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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 2

    Keine Klarheit im Leben

    Hallo,
    ich bin neu hier und im Moment im Leben ziemlich festgefahren.. ich arbeite als Lehrerin (Grundschule) und fühle mich häufig überfordert, zum einen damit, vor der Gruppe strukturiert, klar, konsequent und ruhig aufzutreten, wenn die Kinder alle laut sind dann verliere ich häufiger mal die Geduld und werde auch laut... Mit meiner Angst und Unsicherheit im Umgang mit den Schülern

    Zum anderen mit meiner Motivation, ich sehne mich nach Freiheit und Leichtigkeit im Leben und habe gleichzeitig Angst vor einem Ausstieg (vielleicht wäre es ein Fehler, eigentlich wollte ich doch Lehrerin werden, Verbeamtung wäre "weg" und später würde man sich evtl. mal darüber ärgern). Ich kämpfe seit Monaten damit, dass ich den Beruf für mich in Frage stelle, habe mich nun doch wieder zu einem weiteren halben Jahr mit 50% durchgerungen und hinterher wieder die "verlorene Freiheit" beweint. Diese ständige Frage raubt mir auch viel Kraft.

    Dann ganz viel mit der Selbstdisziplin, mich zuhause an den Schreibtisch zu setzen und Dinge vorzubereiten, und zwar insbesondere mit der geforderten Genauigkeit und Detailliertheit, es fällt mir schwer, an die notwendigen Kleinigkeiten zu denken, das "große Ganze" reicht mir eigentlich.. Ich denke oft, es würde mir leichter fallen, wenn ich mit anderen gemeinsam in einem Büro arbeiten würde, dann würde ich mich nicht in Tagträume oder sonstige Fluchten verlieren. Gemeinsam mit anderen bin ich auch motivierter bei der Sache.

    Ich mache eine Gesprächstherapie, die mir gegen meine Zweifel wenig hilft, bzw. ich habe das Gefühl oft noch mehr Zweifel mitzunehmen. Ich zweifle ziemlich auch an meiner Therapeutin. Sie ist allerdings ziemlich sicher, dass ich ADS (ohne H) habe. Ich habe mich zu einer Diagnose angemeldet, aber sie ist erst in 2 Monaten.

    Insgesamt mache ich mich selbst mit allem fertig, und das seit 4 Jahren .

    Wenn ich im Beruf bleibe (und vermutlich auch für andere Berufe), dann würde mir vermutlich ein Coaching bzgl. Arbeitsorganisation helfen, und auch etwas im Bereich Kommunikation. Und dann auch noch berufliche Orientierung, sich vielleicht für berufliche Alternativen öffnen können. Das ist auch schon wieder total paradox, gleichzeitig zu versuchen, im Job besser klarzukommen und innerlich schon gekündigt haben und sich über eine Alternative klarwerden wollen.

    Hat vielleicht jemand einen Tipp, was ich schon vor einer Diagnose für eine bessere Organisation machen kann? Und wie man aus so einem Chaos wieder herauskommt?
    Danke und einen schönen sonnigen Montag allen!

  2. #2
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Keine Klarheit im Leben

    Ich kämpfe seit Monaten damit, dass ich den Beruf für mich in Frage stelle, habe mich nun doch wieder zu einem weiteren halben Jahr mit 50% durchgerungen und hinterher wieder die "verlorene Freiheit" beweint. Diese ständige Frage raubt mir auch viel Kraft.
    Du könntest vielleicht eine Entscheidung treffen, dass du zurzeit keine Entscheidung treffen möchtest. Mit einer Entscheidung zur (vorläufigen) Un-Entschiedenheit könntest du ein wenig Ressourcen sparen, die du sonst durch die, wie du sagst, "ständige Frage" verbrauchst.

    Meistens gibt es in unseren Entweder-Oders auch noch mindestens einen dritten Weg - vielleicht könnte es sich lohnen, in diesen Richtungen zu suchen.

    Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit eines "Sowohl - Als Auch"; in deinem Fall also sowohl der Lehrerinnenberuf, als auch Freiheit und Leichtigkeit. Ich bin da ein bisschen neugierig: Wie kommt es, dass du Freiheit und Leichtigkeit als Unvereinbar mit deinem Beruf empfindest?

    Vor Jahren hatte ich mal eine Person in der Beratung, welche auch im Lehrerberuf gearbeitet hat. Die Person erzählte dann in der Stunde einmal, dass sie davon träumt, am XX-Stand einfach nur im Verkauf zu arbeiten. Arbeiten, Geld verdienen und am Feierabend sei dann auch Feierabend.

    Das ist ja bei dir als Lehrerin eben nicht so - Lehrer (und andere Leute, die auch zuhause noch was nach- oder vorbereiten müssen) wissen nie, wann sie eigentlich genau mal "Feierabend" haben, so dass sie kaum je das Gefühl einer wohlverdienten, echten, entlastetend Freizeit erleben. Es gäbe ja immer noch was zu tun. Dieses räumliche und zeitliche Verschwimmen zwischen Arbeits- und Freizeit ist anstrengend.


    Mit meiner Angst und Unsicherheit im Umgang mit den Schülern
    In der Supervision wird genau das oft erzählt. Meist fast verschämt, hinter vorgehaltener Hand. Und viele LehrerInnen glauben, nur ihnen ginge das so. Vielleicht gibt es in deiner Stadt jemanden, der Supervision für LehrerInnen anbietet (das wäre dann auch steuerlich absetzbar ). Supervision in einer Gruppe von KollegInnen (ideal, wenn alle aus verschiedenen Schulen kommen) kann eine große emotionale und praktische Unterstützung bringen.

    in deiner Gesprächstherapie könntest du auch zusammen mit deiner Therapeutin typische angst- und/oder stressbeseetzte Situationen durchspielen - sie im geschützten Setting deiner Therapie "auf die Bühne bringen" (buchstäblich!) und neues Verhalten/Reaktionsmuster/Entlastungsreaktionen einüben. Dazu müsste man im Therapiegespräch dann eben vom "Reden über" in die Handlung gehen. Ich weiß nicht, ob deine Therapeutin sowas macht oder ob ihr streng am "Gespräch" bleibt.


    Das ist auch schon wieder total paradox, gleichzeitig zu versuchen, im Job besser klarzukommen und innerlich schon gekündigt haben und sich über eine Alternative klarwerden wollen
    Nö, das finde ich nicht. Es ist nicht paradox sondern vielmehr ziemlich kreativ und eine lösungsorientierte Herangehensweise von dir.


    wie man aus so einem Chaos wieder herauskommt?
    Wie bist du denn hineingeraten? Finde deinen Hinweg, dann wird dir der Rückweg klarer. Wirklich.


    Insgesamt mache ich mich selbst mit allem fertig, und das seit 4 Jahren .
    Da hätte ich "einen Tipp".

    Jedesmal, wenn du bemerkst, dass du gerade dabei bist dich "fertig zu machen", setzt du ein Stopp. Wenn du allein bist dann auch mit Stimme: Stopp!! Dazu eine Handbewegung, die dir dazu passend scheint - manche schlagen leicht mit der Handfläche auf eine Tischplatte oder stampfen mit dem Fuß auf.
    Dann anschließend den unterbrochenen Gedanken (meist sind das ja fiese innere Monologe über die eigene Verquertheit und Unzulänglichkeit) durch andere, selbstaufbauende Gedanken ersetzen.
    Dazu ist es notwendig, dass du selbstaufbauende Gedanken parat hast, nicht wahr?
    Also bereitest du das vor und schreibst aufbauende, wohltuende Gedanken, die du dir selbst erzählen kannst, auf eine Liste.
    Du kannst auch gute Freunde bitten, etwas Gutes über dich aufzuschreiben.

    So kannst du zu Beginn deines Stopp-Trainings auf Ersatz-Gedanken zurückgreifen, so lange, bis es dir gelingt, ohne Zettel auszukommen. Ein Zettel ist aber genauso gut wie ohne auszukommen. Spielt keine Rolle bei der Wirkung.

    Wichtig ist, dass du dich für negative Selbstgespräche nicht ausschimpfst ("schon wieder gemacht"; "ich lerne das nie".... und was man sich da gerne dann selber mit der Bratpfanne auf den Kopf haut). Einfach zur Kenntnis nehmen - Stopp-Signal - Gedanken ersetzen.

    Wenn ich im Beruf bleibe (und vermutlich auch für andere Berufe), dann würde mir vermutlich ein Coaching bzgl. Arbeitsorganisation helfen
    Du sagst es ja selbst. Also. Oder du gründest mit KollegInnen denen du vertraust, eine Unterstützungsgruppe und ihr holt euch ab und zu gezielt einen Coach dazu.
    Geändert von Luzie ( 9.05.2016 um 21:24 Uhr)

  3. #3
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.210

    AW: Keine Klarheit im Leben

    @Atlanta - Prima, dass du ins Forum gekommen bist!
    Lass hören wie es mit dir weiter geht - ADHS-Diagnose usw.

    @Luzie, klasse, dass du Atlanta so geantwortet hast!

    Liebe Grüße
    Gretchen

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Keine Klarheit im Leben

    Liebe Luzie,
    ganz herzlichen Dank erstmal für die schnelle Antwort und die pragmatischen Tipps :-) . Ich werde bestimmt einiges davon im Hinterkopf behalten bzw. umsetzen können.

    Liebe Gretchen,
    Danke für die nette Begrüßung.

    Also zu der Frage warum ich Freiheit und Leichtigkeit unvereinbar finde mit dem Lehrerin-sein.. Tja es ist eben ein heftiger, anstrengender Beruf.

    Für mich insbesondere dieses unglaubliche Beziehungsgeflecht in einer Gruppe. Habe selbst die Erfahrung gemacht als Schülerin ausgegrenzt zu werden und das hängt mir immer noch nach.
    Ich empfinde mich auch oft als wenig eloquent und geschickt wenn es darum geht, mit den Schülern Konflikte zu lösen, und das ist für mich sehr anstrengend. . Ich gehe jeden Tag mit einem schlechten Bauchgefühl zur Arbeit, und das raubt mir Leichtigkeit im Leben. Eigentlich habe ich am liebsten gar keine Konflikte ;-) .
    Ich habe aber auch gesehen dass extra für AD(H)Sler Kommunikationstrainings angeboten werden, vielleicht da man damit anscheinend, so wie ich es verstanden habe, häufiger mal ins Fettnäpfchen tritt. Vielleicht wäre das ja was..

    Zudem eben das ständige schlechte Gewissen, nicht genug zu tun, und dass ich es eben nicht gut mache, weil ich mich nicht genug dafür einsetze - hätte schon längst mehr Seminare machen müssen in Kommunikation, Konfliktlösung, müsste mehr über meine Schüler nachdenken oder mich informieren, mehr für die Klasse tun usw...
    Das liegt auch daran, dass ich mich eben seit Jahren durch meine Aufgaben quäle und mit der Selbstorganisation, Prioritätensetzung etc. Probleme habe. Bin total langsam, verliere mich in Details und wage mich nicht an den eigentlichen Knackpunkt heran. Irgendwann will ich einfach nur noch weg vom Schreibtisch, verdränge Aufgaben oder schiebe auf. Schon im Studium. Das macht mir oft ein schlechtes Lebensgefühl.
    Tja und da ist eben die Frage nach den Konzentrationsproblemen.. Am liebsten hätte ich gar keine selbstorganisierte Arbeit am Schreibtisch..

    Und ja, als ich vor einigen Jahren nur einen lockeren Job hatte bin ich aufgeblüht und habe dieses "zur Arbeit gehen, zurück kommen, fertig sein" total genossen. Ich kann für mich sehr schlecht akzeptieren, dass es nun alles so schwer sein soll. Nur fürchte ich dass ich vielleicht auf die Dauer mit einem einfachen Job dann nicht zufrieden sein werde..

    Supervision denke ich ist wirklich auf die Dauer auch wichtig. Und ja, du hast schon recht, man darf nicht vergessen dass sich auch andere Lehrer nicht immer nur leicht tun.

    :-) ud danke für "lösungsorientiert" und "kreativ" !
    Auch das mit dem Stopsignal habe ich heute mal eingesetzt. Es ist interessant was einem dann alles so klar wird über die eigenen Gedanken.

    Tja das mit dem "Hinweg", da muss ich nochmal drüber nachdenken.

    Du bist selbst im beratenden Bereich tätig, oder? In welchem Bereich arbeitest du da?
    LG!

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: Keine Klarheit im Leben

    atlanta70 schreibt:
    ................... Verbeamtung wäre "weg" und später würde man sich evtl. mal darüber ärgern.....................
    Dito
    Hätte ich noch einmal die Möglichkeit von vorne zu beginnen dann würde ich eine Beamtenlaufbahn einschlagen. Ich kenne einige Beamte die mich für einen "Idiot" halten, da ich in meine Situation seit längeren als Frühpensionär ein "Luxusleben" führen würde.....


    ......................Ich hoffe, dass einige meinen Sarkasmus verstehen?

    Unglaublich aber wahr, was da manchmal passiert.

    Gesprächstherapie: Da bin ich der gleichen Meinung wie Du, dass es mir wenig bis gar nichts gebracht hat und eher die Situation negativ beeinflußt hat.
    Geändert von spacetime (10.05.2016 um 20:48 Uhr)

  6. #6
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Keine Klarheit im Leben

    Huhu atlanta,

    beim Lesen deiner Antwort finde ich so viele und so hilfreiche Überlegungen und Ideen zu deiner jetzigen Situation von dir erwähnt, die jede deiner Therapiestunden zu einer Goldgrube an Arbeitsmaterial für dich machen sollten.

    Und ich frage mich erstaunt, worüber ihr in deiner Therapie denn so miteinander sprecht?

    Kommt das was du hier im Post erzählst, in der Therapie gar nicht auf den Tisch?


    Aktuell ist dein Ansatz - egal ob du es Coaching oder Supervision nennen willst - sicher ganz gut für dich,weil du damit erstmal Entlastung und Handwerkszeug für die momentane Situation bekommst. So dass der Kreis aus (subjektiv erlebtem) Ungenügend-sein und (daraus folgendem) Überforderungsgefühl zwischenzeitlich unterbrochen wird.

    Also ein Coach o.ä. der dir dabei hilft, deine Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.

    Die ADHS-Diagnostik ist als weiterer Schritt ebenfalls sinnvoll.

    Jetzt kurzfristig sollte es vielleicht erstmal nur um dich und dein Wohlbefinden gehen, weniger um die ganzen "müsste" und "sollte" und "schlechte Gewissen". Nicht zielführend, wenn man sowieso grade ein bisschen alle und k.o. ist.

    Man könnte also auf die (zugegeben herausfordernde) Idee kommen, dass du dir selbst für die nächsten (mindestens) 6 Monate ausdrücklich gestattest, eine nicht optimal "eloquente" Lehrerin mit "Konzentrationsproblemen" zu sein, die zurzeit eben "nicht genug tut" und das dann auch noch "nicht gut genug". Mit einem Lächeln gesagt - und ganz ernst gemeint.


    Wenn man dann längerfristig den Kopf wieder deutlich über der Wasserlinie hat, kann man auch das nächste Ufer wieder besser ausmachen und anschwimmen.

    Liebe Grüße!

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