Hi zusammen,

wie die Überschrift schon sagt, möchte ich hier darauf eingehen was für Erfahrungen ich mit dem Thema AD(H)S und Berufsfindung gemacht habe.

Nach einem recht chaotischen "Arbeitsleben" mit nicht Diagnostizierter AD(H)S. Verbrachte ich die letzten 17 Jahre damit, eine Ausbildung und einen haufen schöner Arbeitsplätze zu zerstören. Die Diagnose AD(H)S habe ich dann anfang diesen Monats bekommen und mit Hilfe von meinem Schmerztherapeuten + Psychologin und umstellung der Medikamente auf Targin 10/5 alle 8 Stunden und Tavor Expident bei Bedarf meine "Aussetzer" im Griff.

Ich habe das Gefühl unter Opiat Medikamenten das erste mal halbwegs zu funktionieren und nicht blöde zu sein.
Hatte schonmal eine Berufsfindung über das Arbeitsamt 2008, bei der ich ohne Medikamente zu blöde für "alles" war und dann zum Berufskraftfahrer umgeschult wurde wegen mangelnder Eignung.

Nachdem beim Zwischengespräch mit der Psychologin das Thema AD(H)S nach 5 Tagen zur Sprache kam, spielte ich mit offenen Karten und hatte das Gefühl nun klappte alles noch besser.

Eine Gruppenarbeit gab es noch, bei der ich mich mit einer schnellwirkender Tavor runter holen musste, weil ich sonst wegen der Unfähigkeit der andren beiden, wieder alles hingeschmissen hätte. (Mussten Murmelbahn aus Papier bauen)

Ich kann stolz sein, das Resultat war ein Ergebnis mit dem ich so nie gerechnet hätte. Meine Leistungen in Deutsch waren zwar nicht berauschend aber mit 2 mal 3,1 auch nicht so schlecht wie erwartet. Alle andren Testungen schloß ich durch ungewohnte Aufmerksamkeit im 1er Bereich 30% über durchschnitt ab. Nicht nur das ich mir aus 15 Berufen einen aussuchen konnte, es wurde zudem geschaut in welchem Beruf ich mich vermutlich mit meiner AD(H)S Symptomatik am besten zurechtfinden würde.

Den größten "Erfolg" sah ich zusammen mit der Psychologin in einer Umschulung zum Fachinformatiker Fachrichtung Systemintegration.

Meine größtes Problem war bisher, vermutlich die große Unterforderung und Routineaufgaben die mich aneggen ließen, die wegen meiner fehlender Selbstkontrolle eskalierten und im unrevidierbaren Bereich im Verhalten gegenüber Vorgesetzten ausarteten, die meistens eine Kündigung oder mein nicht mehr hingehen zur folge hatte.

Hoffe durch die Medikamentöse behandlung nun mein Berufsleben in den Griff zu bekommen und meine Umschulung zu bestreiten. Durch das "offenlegen" meiner Diagnose ist es mir nun auch möglich für Prüfungen, gewisse "Vorteile" zu nutzen z.B. einzelraum wegen Ablenkung durch andre Leute in Prüfungen etc.

Für jemand wie mich, mit einem verkorsten Berufsleben, ist es eine super Sache an so einer Veranstalltung teilzunehmen. Das ganze wird auch von der DRV oder vom Arbeitsamt bezahlt, wenn nicht wie bei mir, ein Berufsgenossenschaftlicher Fall vorliegt.

Kann nur jedem Empfehlen eine solche Veranstalltung zu besuchen und alle Fakten auf den Tisch zu legen, dem es im beruflichen Leben ebenso ergagen ist.

Liebe Grüße

Bengatzu