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Diskutiere im Thema Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen?

    Danke Durchreisend, Nightshadow, 4.Kl.konzert, Hunu und Eti für eure gehaltvollen Beiträge! - werde nacheinander auf eure Rückmeldungen eingehen.


    Durchreisend

    Jedenfalls, würde ich dem mal die Rechercheaufgabe geben, ob es sinnvoll ist einen ADhS ler einzustellen, weil du da wen kennst und seine Meinung dazu wissen willst.
    Das wäre eine Möglichkeit, aber er würde den Wink mit dem Zaunpfahl sofort durchschauen und wahrscheinlich erst recht vor den Kopf gestoßen sein. Aus deiner Antwort lese ich heraus: Direktes Ansprechen kann nach hinten los gehen, indirektes könnte aus deiner Sicht funktionieren.


    Nightshadow

    Ist ein Minenfeld, ich rate zu äußerster Vorsicht. Wobei das nicht heißt, dass dem Mitarbeiter gegenüber nicht eine Thematisierung von ADHS sinnvoll oder sogar geboten ist.
    Das ist eben genau das Spannungsfeld, in dem ich mich befinde. Ich weiß welche Wirkung krankheitsspezifische Diagnosen auf Menschen haben können, und es ist kurzfristig meistens keine positive. Ich frage mich, ob es in meiner Verantwortung liegt, den Verdacht zu thematisieren. Andererseits meine innere Auseinandersetzung: warum ist mir das wichtig? geht es hier um mich und mein Mitteilungsbedürfnis? Ist eine Diagnose notwendig, muss das Kind beim Namen genannt werden um einen Umgang damit zu finden? Mein "worst case szenario" schaut so aus, dass er nach meiner Verdachtsäußerung völlig abblockt, eingeschnappt ist, wutentbrannt aufsteht und (nach hause) geht, er sich krank meldet und daheim eeeeeeewig darüber nachbrütet, grübelt und letztlich in ein tiefes Loch fällt (aus dem ich ihm nicht heraushelfen kann).


    4.Kl.konzert

    Sinnvoll wäre es auf jeden Fall- wenn er es annimmt. Aber leider habe ich es noch nie erlebt, dass ein solcher Hinweis dazu führt, dass der Betreffende sich diagnostizieren lässt. Die normale Reaktion ist Abwehr. Das ist sehr schade. Andererseits wäre es ja wirklich schlimm, wenn jemand weiterhin keine Hilfe erhält, der dafür offen wäre, nur weil wir ihn (oder sie) nicht darauf angesprochen haben. Selbst wenn es nur einer von zehn annimmt.
    Das ist der springende Punkt. Hier würde ich gerne in eine Glaskugel schauen können.. Bzw. müsste ich als realistische Alternative alle Erwartungen seine Reaktion betreffend ablegen, um das Vorhaben vorab prinzipiell unter einen guten Stern zu stellen. Und dann egal was passiert mit ihm in Beziehung bleiben bis wir wieder handlungsfähig sind. Der Zeitraum kann 5 Minuten dauern oder 5 Jahre, überspitzt formuliert. Nur die Sache ist die - ich bin in dem Setting eben seine Vorgesetzte und nicht seine Therapeutin. Ich bezweifle dass ich in dem Setting die Zeit, Kraft und Nerven hätte, den Weg mit ihm zu gehen. In dieser Rolle habe ich ganz klar andere Vorgaben und Ziele.

    Besser wäre, er ist selbst mit einer Beschränkung einverstanden, wenn Internet und Telefon ihn von seiner Arbeit abhalten.
    Wir haben bereits eingeführt, dass er mir täglich kurz vor Dienstschluss kurz zusammenfassen muss, was er den Tag über erledigt hat, eine retrospektive Auflistung sozusagen. Er übermittelt die Liste wirklich zuverlässig täglich, und ich habe das Gefühl dass er es - auch wenn er es nicht zugeben würde - gerne tut und es ihm gut tut. Nach außen zeigt er sich im Stolz verletzt.


    Honu


    Mir hat stets geholfen, wenn ich ungestört sein konnte, sobald ich ins "Holodeck" abgedriftet bin, also hyperfokussiert wurde
    Kannst du das genauer beschreiben - würde mich wirklich interessieren.

    In den anderen Firmen habe ich mich einfach nur überarbeitet, wurde krank, vergaß administrativen Kram, und dann folgte auch bald die Kündigung, da man mich "nicht alleine laufen lassen" konnte. Einmal schlief ich auf meiner Schreibmaschine ein; die Tastenabdrücke waren überall im Gesicht. Ich bin vor Scham fast gestorben.
    Das berührt mich sehr.

    Bis auf wenige Einzelfälle habe ich (in der kurzen Zeit hier im Forum/ in der langen Zeit meiner Berufstätigkeit) niemanden ausfindig machen können, der oder die gern versagt und die Erwartungen seines Umfeldes enttäuscht hätte. Fast alle Fehler, die ich oder meine Mitarbeiter begangen haben, wurden in der Überzeugung begangen, das Richtige zu tun.
    Zumutbar ist meiner Auffassung nach daher alles, was dem Erhalt des Arbeitsplatzes dienlich ist; jeder Mitarbeiter gibt ja auch sein Bestes, gibt sich hin - Deiner offenbart sogar seine Verletzbarkeit innerhalb der Gruppe, indem er emotional wird.
    Ich danke dir für diese Worte, auch wenn man es weiß - es ist wichtig sich immer wieder zu vergegenwärtigen dass niemand gerne und absichtlich scheitert. Und ja, wir haben einen starken Zusammenhalt und ein wohlwollendes Klima im Team. Er ist der älteste von uns, jeder weiß dass er ein wenig anders ist, jeder weiß um seine Stärken und Schwächen. Wir haben ihn salopp formuliert auf einer menschlichen und Ebene sehr gern und verzeihen ihm automatisch vieles.

    Aus dem was Du berichtest geht für mich nicht hervor, wie sich seine Normabweichung darstellt. Auch nicht, welche Möglichkeiten die Organisation, für die Du tätig bist, bietet. Ich würde - je nach den Ressourcen, die Dir zur Verfügung stehen - eine Fachperson zurate ziehen. Das hier geht ja nun über Personalentwicklung hinaus, über reguläre Führungsaufgaben noch mehr.
    Er ist wie ein Eislaufkünstler, der zwar Pflicht und Kür beherrscht, erstere jedoch "gerne" vergisst oder sich verhaspelt und in zweitere alles an verfügbarer Energie hineinlegt. Die Pflichtaufgaben sind in Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit nicht wegzudenken, da ohne Sie keine Zusammenarbeit möglich ist. Es wird also immer dann schwierig, wenn Routineaufgaben (eine Gesprächsdokumentation) zu erledigen sind und ich keine zeitlichen Ressourcen habe, seine Arbeitsschritte im Auge zu behalten und ihn zu erinnern. Ressorucen gibt es wenn ich die Dringlichkeit einer Intervention betone, hier kann ich Hebel in Bewegung setzen, Mitarbeiter können auf Kosten des Unternehmens externe Arbeits- und Klinische Psychologen konsultieren. MIr wird gerade eines klar: Mein Hadern hat den Ursprung in meiner (vermeintlichen) Doppelrolle der Vorgesetzten und Psychologin.

    Meiner Erfahrung nach muss jede Sonderbehandlung vom gesamten Team mindestens toleriert werden. Und sie verlangt nach einem Mehrwert des Mitarbeiters für die anderen Kollegen. Wenn Dein Mitarbeiter es sich bereits mit ihnen verscherzt hat, kann das kritisch werden.
    Andererseits - Du kannst einen großen Schritt mit dem gesamten Team nach vorne gehen.

    Ich würde das Abenteuer eingehen, wenn ich mit der Arbeit und der Leistung des Mitarbeiters zufrieden wäre.
    Das Team ist sehr stark und würde - so meine Einschätzung - verschiedenste Interventionen mittragen. Er verscherzt es sich zwar immer wieder, aber durch seine liebenswerte und selbst nicht nachtragende Art kann ihm niemand länger als ein paar Stunden böse sein. Er hat trotz fortgeschrittenen Alters eine art Welpenstatus. Mit der Kür, wenn ich den Begriff nochmals verwenden darf, bin ich zu 200% zufrieden. Insgesamt liegt seine Leistung doch deutlich unter jener der weiteren Mitarbeiter. Wir wollen ihn auf jeden Fall im Unternehmen halten, eine Kündigung steht absolut nicht im Raum. Gut, ich merke das spricht für ein gemeinsames Abenteuer, wobei ich sagen muss dass es mit ihm ja auch bis jetzt nicht langweilig war


    Eti


    Nein, eine direktes Ansprechen von ADHS finde ich persönlich nicht angebracht und sogar übergriffig.
    Zum Verdacht erlätuern zu einer möglichen Diagnose ist der Chef meiner Meinung die falsche Person.
    Warum würdest Du das wollen? Was versprichst Du Dir davon?
    Ihr arbeitest zusammen und der Mitarbeiter ist nicht der Client soviel ich verstanden habe.
    Danke für die klaren Worte. Nach bisheriger Auseinandersetzung mit Euren Beiträgen stimme ich dir zu, dass ich in der Rolle als Chefin nicht diejenige sein sollte, die diesen Verdacht äußern sollte. Für mich gilt, mich in dem Setting von meiner Ursprungsprofession zu distanzieren.
    Von einer Diagnose (nicht von mir gestellt und nicht durch mich kommuniziert) erwarte ich mir einen neuen Status Quo, der eventuell zukünftige Interventionen, die wirklich nur ihn betreffen "per se" legitimiert. Z.B. die tägliche Dokumentation, kein Diensthandy mehr zu erhalten da es ablenkt, den Internetkonsum einzuschränken, wöchentliche Fallbesprechungen, eine Art Stundenplan was für die Woche zu erledigen ist, etc. All diese Interventionen sind bei meinen anderen Mitarbeitern nicht notwendig, da sie die notwendige Selbstsrukturierungskompetenz mitbringen (zwar auch in unterschiedlicher Ausprägung, aber in der Norm - der betreffende Mitarbeiter ist definitiv außerhalb dieser Norm)

    Unmittelbare zeitliche Rückmeldungen (Positiv wie negativ) direkt im Alltag leben hingegen finde ich sehr wichtig.
    Ich achte sehr darauf, ihm positive Rückmeldungen zeitnah zu geben, leider habe ich bei ihm das Gefühl, dass er sie zwar hört aber nicht aufnimmt. Bei negativen Rückmeldungen muss ich sehr vorsichtig sein, da er wirklich sehr sensibel ist und sofort in eine Abwehrhaltung geht - sprich: sich rausredet, dagegenhält, abstreitet, etc. Ehrlich gesagt habe ich oft nicht die Zeit und die Nerven um mich auf ein (mit ihm immer lange dauerndes) Gespräch einzulassen. Er ist für mich deshalb so kräfteraubend, da er sich nicht weiterentwickelt was Zuverlässigkeit oder die EInhaltung von simpelsten Regeln betrifft. Ich muss ihm jedesmal wieder sagen, dass beispieslweise ein Außendienst zeitnah dokumentiert werden muss, da sonst die Köllegen nicht weiterarbeiten können. Diese Anweisung muss ich ihm immer und immer wieder geben. Wenn ich entspannt bin: alles gut, ich sage es ihm zum 50sten Mal. Wenn ich keine Zeit habe: werde ich ärgerlich, werden die Kollegen ärgerlich, er redet sich raus dass er dafür keine Zeit hat weil soviel anderes zu tun ist. Er merkt selbst nicht, dass das Chaos in seinem Kopf entsteht und nicht im Außen, denn sein gefordertes Arbeitspensum wäre bei vorhandener Selbstorganisation und Prioritätensetzung absolut machbar.


    Anders wäre, wenn im Gespräch herauskommt, dass Mitarbeiter Hilfe möchte weil er sich z.B. nicht so gut organisieren kann.
    Das wäre ideal. Bei ihm ist es so, dass seiner Ansicht nach alle außer ihm selbst daran schuld sind. Zumindest ist es das, was er kommunizeirt.
    Zu Fairness und Gleichbehandlung: leider ist er jener, der jährlich mit Nachdruck und unter Tränen um eine Gehaltserhöhung bittet. Angesichts seiner Leistungen ist diese aber völlig unrealistisch. Er streicht seine "Kür" Leistungen hervor, die jedoch nur einen Bruchteil der Arbeit ausmachen. Insgesamt liegt sein Leistungsnivea wirklich deutlich unter dem seiner Kollegen. Ganz hart aus Arbeitgebersicht gesprochen müsste er froh sein, dass er diesen Job, dieses Arbeitsumfeld, diese wohlwollende Struktur hat. Er selbst sieht seinen nicht ausreichend gewürdigten ausufernden Einsatz, und seine virtuose Kür, nicht jedoch den im Vergleich zum EInsatz unterdurchschnittlichen Outcome und die ständige und unverbesserliche Vernachlässigung der Pflichtaufgaben.


    Mein Fazit: Ob ADHS oder nicht spielt meiner Meinung nach bei Dir nicht so eine grosse Rolle. Wichtiger ist ober ihr einen Weg zusammen findet. Und das finde ich wieder sehr menschlich und der Norm der Arbeitswelt entsprechend.
    Ja, wir werden einen Weg finden, ob mit oder ohne Diagnose "ADHS".


    Nochmals Danke für Eure HIlfe, ich bin einige Schritte weiter und schau die nächsten Tage sicher wieder hier rein - jetzt gehts mal ab ins Wochenende.
    Liebe Grüße!

  2. #12
    Eti


    fliegFederflieg

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 848

    AW: Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen?

    @ Broadriesen
    Herzlichen Dank für Deine genauen Rückmeldungen.
    Ich finde es sehr spannend zu lesen, ein sehr wichtiges Thema
    und hoffe gleichzeitig dass deine Beschreibung nicht zu genau sind.
    Beim Lesen ging mir durch den Kopf, dass die Welt manchmal sehr klein ist.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg im Lösen der Situation und hoffe von Herzen, dass der Mitarbeiter seine Chance erkennen möchte.
    Geändert von Eti (14.10.2017 um 12:29 Uhr) Grund: ergänzung

  3. #13
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.314

    AW: Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen?

    Aus meine Sicht kann dass ADS ansprechen sinnvoll sein, aber lieber vorsichtig. Betroffenen erleben ihre Leben lang dass sie nicht so können wie die Mehrheit und immer wieder dafür Vorwürfen bekommen, obwohl sie sich wirklich sehr viel Mühe geben (Burnout mit 30 ist bei uns keine Seltenheit, weil wir eben alles geben um nicht anzuecken). Es macht einem auch aus Kritik besonders empfindlich!

    Wenn du dich bewusst ist, dass er wirklich seine Bestens gibt und darunter leidet es nicht so zu können, wird einfacher sein die richtige Wörter zu finden. Ist eine ADSler wieder mal hoch mit seine Emotionen, ist er nicht mehr ansprechbar... Besser warten, wir kühlen uns rasch ab (etwa 30 Minuten).
    Wenn es doch nicht möglich ist, gibt es noch ein andere Möglichkeit: Du behälst dass alles im Hinterkopf und versuchst ihm eine Umfeld zu gestalten wo er bessere Leistungen bringen kann. Vielleicht ihm fragen was er braucht und was ihm belastet?

    Insbesondere interessiert mich das subjektive Empfinden von Betroffenen in Bezug auf Arbeitstempo, Strukturierung von Aufgaben, Pausen, Deadlines, etc. Vielleicht können mir Betroffene in diesem forum dahingehend ein wenig weiterhelfen.
    Zu diese Thema wie es bei mich aussieht:
    Tempo: Ich war immer langsamer als anderen und habe viel darunter gelitten, weil man mich es vorgeworfen hatte. Auch heute, sind mich anderen oft zu schnell. Aber ich arbeite sonst genau und wenn ich nicht abgelenkt bin, wenn es ruhig um mich ist und ich viel Routine in eine Sache habe, bin ich schon schneller. Unten Zeitdruck werde ich reizbar (was für mein Umfeld belastend ist) und mache viele Fehler.
    Jetzt ist so: Entweder ist ein Arbeitgeber das Tempo sehr wichtig und wir passen nicht zusammen oder er legt wert auf einiges anders und schätzt meine andere Fähigkeiten. Ich bin langsam und es gehört einfach zu mich.
    Strukturierung von Aufgaben: Am Anfang bin ich sehr froh um Hilfe von Aussen! Bis ich mich mit etwas gut auskennt, habe ich da echt Mühe. Immer wieder schaue ich bei anderen zu wie sie machen oder frage nach... Ich habe da mehr Mühe als nicht-Betroffenen, ich kann es zwar, aber es braucht seine Zeit und lasse mich auch mal helfen oder beraten.
    Pausen: Laute Kantinen sind alles anders als erholsam. Wenn ich in ein Ort gearbeitet habe wo viel los ist (Radio + Gesprächen) fühlt sich an dass mein Kopf zu voll wird... Pause ist für mich, in eine ruhige Ort mich zurückziehen zu können. Ich kann Reizen von aussen nicht so gut ausblenden, die normale Anforderungen am Arbeit sind für mich schwieriger zu erfüllen als bei anderen=ich werde schneller müde. Ich kompensiere es mit eine Teilzeitpensum und wähle noch lieber Aufgaben wo ich in eine ruhige Ort sein kann.
    Deadlines: Ich bin froh mit den nicht viel zu tun zu haben... Mit eine langsame Tempo kann es schwierig sein. Abschätzen wieviel Zeit ich für eine Aufgabe oder Projekt brauche kann ich gar nicht... Ich weiss nur wenn ich es mal gemessen hatte! ADSler haben keine Zeitgefühl und können nur kompensieren.

    In den letzten Monaten gab es vermehrt Krankenstände sowie mehreren Kollegen gegenüber unangebrachte emotionale Ausbrüche und ich werde in Kürze ein anlassbezogenes Mitarbeitergespräch mit ihm führen.
    Es ist eine klare Zeichen von Stress! Bevor dass du mit deine Kritik und Vorschlägen kommst, kannst du ihm fragen wie es ihm geht und was ihm belastet... ADS ist noch mehr als was man sieht und von aussen schwer zu verstehen... Wenn er zur Wort kommt, wird er auch die Möglichkeit haben über einiges zu reden dass dich gar nicht bewusst war...

    Zur Ausgangsfrage - was meint ihr, ist mein ADHS-Verdacht für meinen Mitarbeiter unter der Annahme dass er sich selbst damit noch nicht auseinandergesetzt hat, zumutbar? Der Grund für die offene Ansprache wären Interventionen, die ihm (und uns allen, um ehrlich zu sein) zukünftig die Arbeit und das Miteinander erleichtern sollen. Ohne die Diagnose im Hintergrund würden die angedachten Interventionen (kein Internet mehr, kein Diensthandy mehr, wöchentliche vorab Stundenpläne, etc.) jedoch leicht als Schikane oder Einschränkung interpretiert werden können und ihn noch mehr unter Druck setzen..
    Gut gemeinte Massnahmen von aussen, die dann nicht wirklich hilfreich sind, kenne ich so gut! Es kann als Bevormundung vorkommen, wenn du ihm nicht nach seine Meinung fragst. Ich hatte so eine Cheffin gehabt (aber ich merke, so bist du ja nicht!) die gemeint hatte zu wissen was für mich stimmt. Ist gar nicht gut gekommen. Wir sind keine unerzogene Kindern (so komme ich mich manchmal so vor!) aber Erwachsene die anders ticken und wir wissen aus eigene Erfahrung schon was uns gut tut und hilft. Eigentlich weiss er am bestens was ihm am bestens hilft. Am bestens ihm als Vorschlag presentieren und fragen ob es ihm hilft. Was ihm wirklich hilft, bringt auch bessere Leistungen.
    Du kannst auch in so etwas vorgehen: Sagen dass du der Eindruck hast, er sei gestresst und die Gründen erwähnen und dann sagen, du möchtest ihm helfen sich wohler zu fühlen, aber auch besser arbeiten (weil du mehr willst) und daher schaust du mit ihm was möglich ist.
    Ich sehe auch eine Möglichkeit über alle diese Sachen zu reden ohne über ADS zu reden: Redest du darüber wie wenn es um Eigenschaften wäre von ihm und schaut ihr gemeinsam was ihr beiden machen könnt damit es für alle besser ist. Es gibt auch der Gefahr (habe ich leider erlebt!) dass weil du etwas über ADS weiss, dann der Eindruck hast, du verstehst einiges und weiss was er braucht... ADS wirklich zu verstehen tuen wirklich nur die Betroffenen und wir wissen oft am bestens was uns hilft und was nicht. Daher wieder: Ehe ihm fragen was ihm hilft und nichts aufrängeln (ausser du willst wirklich dass etwas sich verbessert, weil seine Leistungen zu wünschen übrig lassen, dann werde ich auch klar sein).
    Sonst auch noch was zu ADS: Wir brauchen Klarheit in der Kommunikation. Da wir oft vieles anders wahrnehmen, können wir gar nicht raten was hinten etwas zwischen die Blumen gemeint war. Kritik lieber sehr sachlich, was ganz konkret nicht gut war und was erwünscht ist und keine Sprüchen wie "Dich ist es egal" oder Interpretation.

    Dann finde auch noch etwas wichtig: Der Aufwand muss für dich und das Team angemessen und zumutbar sein. Ist diese Mitarbeiter sonst kompetant und es braucht wenig damit alles zufrieden sind, lohnt es sich schon näher zu schauen. Sind die Mangel gross, das Team sehr frustriert, kann auch eine Kündigung sinnvoller sein. Man kann nicht von ADSler erwarten dass sie wie alle anderen ticken, aber man kann auch nicht erwarten dass zu viel rücksicht genommen wird dass er das ganze Team nur belastet.

    Eine gute Buch zu Thema ist auch "ADS im Job" von Lynn Weiss. Es gibt auch eine Kapitel für nicht-Betroffenen die eine Betroffenen als Arbeitskollegue, Vorgesetzt oder Mitarbeiter haben...

  4. #14
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.314

    AW: Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen?

    Jetzt noch zu deine 2. Beitrag:

    Zuerst finde ich sehr gut dass das Team stark ist und er doch bleiben kann, dass ihr ihm tragen könnt.
    Auch finde ich super dass du ein Weg suchst und doch oft mit viel Verständnis (habe ich der Eindruck) für ihm hast.

    Er übermittelt die Liste wirklich zuverlässig täglich, und ich habe das Gefühl dass er es - auch wenn er es nicht zugeben würde - gerne tut und es ihm gut tut. Nach außen zeigt er sich im Stolz verletzt.
    Ich könnte mich so was vorstellen: Er spürt dass es ihm gut tut, aber schämt sich fèr diese "Extrawurst" und hat Mühe nicht so zu können wie anderen... Ich kenne es sehr gut! An meine Arbeit wird auf mich auch viel Rücksicht genommen und so einfach ist es nicht immer... Weil es mich auch zeigt dass ich eben darauf angewiesen bin, also, nicht so kann wie anderen.

    Er ist der älteste von uns, jeder weiß dass er ein wenig anders ist, jeder weiß um seine Stärken und Schwächen. Wir haben ihn salopp formuliert auf einer menschlichen und Ebene sehr gern und verzeihen ihm automatisch vieles.
    Ich finde es einfach toll!!!

    Es wird also immer dann schwierig, wenn Routineaufgaben (eine Gesprächsdokumentation) zu erledigen sind und ich keine zeitlichen Ressourcen habe, seine Arbeitsschritte im Auge zu behalten und ihn zu erinnern.
    Ich kenne keine ADSler der so etwas gerne macht... Und ich untertreibe es noch... So was kann als wirklich sehr lästig empfunden werden und grosse überwindung brauchen um es überhaupt zu machen. Gibt es andere Wegen? Das er nur kurze Notizen macht? dass es auf Tonband spricht? Dann kann vielleicht jemand anders, der es gerne macht, der Text schreiben.... Dafür macht diese Kollegue etwas dass er sehr gut kann.

    Ich achte sehr darauf, ihm positive Rückmeldungen zeitnah zu geben, leider habe ich bei ihm das Gefühl, dass er sie zwar hört aber nicht aufnimmt. Bei negativen Rückmeldungen muss ich sehr vorsichtig sein, da er wirklich sehr sensibel ist und sofort in eine Abwehrhaltung geht - sprich: sich rausredet, dagegenhält, abstreitet, etc. Ehrlich gesagt habe ich oft nicht die Zeit und die Nerven um mich auf ein (mit ihm immer lange dauerndes) Gespräch einzulassen. Er ist für mich deshalb so kräfteraubend, da er sich nicht weiterentwickelt was Zuverlässigkeit oder die EInhaltung von simpelsten Regeln betrifft. Ich muss ihm jedesmal wieder sagen, dass beispieslweise ein Außendienst zeitnah dokumentiert werden muss, da sonst die Köllegen nicht weiterarbeiten können. Diese Anweisung muss ich ihm immer und immer wieder geben. Wenn ich entspannt bin: alles gut, ich sage es ihm zum 50sten Mal. Wenn ich keine Zeit habe: werde ich ärgerlich, werden die Kollegen ärgerlich, er redet sich raus dass er dafür keine Zeit hat weil soviel anderes zu tun ist. Er merkt selbst nicht, dass das Chaos in seinem Kopf entsteht und nicht im Außen, denn sein gefordertes Arbeitspensum wäre bei vorhandener Selbstorganisation und Prioritätensetzung absolut machbar.
    Positives laum zu hören, aber das negatives zu gut, ist auch typisch... Er ist eben nicht mehr jung und hat einfach sehr vieles erlebt... Er merkt sicher dass er nicht so kann wie anderen und es kann sehr schmerzen.
    Diese simpel Regeln sind für uns eben gar nicht so simpel! Wenn er nicht schafft, zeigt er auch dass es für ihm nicht einfach ist... Aber ich verstehe auch wie mühsam es ist immer wieder das selbe zu sagen... So viel Geduld wie du hast, haben wirklich sehr wenig Menschen.
    Mal etwas zu mich, weil es bei ihm ähnlich ist... Ich bin vor meine Diagnose davon ausgegangen dass ich einiges einfach nicht kann, weil es bis jetzt nicht geklappt hatte... Also, habe ich nicht mehr probiert es zu ändern... Nach der Diagnose lerne ich einiges und konnte einige doch verbessern.
    Aber es ist schwierig zu unterscheiden wo es wirklich Grenzen sind und wo es ehe darum geht, dass jemand aufgegeben hat, weil es nicht geklappt hatte...

    Das wäre ideal. Bei ihm ist es so, dass seiner Ansicht nach alle außer ihm selbst daran schuld sind. Zumindest ist es das, was er kommunizeirt.
    Zu Fairness und Gleichbehandlung: leider ist er jener, der jährlich mit Nachdruck und unter Tränen um eine Gehaltserhöhung bittet. Angesichts seiner Leistungen ist diese aber völlig unrealistisch. Er streicht seine "Kür" Leistungen hervor, die jedoch nur einen Bruchteil der Arbeit ausmachen. Insgesamt liegt sein Leistungsnivea wirklich deutlich unter dem seiner Kollegen. Ganz hart aus Arbeitgebersicht gesprochen müsste er froh sein, dass er diesen Job, dieses Arbeitsumfeld, diese wohlwollende Struktur hat. Er selbst sieht seinen nicht ausreichend gewürdigten ausufernden Einsatz, und seine virtuose Kür, nicht jedoch den im Vergleich zum EInsatz unterdurchschnittlichen Outcome und die ständige und unverbesserliche Vernachlässigung der Pflichtaufgaben.
    Realistisch Selbstwahrnehmung ist nicht wirklich unsere Stärke... Aber es kann auch sein, dass er sich so schützt von seine Eindruck eine "Versager" zu sein, weil es zu schmerzhaft wäre es zu sehen...
    Auf der andere Seite, auch wenn er weniger leistet als seine Kollegen, gibt sicher wirklich seine bestens! Es kostet ihm auch sehr viel Energie und so was gibt es mit das Alter nicht immer so viel...
    Eine Frage noch: Muss er wirklich alles selber machen was ihm so Mühe macht? Gibt gar keine Möglichkeiten ihm mehr zu lassen wo er gut ist und ein Teil der Rest zu delegieren? Manchmal ist möglich, manchmal leider nicht...

  5. #15


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.185

    AW: Mitarbeiter auf ADHS-Verdacht ansprechen?

    Hallo Broadriesen,

    also mich schockiert dein Verhalten doch sehr. Du unterhällst dich mit wildfremden Menschen über einen deiner Mitarbeiter und das auch noch in einem Bereich der für jeden sichtbar ist. Wenn Du meine Chefin wärst, dann hätte ich schon gekündigt.

    Du schreibst das Du ihm helfen möchtest, damit ihr auf beruflichem Wege zumindest zusammen

    findet, und anstatt mit ihm zu sprechen, redest Du mit Leuten im Internet. Kannst Du dir vorstellen, wie sich der Mitarbeiter fühlen muss, wenn er mitbekommt, dass Du über ihn hier redest?

    Als Psychologin müsste dir doch klar sein, dass es ein Vertrauensbruch ist, auch wenn es sich bei euch um eine rein berufliche Beziehung handelt, dass Du hier über seine Probleme berichtest. Wenn ihr privat miteinander zu tun hättet, dann würde ich das ja noch nachvollziehen können, aber beruflich sollte alles auf der Sachebene bleiben.

    Vielleicht hat er ja auch gar kein ADHS, sondern etwas anderes, oder aber er ist einfach wie er ist. Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder Vorgesetzte erst mal auf Plattformen, zu einem Störungsbild über seine Mitarbeiter spricht, nur weil er der Meinung ist, es könnte sich um ADHS oder anderes handeln.

    Ich kann für ihn nur hoffen, das er es niemals erfährt, das seine Chefin in einem ADHS Forum über ihn gesprochen hat, egal wie gut deine Absichten auch sein mögen, Du bist ja wie schon erwähnt lediglich seine Chefin und nicht die Mutter, Freundin, Schwester oder eine andere persönliche Bezugsperson.

    Und da Du weder Angehörige bist und nur rein beruflich mit dieser Person zu tun hast, wird der Thread geschlossen. Genug Anregungen haben dir die Chaoten schon gegeben und damit müsstest Du jetzt etwas anfangen können, denn da sind sehr gute Beiträge dabei. Hier wird jetzt aber geschlossen, um deinen Mitarbeiter zu schützen.


    Liebe Grüße
    Sunshine

  6. #16
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 3

    Abschließende Worte

    @Sunshine

    da ich nicht weiß wie ich dich anderweitig erreichen kann die Nachricht über diesen Thread:

    Wenn die Darstellungen zu detailliert waren bitte ich um Löschung meines ersten Threads, dadurch dass er bereits geschlossen ist kann ich weder Änderungen vornehmen noch ihn selbst löschen. Es kann durchaus sein dass ich mit den dargelegten Informationen übers Ziel hinausgeschossen bin. Das letzte was ich will, ist meinem Mitarbeiter Schaden zuzufügen. Mit der Löschung kann die Wahrscheinlichkeit, dass er sich oder andere ihn erkennen, zumindest im nachhinein minimiert werden.

    Weiters würde ich dich bitten, meinen Benutzer zu löschen.

    Danke an alle, die sich an der vorangegangenen Diskussion beteiligt haben, es waren viele Denkanstöße dabei.

    Ich wünsche euch alles Gute.
    Geändert von broadriesen (15.10.2017 um 00:45 Uhr)

  7. #17


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.185

    AW: Abschließende Worte

    Hallo broadriesen,

    einen Thread löschen ist zwar von seitens des Teams möglich, wäre aber unfair den Chaoten gegenüber, die sich mit ihren Beiträgen soviel Mühe gemacht haben und dir geantwortet haben, denn ihre Beiträge wären dann auch für sie nicht mehr zugänglich. Da der Thread geschlossen ist, wird er in absehbarer Zeit eh weiter nach hinten rutschen, und steht somit nicht gleich am Anfang in einem für alle zugänglichen Bereich. Es ist immer ratsam im Internet aufzupassen, was und über wen man etwas schreibt, denn meistens ist es so, das was einmal drin steht auch für immer bleibt und besonders unangenehm wird es dann, wenn man über dritte Personen scheibt.

    Da Du hier ausdrücklich schreibst, dass Du niemandem Schäden zufügen wolltest, werde ich diesen Thread mit dem anderen zusammenfassen, damit jeder sehen kann, dass Du keine bösen Absichten hattest. Ich finde es übrigens gut von dir, dass Du es klargestellt hast.

    Dein Benutzer-Account darf ich nicht löschen, dass kann nur Alex (Betreiber des Forums). Deshalb bitte ich dich eine E-Mail an betreiber@adhs-chaoten.net zu schreiben, dass Du deinen Account gelöscht haben möchtest und zwar von der Emailadresse aus, mit der Du dich hier registriert hast.



    Liebe Grüße
    Sunshine

    [Edit Sunshine]: wie angekündigt, Threads zusammen geführt. [/Edit]
    Geändert von Sunshine (15.10.2017 um 17:02 Uhr) Grund: siehe Edit

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