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Diskutiere im Thema Wie mit der Antriebslosigkeit eines ADHSlers umgehen? im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #31
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Wie mit der Antriebslosigkeit eines ADHSlers umgehen?

    KlausISSO schreibt:
    Hallo aellym,

    besonders deine Zeilen, die hier irgendwie unter der ausgelassenen Stimmung untergegangen scheinen, haben mich sehr getroffen. Ich bin heutzutage zwar ein 28-jähriger ADSler mit Ausbildung und in "fast" höherer Position als Ansprechpartner einer Filliale. Aber auch ich war einmal jung, ohne Ausbildung und dumm. :o)

    Nach meinem (immerhin) normalen Realschulabschluss hab ich, auf Wunsch meiner Mutter noch 2 berufsbildende Schulen besucht um ihren Traum eines studierenden Abiturienten zu erfüllen. Da es aber nicht mein Traum war, bzw. ich kein wirkliches Interesse daran hatte, besuchte ich die Schulen zwar. Aber im Grunde war es verschwendete Zeit. Aber ich muss sagen, es war für mich als ADSler eine traumhafte Zeit. Man hatte eine Beschäftigung, die man vorgeben konnte, bei den typischen Fragen anderer "Und was macht ihr Sohn gerade?" ... oder... "Und was machst du so?"... ABER - und das war noch viel entscheidener - Man hatte irrsinnig viel Zeit um seinen eigenen Träumen nachzuhängen und sich damit zu beschäftigen. Da meine Mutter nichts von meiner Krankheit wusste, und ich bis Dezember letzten Jahres auch eher im dunklen tappste, kam natürlich bei meinen Beschäftigungen nicht viel raus.

    Jedoch eines tat es... Meine Mutter ist vom Beruf Schauspielerin und arbeitet seit Jahren für's Theater. Sie hat mich mal gefragt, ob ich nicht Lust zu einer Komparsen-Rolle in nem Stück hätte, weil die Bühne da grad ein paar Schüler für suchte. Eins führte zum anderen. Und schwupps war ich öfters bei der Bühne als Regieassistent, Verfolger (Licht), Soffleur oder Requisiteur beschäftigt. Das kreative Umfeld tat mir richtig gut.

    Dann kam die Bundeswehr. Ich war zu der Zeit schon 21... Da ich nicht wusste was ich überhaupt machen sollte oder wollte (und die meisten in meiner Realschulklasse wussten das schon mit 16 !!! - UNGLAUBLICH) war ich dann erstmal 2 Jahre lang beim Bund und verdiente gutes Geld. Aber die Arbeit war stinkend langweilig. Formulare etc. Nichts spannendes. Anschließend war ich, wie schon öfter, wieder Arbeitslos. Bis eines Tages das Arbeitsamt mir einen Tipp gab, dass da gerade eine gute Ausbildung als Bürokaufmann im Sport-Handel gesucht wird. Das war im Februar... Und das des verpassten ersten Halbjahrs kam ich gut im Stoff voran und schaffte meine Ausbildung (so grade ... iss klar ;o) Und durch sehr viel Glück stehe ich heute als "Fast"-Filialleiter in einem Laden dieser Kette. Klingt eigentlich toll. Aber ich habe im Moment nur pures Glück. Denn der Job ist furchtbar Langweilig und mein Wesen als "verrückter Professor" fällt keinem mehr auf, weil ich alleine im Laden steh. Aber ich hoffe du erkennst worauf ich hinaus will... Wenn ich es denn selber tue... ÖHh... Worauf wollte ich....??? .......... ASO - JA!

    Natürlich ist das nur ein Tipp und keine Anweisung was du zu tun hast. Aber drängen wirst du evtl. schon ausprobiert haben und es hat nicht funktioniert, ODER ich schau in meiner Glaskugel und kann dir schon vorher verraten dass das nichts bringen wird. Deine Tochter fühlt sich momentan mit ihrem "Nichts-Tun" vermutlich wohl... Was dich natürlich in den Wahnsinn treibt... Es wird nicht ganz leicht sein, aber versuch deiner Tochter bei der Berufswahl etwas zu helfen. Es gibt VIELE Berufe bei denen ADSler (oder ADSHler) einfach besser sind. Das sind vorallem Berufe, bei denen keine Routinen herrschen, wo man ständig neue Lösungen finden muss, "Kreativität" ist da ein gutes Stichwort. Wenn es ein Feld gibt, was deine Tochter liebt oder was sie wahnsinnig interessiert, dann informier dich über die Berufe, die es in diesem Feld gibt. Was die Aufgaben sind... Vielleicht schaffst du es sogar, dass deine Tochter selbst Iniatiative beweißt. WICHTIG ist vorallem, dass du ihr dann nicht den Vorschlag machst : "Wie wär es denn mit Tierpflegerin? Wär das nichts für dich?" ... Im Kopf eines ADSlers geht dieser Hinweis komplett in die falsche Richtung. Alle Informationen, die du deiner Tochter gibst müssen in Teilaufgaben gesplittet werden, dann machen sie erst Sinn und können auch vom King-ADS im Kopf abgesegnet werden. Beispielsweise, wenn sie tatsächlich gerne mit Tieren arbeitet... Informier dich bei nem Reitstall, einer Tierarzt-Praxis, etc. ... Und wenn du alle Schritte kennst, kannst du die dann schön Häppchen-Weise erzählen. "Tochter XY, wenn du ein Praktika in der PraxisXY annimmst, könnten die dich evtl. auch als Azubine einstellen. Das wär doch toll, oder?".... NAJA - Oder so ähnlich!! Ich hoffe du verstehst was ich meine. Schreib mir bitte, ob dir mein Rat zumindest etwas geholfen hat.

    LG
    Hallo zusammen,

    @ KlausISSO,

    ich finde deinen Beitrag nicht nur nützlich.... für mich hat sich gerade ein Schleier gelüftet!!!
    Dass ich, als Betroffene da nicht von selbst drauf gekommen bin könnt mich gerade wieder tierisch aufregen... bin aber noch zu müde dafür.


    Ein Ratschlag "Mach doch mal das..." ist wie eine leere Hülle... man muss schon mal einen möglichen Weg aufzeigen zu einer bestimmten Lösung!
    Also, dass war für mich jetzt echt wie "Lichteinschalten"

    Danke dafür (kann einem nämlich auch als Betroffener mit den eigenen Kinder so gehen... einen Brocken hinwerfen und eine sofort folgende Handlung zu erwarten.... was aber einfach dem Kind unmöglich ist)

    L.G.
    happypill

  2. #32
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Wie mit der Antriebslosigkeit eines ADHSlers umgehen?

    Alleiine gewohnt habe ich wenig in meinem Leben. Aber wenn es muss kriege ich auch meinen Hintern hoch.

    Ich habe jetzt Probleme mit Antriebslosigkeit weil mein Mann irgendwie alles so super kann. Er ist der perfekte Hausmann. Und ich komme mir schon mies vor wenn er mal wieder sauer ist weil die Bügelwäsche seit drei Wochen steht oder der Mülleimer überquillt.

    Ich frage mich wie ich es schaffe auf der Arbeit nicht im Chaos zu versaufen.

    Aber da streng ich mich mit aller Gewalt an und komme total k.o. von der Arbeit und krieg nix auf die Reihe!

    Dann fühl ich mich wieder wie der letzte Loser !

  3. #33
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 68

    AW: Wie mit der Antriebslosigkeit eines ADHSlers umgehen?

    Hallo Ihr Lieben,

    ich bin wieder da - hallo sun und eisele im speziellen.
    Zum Thema: Antriebslosigkeit. Ich habe einige Erfahrung gesammelt im letzten Jahr diesbezüglich und etwas festgestellt wozu ich gerne was beigetragen hätte.
    Ich glaube dass Menschen mir ADS die Welt anders wahrnehmen, z. B. nimmt mein Freund kleine Welten wahr, kann Details einer elektronischen Wanze mit bloßem Auge erkennen und das nachbauen, sich beim Basteln darin verlieren. Geht aber die Struktur über die Größe eines Billy Regals hinaus (das ist NICHT abwertend gemeint, sondern mit einem liebevollen Schmunzeln) dann erkennt er keine Einzelheiten mehr, Da ist ein völlig chaotischer Schreibtisch (Wichtige Unterlagen, nicht so wichtige Unterlagen, Altpapier, leere Tassen, verschimmelte Essensreste, elektronische Bauteile...) dasselbe wie ein nach bundeswehrstandard eingeräumter Wäscheschrank. Die Gänze des Bildes dessen, was er sieht ist nicht zu erfassen für ihn. Ich habe meinem Lieben das auch gesagt, dass ich diese Vermutung hege. Er hat mich angesehen - er hat kurz überlegt - und er hat gesagt: Hm oh das stimmt, ich sehe keine Einzelheiten. Das würde also bedeuten, das jemand mit ADS die Einzelheiten in einem komplexen System nicht erfassen kann, welches größer ist als die Platine eines motherboards. Ok. Das ist lebenstechnisch bedenklich. Das Leben ist groß die Dinge sind groß. Lebenstechnik ist aus vielen kleinen von einander scheinbar unabhängigen Komponenten wild zusammengewürfelt. Es gilt eine Struktur dahinter zu erkennen, sie zu verinnerlichen und danach zu leben. Das aber kann ein Mensch mit ADS vielleicht nicht. ABER: er sieht die Welt in ihrer kleinen Struktur vielleicht soviel deutlicher als die Nicht-ADSler. Was ich sagen will ist, dass es vielleicht keine Antriebsschwäche ist, das ADSMenschen ihre Mahnungen verschlampen oder das dreckige Geschirr ignorieren usw. und mit absoluter Sicherheit ist es keine böse Absicht und schon gar keine Faulheit. Es ist Überforderung, weil sie die Struktur nicht erkennen.
    Wie aber damit umgehen, wenn einem sein Liebster mal wieder was versaut, weil er nachlässig war? (der Meinung von nicht ADSlern nach.) Wie damit umgehen, wenn man nach Luft schnappend am Boden liegt und Hilfe bräuchte und Schatzi sagt, hm ich merk schon du bist schlecht gelaunt, ich geh mal an meinen Rechner...... tja wie damit umgehen....also ich hab verschiedene Strategien versucht. Die Situation überstehen ohne aus der Haut zu fahren und dann in Ruhe mit ihm/ihr reden. Die Situation in der man war zu reflektieren. Is auch schwer, denn das ist ja vorbei und damit langweilig. Schlichtweg gesagt, erklären, anstupsen, motivieren etc. ist möglicherweise schädlich für einen selbst, da man sich aufreibt. Sicher ist es schön, wenn man erinnert, dass was Wichtiges erledigt werden muss, aber es kommt meiner Erfahrung nach in 50 Prozent der Fälle als Bevormundung an. Und gemacht wird dann das Gegenteil. Warum ist das so? Mein Freund hatte darauf keine Erklärung parat - auch nicht nach einer Bedenkzeit. Ich sehe an mir selbst, dass ich in eine Mutterrolle abdrifte - bewahre ihn vor Schaden in dem du ihn an Wichtiges erinnerst. Schule seine Emontionale Intelligenz indem du ihn aufforderst aufmerksam zu sein. Meine Güte, das Dingens heißt Aufmekrsamkeits-Defizit-Syndrom. Was bilden wir uns ein, diese Schwäche, die die Betroffenen am allermeisten selbst schikaniert beheben zu können indem wir ihnen Strategien aufzwingen, die sie nicht sehen können. Mechanismen erklären, die sie nicht sehen können.
    Es ist eben so. D.h., für mich (denn ich kann nur für mich sprechen) keine Salti zu erwarten, nicht immer auffangen zu wollen, nicht Mama spielen wollen mit dem Wunsch erzieherische Maßnamen würden wirken, das ist kontraproduktiv. Erwartungen von "das muss er mir doch ansehen - das weiß er doch, er kennt mich doch" ablegen. Meine Erfahrung mit dieser Interpretation der Welt ( ich sehe ADS nicht als Krankheit, sondern als andere Sicht der Dinge aufgrund anderer Stoffwechselvorgänge im Gehirn) ist die, dass ich mich eben nicht verlasse, sondern selber mein Ding mache - was zusammengeht ist schön, was nicht zusammengeht....das geht halt nicht. Schwer aber eben eine andere Definition von Partnerschaft. Oder was auch immer das ist. Ich habe noch nie erlebt, dass er mich um Hilfe bitten würde. Er sieht die Notwendigkeit nicht. Wenns zu spät ist ist das Dilemma oft groß. Unwichtig! Und der Satz: das hab ich dir gleich gesagt. Streich ihn. Entscheide für dich unter Bezugnahme dessen, dass es nett wäre, er oder sie wäre dabei, aber baut nicht drauf. Das ist meine Meinung zu der Antriebslosigkeit die im eigentlichen Wortsinn keine ist, denn der Antrieb ist mit Sicherheit da nur das Wissen wie man das managed ist nicht umsetzbar.
    Liebste Grüße
    Schatti
    Geändert von Schattentanz (19.04.2011 um 05:35 Uhr)

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