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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 269

    Ärger im Studium

    Hallo ihr Lieben :-)

    Ich habe jetzt mit meinem Masterstudium "Schulische Heil- und Sonderpädagogik" angefangen. Und ich ärgere mich! Oft sprechen die Dozenten von AD(H)S und den Medikamenten. Ein paar Auszüge:
    -"Früher gab es einfach wilde, lebhafte Kinder, heute heisst das ADS." -> Wild, lebhaft? Wohl eher ADHS.
    -"In ein paar Jahren wird es kein ADHS mehr geben, weil einfach das die neue Generation an Kinder ist." -> Also heisst das, für die Dozenten ist ADHS ein neuer Charakterzug?
    -"Man sollte Ritalin nur in absoluten Notsituationen einsetzen und nur , so für 4-6 Wochen." -> Ja, gratuliere, dann habt ihr vielleicht gerade Mal die richtige Dosierung.
    -"Kinder, denen man Ritalin geht, die schädigt man, weil man weiss inzwischen ja, dass das mitverantwortlich ist für Parkinson und MS." -> Ja, es gibt Studien, die darauf hinweisen, aber es gäbe ja auch noch andere Wirkstoffe und andere Medikamente.
    -"Aber ich bin ja auch kein Spezialist auf dem Feld." -> Das erklärt ja wohl, warum der Dozent nur Ritalin kennt.
    -"Die Kinder, die immer nur rumrutschen und so weiter, das sind Kinder mit diesem sogenannten ADHS, das sind die Kinder, die zuwenig sensibel sind, um den Reiz des Sitzens zum Beispiel zu merken und die Bewegung brauchen, um das zu spüren." -> Ja, kann sein, dass manchmal ADHS-Kinder sich bewegen um etwas zu spüren, aber... zu wenig sensibel? Reizüberflutung? Hallo?

    Mein Verständnis davon ist, dass sie ADHS weder differenziert ansehen (sprich, ADS und ADHS werden nicht unterschieden, ich weiss nicht, ob überhaupt ein Bewusstsein des Unterschiedes da ist). Dazu kommt, dass sie offenbar den Grund von ADHS nur im Verhalten und im Erlernen von Verhaltensweisen sehen. Die fehlenden Botenstoffe wie Dopamin zum Beispiel, also, dass es auch ADHS gibt, das man messen kann, wenn man es ganz einfach ausdrücken kann, wird ignoriert. Es ist einfach so das Ding, dass ich das Gefühl habe, dass die Dozenten keine Ahnung haben, was das eigentlich ist und dass sie es komplett bagatellisieren. Ich bin eine der ersten, die zugibt, dass zuvielen Kindern einfach Mal auf Geratewohl Ritalin verschrieben wird und alles, aber das?! Ich weiss einfach nicht, ob ich mich da Mal beschweren soll oder nicht. Weil es ärgert mich total und ich fühle mich auch irgendwie nicht ernst genommen mit der Problematik. Und dann das gerade noch in diesem Berufsfeld. Was meint ihr? Sollte ich da was sagen oder was würdet ihr machen?

    Danke schonmal für Antworten :-)

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Ärger im Studium

    Ich weiss nicht ob du was sagen sollst, aber genau deswegen haben mich die ersten beiden Semester Psychologie so auf die Palme gebracht.
    Es gibt viele Thematiken die v.a. Anfangs recht laissez-faire von schlecht informierten Dozent_innen raus gehauen wird. Bei mir war es zumeist Gender & Sexualität Zeugs.
    Ich hab dann schlussendlich abgebrochen/ gewechselt weil es mir irgendwie den Wind aus den Segeln genommen hat.

  3. #3
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Ärger im Studium

    Hallo Bücherwurm,

    ich würde es ansprechen, wenn sich die entsprechende Situation ergibt. Sollte sie sich nicht ergeben, kann es den Beigeschmack von "Missionieren" bekommen.

    Ich hab in meinen Psychologiekurs leztes Semester (im Medizinstudium) bei dem es um Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ging, einen Vortrag halten müssen (es war ein Kurs mit 25 Studenten und jeder musste ca. 20 Minuten referieren). Ich hatte mir das Thema AD(H)S ausgesucht. Nach meinem Referat gab es eine riesige Diskussion. Vorgesehen waren 5-10 Minuten Diskussion pro Vortrag, ich denke nach meinem waren es ca. 30 Minuten. Zunächst war mein Prof. mit vielen was ich gesagt habe nicht einverstanden. Erst in der Diskussion ist ihm klar geworden, dass ich meine Informationen nicht einfach aus Büchern zusammengetragen und abgeschrieben habe, sondern dass ich tatsächlich weiß, wovon ich rede, weil es mich schon immer im Alltag begleitet. Ich habe zum Schluss eine sehr gute Bewertung dafür bekommen. Aber das war nicht das Entscheidende...

    Das Entscheidende war, dass er mich eingeladen hat. Zu einem Gespräch mit ihm und ein paar seiner Kollegen. Sie haben die Gelegenheit genutzt, sozusagen "aus erster Hand" zu Lernen. Ich fand das sehr schön und es war ein guter Austausch, bei dem mit vielen Vorurteilen und falschen Vorstellungen aufgeräumt werden konnte.

    Ich wünsche Dir, dass sich für die die Gelegenheit ergigt, es anzusprechen...und vielleicht ergibt sich ja auch bei Dir eine Situation, die das Umdenken Deines/Deiner Dozenten in Gang setzt.

    Halte uns auf dem Laufenden, was passiert ist.

    Lieben Gruß,
    Lily

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 66

    AW: Ärger im Studium

    Bücherwurm schreibt:
    Mein Verständnis davon ist, dass sie ADHS weder differenziert ansehen (sprich, ADS und ADHS werden nicht unterschieden, ich weiss nicht, ob überhaupt ein Bewusstsein des Unterschiedes da ist). Dazu kommt, dass sie offenbar den Grund von ADHS nur im Verhalten und im Erlernen von Verhaltensweisen sehen. Die fehlenden Botenstoffe wie Dopamin zum Beispiel, also, dass es auch ADHS gibt, das man messen kann, wenn man es ganz einfach ausdrücken kann, wird ignoriert. Es ist einfach so das Ding, dass ich das Gefühl habe, dass die Dozenten keine Ahnung haben, was das eigentlich ist und dass sie es komplett bagatellisieren. Ich bin eine der ersten, die zugibt, dass zuvielen Kindern einfach Mal auf Geratewohl Ritalin verschrieben wird und alles, aber das?! Ich weiss einfach nicht, ob ich mich da Mal beschweren soll oder nicht. Weil es ärgert mich total und ich fühle mich auch irgendwie nicht ernst genommen mit der Problematik. Und dann das gerade noch in diesem Berufsfeld. Was meint ihr? Sollte ich da was sagen oder was würdet ihr machen?

    Danke schonmal für Antworten :-)
    Die fehlenden Botenstoffe sind aber kein soziologisches, kein heilpädagogisches und kein philosophischs Problem, sondern ein Neurochemisches und ein Medizinisches. Ich hab nie verstanden, warum Fächer wie Soziologie oder Pädagogik sich anmassen, Antworten auf medizinische Probleme zu bieten.

    Übrigens: Ich hatte mal eine Vorlesung in Soziologie, irgendwie kam der Dozent auf das Thema Autismus zu sprechen. Seine soziologische Erklärung auf die Entstehung von Autismus war, dass die Eltern als Paar ihr neugeborenes Kind im Laufe seiner Entwicklung zu sehr exkludieren, anstatt es in die Beziehung einzubinden Deine Dozenten sind also nicht die Einzigen die einen Schaden haben.

    p.s Ich würde es im richtigen Moment ansprechen, ganz klar! Aber zuvor würde ich mir Informationen aus der medizinischen und psychiatrischen Ecke einholen. Studien, Thesen etc., damit du auch gut vorbereitet bist und schlagfertig argumentieren kannst.
    Geändert von Regenrausch (12.10.2016 um 20:57 Uhr)

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 173

    AW: Ärger im Studium

    Hallo Bücherwurm,

    ich kann vestehen, dass es dich in den Fingern juckt, dich zu beschweren. Die Frage ist allerdings, bei wem und mit welchem Ziel?

    Dass du die diesbezüglichen Kenntnisse für deine berufliche Zukunft aus anderen Quellen beziehen musst, liegt für mich auf der Hand, denn auf die Schnelle wird sich an einer angemessenen Darstellung des Phänomens ADHS an deiner Uni wohl nix ändern.

    Eine Nachfrage bei der studentischen Vertretung, wie sie diesbezüglich die Situation einschätzt, könnte aber zumindest einen Prozess in Gang bringen, von dem vielleicht deine Nachfolger als Studenten profitieren können.

    Das Problem ist imho einfach, dass das Thema auch bei den selbsternannten Fachleuten immer noch sehr kontrovers bei oftmals fehlenden Sachkenntnissen diskutiert wird. Und da sehe ich aktuell leider keine Trendwende.

    Beste Grüße

    Addy

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 147

    AW: Ärger im Studium

    Hallo Bücherwurm

    Meine Erfahrung ist, dass es "genau in diesem Berufsfeld" sehr nachteilig für sich selber sein kann, wenn man zu viele Informationen über die eigene Gesundheit kundtut. Vor allem wenn es um die eigene psychische Gesundheit geht.

    Ich musste leider meinem Chef vor Jahren erklären, wieso ich bereits die zweite intern angebotene Stelle ablehnte, obschon ich genau eine solche Stelle anstrebte. Ja, ich hatte dummerweise ein Burn-out, mein Selbstwertgefühl war auf dem Nullpunkt und ich noch nicht wieder topfit. Seitdem steht in jedem Mitarbeitergespräch, dass es für mich schwierig sei die Work-life-Balance zu halten. Jedes mal wenn ich krank bin, kommen seltsame Fragen. Danke Chef!

    Ich hatte am Anfang sehr oft den Drang einfach mal die Fakten auf den Tisch zu knallen und meinen Arbeitskollegen mitzuteilen wie sich eine Reizüberflutung so anfühlt. Oder die anderen sehr lustigen Symptome einer ADHS.

    Viele sehen sich leider selber als DIE Experten über die Diagnosen im ICD-10. In meinem Arbeitsalltag erlebe ich es sehr oft, dass munter die schönsten Vorurteile mit Tatsachen und eigenen Meinungen vermischt werden. (Ich darf hier nicht ins Detail gehen wegen dem Datenschutz).

    Im Studium muss ich mich bei einigen Dozenten innerlich so zusammenreissen, dass ich am Abend fix und fertig bin. Vor allem wenn diese mit den immer wieder kehrenden Boulevard Schlagzeilen über Ritalin und Co. um sich hauen. Und dies ausgerechnet aus dem Munde von Psychologen oder Fachleuten die mit Menschen arbeiten, die eine kognitive Beeinträchtigung oder Lernschwäche haben.

    Aber gell, dies ist meine eigene Erfahrung.

    Wenn es für dich Stimmig ist und es sich richtig anfühlt, über deine AD(H)S zu sprechen, dann ist es auch gut. Es kann auch eine Art Erlösung sein für dich wenn du offen darüber sprichst. Vielleicht kannst du genau so bei den Zweiflern die elendigen Vorurteile abbauen. Oder jemand erkennt dadurch, dass seine immer wieder kehrenden Schwierigkeiten durch eine AD(H)S verursacht oder verstärkt werden?
    So, ich wollte doch nur schnell ein paar Zeilen schreiben....gelang mir offensichtlich nicht so toll........!!

    Liebe Grüsse und hör auf dein Bauchgefühl.....Snoopy

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 269

    AW: Ärger im Studium

    Addy Haller schreibt:
    Hallo Bücherwurm,

    ich kann vestehen, dass es dich in den Fingern juckt, dich zu beschweren. Die Frage ist allerdings, bei wem und mit welchem Ziel?

    Dass du die diesbezüglichen Kenntnisse für deine berufliche Zukunft aus anderen Quellen beziehen musst, liegt für mich auf der Hand, denn auf die Schnelle wird sich an einer angemessenen Darstellung des Phänomens ADHS an deiner Uni wohl nix ändern.

    Eine Nachfrage bei der studentischen Vertretung, wie sie diesbezüglich die Situation einschätzt, könnte aber zumindest einen Prozess in Gang bringen, von dem vielleicht deine Nachfolger als Studenten profitieren können.

    Das Problem ist imho einfach, dass das Thema auch bei den selbsternannten Fachleuten immer noch sehr kontrovers bei oftmals fehlenden Sachkenntnissen diskutiert wird. Und da sehe ich aktuell leider keine Trendwende.

    Beste Grüße

    Addy
    Lieber Addy,

    Danke für die Antwort! Da ich selbst in der Studentenvertretung bin, bin ich da wohl etwas aufgeschmissen :-D

    Auch an alle anderen ein grosses Danke. Ich muss wohl noch etwas darüber nachdenken, was ich tun werde :-)

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