Seite 1 von 2 12 Letzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 17

Diskutiere im Thema HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw. im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 7

    Ausrufezeichen HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Hallo an vor allem die hypoaktiven ADS'ler mit gesicherter Diagnose!
    Wie ihr euch schon denken könnt, brauche ich eure Hilfe.
    Ich bin mir sehr unsicher, ob ADS bei mir zutrifft oder nicht und bin völlig ratlos, was ich mit meinem Leben anfangen soll.

    Kindergarten bis 10. Klasse Realschule:


    Schon im Kindergarten war ich ein ziemlich ruhiges Kind und habe immer höchstens eine gute Freundin in meinem Jahrgang gehabt.
    Auf Grundschulzeugnissen steht bei mir jedes Jahr, dass ich sehr zurückhaltend bin, mich so gut wie nie melde und das bei eigentlich guten Noten.
    Das hat mich jahrelang nicht gestört, bis ich dann nach dem Realschulabschluss zum allgemeinen Gymnasium gewechselt bin, dort bekam man in fast jedem Fach mündliche Noten. Wie "gut" die aussahen, könnt ihr euch denken.
    Ich habe nie verstanden, wie andere es geschafft haben, dem Lehrer zuzuhören bzw. die Aufgaben zu bearbeiten und gleichzeitig mündlich eine Antwort zu formulieren.
    Mir wurde immer unterstellt, ich hätte nur keine Lust auf Mitarbeit, da meine schriftlichen Noten ja gut waren. Aber ernsthaft, ich hätte es NIE hinbekommen mitzuarbeiten.
    Im Mündlichen war ich immer sehr langsam.. das ist auch permanent bei Gesprächen so, ich empfinde es als ungemein energieraubend zuzuhörenund mir eine Antwort zu überlegen, vor allem dann, wenn mich das Gesagte nicht interessiert.
    Wenn ich es so wie die anderen versucht hätte, hätte ich mich direkt nach der Schule tot ins Bett fallen lassen können und hätte am Ende der Woche gefehlt, weil ich nicht mehr gekonnt hätte. Ich musste mir sämtliche Energie sparen, dass ich zu Hause überhaupt ein wenig über meine Aufzeichnungen drüberlesen konnte.

    Abiturzeit:

    Ich musste durch den Abschluss der 10. Klasse an der Realschule die 10. Klasse am Gymnasium wiederholen, sodass ich insgesamt 3 Jahre für das Abitur brauchte.
    ich wäre gern früher an das Gymnasium gewechselt, allerdings wollten meine Eltern das nicht, weil ich an der Realschule schon sehr oft gefehlt habe (Allergie, Asthma; Mobbing -> war sehr introvertiert, habe nie viel mit anderen geredet und mich kaum gewehrt, daher wurde ich leicht Opfer, meine Eltern wussten nichts davon) und es hieß, ich würde das Gymnasium nicht schaffen, wenn ich dort auch so viel fehlen würde.

    Noch heute ärgere ich mich, dass ich nicht schon früher gegangen bin, weil es intellektuell ja im Rahmen des Möglichen war.. weil ich erst ab der 10. Klasse in eine feste Klassenstruktur gestoßen bin, habe ich mich von den anderen nicht wirklich akzeptiert gefühlt, hatte dort auch kaum Freunde und obendrauf habe ich in einigen Fächern enorm viel Stoff verpasst, von dem ich an der Realschule nie gehört habe. Dennoch habe ich das Abi irgendwie mit einer 2,2 geschafft.
    Meine einzig guten Fächer waren damals Psychologie, Kunst, Deutsch, Ethik und Geschichte.. in Mathe hatte ich kaum Durchblick, weil ich so viel verpasst hatte, sodass ich nicht mal gewusst hätte, wo ich anfangen sollte. Die Wahl meiner LK's war rückblickend äußerst unbedacht für meinen anschließenden beruflichen Werdegang. Deutsch und Geschichte.


    1. Studienversuch:

    Nach meinem Abitur habe ich rein für mich interessante Fächer gewählt und noch nicht an meine Zukunft gedacht.
    Und zwar Kunstgeschichte und Japanologie. Kunstgeschichte habe ich direkt wieder abgewählt, weil man dort sehr viel mündlich mitarbeiten sollte und viele Vorträge auf mich zu gekommen wären. In Japanologie habe ich zum ersten mal ein paar nette Leute getroffen, wurde sehr oft gelobt, hatte die besten Noten und konnte dennoch schön in der Menge untergehen. Allerdings fiel mir dann auf, dass man damit beruflich auch nicht viel anfangen kann und vermutlich arbeitslos wird.

    Damals bekam ich zum ersten mal in meinem Leben einen depressiven Schub. Jegliche Struktur von außen fiel weg, um alles musste ich mich selbst kümmern und ich habe gemerkt, was für extreme Probleme ich mit Haushaltsaufgaben und Organisatorischem habe, sogar die Wahrnehmung von wichtigen Terminen war ein Kampf. Ich habe sie einfach vergessen, alle Briefe liegen noch heute überall verstreut, ich hatte Ärger mein Geld bei mir zu halten und Rechnungen fristgerecht zu zahlen, Strafen und Sanktionen hatte ich sehr häufig.

    Ich hatte während dieser Phase seeehr viel Freizeit und habe es dennoch nicht hinbekommen, meinen alltäglichen Pflichten nachzukommen. Ich habe mit meiner Schwester in einer WG zusammengewohnt, die ungefähr die gleiche Symptomatik hat.
    Wir haben uns einen Dreck um den Haushalt geschert, es war so furchtbar aber wir haben es einfach nicht hinbekommen.. niemanden eingeladen und in unserer jeweiligen Welt gelebt. (Internetsüchtig sind wir beide irgendwie, ich aber schlimmer)


    2. Studienversuch:
    Nach einem Jahr Studium bin ich umgestiegen auf Physik, wovon ich mir bessere Aussichten erhoffte, obwohl ich Physik nicht mal während meines Abis belegt hatte
    Ich liebe es über hochphilosophische Themen nachzudenken, allerdings reichen mir die verbalen Mittel zur Beschreibung des Kosmos nicht aus.
    Zum ersten mal habe ich erlebt, dass Mathematik auch schön sein könnte, auch wenn Mechanik im ersten Semester seeeeehr langweilig und zermürbend für mich war.. Noch dazu hatte ich extreme Probleme aufzupassen und habe mich selbst bei popeligen Kopfrechenaufgaben wie bei Matrizen oft verrechnet, Taschenrechner sollte man nicht benutzen, Resultat waren oft falsche Ergebnisse, obwohl der abstrakte Weg zur Lösung verstanden wurde. Egal, wie oft ich es versucht habe, jegliche Übung hatte keinen Sinn, es traten immer wieder die gleichen Fehler auf.
    Vieles, was der Dozent während den Vorlesungen gesagt hat, habe ich nicht realisiert. Blindes Abschreiben. Erst als ich zu Hause war, habe ich bemerkt, dass ich alles von den Vorlesungen nacharbeiten müsste.. ich habe es bis in die Nacht aufgeschoben, bis ich mich davorgesetzt habe und bin zwischendurch oft abgedriftet, habe im Internet gechattet oder anderes nachgesehen, wurde müde usw, sodass ich schnell hinterherhing. Dass mein Schlafmangel es wegen dem Aufschieben nicht besser gemacht hat, ist klar.
    Ich habe mich noch vor den Prüfungen exmatrikulieren lassen, weil ich das Interesse verloren hatte und mein Zeitmanagement die reinste Katastrophe ist, sodass ich es nicht geschafft hätte. Es hat mich extrem geärgert. Schon zu der Zeit habe ich überlegt, einen ADS-Test machen zu lassen, andererseits hatte ich aber die Befürchtung, einfach dumm zu sein und habe es daher gelassen.

    Zeit beim Jobcenter:

    Da ich nun Probleme mit dem BAföG-Amt bekam, wollte ich es mit einem dualen Studium Informatik versuchen. Ich sitze schon mein gesamtes Leben lang am PC, hatte zwar wieder mal kein Informatik während des Abiturs, aber habe mir zu Hause ein wenig programmieren beigebracht, das mathematische Repertoire wurde während des ersten Semesters Physik aufgebessert.
    Ich dachte mir, da die Theorie in einem dualen Studium ja ein wenig leichter verdaulich sein müsste, würde es schon funktionieren. Angst vor Mathe hatte ich dennoch etwas.

    ich hatte ewig Zeit während des zweiten Physiksemesters, weil ich die Vorlesungen nicht mehr besucht habe aber habe es dennoch nicht hinbekommen, mich für ein duales Studium zu bewerben. Resultat: Ich musste noch bis zum nächsten Jahr warten und blieb arbeitslos. Ich habe mich geärgert, dass ich es aufgeschoben habe aber ich war mir auch sehr unsicher und voller Selbstzweifel.
    Die Arbeiten, die mir das Jobcenter vorgeschlagen hat, haben mich innerlich gekillt. Lagerarbeit.. ich war denen meistens zu langsam und die Arbeit war dermaßen geistig abstumpfend, dass ich nachts heulen musste. Ich wollte nicht so enden. Ich bin einfach nicht mehr dort aufgetaucht und wurde gefeuert. (nach 2 Wochen)
    Dann habe ich monatelang Sanktionen vom Jobcenter bekommen, weil ich mich für nichts Neues beworben habe. Weniger Geld zum Leben, toll. Irgendwann habe ich mich bei einem Callcenter beworben und es dort auch als pure Hölle empfunden, ich bekam höchstens mal gute Bewertungen für die Freundlichkeit aber an sich war ich wohl zu langsam, weil mein Hirn bei solchen Arbeiten irgendwann einfach umschaltet auf Leerlauf. Wurde dort aber nie gefeuert, obwohl ich nicht mehr hingegangen bin und das Amt blieb zufrieden, ich habe nur mit den 400€ vom Amt jeden Monat gelebt und fast nichts zu essen gehabt.

    3. Studienversuch (duales Studium):

    Trotz meines merkwürdigen Abiturs habe ich dann während der Arbeitslosigkeit tatsächlich ein Unternehmen gefunden und mein duales Studium ging los.
    Es begann mit der Praxisphase.
    Vor meinem ersten Arbeitstag habe ich sage und schreibe 0 Stunden geschlafen.
    Der Start war schon richtig mies und aufgrund meiner vorherigen Erfahrungen habe ich den Glauben an mich selbst noch mehr verloren als zuvor.
    3 Monate geht so eine Praxisphase. Ich habe es nicht mal geschafft, die erste Woche voll anwesend zu sein. Am Freitag musste ich mich krankschreiben lassen, weil ich das Gefühl hatte, ich drehe durch. Ich sollte irgendwelche Aufgaben über Wirtschaft in einem Buch selbst bearbeiten und meine Arbeitszeiten dafür vorher einschätzen und ins Managementsystem der Softwareentwickler eintragen. (Teamserver, Backlogeinträge, bäh)
    Ich saß in einem Großraumbüro, in dem ständig jemand telefonieren musste. Ich habe es nicht hinbekommen, mich auf die Aufgaben zu konzentrieren und dadurch saftige Kritik von meinem Chef eingefangen. Er meinte wortwörtlich, ich hätte ein Knäul im Kopf, das er mühselig entwirren muss.
    Ich habe am nächsten Tag gefragt, ob ich in den Nebenraum darf, um die Aufgaben zu machen. Durfte ich, ich habe es mir schön halbdunkel gemacht und es kam sofort die Sekretärin rein, die meinte, ich muss mit Licht an arbeiten. Nur ist meine Konzentration dann sehr viel schlechter. Am Ende habe ich aus Verzweiflung per Handy durchgängig mit Freunden aus dem Internet über mein momentanes Leiden geschrieben und habe schon in der ersten Woche überlegt abzubrechen, weil mir alles zu viel wurde.
    Jede Woche habe ich ein paar Tage gefehlt nur wegen meiner Psyche, die mit jedem Tag schwerer wurde. Wenn ich im Büro saß, habe ich richtig schmerzhafte Bauchkrämpfe bekommen, musste dauernd zum Klo rennen und habe mich geschämt, wenn jemand meinen sich verknotenden Bauch gehört hat, wenn es mal ruhig war.
    ich bin so oft rein- und rausgerannt aus dem Büro, auch wenn es dort ruhig war, die bloße Anwesenheit der anderen Entwickler war für mich schon quälend, zumal der Chef hinter mir saß und öfter beobachtet hat, was ich mache. Es kamen natürlich auch erste Aufgaben am PC für einen angehenden Softwareentwickler rein. Ich sollte eigentlich die anderen fragen, wenn ich Probleme hatte aber habe mich selten getraut, weil die mich sowieso schon für dumm und komisch halten mussten. Zumal es mir schwer fiel, zuzuhören und gleich alles aufzunehmen; die konnten das scheinbar alle.
    Der Chef wollte dann kleine Präsentationen meiner Arbeit sehen und sah jedes mal ziemlich enttäuscht aus, weil ich zu nichts kam und absolut grottenschlecht im Erklären war. Ich mache so oft Pausen, in denen ich gar nichts sage, weil ich von mir selbst verwirrt bin. Seine mir aufgetragenen Hausaufgaben, weil ich es dort nicht geschafft habe, habe ich vergessen. Ich war psychisch am Ende, habe sogar passive Suizidgedanken entwickelt ("Hoffentlich überfährt mich jemand, ich habe keine Lust mehr"), war nur noch am Zweifeln und ließ mich das erste mal stationär behandeln, insgesamt 3 Wochen. In der Zeit habe ich mich gut mit einem Typen angefreundet, der ADHS hat. Aber der Kontakt hat sich nach der Therapie verflüchtigt, so wie alle Kontakte, sobald ich nicht mehr zu der betreffenden Institution musste.

    Angst mit den anderen während der Therapie zu reden hatte ich gar nicht, ich saß aber dennoch viel herum und habe mir einen geschwiegen oder was mit dem Handy gemacht. Vor allem Gruppengespräche empfand ich als äußerst lästig. Ich war zu der Zeit aber auch merklich depressiv.
    Ich wurde auf Escitalopram eingestellt aber es hat nicht meine grundlegenden Probleme verbessert, ich wusste genau, es wird dadurch nicht viel besser; auch nicht durch die ganzen Therapien. Weniger depressiv bin ich aber zum Glück schon mal.

    Nach der Therapie ging ich direkt in die Theoriephase des dualen Studiums, der Anfang lief gut, am ersten und zweiten Tag habe ich mich manchmal gemeldet und konfus meine eigentlich richtigen Lösungswege erklärt.
    Doch schon nach 2 Wochen des Stress' wurde meine Leistung wieder schlechter, ich konnte mich nicht zu Hause hinsetzen und vernünftig lernen, habe die Übungsaufgaben nicht gemacht (auf die es keine Bewertung gab), alles auf später verschoben.. dann kamen die Prüfungen und mir fiel auf, dass ich die letzten 2 Monate im Grunde fast gar nichts gemacht habe und so viel lernen müsste. Die wirtschaftlichen Fächer habe ich für mich komplett abgehakt und beiseite geschoben.
    Die Programmierprüfung habe ich mit nur am Vorabend lernen mit einer 2,6 absolviert, in lineare Algebra & theoretische Informatik bin ich mit einer 5,0 abgekackt und der Dozent hat sich beschwert, dass ich in der Prüfung mit Bleistift geschrieben habe, dabei verrechne ich mich so oft, dass man bei Kugelschreiber oder Füller nun mal nichts mehr lesen könnte. Für Elektrotechnik hat mir der Nerv gefehlt, ich habe nicht mal ein einwandfreies Tafelwerk gehabt, mit dem ich hätte arbeiten können. Ich hätte es so oder so verkackt, also habe ich es gelassen.


    Kündigung duales Studium:

    Danach folgte wieder die Praxisphase. Ziemlich schnell wurden mir und meinem Chef klar, dass das sowieso nichts wird und ich ungefähr null Motivation ausstrahle für die Arbeiten, die er mir aufträgt. Da ich wegen den vielen Fehlzeiten noch in der Probezeit war, wurde ich gefeuert. Offiziell entlassen bin ich seit dem 31.5., seit Juni wieder arbeitslos. Nur habe ich selbst jetzt kaum Geld, weil ich die Unterlagen für's Jobcenter nicht rechtzeitig eingereicht habe und mein Psychiater mir keine Krankenscheine für das Amt ausstellen will, weil er meint, ich wäre nicht so krank.. diese Krankenscheine sind allerdings die Bedingung dafür, dass ich Geld vom Jobcenter bekomme, also lebe ich von meinem Sparbuch und ggf. Geld, das ich von meinen Eltern kriege, weil sie inzwischen doch wissen, dass ich psychisch im Arsch bin und solche Nebenjobs nicht nochmal überleben würde.

    ADS-Diagnostik:

    Nun habe ich meinem Psychiater von meinem Eigenverdacht auf ADS erzählt und er hat mir einen Termin für den ADS-Test in der gleichen Klinik gemacht.

    Am 18. Juli 2016 hatte ich meinen ersten Termin der ADS-Diagnostik.
    Fing an mit der Anamnese, dazu gesagt hat sie natürlich nichts weiter, weil sie erst alle Ergebnisse braucht.
    Anschließend ein kurzer Intelligenztest.
    Ich hasse Intelligenztests aus den Untiefen meiner Seele heraus und habe mir fast eingekackt, als sie meinte, ich müsse ihn aber machen.
    Zum Glück dauerten der verbale und der figural-logische Test insgesamt nur um die 15-20 Minuten, ungefähr Internettestniveau, kann man nicht in Stein meißeln, meinte sie selbst. Ich will ehrlich gesagt nicht mal wissen, was dort herauskam, obwohl ich weiß, dass er nicht valide ist.

    Anschließend ein kleiner Konzentrationstest, man bekam nacheinander immer eine Seite mit langweiligen Zahlenverbindungsaufgaben und sie hat die Zeit gestoppt.
    Bei dem zweiten Zettel wurde ich ein wenig langsamer als beim ersten, beim dritten schneller als beim zweiten und beim vierten dann richtig langsam.
    Also stellen sich deswegen schon Zweifel ein.. ob das nicht noch als normal zählt?

    Die Zeugnisse hat sie sich abkopiert.. ich bin mir nicht sicher, dort stand manchmal drin, ich wäre aufmerksam, dabei habe ich den Eindruck selbst absolut nicht gehabt.
    Allerdings glauben Lehrer bei Schülern (vor allem Mädchen), die in der Klasse ruhig sind und nicht weiter auffallen sowieso automatisch, sie wären aufmerksam, oder?
    Selbst wenn man in Wirklichkeit vor sich hinstarrt..
    Mein Schriftbild war auch nicht weiter auffällig, zwar öfter einiges weggestrichen aber es gab meines Erachtens eindeutig schlimmere Schüler, deren Schrift man nicht identifizieren konnte.

    Mit nach Hause bekam ich ein paar Bögen, die ich und jeweils ein Angehöriger ausfüllen soll.. nur merke ich, dass meine Eltern nie wirklich einschätzen konnten, wie ich mich in der Schule verhalten habe und sie auch nicht wissen, was in mir vorgeht. Zu Hause war ich ja nochmal ganz anders als in der Schule. Vom Mobbing wissen die bis heute nicht wirklich etwas.

    Nun folgt am 29. Juli 2016 der zweite Termin der ADS-Diagnostik.. Längere Konzentrationstests am PC, anschließend EEG und EKG. Zu meinen Zeugnissen sagt sie mir sicher auch noch etwas.. aber ich habe ehrlich gesagt Angst, was sie sagen wird.

    Die offizielle Diagnose erhalte ich wahrscheinlich beim dritten Termin, habe nicht richtig zugehört..

    Mein Problem ist.. ich habe mir eine Wohnung direkt neben der Uni gesucht, will Informatik rein an der Uni weitermachen (bereits immatrikuliert), weiß nicht mal, ob ich überhaupt BAföG weiterbeziehen kann, weil ich den Antrag nicht rechtzeitig geschrieben bekommen habe.. und natürlich weiß ich auch nicht, ob ich überhaupt ADS habe.
    Meine Hoffnung war ja, dass es nun wirklich an ADS liegen wird und es sich vieles ändern wird, sobald ich Ritalin bekäme.. weil wenn ich nochmal scheitere, weiß ich echt nicht, was ich mit mir noch anfangen sollte.

    Eine normale Ausbildung bekäme ich nicht hin, habe ich in der Praxis des dualen Studiums gemerkt.

    Es tut mir leid, dass das so ein langer Text geworden ist aber ich konnte aus meinem Gedankengestrüpp heraus nicht erschließen, was davon wichtig ist.

    Was ich von euch nun wissen will: Kennt jemand von euch das, was ich beschreibe?
    Oder hat das eher mit etwas anderem als hypoaktivem ADS zu tun?

    Hat euch Ritalin (evtl. Medikinet o.ä.) in Beruf, Studium etc. geholfen, euer Leben nahezu gerettet?

    Ich kann nicht abwarten und musste die Gedanken loswerden.. ich will endlich Klarheit!

  2. #2
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.982

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Hallo liebe Glumandos und erst einmal ganz herzlich hier bei uns im Forum!

    Beim Lesen Deiner Geschichte konnte ich Deine Angst und den Kampf um's "irgendwie schaffen" richtig spüren und er hat mich sehr berührt. Davon abgesehen enthält Deine Beschreibung Vieles,das ich auch selbst kenne-wobei ich dazu sagen muss,dass ich-Mischtyp mit Hypo-es nicht zum Abitur geschafft habe und vor Deiner Hartnäckigkeit ziehe ich aufrichtig den Hut!

    Ritalin hilft mir. Sehr sogar. Es ist aber-imho-sehr wichtig zu bedenken,dass kein Medikament einnWundermittel ist-erstrecht nicht ab einer bestimmten Ausprägung der Symptomatik. Dazu wirst Du hier viel lesen können.

    Ich arbeite noch immer aktiv an wichtigen Änderungen meines Denkens und Tuns. Das erledigt kein Medikament für mich und uns. Es gilt,so einiges zu lernen,was vorher ganz ummòglich war.

    Ich kann nur vor überzogenen Ansprüchen und Erwartungen an die Medikamente warnen!


    Soweit erstmal.



    Grüßle vom Luftkopf

  3. #3
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Hallo Glumandos,

    Ich habe mich auf der Zugheimfahrt durch deinen Text gekämpft!

    Da kommen mir einige Gedanken. (Elternsicht)
    Wie ging es mit deiner Schwester weiter?
    Gibt es in deiner Familie noch andere Personen, die so gestrickt simd wie du?

    Gut das du die Testung angefangen hast!

    Liebe Grüße
    Gretchen

    Ein Kind hat das Gymnasium geschmissen und eine Ausbildung gemacht.

    Ein Kind macht ohne Abitur Masterstudium an der Universität.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 7

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Ich bin dir wirklich seeehr dankbar, dass du dir die Mühe gemacht hast, meinen Text zu lesen!

    Also meine Schwester hat Germanistik studiert, sie hat insgesamt 4,5 Jahre für ihren Bachelor gebraucht, Regelzeit sind ja 3 Jahre.
    Intellektuell hätte sie es früher geschafft aber genauso wie ich leidet sie extrem an Aufschieberitis/Prokrastination.
    Vor allem Hausarbeiten waren für sie eine Qual..

    Nach ihrem Bachelor hat sie ein paar Monate in einem Callcenter gearbeitet, allerdings ging es ihr so ähnlich wie mir dabei.
    Sie hat dann auch eine stationäre Therapie angefangen, als ich meinte, dass es so nicht mehr weitergehen kann.
    Allerdings kam kein Therapeut/Psychiater jemals auf die Idee, uns auf ADS testen zu lassen, obwohl es doch nicht so unsagbar abwegig wäre.
    Eher macht man bei uns das Standardprogramm, von dem wir beide das Gefühl haben, es nützt uns für das Leben gar nichts.

    Zur Zeit lebt sie wieder bei meinen Eltern und überlegt, was sie aus ihrem Leben macht. Geht die Woche über zur Tagesklinik.
    Sie wollte ursprünglich Autorin werden aber hat Probleme mit der Umsetzung oder überhaupt anzufangen.
    Vor allem wenn man eigentlich große Zukunftspläne schmiedet, tut es umso mehr weh, wenn man als Callcenteragent endet.
    Dafür hat sie sich auch nicht durch das Germanistikstudium und Abitur geprügelt..

    Unser Vater ist übrigens im Gegensatz zu uns ziemlich aktiv und bis spät nachts noch am herumwerkeln und herumrennen.
    Er wird ziemlich schnell laut, hört noch schlechter zu als wir und wird manchmal sehr ärgerlich, ist impulsiv und schafft es nicht, länger irgendwo sitzen zu bleiben.
    Also wenn überhaupt, dann kommt es von ihm.. ich weiß ja, dass AD(H)S genetisch bedingt ist

    Nur hyperaktiv sind weder ich, noch meine Schwester

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.727

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Naja, was willst du hören? Es ist doch nicht so unsagbar abwegig, wie du selbst sagst. Die Diagnostik muss eh die Ärztin machen, ist ihr Job.

    Immerhin- die familiäre Häufung ist ein starkes Argument für ADHS, hättest du völlig unauffällige/gut strukturierte Angehörige, spräche es eher dagegen.

    Die Ausprägung- hyperaktiv oder nicht, mehr oder weniger impulsiv- vererbt sich nicht, das kann ganz unterschiedlich sein.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 7

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Hätte ja sein können, dass jemand durch das Forum schreit, dass die Diagnose total unwahrscheinlich wäre und es eher nach etwas anderem klingt.
    Und vllt hätte jemand noch etwas zu paar Passagen gesagt, die ihm selbst sehr bekannt vorkommen.. kA.

    Ich bin mir nie sicher bei der Einschätzung meiner selbst oder anderer, deswegen frage ich hier..

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.727

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Glumandos schreibt:
    Und vllt hätte jemand noch etwas zu paar Passagen gesagt, die ihm selbst sehr bekannt vorkommen.. kA.
    Erst einmal nein. Ich war in fast allen Fächern (außer Fremdsprachen) mündlich gut, in der Schulstunde konnte ich gut aufpassen und das Meiste war auch interessant. Aber schriftlich habe ich mich oft verzettelt, verlor die Übersicht und konnte mir die Zeit schlecht einteilen. Also das Gegenteil von dir, aber wegen derselben Ursache sozusagen.

    Alles, was du von deinem Studium erzählst, kenne ich sehr gut von mir selbst. Aufschieben bis nachts, das mache ich heute noch (ich bin selbstständig).

    Versuch die administrativen Dinge (also zzt. vor Allem den Alg-II-Antrag) an jemand Anders zu deligieren. Es ist einfach zu kostspielig, deswegen auf Geldleistungen zu verzichten. Das könnte deine Schwester sein- für jemand anders kriegt man diese Sachen doch viel besser hin als für sich selbst, vielleicht kannst du dich umgekehrt einmal revanchieren. Oder eine Beratungsstelle, oder du gehst selbst zum Jobcenter und gehst mit denen deinen Antrag durch, da wärest du nicht die einzige.

    Hat euch Ritalin (evtl. Medikinet o.ä.) in Beruf, Studium etc. geholfen, euer Leben nahezu gerettet?
    Ja und nein. Ja, denn es hilft mir Übersicht zu behalten. Ich denke, ohne würde es mir nicht gelingen, von meiner Arbeit schon so lange meine Familie zu ernähren. Und außerdem bin ich viel ausgeglichener und streite viel weniger mit meiner Frau, es ist ohne Übertreibung eine bessere Lebensqualität, auf die ich nicht verzichten möchte.

    Nein, denn im Aufschieben, siehe oben, bin ich immer noch sehr gut. Klar, unter Druck mache ich die wirklich wichtigen Sachen dann natürlich doch, aber über die verlorene Zeit ärgere ich mich dann sehr. Wenn ich dann ins Arbeiten komme, bin ich dann auch effizient.
    Geändert von 4.Kl.konzert (26.07.2016 um 23:24 Uhr)

  8. #8
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Hallo Glumandos,

    danke, dass du mir geantwortet hast.

    Die intelligenten stillen Mädchen haben es nun mal etwas schwerer.
    Ich würde dir weiter gerne schreiben und bin natürlich auch neugierig, wie deine Diagnose ausfällt.

    Hast du nicht Lust, dich vorzustellen, dann kann man auch in Bereichen schreiben, die nicht öffentlich
    einsehbar sind.

    Ich denke für Euch beide Schwestern ist noch nicht aller Tage Abend, und müsst nicht in Call Centern
    versauern. Es lohnt sich natürlich, sein Leben "ADHS-freundlich" zu gestalten. Vielleicht magst du mal auf der
    Homepage von Helga Simchen gucken. Das ist eine Ärztin, die sich mit den "intelligenten, stillen"
    viel befasst hat. Du bist natürlich kein Kind mehr, aber ehrlich gesagt, ich habe so dein Eindruck,
    dass du dein Fundament noch festigen musst, um erfolgreich im Studium und Beruf zu sein.

    Das ist keine Schande, gerade hypoaktive ADHS-Betroffene entwickeln sich etwas langsamer,
    aber der Vorteil ist, man bleibt auch länger offen.

    Alles Gute für die weitere Diagnostik und viel Spaß hier im Forum!

    Liebe Grüße
    Gretchen

    P. S. ADHS-Medikamente sind sehr wirksam bei ADHS, aber genauso wichtig ist es, ADHS zu verstehen.
    Die sogenannte "Psycho-Edukation", das kann aber ein bisschen dauern, bis es sich im Gehirn festgesetzt hat.

    Darf ich dir noch einen link schicken über ein Buch, das wirklich für Jugendliche, aber auch für junge
    Erwachsene geschrieben ist. Du hast es bestimmt in einer Stunde durchgelesen.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 7

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    @4.Kl.konzert

    Respekt, dass du mündlich gut warst und gut aufpassen konntest.
    Als ich noch Struktur von meinen Eltern bekam und ich vor Hausarbeit verschont blieb, konnte ich zu Hause noch halbwegs Hausaufgaben erledigen, insofern ich daran dachte oder habe manchmal in den Pausen an einem ruhigen Ort Stoff in mein Hirn gequetscht bzw. Hausaufgaben gemacht.

    Aber stutzig macht es mich schon, dass wir bei mündlich-schriftlich so verschieden sind, muss aber vermutlich nicht viel heißen.

    Mein letztes Problem ist ja, dass mein Psychiater mir die Krankenscheine nicht ausstellen möchte, weil er der Meinung ist, ich könnte diese Nebenjobs erledigen.
    Die Klinik ist aber auch ziemlich im Verruf, weil die Leute sich kaum Zeit nehmen können.
    Seit meine Schwester in einer anderen Klinik ist, wird sie ernster genommen.
    Ich wollte auch wechseln, allerdings sind die Wartezeiten immer so lang, sodass in der Zwischenzeit wieder so viel passiert, dass ich nicht mehr an den Termin denke oder glaube, er wäre nicht mehr nötig.
    Wie dem auch sei, ich muss mir selbst in den Arsch treten, aber das ist so verdammt schwierig zur Zeit...

    Okay, für das Aufschieben braucht man dann Strategien. Mist.

    -------------------------------------------------------------------------------------

    @Gretchen

    Ja, ich habe von dieser Helga Simchen schon mal kurz gelesen aber noch nicht allzu viel.
    War evtl sie, die meinte, dass es bei Mädchen schlechter erkannt wird, weil es sich etwas anders äußert.
    Ich glaube aber, die Hypothesen von Simchen wurden noch nicht als so ganz gesichert angesehen, hm.
    Bin mir also nie so sicher, was ich davon halten soll oder ob ich mir nicht doch irgendwas schönreden will/einbilde..

    Die Vorstellung mache ich nachher noch, wenn ich Zeit und Muse habe, ansonsten morgen.

    Joa, ich glaube auch, dass ich ein wenig "entwicklungsverzögert" bin.

    Bin mal gespannt, ob ich je Medis zu Gesicht bekommen werde oder nicht.
    Schön wäre es ja, wenn ein Teil schon allein deswegen besser werden würde.

    Klar, Links über das Thema nehme ich gern an, Information kann nicht schaden

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.727

    AW: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw.

    Was Helga Simchen über ADHS bei Mädchen schreibt, hat Hand und Fuß. Etwas einsamer ist sie bei ihrer These, dass Asperger eine ADHS-Variante sei. Ich finde ihre Argumentation allerdings sehr einleuchtend.

    Aber stutzig macht es mich schon, dass wir bei mündlich-schriftlich so verschieden sind, muss aber vermutlich nicht viel heißen.
    Nein, das muss dich nicht stutzig machen, ich konnte mich einfach schnell für etwas begeistern und konnte dann gut mitgehen. Mit meiner vorlauten Art habe ich natürlich Lehrer und Mitschüler genervt. Wenn jemand anders etwas mündlich vortrug oder noch schlimmer etwas vorlas, war meine Aufmerksamkeit ganz schnell weg.

    Kannst du die Krankschreibungen nicht von einem Allgemeinarzt bekommen?

Seite 1 von 2 12 Letzte

Ähnliche Themen

  1. Ich brauche Profis! :-/ Eure Meinung, mal so..
    Von GretaMarlene im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 23.09.2012, 13:13
  2. Ich brauche mal eure Hilfe...........
    Von Ehem. Mitglied 213 im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 19.03.2012, 23:47
  3. Brauche eure meinung/erfahrung!
    Von Arbeitsbiene im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
    Antworten: 35
    Letzter Beitrag: 27.10.2011, 00:00

Stichworte

Thema: HILFE: Brauche eure Meinung wegen ADS-Diagnose, Studium usw. im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum