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Diskutiere im Thema Jetzt ist die Diagnose gestellt im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 40

    Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Hallo zusammen,

    nach nun einigen Monaten der Ungewissheit möchte ich mich mal wieder melden.

    Nach einem langen Leidensdruck für uns beide rang meine Frau sich vor einigen Wochen endlich dazu durch, sich einen Termin bei einem Facharzt geben zu lassen und nach einigen Tests und Fragebögen wissen wir seit vorgestern mit Sicherheit, dass sie eine stark ausgeprägte ADS mit leichter Hyperaktivität hat.

    Der Arzt hat ihr auch gleich ein Medikament verschrieben (Methylphenidat), welches sie seit gestern nimmt.

    Sie sagt, es wirkt, sie fühlt sich subjektiv betrachtet wesentlich besser und auch ich habe den Eindruck, dass die ADS-Symtomatik nachlässt (so lange die Wirkung anhält).

    Wir sind eigentlich beide erleichtert über die Diagnose, da nun endlich "klar ist, was nicht stimmt", aber meine Frau hat enorme Selbstzweifel und Angst, nur auf Grund eines Medikaments "normal zu funktionieren".

    Daher möchte sie begleitend (dazu riet auch der Arzt) eine Verhaltenstherapie machen.

    Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass es so wenige SpezialistInnen auf diesem Gebiet gibt und jetzt wollte ich fragen, ob jemand von euch vielleicht eine gute und mit dem Thema AD(H)S im Erwachsenenalter vertraute Verhaltenstherapeutin in Berlin kennt, bzw. empfehlen kann.

    Ich würde mich darüber hinaus auch über Erfahrungsberichte anderer Betroffener/Angehöriger freuen. Wie ging es euch nach der Diagnose, welche Verhaltensänderungen (positiv und negativ) konntet ihr durch die Medikation feststellen, welche Therapieerfahrungen habt ihr gemacht?

    Ich freue mich auf Antworten und einen netten Austausch!

    Viele Grüße,

    Nadine

  2. #2
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Hallo Nadine, erstmal Glückwunsch, dass ihr endlich wisst, was los ist. Da fiel mir nach vielen Jahrzehnten des Rätselns bei mir doch erstmal ein Fels von der Seele. Allein dieses Endlich-Wissen wird bestimmt auch noch bei deiner Frau stabilisierend nachwirken. Und Medis verknüpft mit Verhaltenstherapie werden als Nächstes in immer mehr Lebensbereichen stabilisierend und sortierend wirken über Wochen und Monate, ihr werdet sehen. Dann irgendwann ist es deiner Frau auch wurscht, ob das nun mit oder ohne Medis so ist, denn es geht alles einfach viel besser als zuvor. Außerdem weiß keiner, ob die Medis immer nötig bleiben oder sie auch mal wieder abgesetzt werden können. Bei mir zwar nicht, aber Jeder ist anders. Hier mal ein paar Berliner ADHS-Verhaltenstherapeuten:

    http://www.google.de/search?client=s...CszssgbuifW0CA


    Alles Gute! LG Maggy

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 141

    AW: Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Hallo Nadine

    Ich denke wie Maggy. Wenn ihr euch erst einmal intensiver mit der Erkrankung auseinandersetzt, will sagen die negativen Seiten der Erkrankung akzepiert, geht es schon eine ganze Ecke besser. Deine Frau soll sich nicht zu sehr verrückt machen. Die Medikamente müssen nicht zwingend ein Leben lang genommen werden. Ich würde das von meinem jeweiligen Leidensdruck abhängig machen.

    Durch die Medikamente, Therapie und durch dieses Forum habe ich persönlich gelernt mich so zu akzeptieren wie ich bin - bin jedenfalls auf dem Weg dorthin.
    MPH hat meine dauernde Müdigkeit beseitigt. Bin sonst häufig in ruhigeren Phasen eingeschlafen. Meinen Antrieb deutlich gesteigert, sodaß es mich viel weniger Kraft kostet Aufgaben zu erledigen. Ich kann mich viel besser strukturieren, konzentrieren, bin nicht mehr so vergesslich. Das hatte den Vorteil, daß ich viele Handlungen nicht zweimal machen mußte. Z.B. zweimal Müll runtertragen - einmal Konserven, Dosen und einmal Biomüll (den hatte ich vergessen und es erst an der Mülltonne gemerkt). Hat mir ne Menge Selbstzufriedenheit gegeben und Zeit erspart.

    In der Verhaltenstherapie (und bei den Tipps hier im Forum) hab ich gelernt Strategien aufzubauen, um trotz der "Defizite" das gewünschte Ziel zu erreichen bzw. einige Dinge u/o Charaktereigenschaften zu akzeptieren. Das hift ungemein.

    Wenn ihr euch hier im Forum umseht und herumstöbert werdet ihr merken, daß mehrere Chaoten keine Tabletten nehmen. Auch ich werde sie wenn kein Leidensdruck mehr existiert wieder absetzen. Das weiß ich jetzt schon!!!!

    Was sind denn ihre größten Probleme bzw. was bereitet ihr am meisten Sorgen?
    Wenn sie es hier im Forum einiges davon einstellt, werden sicherlich viele Chaoten versuchen ihr Lösungsweg aufzuzeigen.

    Alles gute für die Zukunft und nicht unterkriegen lassen
    Karla

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Liebe Maggy und Karla,

    danke erstmal für die informativen Antworten.

    @Maggy: Danke auch für den Link!

    @Karla: Vieles von dem, was du schreibst, klingt logisch, es gibt auch viel Hoffnung wenn man liest, dass es sehr wohl möglich zu sein scheint, auch mit dieser "Life-Time - Diagnose" ein normales Leben zu führen; und AD(H)S hat ja nicht nur negative Seiten.

    Was im Moment die größten Probleme bereitet, ist die Selbstunsicherheit meiner Frau, die sich noch verstärkt hat, seit sie die Medikamente bekommen hat. Wie gesagt, sie nimmt sie jetzt seit Montag und sagt, dass es ihr einerseits zwar wesentlich besser dadurch geht, sie aber andererseits "jetzt erst merkt, wie gestört sie ist". (Zitat!)

    Vorgestern hat sie die Einnahme manipuliert, d.h. sie hat noch eine halbe Tablette am Abend genommen, als sie gespürt hat, dass die Wirkung nachlässt. Wir haben darüber gesprochen und sie hat auch gesagt, dass sie das nicht mehr tun wird, aber es macht mir schon Sorgen, zumal sie ja gerade erst darauf eingestellt wird und noch gar nicht bei der Erhaltungsdosis angekommen ist...

    Die Schwierigkeiten liegen darin, dass ihr ADS zu vielen Problemen in unserer Ehe geführt hat und führt, wir haben schon lange eine ziemliche Krise, v.a. wegen der Kommunikation.
    Natürlich habe auch ich meine Anteile - nur weil meine Frau ADS hat, ist sie nicht an allem Schuld, das ist schon klar, aber es ist kaum möglich, miteinander zu reden, weil sie alles uminterpretiert und oft nicht artikulieren kann, was sie meint.

    Hinzu kommt, dass ich sie auf keinen Fall kritisieren darf (erst recht nicht wütend), weil sie damit nicht klar kommt und es sofort als Abwertung versteht. Das macht mich echt fertig, weil es dazu führt, dass ich mir eigentlich alles mit mir selbst ausmachen muss.

    Sie sagte gestern Abend, sie sei ohne Medikamente eine "Versagerin" und eine "mieserable Ehefrau" und würde "nichts zustande kriegen" - ich habe echt Angst, dass sie das irgendwann alles auf mich zurückführt, so nach dem Motto: "Bei dir fühle ich mich wie ein Nichts."

    Wir leiden da eigentlich beide unter dem Gleichen, es wirkt sich bloß unterschiedlich aus.
    Ich fühle mich einfach sehr überfordert, ich habe das Gefühl, ich kann nicht mehr und weiß auch nicht, wie ich damit umgehen soll, dass meine Frau so gar keine Bestätigung aus sich selbst ziehen kann, sondern zusammenbricht, wenn ich sie mal nicht bestätigen kann oder "enttäuscht" von ihr bin, etc.

    Ich hoffe echt, dass ihr eine Verhaltenstherapie helfen wird...

    Viele Grüße,

    Nadine

  5. #5
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Hallo Nadine, hat deine Frau auch Depressionen? Das haben viele ADHSler und es liest sich für mich ein bisschen so. LG Maggy

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Jetzt ist die Diagnose gestellt

    Hallo Maggy,

    nein, Depressionen hat sie eigentlich keine, sie traut sich selbst nur überhaupt nichts mehr zu, weil sie zu merken glaubt, dass ihr das "Handwerkszeug" für alltägliche Situationen oder Stressbewältigung fehlt und es frustriert sie, dass sie sich das sozusagen erst "künstlich zuführen" muss...

    Liebe Grüße,

    Nadine

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