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Diskutiere im Thema Ich pack's nicht auf der Arbeit im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo,

    seitdem ich berufstätig bin, plagen mich immer wieder auf allen meinen Arbeitsstellen die ich schon inne hatte, immer die selben Probleme.

    Ich weiß nicht ob es noch anderen Betroffenen so geht, bei mir läuft das auf der Arbeit immer nach demselben Schema ab, dass ich auch nicht durchbrechen kann.

    - ich bin im Vorstellungsgespräch so offen und verständnisvoll wie möglich, kann mich gewählt ausdrücken und bekomme schließlich den Job. Scheinbar gelingt es mir immer ganz gut, die Personalverantwortlichen von mir zu überzeugen
    - zu Anfang bin ich sehr interessiert und engagiert, mache Überstunden und knie mich voll rein. Die Arbeit macht mir Spaß und ich bin bei Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern beliebt. In der Einarbeitungsphase lerne ich recht schnell und schreibe immer alles detailliert mit. Ich erhalte viel Lob und meine Leistungen sprechen sich rum.
    - nachdem ich halbwegs eingearbeitet bin und der "Alltag" ansteht, sich die täglichen Aufgaben mehr und mehr wiederholen, ziehe ich mich mehr und mehr langsam aber stetig zurück. Meine intrinsische Motivation und mein Antrieb fahren zurück. Ich fange an Fehler zu machen und vergesse die Hälfte der mir übertragenen Arbeitsaufgaben. Es kostet mich Überwindung, etwas neues anzufangen bzw. angefangene Dinge zu Ende zu bringen. Jede Kleinigkeit wird mittlerweile zum Kraftakt. Mittlerweile bin ich auf der Arbeit konstant müde, es ist mir kaum noch möglich mich auf etwas zu konzentrieren. Fachgesprächen zu folgen ist mir fast unmöglich, ich bin viel zu leicht durch die kleinste Kleinigkeit abgelenkt. Smalltalk mit den Arbeitskollegen ist mir fast unmöglich, ich kann mich schlichtweg nicht wirklich für sie interessieren. Selbst wenn ich verkrampft versuche "aufmerksam zuzuhören", gelingt es mir nicht
    - ich bin zudem sehr introvertiert und schüchtern, was die ganze Sache noch extrem verkompliziert, da ich auf der Arbeit noch den Extrovertierten spielen muss (in meiner Position leider unabdingbar). Zudem habe ich "Angst" vor Vorgesetzten und befürchte, jederzeit und immer könnte ein Anruf vom Chef kommen, der mir eine weitere Aufgabe delegiert. Ich traue mich auch nie den Mund aufzumachen und zu sagen wenn mir etwas nicht passt. Ich beneide die Menschen die dass so einfach können. Ich habe viel zu viel Angst vor Kritik und Jobverlust.
    - irgendwann habe ich dann das Gefühl, zu viele Defizite in der Einarbeitungsphase gehabt zu haben, weil es auch nach einem, zwei Jahren einfach zu viele Basics bezogen auf die Arbeit gibt, über die die Anderen wie selbstverständlich reden (sogar Mitarbeiter die wesentlich kürzer in der Firma sind als ich), ich aber gar nichts zu sagen kann. Das verunsichert total.
    - Es stellt sich im Laufe der Zeit mehr und mehr das Gefühl der inneren Unruhe, der Getriebenheit und der Angst ein. Ich habe das Gefühl von der Vielfalt meiner Arbeit und den vielen offenen Aufgaben erschlagen zu werden, jeden Tag kommt noch eine Ladung mehr dazu. (Lässt sich sehr schön an der wachsenden Anzahl der emails im Posteingang "messen".
    - Ab und zu habe ich dann Momente wo ich mir sage "hey, das packst du, los geht's!". In solchen Stunden bin ich dann recht produktiv, dafür aber hinterher umso gestresster und erschöpfter. Das Grundproblem, dass mir die Arbeit einfach keinen Spaß (mehr) macht, bleibt bestehen. Und Sachen die mir keinen Spaß machen kosten mich ein Höchstmaß an Überwindung...
    - Irgendwann habe ich dann den Eindruck, dass mir Informationen auf der Arbeit vorenthalten werden und einfach Dinge über meinen Kopf hinweg entschieden werden.
    - Dank Reizdarm bin ich froh, wenn ich es gerade noch so eben unter großen Schmerzen zur Arbeit schaffe.
    - Die "innere Kündigung" habe ich immer schon recht früh im Hinterkopf

    Wenn ich mich zwei Jahre auf einem Arbeitsplatz halten kann, ist das schon viel. Diese ständigen Jobwechsel sind natürlich extrem belastend, da man zu Anfang immer alle Energien und Hoffnungen in den neuen Job setzt, um dann mit Vollgas gegen die nächste Wand zu donnern. Auch das Privatleben wird dadurch auf eine harte Probe gestellt. Keine Partnerin wird diese "Arbeitseinstellung" verstehen bzw. akzeptieren können, schließlich hängt ja die komplette Existenz einer Familie dran.
    Ich frage mich dann oft, ob es Sinn macht, sich dafür jeden Tag auf der Arbeit bis zur Erschöpfung zu quälen. Ich habe darauf bislang noch keine Antwort gefunden.

    Diesmal sind meine magischen zwei Jahre schon um, gekündigt habe ich noch nicht. Sicher auch nicht wegen Einwänden und Zuspruch meiner Frau. Aber es ist ein Spiel auf Zeit und ich merke wie die Uhr tickt. Mein Lebenslauf ist schon total vermurkst, wenn ich nochmal irgendwo eine halbwegs brauchbare Stelle bekommen würde, so würde das schon an ein kleines Wunder grenzen.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach nur mal den Hintern hochbekommen müsste, oder ich eine Arbeitsphobie habe... Ich würde so gerne in einem Job glücklich arbeiten bis zum Ruhestand wie viele anderen auch, es will mir einfach nicht gelingen...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo Soft Egg,

    Dein Bericht tat mir sooo gut grade eben, auch wenn es mir für Dich wahnsinnig leid tut, denn ich weiß, wie furchtbar das ist! Aber ich dachte, nur ich habe solche Probleme!!!
    Es ist so schwer, diese Gefühle, die Du hast, den "Normalos" zu erklären bzw. gar verständlich zu machen!
    Ich selber mache meine (Herkunfts-) Familie wahnsinnig damit aber kann es trotz ALLERGRÖßTER Anstrengung nicht ändern!
    Ich denke immer, ich muß mich so akzeptieren, wie ich bin und wenn andere Menschen mich nur deshalb nicht mögen, weil ich ständig den Job wechsel, dann haben sie mich nie wirklich gemocht!
    Aber ich kann Deine Verzweiflung total nachvollziehen!
    Ich stehe grade auch davor alles hinzuwerfen und entscheide mich seit einer Woche ständig um, es doch mal (oder doch nicht) mit Medikinet adult zu versuchen.
    Ich denke, es ist das allerletzte, was bei mir evtl. helfen könnte, meinen sehr großen Wunsch, in meinem Beruf mindestens mal 10 Jahre arbeiten zu können, zu unterstützen.
    Ich weiß nicht, ob Du es mit medikamentöser Unterstützung schon versucht hast?
    Auf der anderen Seite finde ich immer, dass Du genau so richtig bist, wie Du bist und dann den Job wechseln solltest, wenn Du es möchtest und Dir Menschen suchen solltest, Dich Dich so nehmen, wie Du bist. Aber wie gesagt, ich verstehe Deine Verzeiflung und deshalb stehe ich nun auch wieder an der selben Stelle wie Du und schaue auf meine Packung Medikinet adult und weiß nicht ob ich´s nicht doch ausprobieren soll.
    Einen Rat kann ich Dir nicht geben ich wollte Dir nur sagen, Du bist nicht alleine mit Deinen Problemen/Gefühlen! Und es werden sich hier sicherlich noch einge andere finden!

    Alles Liebe für Dich!

    Schnulli

    (ADHS-Diagnose gesichert, Medikinet adult verordnet bekommen)

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Schnulli schreibt:
    Hallo Soft Egg,

    Ich weiß nicht, ob Du es mit medikamentöser Unterstützung schon versucht hast?
    Auf der anderen Seite finde ich immer, dass Du genau so richtig bist, wie Du bist und dann den Job wechseln solltest, wenn Du es möchtest und Dir Menschen suchen solltest, Dich Dich so nehmen, wie Du bist. Aber wie gesagt, ich verstehe Deine Verzeiflung und deshalb stehe ich nun auch wieder an der selben Stelle wie Du und schaue auf meine Packung Medikinet adult und weiß nicht ob ich´s nicht doch ausprobieren soll.
    )
    Danke dir Schnulli, mir ging es ganz genau so mit den Tabletten. Habe auch lange gezetert mit der Einnahme von Ritalin adult. Habe mich schließlich dazu entschlossen es zu nehmen weil mir klar war, dass es eigentlich nicht schlimmer kommen kann als es schon war. Bereuen tue ich es nicht.
    Allerdings sind die positiven Auswirkungen des Medikemants in meinem Fall auf der Arbeit minimalst und es hängt auch von der Tagesform ab. Die Hauptverbesserung ist, dass diese permanente Müdigkeit nachgelassen hat und ich, zumindest gefühlt, etwas gesprächiger bin. Meine Motivation ist aber dadurch in keinster Weise gestiegen, ebenso wenig die Fähigkeit mich besser zu konzentrieren, mir Dinge zu merken oder Gesprächen länger zu folgen. Das kann evtl. daran liegen, dass ich nur die Einstiegsdosierung von 10 mg nehme (2 x täglich).

    Hast du vorher schonmal ADHS Medis genommen? Ich stand auch schonmal vor der Frage "Medis ja oder nein". Privat bin ich wesentlich ruhiger und genießbarer geworden, da nicht mehr so leicht reizbar. Auf der Arbeit bin ich noch zusätzlich durch meine Introvertiertheit und Schüchternheit ausgebremst, da kann das Ritalin derzeit auch wenig bewirken.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo Soft_Egg,

    Medikamente hab ich noch nie ausprobiert.
    Hab immer gehofft, dass ich mal "normal" werde, nun glaub ich´s nicht mehr!
    Ich bin auch sehr introvertiert und schüchtern, mir fällt es so schwer (und macht mir überhaupt keinen Spaß!) an Smalltalk teilzunehmen, bzw. dauernd mit Kunden/Kollegen reden zu müssen.
    In meinem Job muß ich das aber dauernd. Seufz. Und ich bin soooo vergesslich! Es ist zum wahnsinnig werden! Ich müsste dauernd mit Notizzetteln und Stift durch die Gegend rennen, um mir alles zu notieren aber dann hält mich ja jeder für verrückt...
    Hab noch keinen Job gefunden, der für mich geeignet wäre - doch - Zeitungen austragen! Nicht lachen! War echt gut! Hab ich mal vor vielen Jahren gemacht, fast kein Mensch draussen unterwegs, konnte alleine arbeiten, in meinem Tempo, musste mit keinem sprechen und war früh morgens wieder zu Hause und der Tag lag noch vor mir. Aber vom Lohn als Zeitungsausträger kann ja keiner leben! :-(
    Ich hoffe fast, dass Deine Dosierung doch zu gering war, denn wenn sich bei Dir mit dem Medikament nicht wirklich viel verbessert hat, dann verliere ich ja doch ein bisserl den Mut.
    Vielleicht solltest Du es mit einer anderen Dosierung versuchen - natürlich nach Rücksprache mit einem Arzt!?
    Nun ja, oder wie ich es selber oft denke, sich einfach so nehmen wie man ist?!
    Wenn man damit grundsätzlich zufrieden wäre...

    Liebe Grüße!

  5. #5
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.126

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo Soft_Egg, ich glaube, ich habe schon an anderer Stelle geschrieben dass die Medis mMn in der Situation nicht viel helfen. Korrigiere mich, aber mir kommst du ähnlich vor wie ein Langstreckenläufer der seine Fitness überschätzt und das Rennen zu schnell angeht.
    (Über?)Motiviert wie du am Anfang in dem Job rangehst, vielleicht auch jede anliegende Arbeit "an dich reißt", stößt du mE. auch schnell an deine Grenzen. Du merkst wahrscheinlich noch rechtzeitig( Langeweile, später Ängste, körperliches Unwohlsein etc.) Das ist aber auch der Zeitpunkt, zu dem du nicht mehr zurückschrauben kannst, ohne dass dir Überforderung vorgeworfen wird.
    Das Ritalin kann dir vielleicht helfen etwas langsamer anzufangen.

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.968

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    An Anfang schreckt dich das Neue nicht, du bist offen, interessiert und dabei, dann - nach einer Weile - wendet sich das Blatt bei dir. Alles Neue wird dir zu viel, du kannst nicht mehr (Konzentration aufrecht erhalten, offen sein usw.) ...

    Die Frage ist doch, was liegt dazwischen oder warum ist das so? Und selbst bei einem AD(H)Sler stehen da mehrere Möglichkeiten zur Auswahl oder sogar mehrere gemeinsam.

    Ist es wirklich das Neue, was reitzt? Hast du ggf. durch eine arbeitslose Zeit zwischendurch Kraft und Energie "aufgespart", die du nur anfangs investieren kannst, die dann aber schnell wieder verpufft ist? Hast du das Gefühl, die Leistung vom Anfang nicht mehr "toppen zu können"? Oder noch etwas Anderes? - Vielleicht liegt da einer der Schlüssel ...


    Das du nicht unbedingt im richtigen Beruf bist, hatten wir ja schon im anderen Thread festgestellt und auch, dass es nicht wirklich die Möglichkeit zum Wechsel gibt. Aber gibt es vielleicht innerhalb dieser Sparte doch etwas, was dir mehr liegen könnte als das, was du momentan machst? Ich weiss, dass man in der heutigen Zeit wirklich auf den Cent schauen muss, aber wenn es weiter so geht, dann hat das ja evtl. weniger Sinn, als wenn du vielleicht etwas findest, wo du einfach besser durchhalten kannst.

    Es kann aber auch "nur" eine Durststrecke sein, die tatsächlich sogar auch Nichtbetroffene mal ereilt, wenn auch vielleicht nicht ganz so ausgeprägt, weil bei AD(H)Slern das Schwarz-Weiss-Denken leider oft sehr ausgeprägt ist. Daher kommt vielleicht auch das Gefühl, dass andere Menschen das nicht so nachvollziehen können.

    Ich selbst bekomme übrigens auch nach ca. 1-2 Jahren auf jeder Arbeitsstelle einen "Knick" nach unten, weil ich da in eine Phase der "Unsicherheit" komme. Das liegt sicherlich auch daran, dass dort sich einige ungünstige Ereignisse trafen in meiner Vergangenheit, so dass ich da teilweise der "Mohr war, der seine Schuldigkeit getan hatte". Aber ich weiss inzwischen auch, dass - wenn ich das schaffe, dies durchzuhalten - es sich danach wieder gebessert hat. Auf meiner letzten Stelle habe ich z. B. ganz bewusst das Gespräch mit meinem Vorgesetzten gesucht, der zwar ziemlich erstaunt war über mein Ansinnen war, aber der mir deutlich einen Teil der Unsicherheit nehmen konnte.

    Generell konnte ich mir allerdings auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich meine Arbeit im Prinzip gerne gemacht hatte (wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen ). Das war zwar nicht immer leicht, weil ich da ja so ein "kleines Wahrnehmungsproblem" habe, aber es hat mir schon geholfen, mich nicht ganz so absacken zu lassen.

  7. #7
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Soft_Egg schreibt:
    Hallo,

    seitdem ich berufstätig bin, plagen mich immer wieder auf allen meinen Arbeitsstellen die ich schon inne hatte, immer die selben Probleme.

    Ich weiß nicht ob es noch anderen Betroffenen so geht, bei mir läuft das auf der Arbeit immer nach demselben Schema ab, dass ich auch nicht durchbrechen kann.

    - ich bin im Vorstellungsgespräch so offen und verständnisvoll wie möglich, kann mich gewählt ausdrücken und bekomme schließlich den Job. Scheinbar gelingt es mir immer ganz gut, die Personalverantwortlichen von mir zu überzeugen
    - zu Anfang bin ich sehr interessiert und engagiert, mache Überstunden und knie mich voll rein. Die Arbeit macht mir Spaß und ich bin bei Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern beliebt. In der Einarbeitungsphase lerne ich recht schnell und schreibe immer alles detailliert mit. Ich erhalte viel Lob und meine Leistungen sprechen sich rum.
    - nachdem ich halbwegs eingearbeitet bin und der "Alltag" ansteht, sich die täglichen Aufgaben mehr und mehr wiederholen, ziehe ich mich mehr und mehr langsam aber stetig zurück. Meine intrinsische Motivation und mein Antrieb fahren zurück. Ich fange an Fehler zu machen und vergesse die Hälfte der mir übertragenen Arbeitsaufgaben. Es kostet mich Überwindung, etwas neues anzufangen bzw. angefangene Dinge zu Ende zu bringen. Jede Kleinigkeit wird mittlerweile zum Kraftakt. Mittlerweile bin ich auf der Arbeit konstant müde, es ist mir kaum noch möglich mich auf etwas zu konzentrieren. Fachgesprächen zu folgen ist mir fast unmöglich, ich bin viel zu leicht durch die kleinste Kleinigkeit abgelenkt. Smalltalk mit den Arbeitskollegen ist mir fast unmöglich, ich kann mich schlichtweg nicht wirklich für sie interessieren. Selbst wenn ich verkrampft versuche "aufmerksam zuzuhören", gelingt es mir nicht
    - ich bin zudem sehr introvertiert und schüchtern, was die ganze Sache noch extrem verkompliziert, da ich auf der Arbeit noch den Extrovertierten spielen muss (in meiner Position leider unabdingbar). Zudem habe ich "Angst" vor Vorgesetzten und befürchte, jederzeit und immer könnte ein Anruf vom Chef kommen, der mir eine weitere Aufgabe delegiert. Ich traue mich auch nie den Mund aufzumachen und zu sagen wenn mir etwas nicht passt. Ich beneide die Menschen die dass so einfach können. Ich habe viel zu viel Angst vor Kritik und Jobverlust.
    - irgendwann habe ich dann das Gefühl, zu viele Defizite in der Einarbeitungsphase gehabt zu haben, weil es auch nach einem, zwei Jahren einfach zu viele Basics bezogen auf die Arbeit gibt, über die die Anderen wie selbstverständlich reden (sogar Mitarbeiter die wesentlich kürzer in der Firma sind als ich), ich aber gar nichts zu sagen kann. Das verunsichert total.
    - Es stellt sich im Laufe der Zeit mehr und mehr das Gefühl der inneren Unruhe, der Getriebenheit und der Angst ein. Ich habe das Gefühl von der Vielfalt meiner Arbeit und den vielen offenen Aufgaben erschlagen zu werden, jeden Tag kommt noch eine Ladung mehr dazu. (Lässt sich sehr schön an der wachsenden Anzahl der emails im Posteingang "messen".
    - Ab und zu habe ich dann Momente wo ich mir sage "hey, das packst du, los geht's!". In solchen Stunden bin ich dann recht produktiv, dafür aber hinterher umso gestresster und erschöpfter. Das Grundproblem, dass mir die Arbeit einfach keinen Spaß (mehr) macht, bleibt bestehen. Und Sachen die mir keinen Spaß machen kosten mich ein Höchstmaß an Überwindung...
    - Irgendwann habe ich dann den Eindruck, dass mir Informationen auf der Arbeit vorenthalten werden und einfach Dinge über meinen Kopf hinweg entschieden werden.
    - Dank Reizdarm bin ich froh, wenn ich es gerade noch so eben unter großen Schmerzen zur Arbeit schaffe.
    - Die "innere Kündigung" habe ich immer schon recht früh im Hinterkopf

    Wenn ich mich zwei Jahre auf einem Arbeitsplatz halten kann, ist das schon viel. Diese ständigen Jobwechsel sind natürlich extrem belastend, da man zu Anfang immer alle Energien und Hoffnungen in den neuen Job setzt, um dann mit Vollgas gegen die nächste Wand zu donnern. Auch das Privatleben wird dadurch auf eine harte Probe gestellt. Keine Partnerin wird diese "Arbeitseinstellung" verstehen bzw. akzeptieren können, schließlich hängt ja die komplette Existenz einer Familie dran.
    Ich frage mich dann oft, ob es Sinn macht, sich dafür jeden Tag auf der Arbeit bis zur Erschöpfung zu quälen. Ich habe darauf bislang noch keine Antwort gefunden.

    Diesmal sind meine magischen zwei Jahre schon um, gekündigt habe ich noch nicht. Sicher auch nicht wegen Einwänden und Zuspruch meiner Frau. Aber es ist ein Spiel auf Zeit und ich merke wie die Uhr tickt. Mein Lebenslauf ist schon total vermurkst, wenn ich nochmal irgendwo eine halbwegs brauchbare Stelle bekommen würde, so würde das schon an ein kleines Wunder grenzen.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach nur mal den Hintern hochbekommen müsste, oder ich eine Arbeitsphobie habe... Ich würde so gerne in einem Job glücklich arbeiten bis zum Ruhestand wie viele anderen auch, es will mir einfach nicht gelingen...
    Hallo Soft_Egg (schöner Nick, wenn auch wahrscheinlich sarkastisch gemein?¿)

    Was mir aufgefallen ist und ich für recht bedeutungsvoll halte , sind Aussagen wie
    :"Meine Position zwingt mich dazu, extrovertiert zu erscheinen"
    aber auch
    "Meine Kollegen sprechen über Basics und ich kann nichts dazu sagen"


    Man könnte noch mehr dieser Beispiele heraussuchen.
    Vllt ist es tatsächlich so, dass Du anfänglich motiviert bist, weil Du hoffnungsfroh an die Sache ran gehst.
    Die Leistung kannst Du dann wegen der einkehrenden Routine nicht bei behalten (sehr typisch bei ADHS) und dann kommen die Fehler und der Frust.
    Das führt wiederum zu der Verunsicherung, die wird zur Angst.

    Das ist Hölle... finde ich nachvollziehbar.


    Eine Lösung habe ich leider nicht parat, aber mir fallen ein paar Stichpunkte dazu ein (und bitte nicht als Vorwurf verstehen... das sind Erfahrungen. ..eigene oder die von Freunden/Bekannten )

    > Erwartungshaltung ist ein Stichwort. Die Erwartungen an den Job und die Erwartungen an Dich selbst.

    - Du weißt zB im Vorfeld, dass die Routine zum Verhängnis werden kann/wird.
    - Du wusstest in diesem Fall, dass Du den Kollegen etwas vorspielen musst (Extrovertiertheit)
    - Vermutlich baut sich schon im Vorhinein ein innerer Druck auf und Dein Anspannungslevel ist ohne Grund schon auf einem recht hohen Niveau (das frist Energie und raubt die Konzentration)

    Vllt wäre eine Analyse Deiner Stärken und Schwächen, Deiner Wünsche/Bedingungen, die Arbeit betreffend sinnvoll. (Was für diesen Job evtl ja auch noch etwas bringen kann)
    >Als Beispiel : evtl gibt es abwechslungsreicher Stellen in Deiner Brache o.ä<
    Und Übungen für die Konzentration (auch wenn es Routine ist) und gegen innere Anspannung.


    Das alles sind natürlich keine ultimativen Lösungsansätze, könnten es Dir aber vllt leichter machen. Oft sind es ganz Grundsätzliche Problematiken, die aber nur in einem Lebensbereich verstärkt wahrgenommen werden.


    Also ich wünsche Dir, dass Du den Ausstieg aus dem schaffst.

    Liebe Grüße
    happy

    Noch einen Punkt vergessen, den ich aus Deinem Text heraus lese:
    Der Vergleich mit anderen ist Gift! Die Anderen sind nun mal anders, aber nicht unbedingt besser...
    (Das ist etwas, woran ich zB arbeite)
    Geändert von happypill (13.09.2015 um 18:05 Uhr)

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.731

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo Softegg,

    dass du die Wirkung des Ritalin erst beurteilen solltest, wenn du bei deiner optimalen Dosierung angekommen bist, hatten dir mehrere andere und ich ja schon geschrieben.

    Parallel solltest du dir aber als nichtmedikamentöse Unterstützung einen ADHS-Coach suchen. Kann auch ein Ergotherapeut oder eine Psychologin sein, es kommt weniger auf das Etikett als auf das ADHS-Verständnis der Person an.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach nur mal den Hintern hochbekommen müsste, oder ich eine Arbeitsphobie habe... Ich würde so gerne in einem Job glücklich arbeiten bis zum Ruhestand wie viele anderen auch, es will mir einfach nicht gelingen...
    Das ist aber ganz typische ADHS-Symptomatik und nicht nur Hintern hochbekommen. Vor allem würdest du weiter vergeblich auf "einfach mal" warten, wenn du es nicht als Teil deiner Störung betrachtest.

    Die ersten Jahre meiner Berufstätigkeit sahen auch so aus- mehrere sehr kurze Jobs, zuerst allseitige Begeisterung, dann Versagen und Unlust. Dann bekam ich eine Stelle mit einem sehr guten Chef, viel Gestaltungsspielraum und einem Anforderungsprofil das für mich genau richtig war, allerdings war die auf drei Jahre befristet. Später habe ich mich selbstständig gemacht und damit zeitlich zusammenfallend meine ADHS-Diagnose und Medikation gekriegt.

    Allerdings muss ich auch hier immer aufpassen, mich nicht zu verzetteln. Die Buchführung lasse ich das Steuerbüro machen, und für einige Routinearbeiten habe ich eine Bürohilfe. Dass ich auch langfristig weniger leisten kann als die meisten Kolleg(inn)en, habe ich akzeptiert und komme finanziell trotzdem zurecht.

  9. #9
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 21
    Forum-Beiträge: 24

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    Hallo Schnulli,
    Anscheinend bin ich nicht der einziger der in Medikation die Lösung der Arbeitsprobleme/Arbeitsunfähigkeit sucht.
    Was mi aufgefallen ist das immer öfter "versuchs mal mit diesem Medikament" in Beiträgen zu finden ist. Meine Frage dazu ist Wer hat den die Wahl sich das Medikament selbst auszusuchen? Wie macht ihr das so mit eurem Psychologen, sagt ihr einfach ..." Hey Guten Tag Herr Psychologe, Ich möchte es mal mit z.bsp Ritalin versuchen weil ich es einfach testen möchte." Und er sagt dann: "Ja ok geht klar ich schreib dir ein Rezept, mit vieviel mg möchtest du starten?" ..Oder was???

  10. #10
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.214

    AW: Ich pack's nicht auf der Arbeit

    @?psicópata?

    Wenn man eine ADHS-Diagnose erhalten hat, wird einem der Facharzt sicher empfehlen,
    je nach Schwere, Medikamente auszuprobieren.

    Sag mir doch bitte, wie man das "?" umdreht.
    Bist du Spanier?

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