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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    kurz vor dem Ziel

    Hallo zusammen,

    ich stehe gerade kurz vor dem Ende meines Studiums (Master) und habe gerade echt Probleme die Arbeit fertigzustellen.

    Kurz zu mir: Ich bin 30, habe eine Diagnose Asperger-Autismus im Erwachsenenalter bekommen, denke aber, dass ADS zutreffender ist.
    Ich neige ein wenig zu Automatismen, betreibe z.B. Hobbys ohne Sinn und Verstand, ohne darin irgendwie weiterzukommen. Ich bin auch computersüchtig.

    Mein Studium habe ich bisher gut hinbekommen, leider musste mein Privatleben stark darunter leiden. Ich war oft zu perfektionistisch (wollte gute Noten) und habe alles der Uni untergeordnet. Gleichzeitig hatte ich immer Schwierigkeiten ein gesundes Maß zu finden und versage insbesondere beim Schreiben kläglich. Sport habe ich schon lange aufgegeben und habe inzwischen 10-15kg Übergewicht, vor dem Studium war ich schlank und muskulös.

    Meine Partnerin hat mich nach vielen gemeinsamen Jahren vor 3 Wochen verlassen, weil ich mich habe zu lange gehen lassen und der Uni wesentlich mehr Zeit gewidmet habe als ihr, mir und uns. Soweit ist es gekommen. Ich hatte keine Energie mehr für anderes. Konzentrationsprobleme beim Lesen usw. kommen ja auch noch dazu...
    Inzwischen habe ich wenigstens wieder mit Sport angefangen und bin gut am Abnehmen.

    Meine Masterarbeit ist im Endstadium. Ich muss "nur noch" einen Textteil fertigstellen, zudem ich mir die letzten 2 Wochen eine partielle Rohfassung abgerungen habe.
    Ich bin gut in meinem Fach, ich kann gut formulieren. Ich habe sogar meistens einen roten Faden.
    Aber gerade komme ich einfach zu nichts. Mir fehlt jegliche Motivation, ich bin total gelangweilt und ich weiß nicht, wieso eigentlich. Ich habe in meinem Studium viele Arbeiten geschrieben, aber keine ging mir so sehr an die Substanz wie diese. Ich hatte bei keiner weniger Lust als bei dieser. In "normalem" Zustand wäre die Arbeit in 2 Wochen ab jetzt komplett fertig. Aber so wie ich meinen momentanen Zustand einschätze sind 2 Monate realistischer. Dabei arbeite ich schon seit 6 Monaten daran... andere schreiben ihre Arbeiten in 3 Monaten!!

    Früher war ich bei Arbeiten immer voll kreativ, habe Querverbindungen hergestellt zwischen Themen usw. Bei der jetzigen Arbeit bin ich einfach nur noch gelangweilt. Weil die Erkenntnisse hieraus sehr langweilig sind, unaufregend und nichts, was irgendwer tatsächlich lesen will. (Wenn ich mich schon beim Schreiben langweile, wie muss sich dann der Leser erst fühlen?)

    Ihr seht schon, es liegt einiges im Argen. Hinzu kommt noch, dass ich mir dringend Arbeit suchen muss. Promovieren sehe ich im Moment sehr kritisch, nachdem, was sich jetzt alles so ereignet hat und wie das Studium war. Ich will auch irgendwann noch leben! Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass es bei einer Vollzeitstelle anders wäre. Ich wäre vermutlich nach 3-4 Monaten ausgebrannt. In meinem Fachbereich gibt es leider auch keine Stellen, typischer Unistudiengang ohne Beruf am Ende

    So, das war jetzt einiges an Text. Ich musste mir das einfach auch mal von der Seele schreiben. Ich bin gespannt auf Antworten

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: kurz vor dem Ziel

    Hey,

    mach dich nicht selbst fertig.Du schreibst ja selber, dass bei dir privat einiges los war. Und du sagst auch, dass du unter normalen Umständen sowas in 2 Wochen schreiben würdest. Außerdem steht mit der Jobsuche ja auch ein völlig neuer Lebensabschnitt an, mir macht sowas total Angst...
    Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, dass in solchen Situationen, wenn ein Stück Stabilität verloren geht, zumindest mein ADS immer geradezu Amok läuft. Ich krieg nichts mehr gebacken und brauche für alles ewig. Klingt vielleicht bescheuert, aber als mein Yogalehrer verkündet hat, dass es Juli und August keine Yogastunden geben wird, weil er sich bei der Hitze nicht gut fühlt und nicht unterrichten kann, ist für mich halb die Welt zusammen gekracht. Auf einmal Mittwochs und Samstags kein Yoga mehr. Ersatzstunden bei nem anderen Lehrer haben nichts gebracht. Gar nichts. Meine komplette Routine auf den Kopf gestellt...

    Was ich dir raten kann ist, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn du dir mal bewusst ne Woche frei nimmst. Grade jetzt im Sommer. Mal irgendwo anders hin, vielleicht auch irgendwas mit ganz viel Sport und einfach erst mal wieder runter kommen. Kopf frei kriegen. Und schön weit weg von der Ablenkung und Sucht namesn Computer. Und dann nochmal ganz von vorne anfangen. Du hast das Thema sicher gewählt, weil du es interessant findest. Strukturier es nochmal neu. Am Ende kannst du ja aus dem, was du schon hast, die guten Sachen rüber copy-pasten. Oder sie vielleicht neu verknüpfen. Ich halte dir die Daumen. Du schaffst das.

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 268

    AW: kurz vor dem Ziel

    Vielleicht magst Du ja wegen der Anonymität im Internet per pm erzählen, worum es bei Deiner Arbeit geht. Möglicherweise ist es ja für mich gar nich so langweilig, wie es Dir jetzt erscheint. Davon zu erzählen könnte ggf. helfen. Du kannst es ja ausprobieren und darfst mir zu dem Zweck schreiben.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: kurz vor dem Ziel

    Hi zusammen,

    danke für eure Antworten!

    @Gianna: wer weiß, vielleicht komme ich auf dein Angebot noch zurück. Danke :-)

    @Kinmoku: Ich habe diese Nacht viel nachgedacht und bemerkt, dass ADS nicht einmal das große Problem darstellt im Moment. Ich habe mich einfach seit einiger Zeit wieder in einer Depression verfangen. Ich kenne das Spiel, mache es schon seit meiner Kindheit mit. Diesmal ging es mir über eine lange Zeit so gut, dass ich es einfach nicht bemerkt habe, dass "der Schatten" mich wieder begleitet.

    Meine Konzentrationsstörungen und mein Nicht-Arbeiten-Können kommen von der Depression, nicht vom ADS. Für meine "Verpeiltheit" habe ich eigentlich immer irgendwie eine Lösung gefunden...
    Der Normal-Zustand ist bei mir schon lange weg. Seit Beginn des Masters ging es mit meiner Stimmung bergab. Kein Wunder, dass mich meine Partnerin verlassen hat, wer hält das schon auf Dauer aus. Auslöser waren Verbissenheit und Stress... Ich muss in Zukunft besser aufpassen und mir nun schleunigst ein Antidepressivum besorgen. Ich hoffe, ich kann die Arbeit dennoch einigermaßen zügig meistern.

    Ich bin eigentlich erst auf den Trichter gekommen, als ich mir vorgestellt habe, wie ich am Anfang meines Studiums war, meine Laune damals, meine Freude am Fach, am Arbeiten und Tüfteln. Das ist alles verschwunden, obwohl es ja doch tief in mir schlummert. Ich kann es nur nicht mehr fühlen wie früher. Allgemein ist alles so dumpf. Nunja, wer Depressionen hatte, kennt das vermutlich.

    Ich schätze, ich werde die Krankheit nie mehr loswerden. Das war eine wichtige Lektion für mich. Immerhin schlagen bei mir Medikamente meistens an.
    Meine Computersucht ist nur der automatisierte Versucht mit Dopaminkicks den Serotoninmangel auszugleichen.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 11

    AW: kurz vor dem Ziel

    Hallo Indy,

    ich glaube, du hast dein Problem gut erkannt und das ist - meiner Erfahrung nach - auch schon die halbe Miete und eine Fähigkeit die nicht alle haben!

    Indy schreibt:
    Ich schätze, ich werde die Krankheit nie mehr loswerden.
    Ich würde eher sagen, du wirst eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen nicht mehr los. Was aber nicht heißt, dass du dazu verdammt bist in regelmäßigen Abständen Depressionen zu bekommen.

    Der springende Punkt ist meiner Meinung nach die Auslöser für die Depression zu meiden. Bei mir mit sehr ähnlichen Diagnosen war das eindeutig Überforderung im Alltag (Perfektion im Studium, neue Umgebung, neue Freunde und, und, und ... ), die ich über Monate kompensieren konnte, aber irgendwann eben nicht mehr. Da habe ich mich dann zuerst aus allem Sozialen zurückgezogen (liest sich bei dir sehr ähnlich, z.B Freundin und Sport) und dann kam die Depression, die natürlich Rückzug und noch mehr Überforderung mit sich brachte.

    Also versuch neben den Antidepressivum auch zu schauen, wo du den Druck etwas herausnehmen kannst. Ich weiß, dass ist leicht gesagt, aber zumindest bei mir war Ansprüche an mich selber senken echt die einzige langfristige Lösung. Bei mir war das z.B eine eigene Wohnung, keine WG mehr - in der Nähe der Uni, Schluss mit dem Nebenjob, eine Veranstaltung pro Semester weniger, ... . Bei dir ist das natürlich etwas anderes, weil du ja mit dem Studium schon fast fertig bist, aber ähnliches ist vielleicht möglich? Wäre eine Teilzeitstelle (30 bis 35 statt 40 h) etwas für dich bzw. geht das in deinem Bereich? Auch wenn du sagst, dass ADS dein kleineres Problem ist: Hast du es schon mal mit Medikamenten probiert? Auch wenn du im Prinzip kompensieren kannst, kostet dieses Kompensieren doch Kraft und die brauchst du jetzt vielleicht in anderen Bereichen.

    Was ich sagen will: Nimm die Depressionen nicht als Schicksal hin, sondern mach es ihnen mit langfristigen Maßnahmen so schwer wie möglich! Kurzfristigere Maßnahmen wie das Antidepressivum sind natürlich auch wichtig, aber bist du ja ehe daran. Ich hoffe, du bekommst bald einen Termin beim Arzt.

    So, ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu altklug.
    Nur ich selber habe so viele Jahre gebraucht um genau das zu verstehen. ADS/ADHS und Asperger machen das Leben anstrengender und deshalb ist es vollkommend in Ordnung und auch sehr klug, den Druck in manchen Bereichen etwas zu senken. In deinem Fall z.B sich noch ein paar Wochen länger für die Masterarbeit Zeit zu lassen. Ich stelle mir immer vor, ob es in 10 Jahren noch einen Unterschied macht, ob ich mich jetzt stresse oder es etwas ruhiger angehe.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: kurz vor dem Ziel

    Hi Selvina, danke für deine Antwort

    Ja, bei mir war es auch irgendwann so, dass ich immer weniger Veranstaltungen besucht habe. Die freiwilligen habe ich ganz aufgegeben. Ich habe auch sonst versucht möglichst alle Anstrengungen geringer zu halten. Aber irgendwann endet man dann eingeigelt allein in der Wohnung und kommt gar nicht mehr raus...

    Das Medikament nehme ich jetzt schon 3-4 Tage. Gerade rechtzeitig, weil ich jetzt langsam auch noch die Trennung verarbeiten muss, die mir nicht gerade leicht fällt.

    Mit den langfristigen Maßnahmen hast du absolut Recht. Ich habe versucht mir jahrelang einzureden, dass ich einmal Karriere machen werde, dabei will ich eigentlich schon seit Jahren nur einmal irgendwo "ankommen", irgendwo, wo ich mich auch wohlfühle. Das betrifft Berufsleben wie Freizeit...

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 6

    AW: kurz vor dem Ziel

    Ich kann dich total gut verstehen. Ich muss in einem Monat meine Diplomarbeit abgeben. Ich habe die letzen Wochen und Monate für meine Verhältnisse ziemlich motiviert und engagiert daran gearbeitet. Aber seit ca. 2-3 Wochen ist bei mir auch die Luft raus. Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt, aber ich habe keine Trennung oder andere belastende Ereignisse hinter mir.
    Ich habe auch (momentan leichte) Depressionen und nehme Antidepressiva. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst sabotiere.

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