Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 21

Diskutiere im Thema Chaos beim Lebenspartner im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 6

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Was für Hintergründe kann derartiges Verhalten noch haben?

    (Ich weiß es passt nur bedingt zu Topic, aber da Alex es schon mal angesprochen hat, möchte ich einfach mal kurz nachhacken, wenn ich darf.)

  2. #12
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Schattentanz schreibt:
    Mich würde interessieren, wie ein ADHSler fühlt, wenn man ihn bittet beispielsweise seinen Arbeitskoffer aufzuräumen. Fühlt sich das dann wie ein ANgriff an? Wenn ja, warum? Woher kommt dann diese Wut, welche Gedankengänge hat man da?
    Ich kann dir nur aus meinem eigenen Erleben antworten, und ich bin kein Mann. Ich lebe aber mit meiner Mutter in einer Art WG, und Mutter bleibt Mutter. Da kommen dann schon Ratschläge was ich tun sollte. Das macht mich im ersten Moment rasend, aber dann kann ich wieder klar sehen. Das ist aber Übungssache, und es hat lange gedauert, so weit zu kommen.

    Warum es mich rasend macht?

    Erstens wegen der Einmischung.

    Zweitens weil sie diese Tipps von sich gibt, ohne auch nur eine Sekunde dran zu denken, dass ich vielleicht was anderes geplant haben könnte.

    Drittens weil ich das vielleicht schon längst machen wollte, aber vergessen habe. Da kommt das schlechte Gewissen ins Spiel, ich fühle mich ertappt und bloßgestellt.

    Viertens habe ich ein grundsätzliches Problem mit Fremdbestimmung, fühle mich sehr schnell bedrängt und eingeengt.

    Fünftens hab ich das Gefühl, dass mein Wert als Mensch am Ordnung halten gemessen wird.

    Und sechstens fühle ich mich wie ein kleines Kind behandelt, und diese Abwertung kränkt mich und macht mich wütend.

    Ist alles nicht sehr rational, aber es läuft in meinem Kopf ab, nur jetzt endlich im Schnelldurchgang, so dass ich den Kopf bald wieder frei habe. Man hats nicht leicht mit einem ADHSler, aber der Betroffene hats auch nicht leicht mit sich selbst.

    Wenn er aber tatsächlich ADHS als Ausrede benutzt, dann ist das fies, und so ziemlich das dümmste was er machen kann. Mit dem eigenen ADHS leben lernen bedeutet lange, harte Arbeit an sich selbst. Ich bin schon einige Jahre dran und noch lange nicht fertig.

    lg

    lola

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Ich antworte spät - bin neu- und diese Diskussion trifft mich ins Herz.
    Vielleicht können wir noch ein bisschen sprechen. Geht es euch auch so dass ihr euch ständig fragt ob es an euch liegt dass euer Partner einfach nicht mit macht?

    Können ADS patienten sich wirklich überhaupt nicht zusammen reissen?
    Helfen Gott und gute Worte nicht, weder Drohungen noch Bitten.
    Kann man das Aushalten auf Dauer und woher nimmt man die Kraft, bei aller Liebe?
    Im Moment will ich auch nur noch eins - weg.

    Wir wissen es noch nicht lange, ein paar Wochen und jetzt ist mir jedes gefühl, dass doch nochmal alles gut werden kann genommen. Ich weiss wirklich nicht mehr weiter, ist jetzt der Zeitpunkt zu gehen und wie kann man mit dem Gefühl umgehen jemanden im Stich zu lassen der krank ist, weil er krank ist aber auf der anderen Seite sich selbst auch schützen zu müssen um nicht auch vor die Hunde zu gehen. Mir hat das Wissen dass es wirklich diese fiese Krankheit ist die Luft zum Atmen genommen und ehrlich gesagt weiss ich keinen Schritt weiter. Für mich weiss ich nur - so viel Kraft habe ich nicht um das noch lange Jahre auszuhalten.

    Ich vergehe im Chaos - alles hinterherräumen hab ich aufgegeben
    Ich rede gegen Wände - entweder ich mache alles selbst oder eben nicht
    Ich muss immer wieder runterschlucken, weil ändern kann ich nicht was passiert ist

    ... und jetzt gibt es noch eine Erklärung dafür und einen Ausblick in eine Zukunft in der sich das alles nicht ändern wird.

    ... Ich fühle mich unglaublich alleine und einsam

    Lg ...
    Upsi

  4. #14


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.802
    Blog-Einträge: 40

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Hallo, Upsi

    "Zusammenreissen" (naja, kein so tolles Wort) ist eine schwierige Sache.

    Letztendlich bedeutet es ja, dass man sich ganz grundlegend und verinnerlicht ändern muss, denn ansonsten wäre das "Zusammenreissen" nichts anderes als ein Schauspiel, das man seinem Partner zuliebe spielt, das aber mit einem selbst, mit dem eigenen Charakter und mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen überhaupt nichts zu tun hat.

    Das "Zusammenreissen" an sich würde also keinem helfen, da zum einen der Partner des Betroffenen mit jemandem zusammen ist, der etwas und jemanden spielt, was er in Wirklichkeit nicht ist.

    Das merkt man jedoch als Partner ganz genau und als Basis für eine gesunde und glückliche Beziehung ist das auf Dauer und aus Sicht des Partners so ungeeeignet wie sonst noch was.

    Glücklich wird der Partner jedenfalls damit ganz sicher nicht.

    Genauso wenig hätte da der AD(H)S-Betroffenen was davon, denn so ein Schauspiel geht nur eine gewisse Zeit ohne innere Konflikte und Spannungen gut und mit der Zeit staut sich hier was auf, das unweigerlich zu noch mehr mehr Problemen in der Partnerschaft führt.

    Diese Konstellation ist bei Erwachsenen mit AD(H)S sehr oft zu beobachten, denn wenn man lebenslang ständig und überall ausgegrenzt und abgelehnt wurde, dann legt man sich häufig diese Taktik des Schauspielerns zu, um Anerkennung und Akzeptanz unter seinen Mitmenschen zu bekommen.

    Leider geht man aber dabei aber als Betroffener selbst unweigerlich zugrunde, bekommt Depressionen, Burn-Out, Angststörungen und alle möglichen anderen der üblichen Folgen der AD(H)S.

    "Zusammenreissen" ist also definitiv und für beide Seiten der absolut falsche Weg, denn so eine Beziehung ist immer auf Sand gebaut und geht entweder irgendwann unweigerlich in die Brüche (noch der bessere Fall) oder beide Partner leben ein Leben, in dem sie sich beide die Welt schön träumen und dabei aber persönlich zugrunde gehn.

    Du kannst eben einen erwachsenen Menschen nicht so "hinbiegen", wie du den gerne hättest. Das funktioniert bei keinem Erwachsenen, ob der nun eine AD(H)S hat, oder nicht.

    Der richtige Weg aus Sicht des Betroffenen führt über eine korrekte und gründliche Diagnosestellung und die passende, in aller Regel aus mehreren Komponenten bestehende Behandlung, nicht nur der AD(H)S selbst, sondern auch der Komorbiditäten (Begleit- und Folgeerkrankungen), die ausnahmslos fast jeder Erwachsene mit einer AD(H)S im Laufe der Zeit entwickelt hat.

    Wie du an anderer Stelle bereits geschrieben hast, besteht bis jetzt lediglich ein nicht-fachmännischer Verdacht deinerseits, die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei ihm überhaupt nicht um AD(H)S handelt, ist also sehr groß.

    Dieses ganze Verfahren setzt aber auch voraus, dass derjenige sich überhaupt und mit wirklicher innerer Einstellung behandeln lassen will. Die meisten Erwachsenen mit AD(H)S kommen nicht wegen der AD(H)S selbst erstmals in Behandlung, sondern wegen der Komorbiditäten, da ADS oder ADHS allein in aller Regel keinen Leidensdruck verursacht, der einen in die Hände psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung treibt, sondern dazu bedarf es schon anderen und zusätzlichen Erkrankungen, wie den meist vorhandenen Depressionen und Angsterkrankungen.

    Ob eine Beziehung in eurem Fall eine Zukunft hat, kann man erst beurteilen, wenn die Behandlung, vor allem die psychotherapeutische, weit genug fortgeschritten ist, was - und hier braucht man sich nichts vor zu machen - im Normalfall viele Monate bis Jahre dauern wird.

    Ob ihr dann noch zusammen "passt", wird sich dann erweisen, aber die ganze Sache mit dem "Zusammenreissen" kannst du an dieser Stelle leider wohl getrost begraben.





    LG,
    Alex

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Hallo Alex,

    lieben Dank für die ausführliche Antwort. Bei Ärzten waren wir schon, der eine sagt ja, der andere nein, es ist furchtbar aber das Thema ist auch erst einige Wochen alt und wir werden denke ich bald mehr erfahren und auch sehen ob und welche Therapie angewendet wird.

    Ich finde das alles sehr verwirrend und hab auch Angst wenn´s dann letztendlich wirklich final final so ist. Ich bin so ausgebrannt und glaube ich selber schaff das gar nicht länger und in einer Therapie, man sprach von Verhaltenstherapie braucht der Partner ja eigentlich noch mehr Unterstützung, ich hab nur einfach keine Enegrie mehr.

    Ich seh halt ausser warme Worte nicht wirklich einen Willen ob es Zettel schreiben gegen alles vergessen oder was auch immer ist, bzw. ich kanns einfach nicht verstehen, weil ich mich ja auch ständig wieder motivieren muss egal was passiert, zu spät kommen, lügen, etc weiter zu machen.

    Man sprach auch von Co-Abhängigkeit und das hat mir schon einen tiefen Schlag versetzt.
    Ich weiss nicht wie das alles weiter geht und was da nun für Tests kommen, am Ende ist es ein zwieschneidiges Schwert

    Entweder diese Diagnose steht dann fest und wir müssen damit leben - davor habe ich Angst oder es ist nicht so, dann war der Aufwand bisher umsonst aber das Problem besteht ebenfalls weiterhin.

    Ich will niemanden angreifen, sorry, für mich hört sich das mit dem zusammen reissen sehr einfach an und ich gebe zu mittlerweile bin ich einfach so fertig dass ich wahrscheinlich genau das Falsche mache wie du schreibst noch mehr schlechte Stimmung verbreite aber auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl ich muss alles ausbaden und dann noch verbrieft mit Attest quasi.

    Ich frage mich ob die Patienten lernen können wirklich Methoden zu entwickeln wirklich selbst ohne ständige Impulse oder massive Hilfe von aussen klar zu kommen, denn wenn nicht weiss ich nicht woher ich die Kraft nehmen soll. Bin wirklich verzweifelt. Es geht alles bis hin zum Drogenmissbrauch und anderen fiesen Sachen.

    Naja, ich will hier auch nicht rumjammern, ich hab viel gelesen und denke hier ist eine wichtige Quelle um vielleicht besser auch mit meiner Uninformiertheit klar zu kommen, ich hab mit psychischen Erkrankungen noch nie etwas zu tun gehabt, das ist mir alles völlig neu und fremd und bin im Moment einfach nur verwirrt und fertig.

    Ich dank dir.
    Lg Upsi
    Geändert von upsi (23.09.2009 um 16:39 Uhr)

  6. #16
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.267

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Hallo upsi,

    Ich lese aus deinen Beiträgen außer Erschöpfung und Verzweiflung auch ein großes Missverständnis heraus: dass die Diagnose ADHS (oder eine andere Diagnose) euer Dilemma für immer zementiert. Das Gegenteil ist der Fall. Die Diagnose ermöglicht dem Betroffenen den ehrlichen Blick auf sich selbst und eine Perspektive, in kleinen Lernschritten einen bewussteren und gezielteren Umgang mit sich selbst zu erlernen. Wenn du Beiträge von Betroffenen liest, wirst du feststellen, dass sehr Viele mit einer lebenslangen Last aus Scham und schlechtem Gewissen überleben müssen, ein echtes Leben ist das ja nicht.

    Wenn in eurem Fall das Thema co-Abhängigkeit angesprochen wurde, dann kann ich das durchaus nachvollziehen. In deiner Verzweiflung sprichst du ständig davon, was DU machen musst, ob DU jetzt lebenslänglich die "Unzulänglichkeiten" deines Partners ausgleichen musst.
    Nein, du sollst nicht noch mehr tun, du sollst weniger tun, einen Schritt zurücktreten, damit du mit etwas Distanz einen klareren Blick auf die Lage bekommst.

    Du spichst nicht von einem 10-jährigen Kind, obwohl das teilweise so klingt. Du sprichst von einem erwachsenen Mann und deinem Lebenspartner. Der einzige Mensch, der einen Erwachsenen ändern kann ist er selbst, und auch das nur in beschränktem Maße. Du kannst auch ohne ADHS im Spiel einen Erwachsenen nicht umerziehen.

    Bei Alkoholikern heisst es zum Thema Co-Abhängigkeit: du kannst einem Alkoholiker nur helfen, indem du ihm nicht hilfst. Klingt hart, ist aber eigentlich nur logisch. Solange jemand das falsche Verhalten ausgleicht, kompensiert und vertuscht, übermäßig Verantwortung übernimmt etc., hat der Kranke keine Motivation, sein Verhalten zu ändern - geht ja doch immer irgendwie.
    In deinem Fall: solange du (schimpfend und überlastet) versuchst, die Verantwortung für euch Beide zu übernehmen, wird sich das Wechselspiel zwischen organisierender Partnerin und desorganisiertem Partner immer nur weiter verfestigen.

    Irgendwer muss aus dieser Verstrickung ausbrechen, die sonst zum Teufelskreis wird. Die Entscheidung zum Ausbrechen kannst du nur für dich treffen, er muss selbst dazu bereit sein, sonst wird das nichts. Also entweder Paartherapie oder eine Therapie für dich allein. Ich rate deswegen so gerne zu professioneller Hilfe, weil der Profi den nötigen Abstand hat, um die Situation und die Probleme objektiv zu sehen. Innerhalb der Beziehung geht das nach jahrelangen Schwierigkeiten oft nicht mehr, bzw. nicht ohne einen Profi als "Schiedsrichter".

    Zum Schluss möchte ich dir nochmal ausdrücklich versichern, dass ich deine Verzweiflung sehr gut verstehe, und dass ich dein Leid auf keinen Fall bagatellisieren will. Deinen Mann verstehe ich unbekanntermaßen aber auch.
    Das kommt daher, dass ich von mir weiss, wie schmerzhaft und degradierend ständige Erziehungsversuche aus dem engsten Umfeld sind.

    Ich will jetzt keinen Vortrag halten, würde mich aber sehr freuen, die Diskussion fortzusetzen.

    lg

    lola
    Geändert von lola (28.09.2009 um 11:56 Uhr) Grund: Rechtschreibung

  7. #17
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.120

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    @lola, jo da kann ich dir nur Recht geben , ab einem gewissen Punkt ist professionelle Hilfe angesagt ,selbst ist man viel zu sehr darin verstrickt und verwoben und neue Verletzungen gegenseitig sind die Folge

    @ upsi du schreibst ... ich fühle mich unglaublich allein und einsam ...

    das glaube ich geht beiden Partnern so ,deshalb glaube ich ist es wichtig das jeder für sich Hilfe sucht , damit es zusammen weiter gehen kann .Jeder ist für sich selbst verantwortlich und das gegenseitige loslassen ist gar nicht so einfach .Darin zeigt sich eine Partnerschaft den anderen loszulassen ,leider rutscht meist einer von beiden in die Schiene und meint die Verantwortung für beide übernehmen zu müssen ,was leider nicht sehr fördelich für die Beziehung ist .
    hmmm und ob das nur bei ADHS ein Problem ist , bezweifel ich .

    Ausgebrannt sein , zeigt , das der Zustand schon viel zu lange ist wie es nicht gut ist auf Dauer, und Co-Abhängigkeit ,na da zeigt sich , das es schon zu einem unguten Beziehungsmuster gekommen ist ,wo beide dran beteiligt sind

    So wie lola schon sagte , kleine Lernschritte, was ein Leben lang sich eingeschliffen hat , dauert bis es sich verändert hat .
    Glaub mir upsi der Betroffenen leidet da selbst sehr darunter , die einfachsten Dinge des Alltags nicht geregelt zu bekommen und eins kann ich dir versichern ,es wird sicher nicht gemacht um dem Partner mehr Arbeit aufzuhalsen ,im Gegenteil die Scham und Not ,der Schmerz ist sehr groß,es wird nur nicht gesagt (also ich kann da nur von mir /uns das so sagen ) wie es erlebt wird.

    selbst suchend und in kleinen Schritten auf dem Weg LG Dori

  8. #18
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    irgendwie habe ich diesen Thread bisher noch nicht wahrgenommen und möchte mich nun auch mal zu Wort melden.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für einen Partner erst mal ein Schock ist, wenn man erfährt, das Chaos, was tagtäglich herrscht, ist auf eine Krankheit zurück zu führen und der Partner wird das immer haben. Wenn es "nur" Faulheit oder so wäre, könnte man ja vielleicht etwas ändern, glauben wahrscheinlich viele Partner, man kann den anderen in den Po treten oder ihn irgendwie klar machen, was einem nicht gefällt und dann wird es vielleicht geändert. Nun kommt so eine Diagnose wie ein Faustschlag ins Gesicht. Der Partner ist krank, er kann n ichts dafür und dieses ADHS gehört zu ihm, man kann es nicht ändern, so wie ein "Geschwür" oder ähnliches, nur dass man es nicht wegdoktorn kann.

    Aber ich sehe es auch eher so, dass eine Diagnose eine Chance ist, weil man dann erst mal eine Erklärung hat und weil man dann lernen kann, sich damit auseinanderzusetzen, damit umzugehen und man kann in kleinen Schritten Strategien entwickeln, die den Alltag erleichtern.

    Für den Betroffenen ist es wichtig, dass er erkennt, er ist nicht dumm, faul und unfähig, für sein Selbstwertgefühl ist eine ungeheure Erkenntnis, dass er weiß, alles was ihm bisher nicht gelungen ist hat eine Ursache und liegt nicht an seinem Unvermögen, es ist wie eine Befreiung und die Erkenntnis, dass man etwas machen kann damit es im Alltag besser funktioniert ist doch wunderbar.

    Für den Angehörigen kann es auch eine positive Wendung nehmen, wenn er möchte. Die Verwirrung kann ich verstehen, aber wenn man weiß, woher alles kommt, kann man sich informieren und dadurch besser verstehen. Ich finde, es ist schon wertvoll, zu wissen, viele Dinge passieren nicht als persönlicher Angriff des Partners, was einem vielleicht bisher so erschienen ist und das Chaos herscht eben nicht, weil der Partner so ein " ist. Die ganzen Hilfen stehen nicht nur dem Betroffenen zur Verfügung, Du kannst auch versuchen, in einer Selbsthilfegruppe z.B. wie Du als Angehöriger besser mit der Thematik umgehen und Deinen Partner unterstützen kannst.

    Also meine Meinung ist ganz klar, sowohl für den Betroffenen als auch für Angehörige ist eine Diagnose eine Chance auf ein Leben mit besserer Lebensqualität.

  9. #19
    berndkl

    Gast

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    die grosse Liebe - die Liebes des Lebens ... der eine Mensch den man nie aus dem Kopf kriegt ...

    mich hat es nicht geschockt das ihr Verhalten "krank" ist und nicht bloß faul oder rücksichtslos - aber wo ist die Grenze - wieviel "nicht anders können" ist ADS bedingt und ab wo darf - und muss - man sich als Partner auch schlecht behandelt fühlen ?

    Die Diagnose war eh klar - nun hat sie es schwarz auf weiss und ich hoffe sie kommt auch wirklich dazu durch medikamente Therapien und oder was weiß ich alles - so sein zu können wie sie will
    nicht wie ich es gerne hätte sondern wie sie ist bzw sein will ....

    Ich suche ja eher Austausch um mich selber etwas positiver zu stimmen, Hoffnung zu schöpfen und wieder Vertrauen haben zu können ...

    zum einen haben mich einiger der Beiträge hier sehr geschockt - in meiner Verzweiflung und im Glauben - Aufgeben - WEG HIER - WEG VON IHR - Strich drunter ... bestätigt

    zum Anderen - ich glaube in anderen "Threads" wird es wesentlich mehr dazu geben als hier - ichg freue mich darauf diese lesen zu können und vielleicht doch Anstösse für neue Hoffnung zu finden ...

    Gruss Bernd

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Chaos beim Lebenspartner

    Hallo Bernd,

    ich denke aber auch mal, dass Du seit der Diagnose vieles auch bei dir selbst sortieren konntest.

    Du kannst leider kein Handbuch erwarten, in welchem steht, wieviel krank ist ADS und ab wann darf man sich auch schlecht behandelt fühlen. Dieses Handbuch gibt es leider nicht.

    Doch was es bei dir gibt (stehe an dem selben Punkt wie Du), anstatt eines Handbuches, ist schon mal der Oberbegriff "ADS". Je mehr Du dich damit beschäftigst, desto mehr wirst du dein eigenes Handbuch haben.

    Wenn Du dann an den Punkt angekommen bist, was man in den ADS-Topf schmeißen kann und was vorgefallen ist, dass du es als "einfach nur schlecht behandelt"-Gefühl filterst, geb ich Dir einen Tipp:

    Unterstütze deine Partnerin, damit der Problem-ADS-Topf kleiner wird (davon profitiert ihr beide),
    ... und wehr Dich dagegen, Dich schlecht behandelt zu fühlen. Rede über deine Gefühle.

    Lieben Gruß
    Justine

Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte

Ähnliche Themen

  1. "ADS, das kreative Chaos" - Walter Beerwerth
    Von 1411erika im Forum ADS ADHS Bücher
    Antworten: 52
    Letzter Beitrag: 28.11.2017, 10:47
Thema: Chaos beim Lebenspartner im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum