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Diskutiere im Thema Hilfestellung in Anlehnung an " Wichtige Hinweise für Angehörige" im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    Hilfestellung in Anlehnung an " Wichtige Hinweise für Angehörige"

    Hallo Zusammen, ich habe gerade von Alex dieses Thema gelesen.

    “Was auch sehr oft hier bei Angehörigen zu beobachten ist, ist, dass Beziehungsprobleme, wie die auch bei nicht-Betroffene in genau der gleichen Weise vorkommen, einfach auf das Vorhandensein - manchmal sogar nur auf das möglicherweise Vorhandensein - einer ADS oder ADHS geschoben und der oder die Betroffene oder möglicherweise Betroffene oder eben die ADS oder ADHS mehr oder weniger für alle bestehenden Beziehungsprobleme zum "Sündenbock" gemacht werden.

    Beachtet bitte, dass zu einer Beziehung oder Freundschaft immer zwei Menschen gehören und in keinem einzigen Fall bei Beziehungsproblemen nur einer der beiden dafür verantwortlich ist.“

    Jetzt bin ich in der Situation, dass ich nicht mehr weiß ob bestimmtes Verhalten von meinem Freund Symptome von ADHS sind oder eben normale Beziehungsprobelme. Bevor ich auf Beispiele eingehe, wil ich euch sagen, dass ich natürlich auch an mir arbeite.
    Also hier Beispiele aus unserem Alltag. Vorab auch noch ein paar Infos.

    Ich arbeite vollzeit als Erzieherin ( wisst ihr vielleicht von mener Vorstellung) zusätzlich gehe ich in der Regel meinen Hobbys nach. D.h. ich bin mit Fahrzeit ca 10 h ausser Haus. Mein Freund ist Designer hat letztes Jahr sein Diplom abgebrochen, ist also derzeit damit beschäftig sich für sein Diplom vorzubereiten und hat manchmal auch ein paar Aufträge. D.h. er ist nicht an feste Zeiten gebunden, hat zu Haue ein Arbeitszimmer an manchen Tagen Termine, an manchen Tagen eben keine. Lebensmittelgeschäfte sind auf der anderen Straßenseite.
    GANZ WICHTIG: Er hat lange zeit Speed konsumiert ( Selbstmedikation?) und ist seit ca. 3 Wochen clean, geht zur Drogenberatung und erzählt mir nach und nach wo er mich wegen der Droge belogen hat.

    In den letzten Jahren hat es sich bei uns so eingespielt das ich viel organisiert habe. Nach der Arbeit bin ich häufig einkaufen gegangen, habe gekocht und aufgeräumt. Die Urlaube habe ich hauptsächlich geplant, ich habe ihm beim Kofferpacken geholfen( auch wenn sich das krass anhört) Beispielsweise haben wir vor kurzem gemeinsam sein Arbeitszimmer neu strukturiert, damit er sich wohl fühlt.
    Ich machte das immer gern, das war wohl auch mein Fehler, denn es wurde mir zu viel. Ich schaffe das alles nicht mehr. Aus dem Grund weil ich selbt Ziele und Hobbys habe und nicht mehr alles unter einen Hut bekomme. Meine Zeit ist zu kurz. Um euch das klarer vor Augen zu führen: Wenn wir uns die Arbeit teilen wollen und das wollen wir; gehe ich beispielsweise für die Woche einkaufen. Dann kommt es beispielsweise vor, dass etwas leer wird( ganz normal) dann schafft es mein Freund aber nicht dies zu besorgen. Oder er ist dran mit Spülen, es ist nicht übermäßig viel und es bleibt drei Tage lieben. Genauso gibt es aber Tage an denen er das schafft. Ich kann nicht sagen ob es wechselnde Phasen in Wochen oder Tage sind.
    Ich habe das Glück mit seiner Mutter, die selbst ADHS diagnostiziert hat offen reden zu können. Sie meinte ich habe viel zu viel gemacht. "Wenn er seinen Koffer nicht packt geht er eben ohne!" oder " Das du seine Zunge nicht nach links und rechts legst ist ja alles" oder " Du liebst ihn so sehr und versuchst alles zu tun, das geht auf Dauer nicht gut" und " Zeig ihm mal die Zähne, hau mal auf den Tisch" all dies waren die Worte von seiner Mutter.
    Jetzt habe versuche ich mehr Eigenverantwortung von ihm zu erfordern. Noch ein letztes Beispiel: Da es mir alles über den Kopf gewachsen ist ( die Situation ist derzeit eben akut) bin ich selbst fertig. Er ist ein toller Mann und will für mich da sein. Das sagt er mir auch" Ich würde dir so gern helfen" Dann komme ich nach einem langen Arbeitstag heim und es ist Chaos in der Küche, es ist nichts zu essen da- Ich ärgere mich- muss weinen( erschöpft) - es klingelt an der Tür, ein Kolllege meines Freundes will ihn besuchen. Mein Freund schickt den Freund weg- und geht einkaufen. Geschirr bleibt liegen. Ich machte die Tage zuvor alles.!
    Ich hoffe ich konnte es jetzt ein wenig verständlich machen. Jetzt meine Fragen, ich will ja nicht nur Jammern:
    1. Denkt ihr das es zum Teil ADHS Symptome sind? Oder sind es nur Beziehungsprobleme? ( Natürlich kennen die Situationen ganz viele Freundinen von mir, die Freunde ohne ADHS haben. Allerdings ist der Wille von meinem Freund da, er sagt nicht er will das nicht. Wir wollen uns die Arbeit teilen. Ausserdem gibt es Tage da tut er gar nicht und ist in depressiver Stimmung( geht auch nicht duschen etc.)
    2. Wie soll ich mich verhalten. So wie es seine Mutter mir rät?
    3. Da es keine Selbsthilfegruppe für ADHS- Angehörige gitb, hat mir jemand geraten beim Drogenberatungszentrum nachzufragen, damit ich unterscheiden kann was von der Drogenproblematik kommt, was von ADHS-Symptomen kommt und was einfach WIR sind. Was denkt ihr?

    Grüße Nayeli

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Hilfestellung in Anlehnung an " Wichtige Hinweise für Angehörige"

    Mal mein Senf:

    Ich habe das Glück mit seiner Mutter, die selbst ADHS diagnostiziert hat
    Ist die Ärztin?

    1. Denkt ihr das es zum Teil ADHS Symptome sind? Oder sind es nur Beziehungsprobleme? ( Natürlich kennen die Situationen ganz viele Freundinen von mir, die Freunde ohne ADHS haben. Allerdings ist der Wille von meinem Freund da, er sagt nicht er will das nicht. Wir wollen uns die Arbeit teilen. Ausserdem gibt es Tage da tut er gar nicht und ist in depressiver Stimmung( geht auch nicht duschen etc.)
    Ich denke dass kann man von außen nicht auseinanderhalten. Aber ist das nicht auch letztlich egal? Dich stört es so wie so.
    Ich würd es so probieren: Wenn es ihn selber nervt, verrückt macht, er wirklich eigentlich andrer handeln will als er es tut - geh von ADHS oder Drogen aus. Und hilf ihm den Punkt zu ändern. Sonst ist es Character. Du als Freundin muss das irgendwie erspüren was in ihm vorgeht. Schwer.

    2. Wie soll ich mich verhalten. So wie es seine Mutter mir rät?
    Daas ist son typischer Mütter-Tipp. Man kann Erwachsene Menschen nur schwer wie Kinder erziehen. Im Grunde hat sie Recht aber der Weg muss anders sein: Du musst ihn nicht zur Selbständigkeit erzeihen sondern ihm Klar machen dass du nicht sein Dienstmädchen sein kannst wenn die Beziehung halten soll.

    Zu 3 hab ich keine Erfahrung und Ahnung - Fragen ist immer gut.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Hilfestellung in Anlehnung an " Wichtige Hinweise für Angehörige"

    Ist die Ärztin?
    Nein ist sie nicht. Ich habe mich falsch ausgedrückt. Ihr wurde selbst ADHS diagnostiziert. Sie ist sozusgen der Genträger, wenn man das so sagen kann. Sie ist also ADHSlerin, gnauso wie ihre Brüder.Also die Okel meines Freundes.
    ch denke dass kann man von außen nicht auseinanderhalten. Aber ist das nicht auch letztlich egal? Dich stört es so wie so.
    Ich würd es so probieren: Wenn es ihn selber nervt, verrückt macht, er wirklich eigentlich andrer handeln will als er es tut - geh von ADHS oder Drogen aus. Und hilf ihm den Punkt zu ändern. Sonst ist es Character. Du als Freundin muss das irgendwie erspüren was in ihm vorgeht. Schwer.
    Ja da hast du recht, es ist sau schwer. Ich dachte auch schon, dass eben der Unterschied Männern ohne ADHS und ähnlichen Beziehungsproblemen darin liegt, dass mein Freund selbst genervt ist, er anders handeln will als er es tut. Deswegen versucht er es ja dann meistens wieder gut zu machen.
    Daas ist son typischer Mütter-Tipp. Man kann Erwachsene Menschen nur schwer wie Kinder erziehen. Im Grunde hat sie Recht aber der Weg muss anders sein: Du musst ihn nicht zur Selbständigkeit erzeihen sondern ihm Klar machen dass du nicht sein Dienstmädchen sein kannst wenn die Beziehung halten soll.
    Ich will weder meinen Freund erziehen, oder seine Therapeutin spielen...ich will nur eine gute Beziehung führen und mit ihm glücklich sein. Wir versuchen gerade daran zu arbeiten, eben dass ich nicht seine Organisatiorin bin oder wie du es nennst sein Dienstmädchen. Ich versuche den Weg zu finden ihn zu unterstützen aber eben nicht mich selbst zu überfordern oder etwas anderes zu sein als eben seine Freundin.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Hilfestellung in Anlehnung an " Wichtige Hinweise für Angehörige"

    Hallo Nayeli,

    was du da beschreibst, ist ein Klassiker. Das macht es aber nicht weniger nervend, ich versteh deinen Frust gut. In dem Text von Alex gehts meiner Erfahrung nach aber eher um Leute, die sich hier auskotzen und in Bausch und Bogen alles, was zuhause nicht funktioniert, auf das ADHS des Partners schieben. Deinen Beitrag empfinde ich aber als sehr viel differenzierter.

    Es gibt im Angehörigenforum schon Diskussionen zu vergleichbaren Themen, hast du die schon gefunden?

    Deine Erzählung von dem Abend ohne Essen finde ich übrigens teilweise positiv. Er hat sich zumindest um Schadensbegrenzung bemüht. Eine andere Angehörige regelt solche Dinge so: wenn abends an seinem Haushaltstag nichts zum Futtern da ist, muss er was ranschaffen, selbst und auf seine Kosten. Dann gibts vermutlich Pizza vom Mitnehm-Italiener.

    In einem Punkt gehe ich mit deiner SchwieMu konform: du hast vermutlich bisher zu viel gemacht im Haushalt. Da täte sich auch ein Mann ohne ADHS schwer, auf einmal konsequent seinen Anteil an den täglichen Arbeiten zu leisten. Und wenn noch ADHS dazukommt, ist die Lernzeit länger, bis er es wirklich schafft, Abmachungen einzuhalten. Ihr müsst da auch ein bisschen experimentieren, was geht und was nicht.

    Die Drogenvergangenheit kann ähnliche Folgen habe wie ADHS bzw. die Symptome verstärken. Insofern wäre die Drogenberatung sicher einen Versuch wert. Die haben vermutlich gute Tipps, wie Menschen mit schlechtem Arbeitsgedächtnis trotzdem klarkommen können. Fragen kostet jedenfalls nichts.

    Du hast ganz recht, man kann erwachsene Menschen nicht erziehen wie Kinder. Du kannst ihn in einem friedlichen Moment aber fragen, wie er die Situation bei euch wahrnimmt. So ein Gespräch kann erstaunliche Ergebnisse liefern.

    Andererseits tun sich ADHSler aber besonders schwer, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern. Da braucht es Geduld und eine Politik der ganz kleinen Schritte. Den Unterschied zwischen "Null Bock" und ADHS erkennst du tatsächlich an seiner eigenen Genervtheit, wenn er die geplante Arbeit nicht geschafft hat. Für dich wird es leichter, wenn du vermehrt auf das schaust, was er geschafft hat, und nicht auf das Liegengebliebene.

    Wie steht es eigentlich mit seinem Problembewusstsein? Je mehr er über ADHS im Allgemeinen und über seine persönlche Version davon weiss, umso eher kommt er selbst auf die Strategien, die bei ihm funktionieren.

    lg
    lola

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