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Diskutiere im Thema Sklave meines unproduktiven Ichs im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 10

    Sklave meines unproduktiven Ichs

    Guten Morgen!

    Ich bin 24 Jahre alt, BWL Student im 5.Semester, diagnostizierter ADHSler seit Kindestagen und während der Grundschulzeit mit Ritalin behandelt, dannach nicht mehr.

    Obwohl ich für die Schule und das Abitur wenig getan habe, kam ich hierbei ohne Ritalin gut klar und hatte letztendlich einen 2,4er Abischnitt, während 3er Schnitte am meisten vertreten waren.

    Seit Juli nehme ich wieder MPH (Medikenet Aduld Retart), 10mg am Tag, wenn Vorlesungen sind.


    Leider stelle ich fest, dass irgendetwas mich blockiert, regelmäßig zu den Vorlesungen zu gehen und überhaupt etwas regelmäßig zu tun.

    Sport habe ich auch schon seit Monaten schleifen lassen, weil ich einfach zu faul und antreibeslos bin, wobei eine gewisse körperliche Verfassung von mir angestrebt wird.


    Ich komme mir vor, als sei ich nur ein Zombie, was nur dafür lebt, seinen Dopaminhaushalt zu regulieren. Ich rauche eine nach der anderen, esse zu wenig aber dafür viel Süßkram, war bis vor kurzem Cannabis-Abhängig und irgendwie lebe ich nur in meinem Kopf.

    Es gibt so viele Ziele, so viele Vorsätze. Schon vor Beginn des Semesters habe ich mir Gedanken über die Organisation des Studiums gemacht und habe u.A. eine Excel-Tabelle zur Erfassung der Lernerei und einen Lernplan erstellt. Ich setze mir konkrete Ziele, mache mir Arbeits/Lernpakete á 1 Stunde und habe mich eigentlich sehr viel mit Persönlichkeitsentwicklung und zielgerichtetem Leben beschäftigt.
    Unter Einfluss von MPH kann ich tatsächlich auch ein Arbeitspaket konzentiert ausführen und im Grunde macht das Lernen sogar Spaß, wenn ich erst einmal drin bin.
    Dazu kriege ich vom MPH manchmal eine so angenehme Stille im Kopf, die Gedankenflut wird auf einmal fast lautlos und ich verfalle in eine Art mediativen Zustand, in dem ich im Hier und Jetzt bin.

    Aber das MPH hilft mir nicht, wenn es darum geht, den Arsch hochzukriegen und um meinen geplanten, perfekten Lebensstil langfristig umzusetzen. Es ist immer ein Kampf zwischen meiner Stimme der Vernunft und dem Affen in mir, der sich für nicht mehr als für Spaß, Musikmachen und Dopamin interessiert. Leider hat es sich zu einem automatisierten Verhalten entwickelt, dass ich mich meinem inneren Affen hingebe und letztendlich ncihts produktives getan habe, obwohl der von mir angestrebte Lebensstil zum einen mich selbst pushen würde und mich glücklich macht und zum anderen weil der Wille doch da ist, durchzustarten...

    Das einzige, was ich über 9 Jahre durchgezogen habe ist die Gitarre/Musik. Dadurch hat sich auch ein Freundeskreis entwickelt voller Musikern und musikbegeisteter Menschen. Äußerdem bin ich als Musiker mittlerweile schon gewissermaßen stark eingebunden. Zum einen unsere Band, ein Freund, mit dem ich zusammen Rapbeats mache, Freunde, mit denen ich selbst Rappe und Tracks aufnehme, ein befreundeter Gitarrist, mit dem ich zusammen für einen Einweihungsparty gebucht wurden, ein weiterer zukünftiger Auftritt mit unserer Band...in dieser Hinsicht läuft alles und hat sogar eine Art Eigendynamik entwickelt.

    Aber das ist nichts beständiges, ich kann nicht ewig noch Zuhause bei den Eltern leben, ein Studium halbherzig und mit ach und krach verfolgen und wie ein Arbeitsnormade einen Studentenjob bis zum nächsten zu machen.

    Ich fühle mich wie im Stillstand. Die Welt um mich rum verändert sich, nur ich nicht, da ich es nicht geregelt kriege, mich selbst zu kontrollieren (Stichwort Selbstdisziplin)

    Meine Angst ist, dass ich dem aufgrund des ADHS ewig ausgesetzt bin und dass ich dazu verdammt bin, ein fauler, nichtsnütziger Idiot zu sein, der es sich selbst mit seiner passiven Lebensart immer schwerer und schwerer macht.
    Eine Quittung habe ich schon bekommen, eine ausbleibende BAföG Zahlung, da ich 30 Credits hinterherhike. Ich habe beim Studentenwerk einen Antrag auf Aufschub des Leistungsnachweises mit einem ärzlichen Bescheinigung abgegeben. Es gilt noch, zu warten.

    Der Wille ist da, das Werkzeug habe ich auch in der Hand. Ich habe Ziele! Nur ich, bzw. mein Hirn ist es, der mich davon abhält.

    Ich weiß nicht mehr weiter...wie schafft es ein ADHSler, nicht mehr Sklave seiner selbst zu sein? Liegt es überhaupt an ADHS oder bin ich wieder auf der Suche nach einer Ausrede?

    In der Hoffnung, dass es hier welche gibt, denen es wie mir genauso ging und mir sagen können, wie man es durchbrechen kann, wende ich mich an dieses Forum.

    Vielen Dank im Vorraus für eure Antworten!

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    Also erstmal muss ich sagen, dass sich dein Lebenslauf in meinen Augen jetzt nicht so liest, als hättest du so große Probleme wie du es teilweise darstellst. Mit 24 im 5. Semester BWL zu sein, ist jetzt nicht so schlecht! Einige Bekannte von mir, ohne ADHS, sind da teilweise langsamer als du!

    Wie sieht es bei dir mit einer Freundin aus? Aus meinem Bekanntenkreis erlebe ich einen ADHS'ler der seit kurzem eine Freundin hat, die ihn bisher nimmt wie er ist und ihn dadurch sehr unterstützt. Er blüht regelrecht auf, ist viel positiver. Natürlich ist es gerade bei ADHS die Frage wie lange sowas anhält. Aber deine Erfahrungen in diesem Bereich würden mich mal interessieren!

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    heribert89 schreibt:
    Also erstmal muss ich sagen, dass sich dein Lebenslauf in meinen Augen jetzt nicht so liest, als hättest du so große Probleme wie du es teilweise darstellst. Mit 24 im 5. Semester BWL zu sein, ist jetzt nicht so schlecht! Einige Bekannte von mir, ohne ADHS, sind da teilweise langsamer als du!

    Wie sieht es bei dir mit einer Freundin aus? Aus meinem Bekanntenkreis erlebe ich einen ADHS'ler der seit kurzem eine Freundin hat, die ihn bisher nimmt wie er ist und ihn dadurch sehr unterstützt. Er blüht regelrecht auf, ist viel positiver. Natürlich ist es gerade bei ADHS die Frage wie lange sowas anhält. Aber deine Erfahrungen in diesem Bereich würden mich mal interessieren!

    Man muss dazu sagen, dass ich gerade überwiegend Module aus dem 3.Semester nachhole, also an der Regelstudienzeit von 7 Semester müsste ich dann letztendlich bis zu 2 weitere Semester dranhängen.

    In Sachen Beziehung tut sich gar nichts, dieses Jahr hatte ich ein 3monatiges Verhältnis mit einer Frau, für die ich seit langem wieder was empfunden habe aber sie hat mich abserviert, weshalb ich auch in ein tiefes Loch gerutscht bin, was gleichzeitig den Impuls in Gang gesetzt hat, dass ich von nun an richtig etwas aus mir machen will und nie wieder von einer Frau so abhängig zu sein.
    Hab unter dem Strich in Sachen Liebe schlechte Erfahrungen gemacht, wenn eine Frau mich zu sehr "genervt" hat, hatte ich keine Lust mehr und wenn ich mal richtig verliebt war, endete es nicht gut.

    Aber ich denke nicht, dass eine Person eine Lösung sein kann. Wir sind unseres eigenen Glückes Schmiedes und solange man nicht alleine zurechtkommt, klappt es auch in der Liebe nicht. Dazu ist Liebe etwas sehr fragiles, worauf ich lieber garnichts aufbauen möchte.

    Ich möchte mein Glück lieber aus eigener Kraft aufbauen, und zwar auf Ziele, Erfolge und ein gutes Lebensgefühl. Es kommt niemand, der mir hilft oder der mir das bieten kann. Nur ich.

    Daher ist es mir umso wichtiger, dass ich meine eigene Blockade überwinden kann, um dieses höhere Level in meinem Leben zu erreichen.

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 308

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    Das Problem kenne ich auch, fast genau wie du es beschreibst. Im Prinzip ist klar was ich zu tun habe, aber ich kriege den A... nicht hoch.
    Ich "funktioniere" praktisch nur in der ersten Begeisterung oder auf den letzten Drücker.
    Im Studium ging das nur, weil es zu meiner Zeit noch so etwas wie einen "Gruppenzwang" gab, und meine Mitstudenten den gleichen Stundenplan hatten, das lief fast wie in der Schule.
    Meine Diplomarbeit hat funktioniert, weil mein Betreuer mir in seinem Arbeitszimmer einen Arbeitsplatz besorgt hat, so dass ich ständig unter Kontrolle war. Er wollte auch immer mal sehen was ich fertig hatte (da er das was ich programmiert habe für seine Doktorarbeit brauchte, das war mein Glück)

    Meine einzige Chance war und ist immer, mir in irgendeiner Form Mitmenschen zu organisieren, und mich dadurch selber unter Druck zu setzen.
    Ich sage allen, sie sollen drängeln und nachfragen, was ich erledigt habe. Wenn ich mal längere Zeit nicht aus dem Sessel komme, verabrede ich mich mit einer (auch ADHS) Freundin. Schon alleine ihre Anwesenheit hilft. Bzw. wir tauschen uns per Whatsapp oder mail aus, und fragen gegenseitig nach, was wir geschafft haben.

    Es ist wahnsinnig anstrengend, auf Dauer so zu leben und das Bedürfnis sich einzuigeln wächst und wächst, deshalb brauche ich auch immer mal Zeiten, an denen ich aussteigen "darf".
    Am liebsten tagelang alleine zu Hause sein, auf dem Sofa sitzen, essen, spielen, lesen...

    Wenn du mit MPH immerhin schon deutlich einen klaren Kopf hast, gratuliere.
    Vielleicht kannst du auch noch mal mit dem Arzt sprechen, vielleicht gibt es eine Möglichkeit, noch eine geeignete Kombi zu finden.

    Gruß September

  5. #5
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    Hallo KevfTo,

    da ich heute meinen Haushaltstag habe, dringt deine Geschichte immer wieder in mein Hirn.

    Ich habe selbst nicht studiert, gibt aber ein paar Punkte in deinen Beiträgen, die mir nicht unbekannt sind.

    Also das Methylphenidat versetzt dich zwar in die Lage, etwas aufmerksamer zu sein und Reize, die
    gerade nicht gebraucht werden, mal auszublenden. An deiner Motivation wird's aber nichts ändern.


    Wie September schreibt


    Ich "funktioniere" praktisch nur in der ersten Begeisterung oder auf den letzten Drücker

    Dem kann ich rückblickend beipflichten, allerdings stand ich schon mit 16 Jahren auf eigenen Beinen und
    zum Glück war das Leben früher nicht so kompliziert wie heute.



    Ich möchte mein Glück lieber aus eigener Kraft aufbauen, und zwar auf Ziele, Erfolge und ein gutes Lebensgefühl
    Das klingt wirklich toll, aber meistens ist es gut, ein paar kleine Schritte zu machen.

    Was mir einfällt:
    Medikation - in einem früheren Post hast du mal gefragt, ob man Methylphenidat regelmäßig einnehmen sollte.

    Ich sage ja, vor allem in der Anfangszeit. Du schreibst, dass du Mediknet adult nimmst, auch dass du wenig isst und dann "Süßkram".
    Das ist gar nicht gut. Ich habe Medikinet adult selbst genommen, und ob es wirkt, ist leider davon abhängig, ob man was gegessen hat
    und ich musste zwischendrin auch immer was essen, um die 2. Ration der Kügelchen zum Wirken zu bringen.

    Mit Ritalin adult und einem kurzwirksamen Methylphenidat fahre ich viel besser (Bei mir kommt aber die "Altersvergesslichkeit" dazu, weshalb ich
    das Medikament jetzt nicht mehr wie früher bei Bedarf nehme, sondern mehr oder weniger täglich - wenn ich es nicht vergesse...)

    Wie meine Vorposterin auch anregt, wäre vielleicht eine weitere Medikation hilfreich, z. B. mit Elontril. Hier findest du bestimmt Infos dazu.

    Auch dass ein junger Mensch während des Studiums noch zu Hause wohnt, ist mir nicht unbekannt. Ausziehen kann einen aber sehr voranbringen.

    Hast du schon mal überlegt, ob du den Studiengang wechseln?

    Ein duales Studium zu machen?

    Oder ins Ausland gehen?

    Musikmachen ist übrigens klasse! Ich bin Mitglied eines sehr speziellen Chores und habe schon viele tolle Auftritte gehabt.
    Auf der Bühne zu stehen ist sehr gut und der Moment vom "black" bis zum ersten Klatschen ist phänomenal.

    Für das Chorsingen habe ich vor vielen Jahren eine Psychotherapie sausen lassen, war auch kein großer Verlust,
    denn Anno 2000 konnte man die Therapeuten in Deutschland, die sich mit ADHS auskennen, wohl an einer Hand abzählen.

    Durch das Singen habe ich bei mir "Kopf" und "Bauch" zusammen bringen können und nebenbei viele Menschen
    kennen gelernt, die ähnlich wie ich gestrickt sind. (Wobei mein Vorteil der "Kopf" war, wäre ich nicht so früh geboren, ich
    hätte wohl auch BWL studiert....)

    Vielleicht willst du deine bisherige Lebensgeschichte mal einem Therapeuten vorstellen und vielleicht Hilfe bekommen bei der
    Verwirklichung deiner Ziele?

    Liebe Grüße
    Gretchen
    Geändert von Gretchen (20.10.2015 um 16:14 Uhr)

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    Gretchen schreibt:
    Hallo KevfTo,

    da ich heute meinen Haushaltstag habe, dringt deine Geschichte immer wieder in mein Hirn.

    Ich habe selbst nicht studiert, gibt aber ein paar Punkte in deinen Beiträgen, die mir nicht unbekannt sind.

    Also das Methylphenidat versetzt dich zwar in die Lage, etwas aufmerksamer zu sein und Reize, die
    gerade nicht gebraucht werden, mal auszublenden. An deiner Motivation wird's aber nichts ändern.


    Wie September schreibt





    Dem kann ich rückblickend beipflichten, allerdings stand ich schon mit 16 Jahren auf eigenen Beinen und
    zum Glück war das Leben früher nicht so kompliziert wie heute.

    Meiner Meinung nach ist das Ausziehen ein sehr wichtiger, persönlicher Prozess. Vor allem denke ich, dass von da an man auf sich selbst gestellt ist und ein passiver Lebensstil schnell an das Existenzielle gehen kann, weshalb das Ausziehen vielleicht die beste Therapie ist.
    Leider ist es in meiner aktuellen Lage nicht möglich, alleine zu leben.






    Das klingt wirklich toll, aber meistens ist es gut, ein paar kleine Schritte zu machen.

    Ja, kleine Schritte führen auch zum Ziel. Das von mir generell formulierte Ziel möchte ich auch in viele Teilziele splitten, um in kleinen und verträglichen Schritten immer weiter zu wachsen!


    Was mir einfällt:
    Medikation - in einem früheren Post hast du mal gefragt, ob man Methylphenidat regelmäßig einnehmen sollte.

    Ich sage ja, vor allem in der Anfangszeit. Du schreibst, dass du Mediknet adult nimmst, auch dass du wenig isst und dann "Süßkram".
    Das ist gar nicht gut. Ich habe Medikinet adult selbst genommen, und ob es wirkt, ist leider davon abhängig, ob man was gegessen hat
    und ich musste zwischendrin auch immer was essen, um die 2. Ration der Kügelchen zum Wirken zu bringen
    .

    Gibt es hierfür Richtlinien, an denen man sich halten kann? Also quasi ein grober Nährwertgehalt, mit dem man optimalerweise das Medikament nimmt...

    Mit Ritalin adult und einem kurzwirksamen Methylphenidat fahre ich viel besser (Bei mir kommt aber die "Altersvergesslichkeit" dazu, weshalb ich
    das Medikament jetzt nicht mehr wie früher bei Bedarf nehme, sondern mehr oder weniger täglich - wenn ich es nicht vergesse...)

    Wie meine Vorposterin auch anregt, wäre vielleicht eine weitere Medikation hilfreich, z. B. mit Elontril. Hier findest du bestimmt Infos dazu.

    Leider habe ich ein Grauseln davor, weitere Medikamente zu nehmen. Es muss einen Weg geben, auf "natürliche" Art und Weise durchzustarten...


    Auch dass ein junger Mensch während des Studiums noch zu Hause wohnt, ist mir nicht unbekannt. Ausziehen kann einen aber sehr voranbringen.

    Hast du schon mal überlegt, ob du den Studiengang wechseln?

    Ein duales Studium zu machen?

    Oder ins Ausland gehen?

    Ich möchte unter keinen Umständen das Studium abbrechen, es gibt für mich keine andere Option als das aktuelle Studium zufriedenstellend zu meistern! Aber im Rahmen des Studiums ist ein sog. Praxissemester vorgesehen, was man auch im Ausland machen kann!


    Musikmachen ist übrigens klasse! Ich bin Mitglied eines sehr speziellen Chores und habe schon viele tolle Auftritte gehabt.
    Auf der Bühne zu stehen ist sehr gut und der Moment vom "black" bis zum ersten Klatschen ist phänomenal.


    Ohne Musik wäre ich nicht der, der ich jetzt bin. Ich bin immer wieder dafür Dankbar, dass ich die Musik für mich entdeckt habe und mein Wunsch ist es, eines Tages davon leben zu können. Dass ich nichts anderes tun muss als mich mit der Musik zu beschäftigen!


    Für das Chorsingen habe ich vor vielen Jahren eine Psychotherapie sausen lassen, war auch kein großer Verlust,
    denn Anno 2000 konnte man die Therapeuten in Deutschland, die sich mit ADHS auskennen, wohl an einer Hand abzählen.

    Durch das Singen habe ich bei mir "Kopf" und "Bauch" zusammen bringen können und nebenbei viele Menschen
    kennen gelernt, die ähnlich wie ich gestrickt sind. (Wobei mein Vorteil der "Kopf" war, wäre ich nicht so früh geboren, ich
    hätte wohl auch BWL studiert....)

    Das freut mich, dass du wie ich ebenfalls positive Erfahrungen mit Musik gemacht hast. Das bestäkt meine These, dass Musik machen in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen auf jemanden hat...es sei denn, man heißt Kurt Cobain und setzt sich vor dem Auftritt einen Schuss


    Vielleicht willst du deine bisherige Lebensgeschichte mal einem Therapeuten vorstellen und vielleicht Hilfe bekommen bei der
    Verwirklichung deiner Ziele?


    Um Psychotherapie habe ich mich bereits gekümmert, ich bin auf der Warteliste drauf! Die Therapeutinnen haben einen emphatischen und positiven Eindruck gemacht, sicher ist ihr Wissen bezüglich ADHS ebenfalls begrenzt...aber durch MPH und durch das Wissen, was ich mir über ADHS durch Bücher angeeignet habe, kann ich mir gut vorstellen, dass es Erfolg verspricht


    Liebe Grüße
    Gretchen

    Danke bis jetzt für eure ausführlichen Antworten. Sie geben mir das Gute Gefühl, nicht alleine zu sein!

    Dennoch suche ich immer noch einen Weg der geistigen und neurologischen Konditionierung, um die Nachteile durch das ADHS auszumerzen.
    Es muss einen Weg geben, das ADHS Hirn so auszutricksen, dass es zu diesen hier genannten Problemen nicht kommt!
    Z.b., wenn das Studium mit positiven Gefühlen und Begeisterung assoziiert wird, so dass das Lernen so ist, als würde ich mir z.B. was aus Wikipedia durchlesen, was mich gerade brennend interessiert.

    Und eine totale Planung der Tage und Wochen scheint von nöten zu sein, verknüpft mit einem Belohnungssystem.
    Es gibt eine These, dass wir ADHSler Gene der Jäger und Sammler in uns haben. Macht man nun Striche für jede erfolgreich verfolgte Tagesplanung oder für jede erfolgreiche Überwindung, so könnte man sich doch diesen jagttrieb zunutze machen, in dem man Strichen hinterher ist, die einen mit Stolz und positiven Gefühlen erfüllen!

    Gerade habe ich etwas verfasst, was meine Zukunft bestimmen soll: Das Fundament!

    Hier habe ich bis jetzt meine Glaubenssätze und Prinzipien, zu denen ich stehe, verfasst und für jeden Lebensbereich ein Reglement festgelegt. Z.b. wird hier festgehalten, dass je zu einem Sonntag ein Wochenplan erstellt wird, welche Bestandteile er haben muss, in welchen Intervallen Lernstoff wiederholt wird usw..

    Alles schön und gut, der Versuch, die totale Kontrolle über das chaotische Leben zu erhalten.

    Ob ich mich auch daran halten werde ist die andere Frage. Ich will es umbedingt!

    Aber es ist die Frage, wer sich dagegen querstellt: Die Faulheit, wie sie auch normale Menschen haben, oder das ADHS an sich!


    Ich weiß es nicht, ob "Ich kriege das nicht hin weil ich ADHS habe" nur ein falscher Glaubenssatz ist oder ob ich tatsächlich neurologisch daran gehindert werde, mich selbst zu verwirklichen...

  7. #7
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    Danke, dass du auf mein Post geantwortet hat!

    Zum Essen - ein Käsebrot oder Marmeladebrot reicht sicher aus, um im Magen das saure Klima zu erzeugen, das das Methylphenidat
    zum Wirken zu bringen. Mir ist Ritalin adult einfach lieber, wirkt auch ein bisschen länger.


    Hier habe ich bis jetzt meine Glaubenssätze und Prinzipien, zu denen ich stehe, verfasst und für jeden Lebensbereich ein Reglement festgelegt
    Hierzu sage ich mit Goethe

    "Grau teurer Freund ist alle Theorie und grün des Lebens .... (weiter fällt mir grad nicht ein)"

    Ich habe nämlich einen lieben Freund, der ist doppelt so alt wie du, er hat die besten Prinzipien verfasst. Sich selbst dran zu halten,
    da braucht es manchmal noch so ein kleines Tüpfelchen, heißt, ich sitze manchmal neben ihm, wenn er "langweilige Dinge" tun muss und
    spiele "Metronom" für ihn.

    Ansonsten - ich trage immer die 50 Tipps von Hallowell/Ratey aus dem Buch "Zwanghaft zerstreut" mit mir rum.

    (Die Übersetzung von Michael Townson findest du unten in meiner Signatur.)
    Geändert von Gretchen (20.10.2015 um 17:32 Uhr) Grund: Sprechblase war nicht i. O.

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 308

    AW: Sklave meines unproduktiven Ichs

    KevTo schreibt:


    Es muss einen Weg geben, das ADHS Hirn so auszutricksen, dass es zu diesen hier genannten Problemen nicht kommt!
    Z.b., wenn das Studium mit positiven Gefühlen und Begeisterung assoziiert wird, so dass das Lernen so ist, als würde ich mir z.B. was aus Wikipedia durchlesen, was mich gerade brennend interessiert.

    Und eine totale Planung der Tage und Wochen scheint von nöten zu sein, verknüpft mit einem Belohnungssystem.
    Es gibt eine These, dass wir ADHSler Gene der Jäger und Sammler in uns haben. Macht man nun Striche für jede erfolgreich verfolgte Tagesplanung oder für jede erfolgreiche Überwindung, so könnte man sich doch diesen jagttrieb zunutze machen, in dem man Strichen hinterher ist, die einen mit Stolz und positiven Gefühlen erfüllen!

    Gerade habe ich etwas verfasst, was meine Zukunft bestimmen soll: Das Fundament!

    Hier habe ich bis jetzt meine Glaubenssätze und Prinzipien, zu denen ich stehe, verfasst und für jeden Lebensbereich ein Reglement festgelegt. Z.b. wird hier festgehalten, dass je zu einem Sonntag ein Wochenplan erstellt wird, welche Bestandteile er haben muss, in welchen Intervallen Lernstoff wiederholt wird usw..

    Alles schön und gut, der Versuch, die totale Kontrolle über das chaotische Leben zu erhalten.

    ....

    Aber es ist die Frage, wer sich dagegen querstellt: Die Faulheit, wie sie auch normale Menschen haben, oder das ADHS an sich!

    ...

    Ich weiß es nicht, ob "Ich kriege das nicht hin weil ich ADHS habe" nur ein falscher Glaubenssatz ist oder ob ich tatsächlich neurologisch daran gehindert werde, mich selbst zu verwirklichen...
    Das klingt auf jeden Fall sehr motiviert und Motivation ist auf jeden Fall das Zauberwort - das Durchhalten von Plänen ist tatsächlich die andere Frage.
    Und wie die Motivation (wieder) aufbauen, nachdem sie abhanden gekommen ist.

    Meiner Erfahrung nach, ist es von allem etwas:

    Assoziation mit etwas, das ich gern mache... wenn die Motivation fehlt, wird es bei mir sogar beim Lieblingshobby schwierig.
    Ich versuche dann immer mir das Ergebnis vorzustellen, oder zerpflücke die nächste Aufgabe, um mit einer winzigen Teilaufgabe anzufangen, das hilft manchmal schon zur Einstimmung, um im Thema "drin" zu sein.

    Ein Motivationsschub oder Euphorie nach einem Erfolg - klappt manchmal, manchmal passiert aber auch das Gegenteil, man fällt nach einem Erfolg erstmal in ein tiefes Loch, das scheint vielen ADHSlern so zu gehen
    (hat vielleicht was mit dem Dopaminspiegel zu tun? Ich glaube mal sowas gelesen zu haben)

    Ebenso das mit dem selbstgemachten und selbstkontrollierten Belohnungssystem. So ein Hirn ist ja nicht blöd. Es weiß, dass die Schokolade auch schmeckt, wenn die Aufgabe noch nicht fertig ist. Es braucht eine Menge Disziplin, und zwar immer und ständig und wenn ich zu viel mit mir hadere, weil ich so undiszipliniert war, schlägt es aufs Selbstwertgefühl, und hilft auf gar keinen Fall in Sachen Motivation. Ich sage mir nach einem vertrödelten Tag, das habe ich wahrscheinlich jetzt gebraucht, und damit geht es mir besser. Am Ergebnis ändert sich durch das mir-selbst-böse-sein gar nichts

    Pläne, Struktur, auch immer gut und das mache ich auch oft und gern. Was für mich aber auch zählt: Nur nicht zu streng mit mir selbst sein, das produziert Frust und wirkt dann eher kontraproduktiv. Man müßte ständig gegen die eigenen Impulse arbeiten, das kostet unheimlich viel Kraft.
    Lieber mal was spontan machen, was nicht im Plan steht, aber mir gerade in den Sinn kommt. Mir das Spontansein ausdrücklich erlauben.

    "Ich kriege das nicht hin, weil ich ADHS habe", würde ich mir so auch nicht sagen. "Ich kriege es hin, wenn auch über merkwürdige Umwege, trifft es eher.

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