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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 142

    Hilfe

    Ihr Lieben,
    war wieder lange nicht da - muss doll viel arbeiten und bin bekanntlich nicht gut organisiert, deshalb krieg ich grad so alles irgendwie hin..
    Ich hab ein großes Problem und bitte Euch dringend um Hilfe:

    Bin ja Lehrerin und habe im Moment eine neue und sehr problematische Klasse mit schwierigen Schülern, wobei eine Schülerin ein ganz offensichtliches sehr großes ADHS Problem hat. Diagnose liegt schon lange zurück.

    Wisst Ihr ob es eine Möglichkeit gibt, ein minderjähriges (17) Mädchen gegen ihren Willen in eine Klinik einweisen zu lassen, die speziell bei ADHS die richtige Adresse ist?? Die Eltern der Schülerin sind sehr nett, sehr besorgt, haben allerdings jahrelang nichts von ADHS wissen wollen und Medikamente abgelehnt. Das Mädel ist klassisch aus diversen Schulen geflogen, hat jetzt einen wenig hilfreichen Freund, für den sie die EC Karte der Mutter geklaut und der inzwischen das Konto leer geräumt hat. Weil die Eltern zur Polizei gegangen sind, rastet sie nun völlig aus und die Lage eskaliert.
    Sie braucht dringend ganz schnell Hilfe und die sehr besorgten Eltern sind völlig überfordert,- würden gerne jetzt auf die schnelle das ganze ADS Ding kapieren, damit sie wissen was sie tun können - aber das zu von vorne zu verstehen dauert doch Monate, so viel Zeit ist im Moment nicht.. Nach der jetzt eskalierenden Misere glauben sie inzwischen, dass es ein Fehler war, das ADHS zu leugnen, jetzt muss nur dringend schnell irgendwas passieren..

    Ich hab den Eindruck, das beste wäre wirklich sie würde schnell notfalls auch zwangsweise in eine Klinik kommen - erst mal zur Ruhe kommen und dann ganz langsam von vorne überhaupt erst mal lernen, was sie da schon ihr Leben lang mit sich rum schleppt. Die Eltern wollen ihr helfen und sind verzweifelt und alle drei wissen überhaupt nicht womit sie es da zu tun haben.
    Ich weiß gar nicht ob ich als Lehrer da überhaupt was raten darf - die Eltern wissen, dass ich selbst betroffen bin und fragen mich was sie jetzt machen sollen, weil sie doch einfach nicht verstehen, was in so einem Kopf vorgeht, wie 'wir' ticken...
    Ich bin schlicht überfordert, weiß selbst nicht was ich ihnen raten soll, möchte den Leuten aber so gerne helfen. Habt Ihr eine Meinung dazu?? - Was können wir tun...??? Ist es denn möglich, falls das denn überhaupt empfehlenswert ist, das Mädchen gegen ihren Willen in eine Klinik zu bringen?
    Ich hab dem Vater außerdem die Seite hier empfohlen - als möglichen Weg, ein bisschen verstehen zu lernen, wie wir ticken - was natürlich unzählige Bücher und Beratungsgespräche usw nicht ersetzt, aber es geht im Moment vielleicht erst mal schneller.. Falls er jedenfalls hier schon mitliest - ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich selbst hier um Rat bitte...

    Wäre Euch dankbar für eine Meinung
    und eine Antwort auf die Klinik Frage...

    Danke Euch.

    Julegrüße

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 562

    AW: Hilfe

    Hallo Julia

    Ich kann deine Sorgen um das Mädel recht gut verstehen, wo du noch dazu ja selbst von ADHS betroffen bist.

    Bei mir selbst ging seit der Pubertät auch alles den Bach runter, aber eher langsam und schleichend....

    Vielleicht wäre auch ein Aufenthalt auf einer offenen Station oder eine Tagesklinik eine gute Alternative für das Mädchen.
    Falls möglich kannst du eventuell mit dem Mädchen auch erstmal unter vier Augen reden, so jung ist sie ja gar nicht mehr. *g*

    Finde es toll von dir dass du dich so sorgst (ist ja heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich) und du den Eltern diese Site hier empfohlen hast.

    Ob eine Zwangseinweisung wirklich so gut ist kann ich in dem Fall leider nicht sagen, die Chance für ADHSler fehldiagnostiziert zu werden liegt da glaub ich schon recht hoch und in der Regel werden dort dann vielleicht andere Diagnosen gestellt.(Borderline,Manie,Psy chose etc...)

    lg crazyy

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 142

    AW: Hilfe

    Hallo crazyy,
    lieben Dank für Deine Antwort!
    Ich habe schon mehrmals mit dem Mädchen geredet und ihr ach meine komplette ADS Geschichte erzählt. Sie war sehr geplättet, dass all das was ich ihr geschildert hatte, auch ihr schon immer so große Probleme macht - sie hat sich darin sehr wieder erkannt, ist daraufhin nochmal zum Arzt und hat sogar angefangen, MPH zu nehmen. Sie sagt, sie verträgt es nicht gut, ihr wird schlecht davon, sie kann dann nichts essen und sie will es jetzt wieder lassen. Das Blöde ist, dass sie so gar nichts über ADHS weiß. Und reden geht jetzt nicht mehr wirklich. Sie spricht zwar mit mir und wir haben einen guten Draht, aber die Lage zu Hause eskaliert und Gespräche sind nicht mehr möglich. Ich mache mir Sorgen, dass sie im Moment ganz kurz vor einem Abgrund steht, der tief sein könnte - wenn sie sich jetzt komplett von ihren Eltern ab- und ihrem Freund zuwendet, wird der Weg zurück sehr viel schwerer - auch diese Schule ist möglicherweise die letzte Chance, den Abschluss zu machen. Wenn sie von zu Hause weg geht, ist mehr als fraglich ob sie noch in die Schule gehen wird...

    Was meinst Du mit der Fehldiagnose? Sie hat ja bereits eine ADHS Diagnose. Ich würde ihr auch dringend zu einer Klinik raten, die speziell ADHS Patienten betreut, eben weil Ärzte, die sich damit nicht auskennen, so häufig an ganz anderen Dingen rumtherapieren..

    phuuuh.....

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 562

    AW: Hilfe

    Hallo Julia

    Naja dass im stationären Bereich eben nicht oft an ADHS als Erkrankung oder Grunderkrankung gedacht wird wenn ein Patient eingeliefert wird.

    Finde ich gut dass du schon mal mit ihr geredet hast und sie für das Thema auch zugänglich war, die Nebenwirkungen sind natürlich nicht so toll.
    Könnte aber auch sein dass sie einfach nur überdosiert war...

    Vielleicht sollte sie es noch einmal probieren, es gibt ja noch andere Präparate.
    Am besten nochmal mit ihr drüber reden und eventuell auch über eine mögliche Therapie.
    Und vielleicht lässt sie sich ja auch auf eine Medieinstellung in einer Klinik ein, eben im offenen Bereich.

    Viel Glück,

    crazyy

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 248

    AW: Hilfe

    Hallo,

    vielleicht wäre eine vorübergehende Unterbringung in einer Wohngruppe für Jugendliche ratsamer. Jugendamt hat da meist Adressen.
    Da man von hierhaus sich natürlich keine Bild machen kann ist eine Empfehlung auch nicht möglich. Über einen stationären Aufenthalt entscheidet letztlich der leitende Stationsarzt.
    Solange keine akute Eigengefährdung oder Fremdgefährdung vorliegt ist das ein schwieriges Thema.
    Zwangseinweisung ist auch ein Gewaltakt der Jugendliche extrem verletzt und misstrauisch macht.

    In jeder Stadt gibt es eigentlich einen sozialpsychiatrischen Dienst der auch Hausbesuche macht. Den sollte man hinzuziehen um abzuklären ob es sich um psychotisches Verhalten handelt oder ob suizidale Tendenzen vorliegen.
    Oft hat eine fremde Person mit Expertenstatus auch mehr Autorität und kann in einem vernünftigen Gespräch den Patienten zu einem freiwilligen Mitmachen bewegen. Das wäre wohl der optimalste Weg.
    eventuellen Drogenkonsum während der eskalierenden Momente in Betracht ziehen.

    lg Attamatajosa

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Hilfe

    Hallo Julia,

    lese leider erst jetzt von Deinem "Hilferuf".

    Ich kann Dir vielleicht etwas aus meiner eigenen Erfahrung berichten:

    Ich hatte ja auch ganz massive Probleme mit meiner Tochter, die zwar keine Diagnose hat, aber ich habe oft den Eindruck, da könnte etwas sein. Jedoch ist sie inzwischen 20 und ich kann nicht verlangen, dass sie dem nach geht und sich diagnostizieren lässt.

    Sie hat auch angefangen, war ein schleichender Prozess, so ab etwa einen Alter von 14-15 Jahren sich völlig abzukapseln. Ich hatte keinen Zugang mehr zu ihr, sie hat die Schule vernachlässigt, obwohl hochintelligent, hat auch geklaut und verschieden andere Sachen. Wir konnten nicht mehr miteinander reden und ich bin von Pontius zu Pilatus gelaufen, um ihr zu helfen. Ich habe in meiner Verzweiflung auch solche Aktionen gestartet, sie zu Psychologen zu schleppen unter einem Vorwand, da ist sie aus dem Wartezimmer abgehauen.

    Ich wollte sie auch "zwangsweise" in eine Klinik bringen. Ich hab sie mir ins Auto gesetzt, bin mit ihr dort hin gefahren und wollte sie dort lassen, alles war schon für sie geklärt und vorbereitet. Dann gab es ein Erstgespräch und in diesem musste ich erkennen, dass es so nicht geht. Meine Tochter saß da, hörte sich an, wie ich unsere (meine) Probleme schilderte undhatte einen Gesichtsausdruck, der sagte, "nervt mich nicht und lasst mich bloß in Ruhe", sie sagte auf Fragen hin, wie sie die Sache sieht, sie hätte kein Problem und für sie ist ihr Leben völlig ok. Was passierte: Mir wurde klipp und klar gesagt, wenn sie nicht selbst will, dass man ihr hilft, kann sie nicht dort bleiben.

    Eine zwangsweise Aufnahme ist nur dann möglich, wenn akute Gefahr an Leib und Leben besteht, wenn sie nicht selbst in der Lage ist, zu entscheiden und dann muss ein Gericht das entscheiden und die machen das nur in absoluten Notsituationen.

    Was ich dann gemacht habe und was letzendlich für uns der Ausweg war, ich habe drauf gedrängt ( mit Hilfe des Jugendamtes), dass sie in ein betreutes Wohnen kommt. Dort war sie zwei jahre und sie war mir anfangs sehr böse, weil ich ihr das angetan hab. Sie hat bestimmt ein jahr lang den Kontakt zu mir vollkommen abgelehnt, egal, was ich versucht habe. Auch die Betreuer haben versucht, zu vermitteln, erfolglos. Ich bin bald zerbrochen an dieser Situation, aber im Nachhinein kann ich heute sagen, es war richtig und es hat uns beiden geholfen. Sie hat auch dort noch Probleme gehabt und auch die Schule geschwänzt, sie hat auch dadurch nicht den bestmöglichen Schulabschluss, aber es wurde verhindert, dass sie ganz abrutscht.

    Heute hat sie eine Ausbildungsstelle, bewohnt ihre eigene kleine Wohnung, in der sie sogar Ordnung halten kann und unser Verhältnis zueinander ist nahezu normal.

    Lieben Gruß
    Marvinkind

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 142

    AW: Hilfe

    Hallo Du Liebe,

    vielen Dank für Deine Antwort,- das zu lesen hat mir eben sehr geholfen.
    Klingt als sei die Situation tatsächlich ähnlich dramatisch und es tut mir von Herzen leid für Dich, dass Du, dass Ihr das aushalten musstet. Muss schrecklich hart gewesen sein und ich wünsche Dir für die Zukunft ein immer noch besseres Verhältnis zu Deiner Tochter.
    Dass eine zwangsweise stationäre Therapie nicht funktionieren kann, hab ich inzwischen eingesehen, das macht tatsächlich keinen rechten Sinn. Ich hatte mich nur gefragt was man tun kann, wenn man sofort etwas ganz dringend tun muss. Aber das war der falsche Ansatz denke ich. Erstens geht sofort nicht und zweitens ist es vermutlich auch nicht gut wenn ich mich da zu sehr reinhänge. Die Familie hat es schwer im Moment, aber es ist vielleicht auch nicht richtig wenn ich zur Verfügung stehe - letztlich stecke ich nicht in ihren Schuhe und kann doch nicht wirklich kompetenten Rat geben. Die Lage ist immer noch nicht besser - heute hat ihre Mutter sie rausgeworfen und ich habe keine Ahnung wo das hinführt. Allerdings ist mir auch gar nicht mehr klar, ob sie nicht vielleicht recht hat, ob sie es vielleicht tatsächlich versuchen sollte, alleine, oder mit ihrem Freund, den die Eltern für ihren Untergang halten. Ich wünsche ihr und den Eltern das aller beste, aber ich stecke nicht drin und werde nicht wirklich etwas tun können. Ich sehe es so, dass ich sie auf einen Weg gebracht bzw. ihnen eine Tür geöffnet habe. Sie befassen sich jetzt mit dem Thema ADHS, das Mädchen wird gerade auf MPH eingestellt und theoretisch haben sie sogar einen Gesprächstermin bei meiner Ärztin in Frankfurt. Ich hoffe sie schaffen es, zusammen hin zu gehen oder jedenfalls weiter zu lernen. Und am Ende zu verstehen warum sie nicht anders konnte und nicht dass sie nicht genug wollte.
    Ich werde das hier aus der Hand geben auch wenns schwer fällt,- auch weil ich merke, dass diese Geschichten meiner schwierigen Schüler mich zu sehr beschäftigen. Es kostet mich in der Summe (wir haben bei uns offenbar fast nur die ganz schwierigen Fälle) irrsinnig Energie und Kraft und dabei verliere ich manchmal für einen Moment mein eigenes Kind aus den Augen. Ich bleibe länger, setze mich ein, während meine Tochter zu Hause auf mich wartet - das ist nicht richtig. Ich würde gerne lernen, nicht alle Schicksale aus der Schule zu meinen Geschichten zu machen und weil ich die Welt nicht retten kann, hätte ich was das betrifft gerne ein gesundes oder gesünderes Maß. Wir werden sehen...

    Jedenfalls Danke, Marvinkind,
    Deine Geschichte hat mich sehr berührt und ich drück Dich mit lieben Grüßen

    Jule

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