Zeige Ergebnis 1 bis 3 von 3

Diskutiere im Thema AD(H)S erkannt - Gefahr nicht gebannt... im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 7

    AD(H)S erkannt - Gefahr nicht gebannt...

    Hallo liebe Angehörige...

    Ich möchte mich kurz vorstellen: Ich bin 26 Jahre alt, mit meinem Mann seit über 7 Jahren zusammen von denen wir 3 Jahre verheiratet sind. Mir war schon immer klar, dass mit ihm irgendetwas "nicht stimmt", aber ich konnte es nie wirklich greifen. Es gab wirklich Zeiten in unserem Leben, wo es nicht nur nicht leicht war, sondern wirklich zum "weglaufen"... Aber da ich meinen Mann sehr liebe und wir über ALLES sprechen können, haben wir es hinbekommen.

    Im Jahr 2008/2009 bin ich dann nach dem Tod einer mehr als guten Freundin an Depressionen erkrankt und war 1 Jahr, mehr oder weniger vom alltäglichen Leben verschwunden. Als ich krank wurde, war mir von vornherein klar, dass ich etwas dagegen tun muss und war in der Tagesklinik und habe alles getan, dass ich wieder in die Spur komme. Ich mache noch immer Therapie in Form von Psychoanalyse. Mein Leben ist nun seit 2010 wieder geregelt und ich gelte als geheilt, was wohl äußerst selten bei Depressiven der Fall ist. Mein mann war die ganze Zeit immer für mich da und hat mir sehr geholfen, diese schwere Zeit zu überstehen.

    Nun ist es so, dass mein Mann in dem letzten Jahr völlig neben sich stand (weil er seine Kraft wie ich glaube mir vorher gewidmet hat). Es wurde nicht besser und ich dachte schon, er sei ebenfalls an Depressionen erkrankt, was nicht unüblich bei Angehörigen ist. In der Zeit des Suchens nach dem Problem ist mein Mann dann auf das Bild des ADHSlers gestoßen und hat sich sehr darin wiedergefunden. Nachdem wir uns (er natürlich mehr als ich) darüber informiert hatten was ADHS eigentlich genau ist, stand für uns (mehr für mich als für ihn) fest, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit davon betroffen ist. Ich habe dann erst einmal in Unna in einer Einrichtung von Ergotherapeuten angerufen und mich dort nochmals persönlich informiert wie wir nun weiter vorgehen müssen und was zu tun ist. Denn DAS kannte ich von meiner eigenen Erkrankung und es hatte mir geholfen. Mein Mann hatte aber anfangs schreckliche Angst davor eine Diagnose stellen zu lassen Er sagte immer wieder er habe Angst davor, dass ihm das wieder einer "wegnehmen" würde, denn das würde bedeuten, er sei DOCH nur faul und bekäme den Ar*** nicht hoch. Aber ich habe das von Anfang an anders gesehen, denn mir war völlig klar, dass er ADHS hat. Beim Lesen einiger Internetseiten fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe ihm geantwortet, dass wenn er faul wäre, er eben wirklich nichts machen würde und nicht wie er es immer tut, für andere da zu sein und Probleme anzupacken und zu lösen. Er tut das eben nur nicht für sich. Er hat mittlerweile Fragebögen an die Ruhr-Uni-Bochum geschickt und in 6 Wochen einen Diagnosetermin, vor dem er auch Angst hat bzw. nervös ist. Ich dachte toll, dann machen wir jetzt was und alles wird wieder wie früher. Er kriegt die Uni hin und wir leben ein glückliches erfülltes Leben. Ich dachte es wird ähnlich laufen wie bei mir...

    Mittlerweile weiß ich, dass das nicht der Fall der sein wird, was auch absolut in Ordnung ist. Ich weiß, dass wir lernen werden damit zu leben, denn ich gebe uns sicher nicht wegen so einer Sache auf. Da haben wir schon ganz andere Dinge miteinander erlebt und diese Vorfälle haben unsere Beziehung nur stärker gemacht.

    Nur gebe ich auch ganz offen zu, dass die Tatsache, dass ADHS nicht "heilbar" ist und eben nicht mehr aus unserem Leben verschwindet mir eine heiden Angst macht. Ich habe ihm gesagt, dass er sich so verhalten soll, wie er sich wohlfühlt und dass ohne sich schuldig zu fühlen. Er tut es mittlerweile auch. Daraus resultieren natürlich Situationen, die nicht leicht sind. Die Situation ist sehr neu für uns beide und es macht uns das Leben schwer, da wir noch keine organisatorischen Hilfsmittel gefunden oder erarbeitet haben um mit dem Thema umzugehen.

    Also bevor ich jetzt hier den Rahmen sprenge, wollte ich nur noch sagen, dass dieses Forum hier meinem Mann sehr hilft. Ich hoffe, dass auch ich als Angehörige, das bald sagen kann und hoffe auf Austausch und Hilfe ihn besser verstehen zu können. Ggf habt ihr hier Tips, wie ihr mit der neuen Situation umgegangen seid oder erzählt einfach wie ihr euch gefühlt habt, als das alles ans "Tageslicht" kam...

    So, jetzt ist der Beitrag wirklich sehr lang geworden. Und ich könnte soviel mehr schreiben

  2. #2
    Silvia56

    Gast

    AW: AD(H)S erkannt - Gefahr nicht gebannt...

    Hallo smokey,

    deine Situation kann ich sehr gut nachempfinden. Ich kenne meinen Lebensgefährten seit 4 Jahren, seit 1 Jahr leben wir zusammen, vorher hatten wir eine Wochenendbeziehung auf 200 km Distanz.
    Von Anfang an habe ich bei ihm gespürt, dass er - im positiven Sinne - anders ist und genau das gefällt mir an ihm. Zufällig las ich einen Artikel über ADHS und konnte nur anschl. sagen: Genau so ist er. Ich habe dieses Forum gefunden und mich eingehend informiert, es hat trotzdem unheimlich lange gedauert, bis ich den Mut und die passende Gelegenheit gefunden habe, ihn auf dieses Thema anzusprechen. Zu meiner Überraschung gewann ich den Eindruck, dass er nach diesem Gespräch sichtlich erleichtert war. Nun haben wir im August einen Termin in einer ADHS Ambulanz und können es nicht so recht abwarten. Wir lesen uns gemeinsam durch die einschlägige Literatur mit dem Ergebnis, dass er sich und ich ihn da wiedergefunden habe, aber bis jetzt habe ich noch nicht viel erfahren können, wie ICH mit dem Thema umgehen muss. Ich versuche ihn zu verstehen, aber es fällt mir oft schwer auf ihn einzugehen und meine Bedürfnisse ihm anzupassen und zurückzustecken.
    Ich denke, wir Angehörigen haben es genauso schwer wie unsere liebenswerten "Chaoten" , vielleicht müssen wir manchmal verständnisvoll aber konsequent Grenzen setzen. Offen über alles reden ist wichtig.
    Ich habe vor der Zukunft und der evtl. Diagnose genauso Angst wie du.
    Auf jeden Fall wird dieses Forum für dich auch sehr hilfreich sein, es ist ein sehr guter Ort zum Austausch mit anderen, denn im persönlichen Umfeld ist es oft schwierig.
    LG
    Silvia

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: AD(H)S erkannt - Gefahr nicht gebannt...

    hallo smokey

    habe deinen text (so gut es ging gelesen)

    doch eins liegt mir sehr am herzen,
    dein mann (unabhängig von adhs), wird immer der gleiche bleiben,
    bedenke bitte, dass du ihn bereits so kennengelernt und liebengelernt hast - also hast
    du die adhs-typischen eigenschaften (unter anderem mit den charatereigenschaften) bereist
    vorher miterlebt -

    wäre es nicht viel schlimmer - man könnte adhs zwar ausradieren - doch du hättest einen ganz anderen mann vor dir?

    er lebt mit der adhs bis anhin, gib ihm halt - so wie er es dir auch geben konnte.

    ich kann nur von mir sprechen, ich hatte auch anzeichen einer depression, doch bei mir hat es sich so
    eingependelt, dass die stimmung kurzzeitig von tief auf hoch schwankt - nicht mehr über längere zeit.

    gruss

Ähnliche Themen

  1. ads spät erkannt nun kann´s wieder aufwärt´s geh´n
    Von träum im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 22.03.2011, 12:23
  2. Mir geht es nicht gut -hoffe ich zieh euch nicht runter, muss es aber loswerden
    Von Silke im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 15.02.2011, 14:39
  3. Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 1.08.2010, 13:39

Stichworte

Thema: AD(H)S erkannt - Gefahr nicht gebannt... im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum