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Diskutiere im Thema Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss??? im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Hallo liebe AD(H)Sler,
    ich bin eigentlich nicht der Typ, der gerne in Foren schreibt, aber ich brauche dringend Feedback, weil sich mein Gedanken-Karussell dreht und dreht.

    Ich habe vor Jahren mein Biologiestudium kurz vor Ende abgebrochen, ihr könnt euch denken weswegen, ich war unoragnisiert, ängstlich, verzagt, depressiv, sogar eine Email zu schreiben hat mich ne Woche gekostet, einfach alles war ein riesiger Kraftakt. Eine ,,lahmarschige" Chaotin wie aus dem Lehrbuch. Einige Zeit habe ich damit verbraten, mich im künstlerischen Bereich zu bewerben, dann habe ich mich für soziale Arbeit beworben, habe aber dann nicht angefangen. Noch traumatisiert von meiner Überforderung im ersten Studium, das ich viel zu lange durchgehalten habe, hatte ich trotz meines Interesses einen Heidenangst wieder zu versagen. Zu der Zeit wäre da niemand gewesen, der mich motiviert hätte und ich selbst mich selbst erst recht nicht.
    Eines war klar: Ich musste was machen. Das war mein grosser Fehler, anstatt mir noch ein paar Monate Zeit zu nehmen, und Praktika zu machen, habe ich eine Laborausildung angefangen, bei der ich schon in der ersten Woche schrecklich unglücklich war. Ich habe geweint und ,,gezetert" wie mein Therapeut mir sagte, ich hatte Selbstmordgedanken, aber ich habe mich überreden lassen, die Ausbildung durchzuziehen. Während der drei Jahre konnte ich mich einigermassen verstellen, aber einige merkten doch, dass ich unglücklich mit der monotonen Routine war. Ja, klar, ich weiss, es gibt keine tollen Jobs, in dem jeder Tag einfach spektakulär ist, aber es gibt doch Routine, die einen weniger anödet als andere.
    Schon während der praktischen Ausbildung habe ich immer wieder depressive Episoden gehabt, nur dank Ritalin und Antidepressiva habe ich den Tag durchgestanden, oft war ich kurz vor heulen, in Situationen, in denen man nicht verletztlich sein darf.
    Ich weiss, dass es an mir liegt, an meiner Anspruchhaltung, an meiner ADS mit all den Begleiterscheinugen und daran, dass die Realität oft ganz anders ist, als man es sich erhofft.
    Aber Tatsache ist, alles an diesem Beruf langweilt mich.
    Nun bin ich in eine grössere Stadt gezogen und hatte auch schon mein erstes Vorstellungsgespräch und Probearbeit. Wieder war ich in dieser unangenehmen Situation, dass mir die Tränen in den Augen standen und ich schon um zwölf schon so ausgelaugt war, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte, geschweige denn bis fünf Uhr. Am Arbeitsplatz lag es nicht, die Kollegen waren sehr nett, die Arbeit war sogar für diesen Beruf recht abwechslungsreich, und dennoch überkam mich innere Panik, eine richtige Aversion.
    Hinzu kommt meine motorische Ungeschicklichkeit, die mir sehr unangenehm ist und im Labor nicht gerade förderlich.

    Mir wird schlecht vor Angst und innerem Widerstand bis zu neun Stunden am Tag in diesem Beruf zu arbeiten, aber ich weiss auch, dass ich nicht mehr viele Chancen im Leben habe noch einen ,,richtigen" Job zu bekommen.
    Man sagte mir schon, dass ich die Arbeit zu wichtig nehme, dass ich ja noch Freizeit hätte. Diese Aussagen machen mich noch verzweifelter und ich gerate in einen gedanklichen Strudel, der mich immer mehr hinabzieht.
    Wenn ich nur ein wenig unglücklich wäre, vermutlich wäre das auf Dauer kein Problem, aber dass ich nur müde bin, negativ und an manchen Tagen über Selbstmord nachdenke, macht mir schwer zu schaffen.

    Am meisten macht mir zu schaffen, dass ich nicht darüber reden kann, aus Angst, ich werde als arbeitsfaul bezeichnet. Das bin ich nicht, ich habe schon gearbeitet, ich habe studiert, ich habe soviel Lebenszeit und Engergie mit Dingen verbraten, mit denen man sich nicht gerade sehen lassen kann. Und jetzt bin ich müde, so müde und denke, dass es das nicht schon gewesen sein kann. Dass man bis ins Mark von seinem eigenen Werdegang gekränkt ist und seelisch wund durch die Welt torkelt?

    Ich weiss, die Brötchen müssen auf den Tisch, die Miete bezahlt werden, Unglück lässt sich nicht vermeiden, aber kennt jemand diese Verzweiflung, die einen überkommt, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, um nicht als entscheidungsschwach zu gelten und ,,konkret" zu werden, und dann das böse Erwachen kommt?

    Was meint ihr? Liegt es an meiner ADS bzw. meinen depressiven Episoden und ich muss nur ein wenig durchhalten? Wird es mit der Zeit besser?


    Danke fürs zuhören.

    Liebe Grüße von der müden Tortuga

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 423

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Meine erste Frage wäre, was hat dich dazu bewogen ein Biologie Studium anzufangen,
    welche Motivation steckte dahinter, waren es nur die guten Noten in der Schule oder
    die Meinungen von anderen Menschen die dir dazu geraten haben Biologie zu studieren?

    Haben die Probleme bei dir erst angefangen als du auf dich alleine gestellt warst oder
    gab es schon vorher Schwierigkeiten in der Schule oder im familiären Umfeld?

    Ich kann mir gut vorstellen das dir der Rückhalt und die Anerkennung seitens deiner
    Familie und Freunden fehlt, zudem bist du jetzt wohl auch auf dich allein gestellt und
    musst dich um vieles selber kümmern.

    Hast du Mitbewohner dort wo du jetzt wohnst?

    Du schreibst ja selber das du sehr emotional bist, grade Menschen wie du brauchen
    aber jemanden zu reden, sonst frisst du nur deine Probleme in dich rein und wirst nur
    noch mehr unglücklich. Hast du wirklich Angst als "faul" bezeichnet zu werden wenn
    du mit jemanden drüber redest oder hast du Angst davor wie du in so einer Situation
    regierst, also die Fassung zu verlieren und in tränen auszubrechen?

    Ich denke grade wenn die andere Person sieht das dich das Thema emotional mitnimmt,
    das es dir schwer fällt einer Arbeit nachzugehen und die damit verbundenen Probleme,
    dann wird man es auch entsprechend aufnehmen, keiner wird dir deswegen den Kopf abreißen.

    Im schlimmsten fall wird man dich erstmal Krankschreiben damit du wieder zur ruhe kommen kannst
    und dich um die wirklich wichtigen dinge kümmern kannst, denn zur Zeit sehe ich das so das deine
    Arbeit nebensächlich ist. Wirklich wichtig wäre es für dich das du dich in Therapie begibst und die
    ganzen negativen Gedanken loswirst, bzw. daran "gearbeitet" wird.

    Es wäre auch sinnvoll wenn du nicht gleich die vollen 9 stunden Arbeit durchziehst,
    lieber erstmal langsam ran tasten und mit weniger Arbeitszeit "einsteigen", auch sollte
    die aufgaben die dir zugeteilt werden wesentlich abwechslungsreicher sein, mach ab und zu
    kleinere Pausen zum ausruhen und entspannen. Einem Arbeitgeber sollte durchaus daran
    interessiert sein, das seine Angestellten produktiv und vor allem bei der Sache sind.

    Such doch mal das Gespräch mit deinem AG und frag ihn wie man dir helfen könnte,
    wenn das nicht klappt such dir Hilfe bei der Handelskammer oder welche Institution
    ansonsten für dich als Ansprechpartner in frage kommt.

    Und narzisstisch bist du meiner Meinung nach nicht, für mich hört sich das mehr nach Zukunftsängsten an.
    Oder redest du dir ein das dir andere Menschen egal sind, weil du Angst hast dich jemanden anzuvertrauen?


    Zu deiner abschließenden Frage: Nein, von alleine wird es nicht besser, du brauchst schon professionelle Hilfe.

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Hallo Tortuga und Willkommen im Forum

    Wo genau siehst Du denn einen möglichen gekränkten Narzissmus?

    Ist das etwas, dass Dir durch den Kopf geht oder hat das Dein Therapeut in den Raum geworfen?

    Wenn ich das richtig verstehe, hast Du einen Therapeuten, also auch aktuell?
    Wenn ja, was sagt er denn dazu?

    Wenn Du meinst, dass Du Angst vor der Arbeit hast, ist es dann wirklich die Angst vor der Arbeit oder kann es auch eine Angst vor etwas anderem sein, eben dem Versagen, was Du ja durchaus beschreibst.

    Das ist deshalb durchaus wichtig, weil das eine eine projezierte Angst sein kann.
    Man hat also sozusagen Angst vor dem Versagen, aber da man dagegen ankämpft, bzw. imemr wieder angekämpft hat, geht der Körper, bzw. die Seele irgendwann in die nächste Stufe, weil er sich nicht mehr weiter zu helfen weiß und projeziert die Angst auf einen anderen Bereich, der sozusagen vor der eigentlichen Angst liegt.
    Wenn man also gegen die Angst vor dem Versagen bei der Arbeit immer wieder ankämpft, geht die Angst "ein Stück vor" und dann hat man Angst vorm Arbeiten, in der Hoffnung, dass damit ein ausreichend großer Hemmschuh aufgebaut wird, der Dich vor dem eigentlichen Auslöser schützt.

    Ich hatte eine solche projezierte Angst.Bei mir war es das Autofahren.
    Da ich mich immer wieder zur Arbeit gezwungen habe und dagegen angekämpft habe, kam irgendwann der Punkt, an dem ich nicht mehr Autofahren konnte, panische Angst davor, egal ob als Fahrer oder Beifahrer.
    Ein Schutzmechanismus, der mich vor Schlimmeren bewahrt hat, denn so bin ich nicht mehr zur Arbeit gekommen.

    Das war der direkte Weg in den Burnout.

    Aber eben solche projezierten Ängste muss man erkennen und nach der eigentlichen Ursache suchen.

    Gerade ADHS-Betroffene sind oftmals gnadenlos überfordert von dem, was von ihnen erwartet wird und was man auch üblicherweise von einem erwachsenen Menschen erwarten kann.
    Aber bei einem Menschen mit einer Aufmerksamkeitsinkonsistenz und entwicklungsverzögerten Exekutiven Funktionen kann man das nicht so erwarten und schon dreht sich die Spirale abwärts.


    Die Ratschläge, die man Dir gegeben habe, sind mehr Schläge als Rat ....
    Klar sollte man die Arbeit nicht zu wichtig nehmen und dann lieber, wenn man nicht gerade einen Traumjob hat, seinen Fokus auf die Freizeit legen .... aber das kann man bei einem ADHS-Betroffenen vergessen.
    Denn im Gegensatz zu Menschen ohne ADHS, die sich ihre Motivation anderweitig beschaffen können, eben über den Fokus auf die Freizeit, die Bezahlung etc. können ADHS'ler genau das nicht und mit dem Rat macht man sie nur noch mehr fertig, eben weil sie es dann versuchen und selbst daran scheitern.

    Es hilft nichts, ohne einen Job, in dem Du entweder von Außen motiviert werden kannst oder Dich selbst motivieren kannst, weil er Dich so sehr interessiert, dass es einfach klappt, wird diese Spirale wohl kaum aufhören, sich abwärts zu drehen ... jedenfalls ist das meine Erfahrung/ Befürchtung.

    Was sagt denn Dein Thera dazu und wie gut ist er speziell mit ADHS vertraut, sprich, sind ihm diese Besonderheiten bekannt?

    Ich weiß ja nicht, wie alt Du bist, aber ich tippe mal, noch nicht sooo alt .

    Was wäre denn ein Berufszweig oder Tätigkeitsbereich, in dem Du besser zurechtkommen könntest und was wäre so gar keiner?
    Manchmal ist es auch gut damit zu starten, sich aufzuschreiben, was man auf keinen Fall machen will/ kann.


    Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern damit, dass unsere Fähigkeit zur Eigenmotivation syndrombedingt sehr eingeschränkt ist und da müssen wir halt schauen, dass wir etwas finden, das besser zu uns passt, als das bei anderen der Fall sein kann und die trotzdem noch ihrem Job nachgehen können.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  4. #4
    Karisa

    Gast

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Gab es einen Menschen, dessen Narzissmus Du mit Deinem Biologiestudium gekränkt hast?

  5. #5
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Hallo Tortuga,

    danke für deine langen Beitrag.

    Ich habe ihn mit Interesse gelesen, denn ich war immer ein sehr ängstlicher Mensch
    und zum Glück konnte ich mich bis jetzt in der Balance halten, auch Dank der
    Diagnose und Behandlung von ADHS und ein paar anderer glücklicher Umstände.

    Zusätzlich zu dem, was meine Vorposter schon geschrieben haben,
    mir fällt deine "Todessehnsucht" auf.

    Dazu möchte ich dir erzählen, dass diese mich auch sehr lange begleitet hat.
    Einerseits komme ich auch einer sehr belasteten Familie, andererseits ist es auch
    etwas, wohin man sich flüchten kann.

    Die große Wende kam bei, als ich im Herbst 2014 meinen VitaminD3 Spiegel untersuchen
    ließ und es sich herausstellte, dass er ziemlich niedrig war. Schon nach einer Woche
    Behandlung mit hochdosiertem VitaminD3 ging es mir 100%ig besser, nicht nur,
    dass ich mich völlig verändert fühlte, einfach glücklich, meine Energie erhöhte sich
    ungemein und ich konnte auch besser schlafen.

    Manches kannst du in einem Thread lesen in dem Bereich Diagnose & Behandlung -->
    Alternative/Experimentelle Therapien. Gerade als Biologin weißt ja, dass Verhaltensauffälligkeiten
    irgendwo mit unserer (Gehirn-) Chemie zu tun haben.

    Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht und stöbere ruhig ein bisschen hier im Forum herum!

    Liebe Grüße
    Gretchen

    P.S.
    Nimmst du momentan noch ADHS-Medikamente?
    Geändert von Gretchen (14.02.2016 um 00:05 Uhr) Grund: Wort hat gefehlt.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Lieber Mistwalker,
    danke für dein Feedback. Ich bin wirklich sehr dankbar mich austauschen zu können. Ich bin auch bei einer Selbsthilfegruppe angemeldet, aber ,,anonym" fällt mir der erste Schritt doch leichter.

    Zu meiner Motivation: Ich kann es selbst nicht mehr sagen. Ich habe es wohl wie so einige meiner Kommilitonen aus Verlegenheit oder Ratlosigkeit angefangen. Interesse war wohl da, da es ja, wenn man sich wirklich dafür begeistert, eines der besten Studiengänge ist, die man sich vorstellen kann. Die meisten haben aber viel schneller wieder aufgehört, als sie gemerkt haben, dass ihr ,,Feuer" für die geringe Chance einen Job zu finden nicht ausreicht. Ich wusste damals nicht, dass ich eine Angsterkrankung hatte und unter chronischen Depressionen litt. Ich war so damit beschäftigt die Alltagsaufgaben erledigt zu bekommen, dass ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe. Ich habe garnicht an die Zukunft gedacht. Ich dachte, wird schon, das kommt schon. Das Abi hast du auch irgendwie geschafft.
    Ich wäre garnicht auf den Gedanken gekommen, dass ich ,,wirkliche" Probleme habe. Mein Vater hat halt gesagt, ich wäre schon immer ängstlich gewesen. Meine Mutter hat sich nicht mit mir auseinandersetzen können. Sie hatte starke Depressionen bis hin zum Selbstmordversuch und Magersucht. Sie hat eine abgebrochene Ausbildung und hat in ihrem Leben kaum ein Buch gelesen und eine sehr dramatische Jugend. Mein Vater dagegen ist hochbegabt und sehr sensibel, hat sich aber sehr lange hinter einer sachlichen Fassade verbarrikadiert. Ihre Ehe war der Horror. Keine Schläge, aber emotionale Kälte, dass es mir noch heute kalt den Rücken runterläuft.
    Ich glaube, ich habe Naturwissenschaften gewählt, weil ich für die Kunst oder etwas soziales nicht genügend Mut hatte. Mein Selbstbewusstsein war bei 0%. Ich war auch nicht selbstbewusst genug zu sagen, ich mache ne Ausbildung und seh dann weiter. Es musste schon ein Studium sein, so wie bei Papi. Ich hatte schließlich stolz.
    Ausserdem kann man sich in einem naturwissenschaftlichen Studium wie Biologie sehr lange (unbewusst) verstecken,man schafft es schon irgendwie.
    Ich habe sehr lange die Zähne zusammengebissen, weil ich ja gesehen habe, andere kämpfen auch, Zweifel sind normal.
    Tja, und dann fand ich mich natürlich in der Klinik wieder. Da war ich schon exmatrikuliert, weil ich einfach nicht mehr zur Uni gegangen bin.


    Rückhalt in der Familie war schwierig. Ich hatte zwar Freunde, aber die mit denen war ich damals noch nicht so dicke, als dass ich ich mich komplett hätte offenbaren können. Ausserdem wurde ich in der Schule gemobbt, und zu Hause von meiner unglücklichen Mutter zusätzlich. Im Grunde war ich ein nett verpacktes Häuflein Elend, als ich mit dem Studieren anfing. Sozial ziemlich unbeholfen, und extrem unsicher.
    Im ersten Semester habe ich auch meinen ersten Freund kennengelernt. Heute hätte ich ihn nach zwei Wochen in den Hintern getreten, damals habe ich mich von ihm beleidigen und vor anderen demütigen lassen und das ein ganzes Jahr lang. Ich war so froh, endlich mal einen Freund zu haben.
    Im Nachhinein betrachtet, habe ich wohl ziemlich viele Leute auf Distanz gehalten, es war mir nur absolut nicht bewusst. Ich war sehr misstrauisch ,und ihr kennt das bestimmt trotzdem voller Sehnsucht mich mit anderen auszutauschen.
    Dieses ,,feine" soziale Spiel, Leute kennenzulernen und sie nicht zu vergraulen, beherrschte ich ungefähr so gut wie ein Elefant im Porzellanladen.

    Ich habe auch einen guten Freund, aber wenn ich ihm mit ADS komme, dann lacht er nur und sagt, dass wäre alles medienbedingt. Und er ist immer so gut drauf, dass mir die Tränen kommen, und ich wenn er betont erwähnt, dass es ihm ausgezeichnet geht und seine Arbeit einen heidenspass macht, dann habe ich schon den ersten Kloss im Hals. Er hat es auch nicht leicht, aber er hat den richtigen Beruf gewählt und er kann einfach alles durchziehen. Es tut mir schon weh, dass er denken könne, ich würde das alles nur als Vorwand nehmen.
    Am meisten tut es mir weh, dass ich so verdammt neidisch bin, dass ihm schwere Zeiten nicht niederstrecken und er mit sich im Reinen ist und ich all das nicht haben kann.
    Keine gute Einstellung, ich weiss.

    Ich wohne mit meinem Lebensgefährten zusammen, der genug Geld verdient. Allerdings möchte ich nicht auf Dauer von ihm abhängig sein. Ich bin inzwischen lange genug am leben um zu wissen, dass das meine Dysthymie nicht besser macht und mein Selbstwertgefühl nicht hebt.
    Mein Lebensgefährte kann nicht gut mit meiner Krankheit umgehen, aber er versucht es. Ich bin dankbar dafür, weil ich weiss wie schwierig das ist.


    Zum Thema Arbeit und ADS bzw. Depression. Ich habe ich schon negative Erlebnisse gehabt, einmal mitten in der Ausbildung. Ich bin in Tränen ausgebrochen, danach war Eiszeit in der Abteilung und ich musste die Abteilung wechseln und hoffen, dass das ganze nicht von vorne losgeht.
    Das schlimmste ist, man weiss nie, wann es wieder losgeht mit der Instabilität. Eine Weile geht es gut, dann wieder geht es los mit der Abwärtsspirale, obwohl zwei Tage zurvor noch alles gut war.
    Einige Menschen reagieren sehr empatisch, leider nicht alle.

    Meinen zurzeit besten Freund musste ich durchs umziehen zurücklassen. Er ist der empatischste Mensch, den ich kenne, und wir telefonieren. Ich bin also nicht vollkommen allein, auch wenn es manchmal so anfühlt. Aber ich muss immer wieder dran erinnern, dass Gefühl und Wirklichkeit sich oft nicht decken.


    Hat man eine Chance einigermassen normal in einen Beruf reinzukommen, ohne sich zu entblößen? ,,Ich würde gerne halbtags arbeiten aus gesundlichen Gründen?" Was soll ich sagen, wie soll ich das machen? das geht vermutlich nur über die Arge, weil die was zur Eingliederung dazu bezahlen. Normalerweise darf man nicht zugeben, dass man psychisch instabil ist, oder hat jemand schon andere Erfahrungen gemacht?
    Ich habe schon sehr nette, einfühlsame Menschen erlebt, leider auch schon das totale Gegenteil.

    Vielleicht sehe ich wirklich alles zu schwarz. Vielen Dank für deine Tipps. Ich werde sie auf jeden Fall beherzigen. Habe schon einen Termin beim Psychiater, werde ihn fragen, was ich machen kann.

    Liebe Grüße
    Tortuga

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Hallo Fliegerlein,

    schön hierzusein:_)

    Nein, mein -Ex-Therapeut hat solche Begriffe nicht benutzt, ich interessiere mich privat für Psychologie. Ich dachte, dass dieser Begriff ganz gut beschreiben könnte, was ich fühle.
    Mein Thera hat Verhaltenstherapie gemacht, für die ich mich selbst entschieden hatte. Nach drei verkrampften Jahren habe ich die Therapie leichten Herzens aufgegeben.
    Er war es, der mich u. a. überredet hat, die Ausbildung fortzusetzen. Er hat auch die ADS diagnostizieren lassen und mich zur Medikation geführt.
    Die Therapie hat mir nicht sehr geholfen. Die Chemie hat nicht gestimmt, und von Zeit zu Zeit war ich noch entmutigter als vorher.
    Mein Therapeut kannte sich gut mit ADHS aus, und er war gut. Wir waren nur nicht gut zueinander. Und ich war vielleicht einfach zu gekränkt von ,,meinem Versagen" im Studium. Daher der ,,gekränkte Narzismuss".


    Das Problem ist, als Therapeut kann man das alles ganz locker sehen. Sie können ja erstmal das machen, und dann weitersehen, Frau X . Aber es ist nicht ganz so einfach in einen Job einzusteigen und sich dann weiterzuorientieren, wenn schon der Weg dahin sehr aufreibend war. Ich habe es eigentlich die ganze zeit als lebenszeitverschwendung angesehen und trotzdem weitergemacht. Ich habe doch die Befürchtung, dass ich aus dem Job nicht so schnell rauskomme, wenn man sich sein Leben erstmal damit eingerichtet hat. Ich habe Freunde mit Diplom, die sich so durchschlagen oder garnichts haben, deswegen war seine Realität etwas anders als meine.

    Du hast auf jeden Fall recht. Ich habe vor, Praktika im sozialen Bereich zu machen, das bin ich mir schuldig. Ich fange nicht noch mal irgendwas an, nur um was zu machen. Ich könnte Kunst und soziale Arbeit verbinden, dachte ich. Ich will es wenigstens ausprobieren. Es muss auch kein Studium sein, nur etwas soziales.

    Zu meinen Alter. Ich habe die Dreissig überschritten und sollte eigentlich schon einen ,,reifen" Lebensabschnitt erreicht haben.. naja .

    Vielen Dank für deine Neugier.
    ich fühle mich geehrt.
    Liebe Grüsse
    Tortuga

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Hallo Fliegerlein,

    schön hierzusein:_)

    Nein, mein -Ex-Therapeut hat solche Begriffe nicht benutzt, ich interessiere mich privat für Psychologie. Ich dachte, dass dieser Begriff ganz gut beschreiben könnte, was ich fühle.
    Mein Thera hat Verhaltenstherapie gemacht, für die ich mich selbst entschieden hatte. Nach drei verkrampften Jahren habe ich die Therapie leichten Herzens aufgegeben.
    Er war es, der mich u. a. überredet hat, die Ausbildung fortzusetzen. Er hat auch die ADS diagnostizieren lassen und mich zur Medikation geführt.
    Die Therapie hat mir nicht sehr geholfen. Die Chemie hat nicht gestimmt, und von Zeit zu Zeit war ich noch entmutigter als vorher.
    Mein Therapeut kannte sich gut mit ADHS aus, und er war gut. Wir waren nur nicht gut zueinander. Und ich war vielleicht einfach zu gekränkt von ,,meinem Versagen" im Studium. Daher der ,,gekränkte Narzismuss".


    Das Problem ist, als Therapeut kann man das alles ganz locker sehen. Sie können ja erstmal das machen, und dann weitersehen, Frau X . Aber es ist nicht ganz so einfach in einen Job einzusteigen und sich dann weiterzuorientieren, wenn schon der Weg dahin sehr aufreibend war. Ich habe es eigentlich die ganze zeit als lebenszeitverschwendung angesehen und trotzdem weitergemacht. Ich habe doch die Befürchtung, dass ich aus dem Job nicht so schnell rauskomme, wenn man sich sein Leben erstmal damit eingerichtet hat. Ich habe Freunde mit Diplom, die sich so durchschlagen oder garnichts haben, deswegen war seine Realität etwas anders als meine.

    Du hast auf jeden Fall recht. Ich habe vor, Praktika im sozialen Bereich zu machen, das bin ich mir schuldig. Ich fange nicht noch mal irgendwas an, nur um was zu machen. Ich könnte Kunst und soziale Arbeit verbinden, dachte ich. Ich will es wenigstens ausprobieren. Es muss auch kein Studium sein, nur etwas soziales.

    Zu meinen Alter. Ich habe die Dreissig überschritten und sollte eigentlich schon einen ,,reifen" Lebensabschnitt erreicht haben.. naja .

    Vielen Dank für deine Neugier.
    ich fühle mich geehrt.
    Liebe Grüsse
    Tortuga

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Liebe Karisa,
    schön von dir zu hören.
    Ich habe mich selbst mit meinem Versagen im Studium gekränkt.
    Da ich nur ,,Hobbypsychologin" bin, könnte der Begriff auch völlig fehl am platze sein.
    Also vergiss ihn ganz schnell wieder

    Liebe Grüße
    Tortuga

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Hallo Gretchen,
    das mit dem VitaminD3 Spiegel hat mir tatsächlich einmal eine Apothekerin empfohlen, als ich gerade mein Medikinet Adult abgeholt habe. Ich werde dem nachgehen.
    Natürlich weiss ich, dass das Gehirn plastisch ist und es viele Einflussfaktoren gibt. Ich bin für alles offen, damit es mir bald besser geht.

    Liebe Grüsse
    und Danke für dein Feedback.
    Tortuga

  10. #10
    DaveR

    Gast

    AW: Angst vorm Arbeiten, gekränkter Narzismuss???

    Tortuga schreibt:
    ,,Ich würde gerne halbtags arbeiten aus gesundlichen Gründen?" Was soll ich sagen, wie soll ich das machen?
    Beziehst Du denn gerade Leistungen von irgendeiner Stelle?

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