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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 282

    Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Hallo Leute,

    in der letzten Zeit ist viel passiert und weniges davon ist gut. Der größte Hammer ist (mit weitem Abstand), dass mein Vater Anfang August völlig überraschend verstorben ist. Was mein ADHS angeht gibt es ein Problem, ich werde wohl die Medikamente nicht nehmen können, mein Herzfehler ist leider eine Kontraindikation. Tchja und eine Arbeit habe ich, bis jetzt, auch noch nicht gefunden.

    Doch, beim letzten Punkt, gibt es etwas, über dass ich mit euch reden will. Die beiden Sachen, um die es mir geht, stehen schon im Titel. Ich muss dafür eine Lösungen finden, will ich nicht bei meinem ersten Job gleich wieder raus fliegen. Ich hoffe, dass mir dies mit eurer Hilfe gelingt, wenn ich mich nur auf die Therapie verlasse dauert dies ewig. Zwischen den Terminen liegen oft Monate.

    Ich werde damit beginnen, meine Probleme zu schildern und was ich bereits getan habe, um meinen Schwierigkeiten zu begegnen.

    Wenn ich an etwas Arbeiten möchte, dann überkommt ziemlich häufig ein Gefühl von Unbehagen, besonders, wenn es schwierig wird. Genauer gesagt ist es nicht die Arbeit selbst die ich fürchte, es ist das mögliche Scheitern, des Machen von Fehlern. Wenn meine Gedanken in diese Richtung wandern, kommt meistens auch noch ein Gefühl des Ausgeliefertseiens hinzu, so als würde schon von vornherein feststehen, dass meine Arbeit sinnlos ist bzw. ich sie eh nicht richtig machen werde/kann. Ich denke, dass dies aus meinen Erfahrungen herrührt, welche ich im Studium und in der Schule gemacht habe. Darüber hinaus, habe ich diese seltsame Macke entwickelt, alles immer beim ersten Versuch schaffen zu müssen, völlig illusorisch, selbst für die größten Genies.
    Das ist keine besonders gute Grundlage für erfolgreiches Arbeiten, besonders wenn man bedenkt, wie tief das Ganze verwurzelt ist. Dennoch denke ich, dass die Situation nicht so trostlos ist, wie sie sich jetzt darstellt. Ich war in der Vergangenheit durchaus in der Lage, meine Zweifel beiseite zu schieben und bemerkenswerte Leistungen zu erbringen. Allerdings, kann ich dies nicht bewusst herbei führen. Wenn es mir jedoch gelingt, schrecke ich auch nicht mehr vor schwierige Aufgaben zurück. Ganz im Gegenteil, ich finde mit unter sogar regelrecht gefallen daran. Auch das stellen von Fragen macht mir dann nicht mehr so viel aus, womit wir auch schon beim zweiten Punkt angekommen wären.

    Nun ihr werdet sicher verstehen, dass jemand, der nur eine 3,1 im Diplom zustande gebracht hat, noch die ein oder andere Lücke im "Kentnissinventar" hat. Leider auch in Bereichen, die viele als grundlegend ansehen. Da dann Fragen zu stellen empfinde ich immer als demütigend, auch wenn mir klar ist, dass es manchmal nicht anders geht. Das einzige Mittel, was mir dazu eingefallen ist ist, Augen zu, Zähne zusammenbeißen und durch. Aber trotzdem bekomme ich manchmal einfach die Klappe nicht auf, ob wohl ich dringend mal eine Frage los werden müsste. Gegenüber Lehrpersonen ging es immer noch, aber gegenüber Mitschülern und Kommilitonen viel mir dies immer besonders schwer.

    Mir ist bei all meinen Schwierigkeiten aber, zumindest theoretisch klar, was ich zu tun hab bzw. bin mir bewusst, dass ich da gerade etwas mach, was ich mir nicht zum Wohl gereicht. Leider gelingt es mir nur selten über den eigenen Schatten zu springen oder den inneren "Schweinehund" (blöder Name) nieder zu ringen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als müsste ich eine Hürde überspringen. Der Gedanke daran lässt mich schaudern, doch wenn es mir gelingt fühlt es sich großartig an.

    Ich denke, ich werde in Zukunft versuchen mich bewusst mit den Dingen auseinander zu setzten, mit denen ich Probleme habe. Wenn ich also zum Beispiel eine schwere Aufgabe vor mir habe, beschäftige ich mich genau damit. "Ich gehe dort hin wo es weh tut" Meint ihr, dass dies der richtig Weg ist? Ich kann allerdings jetzt schon absehen, dass die Versuchung "die Flinte ins Korn zu werfen" sehr groß sein wird. Daraus ergibt sich die Frage: Woher organisiere ich mir den entsprechenden Antrieb? Ich wäre da für jeden Ratschlag dankbar.

    Ein letztes noch, ich arbeite schon seit einer ganzen Weile daran, mein gedankliches Fundament, meine geistige Basis zu verändern. Weg von diesen ganzen Befürchtungen (Was wäre wenn?) ihn zu einer Fokussierung auf das was ich beeinflussen kann. Ich konzentriere mich auf dass, was ich beeinflussen kann und versuche darin so gut wie möglich zu sein. Mit dem Rest versuche ich so gut klar zu kommen wie möglich. Wenn möglich, versuche ich einen Vorteil aus den Umständen zu ziehen, wenn dies nicht geht, versuche ich den Einfluss so klein wie möglich zu halten. Dies Vorgehensweise ist sicher nicht perfekt aber ich denke doch ganz brauchbar. Dazu würde mich eure Meinung brennend interessieren.

    Wenn ich solche Sorgen wie ich auch habt, würde es mich wirklich sehr interessieren, wie ihr damit umgeht. Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen.

    Irre Grüße

  2. #2
    Lou


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Hallo,

    das kommt mir bekannt vor. Krankheitsbedingt habe ich es auch nie lange irgendwo ausgehalten. Da war dann auch die Angst vor dem Scheitern irgendwann da....weil man die Erfahrungen nun einmal hat. Ich wurde mit der Zeit selbstbewusster und habe mich nicht mehr unverhältnismäßig heftig kritisieren lassen. Allerdings war das fast das andere Extrem.

    Diese Fragen beschäftigen mich auch und ich denke, dass das nur über kleine Schritte mit Erfolgserlebnissen im geschützten Rahmen funktioniert.

    Wie sich das umsetzen lässt, weiß ich selber noch nicht, aber dein letzter Absatz klingt ganz gut.....nur fehlt noch die Lockerheit und die kommt hoffentlich mit der Zeit.

    Ich plane einen ganz sanften "Neuanfang", aber wie gesagt....ob das zu 100% funktioniert und ob das für dich überhaupt eine Option ist / sein kann, das weiß ich natürlich nicht.

    Ich wünsche dir alles Gute.

  3. #3
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 13

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Hallo,

    ich weiss nicht, ob dir das was ich nun schreibe helfen wird oder nicht, aber ich kenne ähnliche Situationen.
    Ich habe es bis zu ca meinem 25. Lebensjahr nicht geschafft meine Klappe auf zu kriegen. Das hat natürlich einige sehr große Schwierigkeiten nach sich gezogen. Bei mir mag das vllt noch etwas anders gewesen sein, weil ich mich generell nicht getraut habe zu reden. Das habe ich erst mit 25 angefangen zu lernen. Also sprechen konnte ich schon, allerdings nur schwer mit anderen Menschen. Es war häufig so, dass wenn ich denn mal was gesagt habe die Leute mich oft sehr böse oder erstaunt angesehen haben. Mich als eingebildet betitelt haben(warum weiss ich nicht) oder einfach für seltsam gehalten haben.

    Ich habe in meiner Lehre, oftmals fragen gehabt. aber sie nicht gestellt aus angst vor meinem Mentor, der mich gemobbt hat. Ich hatte auch immer das Gefühl schon alles können und wissen zu müssen. Genauso haben sie mich auch behandelt. Ich sollte im 1. Lehrjahr schon Dinge beherrschen, die man erst Ende 3. können musste. Das konnte ich natürlich nicht und ich habe mich gefühlt wie der totale Versager. Ein Beispiel: Als ich das erste mal auf Station kam, wollte ich natürlich an der Übergabe teilnehmen. Ich wurde aber in die Waschküche verbannt, die dort liegengebliebenen Töpfe mit Exkrementen zu säubern. Das ging bestimmt 3 Wochen so. Dementsprechend wusste ich natürlich nicht, wie es um welchen Patienten stand und was zu tun war. Was mir dann zum Vorwurf gemacht wurde. Genauso wie mir zum Vorwurf gemacht wurde, dass ich nicht an der Übergabe teilnehmen würde:"was ist das denn für eine komische Schülerin, die lieber Pisspötte säubert als bei der Übergabe dabei zu sein." Darauf hin habe ich mich bei der Leitung gemeldet und dies geschildert. Natürlich war ich deswegen überall unten durch, aber ich wusste mich nicht anders zu wehren. Von da an MUSSTE ich jeden Patientenstatus auswendig kennen und wenn nicht, wurde ich übelst fertig gemacht. Dies war jetzt wirklcih nur eins der harmlosen Beispiele, aber daher mein schlechtes Gewissen, wenn ich etwas nicht weiss.

    Viel später, auf einer Arbeit die ich jetzt zuletzt über 5 Jahre gemacht habe, habe ich gelernt mich halbwegs durchzusetzen. Fragen zu stellen, wenn es nötig war. Das war alles andere als leicht, aber mir hat es einfach gereicht immer die "Dumme" zu sein. Auf blöde Kommentare wie:"warum weisst du das nicht?" oder ähnliches hab ich meist mit solchen Dingen geantwortet wie: "Wenn ich alles wüsste, müsste ich diesen Job nicht machen; Niemand kann alles von Anfang an wissen; Es ist doch besser wenn ich jetzt nachfrage als dass ich einfach mache und es ist evtl. falsch" etc. Ich habe mir regelrechte Musterantworten zurechtgelegt, schon im Vorraus auf den Verdacht, dass man mir blöde kommen könnte. (was dann auch häufig so war)Es hat mir zum Ziel geholfen. Angenehm war es aber trotzdem nicht. Ich weiss nicht wie andere Menschen das locker angehen, oder ob sie evtl alles von Anfang an wissen (was ich nicht glaube). Ich denke das Fragen stellen, Dinge zu hinterfragen sehr wichtig ist. Auch wenn es oftmals sehr unangenehm ist. Man kommt nicht drum herum, weil man ja eben nicht alles wissen kann und es ist besser sich um eine Antwort zu bemühen als dumm zu sterben oder dass es einem egal ist.

    Ich weiss nicht ob dir das weiter hilft. Aber das sind so meine Erfahrungen dazu.

    (Tante Edit: Ich bin nie selbstbewusst geworden. Aber ich habe es gelernt vorzutäuschen. Es hilft... und bestärkt einen dann doch selbst, wenn man ein Erfolgserlebnis dadurch hatte)
    Geändert von Drachenmaid (29.09.2015 um 08:52 Uhr)

  4. #4
    Lou


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    @Drachenmaid

    Das klingt schon übel.

    @alle
    Und ich glaube, dass das auch das Hauptproblem ist - für mich zumindest glaube ich das.

    Wenn längerfristige positive Erfahrungen mit der Arbeitswelt fehlen und man immer nur Negatives erlebt hat bzw. dort, wo es hätte funktionieren können, zu schnell aufgegeben hat, dann ist die Lust, wieder zu arbeiten irgendwann im Minus-Bereich.

    Also ich habe schon vor, wieder zu arbeiten und kann mir sogar vorstellen, dass das Leben positiv dadurch beeinflusst wird, aber die Erinnerungen sind halt da.

  5. #5
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    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Stimmt schon, etwas mehr Lockerheit täte mir gut.

    Ich habe meinem Psychodok heute noch mal explizit von diesem Problem erzählt (geschrieben). Mal sehen, was er dazu zu sagen hat. Vielleicht gibt es ja ein paar Dinge, die ich selbst tun kann, ohne gleich eine Therapeuten aufsuchen muss.

    Was mich persönlich am meisten stört ist, dass immer wieder eine Frage in meinem Kopf auftaucht: Bin ich eventuell einfach nur zu dumm, für das was ich tun will (Studium)? Sie ist nicht immer präsent aber sie nagt an mir bzw. meinem Selbstvertrauen/-wert, langsam aber sicher. Sie taucht meistens dann auf, wenn ich andere Leute sehe wie sie erfolgreich sind.

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 282

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Stimmt schon, etwas mehr Lockerheit täte mir gut.

    Ich habe meinem Psychodok heute noch mal explizit von diesem Problem erzählt (geschrieben). Mal sehen, was er dazu zu sagen hat. Vielleicht gibt es ja ein paar Dinge, die ich selbst tun kann, ohne gleich eine Therapeuten aufsuchen muss.

    Was mich persönlich am meisten stört ist, dass immer wieder eine Frage in meinem Kopf auftaucht: Bin ich eventuell einfach nur zu dumm, für das was ich tun will (Studium)? Sie ist nicht immer präsent aber sie nagt an mir bzw. meinem Selbstvertrauen/-wert, langsam aber sicher. Sie taucht meistens dann auf, wenn ich andere Leute sehe wie sie erfolgreich sind.

  7. #7
    Lou


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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Das ist auch heute noch nicht ganz angenehm für mich zu sehen, wie viel andere schaffen.

    Aber ich blende das mittlerweile aus und.....selbst wenn ich super erfolgreich wäre und was weiß ich....ich glaube nicht, dass das etwas daran ändern würde, dass ich privat nicht über die Arbeit reden möchte. Ist vielleicht auch so eine Eigenheit von mir, Lebensbereiche teilweise recht strikt zu trennen, aber in dem Fall war/ist das hilfreich.

    Wenn ich da an aufgezwungene Vergleiche von früher denke...."X hat den Abschluss in der Tasche", "Y macht jetzt Ausbildung/Studium XYZ" und dann steht man da.

    Furchtbar.

    Wann kannst du denn mit einer Antwort von deinem Arzt rechnen?

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 282

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Lou schreibt:

    Wann kannst du denn mit einer Antwort von deinem Arzt rechnen?
    Ich hoffe, das ich nächste Woche eine Antwort bekomme.

  9. #9
    Lou


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: Angst beim Arbeiten/ Sich schämen Fragen zu stellen

    Okay,

    dann hoffen wir mal auf eine schnelle Antwort und du kannst ja berichten, wenn du magst.

    Aber zum Stichwort "Lockerheit" denke ich auch, dass dazu auch positive Erfahrungen gehören, man die aber erst einmal machen muss....ein schöner Kreislauf.

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