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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 11

    Informationsüberflutung bei der Arbeit

    Hallo Leute,

    ich habe hier nun schon des Öfteren gelesen, dass einige an Reizüberflutung leiden. Kann ich so bei mir auch immer wieder feststellen, besonders dann, wenn ich von Menschen umgeben bin.

    Habt ihr es denn auch öfter, dass ihr unter einer Informationsüberflutung leidet? Also z.B. zu viel gelesen, zu viel gedacht und infolge dessen zu viel Chaos im Kopf?
    Das habe ich ganz besonders auf der Arbeit öfters. Ich arbeite als Softwareentwickler und muss viel fremden und undokumentierten, teils auch chaotischen Code lesen. Also Umstände, die auch so mancher Softwareentwickler ohne ADHS als durchaus schmerzhaft empfinden kann

    Am ende des Arbeitstages ist es oft so, dass mein Kopf qualmt und Funken sprüht. Wenn ich dann noch frustriert bin, weil ich mal wieder nix auf die Kette bekommen habe oder aus anderen Gründen nicht entspannen kann, dann brauche ich manchmal 14 - 15 Stunden, um wieder in den Normalzustand zu gelangen. Der Schlaf ist fast effektlos und ich muss dann morgens erstmal noch so 5 Stunden zuhause rumgammeln, bis ich wieder (einigermaßen) einsatzbereit bin. Und das, obwohl ich nur lächerliche 4 Stunden am Tag arbeite.

    In der Schule und in der Uni hatte ich das Problem eher weniger. Lernen scheint mir irgendwie leichter zu fallen, als produktives Arbeiten... Oder ich habe es nur weniger bemerkt. Oder es hat damals alles besser geklappt, weil ich noch geraucht habe. Aber was solls, ich schweife ab.

    Kennt das von euch auch jemand? Wäre sehr dankbar für Tipps, wie man eine Informationsüberflutung dieser Art auf der Arbeit möglichst vermeiden kann.
    Auch Ideen, wie man seinen Kopf möglichst schnell wieder leer kriegt, wenn man einmal in diesen unangenehmen Zustand hereingeschlittert ist, sind natürlich sehr willkommen

    Falls es jemanden interessiert: nehme im Moment noch keine Medikamente (fange erst Ende diesen Monats damit an).
    Detailliertere Spekulationen darüber, wie das Problem bei mir zustande kommt, folgen.

    Viele Grüße,
    easy-dev

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 423

    AW: Informationsüberflutung bei der Arbeit

    Also wie du deinen Kopf wieder "leer" bekommst ist relativ einfach:

    Mach regelmäßig nach der Arbeit und auch mal mittendrin Mediations-Übungen.
    Einfaches bewusstes ein und aus-atmen gilt schon als Mediationsform, du brauchst
    also nicht gleich im Schneidersitz auf dem Boden hocken und "ohhhm!" rufen.


    Auszeit im Job mit Meditation | Deutschland entspann Dich


    Schreib dir am besten immer alle möglichen Gedanken die dich stören auf ein Papier,
    die kannst du dann vor oder nach der Arbeit durchgehen und "ordnen" oder am besten gleich "abhaken".
    Und schau mal wie lange du dich während der Arbeit fokussieren kannst, notier die Zeitspanne und
    versuch diese dann auszubauen und zu verlängern.

    Wenn du weißt wie lange du konzentriert bei der Sache sein kannst dann weißt du auch ungefähr
    wann es wieder Zeit ist mal kurz eine Pause einzulegen um sich wieder zu sammeln.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 11

    AW: Informationsüberflutung bei der Arbeit

    Hmmm okay, danke Mistwalker.
    Mal gucken, was ich damit anfange...

    Also Meditation mache ich schon regelmäßig. 15 Minuten morgens und 15 Minuten Abends.
    Morgens mache ich eine Konzentrationsübung auf Meditationsobjekte, abwechselnd visuell (starre da einen Stein an) und auditiv (mache ein MP3 mit monotonem Rauschen an und versuche mich darauf zu konzentrieren). Und abends versuche ich mich auf das Gefühl von Gelassenheit zu konzentrieren (schlafe dabei fast ein).
    Das mache ich jetzt erst seit kurzen konsequent, muss mal die Wirkung davon beobachten.

    Und auf der Arbeit, das habe ich noch gar nicht erwähnt, mache ich durchaus viele Pausen und versuche runter zu kommen. Habe auch schon einiges versucht, z.B. Progressive Muskelentspannung, Atemübungen und schaffe es auch immer wieder, runter zu kommen. Allerdings ist das kein schöner Zustand, bin dann sehr müde und erschöpft. Und wenn ich dann nach 50 Minuten mit der Arbeit weiter machen will, dann komme ich nicht mehr richtig in Schwung. Die Birne qualmt immer noch. Nur anfangs gehts, die ersten 1,5 - 2 Stunden sind ganz in Ordnung.

    Gut, ich werde es auf jeden Fall mal mit deinem Vorschlag probieren, vielleicht klappt das besser.
    Was ich auch gerne mal versuchen möchte, ist, mich auf das Gefühl zu konzentrieren, ALS OB sich mein Kopf leert.
    Was mir zum Entspannen, glaube ich, auch immer ganz gut hilft, ist, meine Gedanken auf ein gaaannz laaangsaames Tempo runter zu drosseln. Aber so bin ich nicht handlungsfähig.

    Gibt es noch andere Leute, die ähnliche Erfahrungen auf der Arbeit machen? Mein Therapeut kann dazu leider nicht viel mehr sagen als "machen se nicht zu viel, erstmal abwarten, wie sich das ganze mit den Medikamenten entwickelt".

    Die detaillierte Beschreibung kommt wie gesagt noch, muss mich etwas sammeln.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 11

    AW: Informationsüberflutung bei der Arbeit

    Also wenn ich so drüber nachdenke, ist das mit dem Kopf leer kriegen bei mir in erster Linie das Problem, dass ich mich nicht mehr spüre, wenn ich einmal in den Zustand reingerutscht bin. Kann mich dann auch Stunden lang entspannen und hängen lassen, aber erst so nach 15 Stunden fange ich wieder an, etwas zu fühlen. Und ich fühle mich dann auch immer noch schlapp, obwohl ich vom Körper her schon längst wieder genug Kraft habe, um "wach" zu werden.
    Also wirklich leerer werde ich den Kopf durch Entspannung allein wohl nicht bekommen... Im Moment dauert das trotz (Dauer-)Entspannung viel zu lange.

    Es ist einfach permanent viel zu viel Chaos in meinem Kopf, egal ob entspannt oder nicht
    Ich kann mich nur erinnern, dass ich einen leeren Kopf habe, wenn ich mal drei Tage am Stück nur das tue, worauf ich Lust habe.
    Geändert von easy-dev (19.03.2016 um 14:55 Uhr)

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 11

    AW: Informationsüberflutung bei der Arbeit

    Hallo zusammen,


    hier nun, wie angekündigt, meine Überlegungen. Ich hoffe, das wird jetzt nicht zu abstrakt.


    Ich habe mir überlegt, dass die Informationsüberflutung bei mir entsteht, weil ich eine etwas andere Art habe, Informationen zu verarbeiten. Was heißt das?
    Ich habe mir da mal so ein Modell ausgedacht, wie wir Menschen ganz allgemein ein Problem lösen. Als erstes haben wir ein Paar grobe Lösungsansätze, bei denen wir denken: So könnte ich weiter kommen.
    Wir entscheiden uns nun für einen der Lösungsansätze und schauen genauer hin, was getan werden muss. Wir zoomen quasi ran.
    Nun haben wir ein neues Problem entdeckt. Ein Problem auf einer anderen Ebene. Eins, das konkreter oder man möchte sagen Praxisnäher ist, als das vorige.
    Zur Lösung dieses neuen Problem fallen uns dann wieder ein Paar Lösungsansätze ein - wie oben. Wir entscheiden uns wieder für einen Lösungsansatz und schauen genauer hin, zoomen ran.
    Auf diese Weise hangeln wir uns immer weiter runter, bis wir an eine Stelle kommen, wo wir sagen: Nein, so geht es nicht, so kommen wir nicht weiter.
    Wenn das passiert, gehen wir wieder einen Schritt zurück, zoomen also quasi wieder raus. Wir landen wieder beim vorherigen, abstrakteren Problem.
    Bei dem Problem haben wir ja immer noch ein Paar andere Lösungsansätze, die wir verfolgen können (einen haben wir ja schon verworfen).
    Wenn die auch alle nix Taugen, dann gehen wir noch eine Stufe weiter zurück. Wir gelangen vielleicht irgendwann wieder ganz zurück zum Ausgangsproblem, für das wir ja noch ein Paar andere Lösungsansätze haben.
    Irgendwann (hoffentlich ) landen wir an einer Stelle, an der sich das angeschaute Problem unmittelbar lösen lässt. Wir sind fertig.


    Auf diese Weise entsteht modellhaft ein Baumdiagramm wie dieses: https://wiewerdeichreich.files.wordp...umdiagramm.jpg
    Jeder Knoten ist ein Problem. Der gelbe Knoten ganz oben (die Wurzel) ist das Ausgangsproblem und die dunkelgrünen Knoten ganz unten (die Blätter) sind unmittelbar lösbare oder eben unlösbare Probleme.


    Sooo. Kommen wir nun zu den verschiedenen Arten der Informationsverarbeitung. Ein gesunder Mensch probiert idealerweise nur einen Ansatz auf einmal durch. Eins nach dem anderen.
    Er hangelt sich von der Wurzel bis zum Blatt entlang und Probiert erst dann einen neuen Lösungsansatz, wenn er den anderen als unbrauchbar eingestuft hat.
    Dieser Vorgang läuft im Kopf sehr schnell und wahrscheinlich auch automatisch und unbewusst ab.


    Auf der Arbeit kann ich bei mir allerdings regelmäßig beobachten (ist mir erst vor kurzem so deutlich klar geworden, vielleicht geht es ja einigen von euch auch so???),
    dass ich nicht nur einen Ansatz auf einmal bis zum Ende verfolgen kann. Ich zoome nicht in die Tiefe. Nein, was ich mache ist, in die Breite zu gehen.
    Also wenn man sich das Baumdiagramm anguckt: Ich habe ein Problem und sehe drei Lösungsansätze. Die schaue ich mir alle drei gleichzeitig genauer an (in Gedanken).
    Zu diesen drei neuen Problemen sehe ich wieder jeweils drei neue Lösungsansätze. Die gucke ich mir dann auch wieder voll automatisch alle auf einmal an.
    Nun versuche ich mir also insgesamt dreizehn Lösungsansätze (die auf den höheren Ebenen muss ich ja auch die ganze Zeit im Hinterkopf behalten) auf einmal anzuschauen,
    ganz einfach aus dem Grund, weil mein Hirn das eben so macht. Liegt vielleicht auch wieder am Versagen der Bremssysteme im Hirn.

    An der Stelle komme ich dann aber in die Bredouille, weil ich gerade so mit ach und krach vielleicht noch neun Lösungsansätze in meinen Kopf gequetscht bekomme.
    Ich fange an der Stelle an, mich in den Problemen zu verheddern, weil ich ja auch nicht mehr die Möglichkeit habe, welche auszuschließen. Komme ja nicht mehr weiter bis zu den Blättern.
    Dann fängt mein Kopf natürlich an zu qualmen und Funken zu sprühen, weil das Arbeitsgedächtnis mit den vielen Lösungsansätzen einfach überfüllt ist.


    Wenn ich in dem Zustand bin, ist das immer immens stressig für mich. Dann wird auch meistens die ganze Zeit geflucht und gestöhnt. Brauche dann ewig um weiter zu kommen.
    Ich wurschtel mich dann irgendwie so durch, vergesse zwischendurch immer wieder mal wichtige Infos, die ich dann neu nachgucken muss.
    Aber irgendwann: zack! Habe eine gute Lösung gefunden (auch wenn ich nicht weiß wie) und alles ist viel klarer. Die kann ich dann fertig machen, bin dann aber leider erstmal im Eimer.


    Das verzwickte an der Sache ist, dass ich die ganze Zeit nicht in der Lage bin, Entscheidungen zu treffen, bis ich endlich eine gute Lösung gefunden habe (vielleicht ist das ja auch ein Hauptgrund für meine Neigung zum Perfektionismus).




    Hoffe, das war jetzt nicht alles zu abstrakt. Hat es jemand verstanden, was ich damit meine? ^^
    Kann sich da auch jemand von euch wiedererkennen? Für Tipps, wie man mit dieser Art der Informationsverarbeitung umgehen kann, bin ich natürlich auch sehr dankbar
    Habe auch schon eine kleine, aber noch zu vage Idee, wie ich das behandel.
    Aber andererseits, wenn ich so recht überlege, hat diese Art, an Probleme heranzugehen, auch etwas sehr charmantes. Möchte eigentlich nur ungerne auf diesen weiten (wenn auch meist hinderlichen) Blick auf die Dinge verzichten


    Ahhh ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich finde das Thema insgesamt einfach extrem spannend. Könnte mich den ganzen Tag mit sowas beschäftigen
    Gruß,
    easy-dev

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