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Diskutiere im Thema Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ) im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #51
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 83

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Ist das schön, von Euren Erlebnissen zu lesen - ich fühl mich plötzlich so verstanden

    Ich war immer die "Komische". Mit mir war irgendwas anders, das spürte ich und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass sich mal jemand dafür interessiert und mir Aufmerksamkeit geschenkt hätte, aber das konnte ich nicht formulieren. Obwohl ich zeitweise ein paar oberflächliche Freundinnen hatte und sogar eine beste Freundin (in der Parallelklasse), fühlte ich mich in keiner Klasse wohl. Vor der Ansage "Gruppenarbeit" hatte ich Horror, denn ich wurde immer ausgeschlossen. Die festen Grüppchen schlossen sich sofort zusammen und ich blieb immer als Letztes übrig und musste dann vom Lehrer einem Tisch zugeteilt werden. Auch beim Sport blieb ich beim Mannschaften wählen zu hundert Prozent als Letzte auf der Bank. Dabei konnte ich mir das nie erklären, denn ich hatte an sich kein Problem mit den anderen, ärgerte niemanden absichtlich. Ich war froh, als in der 12. Klasse die Leute endlich "so alt waren, dass man mit ihnen arbeiten konnte". Die Schulzeit über versuchte ich verzweifelt, "an mir zu arbeiten", obwohl mir niemand sagen konnte, worum es eigentlich konkret ging. Diese Unklarheit, was mit mir nicht stimmte, und dass es weder eine Erklärung noch Lösung dafür gab, machte mich zeitweise schon richtig fertig. Dass man sich über meine Tollpatschigkeit und Verpeiltheit lustig machte, machte mich lange Zeit sehr traurig, zeitweise fand ich es auch lustig und versuchte die Aufmerksamkeit zu genießen. Ich sagte mir, dass ich sowieso nicht normal sein wollte, was mich einigermaßen beruhigte.

    Dazu war ich die Heulsuse der Klasse. Die sah das dann als Animationsprogramm. Ich habe außer mir nie jemanden in der Klasse heulen sehen (außer ein paar Mädchen bei der Zeugnisausgabe), ich dagegen war extrem nah am Wasser gebaut und brach regelmäßig vor versammelter Mannschaft in Tränen aus. Besonders, wenn ich mich wieder mal mit einem der Lehrer in den Haaren hatte. Das kam dauernd vor und tut es heute noch. Auch bei mir lag das häufig an meinem Gerechtigkeitsfimmel und meinem Hass auf die blinde Schulbuchgläubigkeit. Und daran, dass es mich aggressiv machte, dass Lehrer, statt den Unterricht (nach meinem Verständnis) ordentlich vorzubereiten, uns in Gruppenarbeit "abschoben" oder mit Spielchen "abspeisten" und die ganze Stunde rätseln ließen (während sie sich Kaffee holten), bis sie vielleicht mal die Lösung verrieten. Auch das geht mir heute noch so und leider habe ich nie gelernt, diese Meinung für mich zu behalten, sondern habe von den Lehrern eine Rechtfertigung dafür sowie das Recht auf individuelle Lernstrategien gefordert. Oder demonstrativ gestreikt, was der Klasse wiederum negativ auffiel.
    Ich bin auch der "Schulstoff-nebenbei-aufschnappen-Typ". Wenn ein Lehrer den Stoff gut erzählte und dann möglichst informativ am Stück ohne "Lernmethoden-Terror", schrieb ich mit und das musste reichen, denn Hausaufgaben habe ich auch nie gemacht (zumindest nicht zu Hause) und deswegen regelmäßig Benachrichtigungen an die Eltern ins Heft geschrieben bekommen, die sie unterschreiben mussten. Gemeldet habe ich mich nur, wenn sich niemand anders meldete, weil ich mich bei den meisten anderen Fragen vergackeiert fühlte - oder, weil ich es wirklich nicht wusste, da ich dem Unterricht gar nicht erst folgen konnte. Hefte hatte auch maximal am Schuljahresanfang, sonst bloß einen Block voll mit Zetteln und Malereien. Leider vergaben manche Lehrer Noten auf Heftführung.

    Die schriftlichen wie mündlichen Noten schwankten sehr stark in allen Fächern abhängig von Thema und Lehrer. Nach Jahren mit Durchschnitt 4-5 in Mathe, wo man eigentlich meint, man könnte nicht mehr aufholen, bekam ich erst in der Oberstufe einen Lehrer, der auch irgendwie "merkwürdig" war und plötzlich hatte ich ausgerechnet in Stochastik und Vektorrechnung eine 1. Dann wieder eine 6, dann eine 2... und so in fast jedem Fach. Es rechnete sich am Ende irgendwie immer zu einer 2-3 zusammen. Für mehr fehlte mir die Lust. Ich brachte es einfach nicht fertig, mich zu Hause in irgendeiner Weise mit Schulstoff zu beschäftigen. Wenn ich es versuchte, starrte ich einige Minuten lang auf die Blätter und gab dann auf, weil alles in meinem Kopf begann sich zu drehen, sobald ich versuchte, die Sätze zu verstehen, die dort standen. Ich wehrte mich direkt körperlich dagegen, irgendetwas zu wiederholen. Hausaufgaben habe ich, wenn überhaupt, auch immer in der Schulstunde vorher gemacht (Hi Lydia *lächel*), wenn ich nicht gerade mit so unglaublich wichtigen Dingen wie großformatige Irrgärten malen, Nägel lackieren oder Gedichte lesen beschäftigt war. (Brötchen toasten? Cool, darauf kam ich leider nicht...)
    Am meisten aber liebte ich Latein. Zum Übersetzen musste man abstrakt, also in wortlosen "Bedeutungswolken" denken, und das war toll. Wolken im Kopf hatte ich ja sowieso schon. Ich mochte auch die Kurse mit höchstens 10 Leuten, wo genügend Zeit war, über die Inhalte zu diskutieren. Das waren vor allem auch Kurse mit strengen und anspruchsvollen Lehrern, die viele nicht mochten.

    Insgesamt war also die Schulzeit relativ einsam, geprägt von der Suche nach Erklärungen und Hintergründen für meine exzentrische Art und dem Versuch, mich dem modernen Schulsystem mal mehr, mal weniger ruhig zu widersetzen.

  2. #52
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.125

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Bummel77 schreibt:
    Obwohl ich ja grundsätzlich auch oft ganz gerne mit "Subtypen" argumentiere (ohne Anspruch darauf, DSM oder ICD irgendwas-soundsoviel durchgelesen und geistig inhaliert, geschweige denn Psychologie studiert zu haben), kribbelt es immer so ein bißchen in mir, wenn dies sozusagen als "der Weisheit letzter Schluß" in Erscheinung tritt.
    Denn allein meine Vita enthält Merkmale, die so gegensätzlich sind, daß ich mich auf nichts von alledem festlegen könnte.
    Vergleiche ich das ganze mit den Fragen aus der Diagnose oder mit dem, was ich hier im Chaotenforum in über anderthalb Jahren zu lesen bekommen habe, dann werden die Trennlinien mindestens äußerst unscharf, um nicht zu sagen, daß sie ganz verschwimmen und verschwinden.
    Auch mein diagnostizierender Arzt hat bei meinem Protest ("Ich bin doch alles andere, aber nie und nimmer hyperaktiv!") insistiert und auf die innere Unruhe hingewiesen.
    Irgendwann fiel sie auch mir selbst an bestimmten Stellen auf. Und da war ich erstmal platt...

    Richtig ist das Ding mit der Außendarstellung, vor allem bei Springer, Bertelsmann, Murdoch,...
    Aber die sind alle kein Maßstab.
    Meine Maßstäbe sind die Erkenntnisse von Fachärzten, Betroffenen, Experten, Selbsthilfegruppen, und so weiter und so fort.
    Und die sind auch nicht starr, sondern ändern sich auch immernoch im Wandel der Zeit...

    Impulsivität und Agressionen kenne ich auch als früheres hypoaktives Kind noch von mir selbst.
    Vielleicht treten in uns allen alle drei Subtypen auf?
    Vielleicht kommt es ja u.a. auf die Situation an?
    Mir ergeht es seit einiger Zeit ähnlich. Ich, aber besonders meine Familie beschreibt mich als hypoaktives Kind.
    Ich war in mich gekehrt, unaufmerksam und verträumt. Wobei ich meine Träumerei immer selbst steuern konnte. Sie war mehr eine Flucht in eine bessere Welt.
    Meine impulsiven Wutausbrüche waren größten Teils nach innen gekehrt, aber trotzdem galt ich als jähzornig.
    Ruhig sitzen konnte ich nur mit einem spannenden Buch.
    Erst durch die Medikation hat sich meine Selbstwahrnehmung etwas verändert.
    Ich habe immer mehr den Verdacht dass ich über die Jahre meine Hyperaktivität zum Selbstschutz "verstecken" musste.

  3. #53
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Ich finde es immer sehr schwierig wenn man ständig gesagt bekommt was man nicht machen soll, anstatt mal direkt zu erfahren was man machen soll.
    Ebenso finde ich, das stark auf die Schwächen bei den Leuten eingegangen wird, damit man daraus lernt. Aber wer fördert die Stärken von einem? Einfach mal gesagt bekommen das ist der rechte Weg und darauf aufbauen, anstatt gemaßregelt zu werden über das was nicht richtig ist.
    Zudem ist es auch schwierig das die Menschen nicht die Arbeit von der Persönlichkeit trennen, bist du in etwas nicht gut so ist man schnell auch als schlechter Mensch abgestempelt.


  4. #54
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Sunpirate schreibt:
    ................ Sie war mehr eine Flucht in eine bessere Welt.
    .........
    Wie bei mir (war als Kind sehr Fantasievoll in "meine" Welt)! Leider habe ich diese "bessere" Welt nie gefunden, so dass ich als Jugendlicher bis heute einfach "ZU" gemacht habe.

  5. #55
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.125

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Ich habe ebenfalls sehr lang gebraucht. Aber irgendwann habe ich verstanden dass mir nicht alle Menschen Böses wollen und Stück für Stück mein Selbstvertrauen und somit auch das Vertrauen zu meinem engsten Umfeld aufgebaut. Ich lebe immer noch nicht in der Welt meiner Träume, aber ich bin weg vom puren Überleben. Das ist doch auch ein Fortschritt denke ich.

  6. #56
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Ich sage immer ads ohne h, Obwohl, bei meiner Reisezeit, damals, lang ist´s her, vor 30 bis 40 Jahren, vielleicht ist das auch ein Anteil von hyperaktiv.

    Immer wieder alleine Reisen, selten zu zweit oder dritt. Dieses rastlose durch Europa Streunen, diese ewige innere, und so gesehen auch äußere Unruhe.

    Anders ausgedrckt: Überall ist es besser als da wo ich gerade bin.

    Auch eine Form von Hyperaktiv? Vielleicht haben die Psychiater ja recht, und ADS und ADHS ist eigentlich das Gleiche, drückt sich nur anders aus?

  7. #57
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.125

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Myko schreibt:
    Ich sage immer ads ohne h, Obwohl, bei meiner Reisezeit, damals, lang ist´s her, vor 30 bis 40 Jahren, vielleicht ist das auch ein Anteil von hyperaktiv.

    Immer wieder alleine Reisen, selten zu zweit oder dritt. Dieses rastlose durch Europa Streunen, diese ewige innere, und so gesehen auch äußere Unruhe.

    Anders ausgedrckt: Überall ist es besser als da wo ich gerade bin.

    Auch eine Form von Hyperaktiv? Vielleicht haben die Psychiater ja recht, und ADS und ADHS ist eigentlich das Gleiche, drückt sich nur anders aus?
    Letzteres erscheint auch mir sehr wahrscheinlich.
    Was das Streunen angeht, da bin ich mir nicht sicher dass es mit der AD(H)S zusammenhängt.
    Ich habe auch Jahre lang auf "Tour" nach einer Heimat gesucht, die ich auch nicht in mir selber finden konnte.

  8. #58
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 462

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Vortex schreibt:
    Ist das schön, von Euren Erlebnissen zu lesen - ich fühl mich plötzlich so verstanden

    Auch beim Sport blieb ich beim Mannschaften wählen zu hundert Prozent als Letzte auf der Bank. Dabei konnte ich mir das nie erklären, denn ich hatte an sich kein Problem mit den anderen, ärgerte niemanden absichtlich. Ich war froh, als in der 12. Klasse die Leute endlich "so alt waren, dass man mit ihnen arbeiten konnte". Die Schulzeit über versuchte ich verzweifelt, "an mir zu arbeiten", obwohl mir niemand sagen konnte, worum es eigentlich konkret ging. Diese Unklarheit, was mit mir nicht stimmte, und dass es weder eine Erklärung noch Lösung dafür gab, machte mich zeitweise schon richtig fertig. Dass man sich über meine Tollpatschigkeit und Verpeiltheit lustig machte, machte mich lange Zeit sehr traurig, zeitweise fand ich es auch lustig und versuchte die Aufmerksamkeit zu genießen. Ich sagte mir, dass ich sowieso nicht normal sein wollte, was mich einigermaßen beruhigte.

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    Besonders, wenn ich mich wieder mal mit einem der Lehrer in den Haaren hatte. Das kam dauernd vor und tut es heute noch. Auch bei mir lag das häufig an meinem Gerechtigkeitsfimmel und meinem Hass auf die blinde Schulbuchgläubigkeit.
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    Ich bin auch der "Schulstoff-nebenbei-aufschnappen-Typ". Wenn ein Lehrer den Stoff gut erzählte und dann möglichst informativ am Stück ohne "Lernmethoden-Terror", schrieb ich mit und das musste reichen, denn Hausaufgaben habe ich auch nie gemacht (zumindest nicht zu Hause) und deswegen regelmäßig Benachrichtigungen an die Eltern ins Heft geschrieben bekommen, die sie unterschreiben mussten. Gemeldet habe ich mich nur, wenn sich niemand anders meldete, weil ich mich bei den meisten anderen Fragen vergackeiert fühlte - oder, weil ich es wirklich nicht wusste, da ich dem Unterricht gar nicht erst folgen konnte.

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    Die schriftlichen wie mündlichen Noten schwankten sehr stark in allen Fächern abhängig von Thema und Lehrer. Nach Jahren mit Durchschnitt 4-5 in Mathe, wo man eigentlich meint, man könnte nicht mehr aufholen, bekam ich erst in der Oberstufe einen Lehrer, der auch irgendwie "merkwürdig" war und plötzlich hatte ich ausgerechnet in Stochastik und Vektorrechnung eine 1. Dann wieder eine 6, dann eine 2... und so in fast jedem Fach. Es rechnete sich am Ende irgendwie immer zu einer 2-3 zusammen. Für mehr fehlte mir die Lust. Ich brachte es einfach nicht fertig, mich zu Hause in irgendeiner Weise mit Schulstoff zu beschäftigen. Wenn ich es versuchte, starrte ich einige Minuten lang auf die Blätter und gab dann auf, weil alles in meinem Kopf begann sich zu drehen, sobald ich versuchte, die Sätze zu verstehen, die dort standen. Ich wehrte mich direkt körperlich dagegen, irgendetwas zu wiederholen. Hausaufgaben habe ich, wenn überhaupt, auch immer in der Schulstunde vorher gemacht (Hi Lydia *lächel*), wenn ich nicht gerade mit so unglaublich wichtigen Dingen wie großformatige Irrgärten malen, Nägel lackieren oder Gedichte lesen beschäftigt war. (Brötchen toasten? Cool, darauf kam ich leider nicht...)

    Insgesamt war also die Schulzeit relativ einsam, geprägt von der Suche nach Erklärungen und Hintergründen für meine exzentrische Art und dem Versuch, mich dem modernen Schulsystem mal mehr, mal weniger ruhig zu widersetzen.
    Hi Vortex,

    alles ws ich hier stehen ließ: DITO . Grins. Hab auch Gedichte geschrieben, Mathenoten schwankten zwischen 6 und 1 und und und ... Der Wahnsinn, wie man sich plötzlich nicht mehr so alleine und seltsam fühlt! Wobei ich die Schülbücher dem Unterricht vorzog, meist aber noch weitere Bücher über die Themen las, weil ich mehr wissen wollte, über interessante Themen zumindest. Es lebe die Bücherei!

    LG Lydia

  9. #59
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 62

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Wow, wenn ich mir hier so die ganzen Beitrage durchlese, fühle ich mich irgendwie nicht mehr so einsam und "komisch".

    Naja, ich gehe noch zur Schule, um genauer zu sein in die 11. Klasse, die ich aber abbrechen werde, weil.......naja wegen den ganzen Problemen
    Trotzdem kann ich sagen, dass meine Schulzeit größtenteils sche*** war/ist. Es war wie eine Achterbahn fahrt, mal gab Höhepunkte (davon aber eher wenig) und dann auf einmal wieder Tiefpunkt, als wenn ich vom Himmel tief in ein Tal stürtze.
    Und irgendwie bin ich beides, also hypo und- hyperaktiv, aber eher hyper

    Naja die Grundschulzeit war das kleinste Übel eigentlich... das war so richtig komisch. Einerseits war ich seeeehr verträumt, noch schlimmer als heute und das steht auch wirklich auf jedem Grundschulzeugnis, dass ich träume, konzentrierter arbeiten muss, mehr am Unterrichtsgeschehen teilnehmen soll und mich mehr in die Klassengemeinschaft integrieren muss. Vor allem hatte ich Angst vor Sport und Mathe. Vor Sport deswegen, weil ich nie zugehört habe, wenn die Lehrerin die Spielregeln erklärt hat und ich dann nicht wusste was ich tun soll und einmal ist sie so ausgerastet und hat mich richtig am Arm gepackt und mich auf mein Platz gezehrt, wo ich hin sollte beim Spiel. Bei Mathe war das so, dass man sich ja dort richtig konzentrieren muss, damit man sich auch nicht verrechnet und die Zahlen richtig überträgt und auch die Aufgabenstellung richtig durchliest. Nun ja das konnte ich ja nicht ^^
    Naja, wie gesagt, war das früher richtig komisch, weil ich einerseits verträumt und in mich gekehrt war, aber auch andererseits die Aufmerksamkeit auf mich ziehen wollte und gerne den Clown gespielt habe

    Wie bei den meisten ging es auf der weiterführenden Schule steil bergab. Meine Noten war dermaßen schlecht, ich habe nie zugehört, den Unterricht gestört, musste Strafarbeiten machen und war der Klassenclown. Besonders fande das meine Mutter schlimm, weil sie es peinlich war, dass ich als Mädchen den Klassenclown spielte und es nicht sooo schlimm wäre, wenn ich ein Junge wäre, weil das zu denen besser passt, aber naja.... einerseits habe ich es genossen dadurch genossen Aufmerksamkeit zu bekommen, indem ich die Klasse zum lachen gebracht habe, aber es gab auch Punkte, wo ich übertrieben habe und irgendwann wurde der Spieß umgedreht. Ich wurde von den Mitschülern verarscht, dazu gedrängt, irgendwelche dummen Bemerkungen im Unterricht zu machen, um die anderen zu bespaßen, sonst würde man mich nicht mehr mögen. Ich habe echt viele gestörte Sachen gemacht und deswegen dachten auch viele, dass ich irgendwie krank im Kopf wäre. Auch in der Schule wurde ständig gefragt, ob ich ADHS hätte, aber da habe ich immer "nein" gesagt. Ich fiel ja auch schon nach einer Woche schlecht auf, da wo ich noch die Neue in der Klasse war und da gab es schon das erste Elterngespräch. Viele Lehrer mochten mich nicht, haben mir mit absicht schlechtere Noten gegeben, musste oft vor die Tür und ja....letztendlich habe ich dann auf eine Realschule gewechselt. Dort wurde es auch nicht viel besser. Da war ich plötzlich total in mich gekehrt. Ich habe mich nicht getraut andere Leute anzusprechen, geschweige denn zu kommunizieren, wurde still gemobbt, d.h. ich wurde ausgeschlossen, ignoriert, hinter meinem Rücken wurde gelästert...ich war halt die Außenseiterin, ich habe nie was gesagt und war in meiner eigenen Welt. Das war so mit 14 Jahren. Zu der Zeit habe ich mir auch überlegt mir das Leben zu nehmen. Ich meine, wer braucht mich schon? Ich bin total überflüssig und es würde sowieso nicht auffallen, wenn ich nicht mehr da bin. Innerlich war ich nicht mehr da, dort war ich bereits tot.
    Nun ja, da meine Noten auch dort schlecht waren, musste ich die 8.Klasse wiederholen. Auf einmal wurde es viel besser, was das Klassenklima angeht. Ich habe mich mit jedem verstanden und bin sogar bis heute noch mit einigen befreundet Meine Noten wurden auch etwas besser und in einigen Klausuren war ich auch die beste aus der Klasse.
    Ein Jahr später, sprich in der 9. Klasse ging es dann wiedermal steil bergab. Ich mochte meine Klasse trotzdem total und es war auch bis jetzt die beste Klasse, in der ich jemals war. Ich hatte massive Probleme mit mir selber. Ich war voller Selbsthass, konnte meine Angststörung nicht mehr kontrollieren und vor allem nicht meine Impulsivität! Ich hasste mein Leben. Ich fühlte mich plötzlich einsam und unverstanden und anders, wobei ich mich schon immer anders gefühlt habe. Ich hatte Probleme mit meiner Mutter. Wir sind ziemlich verschieden und sie wünscht sich immer noch, dass ich anders wäre, so wäre wie sie. Nie habe ich was richtig gemacht. Wegen jeder Kleinigkeit bin ich ausgerastet, habe mir die Arme zerschnitten, meine starken Stimmungsschwankungen standen mir im Wege und noch heute tun sie das. Ich habe meinen Vater vermisst und habe mir nix sehentlicher gewünscht, als eine intakte Familie. Mein Vater kam Mitter der 90er als Asylant nach Deutschland, wurde aber abgeschoben und deswegen wohnt er nicht mehr hier...Irgendwie schweife ich ein bisschen vom Thema ab, tut mir leid
    Ok um es nochmal auf dem Punkt zu bringen: Die letzten zwei Jahre auf der Realschule waren geprägt von Selbsthass, Selbstverletzung, Suizidgedanken etc. und mein Realschulabschluss war gefährdet, doch im 2. Halbjahr der 10. Klasse habe ich noch mal die Kurve geschafft und konnte sogar auf ein Gymnasium, da es mein größter Wunsch Abi zu machen und da habe ich mich richtig ins Zeug gelegt, obwohl das auch eher eine Qual war, da ich einfach vieles stur auswendig gelernt habe und des dermaßen langweilig war, sodass ich sogar geheult habe

    Auf dem Gymi angekommen, war es auch nicht sonderlich besser. Panikattacken, immernoch Selbsthass, Stimmungsschwankungen etc. Zwar war ich anfangs eigentlich gut in der Schule, aber auch nur, weil ich es mir selbst begebracht habe und im Unterricht nicht aufpassen konnte. In der Oberstufe klappt das leider nicht mehr. Da MUSS man zuhören, weil die Lehrer ja möchten, dass man genau dieses Wissen in der Klausur wiedergibt, was man auch im Unterricht gelernt habe. Da ich aber wie gesagt, Schwierigkeiten habe aufmerksam dem Unterricht zu folgen und entweder damit beschäftigt bin weg zu driften, in Schulbüchern rumzublättern oder Quatsch zu machen, habe ich es auch so gemacht, wie letztes Jahr in der 10. Einfach Zuhause mit Youtube selber beigebracht. Das hat leider nicht gereicht, weil ich einfach zu wenig ist und es im Unterricht viel komplexer ist und ich aber die Unterlagen aus dem Unterricht nicht anwenden kann, weil sie nicht vollständig sind :/

    Boah ich schreibe zu viel! Nochmal: Auch heute habe ich massive Probleme mit Konzentration, Aufmerksamkeit, Hyper- Hypoaktivität, Stimmungsschwankungen, Impulisivität, sodass meine Noten dermßen schlecht sind. Ich schaffe das Abi nicht und die Fachhochschulreife auch nicht und muss ohne Abschluss von der Schule, weil mir auch selbst im Wege stand und überzeugt davon bin, dass ich dumm bin, wegen dem Verpeilt sein.

    So das wars

  10. #60
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ)

    Vielleicht hast Du ja Glück, vielleicht verschreibt Dir ein Psyhiater Ritalin, und wenn es tatsächlich AD(H)S ist, vielleicht wirkt es , vielleicht fängt das strukturieretere Leben jetzt erst an, vielleicht kommst Du dann endlich einmal "auf den grünen Zweig". Ich wünsche Dir das von Herzen.
    Das sag ich Dir nach 60 Jahren Chaos.
    Und trotzdem: das sind auch keine Wunderdrogen die einen völlig umkrempeln. Aber es geht doch erheblich besser

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Thema: Schulzeiterfahrungen mit ADS (unaufmerksamer Typ) im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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