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Diskutiere im Thema Sich nach dem Studium inkompetent fühlen im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Das ist jetzt mal ne ganz persönliche Offenlegung: Wenn ich mich so umschaue, was manche so alles draufhaben, dann fühle ich mich wirklich inkompetent - auch und gerade nach dem Studium. Wie die Leute sich alle mit den "modernen Medien" auskennen, mit "Networking" und "Socializing" und wie sie mit Worten um sich schmeißen, die ich mir nur aus dem Kontext erschließen kann und wie sie von "Bewerbungsstrategien" reden und wie sie alle so frei locker-flockig mit fremden Menschen sprechen und überhaupt...ich komm überhaupt nicht mehr mit. Man kann sich nun auch per Blog bewerben, aber wenn, dann muss man das richtig aufziehen, professionell, strukturiert und sich toll darstellen und von dem Zeug Ahnung haben, auf das man sich spezialisiert hat.

    Spezialisiert? Ich habe 2 geisteswissenschaftliche Studien abgeschlossen, ich kann denken, aber WISSEN tu ich nix. Vielleicht hau ich hin und wieder mal einen Brocken Wissen raus, wenn das Stichwort kommt, aber weiterführendes kann ich dann meist nicht dazu sagen. Ich hab das Gefühl, bei mir ist nix hängengeblieben. Ich hab das Gefühl, ich bin überhaupt nicht "drin" in der Gesellschaft, obwohl ich ja grad mal 31 bin und noch keine 55 (nicht, dass die sich nicht auskennen würden, aber ich merke schon, wie zB meine Mutter Schwierigkeiten hat mit dem ganzen technischen Kram und ich ihr dann helfen muss).

    Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich eher Fähigkeiten erworben habe als Wissen, also das Studium war nicht umsonst, aber irgendwie hab ich auch das Gefühl, ich kann mit meinen Fähigkeiten nirgens "andocken" - ich suche schon immer, wo, wo, wo werde ich gebraucht und stolper immer nur darüber, dass irgendwas anderes gebraucht wird, irgendwie was....Moderneres? Ich komm nicht mehr mit. Ich bin noch auf dem Stand: Ich habe Fähigkeiten und präsentiere sie an passender Stelle und werde dann gebraucht oder nicht, aber mir scheint, dass das Präsentieren nochmal 10 weitere Fähigkeiten benötigt...Networking und bla. Und wie alle immer krasse Ahnung von politischen Themen haben und sich so gewählt ausdrücken können, da komm ich mir vor wie klein Doof. Oder sieht man die Inkompetenten einfach nicht, weil sie immerhin die Klappe halten? Warum kennt sich jeder so gut mit allem aus? Warum können alle in Diskussionen den roten Faden behalten und sich gegenseitig Argumente an den Kopf werfen, die auch noch logisch schlüssig und exzellent formuliert sind?

    (Mit "Fähigkeiten" meine ich zB das vernetzte Denken oder dass ich nun strukturierter an Aufgaben herangehen kann oder dass ich das Ziel im Auge behalte, wenn andere sich an Nebenschauplätzen stundenlang aufhalten...)

    Ich fühl mich überflüssig. Die Bereiche, in denen ich gut bin, in denen sind auch so viele andere gut, viele sogar besser. Als es das Internet noch nicht gab, stach ich hervor in manchen Bereichen und in meiner Klasse war ich dann tatsächlich eine von den 2-3 besten, aber im Vergleich zu denen, die sich im Internet präsentieren können und die keine Schwiergkeiten mit den exekutiven Funktionen haben, fühle ich mich echt inkompetent. Ich weiß, man soll sich nicht vergleichen, aber naja, manchmal tut man es ja dann doch.

    Ich hab das Gefühl, jetzt erst bin ich auf dem Stand, überhaupt ein Studium anfangen zu können, all die "Fähigkeiten", die man dafür bräuchte, habe ich durch den Zwang zur Kompensation überhaupt erst gelernt und nun fühl ich mich wie ein Abiturient, der mit nichts in den Händen in die Welt geht und versucht, was hinzukriegen. Aber es ist zu spät, ich habe die Studien abgeschlossen, ich habe kaum Praktika gemacht, weil ich immer nur damit beschäftigt war, das Chaos zu ordnen, ich habe kaum Visionen oder Ideen entwickeln können für meine spätere Zukunft, kaum Erfahrungen gemacht, es hat sich kein Weg aufgezeigt, ich bin in keine Richtung geschubst worden, es hat sich nicht gezeigt, was ich "mal werden" könnte...oder kaum. Es ging immer nur darum, nicht unterzugehen. Und die anderen sind schon viel weiter, hatten Zeit, sich die Fähigkeiten anzueignen, die man nach dem Studium bräuchte - praktische Erfahrung, sich verkaufen können und den ganzen Internet-Präsentier-Kram. Sie sind erwachsene, kompetente Menschen. Und ich, ich bin ein Kind, das keine Ahnung hat, wie die Welt funktioniert, ich weiß nur, wie studieren funktioniert.

    Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen entschuldigen, die bis hierher gelesen haben, dass der Text so lang geworden ist.
    Vielleicht weiß ja der ein oder andere was dazu zu sagen.

    Edit: Das Fazit meiner Gedanken ist: ich fühle mich dumm, aber ich weiß, dass ich nicht dumm bin und das widerspricht einander einfach total und damit komme ich nicht klar!
    Geändert von Chamaeleon ( 6.10.2015 um 23:04 Uhr)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Mit deinem Text kann ich mich so gut identifizeren, dass ich mich doch endlich einmal anmelden musste!

    Ich habe ein Fach studiert, dafür für 8 Jahre. Im Grundstudium lief es noch irgendwie, weil ich mich an Anderen orientiert hatte, die die Wege zu Praktikumsräumen und Hörsälen schneller lernten als ich und die bequemer Weise gemeinsam zu Anmeldungen zu Kursen und Klausuren gegangen sind.

    Meine Noten waren schlecht. Ich bezeichnete mich gerne als "unfreiwillige Minimalistin", da ich ja wirklich nicht viel paukte, aber es fiehl mir auch einfach schwer, mich zu motivieren und motiviert zu bleiben und wenn ich lernte, hatte ich nicht das Gefühl, dass viel hängen blieb. Nur Zusammenhänge, besonders das "Big Picture", lagen mir. Wird aber selten abgefragt.
    Im Hauptstudium fiehl dann auch die Struktur durch die Peergroup weg und als ich dann alle meine Semesterwochenstunden (also Credit Points) beisammen hatte und nur noch die Diplomprüfungen übrig blieben, habe ich vollends die Orientierung verloren. Prüfungsangst, soziale Ängste (insbesondere vor Autoritätspersonen) und mit Sicherheit auch Probleme mit den exekutiven Funktionen führten dazu, dass ich Monate lang nichts tat, dann einen vorsichtigen Versuch wagte eine(n) Betreuer_in für meine Diplomarbeit zu finden und bei ausbleibendem Erfolg wieder Monate lang in mein Loch absank. Es musste erst ein externer Auslöser hinzu kommen (die Abschaffung des Diplomstudiengangs), dass ich die Motivation (also Angst) fand, endlich Gas zu geben.

    Letztendlich brachte ich das Studium irgendwie noch zu einem guten Abschluss. Und trotz der hohen Semesterzahl fand ich eine Promotionsstelle. Ist das das Happy End? Mitnichten! Jetzt werde ich von dem stetigen Gefühl begleitet, dass ich jederzeit als inkompetent auffliegen kann!
    Ich habe weit über ein Jahr gebraucht, um innerhalb der Arbeitsgruppe nennenswert zu sozialisieren - Networking kann ich mir entsprechend in den kühnsten Träumen nicht vorstellen!
    Das erste Jahr über war ich furchtbar ineffizient. Meine Wochenziele wären für andere das Ziel des Tages gewesen. Viele Routine-Aufgaben, die mich unterfordert haben, viele neue Aufgaben, die mich überfordert haben (aber für die ich mich nicht getraut habe, um Hilfe zu bitten) und entsprechend viel Prokrastination. Zumal ich so gut wie keine externe Struktur hatte. Erst jetzt, wo ich eine Studentin zur Seite gestellt habe, habe ich das Gefühl, etwas zu schaffen - und gleichzeitig das Gefühl, in kürzester Zeit von ihr überholt zu werden.

    Ich meine: Ich weiß ja, dass andere Menschen unsicherer sind als sie wirken und dass man ihr Wissen überschätzt, weil man eben nur mitbekommt, was sie wissen und selten, was nicht. Ich weiß, dass ich mich auch in Bereichen unterschätze, wo es absolut lächerlich ist (z.B.: Egal, wie viel ich mir zu einem Thema anlese, das mich gerade interessiert - ich werde nie das Gefühl los, dass ein x-beliebiger Gegenüber das alles eh schon weiß). Und trotzdem bin ich mir sicher, dass ich zumindest in meinem Umfeld den meisten Menschen in der persönlichen und fachlichen Entwicklung weit hinterher hinke und ich habe große Angst davor, aufzufliegen.

    Und ja, auch ich lege an mich selbst außerdem ein unpassendes Maßband an: Meine (Laien-)Zeichnungen vergleiche ich mit denen von Leuten, die Geld mit ihren machen können, meinen Blog mit meinen Lieblingsblogs (in denen ja eh schon etwas zu dem steht, was mich interessiert - wer will das dann schon von mir lesen?), meine Texte mit denen berühmter Autoren.. und dass sich mein Selbstwertgefühl auch in Gegenwart von anderen Wissenschaftlern in ein Häufchen Asche verwandelt, verwundert dann natürlich erst recht nicht mehr.

    Ich lerne oberflächlich, liebe vermutlich den Beginn einer Lernkurve, wo das Wachstum noch exponentiell ist - und verliere die Lust wenn das Verhältnis von Aufwand zu Erfolg kippt und ich beginne, mich mit Meistern/Fachmenschen/Profis zu vergleichen. Und dann ende ich höchstens im Mittelfeld, denke daran, wie sehr ich als Kind noch an mich geglaubt habe ("Wenn ich groß bin..." ... als ob.) und ich frage mich, ob ir-gend-eine Leidenschaft jemals groß genug sein wird, dass ich es von mir aus schaffe, dabei zu bleiben und... kompetent darin zu werden.

    Kurz: Ich fühle mich wie eine gewaltige Mogelpackung.

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.728

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Find ich normal. Das Studium ist eine Grundlage, aber die Fertigkeiten erwirbt man in der Praxis. Wissen ja, aber Routine und auch die Unterscheidung welches Wissen du gerade nicht brauchst weil es dir im Wege stünde, das kommt nach und nach.

    Ich kenne deine Mutter nicht, aber so alt ist 55 doch wirklich nicht. Ich fühle mich jetzt mit 49 viel mehr "drin" als mit 31. Meine Mutter ist jetzt 82 und ziemlich abgehängt. Aber als sie noch im Berufsleben stand, war sie die, die den Überblick über die Firma hatte, mein Vater (von dem ich die ADHS geerbt habe) verlor sich gerne in Details.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 36

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Hi,

    das Gefühl kenn' ich auch. Aber es gibt immer wen, der besser ist als du (oder ich). Das Studium ist 'ne Grundlage, in den Beruf, den man danach macht, muss man nach dem Studium auch erstmal reinwachsen. Ich hab' das erste Jahr im Job gerade hinter mir, und bin zu der Erkenntnis gekommen, allein durch das Studium kann man noch nicht alles, was man braucht. Es war eher dafür gut, zu erlernen, was man in google eingeben muss ;-).

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Ich kenne das Gefühl auch nur zu gut. Denken kann ich, jedoch wusste ich nach meinem Verständnis gar nichts. Vor allem viel weniger als meine Kommilitonen. Dann habe ich ein Praktikum gemacht, alle haben mir erzählt wie gut mein Vorwissen wäre (was ich vorher mir mit ach und krach für eine Prüfung angeeignet habe). Da ich ja nach meinem Verständnis nichts wusste, dachte ich, sie würden mir nur schmeicheln. Bis ich jetzt - Jahre später - festgestellt habe, dass ich zu dem Zeitpunkt mehr wusste, als so mancher Berufsanfänger.

    Wissen ist immer absolut relativ. In Dein Spezialgebiet musst Du reinwachsen. Dann wirst Du Dir auch Wissen aneignen. Wichtig ist, dass Du die Methoden drauf hast. Der Rest kommt mit der Zeit. Man muss nach dem Studium nicht alles wissen. In der Arbeitswelt ist vieles nochmal ganz anders.

    Ich bin übrigens immer noch der Meinung, nichts zu wissen. Aber mein Umfeld signalisiert mir, dass ich in gewissen Dingen sehr viel Ahnung habe. Daran muss ich mich aber auch erst gewöhnen bzw. es akzeptieren. Ist nicht so ganz leicht.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    wenn du glaubt dass du jemals "fertig" bist hast du die falsche Einstellung. Du lernst ein Leben lang (kann man auch studieren zu sagen). Du wirst immer wieder Leute sehen die aus deiner Sicht besser sind, oder es leichter haben. Du wirst immer das Gefühl haben nicht perfekt zu sein. Ich sage mir, die anderen sind genau so unsicher wie ich, das hilft.

    Uwe

  7. #7
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Uwe01 schreibt:
    wenn du glaubt dass du jemals "fertig" bist hast du die falsche Einstellung. Du lernst ein Leben lang (kann man auch studieren zu sagen).
    Nee, ich glaube nicht, dass ich "fertig" bin. Aber andere Leute erscheinen viel "weiter" zu sein als ich nach dem Studium. Die haben schon während des Studiums ihre Karriere vorbereitet, 100 Praktika gemacht und Connections geknüpft. Ich nicht.

    ------------------------------------------------------------------------------------

    Ich denke, ich hab einfach ne Art Schock gerade...von einem Lebensabschnitt in den nächsten. Wenn ich mir die Stellenanzeigen ansehe und wenn ich mir ansehe, wen die an erfahrungsreichem Menschen anstatt mir genommen haben (ja, googlen hab ich tatsächlich gelernt^^), dann komme ich mir vor wie ein Kindergartenkind.

    Aber ja, die Methoden hab ich schon drauf, nur verklicker das mal jemandem, der jemanden mit Erfahrung sucht. Und mit Energie. Und sozialen Kompetenzen. Und extrovertiert und selbstbewusst. Naja, ich hör ja schon auf mit jammern.

    Hallo Jackdaw, herzlich willkommen!
    Ich habe deinen Erfahrungsbericht sehr gerne gelesen. Ich habe auch Probleme damit, mich nicht als Mogelpackung wahrzunehmen. Mir ist aber auch bewusst, dass andere auch Mogelpackungen sind...aber scheinbar können die damit sehr gut leben.

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 132

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Ich kann dich gut nachvollziehen.
    Bin Grade in der Endphase meines Studiums und wenn ich drüber nachdenke das ich in 4 Monaten dann selbst in einer Praxis stehen werde und Entscheidungen treffen muss, fühle ich mich super inkompetent und würde am liebsten nochmal von vorn studieren.

    Aber Fakt is einfach, das niemand auf dieser Welt jemals alles können kann. Und das man sich damit nur selber blockiert. Ich habe es bei Vorstellungsgesprächen offen angesprochen. Das ich zwar die Theorie vermittelt bekommen habe aber die Praxis noch mau is. Aber das wissen die Arbeitgeber.

    Deswegen wird man auch eingearbeitet und wenn du ein bisschen Selbstvertrauen hast wird das werden. Du musst nur daran glauben das du es kannst. Schließlich musst du ja auch iwie an deinen Abschluss gekommen sein.

  9. #9
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Kenne das auch nur zu gut, es ging mir genauso... ewig studiert gerade mal absolutes Minimum geschafft, mittelmäßige Noten und nur am Ende mal ein kurzer Praktikum reingequetscht, aber was noch nicht mal so gut lief.. dann halbes Jahr arbeitslos... es viel mir wahnsinnig schwer Bewerbungen zu schreiben.. eben mit dem Gefühl ich kann nichts...

    Nun dann hat es doch mal mit einer Stelle geklappt... das Gefühl 'Ich kann nichts' schwächt sich nur langsam ab... und ich denke oft, dass ich mit meinen Kollegen der mich eingearbeitet hat, wahnsinnig Glück hatte, dass er geduldig war ... auch wenn ich tausend mal nachgefragt habe... Um ein Mitarbeitergespräch habe ich mich immer gedrückt.. was auch nicht gut ist..

    Nun nach 3 Jahren, ist das Gefühl zwar stark abgeschwächt aber noch vorhanden... und ich fühle mich immer schlecht, wenn ich sehe, dass Kollegen die nach mir in Betrieb kamen, schon viel mehr Aufgaben haben und aktiv in die Planung eingreifen.. und dass eben die Kollegen nur zu überarbeitet sind, um zu sehen, wie wenig ich schaffe / dass ich sie schaffe zu täuschen.. das ist jetzt so ein Dauerfrustthema bei mir...

    Aber ich bin auch öfters mal gut drauf, wo ich mir sage, gut ich bin kein Überflieger, aber trotzdem ist eine gewisse Basis schon vorhanden... die Gedanken kamen dann erst so nach 2 Jahren öfters mal durch... nachdem ich dann für eine wichtigen Prozess auch alleine verantwortlich war... also auch niemand mehr fragen konnte und siehe da, es funktioniert doch... nunja und auch schon einen großen Fehler mal machte, der aber auch nicht zur Katastrophe führte.. trotzdem ist bei mir so eine gewisse Grundangst vorhandne, dass mir bald ein böses Wachen bevorsteht...

    Und nunja.. dass wenn ich diesen Job verliere, nie wieder einen neuen finden werde, ist zwar weiterhin als Angst vorhanden aber mehr im Hintergrund..


    ... wenn ich genau nehme, ist es jetzt weniger Anst als viel mehr Frust.. dass ich jeztt nicht mehr aus meinen Beruf mache... eben die Sachen, die meine Karriere fördern könnt... nicht nur in Richtung Erfolg, oder besser bezahlt oder so, sondern vielleicht auch mehr in Richtung, was mich wirklich interessiert..

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Sich nach dem Studium inkompetent fühlen

    Sehr interessant hier zu lesen!! Vielen Dank erstmal an alle!

    Der SInn des Studiums erschließt sich oft erst später! Da würde ich definitiv zustimmen.

    Nach meiner Erfahrung als Realschul-abbrecher, dann mittlere Reife nachhol-er, Fachhochschulreife nachhol-er, erstes Studium im 4. Semester-abbrecher (3 mal Prüfung nicht bestanden) und dann weiteres Studium 7 Semester bis zum Abschluss durchgezogener ADHS-ler kann ich aus meinen Erfahrungen heraus folgendes weitergeben:

    Ich stelle mir - beinahe täglich - genau diese oben bereits genannten Fragen. Trotzdem:

    Mit ADHS ein Studium (oder auch einfach die Schule/Ausbildung) gemeistert zu haben ist doch etwas tolles!!! Darauf sollte jeder Betroffene stolz sein. Viele Studenten ohne ständige innere Unruhe und leichte Ablenkbarkeit sind daran gescheitert.

    Viele Absolventen stellen sich nach dem Studium die Frage: Und jetzt?

    Der wichtige Unterschied zu einem Absolventen mit ADHS ist, das dieser sich frägt: Und jetzt? Was ist, wenn jemand merkt, dass ich
    mir das alles nicht so gut merken konnte wie meine Kommilitonen und ich somit nicht auf dem selben Level bin? Was ist, wenn jemand merkt, dass ich in vielen Situationen länger brauche, um etwas zu verstehen (inklusive kleinem Block als Gedankenstütze)? Warum sind meine Kommilitonen schneller in guten Positionen untergebracht und ich brauche länger? Warum ist mir das Netzwerken so unglaublich schwer gefallen?usw.....

    Die Antwort darauf ist: Wir haben ADHS!

    Das soll aber nicht unbedingt unser Nachteil sein. Daher meine Strategie:

    Die eigenen Stärken finden! Jedoch nicht die vermeintlichen Stärken von Kommilitonen mit den eigenen vergleichen. ADHS-ler sind oft sehr kreativ und können ggf. auch Gedanken anstoßen, die über den Tellerrand hinaus gehen.

    Etwas verkürzter Ablauf: Wie soll ein Manager mit Anzug im Bewerbungsgespräch verstehen, dass der ihm gegenüber sitzende zapplige Bewerber, der für eine Frage aus seinem Lebenslauf sogar noch selbst in diesem nachlesen muss, der richtige für diesen Job ist??? Außerdem sind seine Noten ggf. nicht so gut, wie die der Mitbewerber!
    Da habt ihr genau 2 Möglichkeiten: Entweder ihr habt einen guten Tag und dreht die Situation um und quatscht ihm das Ohr weg, warum ihr besser seid oder ihr fragt euch: Ist das wirklich die für mich passende Stelle inklusive Führungskraft? Würde mich dieser vielleicht etwas konservative Chef eher pushen oder zur Verzweiflung bringen, weil er mit meinen Schwächen nicht umgehen kann? Egal wie dieses und weitere Gespräche ausgehen: Ihr werdet eure Stärken erkennen, Kompetenzen verbessern und auf jemanden stoßen wo es passt. Mir helfen oft schon wenige Worte eines Vorgesetzten, um motiviert zu sein. Wiederum werfen mich demotivierende Worte wieder deutlich zurück.

    Daher einfach alles auf euch zukommen lassen und nicht verzweifeln. Glaubt mir, aus jedem noch so demotivierenden Gespräch oder Fehlschlag im Arbeitsleben lernt man. Lasst euch nicht verunsichern. Wir haben ein Handicap, ja das stimmt! Aber sehr sehr viele schlaue Leute auf dieser Welt haben Ihren Platz gefunden und sehr viel erreicht (Im Zweifel mal im Internet schauen, wer alles ADHS unter den berühmten Menschen hatte).

    Was nun "sehr viel erreicht" bedeutet muss jeder für sich selbst als Ziel setzen. Man muss ja nicht Vorstandsmitglied oder Universitätsprofessor werden!

    In diesem Sinne: Alles Gute!!

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