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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 47

    Unglücklich Ursachen für Jobverlust - Lösungen?

    Ich habe einige Ideen, warum ich dauernd meine Arbeitsstellen verliere, i.d.R. spätestens nach etwa 2 Jahren, manchmal schon nach einigen Wochen. Vielleicht hat der(die) eine oder andere ähnliche Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten. Ich sehe leider keine Lösung, weil leider bei mir a) der Verstand gegen den inneren Schweinehund keine Chance hat, wenn es um das tatsächliche Verhalten geht, und b) mir bestimmte Fertigkeiten, vor allem die sozialen und die aufmerksamkeitsbedingten, schlichtweg fehlen und ich keine Idee habe, wie ich sie mir aneignen kann (ADHS-Medikamente haben mir bei der Aufmerksamkeit nur begrenzt geholfen).

    Ich muss dazu sagen, dass ich eine relativ gute Ausbildung habe (Hochschulabschluss, aber keinen Dr.) und auch entsprechende Jobs suche.


    - Kunden: Ich bin linkisch und unsicher, sage manchmal, weil ich nicht die richtige Antwort weiß, Dinge, die mich in Schwierigkeiten bringen, oder der Kunde kriegt meine Unsicherheit oder Unkenntnis in bestimmten Punkten direkt mit. Kunden mit dreistem Auftreten versuchen bevorzugt bei mir, sich unrechtmäßige Vorteile zu verschaffen.

    - Kollegen/Chef: auch unsicher, Antworten kommen nicht wie aus der Pistole geschossen, sondern verzögert, häufig verwende ich Floskeln wie "ich glaube dass...", selbst, wenn ich es weiß. Für bösartige Kollegen bin ich das ideale Opfer, weil ich mich mit gesellschaftlich anerkannten Mitteln nicht wehren kann. Bleibt mir nur, denen heimlich Sachen kaputt zu machen oder ihnen im Dunkeln von hinten einen Knüppel überzuziehen (leider mache ich diese Dinge zu selten und wenn, dann werde ich mit hohem Risiko erwischt - dabei ist solche Rache bei Mobbern unbedingt nötig, damit ich mir wenigstens ein Stück Menschenwürde zurück hole! Sie ist aber noch nie der Grund für einen Jobverlust gewesen)

    - Fehlverhalten reißt ein (z.B. Verspätungen, Internetsurfen bei der Arbeit):
    Am Anfang traut man es sich nicht, dann fängt es an mit E-Mail abrufen oder nur kurz auf eine Nachrichtenseite schauen. Dann wird es immer mehr, und am Ende surft man stundenlang im Netz. Entsprechend mit Verspätungen: da kommt man mal 2 Minuten zu spät, weil was dazwischen gekommen ist, dann wird es immer häufiger und immer später. Und weil keiner meckert, ändert man auch nichts daran - es passiert ja (scheinbar) nichts!
    Man weiß zwar vom Verstand her, dass dies gefährlich ist, aber gegen den Inneren Schweinehund, der auf die interessanten Webseiten oder zum Aufschieben des Losgehens zur Arbeit auf den letzten Drücker drängt, hat dieser Verstand keine Chance. Die meisten Arbeitgeber registrieren solches Fehlverhalten aber im Hintergrund und werfen einen irgendwann raus.

    - Langsamkeit und Strukturlosigkeit: Ich kann mich nicht dauerhaft nur auf die Arbeit konzentrieren, sondern tauche oft in die Fantasie ab und komme nur zeitweise an die Oberfläche, um was zu tun (vor allem, wenn kein natürliches Interesse habe und die Anfangsbegeisterung für den neuen Job verflogen ist). Ein "Zackzack"-Arbeitsstil ist mir dann gerade bei geistig anspruchsvolleren Tätigkeiten zuwider. Planung, Organisation und Kommunikation als eher unangenehme Tätigkeiten versuche ich zu vermeiden, stattdessen mache ich einfach drauflos. Häufig brüte ich stunden- und tagelang über einem Problem mit einer eigentlich simplen, aber leicht zu übersehenden Lösung, dann kommt ein Kollege und löst das Ganze mit einem Handstreich, und ich stehe dumm da.

    - Passivität: Ich warte, dass mir jemand was sagt, was ich tun soll, was ich falsch mache oder dergleichen. Grundsätzlich kann ich (von einer begrenzten Euphoriephase am Anfang abgesehen) nur auf Zuruf und Anweisung arbeiten; ohne das läuft nichts oder alles nur sehr langsam. Dabei werden oft stillschweigend Sachen von einem erwartet, mit denen ich nicht rechne und die ich nicht mache, weil es mir keiner sagt. Nachher wird es mir aber angekreidet.

    - Aufmerksamkeit (was wohl hier bei den meisten ein Problem sein dürfte): gerade das gesprochene Wort ist extrem flüchtig, mündliche Arbeitsanweisungen oder Schulungsinhalte vergesse ich leicht wieder, und es ist mir nicht möglich, gerade bei stundenlangen Besprechungen bei allen Details zuzuhören und es zu behalten. Dabei habe ich den Eindruck, dass gar nicht selten erwartet wird, dass man selbst bei stundenlangen Vorträgen alles nur einmal erklärt bekommt und dass es dann sitzt - was so ohne weiteres nicht geht. Aufschreiben hilft etwas, man muss nur Wichtiges dann auch nacharbeiten. Trotzdem immer wieder ein Problem, wenn man etwa unpassende Terminplanung erst nachher bemerkt oder gerade in dem Moment, wo man nach zwei Stunden Besprechung gedanklich abgleitet, gefragt wird: "Was meinen Sie dazu?".

  2. #2
    Ehem. Mitglied 14

    Gast

    AW: Ursachen für Jobverlust - Lösungen?

    Puh, das ist ja ´ne ganze Latte, XPFchaot...

    Soviele Probleme hatte ich glücklicherweise noch nicht - es tut mir aber verdammt leid für Dich. Du leidest ja ganz offensichtlich sehr darunter und siehst auch Deinen Anteil an den Situationen.

    Mir fällt gerade ein, dass bezüglich der von Dir beschriebenen Unsicherheit ein soziales Kompetenztraining oder Selbstsicherheitstraining nicht schlecht sein könnte.

    Außerdem könnten verschiedene Fortbildungen im Bereich Kommunikation und Umgang mit anderen Menschen, Kollegen recht hilfreich sein, denke ich. Die kannst Du ürbigens auch von der Steuer absetzen.

    Was die anderen Problematiken betrifft, die Du beschreibst, bin ich ein wenig ratlos.

    Vielleicht würde Dir ein Coaching oder eine Verhaltenstherapie etwas bringen? Eventuell wäre auch eine Gruppentherapie bzw. Selbsthilfegruppe (das ist nicht als Ersatz für eine Therapie jetzt gemeint) für Dich etwas? Oder beides in Kombination?

    Liebe Grüße!

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Ursachen für Jobverlust - Lösungen?

    Hi, das ist ja, wie wenn Du mich beschreiben würdest, bzw meine Probleme in meinem Arbeitsverhalten, bzw was mir immer angekreidet wurde und des öfteren zum Jobverlust führte.
    Gerade heute hatte ich ein ernstes Gepräch mit meinem derzeitigen (eigentlich sehr verständnisvollen) Chef, in dem mir erklärt wurde, daß aufgrund meines ungenügenden Verhaltens, meine Probezeit, die eigentlich Ende Juni abläuft, noch ein weiteres halbes Jahr verlängert wird (ich weiß, eigentlich geht das nicht, aber ich habe einen auf ein halbes Jahr befristeten Arbeitsvertrag, der somit um ein halbes Jahr verlängert wird. Eigentlich hätte ich jetzt einen unbefristeten Vertrag bekommen). Zur Anmerkung: ich arbeite in der ambulanten pädagogischen Betreuung von Menschen mit Handikaps (körperlich und psychisch u.a. auch ADS). Wahrscheinlich hat mein Chef bisher auch so viel Geduld mit mir gehabt (obwohl er nichts von meiner Problematik weiß).
    ähm ja ich weiß, ich laber mal wieder zu viel, drück mich umständlich aus und schweife vom Thema ab und erzähl Sachen die keinen wirklich interessieren (wird mir andauernd vorgeworfen)
    Das Problem bei mir ist, ich lass mir nichts sagen, weiß alles besser und wenn ich (teilweise berechtigte) Kritik bekomme, bin ich nur sauer darüber und sauer auf den, der sie ausspricht. Ich weiß genau, was ich verkehrt mache, KANN es aber nicht ändern, sooft ich es auch versuche.
    Ich hätte auch gerne eine Lösung

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 56
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Ursachen für Jobverlust - Lösungen?

    Hallo XPFchaot und Gipsybaby, ihr Beiden habt eine Verdachtsdiagnose, stimmt das immer noch? Bitte macht weiter mit den Ärzten bis die Diagnose feststeht. Nehmt dann die Diagnose mit im Bewerbungsgespräch und sagt: "es ist ja die Krankheit von Albert Einstein!"

    Jetzt möchte ich euch was fragen:
    Dauernd Arbeitsstellen verlieren heisst aber auch: dauernd welche zu finden und anfangen zu dürfen! Dass muss man können! Bravo! Warum haben die Arbeitgeber euch angestellt? Bestimmt nicht aus Mitleid, sondern ... ??? Warum?

    Grüsse von Pica

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Ursachen für Jobverlust - Lösungen?

    Hallo,

    über dieses Thema bin ich besonders dankbar! Ich habe in meinem Berufsleben auch eine ganze Menge Arbeitsverhältnisse hinter mich gebracht, in der Regel wurde ich eigentlich wegen der Einschränkungen, die ADS mit sich bringt, gekündigt, obwohl auch meine Qualifikationen bestens waren. Inzwischen, mit knapp 50 habe ich den Arbeitsmarkt für mich abgehakt und mich damit abgefunden, wohl demnächst in die Leiharbeit zu gehen trotz Facharbeiterqualifikation und Studium...vielleicht bekomme ich wenigstens einen Helferjob einigermaßen auf die Reihe.
    Alles, was du schreibst, trifft auf mich zu, dazu kommt manchmal auch noch eine Tendenz zur Rechthaberei und auch mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, die oft zu Auseinandersetzungen führten, die mich bei meinen Vorgesetzten nicht gerade beliebt machte.

    LG
    Webheiner

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