffe mal er ist in Behandlung?

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hi Wildfang,

    Lieben Dank für Deine Antwort. Ehrlich gesagt weiss ich es gar nicht so recht, ich dachte sie wäre eine nette Fee, zumindest hoffe ich das...

    zu 1.: Mein Problem: Wenn er diese -ich nenn es mal "Phase" hat, will er plötzlich nichts mehr von dem, wofür er zuvor noch "gekämpft" hat (nämlich am Leben seines Kindes tatsächlich teilzuhaben), und ich bin die Böse, die ihm "nichts gönnt", die ihn kontrollieren will etc. Er wird dann eben auch sehr manipulativ und verletzend - egal was ich sage, sobald es ihm nicht gefällt kommt die Standard-Aussage "Willst du mich jetzt erpressen?" bei dem kleinsten Versuch von Absprachen, Kompromissen u.ä., was für jeden anderen Menschen völlig normal wäre...
    Ich kann ihn ja zu nichts zwingen, und meine bisherigen Versuche auf Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit zu pochen haben seinerseits zu einem derartigen Eklat geführt, dass er dann zwar vielleicht Absprachen auch entgegen seines Willens einhält, aber ich (und Teils unser Kind) seinen Unmut deutlich zu spüren bekommen, so dass es kaum auszuhalten ist. Also wie stell ich das "es ihm nicht durchgehen lassen" ganz konkret an?

    zu 2.: Nein, das ist es (mal wieder) nicht - auch die werden immer wieder abgebrochen, bevor richtig angefangen. Auch dafür scheint das Durchhaltevermögen leider zu fehlen...

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Ehrlich gesagt weiss ich es gar nicht so recht, ich dachte sie wäre eine nette Fee, zumindest hoffe ich das...
    *lol* ja, in dem Disney-Fim ist sie das aber im Originalbuch ist sie ein zwiespältiger Charkter ...

    Jetzt empfehle ich es schon wieder ... das Buch zieht einen einerseits runter, andererseits beschreibt es sehr präzise was Sache ist und wie man mit ADHS umgehen soll bzw. kann:

    Cordula Neuhaus: Lass mich, doch verlass mich nicht (Buch) – jpc

    Da werden die "Phasen" aus Punkt 1 recht schön erklärt.

    Allerdings -

    Er wird dann eben auch sehr manipulativ und verletzend
    ... ist eigentlich nicht typisch ADHS...

    sobald es ihm nicht gefällt kommt die Standard-Aussage "Willst du mich jetzt erpressen?"
    ... das schon eher.

    Was den Punkt 2 angeht - das ist ein echtes Problem, vermutlich das Kernproblem. Wenn keine ausreichende Krankheitseinsicht bzw. Leidensdruck da ist um eine vernünftige und kontinuierliche Behandlung zu garantieren ... blöd. Dann wird's nix, aus eigener Kraft kommt man da nicht zu Potte.

    Also wie stell ich das "es ihm nicht durchgehen lassen" ganz konkret an?
    Dazu müsste an halt auch die ganz konkrete Situation kennen.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hi Wildfang,

    ... ist eigentlich nicht typisch ADHS...
    ich muss sagen, dass im Raum steht, dass zusätzlich zu ADHS weitere "Dispositionen" vorliegen, wo es aber bisher keine weiter Abklärung gab... Aber mir scheint doch das ADHS-typische Verhalten im Vordergrund zu stehen.

    ist bestellt

    Da werden die "Phasen" aus Punkt 1 recht schön erklärt.
    Zu den "Phasen" habe ich aber doch noch mal eine Frage. Bei bspw. der bipolaren Störung gibt es ja auch "Phasen", wobei man dort ja klar differenziert, dass der Betroffene in den manischen Phasen entgegen seines eigentlichen Willens agiert. Ist das bei ADHS ebenso der Fall, also gibt es eine überdauernde "Wahrheit" was der Betroffene eigentlich will? Bei uns scheint das vorherrschende Problem ja doch zu sein, dass er zwischenzeitlich genaue Vorstellungen hat, wie es laufen soll und wie er seine Vaterrolle gestalten möchte. Dann aber dreht sich das, andere "Einflüsse" in seinem Leben bekommen Priorität und seine Ansichten drehen sich. Und dann will er eben auch einfach nicht nicht mehr... Er fängt dann leider auch an, sich die ganze Sache so hinzudrehen, dass es für ihn Sinn macht - dabei verdreht er aber die Realität völlig. Seine Gedanken sind dann bestimmt von "es könne doch...., wenn es so und so wäre... und überhaupt...". Diese Gedanken werden dann innerhalb von kürzester Zeit seine Realität. Ich bin dann diejenige, der er die Schuld dafür gibt, dass es nicht so ist wie er es sich ausgemalt hat. Und entsprechend begegnet er mir dann auch: bockig, trotzig, wütend.... Kurzum, er will die Bedingungen aufstellen und erwartet, dass sich sein Umfeld dem unterwirft und alle, aber auf keinen Fall er selbst, Konsequenzen trägt.

    Dazu müsste an halt auch die ganz konkrete Situation kennen.
    Wie gesagt, die konkreten Situationen bestehen überdauernd darin, dass er zeitweise am liebsten 10 mal am Tag anrufen möchte, sein Kind mehrmals die Woche sehen will und es dann wieder am liebsten auf ein Mindestmaß herunterfahren möchte. Dies paart sich eben mit Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit und kurzfristigen Absagen. Versuche ich auf Kontinuität zu beharren und an Absprachen zu erinnern bekomme ich seinen Missmut in vollem Umfang zu spüren. Unschöne Situation nicht nur für mich, sondern v.a. unser Kind. Habe auch bereits versucht, den Kontakt generell sehr weiträumig zu gestalten, aber das gefällt ihm eben auch nicht. Wie ich es drehe, die Stimmung ist immer wieder so schlecht, weil scheinbar er selbst seinen eigenen Erwartungen nicht gerecht wird. Das geht so weit, dass Kontakt zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr möglich, weil überhaupt kein Zugang mehr zu ihm zu finden ist und keinerlei normales Gespräch mehr möglich ist. Für mich ist das alles extrem anstrengend und sehr nervenaufreibend, vor allem weil es so auswegslos erscheint.

    Liebe Grüße.

    tinker_bell

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 160

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hallo tinker-bell,

    aus meiner Sicht hat Wildfang recht - bei dem Vater Deines Kindes geht es um weit mehr als nur ADHS.

    Worin ich mich selbst wiedererkenne: Das ständige Vergessen selbstgesetzter Ziele, Standards, Werte.

    Früher habe ich auch sehr oft versucht, mein Umfeld für dieses Vergessen verantwortlich zu machen. Das ist aber der Teil von ADHS, den man zumindest bei sehr wichtigen Angelenheiten (wie etwa das eigene Kind) m.E. in den Griff bekommen kann - es sei denn, es gibt etwas weiteres, was mich daran hindert. Einer meiner Freunde, der ebenfalls ADS ohne H hat, ist (ohne MPH) einer der besten Väter, die ich je kennengelernt habe.

    Dir wünsche ich einfach jede Menge Gelassenheit, Widerstandskraft gegen seine Manipulationsversuche - bleib eisenhart bei Euren Verabredungen! Nur das kann ihm letztendlich helfen! - und viel Glück und ihm wünsche ich dass er zu sich selbst findet. Da ist er nämlich offenbar nicht.

    Schöne Grüße!
    Hijo

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hallo Hijo,

    Dir wünsche ich einfach jede Menge Gelassenheit, Widerstandskraft gegen seine Manipulationsversuche
    Vielen Dank, die kann ich wirklich gebrauchen. Wir sind auch jetzt gerade wieder in einer "heissen" Phase...

    bleib eisenhart bei Euren Verabredungen
    Ich gebe mein bestes, er zieht wirklich ALLE Register, um Vereinbarungen umzuschmeissen, wenn sie ihm nicht mehr gefallen.

    Liebe Grüße!!

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Verzwickt - ADHS und Elternrolle

    Hallo,

    ein kurzes Update von meiner Seite: ein neuerliches Gespräch in der Psychiatrie hat tatsächlich wieder verdeutlicht, dass vornehmlich etwas anderes als die ADHS-Problematik im Vordergrund steht.

    Ich danke Euch für Eure Antworten. Für Euch alles Liebe & Gute.

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